Geschichte und Glauben der Kaschuben

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  • Antennenschreck
    Forum-Teilnehmer
    • 05.09.2011
    • 1833

    #31
    AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

    Hallöle,

    ja da hast du recht SC. Hier noch ein wenig mehr dazu:

    Der Kartoffelkeller hat fast dieselbe Gestalt und besteht aus Schilfschindeln und einem Holzdach. Bei der Klucke ist die Stubentür in die linke Stube natürlich auch auf der linken Seite des Hausflures, zuweilen führt aber auch noch eine Tür von Flur aus in die Küche hinter dem Hausflur. Die Stube selber ist meist so angelegt, dass sich gleich rechts neben der Tür der Herd und ein Kachelofen befinden. Der Herd reicht dabei weit in die Mauernische hinein. Hier brodelt auf einem Eisengestell, über dem Torf- oder Holzfeuer, das Wasser für die Zichorien oder Pellkartoffeln. Der Kachelofen mit einer Ofenbank davor hat weder Herd noch Röhren, ist aber mit vielen Haken zum Trocknen der nassen Kleidung versehen. Auf der linken Stubenseite steht eine Kommode und ihr gegenüber die Betten, direkt davor steht ein Tisch mit Stühlen. Auf der Rückseite führt eine Tür zu einer Kammer, welche die Vorräte und verschiedene Werkzeuge enthält. In der Stube aber surrt oft das Spinnrad, der Großvater strickt Netze oder sitzt an einer Schnitzbank. An den Wänden sieht man Kränze von freudigen und traurigen Ereignissen, den Erntefeststrauß oder ein Roggenbüschel vom letzten Jahr. Außer dem Bildnis vom Kaiserpaar, findet man hier höchstens noch ein paar biblische Abbildungen. Die Diele ist mit Sand bestreut, die Wände sind meist weiß , die Balken und die Decke aber schwarz getüncht. Findet man den Stall nicht an die Seite angebaut, so steht er für sich, direkt vor dem Haus. Die Anzahl der Tiere kann recht bedeutend sein, so haben manche Kluckner bis zu 140 Kühe, jedoch höchstens 8 Pferde; und doch benutzen sie die Roinder nicht für den Ackerbau, sondern graben und behacken lieber selbst ihre Beete. Die Wege lassen hier sehr viel zu wünschen übrig, so gab es noch bis vor wenigen Jahren überhaupt keinen Fahrweg zu den Klucknern, sondern nur ausgetretene Wildpfade; da ging es durch dick und dünn über Gräben und Moorstrecken; über sumpfige Stellen legte man einige Knüppel, um nicht zu versinken.

    Die Kleidung der Kaschuben

    Wir können heute nicht mehr viel über die Kleidung der Kaschuben sagen, außer dass die Trauerkleidung wohl schwarz und die Festtagskleidung eher weiß gewesen ist, wobei allerdings die Kleidung der jungen Mädchen viel bunter gewesen sein soll. In den Klucken ging man bis in den Winter hinein barfuß, und bis in den Sommer hinein in Zipfelpelz und mit Handschuhen. Kniestrümpfe und Jacken waren weiß, erstere hatten rote Trotteln und bunte rot weiße Kanten, letztere reichten nur bis zur Hüfte und hatten weiße Lederknöpfe. Das Beinkleid war weit, die Jacke eng und aus dichter Leinwand mit Barchentfutter. Die Frauen hatten ähnlich den Litauerinnen, weitärmlige Hemden, ärmellose Wolljacken, kurze vierzipfelfaltige rote Röcke, in den Hüften einen Gürtel, allerlei Kopf- und Brustschmuck und beim Abendmahl einen weißen Umhang, der später zu ihrem Leichentuch wurde. Die Bräute trugen dicke Preisselbeerkränze, die Frauen weiße Hauben oder künstlich geschlungene schwarze dicke Kopftücher; in das Mieder war ein nach unten spitzer quer gestreifter Satz in roter und weißer Farbe eingesetzt. Ihre Schuhe, die sie selten tragen, binden sie mit Schnüren und Riemen; sie haben Sohlen mit 2 cm dicken Sohlen, und diese sind, wie die Absätze, mit Nägeln beschlagen, weil sie länger halten sollen. Wenn also ein Haufen Kaschuben auf einem Pflaster läuft, könnte man glauben da komme ein Kommando Husaren. Im Winter ziehen sie über ihre Sommerkleidung einfach einen langen schwarzen Mantel, und darüber manchmal noch einen Schafpelz. Selbst ein edler Kaschube kann seine ganze Kleidung für höchstens 2 Taler haben, ebenso preiswert ist auch die Kleidung des weiblichen Geschlechts. Die jenigen, welche noch Jungfrauen sind, kämmen ihr Haar glatt nach hinten und binden es mit einem breiten Riemen hinter ihrem Genick zusammen, danach flechten sie daraus zwei Zöpfe, und diese wickeln sie dann von der Seite einige Male um den Kopf herum, damit das Haubengebilde auf dem Kopf Halt bekommt. Wenn nun aber eine Jungfer ihren Stand ehelich oder unehelich beendet hat, erlauben es die anderen Weiber nicht mehr, dass diese ihr Haar weiterhin offen trägt, und sie bekommt eine Art weiße Mütze, welche das Haar weitestgehend verdeckt.

    Der Boden und seine Bearbeitung durch die Kaschuben

    Der Boden der damaligen Kaschubei war karg und wenig ertragreich, und die Äcker und Gärten waren auch spärlich. Vom Meer her brachte der Wind immer neuen Sand, der den wenigen Ackerboden immer wieder zuschüttete, man hatte öfters neben den Klucken eine Sanddüne, welche diese weit überragte.


    LG Arndt
    Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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    • StampCollector
      Forum-Teilnehmer
      • 19.01.2014
      • 924

      #32
      AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

      Die naturgegebenen Bedingungen führten zu einer relativ einfachen Lebensweise der Kaschuben, welche ihnen von den Nachbarvölkern dann auch so einige Vorurteile einbrachten.

      SC

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      • Antennenschreck
        Forum-Teilnehmer
        • 05.09.2011
        • 1833

        #33
        AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

        Hallöle,

        ein sehr großer Vorteil war, z.B. dass die Kaschuben eigentlich gar nichts hatten, was irgendwer anderer hätte wollen können. Ja, sogar das Land auf dem sie lebten, war relativ minderwertig, da gab es ringsum weit bessere Gegenden. Wegen der schlechten Wegverältnisse zu ihnen, kamen wohl auch kaum mal Zehnteneintreiber da vorbei. Also lange Zeit hatten sie ein relativ ruhiges und einfaches Leben.

        LG Arndt
        Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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        • love danzig
          Forum-Teilnehmer
          • 09.11.2015
          • 1494

          #34
          AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

          Hallo Arndt,
          es ist sehr Schön, das du über die Kaschuben schreibst.
          Meine Großmutter kam aus einer sehr alten kaschubischen Familie Mrozewski-Mrozek. Da habe ich eine frage, auf alten kaschubischen Familienwappen , sieht man sehr Oft einen oder mehrere Halbmonde, sind diese Kaschubischen Familien, eine Abstammung der Tataren ca. 1250. Sie sind wohl später in Polen. zur Szlachta-Adel erhoben wurden.
          Vielen dank. Gruß Roman

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          • Antennenschreck
            Forum-Teilnehmer
            • 05.09.2011
            • 1833

            #35
            AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

            Hallöle Roman,

            eine gescheite Antwort habe ich im Moment noch nicht auf deine Frage, aber ich liefere erst einmal 4 baltische Wappen mit einem Mond darinnnen.

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            LG Arndt
            Angeh
            Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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            • Antennenschreck
              Forum-Teilnehmer
              • 05.09.2011
              • 1833

              #36
              AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

              Hier noch ein wenig zur Geschichte der Kaschuben:

              Beim Brunnengraben musste man erst einmal 4 Meter Sand durchstoßen, ehe man auf weiterführende Kiesschichten stieß. Auf den Wiesen wächst eigentlich nur Gras und selbst die Wälder sind nicht allzu groß. Nur Moore gibt es an allen Ecken und Kanten, hier finden sich dann allerhand Sträucher und Kräuter, besonders der viel genutzte Wacholder. Dementsprechen liefert das Moor auch weitestgehend das benötigte Brennmaterial in Form von Torf. Am besten wächst hier die Kartoffel, und liefert so die Ernährungsgrundlage der Kaschuben. Der eine Teil von ihnen beschäftigt sich also mit dem Ackerbau, während der andere zum Fischfang geht. Als Gewürze nutzt man verschiedene Küchengewächse; Gartenfrüchte liebt aber weder der Fischer noch der Ackersmann, deshalb sieht man in ihren Gärten nur selten Obstbäume und Beerensträucher; viel öfter findet man hier nutzloses Zierholz. Die wichtigsten Fischarten der Kaschuben sind Barsche, Stinte, Plötzen, Zander und Karauschen, weiter Schleien Bleien, Hechte und Aale. Die Jagd erstreckt sich ausschließlich auf Haasen, Füchse, wilde Enten und Schnepfen. Als die wichtigsten Pflanzen finden sich in diesem Gebiet Läusekraut, Pfennigkraut, Schafgarbe, kleiner Ampfer, Hahnenfuß, Einblatt, Sumpwurz, Augentrost, Sumpfporst, Wasserpest, Wassernabel, Tannenwedel, Sumpfvergissmeinnicht, Engelsüß, Ackerhundskamille, Knabenkraut, Pfeilkraut, Habichtskraut, Wasserliesch, Röhrige Pferdesaat, Wollgras, Heide, Weidenröschen und Spargel. Die wichtigsten Netze der kaschubischen Fischer waren:
              Die Zese, ein sackartiges, 3 m langes, 1,5 m breites Netz, dessen untere engmaschige Hälfte eine Kehle hat.
              Die Flunderzese, ähnlich der Zese, nur ohne Kehle.
              Die Reusse oder das Setznetz ähnelt der Zese, endet aber in einer Spitze.
              Der Kescher auch Zaufkescher oder Zauberkescher genannt, weil angeblich jeder Fisch damit gefangen wird. Er ist meist 25 cm breit und kaum doppelt so lang.
              Das Winternetz, auch Zug oder Klippnetz genannt, besteht aus 3 vTeilen; einem Netzsack und zwei Flügeln.
              Die meisten Werkzeuge des täglichen Bedarf gleichen denen, die man auch an anderen Orten finden kann. Das unentbehrlichste aber ist in den Kneipen zu finden, und könnte auch in das kaschubische Wappen aufgenommen werden, denn es hat nur die eine, kaschubische Gestalt. Neben einer in der Mitte eingedrückten Flasche steht hier ein kleines Korngläschen.

              LG Arndt
              Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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              • Antennenschreck
                Forum-Teilnehmer
                • 05.09.2011
                • 1833

                #37
                AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                Hallöle,

                hier einmal ein wenig über die vermutliche Geschichte der Besiedlung des baltischen Gebietes durch die slawischen Völker:

                Wie schon geschrieben, sind zuerst die Kelten durch unser Land gewandert; nach ihnen haben dann die Germanen und die Gothen darin gewohnt; zahlreicher aber als diese Völker zieht nun ein drittes Volk nach Osteuropa ein. Den Namen Wenden, welchen diesem Volk die Germanen gaben, hörte zuerst Plinius (Venedi), Tacitus aber vernahm später, einem klassisch celtischen Volksnamen analog, Veneti; Ptolemäus aber Venedae; gemeint sin hierbei aber immer das mächtige Volk der Slawen, die sich selbst Slawenen, Slowenen (von Slowo, Wort) die sich selber „die sich gegenseitig Verstehenden“ nennen, und ihre westlichen Nachbarn, zumal die Deutschen, als die Stummen (njem, njemetz), barbari, „eine eigene Sprache redend“ bezeichnen. Ebenso wie die Kelten und Germanen, der indogermanischen Völkergruppe angehörend, waren die Slawen schon im frühesten Altertum in Europa angekommen; sie waren aber noch sehr unterentwickelt, und siedelten zuerst im Osten der Weichsel und des baltischen Meeres, hinter den Germanen verborgen, um aber bald um so gebieterischer aufzutreten. Friedliebend, an feste Sitze gewöhnt, der Viehzucht und dem Ackerbau hold, überhaupt nicht so kriegerisch wie die Germanen, blieben sie lange Zeit im geschichtlichen Dunkel verborgen. Da sie auch kein gemeinsames Oberhaupt hatten, werden sie wohl sehr oft ihren kriegerischen Nachbarn unterlegen gewesen sein, und gehörten im vierten Jahrhundert zur ausgedehnten Herrschaft des Gothenkönigs Ermanriks, und wurden von den germanischen Völkern von der Donau und dem Pontus abgehalten. Als aber des Amalers Macht von den Hunnen gebrochen wurde, verschafften ihnen hier die westwärts wandernden Gothen und Gepiden einen Tummelplatz, und sie stellten sich in zwei größeren Abteilungen dem römischen Reich gegenüber. Sehr wichtig war für die Slawen Attilas Herrschaft, um ihre welthistorische Stellung vorzubereiten; weil einerseits die Hunnen slawische Sitten und Gebräuche annahmen, und andererseits aus den unkriegerischen Slawen waffengeübte Streitgenossen machten. Als Sklabenen mit ihrem volkstümlichen Namen, tauchen sie zuerst seit der Regierung Justinians auf, sie verwüsten hier ganz Thrakien und breiten weiter westlich aus. Im Osten kennt man sie unter dem Namen Anten; beide Stämme, mit einem unterschiedlichen Dialekt, nannten sich aber selber Slowenen, Aber obgleich schon um das Jahr 500 alle Länder von der Mündung der Elbe, mit Ausnahme des Warnergebietes, um die Sudeten und Karpathen bis zur Mündung der Donau offen standen, füllten die Slawen trotzdem erst einmal nur die südöstlichen Bereiche. Nachdem nun Thrakien und Illyrikum überwiegend von den Slaven und Anten verheert worden waren, beginnt im letzten Drittel des sechsten Jahrhunderts die zweite slawische Völkerwanderung, eine recht seltsame Geschichte, deren rätselhaftes Gewirr unser Auge in Erstaunen versetzt, welche aber schier unermessliche Folgen hat, da sich hierbei die Sitze aller europäischen Völker, bis auf die Madscharen und Normannen, verändert und endgültig festgelegt haben. Es verschwinden nun die beiden Hauptnamen der Slawen, also die Slowenen und Anten; und alle Stämme bilden neue Verbände, mit bis dahin unbekannten Namen; diese verteilen sich nun von den Quellen der Wolga, von den Höhen des Waldaigebirges, von der Ebene des Dniepers und den Donaumündungen bis zum Südweststrand der Ostsee, den Dänen benachbart, dringen sie im mittleren Bereich über die Elbe bis tief nach Germanien ein, treten den Bayern im Südosten als gefährliche Nachbarn zur Seite, siedln sich am Südostabhang der Alpen bis zum adriatischen Meer, und vom Nordabhang des thrakischen Gebirges bis zur Donau an, vertreiben die Griechen aus weiten Teilen ihres Landes, und pflanzen ihre heidnischen Götzenbilder in der heraklidischen Peloponnes auf, während ihre Brüder das nördliche Inselland Germaniens besiedeln. So kommt nun plötzlich eine Flut, welche alles vor sich hertreibt und hinter sich verändert, was erst nach einigen Jahrhunderten den staunenden Blicken der Deutschen offenbar wird. Hier nun ein Bericht eines Mönches im Hölenkloster zu Kiew, vom Anfang des zwölften Jahrhunderts: „Und nach vielen Jahren saßen die Slowenen an der Donau, wo heute Ungarn und Bulgarien sind. Von diesen Slowenen verbreiteten sich die Slawenvölker in ganz Europa (auf der Erde) und legten sich ihre Namen bei, wenn sie sich an einem bestimmten Ort niederließen. So nannte sich die Ankömmlinge, welche am Fluss Morava blieben, Moraven, und andere hießen Tschechen, und diese Slowenen selbst (die Donauslawen sind) nannten sich die weißen Chorwaten, die Serben, die Carantanen. Als die Wlachen einen Überfall auf die Slowenen machten und sich unter ihnen niederließen, und ihnen Gewalt antaten, so wanderten die Slowenen aus, ließen sich am Fluss Weichsel nieder und hießen nun Lechen. Und einige von diesen Lechen wiederum wurden Polen genannt und andere Lechen Lutizier, Masovier oder Pommern. Ebenso sind auch Slowenen angekommen, die sich am Dnieper niederließen und Polen genannt wurden; andere hießen wieder Drewier, weil sie in Wäldern saßen. Andere setzten sich zwischen dem Pripiat und der Dwina, und Wurden Polotschanen genannt, nach einem Flüsschen Namens Polota, das in die Dwina läuft. Wieder andere Slowenen, Ankömmlinge von der Donau, setzten sich um den Ilmensee und behielten ihren alten Namen; sie bauten eine Stadt und nannten sie Novgorod, wieder andere setzten sich an der Desna, am Dnea und an der Sula nieder, und nannten sich nun Sjewerer. Und so verbreitete sich das ganze Slowenenvolk, von dem auch die slowenische Schrift ihren Namen hat.“ Hier bekommen wir einen kleinen, wenn auch keinen chronologischen, Überblick über die Wanderungen des slowenischen Volkes; man hört Namen von kleineren Völkern aus der Umgebung des Mönches, die größeren setzt er längs der Donau und der Elbe. Er lässt die Slowenen von gemeinschaftlichen Sitzen an der Donau los wandern, und unterscheidet als Slowenen im engeren Sinne die im Osten verbliebenen, also die eigentlichen Anten, während er dem westlichen Zweig den Sammelnamen Ljachowe (Lechen) beilegt. Ob aber die Bezeichnung Ljachowe auf das Stammwort Ljas, Ljes, also Wald oder Waldbewohner zurückgeht, kann man nur vermuten, weil man damals die Lechen an der Weichsel, auf der Ostseite des karpathischen Waldes bis hin zur Donau findet. Wir sehen darin zumindest die erste allgemeine Bezeichnung, unter welcher Pommern und Lutizier nebst den Weichsel Polen und Masoviern inbegriffen sind. Zumindest kann man hier erkennen, dass die Ausbreitungs- und Verbreitungszeit der Slawen nicht plötzlich, und mit einem Mal, sondern in zwei Hauptströmungen stattfand; nämlich eine, welche die Mähren und Tschechen aus ihrer Heimat führte, währen die Donauslawen nur in ihrer unmittelbaren Nähe weiter rückten; und dann gab es später noch eine zweite große Bewegung, bei welcher die Wlachen den Slowenen an der Donau Gewalt antaten, und diese dadurch in Richtung Norden, Nordosten und Nordwesten vertrieben; also ins heutige Russland und in die baltischen Staaten. Es ist aber naheliegender, dass die Avaren und Hunnen, welche aus dem fernsten Osten kamen, hauptsächlich die slawischen Völkerwanderungen auslösten. Um das Jahr 530, zur Zeit des Verfalls des Thüringer Reiches, will man schon die ersten Spuren von den Sorbenwenden an der Saale und der Unstrut gefunden haben.

                LG Arndt
                Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                • Gerhard Jeske
                  Forum-Teilnehmer
                  • 24.08.2014
                  • 737

                  #38
                  AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                  Die Kaschuben, Gedanken zu ihrer Geschichte. Texte zu einem Film von von Gerhard Jeske Hamburg,copyright.
                  Die Entwicklung im Norden der Weichsel wurde vom Deutschen Ordens mitbestimmt. An dieser Stelle muß ich feststellen, damals war der deutsche Orden kein nationaler Orden des römischen Reiches Deutscher Nation , sondern ein Schwertorden der katholischen Kirche. Er unterstand, wie alle anderen Orden der Kurie in Rom. Seine Eroberungen erfolgten unter dem Auftrag der Heidenbekehrung . Alles Land was der Deutsche Orden den Heiden abnahm fiel dem Orden zu und nicht der weltlichen Herrschaft. Dieses Privileg wurde dem Deutschen Orden vom Vatikan gewährleistet.Die Politik der Heidenbekehrung ließ sich nicht aufrechterhalten. Denn sowohl die Prussen und die Ostpommern waren bis zum 13. Jahrhundert bekehrt. Von Ostpommern bis zur Weichsel , einschließlich Danzigs begann zwischen Polen, dem Deutschen Orden, Brandenburg und Danzig, später Schweden, Preußen und dem Deutschen Reich ein ständiger Kampf um das Kaschuben Land. In der Westkaschubei, mit der Stadt Bytow, das auch die westlichste Stadt Hinterpommerns ist, lagen die Verhältnisse für den Orden günstig. Im Jahre 1329 verkauften die Söhne des pommerschen Marschalls Behr das Bytower Land an den Deutschen Orden für 800 Mark. So kamen die Westkaschuben unter die Herrschaft des Deutschen Ordens. Um diese Herrschaft zu festigen wurde um 1390, die Ordensburg in Bytow gebaut, die bis heute erhalten ist. Diese Burg wurde späer zu einem Schloß rweitert und beherbergt zur Zeit das Kaschubische Museum und ist ein Kulturzentrum geworden. In der heutigen Geschichte des Bytower Landes wird die Ordenszeit nicht nur negativ beschrieben. Der Orden legte die Grundlagen für eine neue dörfliche Gemeinde, indem er administrative Verantwortung delegierte. So wurde der Gemeinderat eingeführt und die Wahl eines Schulzen und ein Gemeidewegerecht. In der Rechtsprechung blieb das alte slavische Recht neben dem deutschen bestehen. So durfte ein deutschstämmiger
                  Dorfschulze nicht einen Kaschuben oder Polen verurteilen. Man geht ja auch davon aus, daß diese Pratiken die Grundlagen für eine moderne staatliche Entwicklung geworden waren. In der Reformationzeit faßt die evangelische Kirche in Bytow und Umgebung unter den deutschtämmigen Bewohnern Fuß . In einigen Dörfern gab es neben der katholischen auch eine evangelische Kirche. Die Kaschubische Bevölkerung blieb meisten katholisch und über ihre Kirche mit der polnischen Sprache verbunden.
                  Im Norden, an der Ostsee, verlief die Entwicklung entgegengesetzt, dort lebten -östlich von Stolp, in den bekannten Dörfern Leba, Rowy und Gluky die Slowinsen, die See Kaschuben, die von der nördlichen Handelsstraße und den Seewegen beeinflußt wurden und dazu auch auch protestantisch . Das führte zur Integration in die deutsche Kultur. Evangelische Schriften und Lieder wurden ins kaschubisch-slowenische übersetzt. 1586 ließ der Pastor Simon Krofey bei Jacob Rhode in Danzig das erste kaschubische Gesangbuch drucken. Es ist so die Ironie der Geschichte, daß der kaschubisch-slowinzische Dialekt zwar zuerst gedruckt wurde, aber danach ausstarb.
                  Der Osten der Kascchubei zieht sich über die Küste bis zur Danziger Bucht hin. Das bekannteste Fischerdorf war auf der Halbinsel Hela: Jantarnia, - Heisternest und vor Danzig; Zoppot, das später das berühmte Seebad wurde. In Danzig erinnerte der -Kaschubische Markt, an die kaschubisch Bevölkerung und an den alten kaschubischen Fischerort. Das aktive Kaschuben daran festhalten, dass Gdansk die Hauptstadt der Kaschuben ist, das ist aus dem Nachholbedarf ihrer Geschichte verständlich. Doch die heutige Zeit drängt solche Wünsche an denRand, je mehr sich Gdansk zur Metropole entwickelt
                  Bleibt nachzutragen, dass in Preußen und im Kaiserreich die Kaschubische Sprache, sowie ihre Kultur unterdrückt wurde und dass ab1939 der Holocaust an den Kaschuben anfing, so wurde sofort nach dem 19, 09. 1939 die kaschubische Intellegenz umgebracht und auch die Kaschuben, die namentlich erfast waren, weil sie sich gegen Hitlerdeutschland negativ geäußert hatten, oder an ihrem kaschubisch - polnischem Patriotismus festhielten.

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                  • Enno12356
                    Forum-Teilnehmer
                    • 22.05.2016
                    • 35

                    #39
                    AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                    Auch Ihnen Gehard Jeske danke ich für
                    diesen interessanten Bericht !
                    Vermutlich haben meine kaschubisches
                    Vorfahren, die Przepiorkas, kath.
                    kaschubisch deutsch geheiratet. Glaubten
                    sie an den Schutz des deutschen Orden?
                    Nochmals Danke
                    Eva Maria

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                    • Antennenschreck
                      Forum-Teilnehmer
                      • 05.09.2011
                      • 1833

                      #40
                      AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                      Hallöle

                      Hier ein Wenig zum deutschen Orden:

                      Die Entstehung des deutschen Ordens

                      Der deutsche Orden war ursprünglich zu einem doppelten Zweck gegründet worden, zum Ersten, um die armen und verwundeten Kreuzfahrer zu pflegen und zu versorgen, und andererseits aus einem weit geringeren Grund heraus, nämlich um einen Krieg gegen die Feinde des Glaubens an Deutschlands Grenzen führen zu können. Doch der friedliche Hauptzweck des Ordens trat sehr schnell hinter dem heiligen Rittertum zurück; denn die in Bedrängnis geratenen christlichen Heere brauchten schon bald alle kampffähigen Ordensbrüder zu ihrer Hilfe, und hielten deshalb den Orden ständig unter Waffen und im Kampf. Inzwischen erkaltete aber die allgemeine Begeisterung der abendländischen Völker für den Glaubenskampf im Morgenland immer mehr. Mit großer Sorge sahen nun die kampflustigen Päpste ihre Felle im Morgenland davon schwimmen. In solcher Not fiel, Anfang des dreizehnten Jahrhunderts, ihr Blick auf den kleinen deutschen Orden, und sie kamen auf den Gedanken, diesen zu einer neuen großen Kriegsmacht in ihren Händen zu machen. Einer besonderen Veränderung bedurfte der deutsche Orden dazu nicht, man musste nur die Zahl seiner angehörigen Ritter vermehren, und seine Macht in Deutschland stärken. Und eine solche Veränderung konnte den damaligen Päpsten wohl nicht schwer fallen, denn sie hatten gerade die Spitze ihrer weltlichen Macht in Europa erklommen; also brachten sie den deutschen Orden mit einer Reihe von Verfügungen, auf Kosten der allgemeinen Christenheit, zu großen Reichtum und Macht; dies war ein einschneidender Wendepunkt in der Geschichte des Ordens. Jetzt bekam er jene einflussreiche Stellung im Abendland, welche ihn sogar zur Erreichung der Landesherrschaft in Preußen befähigte. Jedes Jahr zogen nun Ordenspriester durch ganz Europa, und sammelten Spenden für einen neuen Zug ins Morgenland. In vielen Orten bildeten sich Halbbruderschaften des deutschen Ordens, welche sich durch Übergabe ihres ganzen materiellen Besitztums an den Orden verpflichteten; überall sah man deutsche Ordenshäuser mit großen zugehörigen Ländereien, sogar der ungarische König übertrug dem Orden einen großen Teil seines Landes. All diese Besitzungen des Ordens wurden vom Papst mit Privilegien und Immunitäten ausgestattet; größer als sie jemals ein Fürstentum im ganzen Reich gehabt hätte. So entstand nun mitten in Europa ein Orden, welcher von weltlicher Macht unangreifbar war, und schon sehr bald zu einer neuen starken Territorialmacht heran wuchs; und die mächtigsten Fürsten von Deutschland hatten keinerlei Macht über diesen. Für den Orden gab es auch keine Abhängigkeiten von den Bischöfen, er war in seinem Tun ausschließlich dem Papst in Rom verpflichtet, er hatte seine eigenen Priester, seinen eigenen Gottesdienst, sein eigenes Kirchenwesen; er war also eine eigener Staat und eine eigene Kirche für sich. Der Papst war sein Bischof und sein Richter zugleich; nur bei diesem durfte über Dinge verhandelt werden, welche den Orden betrafen.

                      LG Arndt
                      Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                      • Antennenschreck
                        Forum-Teilnehmer
                        • 05.09.2011
                        • 1833

                        #41
                        AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                        Hallöle,

                        hier ein wenig mehr zu den Anfängen des deutschen Ordens in Preußen:

                        Der Cisterciensermönch Christian bringt das Christentum nach Preußen


                        Das Land der Preußen, im Norden von Polen gelegen, war während des elften und zwölften Jahrhunderts immer wieder von den polnischen Fürsten mit großen Heeren angegriffen worden. Deshalb hatte sich die heidnische Bevölkerung in dieser Gegend immer wieder unter das polnische Joch fügen müssen. Aber kaum hatten sich die Polen wieder auf den Heimweg begeben, so waren die eben erst Getauften auch schon wieder aufgestanden, und hatten die wenigen Besatzer und Bischöfe vertrieben. Bei diesen Kämpfen wurden die Pommern und Preußen aber immer stärker und bedrohten letztendlich sogar das schwächelnde polnische Reich. Mit Mühe und Not konnte man Polen halten, aber an eine erneute Unterwerfung dieser unruhigen Völker war gar nicht zu denken, denn selbst das gerade erst eingezogene Christentum in diesen Ländern war wieder auf dem Rückzug. Das berührte aber die Seele vom Cisterciensermönch Christian gar sehr, und er beschloss, sich der Bekehrung dieses heidnischen Volkes zu weihen. Weil dieser Mönch schon eine Weile im Kloster Oliva bei Danzig lebte, kannte er die Armut und einfache Lebensweise des Volkes um die Weichsel herum recht gut. Deshalb dachte er, mit dem christlichen Glauben auch Frieden und Wohlstand in diese Gegend bringen zu können. Vor allem aber wollte er für sein Tun den Segen des Papstes erlangen, und zog daher mit einigen Freunden im Jahre 1209 nach Rom. Das war nun schopn für Innocenz III. ein erhebender Anblick, diese Ordensbrüder zu treffen, welche einen so weiten Weg auf genommen hatten, um von ihm den Segen für ein so wohllöbliches Werk zu bekommen, diesen Wunsch konnte und mochte er ihnen also auch nicht verwehren. Mit großer Klugheit hatte sich Christian das Kulmische Gebiet zum Startpunkt seiner Mission ausgesucht, denn dort stand er noch unter dem Schutz des Herzogs von Masovien, und befand sich doch schon auf preußischem Boden. Wenn er in diesem Landstrich erst einmal Fuß gefasst hätte, so wäre der Weg weitere Weg tiefer hinein ins heidnische Preußen sicher einfacher zu bewältigen. Als er nun aus Rom zurückkehrte, ging er zuerst zum masovischen Herzog, um sich dessen Schutzes und Wohlwollens zu versichern. Was hätte nun aber für den Herzog Konrad günstiger sein können, als Christians heiliges Vorhaben, welches ihn auf einem friedlichen Weg von einem fürchterlichen befreien würde, und ihm das Kulmerland erst zu seinem wirklichen Besitz machen würde; ja, ihm vielleicht sogar die Herrschaft über ganz Preußen einbringen konnte. Er konnte und wollte also dem Mönch seine Zustimmung nicht versagen. Zuerst musste Christian nun also das ganze Kulmische Land zum Christentum bekehren; erst danach durfte er sich den angrenzenden Landschaften Pomesanien und Löbau zuwenden. Christians friedliche Worte zogen nun tatsächlich das heidnische Volk mächtig an, viele von ihnen, auch Edelleute, ließen sich von ihm sogar taufen. Sein christliches Werk machte recht gute Fortschritte, und er eilte schon im Sommer des Jahres 1211 wieder nach Rom, um dem Papst von seinen Erfolgen zu berichten, und von ihm zu erfahren, wie er jetzt die kirchlichen Verhältnisse bei diesem neu bekehrten Volk ordnen solle. Innocenz nahm die Botschaft mit großer Freude auf, konnte er doch hoffen, schon bald einen Bischof für das heidnische Preußen bestellen zu können. Einstweilen begnügte sich der Papst aber damit, den frommen Glaubensprediger und seine neu Bekehrten der bischöflichen Verwaltung zu Gnesen zu unterstellen, und die polnischen Fürsten und Prälaten zur Unterstützung desselben aufzufordern. Doch gerade diejenigen, welche der Papst zur Unterstützung aufforderte, bereiteten ihm die ersten Probleme. Die polnischen Äbte nämlich, waren auf Christians Wirken eifersüchtig, oder zumindest unfähig, seine hohe Begeisterung zu erfassen; und sie zweifelten sein ganzes Streben an und versagten ihm auch jeglichen Beistand. Man verweigerte Christian und seinen Leuten den Zutritt zu polnischen Klöstern und Kirchen, und nannte sie zuchtlose und liederliche Mönche. Man verfolgte sie so böswillig, das einige von Christians Getreuen den Mut verloren, und ihn verließen. Selbst des Herzogs Konrads Meinung über Christian hatte sich inzwischen gewandelt, und er verfolgte den Mönch mit mit allerlei Intrigen; denn die stolzen Polen hatten Preußen immer nur mit ihren Heeren erobert, und konnten nun Christians friedliche Erfolge nicht ertragen. Also versuchte nun auch Konrad das neu gewonnene Land unter ein hartes Joch zu beugen. Er glaubte sicherlich, Christian habe das Volk nur deshalb zum Christentum bekehrt, damit es sich nun gutwillig seiner Herrschaft unterwerfe. Allein, nichts lag Christian ferner, als die Meinung, seine Bekehrten hätten nun sofort den Herzog als ihren neuen weltlichen Herren anzuerkennen, oder er sei sogar verpflichtet die nun christlichen Preußen dem Herzog als neue Untertanen zuzuführen. Den eigentlich hatte Konrad gar kein Anrecht auf Preußen, welches ja bis jetzt immer seine Freiheit behauptet hatte, und nur weil dasselbe jetzt christlich wurde, konnte ein solcher Anspruch auch nicht entstehen. Der allgemein elende Zustand des damaligen polnischen Volkes musste Christian in seinem Widerstand gegen eine polnische Herrschaft nur noch verstärken; war doch die große Härte der dortigen Fürsten gegen das eigene Volk so groß, dass sich sogar der Papst im Jahre 1233 genötigt sah, mit gewaltigen Worten einzuschreiten, und eine sofortige Abstellung der Grausamkeiten zu fordern. Solch eine grausame Herrschaft konnte Christian sich für seine soeben Bekehrten sicher nicht wünschen.

                        LG Arndt
                        Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                        • Antennenschreck
                          Forum-Teilnehmer
                          • 05.09.2011
                          • 1833

                          #42
                          AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                          Hallöle,

                          hier ein wenig mehr zur frühen preußischen Geschichte:

                          Christian muss wieder nach Rom, um einen Weg zu finden

                          Der Mönch eilte also nun zum dritten Mal nach Rom; diesmal aber um dem Papst von der kritischen Situation in Preußen zu berichten. Dieser nahm sich auch sofort Christians Problemen an, und richtete ein Schreiben an das gerade versammelte Generalcapitel des Cistercienserordens, und lobte Christians hochherziges Tun, und tadelte ernsthaft die ihm angetanen Kränkungen und gebot allen Mönchen, den Glaubensprediger jetzt doch nach allen Kräften zu unterstützen. Genau so entschieden war das Schreiben, was Innocenz an die polnischen Fürsten richtete. Zuerst tadelte er ihren Versuch das preußische Volk ihrer Freiheit zu berauben und in Knechtschaft zu bringen, als unchristlich und dem weiteren Fortschritt der Bekehrung als nicht zuträglich, und er befahl ihnen von einem weiteren Benehmen dieser Art sofort abzustehen; zusätzlich übertrug er die ganze Vollmacht in dieser Sache an den Erzbischof von Gnesen. Jedem weiteren Verstoß gegen die Freiheit der preußischen Christen könne dieser im Ernstfall sogar mit einem Bannspruch beantworten. Der Zweck dieses Schreibens war zwar eigentlich nur, die weitere Bekehrung von Preußen zu schützen, aber war zugleich auch eine wichtige Entscheidung für die Zukunft der Region. Der Papst bestimmte darin also, dass Preußen in Zukunft unabhängig bleiben solle, und ein eigenständiger christlicher Staat werden müsse, der keinesfalls unter polnische Herrschaft gehöre.

                          Christian wird zum ersten Bischof in Preußen

                          Diese Frage aber wurde auch bald durch eine freie politische Entscheidung der Preußen selber geregelt. Denn schon zu Anfang des Jahres 1215 waren zwei große Landschaften von Preußen samt ihrer Oberhäupter für das Christentum gewonnen worden, konkret handelte es sich um Lansania und Löbau. Das neue christliche Gebiet in Preußen hatte jetzt einen solchen Umfang, dass Innocenz nicht mehr länger zögern musste, mit der Erhebung Preußens zu einer Diöcese; und wer sonst sollte ihr erster Hirte sein, als eben unser Christian. Wahrscheinlich erhielt er in Rom aus der Hand des Papstes selber seinen Schmuck und die Weihe zum Bischof von Preußen. Als nun die beiden Oberhäupter von Lansania und Löbau diesen Oberhirten von Preußen sahen, da legten sie diesem die Herrschaft über ihre Gebiete in seine Hände. Sie hatten schon seine Weisheit und Milde erlebt, mit der er gewirkt hatte, auch hatten sie seine Kühnheit bestaunt, mit der er für die Freiheit von Preußen gestritten hatte. Wem konnten sie also sicherer ihre Länder anvertrauen, als Christian; und Innocenz bestätigte gern ihre Schenkungen. So wurde also Christian der erste Bischof und christlich weltliche Herrscher von einem großen Teil Preußens. Es hörte also jetzt die einstweilige Verwaltung durch den Erzbischof von Gnesen auf; von einer Unterordnung der preußischen Kirche unter die polnische ist nichts bekannt, und eine solche ist nach dem vorher Berichteten auch sehr unwahrscheinlich. Mit Ausnahme von Kulm gebot nun Christian über all das inzwischen christlich gewordene Land seines Sprengels. Dieses Gebiet umfasste mit Löbau das ganze später sogenannte Pogesanien, zwischen Pomesanien und der Passarge, und erstreckte sich bis zum frischen Haff. Solch große Gebiete umfasste also inzwischen der christliche Glaube, und die Vollendung der Bekehrung schien nicht mehr lange auf sich warten zu lassen. Auch die politische Gestaltung von Preußen schien also in eine günstige Richtung zu gehen, wenn das keine äußeren Umstände verhindern würden. Es war also zu erwarten, dass auch noch die übrigen preußischen Völker Christian die Hoheit über ihr Land übergeben würden.

                          LG Arndt
                          Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                          • Antennenschreck
                            Forum-Teilnehmer
                            • 05.09.2011
                            • 1833

                            #43
                            AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                            Hallöle,

                            hier noch ein wenig preußische Geschichte:

                            Der Bischof Christian versucht das Erreichte zu schützen

                            Allerdings konnten die benachbarten polnischen Fürsten eine so positive Entwicklung in ihrer Nachbarschaft nicht dulden, und sie versuchten die noch nicht christianisierten Gebiete Preußens gegen Christian aufzustacheln; dieser erkannte genau aber die Gefahr welche davon ausging, und versuchte sein Land in einen besseren Verteidigungszustand zu versetzen. Dafür reichten nun die christianisierten Bewohner von Preußen allein nicht aus, also beantragte der stolze Christian eine heilige Kreuzfahrt nach Preußen beim Papst. Wäre nun der Papst mit diesem Vorschlag einverstanden, so käme eine große Schutzmacht ins Land. Allerdings war der Zeitpunkt für einen solchen Kreuzzug nicht gerade günstig gewählt, denn das Lateranische Conzil hatte soeben erst einen Kreuzzug ins heilige Land für den Sommer des Jahres 1216 beschlossen, und in allen christlichen Ländern wurde schon dafür gerüstet. Noch schlimmer für Christians Vorhaben war es aber, dass Innocenz am 16. Juli 1216 verstarb. Doch Christian ließ sich von all dem nicht verdrießen, um sein Begehren dem neuen Papst Honorius III. vorzutragen. Dieser gewährte ihm alles, was damals machbar war, also Christian sollte in seinem Namen das christliche Volk der benachbarten Länder zu einer Kreuzfahrt nach Preußen aufrufen. Ob es ihm nun gelungen ist, ein besonders großes Heer zu gewinnen, ist nicht bekannt, sicher ist nur, dass er in Masovien und Cujavien das Kreuz nicht gepredigt hat. Wohl vor allem deswegen, weil gerade einmal wieder die heidnischen Preußen diese Gegenden überfallen hatten, und das in Polen bereitstehende Heer für den Palästinakreuzzug teilweise schon von seinem Gelübde entbunden werden musste, um die eigene polnische Heimat zu beschützen. Der Papst gestattete damals den polnischen Kreuzfahrern in einem Brief, dass zumindest diejenigen aus Masovien und Cujavien zum Schutz gegen die heidnischen Preußen zurückblieben. Er verbot aber auf das Strengste, dass keiner der Kreuzfahrer sich unterstehe, das Land der Bekehrten Preußens ohne die Einwilligung Christians, des Bischofs, zu betreten. Solche ernsten Worte wählte der Papst sicher nur, weil er befürchtete, dass der polnische Herzog, wenn er schon einmal über die Weichsel ginge, wahrscheinlich die Chance ergreifen könnte, um das bereits bekehrte Preußen zu erobern. Hieran kann man klar erkennen, dass der polnische Herzog keinerlei Rechte an Preußen hatte, und der Bischof ganz deutlich vom Papst als dessen unabhängiger Herrscher anerkannt wurde. Dieses Schreiben des Papstes beruhte auf dem damaligen Rechtsstand, und es war die spätere Grundlage dafür, dass der deutsche Orden in den Besitz von ganz Preußen kam. Christians weltliche Beziehungen zum Kulmer Land waren ein wenig anders, denn dieses stand noch immer irgendwie unter polnischer Verwaltung, obwohl seine Bewohner deshalb längst keine Polen waren, sondern ebenfalls zum preußischen Volk gehörten; auch waren die Burgen im Land längst von ihren polnischen Kolonisten verlassen worden. Zählte man dieses Land nun zum bekehrten Preußen, so galt der Spruch des Papstes natürlich auch für das ganze Kulmer Land, so dass auch hier kein Kreuzfahrer irgend etwas tun dürfe ohne Christians Einverständnis; der einzige Unterschied zu den restlichen Ländern bestand darin, dass der Bischof Christian hier keine weltliche Landeshoheit hatte, weil diese theoretisch noch immer beim polnischen Herzog lag. Die Vollmacht zu einem Kreuzzug, welche Christian vom Papst erhalten hatte, stand in keinem Verhältnis zu den Gefahren, welche das bekehrte Preußen bedrohten, denn selbiger durfte ja nur in den angrenzenden Ländern das Kreuz predigen. Wie dringend auch eine militärische Stärkung für seine Länder war, so musste doch Christians eigentliches Ziel eine weitere Verbreitung und Festigung des christlichen Glaubens in Preußen sein. Es war deshalb nach seiner Sicht eine allgemeine Kreuzfahrt in allen christlichen Länder wesentlich wichtiger, welche ihn persönlich auch von allen weiten Reisen in andere Gegenden enthoben hätte. Dieses setzte Christian dem Papst in einem neuen Brief auseinander, und richtete an ihn die Bitte nach der Verkündigung einer allgemeinen Kreuzfahrt. Als nun Honorius erkannte, dass man bei der Bekehrung des preußischen Volkes nicht auf halben Wege stehen bleiben könnte, entschloss er sich, alle Kräfte, welche nicht unbedingt für den Kreuzzug nach Palästina gebraucht würden, vorerst dafür aufzubieten. Als erstes erließ er an alle Bischöfe in Deutschland, Pommern und Polen einen Aufruf, in welchem er darauf hinwies, dass die erreichten Bekehrungen in Preußen doch unbedingt gesichert werden müssten, um das den heidnischen Feinden entrissene Land auch dauerhaft vor selbigen zu schützen. Deshalb sollten sie doch all diejenigen, welche den Zug ins gelobte Land nicht unternehmen könnten, ermahnen, entweder persönlich oder durch Absendung von Dienstmannen dem neugetauften Preußen zu Hilfe zu eilen, ihnen sollten dafür dieselben Gnaden zuteil werden, wie auch den Verteidigern des heiligen Landes. Ein gleich lautendes Schreiben bekamen auch die allermeisten Kreuzfahrer außerhalb des heiligen Landes. Doch dieses Schreiben schien dem Papst noch nicht genug zu sein, um der Not Preußens genug abgeholfen zu haben. Man wollte weiterhin gegen eine barbarische heidnische Sitte bei den Preußen etwas unternehmen. Denn bei diesen heidnischen Familien herrschte die Sitte, alle Kinder weiblichen Geschlechtes, bis auf ein einziges, sogleich nach der Geburt zu töten. Christian wollte nun diese Rohheit dadurch beenden, dass die unglücklichen weiblichen Nachkommen ihren heidnischen Eltern abkaufte und im Christentum aufwachsen ließe. Ein solch mildes Verfahren musste auf längere Sicht sicher eine positive Wirkung auf die heidnischen Gemüter haben; es musste sie auf den Gedanken bringen, dass derjenige, der so uneigennützig an ihrem Nachwuchs handelte, sicher auch nichts Böses von ihnen wollte. Der Papst fand diesen Plan sehr gut, und empfahl allen Christen zu spenden, um die unglücklichen Kinder kaufen zu können; er meinte, mit einer solchen Waffe der Liebe könne man alles Böse besiegen. Ein weiterer Plan von Christian war etwas direkter auf die Bekehrung der Heiden gerichtet. Er sah das noch zu bekehrende Gebiet als viel zu groß für seine wenigen Glaubensboten an. Wohl hätte er in anderen Klöstern viele Mönche für eine solche Aufgabe finden können, auch fehlte es in Deutschland nicht an Priestern welche freiwillig nach Preußen gegangen wären, allein er kannte das Misstrauen, welches die preußischen Heiden jedem Fremden gegenüber hegten. Aus diesem Grund wollte Christian viele Schulen gründen, in welchen preußische Jungen unterrichtet und zu Glaubensbrüdern ihres eigenen Volkes erzogen werden würden. Doch diese Maßnahmen waren noch zu wenig für Honorius, und er unterteilte Preußen in einzelne Diöcesen, unabhängig davon, ob die Gebiete schon christlich, oder noch heidnisch waren; eine solche Aufteilung wurde damals eigentlich nur von den höchsten Würdenträgern des Papstes vorgenommen. Preußens kirchliche Gestaltung konnte nun natürlich nicht bei Null beginnen, denn der weite Sprengel hatte in dem Bischof Christian schon ein Oberhaupt. Es war also nur folgerichtig, dass Christian die einzelnen Diöcesen zu einer Provinz zusammenfasste, welche dann ihn zum Oberhaupt als Erzbischof erhielt. Er empfing dazu auch am 5. Mai 1218 ein Schreiben vom Papst, worin ihm die unbeschränkte Vollmacht zuerkannt wurde, in Preußen Diöcesen einzurichten, Bischöfe zu wählen, zu weihen und einzusetzen. Durch dieses Schreiben wurde er tatsächlich zum kirchlichen Oberhaupt in Preußen. Christians früherer Name „Bischof von Preußen“ wurde jetzt gleichbedeutend mit dem Titel Erzbischof von Preußen; es ist daher nicht verwunderlich, wenn er ab diesem Punkt an als erster und oberster Bischof von Preußen bezeichnet wird. Bis hierher haben wir nun hauptsächlich über die kirchliche Entwicklung von Preußen geschrieben, und wir wissen jetzt, dass Christian in dieser Hinsicht unbeschränkter Herr in Preußen war. Man könnte nun auch erwarten, dass Christian auch in weltlicher Hinsicht mittels einer Urkunde zu einer bestimmten Position innerhalb Preußens bestimmt wurde. Und eine solche Urkunde hat Christian auch wirklich vom Papst erhalten, welche ihn auch zum weltlichen Herrscher von Preußen bestimmte. So wie es in vielen neuen Staaten von Europa geregelt war, wo die jeweiligen Erzbischöfe ebenso auch die weltlichen Gebieter waren, so sollte es nun auch in Preußen werden, und Christian sollte hier auch die weltlichen Geschäfte leiten; weil ja zur damaligen Zeit niemand anders einen gerechten Anspruch auf Preußen geltend machen konnte. Christians ganzes Wirken galt nun der politischen und kirchlichen Organisation in Preußen; am vordringlichsten war aber die Sicherung des schon bekehrten Gebietes durch herbeigerufene Kreuzfahrer, weil die Heiden ihre Überfälle in das christliche Land immer weiter verstärkten. Bis zum Jahre 1219 scheint aber, trotz aller Bemühungen Christians, noch kein größeres Heer von Kreuzfahrern in Preußen angekommen zu sein. Wahrscheinlich reiste der Erzbischof deshalb zu dieser nach Deutschland, um die Teilnahme an der Sache Preußens zu verbessern und viele Kreuzfahrer dafür zu gewinnen. Allerdings war die allgemeine Lage im damaligen Deutschland nicht so, dass er hier auf einen großen Erfolg hoffen konnte; denn der von Friedrich II., lang angekündigte Kreuzzug ins heilige Land sollte nun endlich stattfinden; die deutschen Fürsten hatten allesamt Friedrich versprechen müssen, dass sie zusammen mit ihm die Fahrt ins heilige Land antreten würden. Friedrich hatte daraufhin dem Papst bei seiner Kaiserkrönung versprochen, diesen Kreuzzug bis spätestens August des Jahres 1221 auch antreten zu wollen. Also war es gar nicht so einfach, bei dem Kaiser auch noch ein wenig Begeisterung für die Sache Preußens zu entfachen.


                            LG Arndt
                            Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                            • ada.gleisner
                              Forum-Teilnehmer
                              • 17.02.2008
                              • 882

                              #44
                              AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                              Danke für den kaschubisch, slawischen Geschichtsunterricht , von dem ich bisher wenig oder fast gar nichts wußte. Ich lese es mit Begeisterung, ist es doch ein Gebiet, in dem auch unsere Vorfahren, die meist Slawen waren mit germanischen Einsprengseln, lebten. In Geschichtsbüchern Westdeutschlands kam hierüber fast gar nicht vor, trotz der angeblich 14 Mill. Flüchtlinge aus dem Land jenseits der Oder.
                              Hoffentlich hast Du noch viel zu schreiben lieber Arnd. Liebe Grüße von Ada
                              Was ist Geld? Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt. (H. Heine)

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                              • Antennenschreck
                                Forum-Teilnehmer
                                • 05.09.2011
                                • 1833

                                #45
                                AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                                Hallo Ada,

                                bis vor ca. 2 Jahren waren für mich solche Begriffe wie Slawen, Wenden, Kelten, Kassuben, usw. auch noch weitestgehend böhmische Dörfer. Zuerst hat mich unser Waldkind (dankenswerterweise) auf die Slawen / Wenden aufmerksam gemacht. Und ich hoffe, dass Miriam auch hier und da mal ein wenig liest von meinen Texten, und vielleicht auch manchmal zustimmen kann. In unseren Schulbüchern fehlten solche infos auch fast vollständig, warum auch immer. Ich habe aber sehr viele alte Bücher / Urkunden / Archivauszüge usw, und früher stand so etwas ja noch in den Büchern drin. Also lese ich sehr viel, und schreibe parallel dazu ein Buch, wobei ich das Gelesene versuche zusammen zu fassen. Das Buch hat jetzt so ca. 940 Seiten, und ich habe vor etwa 4 Monaten mit Entsetzen festgestellt, dass darin gar nicht sehr viel über die slawischen Völker zu lesen ist. Also habe ich mich mal etwas mehr auf diesen Bereich geworfen. Die Kassuben speziell tauchen erst namentlich etwa zu Anfang des 11. Jahrnunderts auf. So richtig kennt man sie aber erst ab dem 13. Jahrhundert. Aus meiner Sicht waren sie ein kleines Teilvolk der Pommern, weshalb man sie wohl auch nicht so oft erwähnt hat. Aber das ist nur meine Sicht. Man hatte das früher sehr oft, dass sich z.B. ein Volk selber ganz anders nannte, als es von seinen Nachbarn genannt wurde. Klar ist aber auf jeden Fall, dass es sich bei diesen ganzen Völkern um slawische gehandelt hat, weil die damalige Grenze zu Deutschland viel weiter westlich lag als heute.

                                LG Arndt
                                Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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