Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

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  • waldkind
    Forum-Teilnehmer
    • 06.10.2008
    • 2366

    #1

    Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

    Hallo an alle,
    ich habe ein Dokument gefunden, in dem es um ein Komisariat I in Ohra geht und um die Zählung der Deutschen.

    Das Kommissariat lag in der Horst-Wessel-Str.74. Das Dokument ist datiert vom 12.4.45.

    Wie war das unter der polnischen Milic? Mussten die Deutschen regelmäßig auf das Kommissariat, um sich zählen zu lassen? Oder gab es eine einmalige Zählung? Oder wurden nur bestimmte Personen gezählt? Weiß da einer was?
    Es gibt auf dem Dokument mehrere Daten untereinander, so dass ich vermute, dass regelmäßig Zählungen durchgeführt wurden. Aber eben nur eine Vermutung. Wer weiß darüber etwas?

    Wenn jemand ein Foto hat von dem Kommissariat, bitte, ich sehe es gerne.
    Liebe Grüße
    vom waldkind
    Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.
  • Rudolf
    Forum-Teilnehmer
    • 22.06.2008
    • 335

    #2
    AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

    Hallo Waldkind ,
    obwohl ich zusammen mit meiner Mutter im April 1945 einige Tage bei meiner Tante in Langfuhr , Heeresanger ( Al. Legionow ) 44 , zugebracht habe , habe ich damals dort noch keine Miliz , sondern nur sowjetische Soldaten gesehen . Da sich aber kurz nach der Besetzung Danzigs schon erste polnische Dienststellen einrichteten und damit natürlich auch die Miliz , gehe ich davon aus , daß wegen der für Deutsche befohlenen Arbeitspflicht dieses Kommissariat eine Registrierung ( möglicherweise auch für frühere Nazi´s ) vorgenommen hat .
    Wir wohnten dann bis Januar 1946 noch in Heubude , wo die Miliz ungefähr im Juni/Juli 1945 in der Villa Baffy , Tannenbergstraße ( ul. Jodlowa ) 3 ihre Kommandantur eingerichtet hatte . Dort mußten sich ungefähr auch zu dieser Zeit alle Deutschen registrieren lassen , soweit ich mich erinnere , aber nur einmal . Jeder bekam dort eine Bestätigung mit Name und Anschrift , die immer mitzuführen war . Wie das unter der Miliz in der damaligen Zeit war , möchte ich hier besser nicht beschreiben . Ich habe - obwohl damals erst 11/12 Jahre alt - mit der Miliz sehr schlechte Erfahrungen gemacht , die ich trotz meiner sehr guten Einstellung und Haltung zu Polen und den dort lebenden Menschen nicht vergessen kann .
    Beste Grüße vom Heubuder Rudi

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    • magdzia
      Forum-Teilnehmer
      • 06.12.2009
      • 464

      #3
      AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

      Hallo Miriam,

      also ich wollte auch keine "nähere Bekanntschaft" mit der polnischen Milicja machen.

      Könntest du mir das Dokument zuschicken? Es stehen bestimmt einige Verwandte von mir drinn. Manche sind erst 1946 bzw. 1958 raus aus Danzig (Ohra) und ich kann mich erinnern, dass einige von Arbeitsverprlichtung nach dem Krieg sprachen, also wird es wohl so sein, wie Rudi sagt.

      Viele Grüße
      Magdalena

      Kommentar

      • Marc Malbork
        Forum-Teilnehmer
        • 23.02.2008
        • 1050

        #4
        AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

        Die Verwaltung der Stadt Gdansk

        Gdansk, den 24. 4. 1945


        [FONT=Verdana]V E R O R D N U N G[/FONT]

        Mit dem 26.4.45 ordne ich an, daß alle Einwohner der Stadt Gdansk deutscher Volkszugehörigkeit im Alter vom 15. bis 65. Lebensjahr, täglich um 7 Uhr früh in ihren Revieren, vor den Revier-Kommandanturen der Polnischen Bürgermiliz mit Arbeitswerkzeugen ... sich zu stellen haben.
        Deutsche, die dieser Verordnung nicht Folge leisten, werden nach Kriegsbestimmungen streng bestraft.

        Der Präsident der Stadt Gdansk
        ...

        Aufteilung der Reviere
        ...I... Ohra, Horst Wesselstraße 74
        ...II.. Niederstadt, ...
        ...III. Jungstadt, ...
        ...

        (Originaler Text eines Wandplakats in deutscher Sprache, zitiert aus einem Buch von R. Ruhnau)

        Kommentar

        • waldkind
          Forum-Teilnehmer
          • 06.10.2008
          • 2366

          #5
          AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

          Hallo Rudolf, hallo Rüdiger,
          vielen Dank für die Ausführungen. Jetzt kann ich mir ein Bild machen.

          Hallo Magdalena,
          das Dokument kann ich nicht verschicken. Es ist privat und betrifft einen meiner Vorfahren. (Gott segne ihn). Es steht also nur er selbst darauf. Vielleicht handelt es sich um diese Art Bestätigung, wie Rudolf sie beschrieb, die immer mitzutragen war. Wie gesagt, es stehen mehrere Daten untereinander, so dass ich davon ausgehe, dass er sich öfter zu melden hatte.

          Liebe Grüße, waldkind.
          Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

          Kommentar

          • magdzia
            Forum-Teilnehmer
            • 06.12.2009
            • 464

            #6
            AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

            Oh......dann habe ich das falsch verstanden. Endschuldige Waldkind.
            Ich dachte, es handelt sich um eine offizielle Liste.

            Kommentar

            • Karin Langereih
              Forum-Teilnehmer
              • 17.02.2008
              • 1092

              #7
              AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

              Guten Morgen,
              ich habe auch ein Dokument vom Juni 1945, Wesselstr. 143.
              Es ist eine Bescheinigung über Typhusimpfung.
              Außerdem einen polnischen/russ. Registrier-Eintrag im Reisepass meiner Mutter April 1945.
              Gruß Karin L.

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              • Jürgen Albrecht
                Forum-Teilnehmer
                • 11.02.2008
                • 309

                #8
                AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

                Eine kleine Ergänzung zur Diskussion:



                Unterzeichner des Plakates: Präsident der Stadt Gdansk: F. Kotus

                1945- 1946: erster polnischer Bürgermeister von Gdansk: Franciszek Kotus-Jankowski)

                Eigentlich widersprach diese Verordnung der Sperrstunden-Regelung. Von 20 Uhr bis 8 Uhr hat jeder Deutsche seine Wohnung nicht zu verlassen.

                Mit den ersten Enttrümmerungsarbeiten wurden die Straßen wieder freigelegt. Es ist nicht bekannt geworden, dass jemand wegen Arbeitsverweigerung bestraft wurde. Wir Kinder waren während des Arbeitseinsatzes unserer Mutti allein gelassen.

                Im Juni 1945 hatte es in einer Nacht in der Danziger Innenstadt mit der Miliz eine große Schießerei gegeben. Man flüsterte, es war ein Machtkampf mit den gefürchteten ukrainische Bandera-Banden. Es soll 20 Tote gegeben haben. Nach diesem Ereignis begannt die spürbare polnische Herrschaft in Danzig.

                21. August 1945 :
                Bericht von der durchgeführten Kontrolle der Wohnungen während der Aussiedlungsaktion der Deutschen.

                Unsere Wohnungen mussten wir verlassen, ohne dass jemand fragte, wo die nächste Bleibe war. Ich glaube, man hatte 1945 größere Probleme zu lösen, als jeden Deutschen zu registrieren.

                Am 6. Oktober 1945 waren die Reserven erschöpft. (Schreiben des Bezirksinspektors für Besiedlung des Staatlichen Repatriierungsamtes , Abteilung Gdansk, über die Einstellung des Zulaufes von Übersiedelten nach Danzig wegen Mangel an freien Wohnungen im Bereich der Stadt.)


                Vieleicht gibt es Dokumente im Danziger Archiv zu den genannten Ereignissen?


                Viele Grüße Jürgen

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                • waldkind
                  Forum-Teilnehmer
                  • 06.10.2008
                  • 2366

                  #9
                  AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

                  "also ich wollte auch keine "nähere Bekanntschaft" mit der polnischen Milicja machen. "

                  Hallo Magdalena,
                  heute Morgen als ich aus traumreicher Nacht erwachte, hatte ich deinen Satz im Kopf, noch ehe ich mein erstes Gebet in den Tag gesprochen hatte. Da nahm ich diesen Satz mit in mein Herz und mein Morgengebet und dachte dabei:
                  Vor 60 Jahren waren die Deutschen andere als heute. Ich hätte nicht Bekanntschaft machen wollen mit der deutschen Polizei von damals. Heute ist - Gott Lob - eine andere Zeit. Das gilt auch für Polen. Es ist nun alles so lange vorbei und es ist an der Zeit Hass, Wut und Trauer in Liebe umzuwandeln. Lasst uns aufhören an dem Leid von einst festzuhalten.
                  Ja, das wäre schön. Das möchte ich uns wünschen, dass wir die Wunden von einst so pflegen, damit sie verheilen und nicht einfach nur verkrusten.
                  Dir und allen anderen in diesem Forum wünsche ich eine schöne Zeit, waldkind.
                  Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

                  Kommentar

                  • Uwe
                    Forum-Teilnehmer
                    • 10.08.2008
                    • 1960

                    #10
                    AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

                    Hallo Waldkind,

                    vom Grundsatz hast Du recht wer von uns wollte schon Bekanntschaft mit der Gestapo oder SS vor 70 Jahren machen. Am Leid vor Jahrzehnten sollten wir nicht festhalten, es aber nicht aus der Erinnerung streichen um bewerten zu können wie gut es uns heute geht in diesem Punkt.

                    Herzliche Grüße

                    Uwe
                    Geschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!

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                    Kommentar

                    • waldkind
                      Forum-Teilnehmer
                      • 06.10.2008
                      • 2366

                      #11
                      AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

                      Ja Uwe,
                      du hast recht. Vor 70 Jahren musste es heißen, nicht vor 60 Jahren. Danke, hast es richtig verstanden. Kleine Rechenpanne meinerseits. LG waldkind.
                      Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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                      • Uwe
                        Forum-Teilnehmer
                        • 10.08.2008
                        • 1960

                        #12
                        AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

                        Waldkinder verstehe ich doch immer.
                        Geschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!

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                        • Hans-Joerg +, Ehrenmitglied
                          Forum-Teilnehmer
                          • 10.02.2008
                          • 5206

                          #13
                          AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

                          Vor 60 Jahren waren die Deutschen andere als heute. Ich hätte nicht Bekanntschaft machen wollen mit der deutschen Polizei von damals
                          Ok waldkind
                          ob nun 60 oder 70 Jahre.....aber "Polizei " , Gestapo , SS .....sollte man nicht unbedingt in einen Topf werfen.....!

                          Viele Grüße
                          Hans-Jörg

                          Kommentar

                          • Uwe
                            Forum-Teilnehmer
                            • 10.08.2008
                            • 1960

                            #14
                            AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

                            Hallo Hans-jörg,

                            deshalb habe ich auch in dem Punkt unterschieden.

                            Herzliche Grüße

                            Uwe
                            Geschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!

                            Suche Informationen zu den Familiennamen Block, Gehrt, Kirschke, Kirsch, Haak, Happke, Hoffmann, Makowski, Namowicz, Patzer, Rehberg, Tolk(e) und Vierling aus Danzig

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                            • waldkind
                              Forum-Teilnehmer
                              • 06.10.2008
                              • 2366

                              #15
                              AW: Komisariat I; Milicji Obywatelskiej

                              "Ok waldkind
                              ob nun 60 oder 70 Jahre.....aber "Polizei " , Gestapo , SS .....sollte man nicht unbedingt in einen Topf werfen.....!"

                              Guten Morgen Hans-Jörg,
                              der große Unterschied zwischen Mr. Gott und den Menschen ist, dass Ersterer mich immer versteht und ich nicht erst über die korrekte Formulierung und Schreibweise nachdenken muss. Wäre ja auch hirnrissig, weil das Gebet sonst keine Kraft hätte. Es ging mir dabei mehr um das, was in der Zeile steckt, nicht was wir an der Oberfläche lesen. Ich muss nicht aus jedem Gefühl eine wissenschaftliche Abhandlung machen. Und ich dachte, es so formuliert zu haben, dass es sich bei meinem Beitrag um mein Gefühl handelt, nichts weiter, wie auch immer sich dieses auszudrücken vermag.
                              Dir war da etwas anderes wichtig als mir. Schön, dass du das auch gesagt hast.
                              Zum besseren Verständnis möchte ich meinen Satz so wiederholen, so dass es mein Empfinden besser ausdrückt. Vielleicht bin ich dann als Person besser verständlich für andere.

                              Vor 70 Jahren waren die Deutschen andere als heute. Ich wollte nicht die Bekanntschaft gemacht haben mit Gestapo, SS und Polizei, auch nicht mit so manchen Pfarrern und Lehrern, auch nicht mit all jenen Einzelpersonen, die glaubten in der NSDAP das deutsche Heil zu finden. Meine ganz persönliche Meinung an diesem Sonntag Morgen, waldkind.
                              Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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