Die Juden in Danzig

Einklappen
Dieses Thema ist geschlossen.
X
X
 
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles l
neue Beitr
  • Uwe
    Forum-Teilnehmer
    • 10.08.2008
    • 1962

    #106
    AW: Die Juden in Danzig

    So ein Quatsch, niemand kippt "Jauchekübel" über seine Vorfahren hier aus. Das einzige was einige tun, sie setzten sich mit dem handeln oder nicht handeln ihrer Vorfahren in diesen 12 Jahren der Unmenschlichkeit auseinander. Dieses tun sie um eine Wiederholung für alle Zeit zu verhindern. Nicht darüber zu reden, sich nicht klar werden über die Fehler, birgt ein großes Risiko auf Wiederholung der selbigen. Das will hoffentlich jeder hier vermeiden.

    Trotzdem bleiben die Vorfahren die eigene Familie die man geliebt hat und noch liebt. Eine Beschäftigung mit dem Thema ändert nichts an den Gefühlen für die Vorfahren. Menschen machen Fehler, so wie jeder hier. Aber nur aus dem erkennen der Fehler kann man lernen.

    Herzliche Grüße

    Uwe
    Geschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!

    Suche Informationen zu den Familiennamen Block, Gehrt, Kirschke, Kirsch, Haak, Happke, Hoffmann, Makowski, Namowicz, Patzer, Rehberg, Tolk(e) und Vierling aus Danzig

    Kommentar

    • Ulrich
      Forum-Teilnehmer
      • 30.01.2009
      • 280

      #107
      AW: Die Juden in Danzig

      Die Anzahl und die Namen der bis heute aufgefundenen und in der Nazizeit ermordeten danziger glaubensjüdischen Opfer finden sich in: http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html
      Man kann in der Maske etwa bei "Wohnort" oder bei "Geburtsort" "Danzig" oder "Gdansk" eingeben, oder auch Einzelpersonen aufrufen oder beides.
      Einen schönen Gruß
      Ulrich

      Kommentar

      • waldkind
        Forum-Teilnehmer
        • 06.10.2008
        • 2366

        #108
        AW: Die Juden in Danzig

        Wenn man sich das Handeln der Vorfahren erklären will (eigentlich ist das ein dreistes Unterfangen), so kann man in den Dokumentationen es gut mitverfolgen. Auch Spielfilme, wie Schindlers Liste oder Holocaust greifen Rollen und Ursachen auf. Für die einen war es das Geld, die gute gesellschaftliche Position, die man sich sichern konnte. Die anderen haben nix kapiert und saßen in Positionen, wo sie sich nicht einmal auseinander setzen mussten. Die Gläubigen lernten (vielleicht mit Prügelstrafe), dass man sich der Obrigkeit nicht widersetzen darf. Das habe ich ja noch nach dem Krieg gelernt. So sahen das leider viele damalige Nicht-Juden und Juden. Es war eben so. Dann kommen die vielen Nekrophilen und Narzissten dazu und die (durch den I. Weltkrieg) innerlich Gebrochenen, die sich einen Wert gaben durch die Erniedrigung Anderer. Außerdem bedurfte es eines Sündenbockes für die Not nach dem I.Weltkrieg. Die Methode mit dem Sündenbock funktioniert fast immer, um Hass und Wut zu kanalisieren. Manche waren einfach nur stolz Teil einer Gemeinschaft zu sein (Verführung der Jugend), ein Fähnchen zu hissen oder einen Orden zu bekommen. (Da ist der Film "Untergang" gut in der Darstellung). Dann gibt es jene, die gelernt haben, einfach immer nur der Sache zu dienen, egal um welche Sache es ging.
        Irgendwie muss man sich mit den Vorfahren diesbezüglich auseinander setzen. Denn es gab ja nach dem Krieg keine Einrichtung, die bei der Jugend eine seelisch-geistige Umschulung durchgeführt hätte. Aber man sollte auch nicht vergessen sein eigenes Herz gründlich auseinander zu nehmen. LG wk.
        Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

        Kommentar

        • Inge-Gisela
          Forum-Teilnehmer
          • 09.11.2012
          • 1842

          #109
          AW: Die Juden in Danzig

          Ich mische mich meistens nicht in dieses Thema ein. Man spricht hier von Scham und Entsetzen, und immer wieder, was unsere Eltern und Großeltern vielleicht getan haben oder auch nicht getan haben. Und das ist ein Erbe, dass unsere Kinder und Kindeskinder wohl noch antreten müssen. Ob das immer richtig ist, weiß ich nicht. Nur wir müssen uns leider auch selbst fragen, wie mutig wären wir denn gewesen? Von uns selbst wird hier weniger gesprochen. In Friedenszeiten sind wir alle stark oder glauben es zu sein. Es fängt doch in der Bahn schon an, wenn jemand angegriffen wird. Die meisten schauen zu oder wechseln bei der nächsten Haltestelle den Wagen, wer kann von sich behaupten, dass er in so einer Situation wirklich mutig eingeschritten ist. Sicherlich nicht alle. Da gibt es mehrere Beispiele, die sogar video-mäßig belegt sind. Bis hin zum Mord. Und wären wir besser gewesen? Ich meine jetzt nicht das entsetzliche Morden und auch nicht das Denunzieren. Das kann und will man nicht jedem zutrauen. Ich meine, das Stillschweigen, nichts sehen und nichts hören, um selbst überleben zu können. Die meisten von uns sind doch nicht in der Situation gewesen, um jetzt sagen zu können, wie sie sich selbst verhalten hätten. Ich denke mal, sie waren selbst noch Kinder. Da hat man den Kindern wohl auch eher Stillschweigen geboten. Mit der Angst haben sie teilweise überleben können.

          Gruß
          Inge-Gisela

          Kommentar

          • Antennenschreck
            Forum-Teilnehmer
            • 05.09.2011
            • 1833

            #110
            AW: Die Juden in Danzig

            Hallo Inge-Gisela,

            besser und klarer hätte man das einfach nicht ausdrücken können; danke.

            Tschü.........
            Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

            Kommentar

            • waldkind
              Forum-Teilnehmer
              • 06.10.2008
              • 2366

              #111
              AW: Die Juden in Danzig

              Darin sehe ich ein zweites Verbrechen. Die Kinder wurden indoktriniert und aufgehetzt. Sie erlebten Verbrechen, sahen wie Menschen totgeprügelt, gefoltert, versklavt, aufgehängt oder erschossen werden. Und dann lässt man sie einfach alleine mit all dieser Grausamkeit. Das hätte mich wirklich mal interessiert, wie man das den Kindern erklärt hatte. Wurden die Kinder einfach abgestumpft, dass sie nichts mehr fühlen? Ich kann mir nicht vorstellen wie man mit solchen Bildern gesund leben kann. Klärt mich auf. LG wk.
              Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

              Kommentar

              • Ulrich
                Forum-Teilnehmer
                • 30.01.2009
                • 280

                #112
                AW: Die Juden in Danzig

                Hallo Waldkind,
                du meinst wahrscheinlich nicht die jüdichen Kinder in Danzig, bzw. die Kinder mit jüdischem Hintergrund, die rassisch indoktriniert wurden, und sich selbst dann als Kreuzung zwischen Mesch und Tier ansahen, die sich - der Indoktrination entsprechend - als Ratten, als Krebsgeschwür empfanden?

                Und du meinst vermutlich auch nicht die Danziger Kinder mit jüdischem Hintergrund, die erleben mussten, dass ihre Eltern deportiert und ermordet wurden, bevor sie selbst deportiert und ermordet wurden.

                Wenn ich den Titel zu diesem Thread richtig lese, geht es hier um die "Juden in Danzig".

                Man kann natürlich auch einen Thread über die "Nichtjuden in Danzig" aufmachen, da könnte man z.B. auch über die Erziehung zum Herrenmenschentum der nichtjüdischen deutschsprachigen Danziger Kinder sprechen - aber das wäre,wie gesagt, ein anderer Thread.


                Einen schönen Gruß
                Ulrich

                Kommentar

                • Antennenschreck
                  Forum-Teilnehmer
                  • 05.09.2011
                  • 1833

                  #113
                  AW: Die Juden in Danzig

                  Hallo Waldkind,

                  ich denke du meinst einfach die Menschenkinder, ganz egal welcher Konfession, welche in einer zerstörten unerklärlichen Welt weiterleben mussten. Aus Sicht eines Kindes handelt es sich bei solchen Ereignissen immer um unverschuldete katastrophale Eingriffe in das eigene Leben. Man wird ja als Kind in so eine Welt hineingeboren, ohne selber einen Einfluß darauf zu haben oder die Möglichkeit eines Rückzuges. Sehr bezeichnend ist dafür das Lied "Kinder an die Macht" von Herbert Grönemeyer:



                  Tja, wenn wir so wie Kinder denken würden dann käme es erst gar nicht zu solchen Ereignissen. Aber in den Chefetagen der Konzerne und Banken denkt man eben anders.

                  Tschü......
                  Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

                  Kommentar

                  • J.Langfuhr
                    Forum-Teilnehmer
                    • 11.02.2008
                    • 145

                    #114
                    AW: Die Juden in Danzig

                    Hallo Waldkind, hallo Ulrich,

                    das ist für mich eine wichtige Frage: neulich sprach ich mit einer 86jährigen rüstigen und immer noch stattlichen Dame, die als Kind in der Nähe eines Lagers wohnte. Sie erzählte von ihren diesbezüglichen Kindheitserinnerungen noch heute ganz ohne Bestürzung, eher wie von Kuriositäten. Mitgefühl habe ich ganz vermisst.

                    Mir sind aus vielen Gründen derartige Kindheitserinnerungen erspart geblieben. Aber noch in der Nachkriegszeit ist mir in meiner Erziehung ein Elitebewußtsein gegenüber vielen Menschen, besonders Ausländern, vermittelt worden. Reflektiert habe ich das erst, als ich selber jahrelang Ausländer war.

                    J.Langfuhr

                    Kommentar

                    • waldkind
                      Forum-Teilnehmer
                      • 06.10.2008
                      • 2366

                      #115
                      AW: Die Juden in Danzig

                      Liebe Jutta, danke für deine Ehrlichkeit.
                      Lieber Antennenschreck, danke für dein Einfühlungsvermögen.

                      Lieber Ulrich,
                      ich will es offen lassen, welche Kinder ich hier meine. Ich verstehe, dass du meinen Gedanken nicht ganz folgen kannst. Der eine befragt wikipedia und baut auf den Intellekt. Der andere befragt das Herz. Denn um dieses geht es auch, wenn es um die Juden in Danzig geht. Nur mit Intellekt kommt man nicht zum Ziel, denn dann würde ja ein einfaches Schriftstück reichen. Wo bleibt da der gesunde Menschenverstand? Vermutlich hat wikipedia auf meine Frage keine Antwort, dass du mich zurechtweisen möchtest. Nur herzlose Menschen vermögen zu morden.

                      Für mich ist es eine Beleidigung, wenn man Juden von Nicht-Juden dermaßen radikal trennt. Du glaubst also, man müsse nicht darüber nachdenken wie die Kinder mit der Grausamkeit umgingen? Um meine Frage zu verstehen bräuchte man wahrlich ein kindliches Herz.
                      Es grüßt die Wald-Ratte.
                      Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

                      Kommentar

                      • Inge-Gisela
                        Forum-Teilnehmer
                        • 09.11.2012
                        • 1842

                        #116
                        AW: Die Juden in Danzig

                        Hallo Waldkind und hallo an die anderen,

                        Ich sehe ein Kind ohne die Zugehörigkeit einer Nationalität, vielleicht auch deswegen, weil ich schon viel in andere Länder gereist bin, viele andere Menschen kennengelernt habe und den Kindern ist ihre Nationalität solange egal, solange sie ihnen nicht von Erwachsenen eingebläut werden. Deswegen auch mein Satz bzgl der Kinder. Es betraf nicht nur jüdische, es betraf Kinder auch aus kleineren Volksgruppen und letztendlich auch deutsche, die auch nicht für diese Grausamkeiten konnten und selbst ja auch darunter litten, und von ihnen sind auch viele umgekommen. Nur, was die Juden anbelangt, ist eine diesbezügliche Diskussion immer ein sehr heikles Thema. Und es entstehen leicht Missverständnisse. Ich habe vor Jahren mal den Film "Am Strand der Grünen Spree" gesehen. Zu meiner Schulzeit wurde ja über diese Zeit überhaupt nicht gesprochen, schon gar nicht in der Schule. Das erfuhr man erst viel später und wenn man sich selbst orientierte. Der Film hatte mich so fertig gemacht, dass ich einige Tage damit zu tun hatte.
                        Eine Nichte und ein Neffe von mir haben übrigens für je ein Jahr im Kibbuz gearbeitet :-).

                        Und ich befürchte auch, dass sich nicht viel geändert hat, weil sich die Menschen nicht ändern, und Korruption und Manipulation weit oben stehen. Und vom Staat wird man allmählich immer mehr entmündigt. Aber es wehrt sich ja kaum jemand und das ist das Problem der Deutschen. Andere Völker gehen viel früher auf die Straße.

                        Lieben Gruß
                        Inge-Gisela

                        Kommentar

                        • Antennenschreck
                          Forum-Teilnehmer
                          • 05.09.2011
                          • 1833

                          #117
                          AW: Die Juden in Danzig

                          Hallöle in die Runde,

                          wie ich schon sagte, zeigt sich der moralische Wert einer Persohn oder Gesellschaft immer an ihrem Umgang mit den Schwächeren (Minderheiten, Kranke, Kinder, Alte, Toten......).

                          Manchmal errinnert mich das an ein Erlebniss aus meiner Kindheit: Wir haben da das Feld mit Jauche gedüngt. Egal wie lang der Stiel an der Kelle auch war man hat immer ein paar Spritzer Jauche abbkommen. Wenn man mit einem Finger auf jemand anderes zeigt zeigen 4 Finger auf einen selbst. Also richtet nicht auf das ihr nicht selbst gerichtet werdet.

                          Tschü.......
                          Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

                          Kommentar

                          • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                            Forum-Teilnehmer
                            • 13.02.2008
                            • 3493

                            #118
                            AW: Die Juden in Danzig

                            Wir gehoerten auch einer Minderheits Gruppe an. Papa, als russischer Offizier im Regiment des Zaren,floh nach der Revolution nach Polen und dann nach Danzig. Er hatte den Nansen Status von der schwedischen Regierung und wurde als Emigrant anerkannt. Wollte dieses nur klar stellen dass sich die neutralen Laender doch um die Menschen kuemmerten, die ihre Hilfe brauchten. Die andere Seite unserer Geschichte musste Mutti ausbaden. Als Besitzerin einer Leihbuecherei hatte sie die Pflicht, verbotene Buecher, die auf Listen standen, die an alle Bibliotheken verteilt wurden, von den Regalen zu entfernen und so wanderten sie alle unter Mutti's Bett. Haetten sie eine Haussuchung gemacht waere Mutti in grosser Gefahr gewesen. Balsac, Hauptmann und viele andere Schriftsteller entkamen dadurch der Vernichtung nur um mit dem Haus zusammen abzubrennen als wir ausgebombt wurden. Ich kann mich auch entsinnen, dass Katholiken, die man als Polen ansah, auch ihre schwere Zeit hatten. Die Marienschule der Ursulinen wurde geschlossen und die Boromaerinnen im Marienkrankenhaus, enteignet. Vor der Vertreibung hat sie ein Wehrmachtsarzt gerettet, der sie als Pflegepersonal unersaetzlich einschaetzte. Das Leiden der Minderheitsgruppen findet ja heute noch immer in vielen Staaten statt. Wird es je aufhoeren ? Mit lieben Gruessen von der Feli

                            Kommentar

                            • Ulrich
                              Forum-Teilnehmer
                              • 30.01.2009
                              • 280

                              #119
                              AW: Die Juden in Danzig

                              Ach, Waldkind -

                              soviel ich weiß, hab ich in diesem Thread nicht ein einziges Mal was aus wikipedia gebracht, deine Gegenüberstellung mit Intellekt (Ulrich-Wikipedia) und Herz (Waldkind-Herz) geht insofern ins Leere. Kann das sein, dass du mich hier mit meinem Namensvetter im Forum verwechselst, dessen Wikipedia-Hinweise in einem anderen Thread du ja benennst, die ich nebenbei gesagt, sehr schätze?

                              Ja, ich denke, man sollte in einem Thread über die Juden in Danzig darüber nachdenken, wie die jüdischen Kinder und die Kinder mit jüdischem Hintergrund mit der Grausamkeit, die sie von ihren sogenannten arischen Mitschülern, ihren arischen Lehrern, ihrem Verweis von Schulen, ihrem Ausschluss aus Vereinen, dem Entrechten und Ausrauben ihrer Eltern umgingen, welche Wunden dies alles bei Ihnen hinterlassen hat, und, wenn sie denn den Holocaust überlebten, wie ihre Peiniger ausgebombt und mit ihren Peinigern vertrieben wurden.

                              Wenn ich zwischen Danziger Juden oder Danzigern mit jüdischem Hintergrund einerseits und Danzigern mit Nicht-jüdischem Hintergrund scharf trenne, folge ich doch nur dem allgemeinen Sprachgebrauch, für den der Holocaust real war als Entrechtung, Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. Da ist Danzig mit dabei und da verbietet sich mir jede Gleichmacherei.
                              Und schließlich Waldkind, dass du dich als "Waldratte", humorig anspielst, oder sogar auf auf eine Stufe stellst mit den von mir erwähnten jüdischen Kindern, die infolge der Naziindoktrination sich als Mischwesen von Mensch und Tier, ach schlimmer, als Ratten fühlten, da scheint mir doch, gelinde gesagt, schon mal ein wenig mehr Taktgefühl nicht zu schaden.
                              Ulrich

                              Kommentar

                              • Wolfgang
                                Forumbetreiber
                                • 10.02.2008
                                • 11623

                                #120
                                AW: Die Juden in Danzig

                                Guten Nachmittag,

                                mit zunehmendem Unbehagen lese ich dieses Thema. Es wird mir da u.a. zu viel von "Jauche" gesprochen wo nach meinem Empfinden Schweigen, Nachdenken und Innehalten angebracht wäre.

                                Es müsste bei jedem Leser Fassungslosigkeit hochkommen wenn er nach der Schilderung dessen was jüdischen Mitbürgern an Umenschlichem angetan wurde Aussagen lesen muss wie "Nur zu, kippt ruhig weiter Jauchekübel über eure Vorfahren". Auch die andere jüngste "Jauche"-Aussage ist schlichtweg nur FURCHTBAR. Genauso entsetzlich ist es, wenn unsere Diskussion hier über die begangenen Verbrechen in einem anderen Danzig-"Forum" der sogenannten "Erlebnisgeneration" aufgegriffen und von dessen Betreiber bisher unwidersprochen gerechtfertigt wird mit "warum meldet sich niemand und nennt die Hauptgründe, wodurch es zu dem ganzen Schlamassel erst kommen konnte. Hat denn niemand mal etwas vom Versailler Vertrag gehört, vom poln. Korridor, von den poln. Schikanen (Post, Bahn, Hafen) in der Freien Stadt Danzig, u.s.w.-u.s.w.???"

                                Diese Aussagen von zwei Angehörigen sowohl der "Erlebnis-" als auch der Nachkriegsgeneration können nicht verallgemeinert werden. Sie zeigen auch nicht den heute vorherrschenden Zeitgeist. Sie sind schlichtweg vorgestrig und/oder ohne jedwedes Mitgefühl für das unvorstellbare Leid das jüdische Mitbürger erlitten.

                                In DIESEM Thema geht es um jüdische Mitbürger, am Rande auch -wie Felicity aufzeigt- um andere Opfer des nationalsozialistischen Terrors, des Regimes, seiner Mithelfer und seiner ungezählten jubelnden häufig auch wissenden Mitläufer.

                                Ich verstehe es nicht, ich fasse es nicht, dass immer wieder wenn über die diesen Opfern angetanenen Verbrechen gesprochen wird, sofort lauthals lamentiert wird JA ABER WIR WAREN AUCH OPFER!!! Oder: DAFÜR HAT ES JA AUCH GRÜNDE GEGEBEN!

                                NIEMAND, weder in Deutschland noch in Polen, noch sonst irgendwo auf der Welt, wird bestreiten, dass es auch deutsche Opfer gab. Aus meiner Sicht verbietet es sich aber, die gegenüber jüdischen Mitbürgern begangenen Verbrechen auf irgend eine Art und Weise rechtfertigen zu wollen. Und genauso verbietet es sich auch, die Verbrechen relativieren oder unterbinden zu wollen, indem auf haarsträubende Weise auf vermeintliche geschichtliche Ursachen und Gründe hingewiesen wird oder über Vorfahren auf die keine Jauche ausgegossen werden soll.

                                Eingangs meines Beitrages sprach ich von zunehmendem Unbehagen beim Lesen dieses Themas. Dieses Unbehagen wich beim Schreiben einem fassungslosen Entsetzen als ich den einen oder anderen Beitrag noch einmal las.

                                Ich schäme mich, mich nicht früher mit meiner Meinung gemeldet zu haben.

                                Wolfgang Naujocks
                                Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                                Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                                Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

                                Kommentar

                                L