Maler, Grafiker, Bildhauer

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  • waldkind
    Forum-Teilnehmer
    • 06.10.2008
    • 2366

    #91
    AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

    Guten Morgen Herr Jeske,

    laut wikipedia verstarb Anton Möller während er am Flügelaltar der Katharinenkirche arbeitete. Seine Grabstätte befindet sich in der Trinitatiskirche. Möller wurde 48 Jahre alt. Wie diese Grabstätte aussieht weiß ich nicht. Vielleicht können da die fleißigen Danzigreisenden weiterhelfen. Mit guten Grüßen für einen schönen Sonntag, waldkind.
    Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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    • waldkind
      Forum-Teilnehmer
      • 06.10.2008
      • 2366

      #92
      AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

      Liebe Forumer,

      um der Schwammigkeit von Informationen über Anton Möller zu entgehen, habe ich mir meine eigenen Gedanken gemacht. Zwar fehlen für manches die Beweise, aber die Logik hilft mir einen Zugang zu der Kunst Anton Möllers zu finden.

      Der Vater Anton Möllers war Wundarzt und Barbier am Hofe Albrecht von Preußen. (War er das auch noch nach dem Tode desselben?). Möller kam durch Vitamin B (z.B. Beziehungen durch das Haus Habsburg) nach Prag an den Hof Rudolfs II. Dieser war Kaiser des Römischen Reiches, König von Ungarn und Böhmen und Erzherzog von Österreich. Um bis hierher zu gelangen, musste Möller bereits mit einem hohen Talent aufgefallen sein.

      Rudolf II. war ein besonderer Förderer der Kunst und der Künstler und ein Kunstsammler. Er zog viele Künstler an seinen Hof. Deswegen lässt sich der Lehrer Möllers nicht ausfindig machen, da die Dokumentation bislang fehlt. Am Hofe Rudolfs hatte Möller ausreichend Gelegenheit die niederländische Kunst und den Manierismus kennenzulernen. Ich gehe davon aus, dass Möller es zur Meisterschaft gebracht hat, was sonst macht man in sieben Jahren Ausbildungszeit? Und ohne Meistertitel hätte er es in Danzig zu nichts bringen können.
      Den Lehrmeistern seiner Zeit war daran gelegen, dass ihren Schülern ein sicherer Werdegang zuteil würde. Daher wird man Möller empfohlen haben, in die blühende Handelsstadt und Kunstmetropole Danzig zu gehen. Vielleicht kam Möller sogar mit einem Empfehlungsschreiben des Kaisers nach Danzig.

      Da zum guten Ruf eines Malers in damaliger Zeit eine Italienreise und eine Hollandreise gehörten, liegt für ihn eine Reise in beide Länder nahe. Einmal eifert Möller damit den Künstlern seiner Hochachtung nach (z.B. Dürer). Er wollte Genaueres sehen, von dem, was die niederländischen Meister am Hofe Rudolfs lehrten. Vor allem hat er etwas Bedeutsames vorzuweisen, wenn er in die Stadt Danzig kommt. Außerdem musste man sich als Maler um den Einkauf der Farben kümmern, insbesondere Lapislazuli und italienischem Zinnober. Die Studienreise soll gleich nach Beendigung der Ausbildung erfolgt sein, zwischen 1585 und 1587. Hier fällt auf, dass er sich besonders Venedig gewidmet hat, der befreundeten Stadt Danzigs. Venedig war die Metropole für Händler, Kaufleute,Handwerker und Umschlagplatz für Kunst. Vielleicht hatte er für diese Reise einen Förderer am Prager Hof oder in der Stadt Danzig selber. Die bereits erwähnte Freundschaft zwischen Danzig und Venedig wundert insofern nicht, weil beide Städte wichtige Umschlagplätze waren, die eine im Norden, die andere im Süden. Die Städte profitierten voneinander.

      Bestens vorbereitet und ausgerüstet schlägt er 1587 in Danzig (laut wikipedia in Neugarten) sein Atelier auf. Sicherlich wird er anfangs eine Reihe von Porträts gefertigt haben. Er wird die Danziger Bürgerschaft angestrebt habe, die man mit 25 Jahren erhalten konnte. Und es machte sich immer gut, verheiratet zu sein. Denn mit einer Ehe zeigte man an, dass man bereit war an Ort und Stelle zu bleiben. Eine Heirat eröffnete neue Beziehungen. Da das erste Kind 1592 getauft wurde, heiratete Möller davor.

      Was brachte Möller dazu, derart festen Fuß zu fassen in Danzig? Möller drückte in seinen Bildern lutherische Glaubensinhalte aus. Er förderte damit die Überwindung katholischer Glaubensrestbestände. Und er sagte den Reformierten(Calvinisten) den Kampf an. Der Kampf um die lutherische Vorrangstellung lag ihm quasi im Blute. War es doch Albrecht von Preußen, der den katholischen Deutschordenstaat in ein lutherisches Herzogtum verwandelte. Mit diesem Geschick den Nerv der Zeit zu treffen, und dem festen Willen „Maler von Danzig“ zu werden, eroberte sich Anton Möller seine Stadt, besonders auch mit seiner Auffassung vom Jüngsten Gericht, der Fähigkeit Christus menschennah darzustellen, aber auch damit Danzig als eine schöne prächtige und lutherische Stadt zu zeigen.
      So weit meine Überlegungen zum Werdegang Möllers.

      Info: Was ich mit Schwammigkeit von Informationen meine sind Formulierungen wie diese aus wikipedia: "Während der Fertigstellung des Flügelaltars der Katharinenkirche in Danzig verstarb Möller ..." Ungenauer geht es kaum.

      Wünsche allen Forumern einen schönen Start in die Woche, waldkind Miriam.
      Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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      • Iris Freundorfer
        Forum-Teilnehmer
        • 22.09.2016
        • 552

        #93
        AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

        Liebe Miriam,

        es ist doch schon erstaunlich, wie viele Informationen überhaupt zu finden sind! Möller lebte und wirkte vor immerhin fast 450 Jahren. Und ich finde es beachtlich, was du durch das sinnvolle Verknüpfen der vorhandenen Belege und Quellen zusammengefasst hast, so dass man sich ein Bild von seinem Leben und Wirken sowie diverser Gegebenheiten der damaligen Zeit machen kann. Sei es von der Bedeutung der Städte Venedig und Danzig als "Metropolen" des Südens und Nordens, sei es über die religiösen Auseinandersetzungen.

        Viele Grüße
        Iris

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        • ada.gleisner
          Forum-Teilnehmer
          • 17.02.2008
          • 882

          #94
          AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

          Mal zwischendurch eine Frage : wem sagt der Name Paul Kreisel etwas. M.A.n. hat er nach dem Krieg viele Danzigbilder gemalt. War er Danziger? Hat er Bleibendes hinterlasen?
          VG von Ada
          Liebes Waldkind,
          diese Reihe Danziger Maler ist sehr interessant und man erfährt vieles, was man nicht wußte. Ich bedanke mich für diese Idee, Ada
          Was ist Geld? Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt. (H. Heine)

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          • Iris Freundorfer
            Forum-Teilnehmer
            • 22.09.2016
            • 552

            #95
            AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

            Hallo Ada und andere Interessierte,

            hier kann man sich einige Bilder von Paul Kreisel ansehen: http://www.museen-nord.de/Objekt/DE-...5612/lido/1980

            Viele Grüße
            Iris

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            • waldkind
              Forum-Teilnehmer
              • 06.10.2008
              • 2366

              #96
              AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

              Liebe Iris,liebe Ada,
              danke für eure Beiträge.
              Es freut mich ebenso so viele Dinge über die Danziger Künstler entdecken zu können. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele Künstler dort gab und gibt und dass man Danzig tatsächlich eine Kunstmetropole nennen kann. Und wenn man sich beschäftigt, so bekommt man doch einen ganz neuen Zugang zu manchen Dingen.


              Hallo Ada,
              über Paul Kreisel lässt sich erst mal nicht viel finden.

              Paul Kreisel,
              deutscher Maler und Grafiker
              Geburt: 23.05.1891
              Tod: 1982


              Werke, bisher gefunden:
              Blick aus dem Fenster, Öl aufLeinwand, 80 x 60 cm
              Straße in Danzig, Öl auf Leinwand,67x50 cm
              Jopengasse, Gemälde, 1919, Leinwand,Br.90 cm x H 120 cm
              Lange Brücke mit Krantor, Gemälde1919, Br. 95 cm x 75 cm
              Ostseestrand, Grafik, 1.Hälfte 20.Jh.farbig, Radierung H 26,5 cm x B 30 cm
              St. Marien Danzig, Malerei auf Papier,1935
              Rathaus mit Langer Markt, Radierung aufBüttenpapier, H 24 cm x Br 17 cm
              Krantor in Danzig, Radierung, Papier, H24 cm x 17 cm
              Sternwarte, Radierung
              Stockturm, Radierung
              Kreisel scheint ein regelrechter Danzig-Maler gewesen zu sein.

              Vielleicht lässt sich etwas über das Museum Haus Hansestadt Danzig in Lübeck in Erfahrung bringen. Bei den aktuellen Künstlern gibt es nun mal Datenschutz. LG waldkind Miriam.
              Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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              • waldkind
                Forum-Teilnehmer
                • 06.10.2008
                • 2366

                #97
                AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                Liebe Forumer,

                wie es meistens so ist, man sucht etwas Bestimmtes und findet etwas ganz anderes. Ich freue mich bei archiv.org Einblick in das Danziger Trachtenbuch gewinnen zu können. Das will ich euch nicht vorenthalten. Am Ende der Trachtenbilder findet Ihr noch einen Text über Anton Möller, auch über seinen Lebensweg. Und bei den Trachtenbildern könnten unsere Latiner sich ein bisschen austoben.

                Viel Spaß beim Stöbern.

                Bei Paul Kreisel muss man halt langfristig dran bleiben. Noch ist die Webseite vom Haus Danzig in Lübeck nicht zugängig.

                Bis bald, beste Grüße vom waldkind Miriam.
                Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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                • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                  Forum-Teilnehmer
                  • 13.02.2008
                  • 3493

                  #98
                  AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                  Wenn ich mir da die Trachtenbilder so anschaue, bin ich wirklich froh nicht 'in der guten alten Zeit' gelebt zu haben. Ich habe Bilder von meiner Oma in einem Trachten Kostuem, das war weniger kompliziert und sie schaute wirklich gut aus darin. Liebe Gruesse von der Feli

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                  • waldkind
                    Forum-Teilnehmer
                    • 06.10.2008
                    • 2366

                    #99
                    AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                    Liebe Feli,

                    was mir immer zu denken gibt, sind diese überlangen Kleider. Die waren doch nach einem Spaziergang so dreckig, dass man sie kein zweites Mal tragen konnte. Was soll das? Gut, dachte ich, es hat den Vorteil, dass man als Frau nicht so schnell arbeiten musste wie heute, weil das in so langen Kleidern nicht geht. Dann habe ich die Mägde gefunden. Und siehe da, deren Kleider waren um einiges kürzer. Vermutlich haben die Damen mit ihren Kleidern die Straße gefegt und die Mägde die Kleider gewaschen.

                    Den Begriff "Tracht" kann man unterschiedlich verstehen. Im Mittelalter gab es eine Kleiderordnung. Da musste man sich nach der Ordnung kleiden und nicht anders. Also eine Magd konnte nicht einfach die Tracht einer Dame anziehen. Diese Kleider der Danzigerinnen fallen unter den Begriff "Bürgertracht". Ich denke, Möller legte Wert darauf zu zeigen, dass die Danzigerinnen "ordentlich", also "schicklich", "tugendhaft" gekleidet waren. Zur Hochzeit trug man offensichtlich was Schwarzes.
                    Eigentlich könnte man dieses Buch eine der ersten Modezeitschriften nennen. Könnte aber auch sein, dass man die Bücher außerhalb Danzigs verkaufte, um Frauen anderer Städte zu zeigen, was eine ordentliche Frauenkleidung ist und wie ordentlich die Danzigerinnen gekleidet sind. Hat natürlich auch den Vorteil, dass man mehr von diesen Kleidern herstellen musste, weil die Nachfrage stieg. Schließlich will jede Frau ordentlich und schicklich gekleidet sein
                    LG waldkind.
                    Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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                    • Ulrich 31
                      Forum-Teilnehmer
                      • 04.11.2011
                      • 8548

                      #100
                      AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                      Liebe Miriam,

                      zu Deinem letzten Satz in #99: Diese Behauptung beziehst Du sicher auf die Zeit Anton Möllers. Bei einem heutigen Bummel durch die Straßen Berlins stelle ich fest, dass hier viele Frauen andere Vorstellungen von ihrer Kleidung haben. Ordentlich und schick in ihrer Garderobe fallen mir dagegen angenehm die meisten Frauen im heutigen Danzig auf.

                      Beste Grüße
                      Ulrich

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                      • Iris Freundorfer
                        Forum-Teilnehmer
                        • 22.09.2016
                        • 552

                        #101
                        AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                        Lieber Ulrich,

                        die Vorstellungen von "ordentlich und schick(lich)" gehen bestimmt sehr weit auseinander. Ich bin schon ziemlich froh darüber, dass Kleiderordnungen für "Weiblein" wie "Männlein" heute passé sind.
                        Nicht das Augenzwinkern übersehen
                        Viele Grüße
                        Iris

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                        • Inge-Gisela
                          Forum-Teilnehmer
                          • 09.11.2012
                          • 1842

                          #102
                          AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                          Hallo Ulrich,
                          es fallen mir auch die Polinnen in Deutschland als gut gekleidet auf. Eine Bekannte sagte mal zu mir, wenn sie aus Frankreich kam, und dann die gekleideten Deutschen sah, sei es schon ein großer Unterschied. Ich selbst gehöre auch nicht zu den Eleganten, habe auch nie dazu gehört. Irgendwie würde ich mich verkleidet vorkommen. Es passt nicht zu mir. Aber wenn ich dann so einige Frauen mit ihren Leggings sehe oder die Männer mit Traningsanzügen, obwohl bei ihnen kein Sport angesagt ist, würde ich sagen, hier findet man in so einigen Großstädten nicht unbedingt mehr häufig die Eleganz. Wenn ich Fotos meiner verstorbenen Tanten und meiner Mutter sehe, wie sie sich in jungen Jahren früher kleideten, es sah auch fescher aus. Früher war man glücklich, Kleidung zu besitzen, die nicht zerrissen war. Heute sieht man in den Bahnen junge Leute, auch einige, die über dieses Alter schon hinweg sind, mit zerrissenen Jeans, sogar im kalten Winter. Und die werden nicht getragen, weil sie billig sind, nein, sie sind sogar teuer. Eine merkwürdige Welt ist das. Ich stimme allerdings Iris zu, gut ist es auch, dass man heute tragen kann, was man will. Allerdings gefällt mir in Konzertsälen, im Theater eine etwas hübschere Kleidung. Es muss ja nicht super teuer sein. Das können sich nämlich nicht alle leisten.

                          LG Inge-Gisela

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                          • Rahmenbauer14, + 1.11.2021
                            Forum-Teilnehmer
                            • 01.01.2009
                            • 1434

                            #103
                            AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                            Es ist nicht nur, daß sich die Polin sehr gut und elegant kleiden kann, sondern es ist auch ihr selbstbewußter stolzer Gang, welcher auffällt.
                            So sehe ich das.

                            Ein sonniges Wochenende wünscht
                            Rainer
                            "In einem freien Staat kann jederman denken,
                            was er will, und sagen, was er denkt"
                            (Spinoza)

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                            • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                              Forum-Teilnehmer
                              • 13.02.2008
                              • 3493

                              #104
                              AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                              Sogar in den mehr modernen Zeiten, meiner Mutti, dem Danziger Hof und Warschau's Mode, waren die Polinnen immer schick vom Kopf bis zu den Fuessen. Kann mich noch gut an Mutti's Schuhe erinnern. Wenn die nicht zu der Kleidung passten, kamen sie nicht aus dem Schrank und viele kamen aus Warschau, das Leder so weich wie moeglich. Liebe Gruesse von der Feli.

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                              • waldkind
                                Forum-Teilnehmer
                                • 06.10.2008
                                • 2366

                                #105
                                AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                                Das Jüngste Gericht von Anton Möller

                                Da Anton Möller das Jüngste Gericht häufig malte, hier eine genauere Betrachtung der Malerei aus dem Arthushof. Zur Erinnerung vorab noch einmal das Bild.

                                „Möller był dla Gdańska, jak Rubens dla Antwerpii” – tak, dość pompatycznie, napisał gdański badacz Erhardt August Hagen pod koniec XIX wieku. Nie zmienia to faktu, że wybitny artysta nazywany też był „malarzem Gdańska”.


                                Das Jüngste Gericht ist ein Szenario aus der Johannes-Offenbarung. Wir sehen an oberster Stelle im Bild Christus mit der Weltkugel, als Symbol dafür, dass Christus die Weltherrschaft übernimmt. Die Rechtsprechung ist dargestellt durch iustitia (die Gerechtigkeit). Mit dem Schwert trennt iustitia die Tugenden und Laster der Menschen voneinander und wägt sie gegeneinander ab. Das Gericht kommt zustande durch das Licht, das Wahrheit in das Chaos der Welt bringt und ihr Wirrwarr ordnet.
                                Die Tugendhaften streben dem Licht, Christus, zu. Sie sind meist nackt und verbergen nichts. Die Lasterhaften flüchten vor Gott, hüllen sich in Kleider und flüchten in die Dunkelheit. Beschrieben wird auf der linken Seite der schmale tugendhafte Weg ins ewige Leben, der mit sepes (Hoffnung) beginnt und in fides (Treue) zu Gott die Erfüllung findet. Rechts zeigt Möller den breiten Weg, der in die Verdammnis führt. Er beginnt mit superbia (Hochmut) und mündet in pavor (Angst). Die Tugenden und Laster werden in Lateinischer Sprache benannt. An Tugenden entdeckt habe ich außer den genannten noch charitas (Barmherzigkeit), patientia (Geduld), prudentia (Erkenntnis), fortitudo (Tapferkeit), temperatia (Mäßigung). Glaube und Liebe müssten da aber auch noch vorkommen. Bei den Lastern findet sich invidia (Neid), ira (Zorn). Mehr kann ich nicht entziffern, aber ich meine noch zu erkennen Unzucht, Unglaube, Pharisäertum, Zwietracht, Habgier. Die Anordnungen der Tugenden und Laster beschreiben einen stufigen Weg hin zu Gott oder von ihm hinab fallend und damit auch verschiedene Bewusstseins- oder Entwicklungsstufen unter den Menschen.
                                Unten links sehen wir den Fall der Hure Babylon, Sinnbild für die lasterhafte Stadt, die Weltverführerin. Über ihr der Erzengel Michael, der mit Leichtigkeit die Schlange (Teufel), den großen Verführer, bezwingt.
                                Am unteren Saum des Bildes stehen zwei Zitate in lateinischer Schrift. Das linke, aus Jesaja, prophezeit das Gericht über Babel und seine Vernichtung durch den zornigen Gott. Das andere stammt aus dem ersten Johannesbrief, der vor den Begierden der Welt warnt und die Treue zu Gott als Spender ewigen Lebens preist.

                                Die besondere Aussage in diesem Bild besteht darin, dass das Endgericht nicht von Gottes Willkür abhängt. Vielmehr hält jeder Mensch selber über sich Gericht durch die Wahl seiner Wesenszüge und Taten. So weit erst mal die Beschreibung des Bildes. Hans Joachim Kürtz sei es gedankt, dass seine Fotos eine so brillante Auflösung haben. LG waldkind.
                                Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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