AW: Die Juden in Danzig
Lieber Ulrich,
deinen Verdacht, ich könnte die Juden zu „die Anderen“ machen wollen, möchte ich gerne entschärfen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Gerade weil sie in der Vergangenheit immer die Anderen waren, möchte ich zu einem menschlichen Miteinander finden. Es geht mir keineswegs darum in einem Danzig von gestern kulturelle Unterschiede herauszuarbeiten. Ich bezweifle auch, dass das geht. Es geht mir um echte Begegnung von Mensch zu Mensch, um gemeinsame Auseinandersetzung und Respekt. Es interessiert mich wie die Menschen 1933-1945 in Danzig lebten, miteinander umgingen. Aber es interessiert mich auch, was davor war. Nur leider erfährt man von den Älteren hier so wenig, um nicht zu sagen gar nichts zu diesem Thema. Alles, was du in Beitrag 144 schreibst, sehe ich genauso wie du.
Die Tätergeneration ist verstorben. Die Kinder der Täter sind noch nicht ganz bei der Wahrheit angekommen. Die Enkel der Täter sind durch Identitätskonflikte gefesselt. Die Urenkel können das Drama wegen komplett anderer Erziehung nicht mehr nachvollziehen. Da drängt sich die Angst vor Verjährung auf. Man möchte noch irgendwie Gerechtigkeit, irgendetwas einklagen können. An diesem Punkt scheitern wir in diesem Forum. Das ist wiederum mir verdächtig, warum es hier nicht zu einer konstruktiven Auseinadersetzung kommen kann. Ist es Angst?
Deine Wünsche und Appelle verstehe ich voll und ganz. Leider kann ich sie nicht einfach so bedienen aus Mangel an Wissen und Erfahrung. Ich kenne ja nicht einmal alle meine Vorfahren, um mich da irgendwo einordnen zu können. Ich trete hier von einem Fettnäpfchen ins nächste. Das ist unbeabsichtigt und nicht lustig. Aufarbeitung bedeutet auch nicht „Friede, Freude, Eierkuchen“. Begegnung tut manchmal weh.
Ich bedaure, dass es wegen der Gräuel der Vergangenheit in diesem Forum, zumindest wissentlich keine Juden gibt und dass wir hier nicht mit ihnen reden können, sondern über sie reden. Ich bewundere deine Kraft, deinen Mut und dein Durchhaltevermögen. Inzwischen habe ich hier einige Informationen über die Juden in Danzig erhalten, so dass mein Anliegen erst mal befriedigt ist. Es ist ein Anfang.
Inge Deutschkron sagte: Wenn ein Deutscher sagt, er habe von den Abtransporten nichts gewusst, der lügt. Alle haben hinter den Fenstern gestanden und zugeschaut, als die Juden aus den Häusern gejagt wurden (kein wörtliches Zitat).
Lieber Ulrich, ich danke dir für deine Ehrlichkeit. Wir haben unsere Trauer miteinander geteilt.
Vielleicht könnten wir zwei Threads machen, einen für Danzig 1933-1945 und einen für Danzig allgemeiner. Ich selber fühle mich eher unbeholfen hier irgendwie mitreden zu können.
Herzliche Grüße vom waldkind.
Lieber Ulrich,
deinen Verdacht, ich könnte die Juden zu „die Anderen“ machen wollen, möchte ich gerne entschärfen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Gerade weil sie in der Vergangenheit immer die Anderen waren, möchte ich zu einem menschlichen Miteinander finden. Es geht mir keineswegs darum in einem Danzig von gestern kulturelle Unterschiede herauszuarbeiten. Ich bezweifle auch, dass das geht. Es geht mir um echte Begegnung von Mensch zu Mensch, um gemeinsame Auseinandersetzung und Respekt. Es interessiert mich wie die Menschen 1933-1945 in Danzig lebten, miteinander umgingen. Aber es interessiert mich auch, was davor war. Nur leider erfährt man von den Älteren hier so wenig, um nicht zu sagen gar nichts zu diesem Thema. Alles, was du in Beitrag 144 schreibst, sehe ich genauso wie du.
Die Tätergeneration ist verstorben. Die Kinder der Täter sind noch nicht ganz bei der Wahrheit angekommen. Die Enkel der Täter sind durch Identitätskonflikte gefesselt. Die Urenkel können das Drama wegen komplett anderer Erziehung nicht mehr nachvollziehen. Da drängt sich die Angst vor Verjährung auf. Man möchte noch irgendwie Gerechtigkeit, irgendetwas einklagen können. An diesem Punkt scheitern wir in diesem Forum. Das ist wiederum mir verdächtig, warum es hier nicht zu einer konstruktiven Auseinadersetzung kommen kann. Ist es Angst?
Deine Wünsche und Appelle verstehe ich voll und ganz. Leider kann ich sie nicht einfach so bedienen aus Mangel an Wissen und Erfahrung. Ich kenne ja nicht einmal alle meine Vorfahren, um mich da irgendwo einordnen zu können. Ich trete hier von einem Fettnäpfchen ins nächste. Das ist unbeabsichtigt und nicht lustig. Aufarbeitung bedeutet auch nicht „Friede, Freude, Eierkuchen“. Begegnung tut manchmal weh.
Ich bedaure, dass es wegen der Gräuel der Vergangenheit in diesem Forum, zumindest wissentlich keine Juden gibt und dass wir hier nicht mit ihnen reden können, sondern über sie reden. Ich bewundere deine Kraft, deinen Mut und dein Durchhaltevermögen. Inzwischen habe ich hier einige Informationen über die Juden in Danzig erhalten, so dass mein Anliegen erst mal befriedigt ist. Es ist ein Anfang.
Inge Deutschkron sagte: Wenn ein Deutscher sagt, er habe von den Abtransporten nichts gewusst, der lügt. Alle haben hinter den Fenstern gestanden und zugeschaut, als die Juden aus den Häusern gejagt wurden (kein wörtliches Zitat).
Lieber Ulrich, ich danke dir für deine Ehrlichkeit. Wir haben unsere Trauer miteinander geteilt.
Vielleicht könnten wir zwei Threads machen, einen für Danzig 1933-1945 und einen für Danzig allgemeiner. Ich selber fühle mich eher unbeholfen hier irgendwie mitreden zu können.
Herzliche Grüße vom waldkind.
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