Die Juden in Danzig

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  • Antennenschreck
    Forum-Teilnehmer
    • 05.09.2011
    • 1833

    #46
    AW: Die Juden in Danzig

    Hallo,

    die Juden sind nicht die einzige Minderheit welche unter extremen Systemen gelitten hat. Von 1917 bis 1939 wurden z.B. in der Sowjetunion über 35 Millionen Menschen ermordet, das bestreitet Russland noch nicht einmal. Bis 1990 waren es immerhin schon knapp 100 Millionen Opfer. Nach dem 2. Weltkrieg hat die USA in unerklärten Kriegen viele Millionen Zivilisten in aller Welt auf dem Gewissen. Inzwischen verseuchen sie die halbe Welt mit ihren Uranmantelgeschossen (eine deutsche Entwicklung). Hat jemand schon mal erlebt das sich solche Länder für ihr Tun entschuldigen oder gar Entschädigung leisten? Ich bin lange nach dem 2. Weltkrieg geboren und habe niemanden umgebracht und werde das sicher auch nicht tun. Meine Großmutter war Jüdin und mein Großvater Kommunist. Der andere war in der SPD und hat 2 französchische Kriegsgefangene versteckt bis Kriegsende. Ich muß und werde mich nicht für meine Verwandten schämen und schon gar nicht für mich (denn ich habe niemandem etwas getan und stehe auch in niemandes Schuld und meine Vorfahren auch nicht). Ich hoffe allerdings mit ganzem Herzen, daß die Völker der Welt (auch das Jüdische) nun endlich einmal dem deutschen Volk vergeben können. Kein Mensch spricht mehr über die 2 Atombomben in Japan oder den Vietnamkrieg, oder oder.

    Tschü....
    Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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    • Helga +, Ehrenmitglied
      Moderatorin
      • 10.02.2008
      • 1948

      #47
      AW: Die Juden in Danzig

      @Belcanto"Hier bleibt kein Raum zum Relativieren, sondern nur Scham und Trauer".

      Das sehe ich genau so Joachim. Auch wenn ich persönlich als Nachgeborere keine Schuld trage, vielleicht aber einer meiner Verwandten? Ich hoffe es nicht, aber weiß man es wirklich so genau?

      Manchmal gehe ich auf den jüdischen Friedhof und meine Gefühle dort haben sich in Jahren nicht geändert. Da ist es mir auch ganz egal, was andere Völker machen oder nicht, denn daß mein Land sich dermaßen in Schuld, in eine solche Schuld, verstricken konnte, reicht mir für ein ganzes Leben um Trauer und Scham zu empfinden.

      Und vergeben? Damit leben, es kleiner werden lassen, es nicht mehr so schmerzen zu lassen, die Wunden vernarben lassen. Aber vergeben? Grad eben noch war ich bei der alten Synagoge, die heute Gedenkstätte ist und wie immer stand ein Polizeiwagen davor. Nur so? Nein, weil es immer noch oder schon wieder dort zu Ausschreitungen kommt, üble Schmiereien angebracht werden. Schon wieder. Weil sie geschützt werden muß. Wenn das nicht zum schämen und verzweifeln ist, dann weiß ich es auch nicht.
      Viele Grüße
      Helga

      "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)

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      • Ulrich
        Forum-Teilnehmer
        • 30.01.2009
        • 280

        #48
        AW: Die Juden in Danzig

        Hallo Antennenschreck, von deinen Ein- und Auslassungen interessiert mich, ob und wenn ja, wie deine jüdische Großmutter dem Holocaust ausgeliefert war.
        Einen schönen Tag,
        Ulrich

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        • Antennenschreck
          Forum-Teilnehmer
          • 05.09.2011
          • 1833

          #49
          AW: Die Juden in Danzig

          Hallo,

          zu meiner Großmutter (mütterlicherseits) kann ich sagen, daß mein Opa und meine Oma in den 20 er Jahren nach Holand ausgewandert sind und dort (Anfang) 1939 meine Mutter gebohren wurde. Ende 1939 sind sie dann wieder nach Deutschland zurückgekommen, nach Angaben meines Opas wegen der besseren Arbeitsbedingungen hier. Da mein Opa auf einem Ohr taub war, wurde er ausgemustert und hat bis zum Kriegsende als Briefträger gearbeitet. Meine Oma hat mir zumindest nichts über irgendwelche Vorkommnisse bezüglich ihrer jüdischen Abstammung erzählt. Ganz im Gegenteil hatte dieses Thema in der DDR nicht den Stellenwert den es heute einnimmt. Das mit meiner jüdischen Oma hat mir meine Mutter eh erst vor ein paar Jahren anlässlich einer Familienchronologie (Ahnentafel) gesagt, obwohl sie das offenbar schon immer wusste. Es hatte eben früher (in der DDR) nicht die Bedeutung die es inzwischen verständlicherweise hat. Trotzallem (oder gerade deshalb) gilt es aber auch in der heutigen Zeit darauf zu achten, dass wir nie nie wieder irgend einem anderen Volk in der Welt Gewalt antun. Das was passiert ist können wir nicht mehr ändern aber das was gerade passiert (z.B. mit der Bundeswehr und unseren Steuern) das könnten wir schon beobachten und gegebenenfalls auch ändern. So könnten der ganzen Welt beweisen das wir etwas aus unserer Vergangenheit gelernt haben. Die Welt hat nichts davon wenn wir uns schuldig fühlen und nebenbei der dritt größte Waffenexporteur sind.

          Tschü......
          Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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          • danli, + 23.01.2015
            Forum-Teilnehmer
            • 10.02.2008
            • 71

            #50
            AW: Die Juden in Danzig

            Ich weiss nicht was ich ueber die verschiedenen Ansichten hier denken soll,
            aber manche tuen mir weh!!

            Einige Episoden ,die mir bis Heute zu denken geben.
            1940 Meine Eltern hatten mich aus Sicherheit zu meiner Grossmutter geschickt.
            Mutter arbeitete in der Ostlandaptheke in Langfuhr.
            Alle paar Wochen waren nachts Juden abgeholt. Mein Vater bekam jedes mal eine Warnung.:Ich habe dich von der Liste gestrichen aber sei heute Nacht nicht zu Hause."
            Es war ein Polizei-Offizier,der mit Vater in Zoppot die Schulbank gedrueckt hatte.
            Spaeter sagte er zu meiner Mutter : Ich konnte einige retten,aber wenn das jemand endeckt haette, haette ich keinem mehr geholfen !!

            1943 wurde es fuer mich in Ostpreussen bei Grossmutter brenzlich.
            Ich durfte nicht in die Schule und ich war auch nicht im Jungvolk und war verschiedenen
            noch verschiedenen Schikanen ausgesetzt, die immer heftiger wurden.
            Mein erster Klassenlehrer ( ich wurde bei ihm 1938 eingeschult) war ein Freund von
            meinem Grossvater. 1943war er stellvertretender Ortsgruppenleiter.
            Er machte mich zum Melder bei der Ortsgruppe , Ich bekam ein Fahrrad und eine Taschenlampe und bis 1945 war Ruhe.

            Ich kann noch und noch erzaehlen.

            1970 kam ich wieder zum ersten mal nach Deutschland.
            Ich wollte auf dem Bahnhof einen Polizisten etwas fragen. Ich fing an zu zittern und brachte kaum ein Wort heraus.

            Gegen ende der 80ziger Jahre habe ich drei Jahre in Deutschland gearbeitet.
            Ich hatte Probleme mit Leuten die meher als 10 Jahre aelter waren als ich.
            Wer juenger war, mitdem konnte ich gut reden . auch wenn ich ich wusste ,dass er die Stanze HJ und zum teil auch der Eltern erlebt hatte,. viele haben mich in Israel besucht.
            Das gleiche trifft auch z.B. fuer Guenther Grass zu.

            Ich bin zu der Ansicht gekommen:
            Es gibt und es gab immer gute Menschen, und wir sollten das bedenken, aber es gab auch viele schlechte, und die gibt es auch heute.

            Wenn wir alle die "Zehn Gebote" beachten wuerden, waere das Leben fuer uns alle viel
            leichter und besser. Aber wie singt Kurt Weil : Der Mensch ........./

            Dan

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            • Uwe
              Forum-Teilnehmer
              • 10.08.2008
              • 1962

              #51
              AW: Die Juden in Danzig

              Ich schäme mich nicht für meine Verwandte, ich schäme wenn für mein Volk das dieses alles zugelassen und unterstützt hat. Man soll immer erst anfangen vor der eigenen Tür zu kehren, bevor man andere für Ihr tun zur Verantwortung ziehen will. Ansonsten werde ich wie andere hier, den Verdacht nicht los, man will ablenken und Unrecht relativieren. Trotzdem hindert das einen nicht oder gerade wegen der Auseinandersetzung über die eigene Geschichte auch Stolz auf sein Volk zu sein.

              @Helga: Ich denke viele hier hatten Verwandte die Nazis waren, dass ist alleine eine Frage der Mathematik. Manche wissen von diesen Verwandten, manche nicht, kaum einer jedoch wird damit offen umgehen. Viele forschen im verborgenen und bringen das Bild was sie evtl. noch real von diesem Menschen haben mit dem was sie in Erfahrung gebracht haben zusammen und versuchen zu verstehen warum? Manchmal fügen sie diese Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammen, welches dann passt.

              @Bartels: Soweit ich weiß ist das Wikipedia-Bild über die Vorgänge zur Danziger Synagoge sehr geschönt. Es war z.B. so, dass die jüdische Gemeinde nicht nur ihr Gotteshaus 1939 verlor, sondern dazu verpflichtet wurde den Abriss des Gebäudes zu bezahlen. Perverser geht es fast nicht ... Vielleicht kann uns Dan etwas mehr erzählen?

              Herzliche Grüße

              Uwe
              Geschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!

              Suche Informationen zu den Familiennamen Block, Gehrt, Kirschke, Kirsch, Haak, Happke, Hoffmann, Makowski, Namowicz, Patzer, Rehberg, Tolk(e) und Vierling aus Danzig

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              • Bartels
                Forum-Teilnehmer
                • 25.07.2012
                • 3448

                #52
                AW: Die Juden in Danzig

                Ja Uwe,

                es war so: Die Juden hatten den Wertverlust ihrer Immobilien zu tragen und mussten zusätzlich die Gewinner der Arisierung für diesen Wertverlust entschädigen ...

                Nahezu jedes Unternehmen, das 2013 & 2014 das 75-jährige Jubiläum feiert, gehörte zu den Gewinnern der Arisierung ...
                Beste Grüsse
                Rudolf H. Böttcher

                Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
                Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
                Familie Zoll, Bohnsack;
                Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
                Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

                http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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                • Bartels
                  Forum-Teilnehmer
                  • 25.07.2012
                  • 3448

                  #53
                  AW: Die Juden in Danzig

                  Einen schönen guten Abend,

                  relevant und Fakt ist, dass seit den späten 1920er Jahren die Nazis ihr Unwesen in Danzig getrieben haben und alle haben schweigend zugesehen: Deutsche, Danziger (die Minderheit, die sich als Freistädter wähnten), Polen und der Völkerbund ...

                  Niemals wieder!
                  Rudolf
                  Beste Grüsse
                  Rudolf H. Böttcher

                  Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
                  Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
                  Familie Zoll, Bohnsack;
                  Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
                  Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

                  http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

                  Kommentar

                  • Ulrich
                    Forum-Teilnehmer
                    • 30.01.2009
                    • 280

                    #54
                    AW: Die Juden in Danzig

                    Hallo Antennenschreck,

                    vielen Dank für deine Antwort. Dass über deine Großmutter (jüdischen Glaubens, bzw. jüdischer Abstammung (und nicht jüdischen Glaubens)) 1939 aus Holland ins Deutsche Reich zurückgekommen keine Verfolgung widerfuhr, bzw. darüber in der Familiengeschichte nichts bekannt ist, das überrascht mich sehr. Überhaupt, dass sie dann in die Höhle des Löwen zurückgekehrt sind. Du erklärst es damit, dass der Holocaust in der Erinnerung der DDR-Bürger keine große Rolle gespielt habe. Ich bin einfach überrascht.

                    Einen schönen Gruß

                    Ulrich

                    Kommentar

                    • Antennenschreck
                      Forum-Teilnehmer
                      • 05.09.2011
                      • 1833

                      #55
                      AW: Die Juden in Danzig

                      Hallo Ulrich,

                      ich vermute, dass es einfach besser war mit dem Baby (meiner Mutter) nach Deutschland zurückzukommen, in das Elternhaus meines Opas. Und wenn während der Zeit im 3. Reich irgend etwas Einschneidendes mit oder wegen meiner Oma passiert wäre, dann hätte man darüber auch gesprochen, so wie über die Ereignisse während der kurzen amerikanischen und späteren russischen Besatzung auch gesprochen wurde. Ich für meinen Teil denke, dass wir alle Menschen sind und kein Mensch über dem Anderen steht, ganz egal wo er lebt und an was er glaubt und von wem er abstammt. Sollte ein jeder ab heute diesen Grundsatz beachten, dann wäre schon morgen unsere Erde ein Paradies und keine Hölle. Wir können aber nicht die Welt ändern sondern nur uns selber. Und wenn wir alle das tun dann ändert sich zwangsläufig auch unsere Welt (in eine bessere). Und dafür ist nicht wichtig was wir sagen sondern was (Gutes) tun im Hier und Jetzt, wie schon in der Ringparapel von Gotthold Ephraim Lessing zu lesen ist.

                      Tschü....
                      Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                      • Belcanto
                        Forum-Teilnehmer
                        • 24.09.2008
                        • 2508

                        #56
                        AW: Die Juden in Danzig

                        Ich möchte heute nur noch auf einen wirklich sehr interessanten Artikel bei www.sztetl.org.pl/de/city/gdansk hinweisen. Und wünsche einen schönen Tag.

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                        • Ulrich 31
                          Forum-Teilnehmer
                          • 04.11.2011
                          • 8571

                          #57
                          AW: Die Juden in Danzig

                          Hallo Belcanto,

                          vielen Dank für diese wirklich interessante, sehr ausführliche Geschichte der Juden in Danzig. Diese Website wäre auch die beste Antwort auf die von "Ich bin Jude" (anonymes neues Forum-Mitglied) gestellte Frage, doch leider ist von diesem Mitglied nichts mehr zu hören.

                          Viele Grüße
                          Ulrich

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                          • Belcanto
                            Forum-Teilnehmer
                            • 24.09.2008
                            • 2508

                            #58
                            AW: Die Juden in Danzig

                            Hallo Uwe, insbesondere finde ich interessant, was über die 20er Jahre gesagt wird, als Danzig zu einem Zentrum für jüdischen Auswanderer wurde. Am 2. September 1924 wurde im Schützenhaus, unter Teilnahme von David Ben Gurion, der Weltbund der jüdischen Jugend gebildet.1927 wurde die Synagoge am Mirchauerweg erbaut. Da Welt die Welt noch in Ordnung!Schade, dass es danach ganz anders wurde.

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                            • Bartels
                              Forum-Teilnehmer
                              • 25.07.2012
                              • 3448

                              #59
                              AW: Die Juden in Danzig

                              Hallo,

                              1927 sass bereits der erste Nazi im Danziger Volkstag,
                              1930 war die NSDAP zweitstärkste Partei.
                              Beste Grüsse
                              Rudolf H. Böttcher

                              Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
                              Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
                              Familie Zoll, Bohnsack;
                              Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
                              Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

                              http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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                              • waldling +6.8.2023
                                Forum-Teilnehmer
                                • 04.09.2011
                                • 2320

                                #60
                                AW: Die Juden in Danzig

                                Einen schönen Tag zusammen,
                                folgender Bericht weicht vielleicht etwas von diesem Thema ab, aber nur scheinbar.

                                Am Rande wird die systemische Denkweise angerissen. Für uns Nachkommen birgt diese Form der systemischen Sichtweise neue Bewältigungsstrategien. Näheres würde hier aber zu weit führen.
                                Herzliche Grüße
                                Uwe

                                Kommentar

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