AW: Deutsches Polen-Institut
Schönen guten Abend,
lieber Ulrich,
danke für Deinen Beitrag mit dem Du an den 01. September erinnerst.
Natürlich werden alle im alten Danzig Gebürtigen an diesen Tag denken. Als meine Mutter noch lebte, sprachen wir immer darüber wie sie den 01. September 1939 erlebte, was sie empfand, was sie, ihre Geschwister, ihre Eltern beunruhigte. Das letzte Mal sprachen wir vor zwei Jahren so.
Der 01. September mag so langsam in Deutschland in Vergessenheit geraten - nicht so in Polen. Die Erinnerung bleibt wach, sie ist im nationalen Gedenken tief verwurzelt, verankert. Einen Tag später wurde das Konzentrationslager Stutthof angelegt, als erstes Konzentrationslager außerhalb der Reichsgrenzen vom 31.08.1939. Es war anfangs ein regionales Konzentrationslager, bestimmt zur Ausrottung, zur Ermordung der polnischen Führungsschicht, der Ärzte, Lehrer, Priester, Rechtsanwälte, aber auch der in polnischen Institutionen, Organisationen und Ämtern wirkenden Menschen.
Der 01. September - Danzig... Kriegsbeginn, verbunden mit Verbrechen die auch heute noch nachwirken. Danziger, Opfer, auch Täter? In Deutschland stirbt die Erinnerung aus. Wenn der letzte Zeitzeuge gegangen, verstorben ist, beginnt endgültig der Historisierungsprozess. In Polen? Die Erinnerung wird wach bleiben, es mag die Furcht vor Deutschland verblassen, sie bleibt aber immer als latente Gefahr irgendwo mehr oder weniger versteckt präsent.
Momentan bin ich wieder in der Gedenkstätte des ehemaligen Frauen-KZ Ravensbrück und nehme an einer Vorlesungsreihe mit Workshops der 17. Europäischen Sommeruniversität teil. Wer weiß, dass hier 40.000 Polinnen menschenunwürdig gefangen gehalten wurden?
Zum 01./02.09. werde ich wieder in Stutthof sein, Führungen machen, bei der Organisation des Jahrestages der Gründung des KZ helfen.
Der erste September ist in Polen unvergessen. ABER: Es ist eine gemeinsame Geschichte, die Deutsche und Polen haben. Im aufeinander Zugehen, Zuhören, Verstehen, gegenseitige Empathie empfinden können wir zwar die Geschichte mit all seinen Konsequenzen nicht ändern, aber ich bin mir sicher, wenn wir es versuchen, werden wir uns als Ergebnis die Hände reichen.
Schöne Grüße aus Ravensbrück
Wolfgang
Schönen guten Abend,
lieber Ulrich,
danke für Deinen Beitrag mit dem Du an den 01. September erinnerst.
Natürlich werden alle im alten Danzig Gebürtigen an diesen Tag denken. Als meine Mutter noch lebte, sprachen wir immer darüber wie sie den 01. September 1939 erlebte, was sie empfand, was sie, ihre Geschwister, ihre Eltern beunruhigte. Das letzte Mal sprachen wir vor zwei Jahren so.
Der 01. September mag so langsam in Deutschland in Vergessenheit geraten - nicht so in Polen. Die Erinnerung bleibt wach, sie ist im nationalen Gedenken tief verwurzelt, verankert. Einen Tag später wurde das Konzentrationslager Stutthof angelegt, als erstes Konzentrationslager außerhalb der Reichsgrenzen vom 31.08.1939. Es war anfangs ein regionales Konzentrationslager, bestimmt zur Ausrottung, zur Ermordung der polnischen Führungsschicht, der Ärzte, Lehrer, Priester, Rechtsanwälte, aber auch der in polnischen Institutionen, Organisationen und Ämtern wirkenden Menschen.
Der 01. September - Danzig... Kriegsbeginn, verbunden mit Verbrechen die auch heute noch nachwirken. Danziger, Opfer, auch Täter? In Deutschland stirbt die Erinnerung aus. Wenn der letzte Zeitzeuge gegangen, verstorben ist, beginnt endgültig der Historisierungsprozess. In Polen? Die Erinnerung wird wach bleiben, es mag die Furcht vor Deutschland verblassen, sie bleibt aber immer als latente Gefahr irgendwo mehr oder weniger versteckt präsent.
Momentan bin ich wieder in der Gedenkstätte des ehemaligen Frauen-KZ Ravensbrück und nehme an einer Vorlesungsreihe mit Workshops der 17. Europäischen Sommeruniversität teil. Wer weiß, dass hier 40.000 Polinnen menschenunwürdig gefangen gehalten wurden?
Zum 01./02.09. werde ich wieder in Stutthof sein, Führungen machen, bei der Organisation des Jahrestages der Gründung des KZ helfen.
Der erste September ist in Polen unvergessen. ABER: Es ist eine gemeinsame Geschichte, die Deutsche und Polen haben. Im aufeinander Zugehen, Zuhören, Verstehen, gegenseitige Empathie empfinden können wir zwar die Geschichte mit all seinen Konsequenzen nicht ändern, aber ich bin mir sicher, wenn wir es versuchen, werden wir uns als Ergebnis die Hände reichen.
Schöne Grüße aus Ravensbrück
Wolfgang
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