Maler, Grafiker, Bildhauer

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  • waldkind
    Forum-Teilnehmer
    • 06.10.2008
    • 2366

    #211
    AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

    Hallo alle miteinand,
    und danke für die hilfreichen Überlegungen.

    Ich habe im AB 1831 noch einmal nachgelesen. Da steht "Jetzt ziert es nicht mehr die Mitte des Artushofes."
    Nun nach allen unseren Überlegungungen kann es bedeuten, dass sie das Standbild an den Rand geschoben haben, von der Mitte weg. Im AB hatte es so wehleidig geklungen als sei das Standbild gänzlich verschwunden. Als ortsunkundige stelle ich mir nun vor, die Statue hat in der Mitte der Halle, am Besten in der Halle, wo die Kaufleute gezecht haben, gestanden. So konnte jeder Kaufmann zu jeder Zeit sehen, wem er sein Glück zu verdanken hat. In dem Augenblick aber, in dem der August an den Rand, in den Hintergrund verschoben wird, ist es nämlich mit der "ewigen Dankbarkeit" vorbei. Ignoranz oder Undank war also Augusts Lohn für sein Zugeständnis und nur der Marmor zeugt noch von dem ursprünglichen Wert seiner Zugeständnisse für die Danziger Kaufleute. So schreibe ich euch das nette Gedicht auf, das den AB-Eintrag besiegelt, nicht nur als Zeichen dafür, dass Abücher mehr zu bieten haben als nur Adressen.

    Denkst du daran an jene Zeit des Glückes,
    Wo sich gehäufet deiner Väter Schatz,
    und schauest jetzt nicht schwermuthsvollen Blickes
    Auf diesen öden Königlichen Platz?
    Ein Handelsrichthaus hat er dir gegeben,
    Aristokraten traf sein Herrscherzahn.
    Die Väter priesen ihn! nach ihrem Leben
    Verehr ihn auch. - Doch du denkst nicht daran.

    Napoleon hat also diesmal nichts damit zu tun LG waldkind.
    Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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    • waldkind
      Forum-Teilnehmer
      • 06.10.2008
      • 2366

      #212
      AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

      Jetzt kommen wir der Sache auf den Grund. Denn Johann Carl Schulz hat in seinem Werk "Danzig und seine Bauwerke" auch an das Innere des Artushofes gedacht. Auf einem seiner Radierungen (bei mir auf Seite 37) sehen wir wo die Statue in der Halle positioniert war. Das hat sehr viel Ähnlichkeit mit der Postkarte. LG wk.
      Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

      Kommentar

      • waldkind
        Forum-Teilnehmer
        • 06.10.2008
        • 2366

        #213
        AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

        Noch einmal bin ich fündig geworden zu August III.-Denkmal. Der Curicke schreibt natürlich auch über den Artushof. Er hat die gesamte Rede für die Eröffnungsfeier abgedruckt. Dazu gibt es ein Bild zu der Statue. Da hatte Meisner wohl versucht, aus August III. einen Cesar zu machen, der als größter Imperator überhaupt galt. Auf dem Haupte und auf dem Helm ein Lorbeerzweig, das Symbol des Sieges. Unten rechts im Sockel steht etwas geschrieben, was ich gerne lesen würde, aber es nicht lesen kann. Die Rede wurde gehalten von Friedrich Gottlieb Remmerson, dem ersten Quartiermeister des Roggen-Quartiers. Dass gerade dieser die Rede hielt, war gewiss kein Zufall. Ist es doch ein Hinweis darauf, dass Danzig und Polen auf einander angewiesen waren. Denn Danzig vertrieb den Roggen (und anderes Getreide) aus Polen in die weite Welt.

        Jetzt wüsste ich eigentlich nur noch gerne wer das Bild von der Statue gestochen bzw. gezeichnet hat. LG wk.
        Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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        • Ulrich 31
          Forum-Teilnehmer
          • 04.11.2011
          • 8548

          #214
          AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

          Weitere Gedanken zum Verschwinden der August III.-Statue aus dem Danziger Artushof

          Ich kann mir denken, dass den verfluchten Nazis in Danzig der von den Danziger Kaufleuten gehuldigte Polen-König im Artushof (siehe #209) sehr missfallen hat. Und deshalb kann ich mir weiter denken, dass diese Nazis die August-Statue aus dem Artushof entfernten, zerstörten und/oder in der Ostsee versenkten.

          Ulrich

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          • Antennenschreck
            Forum-Teilnehmer
            • 05.09.2011
            • 1833

            #215
            AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

            Hallöle,

            Seit 1748 wüteten in Danzig heftige innere Auseinandersetzungen zwischen dem Rat und der dritten Ordnung. Die dritte Ordnung, die eine bedeutende Erweiterung ihrer Rechte anstrebte, wandte sich nun klagend an König August III. Dieser nahm sich dann der Sache anund schickte auch mehrfach Kommissionen nach Danzig. Schließlich wurde der ganze Handel durch königliche Einwirkung 1752 zu Gunsten der dritten Ordnung entschieden. Auf Seiten der dritten Ordnung stand bei diesem Streit auch die gesamte Kaufmannschaft Danzigs. Auch sie erreichte nun die Erfüllung eines lebhaften Wunsches, nämlich die Einsetzung eines Kommerzien Kollegiums und Handelsgerichtes. Auch in politischer Hinsicht hatte sie den Hauptvorteil aus diesem Streit getragen; denn es wurde jetzt der cdritten Ordnung das Recht eingeräumt, für ein Drittel der Ratsstellen Männer aus dem eigenen Kaufmannsstand stellen zu dürfen. Und genau für dieses Zugeständnis wollten sie dem König August ihren großen Dank abstatten. Sie beschlossen daher, seine Statue aus weißem Marmor anfertigen und im Arthushof aufstellen zu lassen. Die Statue, die jetzt wieder ebenso frei wie anfangs im mittleren Raum steht, während sie von 1831 – 1857 sehr schlecht in der Nordwestecke unter der Holzfigur des heiligen Reinhold untergebracht war, ist von älteren Beurteilern vielfach hart getadelt worden, namentlich von Bernonilli. Ein so kompetender Beurteiler dagegen wie Schultz mein, dass diese Kritiken unverdient sind. König August der III. ist hier in römischer Tracht, mit dem Feldherrenstab in der Hand dargestellt.


            Wer war nun dieser König August III. eigentlich?


            Im Jahre 1733 starb der König August II., und es kam zu einer Doppelwahl. Die russisch-österreichische Partei unter dem polnischen Adel wählte den Sohn von August II., eben jenen besagten August III.; die andere von Frankreich unterstützte Partei aber, unterstützte Augusts II. alten Gegner Stanislaus Leßczynski, der inzwischen zum Schwiegervater König Ludwigs XV. von Frankreich geworden war. Die Folge von dieser Doppelwahl war ein Krieg, der aber nicht nur ein normaler Bürgerkrieg war, sondern durch die Teilnahme der europäischen Großmächte zu einem allgemeinen europäischen Krieg, dem sogenannten polnischen Erbfolgekrieg aufgewertet wurde. Danzig hatte bei dieser Wahl aber Stanislaus Leßczynski gehuldigt; dieser konnte sich allerdings schon bald gegenüber seinen Feinden nicht mehr in Polen halten, und flüchtete schon wenige Wochen nach seiner wahl nach Danzig, weil er sich hier Aufnahme und Schutz erhoffte. Die Bürger von Danzig hielten ihm auch weiterhin die Treue und nahmen ihn auf. Man war sich in Danzig sicher auch der Folgen einer solchen Aufnahme bewusst, und ging sogleich an die Vorbereitungen für die jetzt unvermeidbare Belagerung; die städtischen Truppen wurden vermehrt, die Festungswerke verstärkt, und es wurde auch ein Bündnisvertrag mit dem französischen König abgeschlossen. Stanislaus Leßczynski, der in Danzig mit allen Ehren eines Königs behandelt wurde, wiegte sich hier vorerst auch in Sicherheit. Im Februar 1734 rückten dann aber die ersten russischen Truppen gegen Danzig heran, wobei die eigentliche Belagerung aber erst am 16. März desselben Jahres begann; diese Belagerung dauerte dann über ein Vierteljahr an. Nach langer Zeit erschien dann endlich die französische Flotte zur Hilfe, und landete auf der Westerplatte. Doch gelang es nun den französischen Truppen nicht, überhaupt bis nach Danzig vorzudringen. Inzwischen wurde die Belagerung auch noch durch ein sächsisches und ein weiteres russisches Heer verstärkt, so dass am Ende wohl über 40000 Mann vor Danzig lagerten. Am 24. Mai mussten dann die Franzosen auf der Westerplatte kapitulieren und wurden als Kriegsgefangene nach Russland gebracht; an diesem Tag erfolgte auch die Übergabe von Weichselmünde an die Russen, womit auch das weitere Schicksal von Danzig besiegelt war. Die kapitulation von Danzig wurde dadurch erleichtert, dass Stanislaus Leßczynski in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni heimlich aus Danzig nach Preußen geflohen war, wo ihm Friedrich Wilhelm I. sicheres Asyl gewährte. Danzig musste nun also August III. als König von Polen anerkennen.


            lustigerweise sind die sächsischen Angaben zu diesen Leuten scheinbar um eins niedriger:

            Friedrich August I, war sächsischer Herrscher in den Jahren 1694 bis 1733 Friedrich August II, war sächsischer Herrscher in den Jahren 1733 bis 1763

            Tschü...
            Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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            • Ulrich 31
              Forum-Teilnehmer
              • 04.11.2011
              • 8548

              #216
              AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

              Hallo Arndt,

              danke für Deine historischen Informationen in #215. Darf ich nach deren Quellen fragen. - Mich interessiert jetzt mehr der Verbleib der August III.-Statue im Artushof, wozu ich in #214 vage spekuliert habe. Vielleicht gibt es dazu schriftliche Berichte, möglicherweise eher polnische, die Licht in das bisherige Dunkel bringen. Und vielleicht gelingt es einem/einer aus unserem Forum, in dieser Richtung fündig zu werden. Das fände ich prima.

              Beste Grüße
              Ulrich

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              • love danzig
                Forum-Teilnehmer
                • 09.11.2015
                • 1494

                #217
                AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                Hallo Ulrich.
                Ich kenne in Danzig auch Muzeumsangestellte , ich denke sie können helfen.
                Es dauert ein paar Tage (Corona) Aber ich melde mich.
                Grüße Roman

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                • Ulrich 31
                  Forum-Teilnehmer
                  • 04.11.2011
                  • 8548

                  #218
                  AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                  Danke, Roman, für Deine Unterstützung. Aber vielleicht kann in dieser Sache auch unser Forum-Teilnehmer Hagelsberger helfen.

                  Gruß Ulrich

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                  • Antennenschreck
                    Forum-Teilnehmer
                    • 05.09.2011
                    • 1833

                    #219
                    AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                    Hallo Ulrich,

                    der Text stammt bis auf einige Umformulierungen meinersets aus dem Buch "Der Arthushof in Danzig und seine Brüderschaften, die Banken" von Dr. Paul Simson aus dem Jahre 1900, welches im Auftrag der vereinigten Banken Danzigs verfasst wurde.

                    LG Arndt
                    Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                    • waldkind
                      Forum-Teilnehmer
                      • 06.10.2008
                      • 2366

                      #220
                      AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                      Corona hat auch was Gutes. Wir können uns in aller Ruhe um das Standbild August III. kümmern.
                      Meine Überlegungen gehen ganz mit denen von Ulrich konform. Die Polen werden das Standbild kaum zertrümmert haben. Bedenken wir einmal, dass so ein Standbild, wenn man es nicht für wert schätzt, einen dollen Materialwert hat. Man hätte alles Mögliche daraus fertigen können. Nebenbei bemerkt war Hitler ein Kunstschätzer, der zur Realisierung seiner Ideen gewiss solches Material gebraucht hätte. Aber das sind Mutmaßungen. Um so schöner sollte es sein, wenn Roman oder andere über ihre Kontakte Informationen bekämen.

                      Was die Geschichtszahlen angeht, so haben unsere Vorfahren ein bisschen wild durcheinander phantasiert. Man muss die Zahlen immer mit Vorsicht genießen und bestenfalls noch mal überprüfen.

                      Ich habe immer im Kopf das Standbild sei aus weißem Marmor (keine Ahnung warum). Aber das bringt mir die Frage nach dem Material an sich ein. Dazu hat wikipedia einiges zu bieten. Auch ein paar schöne Fotos. Man kann sich damit auf alle Fälle Corona-Langeweile vertreiben. LG wk.
                      Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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                      • waldkind
                        Forum-Teilnehmer
                        • 06.10.2008
                        • 2366

                        #221
                        AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                        Hier noch die Liste von Marmore aus wikipedia. Das flößt einem doch Respekt ein, dass ein Bildhauer zu all den vielen Steinen, die es gibt, Kenntnisse über ihre Bearbeitbarkeit und Eigenschaften Kenntnisse hat.


                        Vielleicht fällt euch spontan ein, welche Marmor-Kunstwerke Danzig sonst noch zu bieten hat bzw. hatte? LG wk.
                        Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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                        • waldkind
                          Forum-Teilnehmer
                          • 06.10.2008
                          • 2366

                          #222
                          AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                          Bin schon wieder da.
                          Mir ist erst jetzt aufgefallen, dass man bei der Postkarte "August III. im Artushof" die Rückseite anklicken kann. Leider kann ich nicht alles lesen. Aber sie wurde in der Kunst- und Verlagsanstalt Schaar und Dathe in Trier gedruckt. Diese Anstalt soll 1895 gegründet worden sein und 1932 mit der Graphischen Kunstanstalt Ernst Klein fusioniert sein. 1934 soll sie liquidiert worden sein und ab 1939 als Graphische Kunstanstalt H. Dackweiler & Co weitergeführt worden sein. Das sind ungeprüfte Infos, aber vielleicht hilft es beim Suchen weiter. Vielleicht kann ja jemand etwas mehr entziffern auf der Postkarten-Rückseite oder findet sogar noch irgendwo eine Jahreszahl dazu.
                          Jedenfalls wird die Möglichkeit der Aufnahme dieser Karte auf den Zeitraum 1895 - 1932/1934 eingeschränkt. Lg wk.
                          Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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                          • Ulrich 31
                            Forum-Teilnehmer
                            • 04.11.2011
                            • 8548

                            #223
                            AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                            Liebes Waldkind,

                            auf der (unbeschriebenen) Rückseite der betr. Postkarte (siehe #201) ist außer dem von Dir dort schon Gelesenen (siehe #222) nur noch zur Kunst- und Verlagsanstalt ergänzend angegeben: "Komm.Ges.a.Akt." (also: Kommanditgesellschaft auf Aktien). Angaben zur Ausgabezeit jener Karte fehlen dort.

                            Beste Grüße
                            Ulrich

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                            • love danzig
                              Forum-Teilnehmer
                              • 09.11.2015
                              • 1494

                              #224
                              AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                              Hallo,
                              bis 1936 stand diese Figur in der Mitte der Halle, sie wurde von den Faschisten entfernt.
                              Gruß Roman.

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                              • waldkind
                                Forum-Teilnehmer
                                • 06.10.2008
                                • 2366

                                #225
                                AW: Maler, Grafiker, Bildhauer

                                Vielen Dank Ulrich und vielen Dank Roman! Dass das Standbild zuletzt in der Mitte der Halle gestanden haben soll, wundert mich.
                                Nun habe ich auch noch etwas für euch. Hans Joachim Kürtz zeigt in seinem Buch "Danzig" (Eller & Richter Verlag) auf den Seiten 44-45 eine historische Innenansicht des Artushofes, also mit dem Standbild. Das erklärt nun auch, warum ich das Standbild in meinem Inneren immer in dem weißen Marmor gesehen habe. Unbewusst hält sich so manches frisch. Ein sehr schönes Bild. Da sieht man auch den Helm ganz gut. Leider finde ich in diesem Buch nur eine sehr dürftige Quellenangabe für die Abbildung, nämlich "Krzysztof Izdebski Gdansk". Und so bleibt es mir ein Rätsel wer dieses Bild geschaffen hat und aus welchem Jahre es stammt. Wer dieses Buch hat, schaue doch mal dort hinein. Vielleicht fällt es ja jemandem ein, von wem dieses Bild ist. LG für einen schönen Sonntag. wk.
                                Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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