Joachim Schroetter

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  • Inge-Gisela
    Forum-Teilnehmer
    • 09.11.2012
    • 1842

    #61
    AW: Joachim Schroetter

    Seien wir dankbar, dass in Gdansk so viel Schönes wieder aufgelebt ist. Ich war voriges Jahr für einen Tag in Kaliningrad, einiges wurde ja erneuert, aber ich empfand das ehem. Königsberg immer noch als sehr trostlos. Es soll ja auch eine sehr schöne Stadt gewesen sein. Wenn Danzig durch den Krieg nicht zerstört worden wäre, alle alten Häuser, vielleicht kaum renoviert, irgendwann abgerissen worden wären, wie in vielen deutschen Städten das mittlerweile der Fall ist, auch das wäre nicht mehr das alte Danzig. Ich bin vor ca. 40 Jahren nach Hamburg gezogen, was hat sich die Stadt in der Zeit verändert, wahrlich nicht nur zum Vorteil. Die Welt ist immer im Umbruch und wir müssen damit leben. Und möglichst versuchen, das Positive zu sehen.

    Lb Gruß
    Inge-Gisela

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    • Belcanto
      Forum-Teilnehmer
      • 24.09.2008
      • 2508

      #62
      AW: Joachim Schroetter

      Hallo Inge-Gisela. Ich bin natürlich froh, dass alles so wunderbar wieder hergerichtet wurde. Ich hoffe, ich habe dich richtig verstanden. Du sagst, wenn Danzig nicht zerstört worden wäre, wären die alten Häuser, vielleicht nicht renoviert worden. Das kann ich mir nicht vorstellen. Das ist eine sehr gewagte These. Dann wäre der Krieg der Schöpfer, des jetzigen Danzig.

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      • Ulrich 31
        Forum-Teilnehmer
        • 04.11.2011
        • 8562

        #63
        AW: Joachim Schroetter

        Hallo Ihr Danziger mit den hier immer wiederkehrenden Gedanken an die alte, frühere Heimat dort.

        Nehmen wir an, die Geschichte wäre anders verlaufen, und Danzig wäre deutsch und 1945 unzerstört geblieben. In diesem Fall sähe auch Danzig jetzt ganz anders aus als in den 1940er Jahren. Danzig hätte die gleiche Entwicklung durchlebt wie andere deutsche Städte (siehe dazu Inge-Gisela in #61). Schon in den 1920er Jahren gab es z.B. amtliche Bestrebungen, die Langgasse weitgehend zu modernisieren. Das alte, uns als Kindern und besonders unseren Eltern in Danzig vertraute Stadtbild hätte also schon damals ein wesentlich anderes, "moderneres" Aussehen angenommen, wäre damals diese architektonische Idee nicht auf Ablehnung gestoßen. Doch bei einer eventuellen anhaltenden späteren "Bräunung" der Stadt wäre "unsere" Heimatstadt noch massiver verändert worden. Danzig hätte ein ähnliches, kleineres Aussehen wie die "Reichshauptstadt" erhalten. Es wäre nicht mehr wiederzuerkennen gewesen.

        Wie man es auch dreht, so oder so, im Jahr 2018 hätte sich das Stadtbild Danzigs auf jeden Fall stark verändert. Das jetzige aktuelle Aussehen von Danzig sollte deshalb nicht Anlass sein, seinem früheren Aussehen aus politischen Gründen nachzutrauern.

        In diesem Sinne viele Grüße und beste Wünsche für das Wochenende.
        Ulrich

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        • jonny810
          Forum-Teilnehmer
          • 10.02.2008
          • 2423

          #64
          AW: Joachim Schroetter

          Ja Ulrich, da kann ich Dir nur beipflichten.

          Selbstverständlich hätte sich in den nun mehr als siebzig Jahren das Stadtbild den jeweiligen Fortschritten angepaßt.

          Auch wir sahen vor siebzig Jahren ein wenig anders aus. Es ist einfach der Lauf der Zeit, dass es Veränderungen gibt.

          Daß es mir hier oder da ein wenig leid tut, brauche ich wohl nicht erwähnen.

          Ich werde auch sicherlich weiterhin nach Danzig fahren und mich in meiner Ur-Heimat "wohlfühlen".
          Es grüßt herzlich, Erhart vom Schüsseldamm.
          "Nec Temere - Nec Timide"
          Eine Freundschaft ist das, was man aus ihr macht. EKJ

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          • Inge-Gisela
            Forum-Teilnehmer
            • 09.11.2012
            • 1842

            #65
            AW: Joachim Schroetter

            Hallo Joachim,
            Danzig ging es meiner Ansicht nach vor dem Krieg finanziell nicht sehr gut. Es sind nach dem Krieg ja auch Gelder geflossen für den Wiederaufbau. Ich denke mal, zum Wiederaufbau haben die Polen sehr beigetragen, was man auch in Poznan (Posen), Malbork (Marienburg) usw. sehen kann. Das hätte man sich auch für Königsberg gewünscht. Heute wird doch in vielen deutschen Städten Altes (auch noch Erhaltenswertes) abgerissen, zu teuer, sagen die Investoren. Da kommen dann die riesigen Klötze hin. Aber damit beginnt man ja wohl leider auch teilweise in Danzig. Und in Hamburg sieht man es auch. Oder die Grundstücke werden an ausländische Investoren verscherbelt, manchmal viel teurer wieder zurückgekauft. Was für ein Wahnsinn.

            LG Inge-Gisela

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            • Ulrich 31
              Forum-Teilnehmer
              • 04.11.2011
              • 8562

              #66
              AW: Joachim Schroetter

              Liebe Inge-Gisela,

              bleiben wir bei Danzig. Wann warst Du zuletzt in Danzig? Wo hast Du dort die erwähnten "riesigen Klötze" gesehen? - Ich kenne mich in Danzig durch regelmäßige Besuche dort und die regelmäßige Lektüre der gdansk.pl-Berichte ganz gut aus. Doch "riesige Klötze" in der Danziger Innenstadt gibt es bisher nicht. Die aktuellen und die schon fertigen großen Bauprojekte mit z.T. auch ziemlich großen, hohen Gebäuden befinden sich insgesamt in Randlagen von Danzig (ich zähle dazu auch das Forum Gdańsk), während z.B. die Rechtstadt mit ihrem nachempfundenen Nostalgie-Flair bisher von solchen Veränderungen verschont bleibt. Das betrifft im Übrigen auch die Altstadt (Ausnahme: Hotel Mercure Gdańsk Stare Miasto) und die Niederstadt.

              Viele Grüße
              Ulrich

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              • Belcanto
                Forum-Teilnehmer
                • 24.09.2008
                • 2508

                #67
                AW: Joachim Schroetter

                Im Prinzip habt ihr mit euren Antworten natürlich recht. Danzig ist ein Prestigeobjekt, alle Welt soll sehen, wie schön die Polen Danzig "wieder" aufgebaut haben. Das erkenne ich voll an. Die meisten Besucher kennen aber nicht die Geschichte von Danzig nicht und kaum jemand fragt, wie war es denn vorher?

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                • Inge-Gisela
                  Forum-Teilnehmer
                  • 09.11.2012
                  • 1842

                  #68
                  AW: Joachim Schroetter

                  Ulrich, ich meine auch nicht die Innenstadt damit. Dort ist auch nicht mehr viel Platz für "Riesenklötze", denke ich mal. Aber eine Stadt besteht nicht nur aus einem Zentrum.

                  Lieben Gruß

                  Inge-Gisela

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                  • Belcanto
                    Forum-Teilnehmer
                    • 24.09.2008
                    • 2508

                    #69
                    AW: Gesang

                    Mein Bericht

                    Vieles, ist in der Stadt mit Liebe neu erstanden, Goldwasser und Machandel blieben indes vorhanden.
                    St. Marien, St. Katharinen und St. Brigitten, die unter dem Krieg sehr stark gelitten und auch die anderen Kirchen, kann man wieder betreten und in aller Stille beten.
                    Kann sehr viele Kinder sehen, ihre Sprache nicht verstehen.
                    Gehe durch prächtige, renovierte Gassen, Reichtum ist kaum zu erfassen. Gestalten, Skulpturen schauen auf mich herab, flüstern: „Willst du hier haben dein Grab“.
                    Tore, mächtig und vital, gibt es hier in großer Zahl.
                    Straßenbahn fährt treu wie immer. Manchmal hört man ein Gewimmer, sieht von fern den Abendschimmer. Ist es wie immer? Sie fährt nach Langfuhr und nach Brösen, schön ist es am Meer zu dösen.
                    Bunte Fischeboote einst in großer Zahl, fest verbaut im Sand, sieht man leider nicht mehr am Strand.
                    Das Meer dagegen friedlich vor mir liegt, nichts deutet mehr hin auf Krieg. Weiter schickt das Meer seine Wellen über narbenreiche Stellen.
                    Dies alles möchte ich nicht mehr sehen, das muss mir jetzt eingestehen. Ich glaube, ich fahre hier nicht mehr her, wenn auch fällt schwer, habe Abschied genommen, werde nicht mehr wiederkommen.
                    Du fragst warum?
                    Es wühlt sich zu sehr auf, wenn ich Geiste meine Mutter am Fenster stehen sehe. Wie Sie verschleppt werden sollte, geschlagen und gepeinigt wurde und wir furchtbare Angst hatten.
                    Viermal war ich an der Stätte, des Grauens wo die Vergewaltigung geschah und auch dort, wo ein geliebter Bruder niedergeschlagen wurde und der andere kleine Bruder gestorben ist. Ich weiß die Stelle nicht mehr genau, wo wir ihn notdürftig begraben haben. Würde gerne ein Gebet dort sprechen.
                    Und auch dort wo man die deutschen Soldaten, an Bäumen aufgehängt hatte und an den Ort wo die Wilhelm Gustloff vor Anker lag.
                    An viele weitere Orte, die wie ein Mosaik ein grausames Bild des Krieges darstellen, könnte ich gehen. An Orte, die mein kindliches Wesen traumatisch haben und deren Erinnerungen nun langsam verblassen.

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                    • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                      Forum-Teilnehmer
                      • 13.02.2008
                      • 3493

                      #70
                      AW: Joachim Schroetter

                      All meine Lieben ! Joachim's Gesang hat mich traurig gemacht. Manchmal geschieht es so im Leben, wenn man etwas sieht oder liest, das jemanden tief beruehrt hat, dann fuehlen wir es genau so, sei es etwas Trauriges oder etwas Frohes. Je tiefer wir uns nehmnen und erkennen, je tiefer treffen wir andere in ihren eigenen Tiefen.
                      Joachim, die Heimat wird Dich immer wieder rufen, auch wenn Dein Intellekt nicht die Sprache versteht, so hoerst Du doch mit Deinen spirituellen Ohren. Folge ihrem Ruf, wenn Du es kannst.
                      Bin so traurig das ich es nicht mehr kann, aber Du bist ja nicht so weit weg und noch viel juenger. So lange Du koerperlich faehig bist, versaeume es nicht. Die schlechten Erinnerungen, die wir alle haben, 'verblassen' so allmaehlich und nur die guten bleiben und wenn wir auch das Schlimme nicht vergessen koennen, so haben wir es doch ueberwunden. Mit lieben Gruessen von der Feli von Down Under, dem Land, in dem sogar sehr kranke Seelchen, im alltaeglichen Leben, schnell gesunden.

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                      • Belcanto
                        Forum-Teilnehmer
                        • 24.09.2008
                        • 2508

                        #71
                        AW: Joachim Schroetter

                        Ich danke dir für deine warmen Worte und vielleicht hast du recht.

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                        • Belcanto
                          Forum-Teilnehmer
                          • 24.09.2008
                          • 2508

                          #72
                          AW: Joachim Schroetter

                          Hallo Feli
                          Ich möchte klarmachen, was ich persönlich meine. Ich bin jünger als du das stimmt. Eigentlich bin ich ein Fröhlicher, lebensbejahender Mensch und spiele an guten Tagen noch Tennis. Habe allerdings zwei Herz-op hinter mir und trage einen Herzschrittmacher.
                          Wenn ich dann vor unserem Haus stehe, wo ich als Kind viele schreckliche Dinge erlebt habe, kriege ich große Probleme, gesundheitlicher Art, so schlimm, dass ich denke ich komme nicht mehr nach Hause. Die Älteren unter uns, die Danzig noch aus eigener Anschauung kennen, haben wohl eher die guten Erinnerungen an die Heimat gespeichert.
                          Vielleicht ruft die Heimat erneut, dann werde ich mir nur das anschauen, was mich erfreut. Und davon gibt es Glück vieles.
                          Viele Grüße

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                          • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                            Forum-Teilnehmer
                            • 13.02.2008
                            • 3493

                            #73
                            AW: Joachim Schroetter

                            Lieber Joachim ! Ich habe es in meiner eigenen Familie erfahren, wie schwer es war fuer Schwesterchen Jenny. Die 6 Jahre, die ich aelter war, haben mir die gluecklichen Kindheitserinnerungen gegeben und brachten Freundschaften aus der Schulzeit zurueck in mein Leben. Auch ist von unserem Haus nur ein gruener Fleck uebrig geblieben. Niemand fremd lebt da in unserer Wohnung. Villeicht ist das auch ein entscheidender Punkt. Auf jeden Fall wuensche ich Dir, dass der naechste Aufenthalt in der Heimat, Dir nur Freude macht und gluekliche Erinnerungen bringt. Liebe Gruesse von der Feli

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                            • Belcanto
                              Forum-Teilnehmer
                              • 24.09.2008
                              • 2508

                              #74
                              AW: Joachim Schroetter

                              Und dir wünsche ich viel Gesundheit und Gottes Segen.

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                              • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                                Forum-Teilnehmer
                                • 13.02.2008
                                • 3493

                                #75
                                AW: Joachim Schroetter

                                DAnke ! Da sollen wir alle haben :"Gottes Segen auf all unseren Wegen !"

                                Kommentar

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