Geschichte und Glauben der Kaschuben

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  • Antennenschreck
    Forum-Teilnehmer
    • 05.09.2011
    • 1833

    #1

    Geschichte und Glauben der Kaschuben

    Hallöle,

    mal ein wenig über die Kaschuben:

    Pommern im zehnten und elften Jahrhundert

    Pommern glich aus deutscher Sicht bis zum Anfang des 12. Jahrhunderts einer Insel, an deren Küste wohl schon einige Seefahrer gelandet waren, über deren innere Beschaffenheit aber so gut wie gar nicht bekannt war. Als nun die Fackel des Christentums von den Ufern der Elbe über Dänemark, Skandinavien und die östlichen Länder ausstrahlte, wurden zwar die westlich wohnenden Obotriten und Lutizier von ihr beleuchtet; aber das eigentliche Pommern, wenn auch noch in der Gegend von Wollin erhellt, blieb weiterhin in Dämmerung gehüllt. Der große Stamm der Lechen hatte sich in der Weichselgegend festgesetzt, sein Mittelpunkt lag bei Gnesen, und seine Zweige reichten bis zur Ostsee und zur Elbe, ohne dass man sagen könnte, wann genau das geschehen war. Erst seit das Christentum im Jahre 966 eingeführt wurde, und ausländische Geistliche ins Land kamen, wurden Überlieferungen gesammelt, und Bruchstücke der alten Geschichte aufgezeichnet, und natürlich die aktuellen Ereignisse aufgezeichnet. Aus dem, mit offenbaren Erdichtungen vermischten, älteren polnischen Überlieferungen können aber nur wenige glaubwürdige Sätze abgeleitet werden. Zu diesen rechnet man die Nachricht, dass Pommern, oder das Land, welches von der Ostsee, der Oder und Weichsel und südlich von der Wartha und Netze eingeschlossen wird, in den früheren Zeiten zu Polen gehörte. Nach den polnischen Nachrichten hatte Leska III. einen einzigen ehelichen Sohn, aber dazu noch zwanzig weitere von Beischläferinnen. Der erste folgte ihm in der Regierung, aber fünf von den unehelichen, deren wirkliche Zahl wohl übertrieben ist, versorgte er mit Ländereien in Pommern, denn es war damals Sitte, die Söhne von Fürsten mit eigenem Landesbesitz auszustatten. Namentlich erhielten Boleslaw, Barvin oder Barnim und Bogdal Pommern, und Kasimir und Vladislav bekamen Kassubien. Unter den übrigen Söhnen soll Rügen und das Land zwischen der Oder und der Elbe verteilt worden sein, was sich nach einer Übertreibung anhört, obgleich es wahrscheinlich ist, dass die Völker zwischen der Elbe und der Oder früher mit den Polen in Verbindung standen. Popiel I. schlug erst seine Residenz in Guesen, danach in Kruschwitz am Golpo See auf, aus welchem die Netze entspringt, wo auch sein Sohn Popiel II. wohnte. Dieser, wie schon sein Vater, ein wollüstiger Fürst, machte sich Sorgen, dass die pommerschen Polen einen von den unehelichen Brüdern zum Oberhaupt wählen könnten. Er lud daher seine Onkel, entsprechend eines Planes seiner Gemahlin, zu sich ein, und tötete sie durch einen vergifteten Wein, welchen er ihnen als Willkommenstrunk reichte. Dieser schändliche Mord an seinen Onkeln führte aber zu Popiels II. Absetzung, und er soll danach von den Mäusen in seinem Kerker verzehrt worden sein. Nun wurde also Piast zu Polens neuem Oberhaupt gewählt, dessen vierter Nachfolger Miesko I. das Christentum in Polen einführte. Hier kann man erkennen, dass Pommern und Polen früher ein Land gewesen ist. Auch zeigt sich das an der Lage von Gruschwitz im heutigen Netzgebiet, weil man einfach nicht annehmen kann, dass die polnischen Regenten ihre Residenz genau an der Grenze erbauen würden, wo sie dort doch leicht überfallen werden könnten. So eine Residenzstadt musste immer ungefähr in der Mitte eines Landes liegen, wenn sich dort das Oberhaupt gefahrlos aufhalten sollte. Auch hatten die Polen und die Völker zwischen der Oder und der Elbe früher die gleichen Götter; was hier Podaga und Sieba waren, nannten die Polen Pogoda und Ziwie, und Zisibog war unstrittig dieselbe Gottheit, welche von den Polen Zizililia oder Dzidzielia genannt wurde. Aus den obigen Nachrichten erkennt man weiterhin, dass Pommern in den ältesten Zeiten in das eigentliche Pommern und Cassubien eingeteilt wurde. Boguphalus, ein Bischof von Posen, der 1253 starb, gibt sich alle Mühe, den Namen Cassubien, aus caes = lege zusammen und huba = Rockfalte zu erklären, weil die Einwohner ihre langen und weiten Kleider in Falten hätten legen müssen. Diese Namenserklärung, welche uns über den Ursprung des Volkes keinen Aufschluss gibt, beweist indessen, dass die Benennung Kassubien nicht erst 100 Jahre vor ihm entstanden sein konnte, sondern so alt ist, wie es eben auch die Namen Pommern, Masovien und andere polnische Ortsnamen sind. Oft wird allerdings von späteren polnischen Schriftstellern Kassubien nicht mehr unterschieden, und nur noch als Pommern bezeichnet. Die Preußen scheinen Kassubien Welida genannt zu haben.

    Vielleicht hift das ja bei der Klärung wer hier zu wem gehört.

    LG Arndt
    Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!
  • Enno12356
    Forum-Teilnehmer
    • 22.05.2016
    • 35

    #2
    AW: Ein ungeklärtes Rätsel: Die "Hagemann=Strasse" in Ober-Buschkau

    Lieber Antennenschreck,
    ich danke Dir von Herzen für
    Deinen tollen Bericht. Die
    Piepjorkas ( Name verdeutscht)
    waren Kaschuben. Sie heirateten
    seit Generationen immer in kath.
    deutsche Familien ein.
    Ich kann garnicht genug über sie
    erfahren ! An welche Götter glaubten
    sie vor der Christianisierung ???
    Nochmals lieben Dank
    Eva Maria

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    • Antennenschreck
      Forum-Teilnehmer
      • 05.09.2011
      • 1833

      #3
      AW: Ein ungeklärtes Rätsel: Die "Hagemann=Strasse" in Ober-Buschkau

      Hallöle,

      da ich erst heute Vormittag auf das Thema Kaschuben aufmerksam wurde, ist dieser Bereich in meinem Buch noch etwas lückenhaft. Andererseits werden die Meldungen über die Kaschuben vor dem zehnten Jahrhundert sehr dünn. Entweder haben sie nichts aufgeschrieben, oder ihre Schriften sind verloren gegangen. Ich bin aber noch weiter am Suchen. Im Grundsatz werden es aber die slawischen Gottheiten gewesen sein, denn die Kaschuben sind ja unzweifelhaft ein slawisches Volk. Sollte ich aber noch etwas Genaueres zu ihren Göttern finden, so werde ich es hier posten, versprochen. Über die slawischen Gottheiten allgemein wäre ich aber wesentlich aussagekräftiger.

      LG Arndt
      Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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      • Iris Freundorfer
        Forum-Teilnehmer
        • 22.09.2016
        • 552

        #4
        AW: Ein ungeklärtes Rätsel: Die "Hagemann=Strasse" in Ober-Buschkau

        Hallo Arndt,

        auch ich habe den Beitrag über Pommern im 10. und 11. Jahrhundert sowie die Kaschuben mit Interesse gelesen.

        Viele Grüße
        Iris

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        • Antennenschreck
          Forum-Teilnehmer
          • 05.09.2011
          • 1833

          #5
          AW: Ein ungeklärtes Rätsel: Die "Hagemann=Strasse" in Ober-Buschkau

          Hallöle,

          da die Frage nach den Quellen kam, hier mal zur Erklärung:

          ich schreibe immer noch an einem Buch mit dem Namen "Deutsche Geschichte rund ums Osterland", welches inzwischen an die 900 Seiten umfasst. Das Buch wird immer nur ein PDF File bleiben (also solange ich das bestimmen kann), und es wird immer nur verschenkt werden dürfen (auch solange ich lebe). Es speist sich aus einer unendlichen Anzahl uralter Quellen, welche man heute nur noch teilweise bekommt. Die alten Texte, Bücher, Regesten, Urkunden, Archivauszüge und Landkarten haben oft recht seltsame lateinische Namen, welche auch als Suchbegriff schlecht gehen, sie haben meist kein Inhaltsverzeichnis, sind oft eine Mischung von lateinschen und schlechten deutschen Texten, also hier hilft nur Durchlesen. Ich schreibe dann einen Querschnitt des Gelesenen in einen neuen, hoffentlich besser lesbaren, Text. Da die Dokumente alle über 150 Jahre alt sind, bestehen gleich aus dreierlei Sicht keine urheberrechtlichen Bedenken, erstens sind sie eben viel älter als 70 Jahre, zweitens gab es damals noch gar keine Urheberrechtsgesetze, und drittens handelt es sich ja um Textpassagen aus meinem eigenen Buch. Das Osterland lag übrigens früher im heutigen Sachsen / Thüringen, und war erstaunlich groß.

          LG Arndt
          Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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          • Antennenschreck
            Forum-Teilnehmer
            • 05.09.2011
            • 1833

            #6
            AW: Ein ungeklärtes Rätsel: Die "Hagemann=Strasse" in Ober-Buschkau

            Hallöle,

            hier einmal ein wenig über den slawischen Glauben im Allgemeinen, natürlich aus meinem Buch:

            Der Glauben der Slawen

            Den Stammesältesten obliegt es den Götterdienst zu leiten, die Heiligtümer zu überwachen und die Opfer darzubringen; denn ein besonderer Priesterstand, wie es ihn bei den baltischen Slawen gab, scheint den Sorben unbekannt gewesen zu sein. Eine solche geweihte Opferstätte, und einen uralten heiligen Wald in der Merseburger Gegend, Zutibure genannt (richtiger Zuetibure = tsch. svatobor, = heiliger Fichtenhain, = Zuetepulc bei Thietmar = Swatopluc), lässt erst der Vorgänger dieses Bischofs wegschlagen, um an seiner Stelle eine christliche Kirche zu errichten. Der Boden auf dem diese slawische Kultur entsteht, ist ganz einfach die Natur; man verehrt einen obersten Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, den Urheber des herrlichen Lichtes und des das Menschenherz erschütternden Gewitters. Das höchste Wesen in seiner Eigenschaft als Donnergott heißt Perun, was soviel wie, der Donnerschlag der aus der Höhe kommt, bedeutet; darum wird diesem Gott, genau wie dem germanischen Donar auf den hohen Bergen das Opfer gebracht; bei den Sorben wahrscheinlich auf dem Sonnenstein bei Pirna, das von ihm den Namen erhalten haben dürfte = Perunova gora. Die Personifikation der reinen und heiteren Himmelsluft, des Windes und des Wetters ist der insbesondere bei den baltischen Slawen verehrte Svantovit. Er ist der Sieg- und Segenspender, und überschaut das ganze Weltall, weshalb er auch vierköpfig dargestellt wird, und hat sein Hauptheiligtum, einen wundervoll geschmückten Tempel, auf dem einsamen Kreidefelsen von Arkona, Ob er auch bei den Sorben, welche ihn Svatovit genannt haben müssten, ebenfalls so verehrt wurde, läßt sich nicht erweisen.Die selbe Unsicherheit besteht hinsichtlich der Verehrung des bei den Elbslawen in Ansehen stehenden Triglav, des dreiköpfigen Gottes. Zu diesen gesellte sich noch Radigast, dessen wesen noch ungeklärt ist, der Gott des Morgens Jutrebog, nach welchem Jüterbogk benannt ist, Pripegala, als schaffende Kraft von den Sorben noch im 12. Jahrhundert verehrt. Wahrscheinlich entstand erst zur Zeit des Kampfes zwischen dem Heidentum und dem Christentum der Glaube an Cornebog, den schwarzen und bösen Gott, von welchem Helmolds slavische Chronik sagt: „Malum deum (Sclavi) sua lingua Diabol sive Zcernoboch, id est nigrum deum, appelant.“, und den Gegensatz zu diesem bildet der lichte und gute Gott Belobog; von diesen beiden, in welchen sich der Kampf des Lichtes mit der Finsternis, des Guten mit dem Bösendarstellt, haben zwei Berge in der Oberlausitz ihre Namen, welche deshalb auch als die Verehrungsstätten dieser Wesen betrachtet werden, es handelt sich um die Berge Czerneboh und Bieleboh. An vielen Stellen meinte man das von den Göttern ausgehende Geschick zu erkennen; denn ob aus dem, was man tut, Glück oder Unglück zu erwarten ist, danach Forschte man im häuslichen Leben genau so, wie in den allgemeinen Angelegenheiten des Volkes, besonders dann, wenn es um Krieg oder Frieden, und um Leben oder Tod ging. Tacitus berichtet uns von Pferdeorakeln, bei welchen der Priester ein schneeweißes heiliges Roß über neun, am Boden liegende Speere Führte; das Glück oder Unglück hing nun davon ab, welchen Vorderhuf das Pferd zuerst anhob. War im Daleminzierland der Sumpf bei Platzschen unweit von Lommatzsch mit Weizen, Hafer und Eicheln bedeckt, so Folgte ein Fruchtbares und Friedliches Jahr; Blut und Asche aber zeugten für ein kriegerisches und schreckliches Jahr. Zur religiösen Feier gaben wie auch anderswo, so auch bei den Slawen die Todesfälle Veranlassung. Unter besonderen Feierlichkeiten und Förmlichkeiten geschieht die Verbrennung oder die Beerdigung der Leichen; denn wie Funde und Überlieferungen übereinstimmend zeigen, sind beide Arten der Bestattung nebeneinander im Brauch gewesen, und der mütterliche Schoß unserer Erde empfing entweder den Leichnahm in Kleidung und Schmuck, oder eben die Asche desselben, welche sich in einer Urne befand; dazu gab man noch reichlich Speise und Trank mit auf den Weg. Denn ein Leben nach dem Tod giebt es auch nach Ansicht der Slawen, denn die Seele des Toten galt ihnen als unsterblich, weshalb sie auch in die grünen Schattengefilde raj, zum Paradies entschwebt. Andere Feste werden zum Beispiel im Verlauf des Jahres, passend zum Wechsel in der Natur, gefeiert. Mit der Wintersonnenwende beginnt die Herrschaft der dunklen, Feindseligen Geister, der besi, die man mittels Opfern gnädig zu stimmen versucht; dann Folgt die Feier des alle erfreuenden Frühlingsanfangs, mit welchen die als Lichtgottheiten gedachte Naturkräfte, die bozi, aus des Winters und des Todes Gewalt befreit werden; auf der Höhe der Naturentwicklung wird die Sommersonnenwendfeier begangen, die erklärlicher Weise einen durchaus heiteren Charakter trägt. Überhaupt war das sorbische Volk recht sehr einem Fröhlichen und lustvollen Leben zugeneigt; Gesang, Reigentanz und Spiel, Schmaus und Trinkgelage entsprechen so recht der slawischen Volksseele und werden auch zu Handlungen ihrer Religion. Das Volk liebt die Fröhlichkeit und den heiteren Genuss des Lebens, die Gemächlichkeit und Ruhe des Friedens. So kriegerisch auch eine Menge von slawischen Herrschern uns auch vermittelt werden, die Slawen ergötzten sich meist nur an Friedlicher Musik und Gesang, und nicht an bei kämpferischen Heldenliedern; man hatte eine gewisse Leicht- und Schnellebigkeit, und auch ein wenig Scheu vor allzu strenger und harter Arbeit; auch gab es eine bestimmte Spottlust und Derbheit in den Sprüchen, namentlich in Bezug auf körperliche Gebrechen und Eigentümlichkeiten, welches bei verschiedenen Namen immer wieder zu Tage tritt. Sehr zu rühmen und anzuerkennen ist aber der scharf ausgeprägte slawische Familiensinn, welcher uns schon bei der Anlage ihrer Dörfer entgegen tritt, aber sich auch in den Personennamen äußert, welche immer wieder eine eigentümliche Zärtlichkeit innerhalb des häuslichen Kreises zeigen.

            LG Arndt
            Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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            • Rahmenbauer14, + 1.11.2021
              Forum-Teilnehmer
              • 01.01.2009
              • 1434

              #7
              AW: Ein ungeklärtes Rätsel: Die "Hagemann=Strasse" in Ober-Buschkau

              Hallo Arndt,
              zur Gottheit "Radigast":
              hier, ca. 25 km südl. von Rerik, gibt es einen Ort namens Radegast.
              Ebenso südl. von Köthen.
              In diesen Orten wird man ihn wohl verehrt haben.
              Auch ich habe noch nichts von dieser Gottheit gehört.
              Werde mich mal umhorchen.

              Beste Grüße
              Rainer
              "In einem freien Staat kann jederman denken,
              was er will, und sagen, was er denkt"
              (Spinoza)

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              • Iris Freundorfer
                Forum-Teilnehmer
                • 22.09.2016
                • 552

                #8
                AW: Ein ungeklärtes Rätsel: Die "Hagemann=Strasse" in Ober-Buschkau

                Hallo zusammen,

                dies habe ich zum Radigast gefunden: https://de.wikipedia.org/wiki/Svaro%C5%BEi%C4%87
                Arndt wird das sicher kennen. Ich fand es zur Ergänzung seines Beitrags interessant.

                Viele Grüße
                Iris

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                • Ulrich 31
                  Forum-Teilnehmer
                  • 04.11.2011
                  • 8547

                  #9
                  AW: Ein ungeklärtes Rätsel: Die "Hagemann=Strasse" in Ober-Buschkau

                  Zur Radegast-Statue auf dem Berg Radhošť diese Webseite: > http://severnimorava.travel/de/co-de...a-na-radhosti- .

                  Gruß Ulrich

                  Kommentar

                  • UtaK.
                    Forum-Teilnehmer
                    • 16.05.2010
                    • 235

                    #10
                    AW: Ein ungeklärtes Rätsel: Die "Hagemann=Strasse" in Ober-Buschkau

                    Guten Morgen,

                    die Stadt Radegast ist seit dem 1.Januar 2010 ein Ortsteil der Stadt Südliches Anhalt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt. Über den Namen "Radegast" steht bei Wikepedia:

                    "Am 2. Oktober 1244 taucht der Ortsname erstmals in zwei Urkunden auf, als die wahrscheinlichen Besitzer des Gutes, die Gebrüder von Radegast (fratres de Radegiz) zwei Rechtsgeschäfte des Grafen Heinrich von Ascharien bezeugen."

                    Radegast war mir schon als Kind ein Begriff, da die Vorfahren meiner Mutter aus dieser Gegend stammen. Nur wenige Kilometer von Radegast (in Sachsen-Anhalt) haben meine Brüder und ich schöne Tage bei den Großeltern erlebt.

                    Außer dem Ort Radegast in Mecklenburg-Vorpommern, den Rainer auch erwähnt, gibt es dort auch ein Flüsschen namens Radegast, welches in die Stepenitz mündet. Ob diese Orte igendwie etwas mit der slawischen Gottheit zu tun habe, konnte ich nicht ermittlen. Vielleicht weiß Arndt mehr.

                    Vielen Dank, Arndt, für diesen interessanten Artikel.

                    Mit besten Grüßen wünsche ich allen einen schönen Sonntag,
                    Uta

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                    • Antennenschreck
                      Forum-Teilnehmer
                      • 05.09.2011
                      • 1833

                      #11
                      AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                      Hallöle,

                      als diese Rad vorsilbe hat irgend etwas mit gern oder froh zu tun, wie man in der Ortsnamenserklärung für die slawischen Siedlungen recht gut erkennen kann:

                      Radegast, Radegost

                      afl. radu, tsch. rad = gern, radovati se = sich freuen (radober gern nehmend, radodaj, radodal, radodajny gern gebend, radojed gern essend, radobil Trinkbruder) ostwendisch rad = gern, radosc = Freude, Wonne. Prussisch Rad, Radan, Raden, Radon, Radik, Radoch, Radys, Rados, Radca usw., Radobud = frohes Wesen, Radobyl = lebensfroh, Radibor = kampfesfroh. althochdeutsch Faginhild, Radogost. tsch. Radhost = gastfroh, Gestiliub, Radlub = Frohsinn liebend oder froh und lieb, wie ostwendisch cistoluby = rein und lieb.

                      Das geht noch eine Weile so weiter, läuft aber immer wieder auf das Gleiche raus. Übrigens hat man früher verschieden Buchstaben gern miteinander vertauscht, so z.B. a gegen o, b gegen w, u gegen v, usw..

                      LG Arndt
                      Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                      • Antennenschreck
                        Forum-Teilnehmer
                        • 05.09.2011
                        • 1833

                        #12
                        AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                        Hallöle,

                        also könnten in Radegast frohe Menschen gelebt haben. Und Nerad oder Njerad bedeutet traurig oder unfroh, demzufolge lebten in Njerad die traurigen Menschen. Auf diese Weise erklären sich sehr viele heutige slawische Ortsnamen.

                        LG Arndt
                        Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                        • Antennenschreck
                          Forum-Teilnehmer
                          • 05.09.2011
                          • 1833

                          #13
                          AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                          Hallöle,

                          hier noch einmal aus einem Wörterbuch der wendischen Sprache in der Oberlausitz:

                          radosc = Freude
                          radowac = sich freuen
                          zradowac so = frohlocken

                          Es ist etwas mühselig, die alten Wörterbücher zu durchforsten, da die Texterkennung nur zweifelhafte Ergebnisse bringt. Aber es dürfte bis hierher schon sicher sein, dass die Vorsilbe immer etwas mit froh oder Freude zu tun hat. Und die späteren Bewohner des Ortes Radegast könnten ihren Namen auch von dem Ort bekommen haben, in dem sie wohnten, weil zu viel früherer slawischer Zeit da eben auch schon mal durchschnittlich fröhlichere Menschen lebten. Denn im zwölften Jahrhundert hätte man dann eher einen deutschen Namen (w.z.B. Frohburg) gewählt.

                          LG Arndt
                          Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                          • Enno12356
                            Forum-Teilnehmer
                            • 22.05.2016
                            • 35

                            #14
                            AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                            Lieber Arndt,
                            das sind ja hochinteressante Berichte.
                            Mir war nur bekannt, das die Kaschuben
                            zu einer westslawischen Minderheit gehören.
                            Die Erzählungen meiner Familie klingen
                            wieder in meinen Ohren.
                            Als meine Tante Thekla Piepiorka ihren
                            Bruno Wietzki in Glasberg Krs. Danzig
                            heiratete, hieß es von Seiten der Wietzkis
                            und der Kotzkes nur:" ach, ne Kaschubsche"
                            Da ich zur Hälfte auch eine Kaschubsche bin,
                            möchte ich verhindern, das ihre Sitten und
                            Gebräuche,sowie ihre alten Götter in
                            Vergessenheit geraten.
                            Danke, lieber Arndt !!!
                            Auch allen anderen, Dankeschön
                            Eva Maria

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                            • Antennenschreck
                              Forum-Teilnehmer
                              • 05.09.2011
                              • 1833

                              #15
                              AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                              Hallo,

                              also was man sicher sagen kann, ist, dass die slawischen Völker einst das ganze Gebiet von der Ostsee bis herunter an die Donau besiedelten. Es gab da ein Großmährisches Reich im Süden und in der Mitte. Hier in Sachsen und Thüringen hatten die Slawen nach der Völkerwanderung auch etwa 300 glückliche Jahre. Weiter nordöstlich war die Hochzeit der slawischen Kultur ca. 300 Jahre früher, und hat sich teilweise auch länger als 300 Jahre erhalten. In der Richtung habe ich mich aber noch nicht so sehr gekümmert, wie jetzt hier um Sachsen (ums Osterland) herum, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ursprünglich habe ich die Kassuben auch eher als eine kleine Dorfsippe betrachtet, meine jetzigen Recherchen zeigen aber, dass das etwas tief gestapelt ist. Ja von den leisen, meist friedlichen, Völkern hört man eben weniger, als von denn größen kämpferischen Reichen, logisch.
                              LG Arndt
                              Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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