Die Juden in Danzig

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  • Belcanto
    Forum-Teilnehmer
    • 24.09.2008
    • 2508

    #76
    AW: Die Juden in Danzig

    Hallo Helga, mit dem "Zusehen",machen wir es uns aus heutiger zeitlicher Distanz, vielleicht ein wenig zu leicht. Ja, viele, vielleicht zu viele haben zu gesehen, denn es hätte eines gewaltigen Mutes bedurft, sich gegen die Nationalsozialisten zu stellen.Das eigene Leben und das Leben der Familie wäre in großer Gefahr gewesen. Und so zog man es vor, eben zu schweigen und nicht hinzusehen. Der Mensch ist eben nicht zum Helden geboren und man weiß nicht, wie wir gehandelt hätten? Damit will ich das nicht beschönigen, sondern nur auf die menschlichen Schwächen hinweisen.

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    • Helga +, Ehrenmitglied
      Moderatorin
      • 10.02.2008
      • 1948

      #77
      AW: Die Juden in Danzig

      Und wenn man den Anfängen gewehrt hätte? Wenn dieser Mensch gar nicht groß geworden wäre? Wenn man die ersten Anfeindungen gegen Juden nicht zugelassen hätte. Wenn ein ganzes Volk ignoriert hätte, daß man bei Juden nicht kaufen darf, sich zusammen mit jüdischen Freunden gezeigt hätte. Solidarität mit den Verfolgten gezeigt hätte. Alle hätte man nicht niederzwingen, verhaften, transportieren, ermorden können. Warum nicht? Mangelnde Zivilcourage, Angst, Feigheit?

      Ich weiß,ich habe gut reden, so aus der Entfernung heraus. Aber es gab sie ja, die dagegen waren, sich gewehrt haben, aber leider zu wenige. Und ich weiß ja auch nicht, wie ich mich schlußendlich verhalten hätte. Daß ich mich eher im Widerstand sehe ist klar. Aber, es war eine andere Zeit
      Viele Grüße
      Helga

      "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)

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      • mottlau1
        Forum-Teilnehmer
        • 11.02.2008
        • 1720

        #78
        AW: Die Juden in Danzig

        Guten Tag liebe Helga,

        hier Dein Satz den ich aufmerksam lese:
        Ich weiß,ich habe gut reden, so aus der Entfernung heraus. Aber es gab sie ja, die dagegen waren, sich gewehrt haben, aber leider zu wenige.

        Zu den Wenigen die Widerstand leisteten zählte mein Großvater -Zollbeamter- der 1939 verhaftet wurde u. bis zu seiner Befreiung im KZ zubrachte. Dadurch wurde meine Großmutter mittellos und sogar staatenlos weil sie sich von ihm nicht hat scheiden laßen wozu man sie aufforderte. Von den Aufregungen wurde sie in einer Nacht schneeweiß und erlitt bis zu ihrem Tod im Jahr 1944 sechs Schlaganfälle. Die ganze Familie mit drei erwachsenen Kindern hatte sehr wegen seines Handels zu leiden! - Ich habe die Akte über meinen Großvater in Arolsen angefordert. Es waren 90 Seiten protokolliert aus der KZ-Zeit.Es ist sehr schmerzlich das zu lesen. -Jedes Jahr gehe ich an sein Grab auf dem Friedhof Silberhammer wo er mit 65J. starb(1954). Stehe davor u. frage mich jedes Mal warum hast Du das getan Opa. - Er leistete Widerstand weil er sehr christlich eingestellt war. Man nannte ihn schon im Gefängnis Schießstange den Rosenkranzbeter. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.-
        Es gab Männer in hohem militärischen Rang die nicht den Mut aufbrachten den Tyrannen zu liquidieren.

        Mottlau1
        Es kann keiner gerecht sein, der nicht menschlich ist.
        (Maurice Cove de Murville) Französischer Politiker

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        • Antennenschreck
          Forum-Teilnehmer
          • 05.09.2011
          • 1833

          #79
          AW: Die Juden in Danzig

          ja, ja

          es ist aus heutiger Sicht recht einfach zu sagen: warum habt ihr damals das getan und jenes nicht. Ehe man aber solche Fragen an andere stellt, wäre es wichtiger sich selbst mal zu fragen was tue ich selber im hier und jetzt um all die Ungerechtigkeit und Gewalt gegenüber anderen Menschen auf der Welt zu verhindern. Und sollte man da keine vernünftigen Antworten haben angesichts der Zustände heute, so glaube ich kaum das einem ein moralisches Recht zusteht, über die Vergangenheit zu urteilen und was da wer hätte wie tun können.

          Tschü.......
          Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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          • danli, + 23.01.2015
            Forum-Teilnehmer
            • 10.02.2008
            • 71

            #80
            AW: Die Juden in Danzig

            Antennenschreck

            Ich rede nicht aus heutiger Sicht. Ich habe es erlebt !!

            Und ich weiss ,dass es auch viele Leute gab die damit nicht einverstanden waren.

            Und ich kannte auch solche. Wie zum Beispiel der Polizei-Ofizier der meinen Vater

            mehrmals rettete! Meine Frage ist, Warum hatten diese Leute soviel Angst !!

            ( in der freien Stadt Danzig) !!!!!

            Aber zu dem Aufmarsch vor der Synagoge waere es nicht gekommen wenn die

            Mehrheit esnicht gewollt haette !!!!!

            Danli

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            • Antennenschreck
              Forum-Teilnehmer
              • 05.09.2011
              • 1833

              #81
              AW: Die Juden in Danzig

              Hallo Dani,

              es ist ein weiter Weg, vom etwas nicht wollen bis zum etwas bekämpfen. Ich kann nur jedem empfehlen diesen Weg einfach mal im hier und jetzt zu gehen. Dann erst wird man merken wie weit der Weg ist vom Gedanken zur Tat. Deshalb waren schon immer > 99% der Menschen keine Rebellen und Freiheitskämpfer sondern ganz normale Otto-Normalverbraucher. Ich denke es gibt soviel zu verbessern im hier und jetzt, dass jeder der die Gene dazu hat nicht klagen kann über Betätigungsfelder dazu. Wie es schon in der Rinparabel steht: Es ist nicht wichtig wer was sagt, sondern nur wer was tut.

              Tschü....
              Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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              • StampCollector
                Forum-Teilnehmer
                • 19.01.2014
                • 924

                #82
                AW: Die Juden in Danzig

                Die Novemberprogrome 1938 (sogenannte "Reichskristallnacht") liefen in Danzig genauso ab, wie im sonstigen Reichsgebiet. Nur bei der Grossen Synagoge hat das nicht ganz so geklappt, wie geplant: Polizisten des Freistaates, die noch nicht ganz "gleichgeschaltet" waren, sind gegen die "spontanen Volkserhebungen" vorgegangen...

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                • Helga +, Ehrenmitglied
                  Moderatorin
                  • 10.02.2008
                  • 1948

                  #83
                  AW: Die Juden in Danzig

                  Ich kann das alles ja nur von heute aus betrachten und beurteilen. Ich war nicht dabei, aber ich bilde mir trotzdem eine Meinung. Ich habe heute das Glück in einem Land zu leben, in dem sicher nicht alles nur Gold ist, in dem es sich aber dennoch gut und sicher leben läßt. Und wenn morgen auf Bänken stünde "Für Ausländer verboten" wenn es unerwünscht wäre, daß ich Türken oder Itaienern einkaufe, wäre das so manchem Recht. Aber sie kämen damit nicht durch, weil die größere Menge dagegen aufstehen würde. Zumindestens hoffe ichdas sehr stark.

                  Dan hat das alles erlebt und überlebt. Um schließlich in Israel zu landen. Und dann? Auch dort immer wieder Angriffe der NAchbarstaaten, wieder Angst ums Leben und wieder in Deutschland und auch hier im Forum Äußerungen gegen Israel, die verletzen.

                  @Jutta
                  ih weiß genau was du meinst Jutta. Mein Großvater mütterlicherseits und mein Patenonkel haben sich auch gewehrt, mit Worten und Taten und haben deshalb viel Zeit im Gefängnis verbracht. Unangenehme Zeit und die Familien hatten auch viel darunter zu leiden. Aber sie haben sich auch nicht gebeugt. Ich bin stolz auf die beiden, natürlich auch wieder aus heutiger Sicht.
                  Viele Grüße
                  Helga

                  "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)

                  Kommentar

                  • Poguttke
                    • 20.05.2008
                    • 523

                    #84
                    AW: Die Juden in Danzig

                    #60 / Warum hatten diese Leute soviel Angst !! ( in der freien Stadt Danzig) !!!!!

                    Wenn Schlägertrupps die Strasse regieren, und der "Hohe Kommissar" der völkerrechtlich festgelegten Schutzverpflichtung nicht nachkommt, wer will da riskieren in Stutthof zu landen? Samuel Echt hat die damalige Situation eigentlich präzise beschrieben.

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                    • StampCollector
                      Forum-Teilnehmer
                      • 19.01.2014
                      • 924

                      #85
                      AW: Die Juden in Danzig

                      "Reichskristallnacht" 1938
                      Zur Zeit studiere ich diese Ereignisse in meiner Heimatgeschichte (West-Deutschland). Ganz klar, die Befehle (Funk) kamen aus Berlin! In Danzig dürften die Herren FORSTER und GREISER dieselben Funksprüche erhalten haben...

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                      • Belcanto
                        Forum-Teilnehmer
                        • 24.09.2008
                        • 2508

                        #86
                        AW: Die Juden in Danzig

                        Mottlau 1, ja, so ist es denjenigen ergangen, die es wagten, etwas zu unternehmen oder zu sagen. Das ist sehr erschütternd1

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                        • Uwe
                          Forum-Teilnehmer
                          • 10.08.2008
                          • 1962

                          #87
                          AW: Die Juden in Danzig

                          #64 Poguttke, die Schlägertrupps waren fast immer Danziger und die völkerrechtlich festgelegte Schutzverpflichtung des Völkerbundes war nicht nach innen gerichtet, sondern diente nur der Beibehaltung des Status von Danzig in Bezug auf den Versailler Vertrag. Für die sich täglich verschlechternde Situation von Juden oder anderem "minderwertigen" Leben nach Definition der Nazis waren bis zum 31.08.1939 alleine die Danziger verantwortlich. Das Lager Stutthof entstand erst im August 1939 (im geheimen) und wurde erst im September 1939 "mit Gefangenen "gefüllt". Du blendest diese Zeit und die Verantwortung dafür zwischen 1933 und dem 31.08.1939 bewusst aus.

                          Ich kann die Situation nur mit meinem heutigem Wissen und meiner Erziehung durch meine Danziger Mutter und Oberschlesische Vater beurteilen und maße mir auf keinen Fall an zu sagen, ich hätte anders gehandelt. Vielleicht hätte ich genauso gehandelt, vielleicht anders als die große Mehrheit der Danziger und auch meine Familie. Eines kann ich aber sagen, mit meinem heutigen Wissen, wäre mein Schweigen das Letzte was ich tue. Ich bedaure, dass ich mit meinem Danziger Opa nie darüber gesprochen habe, warum es so in Danzig abgelaufen ist und warum er sich so und nicht anders verhalten hat. Nie habe ich ihn leider bis zu seinem Tod 1978 (da war ich 11 Jahre alt) fragen können, ob er seine Fehler bereut hat. Diese Frage ist die, die mir auf den Nägeln "brennt". Damals wusste ich auch nichts über sein tun oder handeln, heute bin ich nach langen Jahren des forschens sehr viel schlauer ....

                          Herzliche Grüße

                          Uwe
                          Geschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!

                          Suche Informationen zu den Familiennamen Block, Gehrt, Kirschke, Kirsch, Haak, Happke, Hoffmann, Makowski, Namowicz, Patzer, Rehberg, Tolk(e) und Vierling aus Danzig

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                          • Bartels
                            Forum-Teilnehmer
                            • 25.07.2012
                            • 3448

                            #88
                            AW: Die Juden in Danzig

                            Hallo,

                            der Kommissar des Völkerbunds war leider ein weltfremder Philosoph und Historiker, der zuliess, dass ihm die Nazis der NSDAP (nicht einer Danziger NSDzAP) auf der Nase herumtanzten.

                            Im französisch besetzten Saargebiet haben die Franzosen keine NSDAP hochkommen lassen.

                            @Poguttke: Ein Stutthof hat es vor 1.9.1939 noch nicht gegeben. -

                            Es gab in Danzig eine Minderheit, die sich nicht am Boykott jüdischer Geschäfte beteiligt hat.

                            Forster und Greiser haben sich später im Völkermord einen Wettbewerb geliefert ...
                            Beste Grüsse
                            Rudolf H. Böttcher

                            Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
                            Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
                            Familie Zoll, Bohnsack;
                            Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
                            Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

                            http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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                            • StampCollector
                              Forum-Teilnehmer
                              • 19.01.2014
                              • 924

                              #89
                              AW: Die Juden in Danzig

                              Widerstand: Das war eine schwierige Sache: Mein Großonkel war Verfolgter des NS-Regimes. Trotzdem trat seine Tochter einer NS-Organisation bei...
                              Ich selbst frage mich: "Was hättesst Du selbst getan?" Ich weiß es nicht!!!

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                              • waldkind
                                Forum-Teilnehmer
                                • 06.10.2008
                                • 2366

                                #90
                                AW: Die Juden in Danzig

                                Ich finde hier manchen Beitrag etwas überheblich oder blauäugig. Als ob die Menschen so viel besser geworden wären. Wenn man sagt "Gegen die XYZ" dann ist sofort Hass, Verleumdung und Diskriminierung da. Es ist erschreckend wie man sich immer wieder dieser trügerischen Sicherheit hingeben kann.
                                Erschreckend finde ich z.B. auch, dass es neuerdings heißt "die Nazis hätten Menschen mit jüdischem Glauben vernichten wollen". Was ist das denn für eine Verleumdung? Es ging um die Ausrottung eines Volkes, einer Ethnie. Wie verletzend muss diese Verdrehung für Menschen mit jüdischer Abstammung sein?
                                Ich stimme Antennschreck zu. Man muss erst mal sehen wie man sich selber verhält. Ich weiß aus Erzählungen meiner Vorfahren, dass diejenigen, die sich gegen Nazis auflehnten, einfach abgestochen wurden. Da wird mir einfach schlecht, wenn man so locker flockig daherkommt und urteilt. Wie viele Vorurteile bzw. festgefahrene Ansichten über das Judentum liest man alleine in diesem Forum?
                                Im Übrigen finde ich diese Israel-Kopfnickerei ziemlich unmodern. Für mich ist das ein Zeichen von Verleumdung und Verdrängung. Man solle mit Israelis genauso sprechen, diskutieren und sich auseinandersetzen wie mit allen anderen Menschen. Für mich ist dieses "Jawohl ja, ganz recht" ein von oben herab und entwürdigend.
                                Im Übrigen kann man Geschichte nicht aus einem Rückblick heraus erklären, sondern immer nur aus der Zeit heraus, in der sie geschieht. Daher verstehe ich nicht, warum immer wieder die Frage nach, "oh, welcher Deutscher hat mitgemacht", "Waren Deutsche keine Danziger" gestellt wird. Das Fernsehen ist voller Dokumentationen mit Originalaufnahmen, in denen das deutsche Volk gejubelt hat. Darüber braucht man doch nicht mehr zu diskutieren. Oder verbirgt sich letzten Endes hinter dieser Diskutiererei die Hoffnung, dass die eigenen Ahnen damit nichts zu tun hatten und dass man selber als einer der wenigen das Glück der "Schuldlosigkeit" hat - als Volk, als Familie oder als Mensch.
                                Was mich am meisten ärgert, ist, dass Hitler bestimmt mal berühmt sein wollte und es tatsächlich geschafft hat.
                                Liebe Grüsse nach Israel, wk.
                                Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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