AW: Joachim Schroetter
Lieber Joachim,
natürlich bin auch ich traurig, dass ich nicht in Frieden in einer Freien Stadt Danzig weiterleben konnte und dort unter anderen Umständen vielleicht noch heute dort leben würde. Gerade wir damals in Danzig Geborene sollten uns aber mit aller Welt bewusst sein, warum es nicht zu diesem Traum kam. Ich bin ein Kind der Freien Stadt Danzig, die sich nach verlorenem Ersten Weltkrieg und Versailles in einem politischen Sonderstatus mit dem sie umgebenden Polen arrangieren musste, von dem sie außerdem noch in auswärtigen Angelegenheiten offiziell vertreten wurde. Das war für Danzig kein erfreulicher Zustand, es galt aber, ihn vertragsgemäß einzuhalten. Mit gutem Willen und friedliebender Einstellung wäre das m.E. auch lange gelungen. Doch wie sah die Wirklichkeit auf Danzigs Seite aus? Man zeigte sich dort von Anfang an mit diesem Zustand unzufrieden, und leider wurde dort das Bestreben, wieder zum Deutschen Reich zu gehören, immer stärker. Man erlaubte in der Freien Stadt Danzig, für mich unverständlich, das Fußfassen der aggressiv-militanten Pöbel-NSDAP, einer nur im "Reich" zugelassenen Partei, man wählte deren von A.H. für Danzig bestimmten Anführer (Gauleiter) Forster, der sonst keinerlei Bezug zu Danzig hatte, mit nur 29 Jahren zum Ehrenbürger der Freien Stadt Danzig (!), und man nannte früher als andere Städte im "Reich" altbekannte Danziger Straßennamen in "A.H.-Straße" um. Und so schaukelte sich die Freie Stadt ziemlich schnell zur "braunen" Stadt hoch, wurde daran leider nicht vom Völkerbund abgehalten, und bejubelte schließlich, "befreit", im September 1939 in der Langgasse frenetisch "ihren Führer", der nach dem grausamen Sieg über Polen sich dort im offenen Wagen feiern ließ. (Schade, dass damals niemand bereit war, diesen Unmenschen bei solch günstiger Gelegenheit in gleicher Weise zu töten, wie es 1963 leider John F. Kennedy erfahren musste.)
Dies zu meiner Sicht meines Verlustes von Danzig als bleibenden Wohnort, der noch dadurch wesentlich verstärkt wird, dass ich wegen der o.a. Entwicklung meinen Vater im März 1945 in Danzig durch eine russische Luftmine verlor.
Viele Grüße
Ulrich
Lieber Joachim,
natürlich bin auch ich traurig, dass ich nicht in Frieden in einer Freien Stadt Danzig weiterleben konnte und dort unter anderen Umständen vielleicht noch heute dort leben würde. Gerade wir damals in Danzig Geborene sollten uns aber mit aller Welt bewusst sein, warum es nicht zu diesem Traum kam. Ich bin ein Kind der Freien Stadt Danzig, die sich nach verlorenem Ersten Weltkrieg und Versailles in einem politischen Sonderstatus mit dem sie umgebenden Polen arrangieren musste, von dem sie außerdem noch in auswärtigen Angelegenheiten offiziell vertreten wurde. Das war für Danzig kein erfreulicher Zustand, es galt aber, ihn vertragsgemäß einzuhalten. Mit gutem Willen und friedliebender Einstellung wäre das m.E. auch lange gelungen. Doch wie sah die Wirklichkeit auf Danzigs Seite aus? Man zeigte sich dort von Anfang an mit diesem Zustand unzufrieden, und leider wurde dort das Bestreben, wieder zum Deutschen Reich zu gehören, immer stärker. Man erlaubte in der Freien Stadt Danzig, für mich unverständlich, das Fußfassen der aggressiv-militanten Pöbel-NSDAP, einer nur im "Reich" zugelassenen Partei, man wählte deren von A.H. für Danzig bestimmten Anführer (Gauleiter) Forster, der sonst keinerlei Bezug zu Danzig hatte, mit nur 29 Jahren zum Ehrenbürger der Freien Stadt Danzig (!), und man nannte früher als andere Städte im "Reich" altbekannte Danziger Straßennamen in "A.H.-Straße" um. Und so schaukelte sich die Freie Stadt ziemlich schnell zur "braunen" Stadt hoch, wurde daran leider nicht vom Völkerbund abgehalten, und bejubelte schließlich, "befreit", im September 1939 in der Langgasse frenetisch "ihren Führer", der nach dem grausamen Sieg über Polen sich dort im offenen Wagen feiern ließ. (Schade, dass damals niemand bereit war, diesen Unmenschen bei solch günstiger Gelegenheit in gleicher Weise zu töten, wie es 1963 leider John F. Kennedy erfahren musste.)
Dies zu meiner Sicht meines Verlustes von Danzig als bleibenden Wohnort, der noch dadurch wesentlich verstärkt wird, dass ich wegen der o.a. Entwicklung meinen Vater im März 1945 in Danzig durch eine russische Luftmine verlor.
Viele Grüße
Ulrich
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