Die Juden in Danzig

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  • StampCollector
    Forum-Teilnehmer
    • 19.01.2014
    • 924

    #136
    AW: Die Juden in Danzig

    Zu #114:
    Danke für den Link!

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    • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
      Forum-Teilnehmer
      • 13.02.2008
      • 3493

      #137
      AW: Die Juden in Danzig

      Ein sehr bekannter Psychiatrist, Emanuel Tanya hatte sich eine Meinung ueber die Situation im Deutschen Reich gemacht : " Nur wenige waren wirkliche Nazis. - Viele erfreuten sich an der Wiedergeburt eines ruinierten Deutschlands, - Und wieder andere waren viel zu beschaeftigt um sich um andere Dinge zu kuemmern, die sie nicht betroffen. - Eine grosse Anzahl, dachten dass die Nazis eine Gruppe von aeusserst narrischen Extremisten waren und nicht ernst zu nehmen waren." Wie die Geschichte uns immer wieder erzaehlt, Millionen von Menschen sind umgebracht worden weil die friedensliebende Mehrheit die Fanatiker nicht ernst genommen hatte. Liebe Gruesse an alle von der Feli

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      • waldkind
        Forum-Teilnehmer
        • 06.10.2008
        • 2366

        #138
        AW: Die Juden in Danzig

        Genau das meinte ich StampCollector, dass die Juden eine längere Geschichte in und um Danzig gehabt haben müssen. Und es dürfte interessant sein,wie diese verlief.

        Danke für die gehaltvollen Links. Ich möchte noch den von der Geschichte der Juden in Deutschland dazusetzen. Vielleicht gibt es ihn auch schon.
        Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Juden immer dann gern gesehen waren, wenn sie wirtschaftlich was einbrachten und dann nicht gern gesehen waren, wenn sie zu eigenen wirtschaftlichen Erfolgen gelangten und damit zu Konkurrenten wurden. Auch schienen sie öfter die Sündenbock-Rolle übernehmen zu müssen. Dann gab es die Verfolgungen aus Glaubensgründen. Was Danzig anbelangt schienen Juden insgesamt nicht beliebt gewesen zu sein. Ich meine speziell in der Ohra-Chronik solches herausgelesen zu haben.
        König Friedrich Wilhelm III. samt seiner Luise waren sehr bestrebt in Preußen Reformen durchzuführen. Die gingen manchmal sehr schief aus und stießen auch im Volk auf Widerstand.

        Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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        • StampCollector
          Forum-Teilnehmer
          • 19.01.2014
          • 924

          #139
          AW: Die Juden in Danzig

          Im mittelalterlichen und neuzeitlichen Danzig wurden die Juden "nur" ausgegrenzt, aber nicht verfolgt, wie in manchen deutschen Städten. Die polnischen Könige fanden, daß die Juden gut für die Entwicklung Polens wären (Handwerk, Wirtschaft...) und haben ja auch entsprechend gegen die Interessen der deutschen Kaufleute interveniert.

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          • Bartels
            Forum-Teilnehmer
            • 25.07.2012
            • 3448

            #140
            AW: Die Juden in Danzig

            Zu den Judenprogromen in Mitteleuropa und Deutschland (11. - 14. Jh.), siehe auch: wikipedia Judenpogrom

            Neben Glaubensgründen und "Brunnenvergiftung" (Juden überlebten die Pestzeit oft besser, dank ihrer Ritualbäder), - spielten auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle: Die Schuldscheine wurden entwertet und man konnte sich Immobilien und den mobilen Besitz aneignen.

            Die Juden der Schum-Städte (Speyer, Worms, Mainz) flohen nach Osten und begründeten dort das Schtetl mit deutscher / jiddischer Sprache.

            Die Geschichte der "Danziger" Juden ist im Link von Ulrich 31, siehe #114 bestens nachzulesen.

            Fazit: Juden waren in Danzig seit dem 14. Jahrhundert unerwünscht, aber durch ihre Handels- und Bankverbindungen geduldet. Ihre Ansiedlung wurde fast immer auf "Vororte" ausserhalb des Stadtgebiets abgedrängt. (Auch die freie Hansestadt Hamburg, hatte ein Ansiedlungsverbot für Juden, die sich im "Ausland" Altona ansiedelten (zeitweise dänisch).

            Der König von Polen (zeitweise Personalunion mit Sachsen) hielt seine schützende Hand über Juden. Das liess er sich aber von seinen "Schutzjuden" auch fürstlich bezahlen. - Wenn die Kassen der Fürsten leer waren, wurden die Steuern der Juden oft verdoppelt ...

            Die Emanzipation der Juden setzte mit Napoleon Bonaparte ein, real verwirklicht wurde ihre Gleichstellung erst mit der Reichsgründung 1871. - Als erste erkannten Juden auch den Wert universitärer Bildung, so war jeder dritte Arzt im deutschen Reich Jude, - genauso wie auch jeder dritte Student.

            Im Dritten Reich wurde aus der Verfolgung aus Glaubensgründen (Antijudaismus), dann der Antisemitismus, bei dem alleine die "rassische" Abstammung zählte.
            Beste Grüsse
            Rudolf H. Böttcher

            Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
            Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
            Familie Zoll, Bohnsack;
            Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
            Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

            http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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            • Ulrich
              Forum-Teilnehmer
              • 30.01.2009
              • 280

              #141
              AW: Die Juden in Danzig

              Hallo Waldkind, hallo Stamp-collector,

              der Ausgangspunkt dieses Threads war von Birke Rühle. Sie spricht im ersten Beitrag von ihrem Buch:
              "Über die traurige Geschichte der Danziger Juden habe ich in meinem Buch Der Entnazifizierte. Eine Tochter deckt die Verstrickungen ihres Vaters in der NS-Zeit auf., R.G.Fischer, 2013 Folgendes geschrieben:
              Einen wachsenden Anteil der Bevölkerung stellten nach 1920 die Juden in Danzig dar und es kamen im Verlauf der dreißiger Jahre weitere Juden aus dem Osten hinzu, denn sie fühlten sich in der vom Völkerbund beaufsichtigten Stadt vor den Übergriffen der Nazis sicher. „Diese Sicherheit führte in den Jahren 1933 – 1936 zu einem überraschenden Wachstum der jüdischen Bevölkerung in Danzig.“
              Im November 1939 wohnten in Danzig ca. 10 500 Juden, von denen ca. 5 000 die Stadt wegen der judenfeindlichen Maßnahmen verließen. Am 31.8.1924 waren es 9 239 gewesen, es wurden zu dieser Zeit 222 818 Evangelische, 140 797 Katholiken und 11 141 Anhänger anderer Religionen gezählt. Insgesamt wohnten 1924 etwa 484 000 Menschen in der Freien Stadt Danzig
              Ich habe bei späteren Einwohnerzahl-Angaben nie wieder die Anzahl der Israeliten in Danzig gelesen. 1940 sollen es noch 600 gewesen sein. Ich vermute, dass wohl alle Juden und andere Unbeliebte in den Jahren der Herrschaft der Nationalsozialisten unter dem Verbrecher Forster verschleppt und vor allem im KZ Stutthof ermordet wurden.
              Seit 1990 gibt es in Danzig wieder eine jüdische Gemeinde. Sie zählte im Jahre 2011 etwa 100 Mitglieder".
              Was ist ihr Thema?
              Sie schreibt nicht über die Geschichte der Juden allgemein, sondern speziell über die Juden in Danzig, nicht über die Juden in Danzig allgemein, sondern in Bezug auf die "Verstrickungen ihres Vaters in der NS-Zeit" - vermutlich doch in die Verfolgung der Juden in Danzig, und zwar in der Nazizeit.

              Wie ich in diesem Thread gelernt habe, kann man dieses Thema auf viele Weisen verfehlen, oder sagen wir: damit neutralisierend umgehen. Die neueste Technik im Thread, dieses Thema zu verfehlen, ist, sich für die Betrachtung der Geschichte der Juden (in Danzig oder überhaupt) im Allgemeinen auszusprechen.. Kann man machen. Nur:
              Die darf man nach Erwin Lichtensteins Vorarbeit aber allerspätestens nach Samuel Echts Buch "Die Geschichte der Juden in Danzig" (1972) bei Leuten, die sich für dieses Thema interessiern, als bekannt annehmen, zumal auch hier im Forum seit Jahren darauf hingewiesen wird.
              Aber die Neutralisierer seien gewarnt: Nur bis S. 120 lesen! bis 1930!

              Haupthema des Threads scheint mir zu sein: Das (Nicht-)Sprechen über die Judenvernichtung, um einen Buchtitel von Katharina Rothe zu zitieren, oder: Vorführung von Techniken der Neutralisierung und Ablenkung von der "Verstrickung" der Danziger in den Holocaust. Das ist deutsche Gegenwart
              Ulrich.

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              • StampCollector
                Forum-Teilnehmer
                • 19.01.2014
                • 924

                #142
                AW: Die Juden in Danzig

                Die überdurchschnittliche Bildung jüdischer Bürger kann ich an einem Spruch eines Arbeitskollegen festmachen: "Bei den Juden gibt es viele schlaue Leute - das macht viele Leute eifersüchtig!" Ich finde diese Aussage gut!

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                • StampCollector
                  Forum-Teilnehmer
                  • 19.01.2014
                  • 924

                  #143
                  AW: Die Juden in Danzig

                  Schuld:
                  Ich selber habe keine Wurzeln in Danzig, finde diese Stadt aber sehr interessant.
                  Mein Großvater, ein Arbeiter war während der Weimarer Republik ein erklärter Gegner des NS-Regimes (Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold). Nach einigen Jahren Arbeitslosigkeit ist er dann 1935 Mitglied der NSDAP und Mitglied des lokalen SA-Sturms geworden. Er hat dann wieder Arbeit in der Schwerindustrie (Rüstungs-Industrie) gefunden. Wir haben damals auch darüber gesprochen - er hat mir viel erzählt, aber Fragen bleiben...
                  Meine Omi war da etwas anders. Auch sie hatte einen linken "background". Sie war mit dem Regime nicht im Einklang: Sie ist nie einer NS-Organisation beigetreten und hat deswegen auch "Ehekräche" gehabt. Sie hat auch "Radio London" gehört. Letztendlich hat sie meinem Opa u.U. das Leben gerettet...
                  Manchmal ist die Geschichte des "Dritten Reiches" nicht so einfach.
                  In meinem Heimatort kam es 1938 auch zu "spontanen Protesten" gegen die Ermordung des Legationssekretärs Ernst Eduard vom Rath. Wie überall im Reich wurde die Synagoge angezündet. Die Feuerwehr schützte nur die Nachbargebäude... Jüdische Geschäfte wurden demoliert, jüdische Bürger wurden drangsaliert.
                  Mein Opa, den ich über alles geliebt habe war möglicherweise irgendwie daran beteiligt?!
                  Das ist eine Frage, die mich fertig macht.

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                  • StampCollector
                    Forum-Teilnehmer
                    • 19.01.2014
                    • 924

                    #144
                    AW: Die Juden in Danzig

                    Mein anderer Großvater war hingegen ziemlich unpolitisch. Er hatte nur das Wohl seiner Familie im Sinn. Als Kleinhändler hat er auch gerne bei einem jüdischen Großhändler gekauft, weil der eben billiger war, als die "arische" Konkurrenz. Den Familiennamen des Großhändlers konnte ich übrigens in der bereits erwähnten Gedächtniskartei finden (leider nur die Eckdaten).

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                    • Bartels
                      Forum-Teilnehmer
                      • 25.07.2012
                      • 3448

                      #145
                      AW: Die Juden in Danzig

                      Danzig 1938 - 1945

                      Um ihre Auswanderung zu finanzieren, verkauften die Danziger Juden sämtlichen Grundbesitz, einschliesslich der Großen Synagoge. Bei den "Danziger Kindertransporten" wurden 124 Kinder nach England verschickt! - Ein Denkmal erinnert seit 2009 am Danziger Hauptbahnhof daran.

                      Bei Kriegsausbruch (1. September 1939) waren noch ca. 1 700 Juden in Danzig. Eine kleine Gruppe wurde nach Stutthof transportiert, andere in Danzig inhaftiert. Durch die Verfassung der Freien Stadt bestand bis April 1940 noch ein gewisser Schutz, und noch bis August 1940 konnten Juden geregelt auswandern. - Danzig hatte da eine Ausnahmeposition.

                      Von 1940 bis 1943 wurde ein Ghetto mit ungefähr 600 Personen in Danzig eingerichtet (Mysia-Strasse). Danach erfolgte die Deportation nach Theresienstadt (Ghetto & KZ) und ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

                      Etwa 22 Danziger Juden, in "Mischehen" überlebten die Vernichtung, sie haben Danzig nach Kriegsende verlassen.


                      Das KZ Stutthof war kein Vernichtungslager, die hohe Zahl der Opfer beruht auf Epidemien und Überarbeitung. Seit 1944 wurden Juden aus KZs in Ungarn, dem Baltikum, im Osten Polens und von Auschwitz nach Stutthof transportiert. - Die Räder der Reichsbahn rollten nicht mehr für den Sieg, sondern um den Massenmord noch einige Monate vor der Weltöffentlichkeit zu verbergen!
                      Beste Grüsse
                      Rudolf H. Böttcher

                      Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
                      Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
                      Familie Zoll, Bohnsack;
                      Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
                      Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

                      http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

                      Kommentar

                      • Ulrich
                        Forum-Teilnehmer
                        • 30.01.2009
                        • 280

                        #146
                        AW: Die Juden in Danzig

                        Hallo Stamp collector,

                        auch mein Großvater war Förderer und - mit meinem angeheirateten Onkel (von Mai 1933 bis Frühjahr 1934) Mitglied der NSDAP.
                        Als im Frühjahr 1934 rauskam, dass er eine jüdische Mutter gehabt hatte, wurden sie aus der NSDAP rausgeworfen. Seitdem stand er mit seiner gehörlosen Frau und seinen beiden erwachsenen, ebenfalls "nichtarischen" Kindern und seinem "Jüdisch versippten" Schwiegersohn auf der Verliererseite. Dazu kamen dann noch in Danzig die in den sspäten dreißiger Jahren geborenen drei Kinder aus der Ehe seiner "Mischlings"-Tochter mit dem "arischen" Schwiegersohn.

                        Sein Sohn, mein Vater, seinerzeit "Nichtarier"j, bzw. jüdischer Mischling 2. Grades", erfuhr von der Zeit der NSDAP-Mitgliedschaft seines Vaters erst in den 50iger Jahren, die er vor uns geheimhielt. Wie ich jedoch seinem Briefwechsel - und zwar einem fehlenden Brief - entnehmen kann,war er darüber vollkommen fassungslos. In deiner Fassungslosigkeit erkenne ich seine.

                        Ulrich

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                        • Bartels
                          Forum-Teilnehmer
                          • 25.07.2012
                          • 3448

                          #147
                          AW: Die Juden in Danzig

                          Nachtrag:

                          Ghetto Danzig: Mausegasse 7 - ein Speicher auf der Speicherinsel

                          Rudolf H. Böttcher
                          Beste Grüsse
                          Rudolf H. Böttcher

                          Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
                          Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
                          Familie Zoll, Bohnsack;
                          Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
                          Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

                          http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

                          Kommentar

                          • Ulrich
                            Forum-Teilnehmer
                            • 30.01.2009
                            • 280

                            #148
                            AW: Die Juden in Danzig

                            Nachtrag zu 126:

                            Noch einmal war er - wörtlich - fassungslos: Er berichtete mir, es mag in den 70-iger Jahren gewesen sein, dass er als Wehrmachtssoldat in seiner Kolonne marschierend mitansah, wie deutsche Soldaten jüdsche Zivilisten von einem Turm in den Tod stürzten. Und unter Tränen: "Es waren Deutsche, es waren unsere Soldaten".
                            Ulrich

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                            • waldkind
                              Forum-Teilnehmer
                              • 06.10.2008
                              • 2366

                              #149
                              AW: Die Juden in Danzig

                              Lieber Ulrich,
                              bezugnehmend auf deinen Beitrag 121:
                              Ich wollte in diesem Thread nicht politisieren und habe zumindest dazugelernt, dass einem ein allgemeines Interesse am Judentum neuerdings als Antisemitismus ausgelegt wird und gleichgesetzt wird mit "Nicht über Juden-Vernichtung" reden wollen. An meinem Ort reden wir viel darüber. Es gibt viele Initiativen und es ist täglich präsent. Schon in der Schule ist es ständig Thema. Ich glaube nicht, dass die Geschichte der Juden in Danzig bekannt sein sollte, wenn man sich mit der NS-Vernichtungspolitik auseinandersetzen will. In meinem Leben wurde immer von der NS-Zeit gesprochen und nicht vom Judentum. Ist es verwerflich, wenn man sich für das Volk interessiert, um das es geht?
                              Du würdest wohl anworten: Aber nicht in diesem Thread. So sei es denn! Wieder eine Möglichkeit der Begegnung weniger.
                              Ich möchte erwähnen, dass ich oft schon Israelis in meiner Stadt getroffen habe, die von Holocaust noch nie etwas gehört haben und ganz unbetrübt in eine Begegnung gehen. Auch dafür gilt es Umgangsweisen zu finden. Wie die vielen verschiedenen Welten und Ebenen zu diesem Thema zusammenbringen? Drei Generationen, die ganz unterschiedlich damit umgehen.

                              Ich habe mich an dieser Stelle entschieden, dass ich nicht Danzigerin genug bin, um hier mitreden zu können. Als Nachkriegsgeborene kann ich nicht aus danziger Erinnerungen schöpfen und Brücken finde ich hier keine. Allenfalls bin ich in der Lage das Thema zu verfehlen. Als Nicht-Danzigerin kenne ich vor Ort befreundete Juden, die sich gerne mit mir auseinandersetzen, über die Judenermordungen und die jüdische Geschichte und Kultur. Das eine schließt das andere nicht aus.

                              Ich danke dir für deine Offenheit. waldkind.
                              Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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                              • Birke Rühle
                                Forum-Teilnehmer
                                • 07.09.2013
                                • 48

                                #150
                                AW: Die Juden in Danzig

                                Hallo
                                Alle,
                                Die Juden in Danzig (Teil 2)

                                Zu Geschichte der Juden vor der sog. „Emanzipation“ im 19. Jh. in Danzig konnte ich nur wenig in den bekannten Büchern zur Geschichte der Stadt (Loew, Schenk, Fischer, Keyser, Simson) finden. Lediglich zwei Nachweise las ich, als Anfang und Mitte des 18. Jh. die sog. 3. Ordnung mehr Einfluss zu nehmen forderte. Dort wird erwähnt, dass die Juden, die lediglich außerhalb der Stadt siedeln durften und die Stadt nur zu den Jahrmärkten betreten durften, wiederum ausgegrenzt wurden. Welche Rechte sie sich zur Zeit der Hanse vom polnischen König, dem die Stadt huldigte, um die Handelsrechte bestätigt zu erhalten, erkaufen konnten, habe ich nicht auf die Schnelle gefunden.
                                In besonderen Notzeiten wie zu Beginn des 18. Jh. wurden sie beschuldigt, wie auch die Mennoniten, an Not und Elend schuld zu sein (in Nürnberg beschuldigte man sie der „Brunnenvergiftung“ in Pestzeiten. Allerdings gab es bereits 1440 eine Judenstraße in Danzig und wohl auch einen Judenfriedhof. 1719 gab es eine Judenschule (also eine Synagoge) mit 2 Lehrern.
                                Zwei bedeutende Rabbiner waren Dr. Werner und Dr. Stein im 19. Jh.. Um 1900 besuchten 144 jüdische Kinder die Schulen. Es gab auch drei Mädchenklassen. Jüdische Familien bildeten auch ihre Töchter gut aus, wie aus Berlin und anderswo bekannt. 1926 besuchten 419 Kinder mosaischen Glaubens, wie es damals hieß, das Gymnasium und 144 die Volksschule und 67 die Mittelschule. Es mag sein, dass die „Gebildeten“ nun auch studierten und Ärzte und dergl. wurden und dies dann zu Neid und Ausgrenzung führte.
                                Aber von vielen Städten wird berichtet, dass Juden dort wohltätig waren und für die Gemeinschaft viel spendeten oder erbauen ließen(z. Entbindungsklinik in Fürth, Brunnen u.a.)
                                Darüber wüsste ich gerne mehr. Wurde dazu in Danzig geforscht? Wer kann helfen?
                                Gruß Birke Rühle

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