Die Juden in Danzig

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  • Ulrich
    Forum-Teilnehmer
    • 30.01.2009
    • 280

    #16
    AW: Politische Diskussion zu "Gedanken zum Schicksal der Danziger Juden"

    Guten Abend,

    wie schon im Vorjahr:
    Anlässlich des heutigen Holocaust-Gedenktages wiederhole ich gern:
    Die Aussage "Danzig als Tor zur Freiheit für Juden" ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite findet man u.a. in der Internetrepräsentanz des unabgeschlossenen Gedenkbuchs des Bundesarchivs: "Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 -1945: Nach dem Anklicken des Links "Danzig" in die Suchmaske eingeben, ein Häkchen bei "Geburtsort" und/oder "Wohnort" setzen und auf "Suche starten" klicken.
    Bei "Geburtsort" "Danzig" finden sich die Namen von 441 ermordeten, in Danzig geborenen Juden, bei "Wohnort" "Danzig" 325 ermordete Juden, die in Danzig wohnten.
    Mehr zum Schicksal der einzelnen Ermordeten erfährt man, wenn man auf die erscheinenden einzelnen Namen klickt.
    http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html,
    Schönen Gruß
    Ulrich

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    • danli, + 23.01.2015
      Forum-Teilnehmer
      • 10.02.2008
      • 71

      #17
      AW: Politische Diskussion zu "Gedanken zum Schicksal der Danziger Juden"

      Es tut mir weh ,immer wieder solche Diskusionen zu hoeren und zu lesen.
      Das ist bestimmt nicht was Helga beabsichtigt hatte.Was sich in Danzig tat sieht man am besten 1938 von den Bildern des Aufmarsches vor der Synagoge in Danzig
      Mit den Losungen :komm lieber Mai und mache von Juden uns jetzt rein.
      (die Synagoge wurde praktisch zwangsverkauft.)Als ich 1939 mit meinem Vater
      an einem Truemmerhaufen vorbeikam und meinen Vater fragte was das ist,war seine
      Antwort :"das hat man aus unserem Gotteshaus gemacht ". Mein Vater war nicht religioes.
      Soviel ich weiss wurde von dem Erloess auch Auswanderungen finanziert.

      Das mein Vater am Leben verdankt er einem Schulfreund.Er war Polizeioffizier und warnte meinen Vater vor jeder Razia.Die Schwester meines Vaters ist in Theresienstadt
      umgekommen. Auch aus Danzig !!Fand den Namen im Archiv von" jad-v'schem" in Jerusalem !!

      Ich selber habe auch den Einmarsch der Russen erlebt,"mit Frau komm" und "Uri Uri"
      Ich kann diese Diskusionen nicht verstehen!!Eins ist bewiesen: Wer einen Krieg anfaengt weiss nicht wie er endet!! und die Opfer sind immer auf beiden Seiten!!!!

      Dan (danli)

      Israel

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      • Wolfgang
        Forumbetreiber
        • 10.02.2008
        • 11627

        #18
        AW: Politische Diskussion zu "Gedanken zum Schicksal der Danziger Juden"

        Lieber Dan,

        ich verneige mich vor den Opfern.

        Bitte schaue auch das Thema an "Trauer um die Opfer der "Evakuierung" des KZ Stutthof".

        Mit Trauer im Herzen Grüße nach Israel
        Wolfgang
        Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
        Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
        Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

        Kommentar

        • Helga +, Ehrenmitglied
          Moderatorin
          • 10.02.2008
          • 1948

          #19
          AW: Politische Diskussion zu "Gedanken zum Schicksal der Danziger Juden"

          Lieber Dan,

          du kennst mich sehr gut und weißt, daß ich nur an diesen Tag, an diesen 27. Januar 1945 erinnern wollte. Ich habe daran gedacht, dazu gelesen und mich - wieder einmal - und mich vielleicht nicht schuldig aber voller Scham daran erinnert, zu welchen Ungeheuerlichkeiten Deutschland, die Deutschen, mein Land fähig waren. Und mir wird Angst und Bange, wenn ich merke, was da schon wieder an Antisemitismus unterwegs ist und empfinde es als Schande und Versagen, daß vor einer alten Synagoge in meiner Nähe, fast ständig ein Polizeiauto steht, stehen muss.

          Traurige Grüße
          Helga
          Viele Grüße
          Helga

          "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)

          Kommentar

          • Hans-Joerg +, Ehrenmitglied
            Forum-Teilnehmer
            • 10.02.2008
            • 5206

            #20
            Hallo

            Zur Info

            Die Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem hat nun eine deutschsprachige Seite im Internet:

            http://www1.yadvashem.org/yv/de/
             
            Viele Grüße
            Hans-Jörg
            ( P.S. dieser Hinweis kann auch an anderer Stelle verschoben werden )

            Hallo
            Hier zu noch ein Hnweis :


            Viele Grüße
            Hans-Jörg

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            • Birke Rühle
              Forum-Teilnehmer
              • 07.09.2013
              • 48

              #21
              Die Juden in Danzig

              Liebe FreundInnen,

              Danzig war einst als lebendige Handels- und Hansestadt tolerant und musste es wegen seiner vielfältigen Beziehungen und Verbindungen über die Grenzen der Nationalitäten und Religionen hinweg sein. So war es bis die Nazis sich der Stadt bemächtigten und die Mehrheit der Danziger begeistert diese Partei wählte. Dann verfolgten sie Andersdenkende, SPD-Genossen, Juden und andere Unliebsame. Wer sich nicht retten konnte, wurde unter dem furchtbaren Fürther Gauleiter Forster nach Stutthof ins KZ oder anderswohin abtransportiert oder gleich umgebracht.

              In meinem Lexikon von 1895 lese ich folgende Zahlen zu Danzig im Kaiserreich:
              in dem Regierungsbezirk gab es 589.176 Einwohner, davon waren 5.928 Israeliten.
              In der Stadt wohnten 83.663 Einwohner evangelischen, 38.188 katholischen und 2.450 jüdischen Glaubens, insgesamt ca. 125.635 „ortsanwesende Bevölkerung“.
              1924 waren ca. 2,4 % der Einwohner Israeliten.
              Es gab in Danzig bis 1935/38 zwei große Synagogen, in denen regelmäßig gebetet wurde und die jeweils eine Gemeinde besaßen. Die eine war in Langfuhr Mirchauer Weg, die andere von der ich auch ein Foto habe, stand an der Reitbahn.
              Über die traurige Geschichte der Danziger Juden habe ich in meinem Buch Der Entnazifizierte. Eine Tochter deckt die Verstrickungen ihres Vaters in der NS-Zeit auf., R.G.Fischer, 2013 Folgendes geschrieben:
              Einen wachsenden Anteil der Bevölkerung stellten nach 1920 die Juden in Danzig dar und es kamen im Verlauf der dreißiger Jahre weitere Juden aus dem Osten hinzu, denn sie fühlten sich in der vom Völkerbund beaufsichtigten Stadt vor den Übergriffen der Nazis sicher. „Diese Sicherheit führte in den Jahren 1933 – 1936 zu einem überraschenden Wachstum der jüdischen Bevölkerung in Danzig.“
              Im November 1939 wohnten in Danzig ca. 10 500 Juden, von denen ca. 5 000 die Stadt wegen der judenfeindlichen Maßnahmen verließen. Am 31.8.1924 waren es 9 239 gewesen, es wurden zu dieser Zeit 222 818 Evangelische, 140 797 Katholiken und 11 141 Anhänger anderer Religionen gezählt. Insgesamt wohnten 1924 etwa 484 000 Menschen in der Freien Stadt Danzig
              Ich habe bei späteren Einwohnerzahl-Angaben nie wieder die Anzahl der Israeliten in Danzig gelesen. 1940 sollen es noch 600 gewesen sein. Ich vermute, dass wohl alle Juden und andere Unbeliebte in den Jahren der Herrschaft der Nationalsozialisten unter dem Verbrecher Forster verschleppt und vor allem im KZ Stutthof ermordet wurden.
              Seit 1990 gibt es in Danzig wieder eine jüdische Gemeinde. Sie zählte im Jahre 2011 etwa 100 Mitglieder.

              Hinweisen möchte ich noch auf die gute Arbeit von Dieter Schenk in seinem Buch über Forster und die Nazis in Danzig: Hitlers Mann in Danzig. Dietz-Verlag , 2000, 84-87.

              Viele Grüße
              Birke Rühle

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              • Belcanto
                Forum-Teilnehmer
                • 24.09.2008
                • 2508

                #22
                AW: Die Juden in Danzig

                Hallo Birke, ich habe mit in meiner jüdischen Trilogie auch mit diese Thematik beschäftigt. In Danzig-so tarurig das auch sein mag-, begann die Judenverfolgung bereits 1933, mit dem Gesetz zum Boykott nichtarischer Geschäfte. Juden konnten sich in die sog. Volksliste eintragen, um durch einen Nationalitätswechsel, der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Und es wurden leider auch in Stutthof und andere Konzentrationslagern, auch sehr viele kath. Priester, deutsche und polnische ermordet, weil nach Rundschreiben von Gauleiter Forster, katholisch als polnisch galt!

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                • Poguttke
                  • 20.05.2008
                  • 523

                  #23
                  AW: Die Juden in Danzig

                  #1 Mit einem Punkt bin ich nicht einverstanden. Maximal die Hälfte der Danziger hat die NSDAP gewählt, wenn wir mal von den offiziellen Statistiken ausgehen. Aber auch das ist nicht korrekt, da ja die Nazis ab 1933 sich alle maßgeblichen Posten aneigneten und so auch die Wahlen manipulierten. Die Wahllokale wurden überwacht und bekannten Oppositionellen wurde der Zugang zum Wahllokal verweigert, und sie wurden teilweise weggeprügelt. Wer also glaubt das diese Wahlergebnisse seriös zustande kamen der hat immer noch nicht verstanden, wie die Nazis das Volk belogen und betrogen haben um die totale Macht zu bekommen.
                  Was nun die verschiedenen Religionen angeht, so waren diese weit vielfältiger in Danzig, als es je dargestellt wurde. So gab es ja auch Hugenotten und Jehovas, die jedoch nirgends erwähnt werden. Dieses Thema ist leider noch nicht untersucht worden, wäre aber ein schöner Spiegel der verschiedenen europäischen Kulturen die in Danzig gelebt haben.

                  Kommentar

                  • Antennenschreck
                    Forum-Teilnehmer
                    • 05.09.2011
                    • 1833

                    #24
                    AW: Die Juden in Danzig

                    Hallo,

                    die Verfolgung von Minderheiten war damals gang und gäbe nicht nur in Danzig. Es gibt da mehrere Beschwerden beim Völkerbund dazu. In der nicht deutschsprachigen Presse von damals kann so einiges darüber lesen wer welche Minderheiten wie behandelt, allerdings kommt Danzig in dem Zusammenhang, in der Zeit von 1919 bis September 1939 eher nicht vor. Hilfreich könnte auch sein sich mal mit den Klagen beim Völkerbund und in Den Haag zu befassen aus der Zeit.

                    Tschü...
                    Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

                    Kommentar

                    • Belcanto
                      Forum-Teilnehmer
                      • 24.09.2008
                      • 2508

                      #25
                      AW: Die Juden in Danzig

                      Dann möchte ich noch eine weitere Grausamkeit erwähnen. Nach Zeugenaussagen bei den Nürnberger Prozessen, soll Rudolf Spanner, experimentell aus Leichen von KZ-Häftlingen, Seife hergestellt haben.In Danzig gibt es eine Gedenktafel, die an diese Nazi-Gräel erinnert.

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                      • Ulrich 31
                        Forum-Teilnehmer
                        • 04.11.2011
                        • 8600

                        #26
                        AW: Die Juden in Danzig

                        Hallo Belcanto,

                        kannst Du bitte mitteilen, wo sich die von Dir erwähnte Gedenktafel in Danzig befindet? - Danke!

                        Viele Grüße
                        Ulrich

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                        • Antennenschreck
                          Forum-Teilnehmer
                          • 05.09.2011
                          • 1833

                          #27
                          AW: Die Juden in Danzig

                          Hallo,

                          ich empfehle, sich in die Berichte des IRK (Internationales Rotes Kreuz) Genf einzulesen, welche in regelmässigen Abständen, unangemeldet, alle deutschen Konzentrationslager besucht haben und Berichte über die gesehenen Grausamkeiten verfassten. Mit ein wenig Glück findet man diese Berichte auch heute noch. Ich glaube ihr letzter Besuch war Ende Februar 1945 in Theresienstadt. Viel Glück beim Suchen und Finden. Bei Google.com kann man /ncr dahinter schreiben und bleibt auf der englischen Seite, die findet oft mehr als die deutsche Version. Und wenn man pdf's sucht so hilft es filetypedf dahinter zu schreiben.

                          Tschü...
                          Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                          • Belcanto
                            Forum-Teilnehmer
                            • 24.09.2008
                            • 2508

                            #28
                            AW: Die Juden in Danzig

                            [ATTACH=CONFIG]17796[/ATTACH]

                            Leider weiß ich nicht wo die Tafel angebracht ist. Wenn man rudolf Spanner in die Suchmaschine gibt, kommt man auf diese Seite.
                            Angehängte Dateien

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                            • Bartels
                              Forum-Teilnehmer
                              • 25.07.2012
                              • 3448

                              #29
                              AW: Die Juden in Danzig

                              Hallo,

                              - Aleja Zwyciestwa 41/42

                              aus Wikipedia: KZ Stutthof (geschrieben von mir):

                              Menschenverachtende Versuche

                              Nach Zeugenaussagen bei den Nürnberger Prozessen wurden Leichen aus dem KZ Stutthof experimentell zu Seife verarbeitet. Rudolf Spanner war von 1939 bis 1945 Professor an der Medizinischen Akademie in Danzig und Arzt am anatomischen Institut.[6]

                              Aus eigenem Antrieb entwickelte er in den Jahren 1943–1944 ein Verfahren zur Seifenherstellung aus menschlichen Körpern. Bis zu 100 kg Seife soll auf diesem Wege hergestellt worden sein und innerhalb der Autopsieräume für Reinigungszwecke Verwendung gefunden haben. Eine industrielle Seifenproduktion aus Körperfett ist dagegen nicht belegt. Eine viersprachige Marmortafel am Institut in der Aleja Zwyciestwa 41/42 erinnert heute an diese Versuche. - Die ursprüngliche Bronzetafel von 1975 wurde 2005 gestohlen und 2007 ersetzt.
                              Beste Grüsse
                              Rudolf H. Böttcher

                              Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
                              Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
                              Familie Zoll, Bohnsack;
                              Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
                              Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

                              http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

                              Kommentar

                              • Belcanto
                                Forum-Teilnehmer
                                • 24.09.2008
                                • 2508

                                #30
                                AW: Die Juden in Danzig

                                Ja, ist das nicht furchtbar!

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