Danziger Singakademie

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  • Belcanto
    Forum-Teilnehmer
    • 24.09.2008
    • 2507

    #1

    Danziger Singakademie

    Danziger Singakademie
    Die Danziger Singakademie ist hier als Einzelthema noch nicht behandelt worden, deshalb würde ich gerne darauf mal zu sprechen kommen. Beim Thema 100 Jahre Zoppoter Waldoper habe ich schon von den Anfängen berichtet.

    Nachdem ersten gemeinsamen Treffen, bei Geheimrat von Gralath und später im Stobbeschen Saale, erfolgte das zweite öffentliche Auftreten am 28 April 1817, zu einer Aufführung von Hayden`s Schöpfung im russischen Haus, zum Besten der Armen stattfand.

    Das russische Haus lag in der Holzgasse, damals Nr. 29 und 30 an der Stelle der heutigen Viktoriaschule. Ursprünglich Gasthof, wurde es später von den Altlutheranern für ihre Versammlungen und später als Auktionsraum genutzt.
    Nachdem Auftritt im russischen Haus, fand am 10 November 1817 die „Gymnasialfeier des Reformationsfestes infolge eines Auftrages von einem hochedlen Rate“,verbunden mit der feierlichen Vereinigung der Marienschule mit dem Gymnasium statt.
    Die Marienschule lag am Pfarrhof, zwischen der Korkenmachergasse und der kleinen Krämergasse. 1817 wurde sie als Vorschule dem Gymnasium angegliedert und am 11. Mai 1827 in die Langgasse verlegt in das spätere Polizeigebäude in der Nähe der jetzigen Hauptpost. Von 1834-1837 war das Gymnasium in einem anderen Haus der Langgasse gegenüber der Beutlergasse untergebracht. Seine endgültige Unterkunft, das Gymnasium am Buttermarkt, dem heutigen Winterplatz, in dem Gebäude, dessen Grundstein der Kronprinz und späterer König Friedrich Wilhelm IV. am 13. Januar 1834 legte und das am 5. August 1837 eingeweiht wurde.
    Die oben erwähnte Feier fand im Stadtabgeordnetensaal des Rathauses statt, da das große Auditorium im künftigen Gymnasialgebäude, der ehemaligen Oberpfarrschule zu diesem Zweck noch genutzt werden konnte.
    Dr. Kniewel hatte hierfür einen Chor von 40 Stimmen und ein Orchester von 30 Mann bilden können und brachte eine von ihm selbst vertonte Kantate, nach einem Text vom Konsistorialrat Prof. Blech und ein Stück aus Händels Messias (im ganzen sieben Chöre) das Duett:“Der Tod ist verschlungen durch den Sieg und als Schlusschor das.“ Halleluja, denn Gott der Herr regierend allmächtig.“
    Die Chöre sangen so gut, dass der Wunsch geäußert den Zusammenschluss mit den „ Freunden der Singekunst“ enger zu gestalten und einen Verein zu bilden. (Kann fortgesetzt werden)
  • Belcanto
    Forum-Teilnehmer
    • 24.09.2008
    • 2507

    #2
    AW: Danziger Singakademie

    [FONT=&quot]Fortsetzung: Kniewel empfahl einen ständigen Direktor der Gesellschaft, zu wählen und ihm ein festes Jahresgehalt zu gewähren. Auch könnte man beim Rat beantragen den Gewählten als Stadtkapellmeister und Singlehrer beim Gymnasium und den höheren Stadtschulen anstellen. Daraus wurde aber nichts, weil Musikdirektor Friedrich schon seit mehreren Jahren, den größten Teil des Stadtkapellmeisters erhielt.[/FONT]
    [FONT=&quot]Als Kniewel für den Posten des musikalischen Leiters nur Musikmeister Joseph Javorek vorschlug, wurde dieser Vorschlag abgelehnt, weil man meinte unter ihm nicht ordentlich singen zu können. Javorek aus Wien von Frantzius nach Danzig mitgebracht.[/FONT]
    [FONT=&quot]In meinen Unterlagen ist vom „ älteren von Frantzius die Rede. Den kann ich aber nicht zuordnen. Bekannt ist mir nur Alexander von Frantzius, den am 10.Juni 1821 in Danzig wurde. Es muss sich bei „älteren“ vielleicht um den Vater von Alexander handeln, da Javorek seine Kinder des „älteren“ als unterrichtete. Von Frantzius ist polnischer Adel und ich habe darüber keine weiteren Unterlagen.[/FONT]
    [FONT=&quot]Vielmehr bat man Kniewel, die Leitung selbst zu übernehmen. Er erklärte sich dazu bereit verzichtete aber auf ein Honorar. Ihm wurde allerdings zu seiner Unterstützung, ein dreiköpfiger Verwaltungsausschuss zur Verfügung gestellt, der aus folgenden Personen bestand: von Almonde, königlich niederländischer Konsul; Oberstleutnant von Braunschweig; und William von Ankum.[/FONT]
    [FONT=&quot]Als Gründungstag der neuen Gesellschaft des „ Gesangsverein Danzig“ wurde der 1. Januar 1818 festgelegt. Dieser Tag ist somit der Geburtstag der späteren Danziger Singakademie.[/FONT]
    [FONT=&quot]Hinweis: In verschieden anderen Quellen, beispielsweise bei Pawlowski, Hirsch oder Zernecke wird das Gründungsjahr mit 1810 oder 1811 angegeben. Diese Angaben kann ich nicht belegen und sie wiedersprechen auch den eigenen Angaben Kniewels, in dem vom ihm geführten „Tagebuch des Gesangsvereins zu Danzig“.[/FONT]
    [FONT=&quot]Kniewel fertigte einen Satzungsentwurf, danach sollten die Mitglieder, ab Januar 1818 vierteljährlich einen Taler und 12 Silbergroschen und Neueintretende zwei Taler ohne Nachlass zahlen.[/FONT]
    [FONT=&quot]Die Namen der gründenden Mitglieder außer Dr. Kniewel die drei obengenannten Herren des Verwaltungsausschusses, sowie weitere 18 Damen und 10 Herren. Diese waren Frau Stobbe, Krieger, Mutschel, Panzer, Brückner, Kniewel, Fräulein Brahl, Klemm, Dalmer, Baehr, Feierabend, Labes, von Almonde, Grünler, Schelwin, Fischer I und II und Ehrlich ( Ehrenmitglied). Herren: Götz, Holzwig, Heidefeld, Korn, A. Kniewel, Kölpin, Scheffler, A. von Frantzius, Gaeschke und Ehrlich (Ehrenmitglied)[/FONT]
    [FONT=&quot]John Karl Ehrlich war Berufssänger und veranstaltete eigene Konzerte. [/FONT]

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    • Belcanto
      Forum-Teilnehmer
      • 24.09.2008
      • 2507

      #3
      AW: Danziger Singakademie

      [FONT=&quot]Ich mache dann mal weiter:[/FONT]
      [FONT=&quot]Nachdem die Mitglieder feststanden, ging es nun darum, entsprechende Noten zu beschaffen. Für 57 Taler erwarb der Verein beim Musikalienhändler Reichel ein umfangreiches Notenwerk. C.A. Reichel, war Besitzer einer Kunst- Musikalienhandlung in der heiligen Geistgasse Nr. 759. Reichel war auch Organist in der Trinitatiskirche. Er veranstaltete Konzerte und wurde als Klavier- Harfenspieler sehr gelobt.[/FONT]
      [FONT=&quot]Eine weitere, bedeutende Vermehrung des Notenbestandes, geschah bei einer Musikauktion, wofür 67 Taler 28 klassische Werke ersteigert werden konnten.[/FONT]
      [FONT=&quot]Bereits einen Monat nachdem Notenerwerb, begann man die B-Dur Messe von Johann Nepomuk Hummel (1778-1837), österreichischer Pianist und Komponist und Schüler von Wolfgang Amadeus Mozart und das Requiem von Sigismund Ritter von Neukomm, zu üben. Man setzte jedoch die Komposition von Neukomm, bald wieder ab “ da diese ungeistliche Musik nicht zu Herzen gehen würde.“Auch mit der Einstudierung ging es nicht richtig voran. Da Kniewel das Tenorsolo selbst singen musste, konnte er nichts nicht selbst dirigieren und Reichel als Dirigent am Klavier als Dirigent überfordert war.[/FONT]
      [FONT=&quot]Trotzdem übte man mit großem Fleiß weiter, denn es sollte ein Bußtagkonzert, mit dem Stabat mater, („Es stand die Mutter schmerzerfüllt“) von Giovanni Battista Pergolesi und dem Requiem von Mozart durchgeführt werden. Ferner sollte in Oliva ein Frohleichnamskonzert mit der Messe von Hummel stattfinden. Beides fiel leider aus. Man hatte sich wohl zuviel vorgenommen und sich an Stücke hergewagt, die viel Erfahrung bedurften. Es wurde einiges angefangen, aber nicht zu Ende gebracht. Nun, ja aller Anfang ist schwer.[/FONT]
      [FONT=&quot]An die breite Öffentlichkeit trat der „Gesangverein zu Danzig“, zum ersten Mal am 4. März 1819; er veranstaltete ein Wohltätigkeitskonzert unter der Leitung von Kniewel, der zugleich die Tenorpartie sang. Der erste und zweite Teil von Händels Messias wurde vorgetragen. Die Veranstaltung fand große Beachtung in der Danziger Öffentlichkeit.[/FONT]
      [FONT=&quot]Doch Kniewel, der immer nicht ganz zufrieden war, lobte die Chöre war aber mit dem Orchester nicht ganz zufrieden.[/FONT]
      [FONT=&quot]1820 musste der Verein seinen Übungsraum wechseln. Frau Stobbe erkrankte und konnte nicht mehr an den Übungen teilnehmen, der Verein siedelte daher „um die Güte der vortrefflichen Frau nicht zu missbrauchen“, in den Saal des Musikalienhändlers Reichel über. In dem Saal stand ein Klavier für die ständigen Übungen. Die Miete betrug 30 Taler.[/FONT]
      [FONT=&quot]Bemerkenswert in der Vereinsgeschichte ist der Karfreitag 1820, an dem das erste Kirchenkonzert des Gesangvereins in der Johanniskirche stattfand. Es wurde die Passionskantate „Der Tod Jesu“, von Carl Heinrich Graun gesungen.[/FONT]
      [FONT=&quot]Da Kniewel sich aufs Land zurückzog, konnte er alle Singstunden nicht mehr selber leiten. Als sein Vertreter wurde Musiklehrer Robert Boyd bestimmt, der nun die Leitung der Proben übernahm. Robert Boyd war Gesanglehrer am städtischen Gymsasium.[/FONT]

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      • Bartels
        Forum-Teilnehmer
        • 25.07.2012
        • 3448

        #4
        AW: Danziger Singakademie

        Hallo Belcanto,

        vielen Dank - ich denke Deine Beiträge hier haben viele Mitleser, die wie ich aus Nichtsänger-Familien stammen.

        Das könnte sich ändern, wenn Du über Markull berichtest.

        Das schreibt wikipedia: Kirchenmusik in Danzig - 19._Jahrhundert.

        Und falls Dr. Kniewel der Vorfahr von Evel Knievel ist ...
        Beste Grüsse
        Rudolf H. Böttcher

        Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
        Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
        Familie Zoll, Bohnsack;
        Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
        Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

        http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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        • Bartels
          Forum-Teilnehmer
          • 25.07.2012
          • 3448

          #5
          AW: Danziger Singakademie

          Nachtrag:

          zur Zeit 258 Aufrufe!
          Beste Grüsse
          Rudolf H. Böttcher

          Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
          Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
          Familie Zoll, Bohnsack;
          Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
          Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

          http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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          • Christkind
            Forum-Teilnehmer
            • 10.02.2008
            • 1568

            #6
            AW: Danziger Singakademie

            Das ist ja alles sehr spannend zu lesen, Belcanto. Ich bin gespannt, ob die Singakademie noch bis zum Kriegsende existierte !? Gab es damals nur diesen einen Chor... nein, das kann nicht sein...ich hoffe, du kannst noch mehr berichten....Schöne Grüße, Christa
            Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
            (M. Gandhi)

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            • Belcanto
              Forum-Teilnehmer
              • 24.09.2008
              • 2507

              #7
              AW: Danziger Singakademie

              Gut, ich will chronologisch vorgehen, kann aber jetzt schon sagen, dass das letzte Konzert in der Zoppoter Waldoper am 19. Januar 1945 stattfand. Es dirigierte Generalmusikdirektor Karl Tutein. Das Gaukriegsorchester spielte die 5. Sinfonie von Beethoven im Roten Saal des Kurhaues in Zoppot.

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              • Belcanto
                Forum-Teilnehmer
                • 24.09.2008
                • 2507

                #8
                AW: Danziger Singakademie

                Hallo Bartels, das ist sehr interessant. Ich meine hier :Theodor Friedrich Kniewel geb. am 24.Januar 1783 in Danzig gestorben am 26. juli 1859 in Stuttgart. Er besuchte von 1789-1796 die Katharinenschule . 1801 zog er an die Universität Halle, an der er Theologie,Philologie und Philosophie studierte.

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                • Belcanto
                  Forum-Teilnehmer
                  • 24.09.2008
                  • 2507

                  #9
                  AW: Danziger Singakademie

                  Hallo Rudolf, schwerpunktmäßig geht es mir zunächst um die Danziger Singakademie und dann zum die Zoppoter Waldoper. Mit sicherheit werde ich auch noch auf den Komponisten Friedrich Wilhelm Markull,zu sprechen kommen.

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                  • vklatt
                    Forum-Teilnehmer
                    • 28.03.2009
                    • 1521

                    #10
                    AW: Danziger Singakademie

                    Hallo Joachim,

                    Deine Berichte über die Danziger Singakademie lese ich sehr gern
                    und bin beeindruckt, daß es sie und die Waldoper in der Qualität
                    schon damals gegeben hat.
                    In Hamburg haben wir auch eine Singakademie. In der hat mein
                    verstorbener Mann, neben dem Opernchor, auch mitgesungen.
                    'Die Konzerte habe ich immer besucht. Am Buß- und Bettag
                    wurde jährlich das Brahmsrequiemin in der Michaeliskirche aufgeführt, unter anderem mit
                    Hermann Prey. Es war immer sehr schön.

                    Herzliche Grüße Vera
                    Was ist ein wahres Geheimnis?
                    Etwas, das für jeden offen da liegt-
                    und der eine erkennt es, der andere jedoch nicht.

                    Lao-tse

                    Kommentar

                    • Belcanto
                      Forum-Teilnehmer
                      • 24.09.2008
                      • 2507

                      #11
                      AW: Danziger Singakademie

                      Hallo Vera, ich bin ja in Otterndorf aufgewachsen und hatte eine helle Sopranstimme -wie ein Kastrat. Ich musste immer vorsingen. Leider habe ich oder meine Eltern es versäumt,mich ausbilden zu lassen. Ja, nach dem Krieg hatte man andere Prioritäten. Schade. Viele Grüße Joachim

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                      • Belcanto
                        Forum-Teilnehmer
                        • 24.09.2008
                        • 2507

                        #12
                        AW: Danziger Singakademie

                        [FONT=&quot]Nachdem ihr mir mitgeteilt habt, dass ihr die Berichte verfolgt, mache ich weiter. Wie gesagt, Dr. Kniewel hielt sich zeitweise, meistens Mittwoch auf dem Land auf und wollte eine zweite Übungsstunde am Donnerstag einführen. Dieses Vorhaben ist jedoch gescheitert. Es häuften sich auch nun weitere Schwierigkeiten. So bei der Totenfeier am 25. November 1821. Im letzten Augenblick sagte Opernsänger Adam, der die Tenorpartie singen sollte, ab. (Meinen Berichten liegt die Broschüre 150 Jahre Danziger Musikleben der Vereinigung Heimattreuer Danziger zugrunde. In bin auf dieser Grundlage dabei,dieses Grundwerk zu ergänzen und zu erweitern. Manchmal steht nur ein Name da, so wie Adam. Ich habe zu Adam, der um 1790 geboren sein müsste, sonst keine weiteren Quellen gefunden. In meinem Sängerlexikon ist er nicht aufgeführt. Wer etwas über diesen Tenor Adam weiß, sollte es mir bitte mitteilen). Kniewel musste einspringen und gab den Taktstock an Theaterkapellmeister von Weber weiter, der nach Kniewels Urteil alle „Tempi verfehlte“. Die Veranstaltung war ein geldlicher Misserfolg. Zur Erhöhung der Einnahmen, wurde am Tage zuvor, eine öffentliche Generalprobe abgehalten, die den geldlichen Misserfolg aber nicht abwenden konnte.[/FONT]

                        [FONT=&quot]Kniewel versuchte es jedoch immer wieder die Mitglieder, zu motivieren. So ließ er den Verein “Ermunterung der Mitglieder“ nach der sonntäglichen Predigt in der Petrikirche einzelne Stücke singen.[/FONT]
                        [FONT=&quot]Für das öffentliche Auftreten wurden in den Folgejahren ausschließlich wohltätige Veranstaltungen wahrgenommen. Kniewel jedoch trat seit seiner Berufung zum Diakon im Jahr 1825 nicht mehr hervor, sondern wirkte hinter den Kulissen.[/FONT]

                        [FONT=&quot]Als 1825 mit meisten solistisch begabten Mitglieder, durch Wegzug aus Danzig oder bedingt durch das Alter und Krankheiten, nicht mehr in der Lage waren an die Übungen und Proben, teilzunehmen, sodass auch nicht mehr Händels Messias zur Aufführung gebracht werden konnte.[/FONT]
                        [FONT=&quot]Die Mitglieder unterstützen in der Folgezeit, soweit sie dazu noch in der Lage waren, Wohltätigkeitskonzerte. Leider gab es kaum Nachwuchs und Zustrom an neuen Gesangtalenten. Kniewel kam deshalb auf die Idee „eine regelrechte Gesangschule auf Aktien“ , zu gründen. Dieser Vorschlag fand allgemeiner Zustimmung. Das war am 28.Dezember 1824 [/FONT]
                        [FONT=&quot]Es sollten vier erwachsenen Mädchen und vier erwachsenen Jungen zu Solosänger von einem tüchtigen Gesanglehrer ausgebildet werden. Diese sollten fest angestellt werden und ein Entgelt erhalten. Neben der Ausbildung der Solosänger war die Ausbildung der Chorsängern und Übungen im gemischten Chor vorgesehen.[/FONT]
                        [FONT=&quot]Die Kosten des ersten Jahres sollten durch die Ausgaben von 150 Aktien zu 6 Talern aufgebracht werden. Später hoffte man, aus den laufenden Einnahmen, die Ausgaben decken, zu können. [/FONT]
                        [FONT=&quot]Leider hatte Kniewel mit seiner gut gemeinten Absicht kleinen Erfolg, zumal Musikhändler Reichel 1825 eine eigene Singschule eröffnete. [/FONT]Soweit für heute.

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                        • Belcanto
                          Forum-Teilnehmer
                          • 24.09.2008
                          • 2507

                          #13
                          AW: Danziger Singakademie

                          [FONT=&quot]Fortsetzung:[/FONT]
                          [FONT=&quot]Kniewel hatte keinen wirtschaftlichen Erfolg mit seiner Maßnahme, zumal der Musikalienhändler Reichel, seinerseits eine Musikschule eröffnete. Der schlechte Probenbesuch führte oft zur Verlegung der Übungsstunden. Um etwas Geld in die Kasse zu bekommen, beschloss der Vorstand, alle vier bis sechs Wochen, Vereinsaufführungen mit Instrumentalbegleitung zu veranstalten. Die Kosten waren jedoch zu hoch und die Räumlichleiten schlecht, sodass es bei diesen einem Versuch blieb. Das Ganze stagnierte. Um wieder etwas Leben in die Angelegenheit zu bringen, wollte man das Oratorium „ Die Sündflut“ (nicht die Sintflut) von einer Frau Schneider aufführen. Zu Sündflut von Schneider habe ich nichts gefunden. Zwar gibt es ein Werk „Sündflut“, von Ernst Barlach aber nicht von Schneider?[/FONT]
                          [FONT=&quot]Kniewel, der geschäftstüchtige, brauchte einen Gehilfen zur Führung des Vereins und fand ihn in Musiklehrer Karl Friedrich Illgner. Illgner wurde 1801 in Elbing geboren. Er hatte eine musikalische Ausbildung bei Stadtrat Urban in Elbing, bei Kniewel in Danzig und bei Zelter in Berlin erhalten. Illgner eröffnete am 16. Februar 1824 eine Musikschule in Danzig und gründete 1825 mit dem Oberlehrer Nagel einen Instrumentalverein.[/FONT]
                          [FONT=&quot]Das erste Konzert des Jahres 1825 wurde in Illgners Saal aufgeführt. Er hatte auch die Leitung und die Instrumente sichergestellt. Kniewel, war bedingt durch die ständigen Schwierigkeiten verbittet und sein Gesundheitszustand war nicht der beste, sodass er nun immer häufiger, Illgner die Leitung der Aufführungen überließ.[/FONT]
                          [FONT=&quot]Im Mai 1828 wollte er daher den Verein auflösen. Dem Verein schien das Ende zu drohen. Aber Kniewel konnte nicht vom Verein lassen, er raffte sich immer wieder auf, denn im Oktober, stellte er sich auf vielfältigen Wunsch, unter zwei Bedingungen wieder zur Verfügung.[/FONT]
                          [FONT=&quot]Bedienung eins war:“ Dass ihm ein tüchtiger Gehilfe als Dirigent zur Seite gegeben werde, als welchen er nun wieder Musiklehrer Robert Boyd vor schlug. Die zweite Bedingung war:“ Dass die nicht brauchbaren Mitglieder aus dem Verein ausscheiden sollten.“[/FONT]
                          [FONT=&quot]Die Erfüllung beiden Bedingen wurde zugesagt, obwohl dadurch eine Schwächung de Chorleistungen zu befürchten war. Für Boyd war es auch nicht leicht, denn Kwiewel verfolgte seine Aufführungen mit gespitztem Ohr.[/FONT]
                          [FONT=&quot]Das Danziger Musikbedürfnis wurde anscheinend durch den Gesangverein nicht voll abgedeckt. Es fehlte, wie es in einer Anzeige des Danziger Intelligenzblatt vom 18. Oktober 1829 zu lesen war“ an einem bestimmten, feststehenden Winterkonzert in Danzig.“ Das öffentliche Musikbedürfnis, war also etwas anders geartet, als es der Verein anbot.[/FONT]
                          [FONT=&quot]Man wollte darauf hin mehr Abonnementskonzerte und Oratorien aufführen und beschloss u.a.1830 alljährlich „ zwei kirchliche Musiken“ zugunsten des Besserungsvereins, des Provinzialvereins für die Besserung der entlassenen Strafgefangenen und verwahrlosten Kinder zu geben.[/FONT]
                          [FONT=&quot]Unter dem Datum vom 21. April 1831 erhielt der Verein vom Kulturminister, die Erlaubnis, alle drei Jahre, ohne weitere Anfrage, jährlich zwei Kirchenkonzerte zu milden Zwecken zu veranstalten. So viel für heute.[/FONT]
                          [FONT=&quot] [/FONT]

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                          • Belcanto
                            Forum-Teilnehmer
                            • 24.09.2008
                            • 2507

                            #14
                            AW: Danziger Singakademie

                            [FONT=&quot]Von dieser Erlaubnis wurde jedoch nur einmal Gebrauch gemacht, und zwar 1832. Man versuchte wieder etwas anderes. Am 28. November wurden die Mitglieder aufgefordert, vier Konzerte für die Verwandten und Mitglieder und „einige bewährte Musik-Liebhaber gegen einen geringen Betrag“ zu veranstalten. Auch dieser Plan wurde nicht weiter durchgeführt, nach dem zweiten Konzert schon, fand er ein Ende.[/FONT]
                            [FONT=&quot]Man führte wieder ein Oratorium, in drei Teilen diesmal Händels „Josua“ Händel-Werke-Verzeichnis 64 auf. Hier trat Fräulein Emilie Goroncy als Konzertsängerin auf . Emilie Goroncy, die mithilfe der Friedensgesellschaft, bei Zelter in Berlin studiert hatte, war nach den Stimmen der Kritiker, weit über Durchschnitt begabt. Nach ihrem ersten Konzert in Danzig am 24. Oktober 1827, wurde sie als wahrhaft deutsche Sängerin. (Der Gesprächige). Nach der oben angeführten Josua- Aufführung, wurde sie als „ Königin des Gesangs“ (Danziger Dampfboot) bezeichnet. Goroncy war als Gesanglehrerin außerordentlich beliebt. Sie starb am 7. November 1868 in Danzig.[/FONT]
                            [FONT=&quot]Die Versuche in die Arbeit des Vereins ein System, in die Unordnung der Aufführungen eine Ordnung hinzubringen, durch Festlegung auf eine bestimmete Anzahl von Veranstaltungen, bleib stecken. Der Verein nahm weiterhin, Gelegenheiten wahr, um Konzerte abzuhalten. Die Übungsstunden waren schlecht besucht und vielen nach und nach aus.[/FONT]
                            [FONT=&quot]Kniewel versuchte es indes immer wieder und wollte mit seinem kleinen verbliebenen Häuflein, auch die Matthäuspassion aufführen. Erst 40 Jahre später erscholl, dieses großartige Chorwerk von Bach in Danzig.[/FONT]
                            [FONT=&quot]Kniewel machte den Vorschlag, in jeder Stimme einen Sänger oder Sängerin anzustellen, z.B Fräulein Goroncy. Darüber kam es zu Zwistigkeiten mit Boyd, der mit der Niederlegung seines Amtes drohte. Die Männer legten ihren Streit bald bei. Fräulein Goroncy war jedoch verletzt und besuchte keine Proben mehr.[/FONT]
                            [FONT=&quot]Kniewel war durch einen“ gewissen Mangel an Teilnahme“ bei den Mitgliedern so verstimmt, dass er am 21. April 1835 sein Amt niederlegte. Dr. Hingelberg der Sekretär der Gesellschaft, wurde beauftragt, Kniewel zu bewegen, seinen Rücktritt zurückzunehmen. Dies gelang auch und Kniewel erschien bereits am 24. April wieder zur Probe. Allerdings änderte an der Probenbereitschaft wenig. Die Proben zu Beethovens „Missa solemnis“ D-Dur op 123, verliefen so schlecht, dass auch dieser Plan scheiterte. Kniewel wollte ein großes Konzert zum Besten der Errichtung eines Beethoven- Denkmals in Bonn geben. Gekränkt und verletzt lege er am 19. September, zum zweiten mal sein Amt nieder, trat aus dem Verein aus, und ließ sich auch nicht umstimmen.[/FONT]
                            [FONT=&quot]Man versuchte, Kniewel doch noch umzustimmen, und versprach, das Werk „Misse solemnis“ doch aufzuführen.[/FONT]
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                            Kommentar

                            • Bartels
                              Forum-Teilnehmer
                              • 25.07.2012
                              • 3448

                              #15
                              AW: Danziger Singakademie

                              Hallo Joachim,

                              gemessen an den "Hits" ist das Interesse an diesem Thema gross.

                              Eine Ergänzung: Fr. Schneider ist keine Frau Schneider, sondern FriedrichSchneider (Komponist). Zum besseren Finden habe ich "Die Sündflut, 1823 Dessau" gleich hier verlinkt: Die Sündflut Einen Download gibt es bei der BSB in München: OPAC (Die Sündflut : Oratorium in drei Abtheilungen
                              Schneider, Friedrich Libretto - [Deßau] : [Heybruch], [ca. 1825]. - 16 S.)
                              Beste Grüsse
                              Rudolf H. Böttcher

                              Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
                              Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
                              Familie Zoll, Bohnsack;
                              Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
                              Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

                              http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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