Joachim Schroetter

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  • Belcanto
    Forum-Teilnehmer
    • 24.09.2008
    • 2508

    #46
    AW: Joachim Schroetter

    Du hast mit deiner Einschätzung recht, Feli. Die Liebe war es, die uns unzertrennlich zusammengehalten hat. Die Liebe zu einander hat uns geführt und begleitet.

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    • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
      Forum-Teilnehmer
      • 13.02.2008
      • 3493

      #47
      AW: Joachim Schroetter

      Die Liebe ist Bewusstsein der Zusammengehoerigkeit, Belcanto, und Ihr habt sie fief in Euch gehabt. Es ist nun einmal so, die Liebe is der Mittelpunkt des Lebens und was Du liebst das Lebst Du auch.
      In meinem Alter sind es viele Dinge die da mein Leben beruehren, habe ja so viel Zeit, aber der Mittelpunkt sind meine Kinder. Sie geben mir die Freude im Alltag und in der Gegenwart. Vergangenheit kann man nicht aendern und die Zukunft ist ja noch Illusion, aber den Wert und die Tiefe des Lebens koennen wir der Gegenwart schenken und sie wirklich voll und ganz mit unserer Liebe ausfuellen.
      Na, da bin ich wieder einmal ueberschwenglich geworden, aber das hat ja auch seinen PLatz unter Freunden.
      Wieder zurueck zur Realitaet, ich wuensche Euch allen viel Liebe mit meinen Gruessen von Down Under, Eure Feli

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      • Belcanto
        Forum-Teilnehmer
        • 24.09.2008
        • 2508

        #48
        AW: Joachim Schroetter

        Man darf auch mal schwegerisch sein und versuchen, die grausamen Realitäten in der Welt, etwas zu verdrängen.

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        • Belcanto
          Forum-Teilnehmer
          • 24.09.2008
          • 2508

          #49
          AW: Joachim Schroetter

          Der Stolperstein
          Als Ruth erwachte, wurde Sie von einem grellen Licht geblendet. Sie öffnete erneut langsam ihre Augen und gewöhnte sich allmählich an das Licht, das ihr unbekannt war.
          Wo bin ich?
          Sie schaute zur Seite. Dort stand ein Bett, indem eine Person lag. Sie griff an ihr Bettdeck. Fühlte am Stoff. Das ist nicht mein Bettzeug, merkte sie sofort. Sie hob die Decke etwas an und schaute genauer hin. Nein, aus so einem billigen Stoff war ihr Bettzeug nicht genäht und auch nicht so dünn.
          Sie schaute zur anderen Seite, wo ein Fenster war, dessen Scheiben, hätten geputzt werden müssen. Sie konnte auf einen Berghügel nur die Kronen einiger Bäume erkennen und als ihr Blick tiefer senkte, sah sie eine Zentralheizung, eine Bank ein Stuhl und einen Tisch.
          Die andere Person, neben ihr wimmerte plötzlich und murmelte etwas, was Ruth nicht verstand.
          „Was ist“, sprach Ruth in den Raum. Doch die Person antworte nicht.
          Ruth versuchte es lauter. „Kann ich etwas für Sie tun? Ich verstehe Sie nicht. Ruth hob ihren Kopf und strenge sich an, die andere Person zu verstehen.
          Nun sah sie am grauen Haar der Person, dass es sich um eine ältere Frau handelte, die erneut etwas unverstänliches murmelte. Ruth glaube „Schwester“ verstanden, zu haben.
          Schwester?
          Ich bin nicht ihre Schwester, meine Schwester ist tot schon seit 1945.
          Die unbekannte Frau neben ihr meinte mit Schwester offensichtlich nicht ihre Schwester, sondern eine Krankenhausschwester.
          Zu dieser Einsicht kam Ruth, als sie nun genauer orientiert hatte und über dem Bett der Frau einen Klingelknopf sah.
          Ich bin in einem Krankenhaus, schoss es ihr durch den Kopf. Nun merkte Sie, dass ihr Bein verbunden und geschient war und das Sie am Kopf einen Verband trug.
          Was war geschehen?
          Ruth versuchte aufzustehen, um die Notklingel bedienen zu können. Sie sah neben ihrem Bett eine Krücke stehen, die Sie nur unter großer Anstrengung erreichen konnte. Schließlich gelang es ihr die Klingel, zu drücken. An der Tür ging ein rotes Licht an. Sie setzte sich auf die Bettkante und wartete gespannt darauf, was jetzt geschehen würde.
          Zunächst erst mal nichts. Es dauerte geraume Zeit, bis ein Pfleger die Zimmertür kurz öffnete, und sagte, ich komme gleich.
          Es verging wieder geraume Zeit, bis sich die Tür erneut öffnete. Diesmal trat ein Mann mit zwei Frauen in seiner Begleitung ins Zimmer. Sie blieben an Ruths Bett stehen. Ich bin Dr. Ambrosius und das sind die beiden Assistenzärztinnen. Guten Morgen.
          Sie sind hier auf der Unfallchirurgie. Sie wurden vorgestern als Notfall eingeliefert. Sie waren in der Stadt über ein Hindernis gestürzt offensichtlich über einen Stolperstein, der dort auf dem Bürgersteig eingelassen war. Sie sind mit dem Kopf aufs Pflaster aufgeschlagen. Man hat sie ohnmächtig vorgefunden. Sie haben sich das rechte Bein zwei-mal gebrochen und hatten eine Platzwunde am Kopf, die wir nähen mussten. Wie fühlen Sie sich?
          Ruth sagte nichts. Und als der Arzt, die Decke zurückschlug, zitterte sie.
          Was ist los, warum zittern siedenn, ich tue ihnen doch nichts. Ich will doch nur die Wunde kontrollieren.
          Ruth wurde ohnmächtig und ihre synkopische Gedankenreise führte Sie ins Jahr 1943 zurück, jenem Jahr, als Sie und ihre Zwillingsschwester Rahel sowie ihre Eltern verhaftet und ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert wurden.
          Es war der 23. Januar 1943, als verschleppt wurden. Ruth und ihre Schwester Rahel hatten, am 10. Januar noch fröhlich und unbeschwert ihren Geburtstag gefeiert. Niemand ahnte die Gefahr.
          Der Bahntransport nach Auschwitz, glich einem Tiertransport. Schlimmer noch, Juden waren weniger wert als Tiere. Die Hunde des Wachpersonals hatten es besser als Sie. Zusammengepfercht, stundenlang stehend ohne zu Essen und zu trinken, näherten sie sich einem unbekannten Ziel. Keine Heizung keine Toilette. Es war kalt. Jedes Mal, wenn der verschlossene Güterwagon, über eine Schienenverbindung fuhr, wirkte es wie ein Peitschenhieb und sie hatten noch keine Ahnung, welche Grausamkeiten sie am Ziel erwarten würde.
          Dass sie nur Vieh waren, merkten sie sofort bei der Ankunft an der Rampe. Sie wurden von Ihren Vater getrennt, dabei wurden die Menschen ohne ersichtlichen Grund geschlagen und gedemütigt. Man trieb sie wie Vieh voran. Sie merkten sofort, sie sollten vernichtet werden, wie eine gemeine Blattlaus.
          „Vorwärts ihr Judenpakt, aber dalli, dalli. Wir werden euch zeigen, wer hier die Herren sind!“
          Tiefgebeugt vom Scham und der Ungewissheit, was nun geschehen würde, trugen sie ihre müden Beine nach vorn. Sie stolperte fast.
          Jetzt erfolgte eine menschenverachtende Selektion. Ein flüchtiger Blick eines SS-Arztes genügte, um festzustellen wer arbeitsfähig war und wer nicht. Ruth und Rahel wurde als arbeitsfähig befunden ihre Eltern nicht.
          Was hatte das nun zu bedeuten? Das erfuhren sie bald, denn ihre Eltern wurden fortgeführt. Sie sahen sie niemals wieder. Sie wurden zur Desinfektion in kalte Duschräume getrieben. Sie mussten sich entkleiden und alle Wertsachen abgeben. Das Wachpersonal schaute zu und verspottete sie. Danach wurden Ihnen der Kopf geschoren und alle Körperhaare entfernt. Aus den Duschköpfen floss abwechselnd kaltes und heißes Wasser. Es kam zu sexuellen Übergriffen und menschlichen Erniedrigungen.
          Nach dieser unmenschlichen Prozedur wurden ihnen die Häftlingskleidung zu geworfen. Der grobe Stoff scheuerte auf der Haut, merkte Ruth gleich. Rahels Jacke war stark verschlissen aber niemand wagte ein Wort. Schuhe gab es allerdings nicht, sondern lediglich grobe Holzpantoffeln, an die sich zunächst gewöhnen mussten.
          Nun erfolgte die Registrierung. Jedem Häftling wurde eine Nummer zugewiesen. Diese wurde in dem Arm tätowiert und auf der Jacke angebracht. Danach ging es in die Unterkunft und besser gesagt in die Behausung.
          Beide waren sehr müde und nahmen nicht mehr bewusst wahr, welche katastrophalen, hygienische Zustände in der Lagerbaracke herrschten, sondern nur, dass es am anderen Tag, in den sie brutal hinein getrieben wurden, noch sehr früh sein musste, denn der Morgen hatte sich noch nicht gezeigt, als sie zum Morgenappell antreten mussten.
          Ruth erwachte aus ihrer Ohnmacht etwas zu früh, um das erlebte Martyrium, dass sie und ihre Familie im Konzentrationslager durchlitten hatten, traumatisch noch mal zu durchleben und ins Gedächtnis zurückzurufen. Vielleicht war es aber auch gut so.
          Als Ruth aus dem Krankenhaus entlassen wurde, ging sie zu der Stelle, wo sie gestolpert war, und sah vier in den Gehweg eingelassenen kleine Messingtafeln. Sie laß: Hier wohnte „Dr. Wilhelm Levy, Adele Levy, Rahel Levy deportiert am 23. Januar 1943, ermordet Januar 1943 in Auschwitz-Birkenau.
          Nur ihr Stolperstein fehlte. Sie lebte noch, als die russische Armee die Lagerinsassen befreite. Ihre Eltern wurden vergast und Rahel starb an Entkräftung. Mein Gott warum musste das geschehen.
          Warum stolperte Sie ausgerechnet über den Stolperstein, ihrer Familie. Tränen, wie ein safter Regen fielen auf den Stolperstein ihrer Mutter.

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          • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
            Forum-Teilnehmer
            • 13.02.2008
            • 3493

            #50
            AW: Joachim Schroetter

            Gut gemacht, Belcanto, nein sehr gut ! Sich in solch eine Situaion einzufuehlen und das zu beschreiben hast DU vollstaendig erreicht. Habe Ruth ganz klar vor meinen Augen. Danke dass Du Deine Geschichten mit uns teilst. Liebe Gruesse von der Feli

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            • Belcanto
              Forum-Teilnehmer
              • 24.09.2008
              • 2508

              #51
              AW: Joachim Schroetter

              Da der Wolfgang immer großzügig war, habe ich Gelegenheit, dies zu tun. Viele Grüße

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              • Belcanto
                Forum-Teilnehmer
                • 24.09.2008
                • 2508

                #52
                AW: Joachim Schroetter

                file:///C:/Users/FAM~1.SCH/AppData/Local/Temp/msohtmlclip1/01/clip_image001.jpg

                Wer die ganze Trilogie lesen möchte. Das Buch ist bei Amazon als e-Book oder als Taschenbuch erhältlich.

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                • Beate
                  Administratorin
                  • 11.02.2008
                  • 4836

                  #53
                  AW: Joachim Schroetter

                  Guten Morgen, Joachim,

                  Dein eingesetzter Link klappt so nicht.Es ist ja ein Bild, das muss hochgeladen werden, einfach Kopieren une Einsetzen lässt die Forensoftware nicht zu.
                  Setze doch lieber einen Link zu der Seite. URL (= oberste Zeile der Seite) kopieren und das dann einsetzen, ok?
                  Erst dann ist es für uns erkennbar.

                  Fröhliche Grüße, Beate
                  ..wirklich? Taktgefühl ist nicht nur ein Begriff in der Musikwelt?

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                  • Belcanto
                    Forum-Teilnehmer
                    • 24.09.2008
                    • 2508

                    #54
                    AW: "Heimat" von Joachim Schrötter

                    Danke für die Hilfe. Werde ich tun.

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                    • Belcanto
                      Forum-Teilnehmer
                      • 24.09.2008
                      • 2508

                      #55
                      AW: Joachim Schroetter

                      Link:

                      https://www.amazon.de/J%C3%BCdische-...him+schroetter

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                      • Belcanto
                        Forum-Teilnehmer
                        • 24.09.2008
                        • 2508

                        #56
                        AW: Joachim Schroetter

                        https://upload.wikimedia.org/wikiped...g_1870_001.jpg. Ich beschäftige mich auch mit Briefliteratur. Beispielsweise gehören dazu auch als Teilgebiet die "Ganzsachen". Briefe, Karten postalische Dokumente. Dieser wunderschöne ist Ganzsachenbrief des Norddeutschen Postbezirks aus Danzig, 1870 (Ganzsache von 1868)

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                        • Belcanto
                          Forum-Teilnehmer
                          • 24.09.2008
                          • 2508

                          #57
                          AW: Umweltfeeauf Polnisch

                          Kam gestern aus Danzig zurück und werde meine Eindrücke, in den nächsten Tagen hier schildern.

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                          • Belcanto
                            Forum-Teilnehmer
                            • 24.09.2008
                            • 2508

                            #58
                            AW: Joachim Schroetter

                            Besuch
                            Ich war nun zum vierten Mal in Danzig und kam gestern nach langer Fahrt wieder zurück. Als wir 1945 vertrieben wurden und nach langem Irrweg in Otterndorf eine neue Heimat fanden, habe ich als fünfjähriger, den Verlust der Heimat Danzig überhaupt nicht bewusst wahrgenommen; wie konnte ich auch. Erst danach mit dem Wissen und Verstand eines Erwachsenen verstand ich. Begann, zu verstehen, was es bedeutet Heimat zu verlieren. Jetzt wurde mir immer mehr der bedeutende Verlust bewusst. Ich wurde nachdenklich.
                            Als ich das erstemal in Danzig war, zeigte mir meine Schwester, das Haus wo wir gewohnt hatten, Eschenweg 15b auch das Haus meiner Oma Johanna Kurowski, die in Brösen Nordstraße 1, vor dem Krieg einen Laden betrieb. Beide Häuser wirken so, als wenn die Bewohner gerade kurz aus dem Haus gegangen wären.
                            Ich wollte schon rufen: „Mamma, wo bist du“. Ich war beeindruckt und auch ein wenig stolz auf unser Danzig. Diese Pracht, dieser Reichtum. Ich erinnere mich, dass damals 2003, an den historischen Gebäuden, Informationstafeln in polnischer und deutscher Schrift angebracht waren. Diese Tafeln habe ich heute zum Großteil vermisst. Die Stadt verfremdet sich und die deutsche Vergangenheit wird weniger sichtbar. Schade.
                            Das scheint jedoch politische Absicht zu sein. Auch verstehen die höflichen und hilfsbereiten Menschen kaum noch deutsch. Das war beim ersten Besuch noch anders. Nunja, das ist natürlich auch ganz normal. Leben doch die polnischen Menschen schon über 70 Jahre in Danzig.
                            Der Genarationswechsel den wir hier auch im Forum beklagen, schreitet fort und bald erinnert sich niemand mehr, an diesen verhängnissvollen Krieg.
                            Die Stadt ist mir fremd geworden. Ich möchte eigentlich Danzig nicht mehr besuchen, obwohl der Machandel mit Pflaume beim Bowke gut geschmeckt hat.
                            Danzig ist nicht mehr „meine“ Stadt, das muss ich zur Kenntnis und Abschied nehmen für immer. Die muss das Buch der Geschichte schließen und werde über meine neuen Eindrücke noch ein Gedicht schreiben.

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                            • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                              Forum-Teilnehmer
                              • 13.02.2008
                              • 3493

                              #59
                              AW: Joachim Schroetter

                              Viele fuehlen so wie Du, nachdem ich schon einige Male in Danzig war, auch mit Familie, kann ich erkennen, dass die Entwickelung und der Neuaufbau der Stadt, mir eigentlich fremd ist. Aber es riecht immer noch nach der Heimat, wenn ich am Heubuder Strand entlang wandele.Das Meer hat sich nicht veraendert und die Ostseewellen schlagen immer noch an den Strand und machen das selbe plaetschernde Geraeusch wie vor all diesen Jahren, eine ganze Lebenszeit. Liebe Gruesse von der Feli

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                              • Belcanto
                                Forum-Teilnehmer
                                • 24.09.2008
                                • 2508

                                #60
                                AW: Joachim Schroetter

                                Was du schreibst, kann ich gut nachvollziehen. Ich war auch in Heubude. Der Strand das Wasser einmalig. Wie früher könnte man meinen. Auch das Kopfsteinpflaster in der Nordstraße in Brösen, ist wie eh und jeh. Nur die Fischerboote, die Netze, der Geruch nach Fisch und Teer, ist wohl schon zu lange her.

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