Keiner der Nachgeborenen hat unser Danzig gesehen

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  • Wolfgang
    Forumbetreiber
    • 10.02.2008
    • 11623

    #31
    AW: Keiner der Nachgeborenen hat unser Danzig gesehen

    Schönen guten Nachmittag,

    wahrscheinlich gehöre ich zu der kleinen Minderheit, dessen Familie nicht besitzend und erst recht nicht vermögend war. Mütterlicherseits kleinbürgerlich, bescheiden, sehr bescheiden sogar, der Vater arbeitete mitunter im "Reich" weil es in Danzig keine Arbeit gab. Väterlicherseits arm, außerordentlich arm. Die Familie hatte nichts. Mein Großvater war Schneider, schwer krank, arbeitete -wenn er konnte- als Pförtner im Gaswerk.

    Mit dem Begriff "Wanzenbuden" wollte ich Niemandem auf den Schlips treten. Aber Tatsache ist, dass es auch arme und unvermögende Familien -mitunter mit vielen Kindern- gab, die in aus heutiger Sicht furchtbaren Behausungen ihr Dasein fristen mussten. Es waren nicht nur Wanzen, die das Leben schwer machten, die die Kinder auffraßen. Ich weiß von meinem Großvater -mein Vater konnte oder wollte sich nicht mehr so genau erinnern-, dass sie fast jährlich umgezogen sind. Von einem Kellerloch zum anderen, von einer Bruchbude zur anderen. Apropos Kellerloch: Das waren richtige Kellerlöcher, dreckig, dunkel, ein Raum, Familie mit 10 Kindern. Heizung? Ein Kanonenofen, wenn überhaupt. Wäsche wurde im Keller aufgehängt, unter den tropfenden Abwasserrohren. Die Wände verschimmelt. Gab's draußen einen kräftigen Regenguss, stand der Keller unter Wasser. Im Winter froren sich alle den Arsch an. Nicht nur die Familie Naujocks zog alle Nas lang um (nachvollziehbar in den Einwohnerbüchern der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts). Sie hielten es in ihren Drecklöchern nicht mehr aus, oder -und das kann ich nur mutmaßen- vielleicht konnten sie nicht einmal die Miete für einen solchen Keller zahlen und wurden einfach nur rausgeschmissen.

    Winterschuhe? Gab es nicht. Die Füße wurden in Zeitungspapier eingewickelt und dann die Sommerschuhe vom größeren Bruder oder der größeren Schwester angezogen.

    Meine Oma war immer sehr stolz auf meinen Vater: Er hatte nur eine einzige Büxen und die wurde ständig umgenäht. Sie tadelte mich, wenn ich mal schmutzig war: "Dein Vati hatte nur eine Hose und wenn draußen die Kinder spielten, dann spielte er nicht mit, weil sonst vielleicht seine Büxen schmutzig werden oder kaputt gehen". Das klingt irreal, das klingt kaum glaubhaft, aber AUCH DAS war Danzig!!!

    Ich weiß oder kann zumindest erahnen, was meine Eltern erlebten, ich muss nicht in Danzig geboren sein, also der sogenannten Erlebnisgeneration angehören, um mir zumindest ein kleines Bild dessen bilden zu können, wie dort das Leben war.

    Ich bin stolz auf meine Eltern, ich bin stolz auf meine Großeltern, dass sie ihr Bestes gaben um ihre Kinder großzuziehen. Alle waren kriegsgeschädigt, alle verloren selbst das letzte bisschen was ein Besitzloser haben kann: Sie verloren ihre Heimat! Als Entwurzelte kämpften sie um zu überleben im Rest-Nachkriegs-Deutschland. Ihnen und allen anderen ihrer Generation gehört mein größter Respekt!

    Danzig war nicht nur die Stadt des Bürgertums. In Danzig lebten auch die ganz arme Schweine! Pardon, wenn ich mich nicht sehr gewählt ausdrücke, aber darüber hört man in der "Erlebnisgeneration" nur sehr wenig. Alle hatten sonnige, herrliche, unbeschwerte Kindheitstage. Alle??? NEIN, das ist nicht wahr!

    Schaut bloß mal in die Kirchenbücher rein. In den Taufeinträgen der Königlichen Kapelle hieß es bei jeder Geburt eines Bruders bzw. einer Schwester meines Großvaters "gratis". Mein Vater sagte mir, als ich ihn daraufhin ansprach, "die Familie Deines Opas war sehr einflussreich, sie musste da nichts bezahlen!" Die Wahrheit???: Sie waren so arm, dass sie nicht einmal die Kirchengebühren für eine Taufe aufbringen konnten!

    Pardon, wenn ich an Dinge erinnere, an die sich niemand so recht erinnern kann oder will. Fakt ist und ich bleibe dabei (Erhart, wir verstehen uns sonst sehr gut, aber, ich bleibe bei meinen Aussagen), es gab auch im alten Danzig entsetzliche Wanzenbuden, es gab Läuse, es gab Flöhe.

    Viele Grüße aus Danzig, wo leise der Frühling anklopft
    Wolfgang

    P.S.: Von der Hochzeitsreise mit meiner ersten Frau brachte ich aus Spanien "Wanzen" mit nach Deutschland. Es war entsetzlich. Nach einem Jahr flüchtete ich. Kein Gift, kein Gas hatte geholfen. Glücklicherweise zog ich ohne Wanzen um. Sie blieben in der alten Wohnung.
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
    Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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    • Wolfgang
      Forumbetreiber
      • 10.02.2008
      • 11623

      #32
      AW: Keiner der Nachgeborenen hat unser Danzig gesehen

      Vielleicht noch ein kleiner Nachtrag, nachdem ich ein bisschen emotional aufgeladen den vorangegangenen Beitrag schrieb:

      Es waren meine Eltern, die es mir ermöglichten das zu werden, was ich bin. Sie, als geborene Danziger, traten stets zurück um ihren Kindern das Bestmögliche angedeihen zu lassen. IHNEN bin ich dankbar!

      Wolfgang
      Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
      Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
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      • daggel
        Forum-Teilnehmer
        • 09.03.2008
        • 169

        #33
        AW: Keiner der Nachgeborenen hat unser Danzig gesehen

        Hallo Leute

        Ich bin so ein armer Wicht, der Danzig nur vom Hörensagen und dem Studieren der Landkarte kennt. Manche Erzählungen von Paps sind recht verschwommen oder vielleicht auch nicht mehr ganz im Gedächtnis geblieben.

        Ich würde gerne mehr erfahren und hoffe, dass ich es in meinem Leben noch einmal schaffen werde die Heimat meines Paps zu sehen.

        Lieber Gruß

        daggel

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        • jonny810
          Forum-Teilnehmer
          • 10.02.2008
          • 2423

          #34
          AW: Keiner der Nachgeborenen hat unser Danzig gesehen

          Fakt ist und ich bleibe dabei (Erhart, wir verstehen uns sonst sehr gut, aber, ich bleibe bei meinen Aussagen), es gab auch im alten Danzig entsetzliche Wanzenbuden, es gab Läuse, es gab Flöhe.

          Hallo Wolfgang,

          das war doch kein Danziger Phänomen, Wanzen und Läuse. Auch die von dir so bezeichneten Keller(Löcher)Wohnungen. Wo gab es das damals nicht?

          Du sprichst von den 20./30. Jahren. 1918 war der Krieg verloren. Dass so etwas Armut über das Volk bringt, wissen wir.

          Danach die grosse Wirtschaft-Krise.

          Danach das "Heim ins Reich". Das haben wir unbedingt gebraucht !!!! Und wieder einen verlorenen Krieg.

          Die "Goldenen Zeiten" waren für Danzig lange vorbei. Keine Monopol-Stellung mehr. Du weisst was ich meine.

          Die hygienischen Verhältnisse waren in vielen Fällen unbefriedigend. (aber in fast allen Gross-Städten zur damaligen Zeit). Auf dem Land erst Recht.

          Ich war ein Jahr in Neuteich beim Bauern evakuiert.

          Genau so kann ich aber auch Gegenden in und um Danzig nennen, für die dieser Zustand so nicht zutraf.

          Lasse dir mal erzählen von den herrlichen Villen in Langfuhr, Jäschkenthal, Oliva u.s.w. War immer ein Erlebnis wenn es nach Langfuhr zum Onkel ging.

          Ich mag es nicht, wenn man alles leichtfertig verallgemeinert. Das gilt bei mir allgemein. Daher gestern mein dicker Hals.

          Ich glaube auch, dass sich kein richtiger Danziger, von jemandem "sein persönliches Danzig" beschädigen, oder zerstören lässt.

          Klingt ein wenig hoch-trabend, ist aber so.

          Allen einen schönen Tag.

          Ps.

          Wäre ich sarkastisch genug, würde ich sagen, gut, dass wir den Krieg verloren haben.

          So hat man uns wenigstens von den Wanzen, Läusen und Keller-Löchern befreit. :-)
          Es grüßt herzlich, Erhart vom Schüsseldamm.
          "Nec Temere - Nec Timide"
          Eine Freundschaft ist das, was man aus ihr macht. EKJ

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          • wenzkauer
            Forum-Teilnehmer
            • 26.10.2008
            • 203

            #35
            AW: Keiner der Nachgeborenen hat unser Danzig gesehen

            Hallo Christa,
            du schätzt mich schon richtig ein. Unabhängig vom Forum war innerhalb meiner Familie wieder mal, ALLES in Danzig und Wenzkau viel besser.
            Die Wanzen haben mir dann gerade noch gefehlt.
            Ich finde das so typisch, als hätte es vor 1945 nur Friede, Freude, Eierkuchen gegeben. Die Wirklichkeit wird ausgeblendet und wenn es nur um die Wanzen ginge, glückliches Danzig. Wie weit muß man von 1945 zurückgehen um ein Danzig vorzufinden, welches sehr lebenswert und liebenswert war???
            Wer kann mir Antworten geben???
            Viele Grüße Michael

            Kommentar

            • Hansgeorg Bark
              Forum-Teilnehmer
              • 22.10.2009
              • 61

              #36
              AW: Keiner der Nachgeborenen hat unser Danzig gesehen

              Hallo Wolfgang, arm ja, Schweine is eine beleidigung fuer al die kinderreichen Familien.ich habe 6 Gegeschwister gehabt, wohnten in den jetz verkommenden Lauental. Glasshuetenweg is heute noch ein schoenes Siedlungshaus .Wir haben auf Strohsaecke geschlafen ,wo keine Wanzen drinnen waren, bei uns gab es keine Keller.Heizung war ein Kachelofen mit Backrohre der durch zwei Schlafzimmer lief,und in der Kueche hatten wir ein Kachel Herd mit einer..Back roehre.ich bin in Langfuhr Hertarstrasse 11 Geboren .wohnten bis 19/45 Glashuettenweg 12 ,habe in diesem forum mein richtiegen Nahmen angegeben, was viele teilnehmer nicht tuen,Poland war fuer Danzig nicht gerade eine Hilfe,ich habe vergessen mich bei den Polen zu bedanken, das Sie uns ,aus diesem Schweinestahl Danzig befreit haben gruss aus Kanada Hansgeorg

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              • Christkind
                Forum-Teilnehmer
                • 10.02.2008
                • 1568

                #37
                AW: Keiner der Nachgeborenen hat unser Danzig gesehen

                "Arme Schweine" ist umgangssprachlich in Deutschland sehr gebräuchlich,Hansgeorg.
                Da gibt es noch drastischere Ausdrücke.
                Aber das ist ja auch nicht die Kernaussage.
                Dass es Arme gab, ist wohl unbestritten. Wer will sich dessen schämen? Ich nicht.
                Dass auch Arme ihr Leben mit glücklichen Momenten ausfüllten, auch.Und diese Glücksmomente fanden dann dort statt, wo sie am Ostseeufer mit den Kindern spielten, wo sie mit den Nachbarn Karten spielten, wo sie die Schulbank drückten, wo sie in den Gassen tobten.Das ist ihr, mein Bild von Danzig.
                Es wurde auch schon mal kritisiert, dass diese Jugend, geprägt von der HJ oder BDM, von ihrer Kindheit schwärmten.Verstehe ich überhaupt nicht.Ist das nicht ganz natürlich?
                Wenn ich ein besonderes Foto meiner Mutter betrachte, verwundert es mich, dass sie dabei so ein versonnenes Lächeln zeigt. Wie konnte sie lächeln? Der Mann gestorben, in der Fremde, mit kleinen Kindern, Not an allen Ecken... sie lächelt.
                Es gab nämlich noch viele Freuden, die nicht an Ort und Zeit gebunden waren.
                Und das sind Gefühle, die wichtiger im Leben sind als Flöhe und Läuse und Wanzen.
                Vor allem: nicht an Villen und Paläste gebunden.

                _______
                Schöne Grüße von Christa
                Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                (M. Gandhi)

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                • Mandey +08.03.22
                  Forum-Teilnehmer
                  • 08.02.2009
                  • 540

                  #38
                  AW: Keiner der Nachgeborenen hat unser Danzig gesehen

                  Guten Abend nach Kanada
                  Sehr geehrter Herr Hans Georg Bark.
                  Es ist gut zu wissen, das auch aus der Ferne unsere Landsleute sich immer noch fuer Ihren Geburtsort Interessieren, und wenn noetig zu diesem auch Ihre Meinug aussern. Die Menschen die in Ihren Häusern Kachelöfen hatten, lebten bereits, komfortabler, als die Menschen die Ziegelöfen hatten, als Beispiel meine Eltern hatten bis 1941 in Ihrem Haus noch Steinöfen, mit einem grünen Außeanstrich. Zu den Strohsäcken bei den meisten war es Normalität ,hier fuer sollten wir uns nicht schämen, Was beinhaltete den eine Liege aus der Fabrick in meisten war Seegras als Ihnhalt, und übrigens was heisst denn überhaupt früher war alles besser diesen Unsinn sollte man zur Akte legen. Jede Zeit in der man Lebt ,die war und wird immer schön sein.
                  Freundliche Grüße v.Heinz Mandey Emmerich am Rhein

                  Kommentar

                  • heidizdl
                    Forum-Teilnehmer
                    • 10.02.2008
                    • 142

                    #39
                    AW: Keiner der Nachgeborenen hat unser Danzig gesehen

                    Was Wolfgang geschrieben hat, fand ich höchst beeindruckend. Ich hatte mir vom Leben meiner Vorfahren bisher immer Illusionen gemacht, bis ich in den Danziger Adressbüchern mehr über deren jeweilige Wohnungen in Danzig erfuhr. Wie lebten sie mit 8 oder mehr Kindern in winzigen Häusern mit zig Mietparteien?!! Wolfgangs Schilderung zeigt wohl die damalige bittere Wirklichkeit. Nun kann ich auch verstehen, warum etliche meiner Onkel in jungen Jahren Danzig verlassen mussten, um sich anderswo Arbeit zu suchen.
                    Und meinen Großeltern und Eltern rechne ich es hoch an, dass sie unter diesen schwierigsten Bedingungen Wert auf eine gute Ausbildung für alle Kinder legten, damit es ihnen einmal "besser geht".
                    Es wäre interessant, weitere Erinnerungen über die damaligen täglichen Lebensumstände zu lesen.

                    Heide-Marlen

                    Kommentar

                    • Hans-Joerg +, Ehrenmitglied
                      Forum-Teilnehmer
                      • 10.02.2008
                      • 5206

                      #40
                      AW: Keiner der Nachgeborenen hat unser Danzig gesehen

                      Hallo
                      Wie insgesamt die “ Danziger “ z.B zwischen den Kriegen - als Freie Stadt und in den Jahren vor dem Einmarsch der russ. Armee gelebt haben wird unser kleines Forum hier nicht klären können ( außer Einzelschicksale) ……
                      Wie haben wir gewohnt …. Wer hatte Arbeit usw. usw.
                      Hier haben sich nun gerade mal eine “ Handvoll” Mitglieder gemeldet ……………..
                      Wenn man wissen will wie es wirklich aussah müsste es doch mehr ( offizielle ) Informationen geben.
                      Meine Familie war bestimmt nicht " reich" ... aber wie ich von Ihnen gehört habe lebten sie überwiegend glücklich in Danzig ( Brösen ).


                       
                      Viele Grüße
                      Hans-Jörg

                      Kommentar

                      • Marc Malbork
                        Forum-Teilnehmer
                        • 23.02.2008
                        • 1050

                        #41
                        AW: Keiner der Nachgeborenen hat unser Danzig gesehen

                        Zitat christkind:
                        ...Es wurde auch schon mal kritisiert, dass diese Jugend, geprägt von der HJ oder BDM, von ihrer Kindheit schwärmten.Verstehe ich überhaupt nicht.Ist das nicht ganz natürlich?...

                        Ja, natürlich ist das natürlich. Mein Papa hat auch geschwärmt. Er hat dann aber auch immer noch was dazu gesagt. Meine Bitte an unsere evtl. ja noch vorhandenen letzten BD-Mädels und H-Jungens: Erzählt doch mal von früher. Vom Dienst, von zu Hause, von eurem Danzig, das wir Nachgeborenen euch nicht wegnehmen können und wollen.

                        Nur Nazis und Polenhasser dürfen schweigen.

                        Übrigens, Wohlstand ist keine Schande und Armut macht auch nicht glücklich. Ich werde nicht der Einzige sein, der auch an Erinnerungen aus Danzigs herrlichen Villen, die Erhart oben zu Recht erwähnt, ein Interesse hat.

                        Kommentar

                        • Christkind
                          Forum-Teilnehmer
                          • 10.02.2008
                          • 1568

                          #42
                          AW: Keiner der Nachgeborenen hat unser Danzig gesehen

                          Na klar, verstehe - lieber arm dran als Arm ab!

                          "Nur Nazis und Polenhasser dürfen schweigen. "

                          Nicht nur schweigen.Hass und Nationalismus verderben den Charakter und machen unfrei.

                          Meine Geschwister konnten sich drücken vor diesen Mitgliedschaften HJ oder BDM, was mir ein Rätsel ist. Aber es lag wohl an der festen Bindung an die Kirche.
                          Und trotzdem hing das Hitlerbild an der Wand unter der Uhr.
                          Schließlich kamen ständig die Leute in die Wohnung, die meinen Vater unbedingt zu einer Namensänderung veranlassen wollten.Wer wollte da schon mehr riskieren als nötig? Wer kann sich heute noch vorstellen, wie schnell die Familie in Gefahr war, als politisch nicht linientreu zu gelten?
                          Meine Freundin, etwas älter als ich und auch aus Danzig, erzählte mir, wie in ihrer Familie die stumme Sorge zu spüren war, dass etwas ans falsche Ohr kam, was besprochen wurde.Wehe, wer nicht die Fahne aus dem Fenster hing!
                          Das war auch "Leben in Danzig", nach 1939.
                          ____
                          Grüße von Christa
                          Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                          (M. Gandhi)

                          Kommentar

                          • Hans-Joerg +, Ehrenmitglied
                            Forum-Teilnehmer
                            • 10.02.2008
                            • 5206

                            #43
                            AW: Keiner der Nachgeborenen hat unser Danzig gesehen

                            Hallo Christa
                            auch wieder so eine Frage..... wieviel % der Jungen und Mädchen in dem Alter waren bei der HJ BDM ? Meine Mutter hat NEIN gesagt und es nichts passiert.....!
                            Viele Grüße
                            Hans-Jörg

                            Kommentar

                            • Marc Malbork
                              Forum-Teilnehmer
                              • 23.02.2008
                              • 1050

                              #44
                              AW: Keiner der Nachgeborenen hat unser Danzig gesehen

                              Zitat christkind: ...Wer kann sich heute noch vorstellen...

                              Eben. Deshalb sollte uns von damals erzählen, wer immer nur kann. Für seine evtl. Nazieltern ist man übrigens nicht, für seine Jugenddummheit nur höchst beschränkt verantwortlich.

                              Wir hören zu und stellen nur Fragen.

                              Es gibt hier z. B. ein nettes Unterforum Erinnerungen/Erlebnisberichte im Forumsteil
                              Das historische Danzig und seine Geschichte

                              Wäre schön, wenn der eine oder andere dort oder anderswo im Forum noch ein wenig ins Plaudern käme.

                              Kommentar

                              • Heinzhst
                                Forum-Teilnehmer
                                • 10.02.2008
                                • 450

                                #45
                                AW: Keiner der Nachgeborenen hat unser Danzig gesehen

                                Rüdiger dann fang mal an: Erzähle mal wovon dein Papa geschwärmt hat.
                                Mir hätte es altermäßig zu den Pimpfen gereicht aber für Jungvolk und HJ war ich noch zu jung.

                                Heinz S.
                                Ich glaube nur das,was ich gesehen und erlebt habe.
                                A.G.

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