Verbindung zwischen Stobbe und Danziger Glashütte?

Einklappen
X
 
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles l
neue Beitr
  • Rootsgrubber
    Forum-Teilnehmer
    • 05.02.2010
    • 26

    #1

    Verbindung zwischen Stobbe und Danziger Glashütte?

    Liebe Freunde,

    Nach eingehendem Studium der Familiengeschichte meines Vaters fand ich heraus, daß meine Vorfahren seit mindestens 1650 n. Chr. (ab Ende des Dreißigjährigen Krieges) bis 1921 (Ende des Ersten Weltkrieges der Gründung der Freien Stadt). Wahrscheinlich aus den Niederlanden stammend, lebten sie die ersten zwei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts in Danzig-Schellmühl, wo etwa fünf meiner Verwandten für Danziger-Glashütte arbeiteten und den Rest der Familie weitgehend unterstützten. 1921 wanderten sie in die USA aus.

    Mein Urgroßvater August war für das Einfärben des Glases verantwortlich, seine Tochter Emilie packte die Flaschen in Kisten mit Stroh, ihre beiden Brüder kümmerten sich um die unglaublich heißen Glaswannen und mein Onkel Paul (der Sohn meiner Großmutter) hat die Formen kreiert für die dekorativen Flaschen und dergleichen. Ich habe gelesen, daß die Danziger-Glashütte AG im Jahr 1870 über 3.000.000 Flaschen verkaufte, 135 Angestellte hatte und mit ihren Wertpapieren an den Börsen prosperierte. Ich denke, zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatten sie vielleicht 250 Angestellte.

    Das Geschäft hatte anscheinend lange Blöcke von sogenannten Mietskasernen, in denen meine Familie 3 oder 4 Wohnungen mietete. Diese waren wahrscheinlich mindestens so komfortabel wie die Bauernhäuser in der Störbuderkampe oder Fischermanns Hütten im Bodenwinkel, in denen sie zuvor gewohnt hatten. Diese stelle ich mir aus Familienbiografien zusammen und was auch immer ich über die Glashütte im Internet finden kann.

    Vor etwa zehn Jahren stieß ich bei meiner Recherche im Internet auf eine Zeitung oder ein Gazette, die von -- oder für -- die Mitarbeiter der Firma geschrieben wurden, sogar eine schlechte Lithographie einer Mitarbeiterversammlung. Aber leider! Die Dokumente sind mir verloren gegangen, als ich umgezogen bin und meine Computer sind gestorben! (Benjamin Franklin sagte: "Drei Umzüge sind so schlimm wie ein Feuer!"

    Jetzt bin ich plötzlich auf eine andere Dokumentation gestoßen, daß meine Urgroßmutter in Stobbendorf geboren wurde (und nicht in Stutthof) und in Tiegenhof geheiratet hat. Meine Recherchen stoßen auf viel "Stobbe" und "Machandel" an. Plötzlich frage ich mich: Woher hat Herr Stobbe all die Glaswaren gekauft, die es über die Wasserstraßen bis zu seiner Fabrik geschafft haben? Könnte es sein, daß die berühmten Tönnchenflaschen und Tönnchengläser von meinem Onkel Paul am Leben gehalten wurden? (Nicht, daß er das Design erfunden hätte, aber die Formen verschleißen und müssen ersetzt werden.)

    Die Neugier, die mich dazu motiviert, diese Eventualitäten und Möglichkeiten aufzuzeigen, bewegt mich also dazu, jeden von Ihnen zu fragen: Kennt jemand von Ihnen eine Dokumentation, auf die ich Zugriff haben könnte und die meine Spekulationen möglicherweise vervollständigen könnte?

    Vielen Dank!
  • sarpei
    Forum-Teilnehmer
    • 17.12.2013
    • 6090

    #2
    AW: Verbindung zwischen Stobbe und Danziger Glashütte?

    Hallo Stephen,

    es gibt eine Reihe von Veröffentlichungen über Industrieunternehmen unter dem Titel 'Historisch-biografische Blätter'. In der Lieferung 1 gibt es einen Artikel 'Danziger Glashütte und Crystall - Sodafabrik, Danzig-Schellmühl'. Eine online verfügbare Version hiervon ist mir nicht bekannt.

    Im Buch 'Danzig in naturwissenschaftlicher und medizinischer Beziehung' aus dem Jahr 1880 findet sich folgender kurzer Absatz:

    "Die Danziger Glashütte Commandit-Gesellschaft auf Actien E. Schwiedop. Die Fabrik liegt bei Legau dicht an der Weichsel, ist vor ca. 7 Jahren begründet und nach neuestem System mit Regenerator-Feuerung eingerichtet. Sie fertigt nur grünes und haIbweisses Hohlglas, meist Bier-, Wein- und Liquerflaschen für den lokalen Bedarf. Als Feuerungsmaterial wird theilweise Torf benutzt."

    Zur Lokalisierung kann folgender Stadtplanauszug aus dem Jahr 1912 herangezogen werden:

    [ATTACH=CONFIG]25370[/ATTACH]

    Eine Verbindung zwischen der Danziger Glashütte in Danzig und dem/den Stobbe-Betrieb(en) in Tiegenhof habe ich in den mir zur Verfügung stehenden Unterlagen nicht herleiten können.


    Viele Grüße

    Peter
    Angeh

    Kommentar

    • sarpei
      Forum-Teilnehmer
      • 17.12.2013
      • 6090

      #3
      AW: Verbindung zwischen Stobbe und Danziger Glashütte?

      ... Danziger Adressbuch 1916:

      Broschkischer Weg 15 - Eigentümer Danziger Glashütte und Kristall-Sodafabrik GmbH

      Arndt, Glasmacher
      Börner, Glasmacher
      Bunschkowski, Glasmacher
      Detschke, Meister
      Gnebba, Pfleger
      Hein, Glasmacher
      Diniemirski, Arbeiterin
      Henschel, Glasmacher
      Henschel, Arbeiterin
      Hering, Schürer
      Hering, Arbeiterin
      Heymowski, Glasmacher
      Wolf, Former
      Heymowski, Glasmacher
      Dirks, Aufwärterin
      Konczak, Glasmacher
      Krawiez, Glasmacher
      Kurt, Glasmacher
      Mans, Glasmacher
      Kurt, Witwe
      Nagorski, Glasmacher
      Brauer, Glasmacher
      Lingmann, O. und W., Glasmacher
      Lingmann, Witwe
      Moissel, Glasmacher
      Mroski, Pfleger
      Müller, G., O. und W., Glasmacher
      Nickel, Kutscher
      Nickel, Glasmacher
      Noll, Buchhalter
      Odor, Glasmacher
      Krüger, Glasmacher
      Bukowski, Glasmacher
      Maslonka, Glasmacher
      Seyda, Pfleger
      Petruchs, Glasmacher
      Rösler, Witwe
      Rösler, Schlosser
      Schulz, L. und R., Glasmacher
      Springborn, Glasmacher
      Springborn, A. und G., Arbeiterinnen
      Will, Schürer
      Will, E. und K., Arbeiterinnen,
      Zeitz, Glasmacher
      Leisten, Glasmacher
      Ziegert, Glasmacher
      Lange, Arbeiter
      Ziegler, E. und O., Glasmacher
      Ziegler, Arbeiterin
      Ziegler, Hilfsweichensteller
      Zieske, Glasmacher
      Zöls, Pfleger


      Viele Grüße

      Peter

      Kommentar

      • sarpei
        Forum-Teilnehmer
        • 17.12.2013
        • 6090

        #4
        AW: Verbindung zwischen Stobbe und Danziger Glashütte?

        ...

        [ATTACH=CONFIG]25384[/ATTACH]

        ...
        Angeh

        Kommentar

        • Fischersjung
          Forum-Teilnehmer
          • 10.11.2015
          • 5608

          #5
          AW: Verbindung zwischen Stobbe und Danziger Glashütte?

          Hallo Peter,
          danke für deinen Zeitaufwand.
          Leider hat sich auch hier der Fragende, obwohl zwischenzeitlich im Forum online, nicht mehr bei dir gemeldet.

          Stephen R. Luckau :
          Zitat "1921 wanderten sie in die USA aus"

          Broschkischer Weg Nr. 16, Danziger Adressbuch von 1920
          - LAAK, Wagenfhr. (Eigentümer)
          - LUCKAU, Wagenfhr.
          - LUCKAU, Former
          - LINGMANN, Ww.

          Quelle: Stammbaum Ancestry
          Die Familie LINGMANN, 1916 wohnhaft im Broschkischer Weg 15, #3 von dir, gehört mit zur Familie LUCKAU.
          Grüße von Joachim

          Kommentar

          • sarpei
            Forum-Teilnehmer
            • 17.12.2013
            • 6090

            #6
            AW: Verbindung zwischen Stobbe und Danziger Glashütte?

            Hallo Joachim,

            wenn sich denn der Fragende dazu entscheidet KEINE weiteren Informationen zu erhalten, dann ist das sein Ding. Ich habe es aufgegeben, mich darüber aufzuregen.


            Viele Grüße

            Peter

            Kommentar

            • Rootsgrubber
              Forum-Teilnehmer
              • 05.02.2010
              • 26

              #7
              AW: Verbindung zwischen Stobbe und Danziger Glashütte?

              Peter! Joachim!! Alle meine anderen angesehensten Freunde und Korrespondenten!!

              Bitte erlaubet Euch mir, mich bei Ihnen allen für meine Verspätung und scheinbar unhöfliche Missachtung zu entschuldigen!

              Ich arbeite jetzt schon seit einigen Tagen an meiner Antwort, was meines Erachtens ein inakzeptables Verhalten in einem Forum ist. Jawohl, aber entgegen dem Anschein schätze ich Ihre Antworten und Ihre Freundschaft in höchstem Maße. Es scheint jedoch, dass es ein paar Dinge gibt, die mich verlangsamt haben.

              Erstens habe ich in wenigen Tagen meinen 78. Geburtstag. Dies neigt dazu, mich zu verlangsamen, wenn ich versuche, eine wichtige Handlung auszuführen.

              Als nächstes war ich mein ganzes Leben lang ein Perfektionist und habe versucht, die beste und detaillierteste Antwort zu geben, die ich konnte. Irgendwie habe ich mein Motto vergessen: "Perfektion ist eine Richtung, kein Ort."

              Und wie Euch allen sicherlich klar ist, ist Deutsch nicht meine Muttersprache. Ich habe diese schöne Sprache zuletzt 1967 offiziell studiert, aber jetzt komme ich kaum noch dazu, sie zu benutzen. Ich leiste das praktisch nur, wenn ein Mitglied meiner Familie mich bittet, für sie Genealogie zu machen. Ich bin der letzte meiner Generation, der noch ein brauchbares Maß an Deutsch hat, aber es ist jetzt ein Kampf, es richtig zu machen.

              Ich habe heute Morgen meinen eigentlichen Antwortbrief fertig gestellt, aber er umfasste ungefähr 10.000 Wörter – und Google Übersetzer hat ein Limit von 5.000 Wörtern. Also muss ich meine eigene unvollkommene Übersetzung bearbeiten.

              Schließlich habe ich heute versucht, ein Bild einzufügen, war aber nicht erfolgreich. Was ich tat, war, das Programm irgendwie zu sperren.

              So war mir auch nicht bewusst, dass es andere Antworten gab, von denen ich nicht wusste, dass sie da waren.

              Verzeihen Sie also bitte meine Unvollkommenheiten. Ich möchte dich wirklich als meine Freunde behalten. Ich werde die walgroße Antwort jetzt senden – wenn ich kann.

              ~Steve

              Kommentar

              • Rootsgrubber
                Forum-Teilnehmer
                • 05.02.2010
                • 26

                #8
                AW: Verbindung zwischen Stobbe und Danziger Glashütte?

                Geschätzter Freund Peter,

                Vielen Dank für Deine schnelle Antwort! Es tut mir leid, daß ich meine eigene Antwort so verzögert habe, aber es gibt mehrere interessante Punkte in dem, was Du geschrieben hast, und ich habe versucht, selbst angemessene Antworten zu finden.

                Vielleicht sollte ich damit beginnen, die Frage zu klären, warum ich mir die Mühe machen sollte, eine so triviale Frage um Stobbs und Danziger Glashütte zu stellen. Der Grund ist nämlich, daß mich ein Mitglied meiner Familie gebeten hat, eine Biographie über meine Urgroßmutter Adelgunde Regina Störmer Lingmann (1845-1926) zu recherchieren und zu schreiben. Die uns vorliegenden Informationen sind ziemlich begrenzt und verwirrend. Regina wurde jedoch in Stobbendorf geboren, in Tiegenhof geheiratet und wohnte anscheinend bis 1921 in der Mietskaserne auf der Glashütte.

                Also, das erste, was mir in Deinem Beitrag ins Auge gestochen ist, war natürlich die Liste der Glashütter Mitarbeiter aus dem Danziger Einwohner-Buch. Dort fand ich drei Personen namens Lingmann: die erwähnte Witwe ist eindeutig meine Urgroßmutter Regina (ihr Mann August Friedrich Wilhelm Lingmann arbeitete bis zu seinem Tod 1910 in Glashütte); Otto Gustav Lingmann und Wilhelm [x] Lingman (Zwillinge geboren am 23. Mai 1882 in Holm), sind meine Großonkel, beide Glasarbeiter.

                Ich freue mich über die Informationen, die Du in Deiner ersten Antwort über Wirtschaftsartikel zur Glasgießerei Dannzig gegeben hast. Ich habe es geschafft, das folgende Material zu finden, das dem von Dir bereitgestellten etwas ähnlich ist:


                Schellmühl bei Danzig, Danziger Glashütte. 52.
                Danzig (to;y<ip); Prov. Westpreußen, Preuß.

                52. Danziger Glashütte und Krystall-Soda-
                fabrik, G. m. b. H. in SchellmQhl (^r)
                bei Danzig. Provinz Westpreußen. m der
                königl. Ostbahn: Danzig- Olivadrtorbahn-
                hof. Entfernung 3 km. Eigentümer: 0.
                m. b. H. Direktor: Max Becker.

                Fabrikat: Flaschen aller Art.-Nr.

                2 Wannenöfen, System Nehse und Putsch.
                Kohlen und Torf. Dampfmaschine. 135 Arbeiter.
                Jahresproduktion : 3 Millionen Flaschen und
                25000 Ztr. krist. Sprudel. (Gegr. 1870.)

                Dieses Zitat scheint zumindest Deine Angaben zu bestätigen, daß das Unternehmen im Jahr 1870 gegründet wurde. Es ist nicht angegeben, auf welches Jahr sich die Produktionsnummer bezieht.

                Man könnte spekulieren, daß diese Fabrik einen Vorgänger gehabt haben könnte. Darauf deuten Daten wie die Eröffnung der Brennerei Stobbe im Jahr 1776 hin. Die Spirituosenproduktion in Danzig ging lange vor dem Machandel, wie auch Goldwasser, das 1598 eingeführt wurde. Früher wurden solche Produkte in hölzernen Tönnen vertrieben, so meine ich. Ich weiß aber nicht, wann Glasflaschen zum Standard wurden. Es könnte sich mit dem Beginn der industriellen Revolution entwickelt haben.

                Es ist jedoch ein interessanter Zufall, daß die früheste Abbildung von "Stobbe's 00 Machandel" im Malteser-Kreuz-Fläschen auch 1870 angeboten wurde. Das Design wurde erst einige Jahre später patentiert.

                Das von Dir beigefügte Kartenfragment läßt erkennen, daß sich die Glas-Gießerei im Jahr 1912 tatsächlich am Broschkischen Weg 17 (ul. Wiślna 17) befand. Dies ist für mich von Bedeutung, da mein Vater (Rudolf Hermann Luckau) geboren wurde am Broschkischen Weg 16 nebenan (stromaufwärts an der Weichsel Richtung Danzig) nur zwei Jahre später, in 1914.

                Ich habe ein Fragment der "Karte des Danziger Hafens", das die Br. 17 Los von der Danziger Elektrische Bahn belegt und derweile keine Spur von Glasmanufaktur. Dieses Fragment ist beschnitten und weist kein Datum auf; sie muß aber vor 1926 entstanden sein, denn das Fragment zeigt auch die in diesem Jahr umbenannte Paul-Bencke-Straße. (http://www.danzig.at/index.php?id=56,581,0,0,1,0).

                {Kartenfragment}

                Das Einwohnerbuch von 1937-38 enthält den Eintrag für Br. 15 von "Glasfabriken Ujścię ['Mund'] (Polen) (vormals Friedr[ich] Siemens Dresden) E(igentümer]" -- der Name bezieht sich offenbar auf Wisłoujście = Weichselmünde (Festung an der Weichselmündung), und steht als Beweis für die Auflösung der AG 1870. Ob die "Glasfabriken Ujścię" eine Verbindung zu den "Glashütten" (manchmal als grammatikalischer Plural dargestellt) hatte oder nicht, ist unbekannt. Danziger Glashütte könnte an die Glasfabriken Ujści ausverkauft sein.

                Ich glaube, die eigentliche Insolvenz ("Liquidation") der "Glashütten" muß um 1918-20 mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Auflösung der Freien Stadt stattgefunden haben. Die Änderung der finanziellen Regelungen muß nicht unbedingt das Ende der Glasproduktion bedeuten.

                Ein Stadtplan von 1920 zeigt das Grundstück von Br. 17 als leer und zeigt im Gegensatz dazu das Los bei Br. 16 als "Danziger Elektrische Bahn G.m.b.H." das Grundstück, auf dem mein Vater geboren wurde und wo sein Vater als Straßenbahnfahrer und Hofvorsteher arbeitete. Der Rest der Kartennomenklatur scheint zur Weimarer Republik zu gehören und nicht zur Freien Stadt.

                Die nächste stromabwärts gelegene Seite von Nummer 17 definierte die senkrechte Ecke mit der Marxstraße, einer kleinen Straße, die ungefähr nordwestlich landeinwärts verlief. Sie sollte nicht mit den verschiedenen anderen Straßen in Danzig/Gdansk verwechselt werden, die nach Karl Marx von "Das Kapital" benannt sind.

                Das Haus Broschkischer Weg 17 hatte offenbar den angrenzenden Betrieben als "Gasthof" oder Wirtshaus (mit Mietwohnungen) gedient: "Hermann Kennke, Gastwirt". Das Verzeichnis von 1937-38 ist eine Quelle, worin die Lingmanns damals noch in der Marxstraße 7d wohnten. Du fragst Dich vielleicht, wie ein Mann mit seiner Witwe zusammenlebt – nun, das Verzeichnis ist auf zwei Jahre angelegt, und man kann annehmen, daß Otto 1938 gestorben ist.

                Danziger Einwohnerbuch 1937-38
                -- I. Teil Alphabetisches Verzeichnis der Einwohner
                Seite 264 Lingmann Otto Arb[eiter] Marxstraße 7d
                Lingmann Marie Wwe [Witwe] Marxstraße 7d
                -- I. Teil Alphabetisches Verzeichnis der Straßen
                "Benannt nach Salomon Marx, einem Industriellen, der den Oberpräsidenten v Goßler bei Föderung der Industrie im Osten beriet, Gründer der Nordd. Stahl und Elektrizitätswerke der elektrischen Bahn, Danzig--Neufahrwasser--Brösen."

                Ungeachtet der Errungenschaften von Salomon Marx galt sein Name als vom Gespenst des kommunistischen Halbgottes im Osten befleckt. Die Annexion der Freien Stadt durch die Nazis 1939 war offenbar die Zeit der Umbenennung des Unternehmers Marx in den Kolonialexperten Lüderitz [https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Lüderitz], der die Kolonie Namibia (Deutsch-Südwestafrika).


                Danziger EinwohnerBuch 1942
                --II. Teil Straßenverzeichnis
                Seite 250 "Marxstraße" (Schellmühl) jetzt Lüderitz"
                Seite 242-243 "Lüderitzstraße" (Schellmühl)
                1 2 3 4 6 13 reserviert
                5 Danziger Hütte AG (Liquidation Gotthardt)
                Nummern 7a bis 7e sind 7-Personen-Wohnungen
                Einheiten im Besitz von Danzig Glashütte vermietet
                als Unterkunft und Verpflegung für seine Mitarbeiter.
                7d ..., Lingmann Marie Witwe (von Otto) ....

                Um 1945-46 besiedelten Emigranten aus Ostpolen das Gebiet der Marxstraße wieder, obwohl das Gasthaus oder die Taverne als solches weitergeführt worden sein könnte. Der Gastwirt Kennke scheint um 1940 gestorben zu sein. Nach dieser Zeit wurde die Lüderitzstraße offenbar in Załogowa umbenannt. (Anscheinend bedeutet "Schiffsbesatzung".) Letztlich ging es erscheinlich nur als "Crash-Pad" (unberechtigte Wohnung) weiter, bis es an der Zeit war, das Los zu "gentrifizieren".

                Das Haus überlebte bis 2007, bis es dem Erdboden gleichgemacht und durch einen Schiffsausrüster ("Chandler") ersetzt wurde, der synthetische Schiffsschmierstoffe verkauft, der jetzt das [ehemals Eck-] Grundstück besetzt. Załogowa wurde nun von einem Tor der Margarinefabrik verstopft, das ein angeschlagenes Industriegelände umschließt, auf dem sich die Mietshäuser der Glasfabrik befanden, anscheinend aufgrund der Anerkennung und Zonierung der Stadtstrategie für Nichtwohnnutzung. Heute steht dort jedoch ein kleines Hotel.

                Was meine Frage zu Flaschen und Stobbe angeht, sehe ich derzeit keine entscheidendes Beweis. Vielleicht geht das alles nur um ein Zufall.

                Ich danke Dir noch einmal sehr für Deine Beiträge.

                ~Steve

                Kommentar

                • Rootsgrubber
                  Forum-Teilnehmer
                  • 05.02.2010
                  • 26

                  #9
                  AW: Verbindung zwischen Stobbe und Danziger Glashütte?

                  Peter!

                  Danke für das markante Bild der Glashütte!

                  Meine Großmutter Emile Elisabeth Lingmann Luckau (1875-1958) erzählte uns (1953) Geschichten, wie sie ein paar Pfennige verdiente, indem sie diese in Stroh gewickelten Flaschen in Kisten verpackte. Auch ihr Vater August Lingmann (Ehemann von Regina) arbeitete dort, starb aber 1910.

                  Kommentar

                  • Rootsgrubber
                    Forum-Teilnehmer
                    • 05.02.2010
                    • 26

                    #10
                    AW: Verbindung zwischen Stobbe und Danziger Glashütte?

                    Joachim! Tut mir Leid für meine zögerliche Antwort!

                    Um den zeitlichen Ablauf der Auswanderung unserer Familie Luckau aus der Freien Stadt in die USA zu erklären, füge ich hinzu:

                    1920 (3) -
                    Emilie Elisabeth [Lingmann] Luckau (1875-1958) wanderte mit ihren beiden Söhnen Fritz [Friedrich Hermann] Luckau (1906-1966) und Rudi [Rudolf Hermann] Luckau (1914-1978) aus. Auf der Passagierliste des Ozeandampfers RMS Aquitania wird der Name "Luchan" geschrieben. Ihr Ehrmann Paul Luckau (1868-1920) hatte bereits sein Ticket, starb aber wenige Monate vor der Abfahrt der anderen drei an Herzversagen.


                    Mein Großvater war der "LUCKAU Wagenführer" im "Broschkischen Weg Nr. 16" . Er wurde auf dem Fronleichnamsfriedhof in Danzig beigesetzt.

                    1921 (5) --
                    Opa Pauls ungenutzte Fahrkarte wurde bei Regina Lingmann (1845-1926), seiner überlebenden Schwiegermutter, beantragt, die wenige Monate später mit der RMS Aquitania von England in die USA reiste. Begleitet wurde sie von ihren beiden Enkeln und deren beiden Ehegatten:

                    -->Paul Hermann Emil Luckau (1894-1971) wurde als "LUCKAU, Former" geführt, der Hersteller der Gießformen für die Flaschen arbeitete. Es wird nicht erwähnt, dass er von seiner neuen ersten Frau Eleonora Franziska [Eichler] Luckau (ca. 1890-1921) begleitet wurde, die einen Monat nach Ankunft in den USA an Meningitis starb.

                    -->[Nicht im Adressbuch] Hedwig Emilie Pauline [Luckau] Vom Veld (1897-1971), die arbeitete im Postamt am Broschkischen Weg, wurde von ihrem neuen Ehemann, ehemaliger Maschinistengehilfe in der Kaiserlichen Marine, ebenfalls nicht begleitet in dieser speziellen Information, aber Albert Leo Vom Feld (1891-1972) genannt.

                    Zu der anderen im Adressbuch genannten Person gibt es eine gute Frage: "LAAK, Wagenfhr. (Eigentümer)". Mir ist keine Person dieses Namens bekannt, noch halte ich ihn für eine wahrscheinlich neuere Variante von LUCKAU. Sie können beide vom Proto-Westgermanischen abstammen. Außerdem ist er, obwohl er denselben bescheidenen Beruf wie mein Großvater Paul hat, als Besitzer aufgeführt. Natürlich habe ich keine Ahnung, was es braucht, um ein Stück Danziger Elektrische Bahn zu kaufen.

                    ~Steve

                    Kommentar

                    • Rootsgrubber
                      Forum-Teilnehmer
                      • 05.02.2010
                      • 26

                      #11
                      AW: Verbindung zwischen Stobbe und Danziger Glashütte?

                      Postskriptum:

                      Was für eine Einheit ist "Quelle: Stammbaum Ancestry"?

                      ~Steve

                      Kommentar

                      • Fischersjung
                        Forum-Teilnehmer
                        • 10.11.2015
                        • 5608

                        #12
                        AW: Verbindung zwischen Stobbe und Danziger Glashütte?

                        Hallo Steve
                        Zu Ancestry habe ich dir eine PN (persönliche Nachricht) geschickt.

                        Zum Adressbuch 1920, Broschkischer Weg Nr. 16
                        siehe hier im Link:

                        Bild 586
                        II. Teil, Seite 38


                        hier steht LAAK als Eigentümer, NICHT die Danziger Eisenbahn.
                        Der Eigentümer war ein William LAAK (siehe I.Teil, Seite 240 im Adressbuch von 1920, Bild Nr. 276)

                        1920 wohnte die Witwe LINGMANN auch im Broschkischer Weg 16.
                        Hier KANN es sich um
                        Adelgunde Regina Elisabeth Stoermer,
                        Geburt 3 August 1845 • Stobbendorf,Marienburg,Westpreussen,Prussia
                        Tod 26 September 1926 • Salt Lake, Utah, United States
                        handeln.
                        Sie war mit
                        August Ferdinand Wilhelm Lingmann
                        Geburt 27 Oktober 1844 • Danzig Stadt, Westpreussens, Prussia
                        verheiratet. Er starb am 10.01.1910
                        -----

                        Die Einwohner 1920 im Broschkischer Weg Nr. 15 findest du davor und auf der Seite 37, II: Teil
                        -----

                        Weitere Adressbücher u.a. Danzig findest du auch hier:
                        Grüße von Joachim

                        Kommentar

                        • Fischersjung
                          Forum-Teilnehmer
                          • 10.11.2015
                          • 5608

                          #13
                          AW: Verbindung zwischen Stobbe und Danziger Glashütte?

                          Hallo Steve

                          Adressbuch 1937/1938 gehörte der Broschkischer Weg 16 der Danziger Straßenbahn AG
                          Link frei einsehbar:


                          William LAAK, Straßenbahn Wagenführer wohnte 1937/1938 in Danzig Albrechtstraße 14.
                          Link frei einsehbar:
                          Grüße von Joachim

                          Kommentar

                          • Rootsgrubber
                            Forum-Teilnehmer
                            • 05.02.2010
                            • 26

                            #14
                            AW: Verbindung zwischen Stobbe und Danziger Glashütte?

                            Ausgezeichnet! Genau solche URLs mit Adreßbücher habe ich gesucht! Danke schön!

                            Vor etlichen Jahren hatte ich Zugang zu einer Sammlung wie diese, aber mir ist er leider verlorengegangen. Zur Zeit habe nur zwei Adreßbücher zuhanden in minem Komputer, und zwar diejenige von 1937-38 und 1942. Süß ist es denn, Zugang zu solchen wieder zu haben!



                            --Steve

                            Kommentar

                            • sarpei
                              Forum-Teilnehmer
                              • 17.12.2013
                              • 6090

                              #15
                              AW: Verbindung zwischen Stobbe und Danziger Glashütte?

                              Hallo Steve,

                              zu deinem Beitrag #8 folgende Anmerkungen:

                              o Deutschlands Glas-Industrie: Adressbuch sämtlicher deutschen Glashütten, 14. Auflage aus dem Jahr 1907

                              52. Danziger Glashütte und Krystall-Sodafabrik, G. m. b. H. in Schellmühl bei Danzig. Provinz Westpreussen.
                              [Eisenbahnanschluss] der königl. Ostbahn: Danzig- Olivaertorbahnhof. Entfernung 3 km.
                              Eigentümer: G. m. b. H. Direktor: Max Becker.
                              Fabrikat: Flaschen aller Art.
                              2 Wannenöfen, System Nehse und Pütsch.
                              Kohlen und Torf. Dampfmaschine. 135 Arbeiter.
                              Jahresproduktion: 3 Millionen Flaschen und 25 000 Ztr. krist. Soda. (Gegr. 1870.)

                              Die Jahresproduktion bezieht sich also wohl auf den Anfang des 20. Jahrhunderts.

                              o Adresse der Danziger Glashütte in den Danziger Adressbüchern ist erst ab 1916 nachweisbar: Broschkischer Weg 15 (nicht 17!, bitte richtig zitieren); vorher nur: Danzig-Schellmühl.

                              o Die Danziger Glashütte wurde 1870 in der Rechtsform einer GmbH gegründet und im Jahr 1873 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.
                              Gemäß 'Statsanzeiger für die Freie Stadt Danzig' Nr. 81 vom 07.11.1934 befand sich die Danziger Glashütte zu diesem Zeitpunkt 'in Liquidation'.

                              o Nachstehender Stadtplanauszug aus einem Plan von 1920 zeigt sehr wohl eine Bebauung des Grundstücks Broschkischer Weg 15 (nicht 17)!

                              [ATTACH=CONFIG]25385[/ATTACH]


                              Viele Grüße

                              Peter
                              Angeh

                              Kommentar

                              L