Die Juden in Danzig

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  • Ulrich
    Forum-Teilnehmer
    • 30.01.2009
    • 280

    #151
    AW: Die Juden in Danzig

    Hallo Birke Rühle,

    Samuel Echt, Die Geschichte der Juden in Danzig, Verlag Gerhard Rautenberg, Leer/Ostfriesland, 1972, ISBN Nr. 3-7921-0095-9

    Ulrich

    Kommentar

    • Ulrich
      Forum-Teilnehmer
      • 30.01.2009
      • 280

      #152
      AW: Die Juden in Danzig

      Hallo Birke Rühle,

      neuere Literaturhinweise finden sich in: http://www.sztetl.org.pl/de/article/.../5,geschichte/, worauf im Thread von Ulrich 31 und Bartels hingewiesen wurde.


      Ulrich

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      • Wolfgang
        Forumbetreiber
        • 10.02.2008
        • 11623

        #153
        AW: Die Juden in Danzig

        Schönen guten Nachmittag,

        in einem Beitrag von "Waldkind" vom 15.02.2014, 21:56 Uhr, ist eine Aussage zu lesen die ich nicht unwidersprochen bzw. unkommentiert lassen kann. Es heißt dort "Ich möchte erwähnen, dass ich oft schon Israelis in meiner Stadt getroffen habe, die von Holocaust noch nie etwas gehört haben und ganz unbetrübt in eine Begegnung gehen."

        Der "Holocaust" prägte die Geschichte Israels und bestimmt bis heute noch seine Politik. Israel und seine jüdische Bevölkerung haben gelernt, sich im Notfall alleine verteidigen zu müssen um zu überleben. Dem Staat Israel und seiner Bevölkerung wurde und wird bis heute durch andere Staaten die vollständige Auslöschung, also ein weiterer Holocaust, angedroht. Ich behaupte, es gibt KEINEN Israeli, der nicht ganz genau weiß, was der Holocaust war und ist.

        Ein jüdischer Israeli wird den Holocaust nie leugnen. Es mag israelische Staatsbürger nichtjüdischen Glaubens geben die abstreiten vom Holocaust gehört zu haben, aber das geschieht nur Jenen gegenüber die so blauäugig sind, das auch zu glauben.

        Wolfgang
        Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
        Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
        Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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        • Belcanto
          Forum-Teilnehmer
          • 24.09.2008
          • 2508

          #154
          AW: Die Juden in Danzig

          Wolfgang ich teile deine Meinung. Ich war schon zweimal in Israel und habe mich mit den Menschen dort unterhalten. Auch über den Krieg und den Holocaust. Ich habe wirklich niemanden getroffen, der die jüngste Geschichte, der Juden nicht kannte.

          Kommentar

          • danli, + 23.01.2015
            Forum-Teilnehmer
            • 10.02.2008
            • 71

            #155
            AW: Die Juden in Danzig

            Hallo

            Ich glaube man kommt in den letzten Beitraegenimmer wieder auf das selbe zurueck.Ich muss auch sagen ,dass mir verschiedene Beitraege weh getan haben.Es kommt einem vor,als habe man nichts gelernt. Schon zur Kaiserzeit wurden die Kinder so erzogen:"Die Obrigkeit hat immer recht und weiss was recht ist".Ich habe es erlebt : HJ; Jungvolk - da war kein eigener Wille und die Eltern hatten Angst den Mund aufzumachen.

            Diskusion mit einem Hochschul-Lehrer die ich 1990 hatte:
            Zietat:" aber es stand doch in der Zeitung.
            Er wusste schon nicht einmal in welcher!!!!


            Danzig hatte doch viele verdiente juedische Buerger vor 1933
            Warum wird hier nicht darueber auch gesprochen??

            Dan

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            • waldkind
              Forum-Teilnehmer
              • 06.10.2008
              • 2366

              #156
              AW: Die Juden in Danzig

              Hallo Wolfgang,
              kommentieren kannst du meinen Beitrag, aber wissen, wer mir wie begegnet, kannst du natürlich nicht. Wie gut, dass ich keine rein blauen Augen habe, sonst stünde ich jetzt schon wieder dumm da.
              Ich vermute, weil bekannt ist, dass ich mit Jugendlichen aus West-Jordanien gearbeitet habe, dass ich hier Arschkarte habe. Macht nix. Ich arbeite mit allen Jugendlichen, egal welcher Nationalität sie angehören.
              Jedenfalls sehe ich mich nicht berufen, die Sünden unserer Vorfahren zu lösen. Mich interessiert die persönliche Begegnung mit Menschen. Wie gesagt, da verhalten sich drei Generationen sehr unterschiedlich auf beiden Seiten.
              Ich hätte hier gerne etwas erfahren über die Situation in Danzig. Aber so wichtig ist das für mich jetzt auch nicht, dass ich mich permanent als Mensch und mit meiner Augenfarbe in Frage stellen müsste. Ich habe hier manchmal den Eindruck als sei die Welt vor 75 Jahren stehen geblieben. Aber so kann man jungen Menschen, seien sie aus Israel oder aus Deutschland nicht kommen, jedenfalls nicht denen, die ich bisher getroffen habe. Ich suche nach Antworten für die Jugend, nicht für unsere Großeltern. Und zwar da, wo ich ihnen begegne, nicht theoretisch. Ich möchte das ganze Thema, so wie es hier geführt wird, nicht für mich beanspruchen. Ich wollte nur etwas über die Juden in Danzig erfahren und zwar über den Rahmen hinaus als wie wir ihn bisher hatten. Nichts weiter.

              Trotz und alledem verstehe ich deinen Standpunkt und finde es voll in Ordnung, dass du ihn so vertrittst wie du es getan hast. waldkind.

              Ich hatte mal einen Grundschullehrer, das ist 44 Jahre her, der stellte mich vor der ganzen Klasse bloß, weil ich nicht einsah, dass ich angeblich blaue Augen hätte. "Merke es dir gut: Deine Augen sind blau. Hast du es verstanden?!", sagte er eindringlich und schaute mir tief in die Augen. Könnt ihr euch denken, dass ich verwirrt war. Ich habe daraufhin meine Augenfarbe 40 Jahre lang beobachtet und mich tiefergehend mit ihr auseinandergesetzt. Das war nicht einfach, aber auch nicht blau. Ich habe gelernt, Menschen mit blauen Augen zu akzeptieren. Inzwischen ist mir die Augenfarbe völlig wurscht, sowohl die eigene wie auch die anderer Menschen. Daher kann mich so leicht niemand schocken wegen meiner Augenfarbe. wk.
              Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

              Kommentar

              • Ulrich
                Forum-Teilnehmer
                • 30.01.2009
                • 280

                #157
                AW: Die Juden in Danzig

                allo Dan,

                bist du denn der Ansicht, wir sollten hier nicht ganz konkret über die Beteiligung eigener Danziger Vorfahren, Danziger Eltern und Großeltern an der Judenverfolgung sprechen? So, wie das doch die Themenstarterin Birke Rühle in ihrem Buch vermutlich tut?

                Ich war einmal auf einer Tagung, bei der es um dieses Thema, die Beteiligung der eigenen Vorfahren an der Judenverfolgung ging. Ein etwa 50-jähriger Herr, dessen Vater wohl Lagerkommandant - zumindest hochrangiger Mitarbeiter in einem KZ - war, schloss seinen Bericht mit der verzweifelten Frage: "Bin ich denn der einzige hier, dessen Vater mit den Judenmorden zu tun hatte?
                Das kann doch nicht sein! "
                Und dann seine verzweifelte Frage: "Wo sind die denn alle?" Und dabei guckte er hilflos suchend und allein gelassen in die Runde - Niemand schien jemanden in der Familie zu haben, der an der Judenverfolgung beteiligt war.

                Ich finde, es ist an der Zeit, dass, wenn die eigenen Vorfahren sich der Frage ihrer Beteiligung am Judenmord nach 1945 schon nicht gestellt haben, dass dies die Nachkommen tun - gerade die Nachkommen der Vertriebenen, deren Eltern mit soviel emotionaler Bindung an Danzig hängen, die das Leid der Vertreibung, den Verlust der Heimat, Freunde, Nachbarn, all ihrer Habseligkeiten aus den Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern kennen und die heute mit soviel Akribie ihrem Danziger Stammbaum und der Biografie ihrer Danziger Vorfahren nachspüren, müssten doch Verständnis dafür entwickeln, dass auch die Danziger Juden Heimat, Freunde, Habseligkeiten verloren haben.
                Und müssten sie nicht auch ein Interesse an der ganzen Geschichte ihrer Vorfahren haben, ein Interesse daran, wie ihre Vorfahren die Judenverfolgung in Danzig erlebt haben, wie sie darein verwickelt waren?
                Es reicht doch nicht, die jüdischen Opfer zu benennen, ihrer etwa mit Gedenksteinen zu gedenken, oder die Namen der jüdischen Ermordeten im Internet zu präsentieren, so verdienstvoll das auch ist.
                Es reicht auch nicht, die Namen einige großkopfiger Lagerkommandanten als Täter, ja sls Bauernopfer zu präsentieren, wenn die Judenverfolgung eine Massenveranstaltung von deutschen Herrenmenschen war, die als Soldaten, als Profiteure oder nur als Zuschauer, fast alle mehr oder oder weniger an der Verfolgung der Juden beteiligt waren - wenn sie nicht im KZ waren.


                Dan, findest du tatsächlich, wir sollten in diesem Zusammenhang hier auch über die verdienten jüdischen Bürger aus der Zeit vor 1933 sprechen?

                Herzliche Grüße

                Ulrich

                Kommentar

                • Inge-Gisela
                  Forum-Teilnehmer
                  • 09.11.2012
                  • 1842

                  #158
                  AW: Die Juden in Danzig

                  Hallo Ulrich,
                  Zu Deiner konkreten Frage an Dan muss ich auch mal sagen, das Thema heißt nur "Juden in Danzig". Ich habe gerade in diesem Forum festgestellt, dass, egal welches Thema - die Juden betreffend -, es immer wieder um die Schuldzuweisung unserer Eltern und Großeltern geht. Vielleicht sollte wirklich mal, wie das Waldkind vorgeschlagen hat, ein Thema "Wer ist schuldig" aufgemacht werden. Diejenigen, die es immer wieder lesen, und darüber immer wieder schreiben wollen, können es gerne tun. Ich bin auch der Meinung, dass wenige hier sachlich einfach nur über das Judentum sprechen können. Aber dann gleich von Antisemitismus zu sprechen, ich weiß im Augenblick nicht, wer das geschrieben hatte. Es kann sein, dass einige von uns, die vielleicht genau wissen, dass ihre Vorfahren beteiligt waren, sich dann besser fühlen. Dafür habe ich vollstes Verständnis. Aber man muss auch sagen können, dass es bei jedem in diesem Forum angekommen ist und man es nicht immer wiederholen muss. Bei dem Forum-Teilnehmer "Ich bin ein Jude" bin ich z.B. gar nicht davon überzeugt, dass dieser ein Jude ist. Er hat sich nie wieder gemeldet. Aber einige sprangen gleich darauf an und wieder mit mea culpa. Viele interessieren sich einfach auch mal nur dafür, was die Juden gemacht haben, wie sie gelebt haben udgl., auch wenn es immer wieder mit Verfolgung zusammenhängt. Und das zieht sich, wie allen hier bekannt, denke ich mal, durch die ganze Weltgeschichte und nicht nur auf die Zeit vor dem 2. WK und während des 2. WK. Die sachlichen Fragen werden ja nur selten richtig beantwortet. Doch... einige der Forum-Mitglieder gibt es, die sich nicht auf das Thema Judenverfolgung beschränken. Und die Beiträge lese ich sehr gerne. Durch die unterschiedlichen Meinungen hier entstehen Aggressionen, die ich nicht verstehen kann. Das hoffentlich so etwas nie wieder geschieht, da sind wir uns doch wohl einig.

                  Gruß
                  Inge-Gisela

                  Kommentar

                  • Wolfgang
                    Forumbetreiber
                    • 10.02.2008
                    • 11623

                    #159
                    AW: Die Juden in Danzig

                    Schönen guten Morgen,
                    hallo Ulrich,

                    der Thementitel "Die Juden in Danzig" ist so allumfassend, dass die vielen, vielen darin enthaltenen Einzelthemen zerfasern und sich teils auch im Allgemeinen verlieren. Die Erfahrung zeigt, dass es sinnvoller sein kann, ganz konkrete Themen mit einem möglichst genau zutreffenden Thementitel aufzumachen. Wenn dann dort Beiträge erscheinen die dort thematisch nicht unbedingt hingehören oder Randthemen angesprochen werden, dann besteht die Möglichkeit, dafür ein neues Thema aufzumachen.

                    Aus verschiedenen Gründen war ich in der letzten Zeit nicht sehr häufig im Forum und hatte dadurch das Thema nicht von Anfang mitverfolgt. Es hätte sehr schnell in verschiedene Einzelthemen aufgesplittet werden sollen.

                    In diesem Forum soll vorrangig über Danzig und seine Geschichte gesprochen werden. Juden waren Teil dieser Geschichte. Und da ist jedes Thema und jeder Beitrag willkommen, der auf die Aspekte der Danziger Geschichte fokussiert ist. Dazu gehören natürlich auch Familiengeschichte und -forschung, Schicksale, Verstrickungen. Und, wie Dan auch anregte, bekannte Persönlichkeiten.

                    In unserem Forum waren mehrfach Teilnehmer, die über Verstrickungen von Verwandten in Untaten während der Zeit des Nationalsozialismus berichteten. Besonders in Erinnerung ist mir der Name "Pauls", eines Stutthof-Verbrechers der zu Wenigen gehörte, die nach dem Krieg hingerichtet wurden.

                    Viele Grüße aus dem Werder
                    Wolfgang
                    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                    Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

                    Kommentar

                    • waldkind
                      Forum-Teilnehmer
                      • 06.10.2008
                      • 2366

                      #160
                      AW: Die Juden in Danzig

                      Liebe Forumer,

                      ich merke, dass man heutzutage leicht der Judenfeindlichkeit beschuldigt werden kann, sei es durch Desinteresse, durch Neutralisiererei oder wegen Tarnung. Derweil sitzen vielleicht echte Nazis im Hintergrund und lachen sich ins Fäustchen. Da ahne ich wie es um die Sicherheit in diesem Land bestellt ist.
                      Es kommen in diesem Thread nicht viele Personen in Frage, denen man das „Wütende Heer“ an den Nacken schicken könnte. Ich könnte den Spieß rumdrehen und Wolfgang fragen, wo sein Aufschrei war, als es hieß, das allgemeine Interesse an den Juden diene der Neutralisierung. Das könnte genauso gut heißen: „Beschäftigt euch nicht mit dem Judentum. Ihr könntet Gefallen daran finden und euch mit ihnen verbünden.“

                      Wenn in diesem Thread nur über Juden in Danzig von 1933-1945 die Rede sein soll, so müsste man dies im Titel klarstellen (was keine Kritik an Birke sein soll). Wie sollen sich Quereinsteiger zurechtfinden?
                      Während die einen sagen dürfen, was sie wollen, werden andere abgeblockt mit „Thema verfehlt“. Da entsteht leicht der Eindruck von Parteiisierung. Wenn man alle Strategien zu Ende denkt, bleibt eine Hand voll Forumer übrig, die sich einig ist. Wo ist da die Demokratie?
                      Wenn man die Nazis in diesem Forum bei Zeiten vor die Türe setzen würde, wäre die Lage vielleicht entspannter und mehr Teilnehmer würden mitsprechen.

                      Ich bedaure zutiefst, welche Vorwürfe Ulrich gegen mich vorgebracht hat, wo wir auf lange Strecke freundschaftlich zugewandt miteinander Daten und Fotos getauscht haben. Oder liegt jetzt wieder eine Verwechslung vor? So schnell also geht es, dass das Vertrauen bricht und „Freunde“ von gestern zu „Feinden“ von heute werden. Das kommt mir irgendwie bekannt vor. So viel zum Thema „Verführbarkeit“.

                      Lieber Ulrich,
                      wenn du dein Anliegen so beschreibst wie du es gerade getan hast, kann ich dich sehr gut verstehen. Nur wie sollen denn die Nachkriegsgeborenen diese Aufgabe erfüllen? Wenn man erstens nichts erfährt und zweitens weggeprügelt wird? Hatte ich nicht Interesse an deinen jüdischen Vorfahren gezeigt? Hatte ich mich nicht auch entschuldigt? Birkes Buch scheint für eine Hand voll Wissender bestimmt zu sein.

                      Ich persönlich möchte Anteil nehmen an jüdischer Kunst, Kultur und Historie. Das gehört mit zu dem Land, in dem ich wohne. Es ist meine Antwort auf das Schweigen unserer Großeltern und Eltern. Auf eine weitere Diskussion im Forum hierzu bin ich nicht mehr neugierig.

                      waldkind.

                      Hallo Inge-Gisela,
                      den Begriff "Antisemitismus" habe ich genannt. Warum die Dinge nicht offen beim Namen nennen? Es bezog sich auf Beitrag 121, in dem Ulrich behauptet, Hauptthema des Threads scheint zu sein "Vorführung von Techniken der Neutralisierung und Ablenkung von der "Verstrickung" der Danziger in den Holocaust. Da er mich angesprochen hatte und wegen der vorherigen Seitenhiebe habe ich mich auch angesprochen gefühlt, da ich ja in diesem Forum der große Themen-Verfehler bin. LG wk.
                      Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

                      Kommentar

                      • Ulrich
                        Forum-Teilnehmer
                        • 30.01.2009
                        • 280

                        #161
                        AW: Die Juden in Danzig

                        Hallo Wolfgang, vielen Dank für deine Klarstellung in Nr. 139.

                        Gerade heute erhalte ich eine Buchankündigung von der Tagung, von der ich heute 1.44 Uhr berichtete. Ich bringe im Folgenden den ausführlichen Ankündigungstext zum Buch von jener Tagung, weil mein Anliegen hier akademisch so wunderschön formuliert ist, wie ich es heute Nacht nicht konnte.

                        TAGUNG

                        "Das psychohistorische Erbe der Nazizeit – und seine Spuren in der Gegenwart“ , die vom 20. – 22. Januar 2012

                        in der Evangelischen Akademie in Hofgeismar stattfand.



                        Nun ist es soweit, im April erscheint nun endlich die Publikation dazu:



                        EUR 29,90

                        Dieser Titel erscheint im April 2014.

                        Buchreihe: Psyche und Gesellschaft

                        Verlag: Psychosozial-Verlag

                        ca. 280 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm

                        Erscheint im April 2014

                        ISBN-13: 978-3-8379-2242-4, Bestell-Nr.: 2242

                        Die sozialgeschichtlichen Folgewirkungen des Nationalsozialismus auf der Täterseite gehören zu den am besten gehüteten Geheimnissen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die von der Tätergeneration abgelehnte Verantwortung für ihre (Mit-)Schuld an den Verbrechen und Grausamkeiten des Regimes hat in den Seelen ihrer Nachkommen tiefe Spuren hinterlassen: Identitätsstörungen, diffuse Schuld- und Trauergefühle, Wiedergutmachungswünsche und Schamgefühle, deren Ursache sie nicht kennen. Neuere Forschungen zeigen, dass die unbewusste Weitergabe unverarbeiteter Konflikte auch zu rechtsextremen Orientierungen und Identifikationen beitragen kann.

                        Der Band versammelt Beiträge von Sozialwissenschaftler/-innen, Historikern und Psychoanalytiker/-innen, die sich auf unterschiedliche Weise den Nachwirkungen des Nationalsozialismus annähern: empirisch, theoretisch, basierend auf der gruppenanalytischen und therapeutischen Praxis oder der eigenen Biografie. Aufgrund dieser Perspektivenvielfalt richtet sich der Band nicht nur an die wissenschaftliche Fachwelt, sondern auch an ein Publikum, das aus einem (selbst-)reflexiven Interesse heraus die Gefühlserbschaften des Nationalsozialismus begreifen möchte.

                        Mit Beiträgen von Ute Althaus, Wolfgang Benz, Oliver Decker, Kurt Grünberg, Hannes Heer, Elke Horn, Jan Lohl, Friedrich Markert, Angela Moré, Heike Radeck, Katharina Rothe und Ruth Waldeck

                        Evangelische Akademie Hofgeismar
                        Gesundbrunnen 11
                        34369 Hofgeismar"

                        Ich denke, um dieses Thema, das psychohistorische Erbe der Nazizeit in den Seelen der Nachkommen der Danziger - darum geht es mir in diesem Thread.

                        Einen schönen Gruß
                        Ulrich

                        Kommentar

                        • StampCollector
                          Forum-Teilnehmer
                          • 19.01.2014
                          • 924

                          #162
                          AW: Die Juden in Danzig

                          Dieses Thema habe ich vielleicht zu wörtlich genommen.
                          Seit meiner Jugend interessiere ich mich für Geschichte und das ist wirklich in all ihren Aspekten ein sehr weites Feld.
                          Natürlich ist man als Deutscher gezwungen sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Diese Geschichte ist unsere Geschichte: Die Geschichte der Deutschen, der Danziger und aller anderen Menschen, die von der Deutschen Geschichte berührt und betroffen waren.
                          Wenn man sich mit der Geschichte der Juden in Deutschland befasst, dann erkennt man, daß die Juden eigentlich schon seit dem Mittelalter aus religiösen und wirtschaftlichen Gründen ausgegrenzt, diskriminiert und verfolgt wurden.
                          Erst 1812 kam es zu einer gewissen Emanzipation (mit starken Einschränkungen). Bis 1918 kam es dann auch immer wieder zu Rückschritten.
                          Trotzdem waren die Verhältnisse im damaligen Preussen bzw. Deutschland noch relativ gut (verglichen mit dem damaligen Russland). Frankreich war allerdings wesentlich liberaler. Deswegen ist Heinrich Heine ja auch dorthin emigriert.
                          Erst in der kurzen Zeit der Weimarer Republik kam es zu einer zumindest theoretischen Emanzipation.
                          Die alten Denkweisen bezüglich der Juden waren aber noch immer in den Köpfen vieler Menschen verankert, als Adolf Hitler an die Macht kam. Er verstand es die "Deutsche Seele" zu verstehen und zu manipulieren.
                          Die Ergebnisse waren der Holocaust , dessen Dimension nach wie vor unterschätzt wird und die Zerstörung des damaligen Europas...

                          Kommentar

                          • Ulrich
                            Forum-Teilnehmer
                            • 30.01.2009
                            • 280

                            #163
                            AW: Die Juden in Danzig

                            Hallo Stampcollector,

                            was mein Interesse an diesem Thema angeht, hast du es nicht zu wörtlich genommen. Deine Bemerkung über die mögliche Beteiligung deines geliebten Großvaters an NS-Taten hat bei mir richtig gesessen, wie man sagt. Das ist es, dachte ich. Erst da konnte, musste, ich von der NSDAP-Mitgliedschaft meines Großvaters schreiben, und was die mit meinem Vater in den 50-iger Jahren, als er erstmals davon erfuhr, angestellt hat. Sei so gut, nimm´s nicht zurück!

                            Einen schönen Gruß

                            Ulrich

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                            • Ulrich
                              Forum-Teilnehmer
                              • 30.01.2009
                              • 280

                              #164
                              AW: Die Juden in Danzig

                              Hallo Waldkind,

                              ich hoffe, unser Streit ist nach meiner PN beigelegt?

                              Eine Idee dazu, dass mir dein Interesse an jüdischer Kultur so verdächtig erschien, ist vielleicht, dass ich das so empfinde, als ob die Juden jetzt wieder einmal zu den Anderen, den Fremden, gemacht werden, insofern sie als Glieder einer fremden Kultur wahrgenommen werden sollen und damit ihr lebenslanges Streben um Teilhabe am Deutschtum im 20. Jahrhundert - ein Leben und Streben, das in den meisten Fällen bekanntlich ziemlich kurz war - dem soll jetzt hier unter dem Aspekt der Fremdheit ihrer Kultur - gewissermaßen im Nachinein - wieder einmal entgegengewirkt werden.
                              Mein historisches Gegenargument ist: Viele, viele Juden und als Juden verfolgte Deutsche lebten im Reich und in Danzig in christlich-jüdischer Mischehe, oder waren Nachkommen aus solch einer Ehe und fielen mit ihren christlichen Ehepartnern und Kindern mindestens unter die Judengesetzgebung und -schikane. Sie hatten sehr oft nicht mehr viel Kontakt zur Synagogengemeinde, ja, oftmals versuchten sie - wie wir heute wissen, zu recht, ihre jüdische Herkunft lebenslang zu vertuschen. Mit "Jüdischer Kultur" hatten die meisten wenig zu tun, (nur mit ihren jüdischen Verwandten).
                              Und was haben soviele deutsche Juden im letzten Jahrhundert nicht alles getan, um diesen angeblichen jüdischen Fremdheitsgeruch aus den Nasen der christlichen Deutschen zu vertreiben! Sie dachten, sie würden als Deutsche akzeptiert,wenn sie am 1. Weltkrieg teilnehmen und danach deutsch-national wurden, viele jüdische Männer dachten, sie würden als Deutsche akzeptiert, wenn sie eine christliche Frau heiraten und dann selbst zum Christentum konvertierten und ihre Kinder taufen ließen, oder aus der jüdischen Gemeinde austraten.
                              Aber das hat alles nichts geholfen: Nach einer lebenslangen Abstrampelei nach Deutschtumsteilhabe waren sie dann wieder und jetzt mit christlicher Ehefrau die in eine "jüdisch Versippte" , mitunter in "rassenschänderischer Mischehe", - mit Kindern, die in "jüdische Mischlinge" verwandelt waren, wieder einmal die Anderen, diesmal Tiere, Ratten, zur Vernichtung freigegeben.

                              Ich wünschte mir, sie würden als das akzeptiert, was sie waren, Personen, nämlich zumeist um Integration in die christliche Mehrheitsgesellschaft bemühte Mitbürger, die Haus an Haus und in guter Nachbarschaft mit ihren christlichen und jüdischen Nachbarn lebten. Eine Betrachtung ihres christlich-jüdischen kulturellen Miteinanders - dokumentiert für das Ende der 30-iger Jahre - scheint mir zeitgeschichtlich passender, als eine Betrachtung oder Konstruktion ihrer sogenannten kulturellen Unterschiede.
                              Soviel ich weiß, gibt es das für Danzig noch nicht.

                              Einen späten Gruß

                              Ulrich

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                              • Wolfgang
                                Forumbetreiber
                                • 10.02.2008
                                • 11623

                                #165
                                AW: Die Juden in Danzig

                                Schönen guten Nachmittag,

                                es ist hier "Antisemitismus" angesprochen worden, Judenfeindlichkeit. Das gibt es, ganz sicher, auch in unserem Forum. Nagelt mich nicht fest, ich möchte keine privat an mich gerichtete Mitteilungen veröffentlichen.

                                Antisemitismus - Judenfeindlichkeit...

                                Nicht Jede/r der die Politik des Staates Israel kritisch beurteilt ist Antisemit. Wäre es so, müsste ich mich fragen, ob nicht auch ich Antisemit bin.

                                Aber ich war in Israel. Am und auf dem Golan, auf der Westbank, natürlich in Jerusalem, am See Genezareth, am Toten Meer. Richtung Sinai fuhren wir, hatten vielfachen Kontakt mit palästinensischen Israelis.

                                Es gibt zwei Punkte in meinem Leben die mein weiteres Sein maßgebend beeinflussten: Der Besuch Israels und der Besuch der Heimat meiner Eltern.

                                Ich bin in Dachau geboren, ein Makel den ich lange -obwohl Flüchtlingskind- empfand. Israel war für mich Offenbarung. Spät-68er, immer kritisch, links, war es schlichtweg ein Schock auf dem Golan zu stehen und die Geschichte der Menschen zu hören die an dessen Fuß lebten. Ich habe NIEMALS und NIRGENDWO einen solchen Friedenswillen erlebt wie am Golan. Und trotzdem liefen dort bei Ausflügen von Schulklassen deren Lehrer mit umgehängten Maschinenpistolen herum.

                                Es ist eine andere Welt. Und ich bitte Euch darum, Euch einen kleinen Augenblick in diese Welt hineinzuversetzen. Israel, ein Staat des relativen Friedens. Ein Staat der geschaffen wurde aus der Notwendigkeit heraus, den Juden eine Heimstatt zu geben. Ein Staat, auf dessen Gebiet sie vor Nazi-Verfolgung und späterem Antisemitismus flüchten konnten. Rundherum um Israel -mit augenblicklicher Ausnahme Jordaniens- herrschen Chaos und Unfrieden.

                                Wir haben hier vielfach Antisemitismus, unterschwelligen, und ich sehe das als eine Art Erbe und Indoktrination aus Nazi-Zeiten. Es wirkt nach, in manchen Kindern der Zeiten des Nationalsozialismus, auch wenn sie sich dagegen wehren, wie z.B. Grass.

                                Ich werfe mir vor blind gewesen zu sein. Vor meinem Besuch Israels. Ich bin weit davon entfernt mich als sehend zu bezeichnen, aber ich versuche zumindest zu verstehen was es heißt Jude zu sein. Jude zu sein in einem eigenem Staat, im einzigen demokratischen Staat umgeben von Feinden die diesen Staat und dessen Bevölkerung vernichten wollen.

                                In diesem Staat Israel leben auch Danziger Juden. Ich schäme mich, aber ich bin auch froh darüber, dass diesen aus vielen Teilen Europas geflüchteten Juden Israel die einzige Heimstatt blieb. JEDER verfolgte Jude darf dorthin flüchten.

                                "Waldkind", ich bin außerordentlich vorsichtig Jemanden als Antisemit/in zu bezeichnen - bei Dir tue ich das nicht. Zu vielfältig mögen die Gründe sein, Israels Politik zu verurteilen. Ich sah die Probleme der Palästinenser, deren Nöte, sprach mit ihnen darüber, und ich sah auch den unbedingten Friedenswillen der Israeli. Ich bitte um Zurückhaltung in vorschnellen Beurteilungen.

                                Viele Grüße aus dem Werder
                                Wolfgang
                                Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                                Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                                Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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