Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

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  • Uwe
    Forum-Teilnehmer
    • 10.08.2008
    • 1960

    #61
    AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

    Liebe Miriam,

    Deinem letzten Absatz kann ich schon eher zustimmen. Schuld und Verantwortung sind Begriffe die in einander Übergegehen können. Aber einen gravierenden Unterschied gibt es, für Schuld kann ich in einem Rechtsstaat unter Umständen bestraft werden, Verantwortung muss ich im Regelfall alleine mit mir klar machen und diese übernehmen. Verantwortung kann sogar mehr die Seele belasten als Schuld, weil wenn ich bei einer Schuld bestraft werde kann ich dann eher damit abschließen. Verantwortung ist oft etwas was einem bis zum Lebensende bewusst bleibt.

    Viele Grüße

    Uwe
    Geschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!

    Suche Informationen zu den Familiennamen Block, Gehrt, Kirschke, Kirsch, Haak, Happke, Hoffmann, Makowski, Namowicz, Patzer, Rehberg, Tolk(e) und Vierling aus Danzig

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    • waldkind
      Forum-Teilnehmer
      • 06.10.2008
      • 2366

      #62
      AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

      Lieber Uwe,
      allmählich komme ich dahinter, dass wir beide für Schuld unterschiedliche Erklärungen haben. Du benutzt es eher juristisch, ich moralisch. Juristisch hat Schuld eine sachlichere Ebene, weil es um den Tatbestand geht, der in Gesetzbüchern klar definiert ist. Mein Empfinden für Schuld ist auch psychologischer und moralischer Natur. Denn meine Kindheit war durch und durch katholisch geprägt. Dort hieß es nach Apostel Paulus, Römer 13:
      "Beuget euch den obrigkeitlichen Gewalten, denn es gibt keine Gewalt, die nicht von Gott kommt: jede ist von Gott eingesetzt. Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen." Dann folgt eine Abhandlung über gute und böse Taten, wobei die bösen natürlich bestraft werden. Nur wer bestimmt dann, welche Taten gut sind? Die obrigkeitlichen Gewalten. Folglich wird bestraft, wer sich der Obrigkeit widersetzt. Wer sich also widersetzt ist der Schuldige.
      Demnach bin ich in meinem Leben ein schuldiger Mensch gewesen, der dementsprechend bestraft wurde. Eine Höllenkandidatin, die, so wenn es wahr wäre, was ich lernte, in ewiger Verdammnis schmoren wird. Infolge dessen habe ich mich mit der Schuldfrage auch anders auseinander setzen müssen als nur rein juristisch. Ich habe dabei nicht nur die Frage nach der Schuld, sondern auch nach der Verantwortung gestellt.

      In diesem Thread mache ich mir natürlich Gedanken über die Unterschiedlichkeit der Bedeutungen von "Die polnische Miliz war schuld an der Flucht meines Großvaters aus Danzig" und "Die polnische Miliz war mitverantwortlich an der Flucht meines Großvaters aus Danzig". Das macht für mein Leben einen großen Unterschied, weil hier die Weichen gestellt wurden, wo ich eines Tages geboren werden würde.

      Betrachte ich nun den Begriff Schuld rein juristisch, kann ich deinen Ausführungen im Grundsatz zustimmen. Aber auch in der Justiz geht es nicht nur um den reinen Tatbestand, sondern ebenso um Pschologie und Pädagogik (jedenfalls an den Verfahren, an denen ich bisher teilgenommen habe), weil es um mehr als nur um die Tat geht.

      Ob Verantwortung die Seele mehr belasten kann als Schuld? Verantwortung trage ich immer, in jedem Augenblick meines Lebens, ob ich sie wahrnehme oder nicht. Belasten kann sie mich nur, wenn mir durch andere mehr auferlegt wird als ich tragen kann. An den Stellen aber, wo ich (meiner Auffassung nach) schuldig geworden bin (moralisch nicht juristisch), das lastet schwer. Wäre mein moralisches Vergehen gleichzeitig auch ein jurisitsches und müsste ich dafür eine Strafe absitzen, ich weiß nicht, ob ich mich danach freier fühlen würde, weil ich für mein Vergehen gebüßt habe. Die Schuld, die ich begehe, fällt doch erst dann von mir ab, wenn derjenige, an dem ich mich verschuldete, mich von meiner Schuld freispricht. Eine Strafe, die ich absitze, kann lediglich dazu führen, dass ich die gleiche Tat nicht wiederhole.

      Wenn ich mich aber nur juristisch orientiere, reicht das für ein unbeschwertes Leben? In einem Land, in dem ich Menschen zu Tode steinigen darf, wäre ich also schuldfrei würde ich die Steine werfen. Das geht bei meinem Ansatz von Verantwortung und Moral (was immer das dann sein mag) nicht. Dann könnte die Tat juristisch erlaubt sein, moralisch aber nicht.

      Danke Uwe, für deine Gedanken. Sie haben mich lange und tief beschäftigt.
      Liebe Grüße
      Miriam

      @ alle: Glaubt jetzt aber nicht, ich wäre katholisch.
      Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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      • Uwe
        Forum-Teilnehmer
        • 10.08.2008
        • 1960

        #63
        AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

        Liebe Miriam,

        jetzt nehme ich mal die polnische Miliz etwas in Schutz, sie war ein Teil der Geschichte. Da hatten andere eine viel größere Mitverantwortung. Das bedeutet nicht das auch einzelne Milizionäre Schuld auf sich geladen haben. Ich setze mich aber lieber mit den Menschen auseinander die Schuld auf sich geladen haben, weil ich das konkret (auch juristisch) greifen kann. Verantwortung für etwas wird da schon etwas schwieriger zu greifen und ich meine wenn es niemanden gibt der Schuld auf sich lädt gibt es auch keinen der dafür eine Mitverantwortung hat. Während wenn jemand versucht Dingen über seiner Verantwortung gerecht zu werden, kann er unter Umständen die Taten von anderen nicht immer verhindern. Nicht jeder ist zum Widerstandskämpfer geboren. Je nach Charakter wird er sich aber mit seiner Mitverantwortung früher oder später auseinander setzen.

        Na da kann ich ja von Glück reden das ich wenigstens katholisch bin.


        Herzliche Grüße

        Uwe
        Geschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!

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        • waldkind
          Forum-Teilnehmer
          • 06.10.2008
          • 2366

          #64
          AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

          Lieber Uwe,
          Verantwortung orientiert sich an Werten, deren Rahmen unterschiedlich definiert sein kann. Nicht jeder Gewissensorientierte ist ein Widerstandskämpfer, nicht jeder Widerstandskämpfer hat ein Gewissen.

          Bei meiner Arbeit, Friedenspädagogik, ging es nicht um Schuld und Verurteilung, sondern um Bedürfnisse und Auflösung. Gewalt hat in letzter Konsequenz etwas mit Unterdrückung von Bedürfnis zu tun. Reglementierung über Gesetze dient dem äußeren Frieden. Innerer Frieden bedarf der Auflösung negativer Anteile, die auch ohne Vorhandensein juristischer Schuld vorliegen können - negative Empfindungen, Gedanken, mit denen wir an den Kriegen dieser Welt teilhaben.

          Die Seele drückt sich in Bildern aus, nicht in Paragraphen. Daher kann es passieren, dass wir beim morgendlichen Erwachen durch Träume und Gefühle zur Bereinigung eigener Anteile gedrängt werden. Ein Träumer wirft dabei, intellektuell betrachtet, manchmal Dinge zusammen in einen Topf, die scheinbar nicht zusammen gehören. Aber hierin liegt die Chance auch langjährige, vielleicht über mehrere Inkarnationen verdichtete Belastungen aufzulösen, wie etwa Wut gegenüber der polnischen Miliz oder Trauer über die verlorene Heimat.

          Wir sind in diesem Threat, äh Thread, aus verschiedenen Richtungen aufeinander zugegangen. Die Menschheit braucht wohl beides, ein juristisches System und Mitgefühl, damit dieser Planet - die Erde - nicht völlig abstürzt.

          Lieber Uwe, ich danke dir für deine Gedanke. Ohne diese hätte ich meine, das Kommissariat Ohra betreffende, ererbte Vergangenheit nicht loslassen können.
          Herzlich Miriam
          Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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          • Uwe
            Forum-Teilnehmer
            • 10.08.2008
            • 1960

            #65
            AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

            Liebe Miriam,

            nun mal einzeln.

            Verantwortung orientiert sich an Werten, deren Rahmen unterschiedlich definiert sein kann. Nicht jeder Gewissensorientierte ist ein Widerstandskämpfer, nicht jeder Widerstandskämpfer hat ein Gewissen.
            Ja das sehe ich auch so und würde mir nie anmaßen jemand zu verurteilen, der kein Widerstandskämpfer war.

            Bei meiner Arbeit, Friedenspädagogik, ging es nicht um Schuld und Verurteilung, sondern um Bedürfnisse und Auflösung. Gewalt hat in letzter Konsequenz etwas mit Unterdrückung von Bedürfnis zu tun. Reglementierung über Gesetze dient dem äußeren Frieden. Innerer Frieden bedarf der Auflösung negativer Anteile, die auch ohne Vorhandensein juristischer Schuld vorliegen können - negative Empfindungen, Gedanken, mit denen wir an den Kriegen dieser Welt teilhaben.
            Das wird und wäre mir viel zu theoretisch.

            Wir sind in diesem Threat, äh Thread, aus verschiedenen Richtungen aufeinander zugegangen. Die Menschheit braucht wohl beides, ein juristisches System und Mitgefühl, damit dieser Planet - die Erde - nicht völlig abstürzt.
            Ohja auch da hast Du recht!

            Lieber Uwe, ich danke dir für deine Gedanke. Ohne diese hätte ich meine, das Kommissariat Ohra betreffende, ererbte Vergangenheit nicht loslassen können.
            Dazu ist man ja schließlich in diesem Forum, natürlich auch ich.

            Na siehste so schnell kann man einer Meinung sein.


            Viele Grüße

            Uwe
            Geschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!

            Suche Informationen zu den Familiennamen Block, Gehrt, Kirschke, Kirsch, Haak, Happke, Hoffmann, Makowski, Namowicz, Patzer, Rehberg, Tolk(e) und Vierling aus Danzig

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            • waldkind
              Forum-Teilnehmer
              • 06.10.2008
              • 2366

              #66
              AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

              Bei meiner Arbeit, Friedenspädagogik, ging es nicht um Schuld und Verurteilung, sondern um Bedürfnisse und Auflösung. Gewalt hat in letzter Konsequenz etwas mit Unterdrückung von Bedürfnis zu tun. Reglementierung über Gesetze dient dem äußeren Frieden. Innerer Frieden bedarf der Auflösung negativer Anteile, die auch ohne Vorhandensein juristischer Schuld vorliegen können - negative Empfindungen, Gedanken, mit denen wir an den Kriegen dieser Welt teilhaben.(that's me)
              Das wird und wäre mir viel zu theoretisch.
              Lieber Uwe, ich finde es auch einfacher Recht zu sprechen ohne Ansehen der Person als sich in ihre Bedürftigkeit einzufühlen oder Empfindungen und Gedanken empathisch zu beobachten.


              Na siehste so schnell kann man einer Meinung sein.
              Ja, schön. Echte Auseinandersetzung macht Spaß.

              Ein schönes, sonniges Wochenende für dich,
              Miriam
              Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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              • waldkind
                Forum-Teilnehmer
                • 06.10.2008
                • 2366

                #67
                AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

                Hallo an alle,
                den Anhang im Beitrag 59 darf die Administration/Moderation löschen. Da er sich an der aktuellen Straßennummerierung orientierte, ist er falsch.
                Das Kommissariat liegt zwischen der Andreas-Buriedl-Straße und Neue Welt, von Danzig aus betrachtet auf der rechten Straßenseite. Das Ärztehaus hat mehr am südlichen Ende der Horst-Wessel-Straße gelegen.
                Da die Karte nur pimaldaumen gezeichnet ist, kann ich auch das Kommissariat nur pimaldaumen eintragen.

                Gute Grüße
                Miriam
                Angeh
                Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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