Geschichte und Glauben der Kaschuben

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  • Enno12356
    Forum-Teilnehmer
    • 22.05.2016
    • 35

    #16
    AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

    Lieber Arndt,
    Du hast sehr tief gestapelt.Richtig,
    die Kaschuben sind ein humorvolles,
    freundliches Völkchen !!! Doch verletzt
    Du sie, oder beutest Du sie aus, gehe
    ihnen bloß aus dem Weg !!!
    Gruß Eva Maria

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    • Antennenschreck
      Forum-Teilnehmer
      • 05.09.2011
      • 1833

      #17
      AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

      Hallo Eva,

      das tief stapeln kommt eher von meiner Unkenntnis als von meinen nicht sehen wollen. Gerade bei meinen Recherchen über die slawischen Völker habe ich immer wieder feststellen müssen, dass man über diese nicht viel erfährt, und das wenige was man findet ist oft nicht richtig. Inzwischen ist mir klar, dass sie ein lustiges friedliches Völkchen gewesen sein müssen. Denn, gerade deswegen erfährt man heute so wenig von ihnen, und deswegen sind sie wohl auch recht leise aus vielen Gegenden verschwunden, in denen sie einst wohnten. Da sind die Gothen und Hunnen schon viel kriegerischer und lauter aufgetreten, und von diesen erfährt man deswegen auch viel mehr.

      LG Arndt
      Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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      • StampCollector
        Forum-Teilnehmer
        • 19.01.2014
        • 924

        #18
        AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

        Lieber Arndt,

        habe selten so etwas Interessantes über die Frühgeschichte gelesen!
        Der polnische Fluch "Perunie" bezieht sich auch auf den slawischen Gott Perun.
        In späteren Zeiten wurde der heidnische Perun mit dem Teufel gleichgesetzt.
        Die sinngemäße Bedeutung dieses Fluches ist also "Zum Teufel".
        Ich bin schon auf Dein Osterland-Buch gespannt.
        Und wenn es dann fertig ist, dann kommt es sogar kostenlos daher: Respekt!

        SC

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        • Antennenschreck
          Forum-Teilnehmer
          • 05.09.2011
          • 1833

          #19
          AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

          Hallo SC,

          ich suche immer noch eine geeignete Möglichkeit zum Download für die Datei, den meine Uploadgeschwindigkeit beträgt hier nur ca. 400 kByte / sec, das ist wahrlich viel zu wenig, denn das PDF File ist jetzt schon knapp 600 MByte groß. Das kommt sicher auch von den vielen hochauflösenden Landkarten im Buch. Sollte mal irgendwer in Richtung Sachsen kommen, bitte eine PN an mich schicken. Ich würde versuchen, diesem die aktuelle Version vom Buch zu übergeben. Aber an der Up- und Downloadfront scheint sich auch demnächst etwas zu tun, mal sehen.

          LG Arndt
          Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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          • Enno12356
            Forum-Teilnehmer
            • 22.05.2016
            • 35

            #20
            AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

            Nach Sachsen komme ich leider nicht,
            doch ich melde mich schon mal bei Dir
            an, um dieses Buch zu erhalten. Ich
            bezahle es auch! Doch ich glaube all'
            die Mühe und den Fleiß kann man
            garnicht bezahlen !
            Alles Liebe
            Eva Maria

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            • Antennenschreck
              Forum-Teilnehmer
              • 05.09.2011
              • 1833

              #21
              AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

              Hallöle,

              hier mal noch ein wenig weiter mit den Kassuben:

              Pommern selber ist ein Küstenland, weshalb es von damaligen lateinischen Schriftsteller schlechthin maritima provincia ganannt wurde. Die älteren polnischen Schriftsteller unterschieden genau zwischen Kassubien und Pommern, aber seit der Eroberung Hinterpommerns dehnt man die Bezeichnung Pommern über ganz Kassubien mit aus. Beide Länder waren nach obiger Nachricht unter fünf Oberhäupter verteilt worden; nach ihrem gewaltsamen Tod aber fielen die Ländereien ihren Söhnen zu, wie es damals so Sitte war, welche diese Länder später wiederum unter ihren Söhnen verteilten. So entstanden mit der Zeit eine Menge von größeren Landbesitzer, welche jeder für sich im eigenen Gebiet regierten, und in Friedenszeiten kein Oberhaupt über sich anerkannten. Nur in Zeiten größter Not, vereinigte man sich unter einem gemeinsamen Führer. Diese Nachricht stimmt überein, mit der Botschaft, dass Gorm der Ältere bei seinem Zug nach Polen viele Könige und Häuptlinge angetroffen habe, unter welchen das ganze verteilt gewesen sei. Die Söhne und Enkel der von Popiel II. getöteten Häuptlinge Pommerns und Kassubiens traten, über die Ermordung ihrer Väter verbittert, gegen Polen in ein feindseliges Verhältnis und wurden noch wütender, als, nach dem Tod des grausamen Popiel II., sie bei der Wahl eines neuen Herzogs übergangen wurden. Die Polen waren zu dieser Wahl nach Kruschwitz zusammengekommen, wo es dann aber ebenso gewalttätig zuging, wie in den Versammlungen zu Rethra. Hier wurde dann nach langem Streit Piast ums Jahr 840 zum neuen Herzog erhoben. Dieser verlegte dann seine Residenz von Kruschwitz nach Guesen zurück, weil er jenen Ort wegen der feindseligen Gesinnung der Pommern und Kassuben nicht mehr für sicher hielt. Denn die hier ansässigen Nachkommendes vorherigen Regentenstammes, waren über ihre Missachtung sehr verärgert, und überfielen nun immer wieder ihr früheres Vaterland, um sich zu rächen.



              Pommern und Kassubien werden de facto unabhängig um 1003

              Piast hatte aber zu wenig Macht und Ansehen, als dass er die Provinzen nördlich der Netze zum Gehorsam hätte zwingen können, und die Kassuben und Pommern blieben seit dem unabhängig. Die Liebe, welche sich Piast bei den Polen bis zu seinem Tod erworben hatte, bewog diese, seinen Sohn Semovit, zu seinem Nachfolger zu wählen. Dieser setzte nun das Kriegswesen auf einen besseren Fuß, stellte an die Spitze seines Heeres einen Feldherren und griff, nach einigen anderweitigen Feldzügen, die Kassuben und Pommern an, um sie zur Huldigung zu zwingen, welche sie ihm und schon seinem Vater verweigert hatten. Allein, bevor er irgend Etwas erreichen konnte, ging er mit dem Tode ab. Die Polen wählten nun seinen unmündigen Sohn Lesko zu ihrem Herzog und gaben diesem, während seiner Unmündigkeit, verschiedene Große des Landes zu Vormündern. Unter dieser vormundschaftlichen Regierung wurde der Krieg gegen die Kassuben und Pommern nur sehr schlaff weiter geführt und am Ende ganz eingestellt. Der junge Fürst, inzwischen mündig geworden, war aber den Waffen völlig abgeneigt und liebte mehr sein Vergnügen, was sich bei seinem Sohn und Nachfolger Zemomysl auch nicht sehr veränderte. Daher blieben die Kassuben und Pommern über längere Zeit im ungestörten Genuss ihrer Freiheit, und gewöhnten sich völlig an ihre neue Unabhängigkeit. Der Sohn des letzteren Fürsten, Miseko oder Miesko folgte ums Jahr 960 in der Regierung und trat schon im Jahr 966 zur christlichen Religion über. Dieser Regent hatte nun damit zu tun, das Heidentum in seinen Staaten auszurotten und die neue Lehre einzuführen, dazu stieß er in der Lausitz mit den Deutschen zusammen und war gezwungen, die Oberhoheit des deutschen Kaisers anzuerkennen. Deshalb wurde Miesko in mancherlei Kriege mit den Feinden des Kaisers verwickelt, und hatte mit Russen und Böhmen zu kämpfen, so dass ihm am Ende keine Zeit übrig blieb, um die Kassuben und Pommern wieder von Polen abhängig zu machen. So etwas war auch während der ersten Hälfte seiner Regierungszeit sowieso undenkbar, weil inzwischen die Pommern selbst mit Otto I. und Otto II. in ein Bündnis getreten waren, und diesen Kaisern auch Kriegsdienste leisteten; hätte also Miesko damals die Pommern zu unterwerfen versucht, so würde er den Kaiser, ihren Bundesgenossen und seinen Oberherren, schwer beleidigt haben. Daher blieben die Pommern auch von Miesko unbehelligt, hatten sich aber von ihrem Stammvolk immer weiter entfremdet, weil die Polen inzwischen die christliche Lehre angenommen hatten, sie aber immer noch ihren alten Göttern huldigten. Otto I. hatte die Lutizier steuerbar gemacht, und sie zur Annahme der christlichen Religion gezwungen, wogegen sie aber einen schrecklichen Aufstand erregten, und nach zwanzig Jahren, eine ehrenvollen Frieden im Jahre 1003 errangen. Zur Bezwingung dieser Lutizier wurde aber auch Miseko, als deutscher Lehnsmann mit seinen Polen von Otto III. gebraucht, ohne dass deswegen die Lutizier völlig besiegt werden konnten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich damals die Pommern mit den Lutiziern ausgesöhnt haben, und ihnen auch Beistand geleistet haben. Deshalb hat wohl Otto III. mit dem Sohn und Nachfolger von Miseko ein Bündnis gegen die Pommern geschlossen, und ihm nach einem Sieg dessen Unterwerfung überlassen. Boleslav Chrobri, der seinem Vater Mieseko im Jahre 992 in der Regierung folgte, war ein ehrgeiziger, kluger und unternehmungslustiger Fürst, er nutzte den frischen Geist, welcher durch die Einführung des Christentums in Polen herrschte, und sein gutes Verhältnis zu Otto III., um seine Besitzungen zu erweitern. Er unterwarf sich Hinterpommern wahrscheinlich noch vor dem Jahre 997, was man daran erkennt, dass Danzig bereits im Besitz eines polnischen Herzogs war, als der heilige Adalbert in selbigem Jahr dorthin kam, viele Einwohner taufte und dann ins Samland fuhr, wo er, wie erzählt wird, seinen Tod fand. Nach dem Bericht der polnischen Schriftsteller herrschten die Enkel derjenigen Prinzen, welche von Popiel II. hingerichtet worden waren, immer noch in in den, an der Ostsee liegenden Provinzen.

              Boleslaw Chrobri unterwirft Hinterpommern unter polnische Lehnshoheit um 1032

              Boleslaw rückte nun mit seiner Heeresmacht hier ein, und unterwarf sich einige Gebiete durch Gewalt, und andere wiederum mit Güte und Freigiebigkeit, andere wieder durch Furcht und das abschreckende Beispiel in anderen eroberten Landesteilen. Die Art dieser Unterwerfung zeigt uns, dass es damals noch immer kein gemeinsames Oberhaupt in Hinterpommern gegeben hat, sondern jeder Häuptling seine eigenen Pläne verfolgte. Boleslaw behandelte diese Häuptlinge recht zuvorkommend, weil sie ja die Nachkommen des vorherigen Regentenstammes waren; er verlangte von ihnen nur, seine Huldigung, und das sie sich zu Lehnsträger von Polen erklärten. Damit wurden also die freien pommerschen Landbesitzer in einen polnischen Lehnsadel umgewandelt, der, wenn er zukünftig die Treue verletzte, mit Leib und Leben gestraft werden, oder seiner Güter beraubt werden konnte. Nachdem nun Boleslaw auf diese Weise Pommern wieder zu Polen gebracht hatte, rückte er in Preußen ein, zwang das Land Steuern zu bezahlen und machte den Fluss Ossa, der bei Graudenz in die Weichsel mündet, zur festen Grenze. Wenn man nun den allgemeinen polnischen Historikern glauben wollte, so könnte man glauben, dass Boleslaw Chrobri Pommern bis zur Oder lehnspflichtig gemacht habe. Aber davon finden sich bis zum Jahre 1107 keinerlei Anzeichen; wahrscheinlich haben die Schreiber dasjenige, was erst noch geschehen würde, als schon geschehen dargestellt und diejenigen Länder, die Boleslaw Chrobri alle noch unterwerfen wollte, als schon wirklich erobert dargestellt.

              LG Arndt
              Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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              • Antennenschreck
                Forum-Teilnehmer
                • 05.09.2011
                • 1833

                #22
                AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                Hallöle,

                hier nun ein Stück Fortsetzung der Geschichte von Kassubien und Hinterpommern:

                Die Kassuben und Hinterpommern machen einen Aufstand im Jahre 1037

                Nach dem Tod des Herzogs Boleslaw Chrobri, der im Jahre 1025 starb, stritten sich seine beiden Söhne, Miesko II. und Otto, um die Regierungsnachfolge. Otto wurde nach Russland vertrieben und Miesko, welcher sich mit den Lutiziern verbündete, führte gegen Kaiser Konrad II. bis zum Jahre 1031 Krieg, weil er diesen nicht als seinen Oberherren anerkennen wollte. In diesem Jahr kam aber auch Otto aus Russland zurück, und stürtzte seinen Bruder vom polnischen Thron. Er wurde aber schon nach einem Jahr ermordet, und Miesko trat die Regierung in Polen erneut an. Aber diesen innerlichen und äußerlichen Krieg des polnischen Reiches nutzten die Hinterpommern, um sich ihrer Verbindlichkeiten gegenüber Polen zu entziehen, laut einigen Historikern muss dies um das Jahr 1032 geschehen sein; die Ursachen für diesen Abfall hatte unstrittig schon Boleslaw Chrobri gegeben. Denn, obwohl er anfangs von den Hinterpommern nicht weiter als die Huldigung und Anerkennung seiner Oberhoheit verlangte, so hat er ihnen doch später immer größere Lasten auferlegt; auch ließ er ab dem Jahre 1020 überall an den Grenzen zu Hinterpommern Festungen erbauen, und mit starken Mannschaften besetzen. Je nach Beschaffenheit und Größe des Ertragens, wurden jedem Landgut und jedem Dorf in Hinterpommern, bestimmte jährliche Abgaben auferlegt, die Stroza genannt wurden. Natürlich waren diese Abgaben sogar den Kassuben und Hinterpommern auferlegt, welche mit dem Bau der Festungen, die Lasten für ihre zukünftige Unterdrückung trugen. Zudem wurde von Bogislaw noch der Zehnte für die Kirche und ihre Diener eingeführt; und diese Abgabe auch noch für ewig und immer erklärt. Genau dieser Zehnt erregte aber bei allen heidnischen Völkern die größte Verbitterung, und führte am Ende dazu, dass diese Völker wieder für ihre frühere Freiheit kämpften. Dieses Mal hielten es aber die Hinterpommern für sinnvoll, sich einen gemeinsamen Fürsten und Anführer für ihr Heer zu suchen. Sie nahmen sich dafür einen Vertreter aus dem vornehmen heidnischen Adel, also einen Landbesitzer, der sich durch Klugheit und Tatkraft auszeichnete. Dieser brachte nun nicht nur aus allein aus Pommern, sondern auch aus den benachbarten Preussen, die dauerhaften Bundesgenossen der Pommern, ein großes Heer zusammen, um gegen Miesko ins Feld zu ziehen. Miesko zog ihm entgegen, mit ihm zogen drei ungarische Prinzen, die Herzöge Andreas, Bela und Levanta, welche aus ihrem Vaterland nach Polen geflohen waren. Bela war der tapferste Fürst auf dem Schlachtfeld, und trug wesentlich zu Mieskos Sieg bei. Weil nun aber die Polen sehr verbittert waren, dass ihre eigenen Stammverwandten, Freunde und Untertanen ihre Waffen gegen sie erhoben hatten, und die Pommern deshalb deren schreckliche rache fürchteten, so wurde fast bis zum letzten Bluttropfen gekämpft. Allerdings war das Glück den Pommern und Kassuben nicht hold, und die Polen gewannen gegen sie, und alle diejenigen welche den Aufstand angeführt hatten, also die ganzen vornehmen Männer aus Pommern, wurden bei ihrem Leben gestraft, dem einfachen Volk aber wurde Verzeihung und Schonung gewährt.


                Die große Verwirrung in Polen bis zu Casimirs Regierungsantritt 1041

                Nach Mieskos Tod im Jahre 1034, sollte sein Sohn Kasimir in der Regierung nachfolgen. Weil ihn aber die Stände dazu für zu unreif hielten, führte seine Mutter Ricksa, eine geborene Deutsche, die Regierung. Diese Frau aber verachtete alle Polen, und gab ihren eigenen deutschen Landsleuten, von denen sich viele in Polen befanden, bei den Posten der Verwaltung und bei Hof immer wieder den Vorzug; weshalb sie immer verhasster bei den Polen wurde, welche sie letzten Endes sogar mit ihrem Sohn nach Deutschland vertrieben. Deswegen entstand in Polen eine sehr große Verwirrung, welchen den böhmischen Herzog Bretislaw geradezu einlud, nach Polen einzufallen; denn seinem Großvater waren von Boleslaw Chrobri die Augen ausgestochen und Böhmen schwer mishandelt worden. Bretislav zog also mordend und brennend bis vor Gnesen, plünderte die Stadt, und raubte sogar die Gebeine der dort begrabenen Heiligen, ja er nahm sogar die Kruzifixe und Glocken von dieser Stadt fort. Nun war aber auch die Verwaltung und jeglicher Zusammenhang in der polnischen Bevölkerung zerstört, weshalb inzwischen die Armen gegen die Reichen kämpften, und jeder, der sich ungerecht behandelt fühlte, gegen seinen Peiniger vorging. Die Großen im ganzen Land versuchten, jeder für sich, die Staatsgewalt an sich zu reisen, was das ganze Land in viele kleinere Parteien spaltete, und letztendlich weite Striche wüstes Land zurück ließ. Die polnische Schwäche ausnutzend, fiel aus Richtung Osten der russische Großfürst Jaroslaw in das Reich ein, und half die Greuel der Verwüstung zu vollenden. Nur eine einzige polnische Provinz, Masovien, konnte, unter der Führung des kräftigen und klugen Woiwoden Maslav, Ordnung und Frieden im Inneren erhalten, und wurde so zum Zufluchtsort für alle, die durch Hunger, Verfolgung und Parteienkampf gezwungen waren, sich eine andere Heimstatt zu suchen. In diesen unsicheren Zeiten erreichte Maslav ein fast königliches Ansehen und fing an, eine völlig unabhängige Herrschaft aufzubauen. Weil aber auch das Christentum zu dieser Zeit noch nicht wirklich gefestigt war, so versank ein Teil des polnischen Volkes wieder in den heidnischen Tiefen der Urväter Polens. Unter solch elenden Umständen traten nun endlich die Großen des Reiches zusammen und beriefen den Prinzen Kasimir, welcher inzwischen Mönch zu Clugny geworden war, auf den polnischen Thron, welcher diesen dann auch im Jahre 1041 bestieg.

                Der ungarische Prinz Bela übernimmt die Regierung in Hinterpommern bis 1050

                Das ganze Land wurde nun mit einer weiteren Steuer belegt, und diese dem Prinzen Bela zur Unterhaltung seines herzoglichen Hofstaates angewiesen; vermutlich wurde er auch mit den Gütern von denjenigen belehnt, welche vorher ihre Köpfe verloren hatten. Miesko hatte diesem tapferen Prinzen sogar seine Tochter Richsa zur Gemahlin gegeben, um ihn für seine Dienste zu belohnen. Bela war mit dieser Belohnung sehr zufrieden, und diente dem polnischen Volk treu, solange, bis er im Jahre 1050, von seinem Bruder Andreas, welcher die Krone Ungarns erlangt hatte, in eben dieses Land zurückgerufen wurde. Man irrt sich aber sicher, wenn man annimmt, dass Bela in Pommern seinen Wohnsitz und seinen Hof aufgerichtet hat, und dafür eine Menge von ungarischen Soldaten als Besatzung stationierte. Sein Geschäft war es nur, die jährliche Steuer einzutreiben, welche er vermutlich sogar selber abholte, und dabei mit den vornehmeren Landbesitzern sprach, und danach einfach wieder an den Hof nach Gnesen zurückkehrte. Wohnte er tatsächlich einmal auf einer seiner Burgen, so geschah dies sicherlich während der Zeiten der Auflösung des polnischen Hofes, und der darauf folgenden großen Verwirrungen.

                Kasimir bringt wieder Ruhe und Ordnung in das polnische Reich 1060

                Kasimir, ein sanfter, billiger, und doch kriegerischer Mann brachte Polen wieder zur Ruhe, bezwang Masloav, der inzwischen eine Gewltherrschaft über Masovien gebracht hatte, und steigerte sein Ansehen, weil er sogar die Preußen Abgabe pflichtig gemacht hatte. Denn als Boleslav II., Kasimirs Sohn, mit dem böhmischen Herzog Wratislaw im Jahre 1062 Krieg führte, nutzten die Preußen diese Chance, um das polnische Joch abzuschütteln, und bauten an der Grenze die Festung Grodeck, heute wahrscheinlich Graudenz genannt, und machten von hier immer wieder Raubzüge nach Polen.

                Die Preußen und Pommern kämpfen gegen Boleslav und verlieren letztendlich 1063

                Boleslav musste deswegen mit den Böhmen Frieden schließen und rückte im Jahre 1064 gegen diese Festung vor. Diese hatte aber sehr starke Mauern, und wurde sehr gut verteidigt, also musste Boleslav ohne Erfolg wieder abziehen. Das aber steigerte den Mut der Preußen, und sie hetzten einen großen Teil der Einwohner Hinterpommerns gegen Boleslaw auf. Über seine Niederlage war Boleslav sehr verärgert, und er fürchtete inzwischen um seine Herrschaft über ganz Hinterpommern, also versuchte er die Preußen, welche sich immer nur auf kleinere Gefechte einließen, in eine richtige Schlacht zu verwickeln, und rückte schnell mit einem großen Heer in Pommern ein. Die Preußen wollten nun ihren Kampfesbrüdern in Pommern zu Hilfe kommen, und wurden dabei von Boleslav völlig geschlagen, und Pommern, soweit es früher schon einmal erobert war, den Polen im Jahre 1063 wieder unterworfen.

                Boleslavs Krieg gegen die Russen und sein Kirchenbann 1070 bis 1079

                Boleslav führte in den Jahren 1070 bis 1074 einen sehr erfolgreichen Krieg gegen die Russen, welche sich auf der polnischen Seite festgesetzt hatten. Bald danach kam er aber in Streit mit dem Bischof Stanislaus von Krakeau, welcher ihn so sehr erhitzte, dass er diesem Prälaten vor der versammelten Gemeinde am Altar den Kopf spaltete. Seine Tat führte zu einem Kirchenbann für ihn und seine ganze Regierung, weshalb er im Jahre 1081 aus Polen fliehen musste.

                Vladislav Herrmann wird polnischer Regent im Jahre 1081

                Deshalb übernahm sein Bruder Vladislaw Herrmann den polnischen Thron. Dieser Herzog liebte den Frieden und seine eigene Bequemlichkeit, wendete aber alle seine Mühe darauf, sich mit der Kirche zu versöhnen und ihren Dienern zu gefallen, unter welchen sich aber auch viele Ausländer befanden, denn seit der Einführung des Christentums waren viele fremde Geistliche nach Polen gewandert und hatten dort willige Aufnahme gefunden. Sie wurden oft als Hauslehrer und Kaplane bei den Großen angestellt und dafür auch reichlich bezahlt, weshalb es auch nie an Nachfolgern fehlte.

                Ein geistlicher Herr aus Schwaben namens Otto spielt eine wichtige Rolle in Polen

                Unter den deutschen Geistlichen, welche in Polen ihr Glück machen wollten, befand sich auch Otto, nach den Chronisten, aus Schwaben stammend, wo seine Eltern zwar geachtet und angesehen, aber weder mächtig noch reich waren. Von ihren beiden Söhnen hatten sie den einen, Friedrich, zu ihrem Erben, den anderen, Otto, aber zu einem geistlichen Stand bestimmt. Sie ließen Otto also verschiedene Schulen besuchen und in den damals üblichen Wissenschaften unterrichten. Otto durchlief nach Anleitung seiner Lehrer, einige lateinische Dichter und philosophische Schriften, trieb die Grammatik und die Metrik und erlernte den lateinischen Sprachschatz, in welchem damals alle gangbare Gelehrsamkeit enthalten war. Das Lateinische war damals die Sprache der gebildeten Welt, in allen Ländern Europas wurden die öffentlichen Schriften des Kirchen- und Staatswesens nur in dieser Sprache abgefasst. Deshalb musste derjenige, welcher in der geistlichen oder weltlichen Welt, eine Rolle spielen wollte, gute Fertigkeiten in der lateinischen Sprache besitzen. Da Otto, nach seiner Eltern Tod, immer weniger Mittel von seinem Bruder bekam, konnte er sein Studium nicht weiter fortsetzen, und entschloss sich nach Polen zu gehen, wo es immer noch einen Mangel an gebildeten Männern gab. Dort angekommen, eröffnete er eine Knabenschule, in der die lateinische Sprache das Hauptfach war. Durch seine Schule kam er schon nach kurzer Zeit zu einigem Reichtum, weil die Söhne der reichen Polen unbedingt seine Schule besuchen mussten. Bald aber erlernte er auch die polnische Landessprache und, weil auch sein ganzes Wesen sehr sittsam und keusch war, gewann er bald auch das Vertrauen und die Freundschaft der mächtigsten und einflussreichsten Männer des Reiches. Er wurde deshalb immer öfter zu wichtigen Geschäften und Gesandtschaften gebraucht, und konnte auch vielmals vermitteln zwischen wichtigen Persönlichkeiten. Als es nun wieder einmal um eine Gesandtschaft ging, wurde dem Herzog Wladislav Herrmann der junge Geistliche Otto empfohlen und von ihm an seinen Hof gebeten. Hier fand er nun einen großen Beifall und der Herzog nahm ihn in seine Gefolgschaft auf, in der damals auch Geistliche und Kaplane gehörten. In dieser neuen Stellung zeigte Otto viel Gewandtheit und gute höfliche Sitten, wodurch er das Vertrauen des Herzogs und seiner ganzen Umgebung gewann. Wahrscheinlich hatte Otto in Polen von einem dortigen Bischof auch seine Ordination erhalten.

                Der Herzog Vladislav Herrmann heiratet die böhmische Prinzessin Judith im Jahre 1083

                Der Herzog hatte sich im Jahre 1083, nach dem Wunsch seiner Stände, mit Judith der Tochter des böhmischen Herzogs Wratislaws vermählt. Diese starb aber schon in ihrem ersten Wochenbett im Jahre 1086, nachdem sie ihm einen Prinzen, namens Boleslav III., geschenkt hatte.

                Nach dem Tod von Judith sucht man für Vladislav Herrmann eine neue Gemahlin

                Als nun die erste Trauer über den Tod seiner Gemahlin verflogen war und sich das Gemüt des Herzogs etwas aufheiterte, wurde von den Ständen des Landes und seinen Ratgebern darüber beraten, wie und welche neue Verheiratung nun in Frage käme.

                Otto schlägt die Schwester des deutschen Kaisers als neue Gemahlin vor

                Da Otto nun schon einige Jahre am Hof des Herzogs verbracht hatte, und jeder seinem Rat vertraute, wollte man nun auch seine Stimme bei dieser Frage hören. Otto sagte nun zu dieser Frage: „Wenn der Herzog wirklich geneigt ist, sich wieder zu verheiraten, so kann er in Deutschland sicher eine geeignete Braut von höchstem Rang finden, und sich dadurch nicht nur den Adel dieses Landes geneigt machen, sondern überhaupt die gesamte deutsche Macht mit in das neue Verhältnis bringen.“ Dieser Rat, den Otto noch einige Male wiederholte, gelangte endlich auch an die Ohren des Herzogs, der ihn zumindest der Aufmerksamkeit und Erörterung für wert hielt. Nachdem der Herzog nun eine Weile darüber nachgedacht hatte, verlangte er von seinen Räten ein Gutachten darüber, und berief Otto in den Staatsrat, um von ihm eine genauere Ausführung dieses Planes zu erfragen. Otto erwähnte nun erst einmal etwas über die Macht und die Herrlichkeit des römischen Reiches, und den alten berühmten Stamm seiner Könige und Kaiser, erinnerte den Herzog Vladislav Herrmann an die Schwester des Kaisers, welche ja gerade im Witwenstand stehe, und welche der Kaiser auf würdige Weise unbedingt anderweitig zu vermählen wünsche, weshalb auch dieser auf vernünftige Vorschläge seines Hofes dazu warte, und er versicherte dem Herzog, dass denjenigen ein glückliches Los erwarte, der diese schöne Kaiserstochter zur Frau nehmen würde. Der Herzog wurde also nach dieser Rede öffentlich und geheim ermuntert, eine so vorteilhafte Heirat doch ins Auge zu fassen, und möglichst zu beschleunigen. Als sich nun der Herzog für diese Heirat entschlossen hatte, legte er seinen Plan den den polnischen Reichsständen zur Beratung vor, da dies damals so üblich war. Diese fanden auch, dass durch eine solche Heirat neuer Glanz über Polen kommen würde, und stimmten den Absichten des Herzogs bei.

                Eine Gesandtschaft wirbt um die Schwester des deutschen Kaisers


                Nun wurde also sofort im Jahre 1088 eine Gesandtschaft an den deutschen Kaiser Heinrich IV. gesandt, um für den polnischen Herzog um dessen Schwesters Hand zu werben, unter ihnen befand sich auch unser Otto, diese Gesandtschaft wurde auch mit großem Ansehen von Heinrich empfangen, welcher damals gerade alle seine Widersacher überwunden hatte. Nachdem nun Heinrich den Antrag gehört hatte, legte er diesen seinen versammelten Bischöfen und Fürsten zur Beratung vor: und man gab den polnischen Abgesandten die Antwort, dass man der Heirat des polnischen Herzogs mit der Schwester des Kaisers zustimmen würde, weil man dadurch die beiden Völker enger verknüpfen könne. Zugleich wurden auch der Ort und die Zeit bestimmt, wo die Übergabe der Braut erfolgen sollte, worauf die Gesandten mit vielen Geschenken wieder entlassen wurden. Als dann die Braut abgeholt wurde, begleitete sie unter anderem, unser Otto nach Polen. Die neue polnische Herzogin sendete ihn auch später immer wieder in persönlichen Angelegenheiten zu ihrem Bruder, dem Kaiser, nach Deutschland. Der Kaiser, obwohl er in seiner Bildung etwas verwahrlost war, erkannte doch mit seinem natürlichen Scharfsinn in Otto einen treuen und geschickten frommen Mann, den er lieb gewann, und in seinen Diensten haben wollte. Nachdem er selber Otto dieses Angebot gemacht hatte, schrieb er an seine Schwester und bat sie, diesen Geistlichen doch ihm zu überlassen. So ungern der Herzog und die Herzogin Otto auch verloren, so sandten sie ihn doch, reichlich beschenkt, nach Deutschland zurück. Heinrich IV. nahm Otto unter seine Kaplane auf, von denen es damals am kaiserlichen Hof eine ganze Menge gab; denn die jungen Geistlichen von hohem Adel, Verwandte, oder die Söhne von Fürsten, sie drängten sich alle an den kaiserlichen Hof, in der Hoffnung, um so leichter und schneller befördert zu werden. Hier hatte der Kaiser Gelegenheit, ihre Fähigkeiten und Eigenschaften näher kennen zu lernen, und sie wurden entsprechend dieser nach und nach anderweitig eingesetzt. Einer von diesen königlichen Hofkaplanen war nun auch Otto, während nun aber die anderen Kaplane mit allen möglichen unwichtigen Dingen beschäftigt waren, besorgte Otte alle wichtigen Dienste in des Kaisers direktem Umfeld, und stieg so immer weiter in des Kaisers Gunst. In dieser Stellung blieb Otto solange, bis der alte Kanzler des Kaisers in Ruhestand ging, nun bekam er des Kaisers Siegel und den Posten des obersten kaiserlichen Kanzlers übergeben, welche er mit Klugheit bis ins Jahr 1102 verwaltete.

                Pommern behält seine eigene Verwaltung bis zum Jahr 1091

                Denn auch nach dem Krieg vom Jahre 1032 behielten die verbliebenen Stände und Aristokraten in Hinterpommern die unmittelbare Verwaltung ihrer Besitzungen in ihren Händen; es wurden auch keine ungarische Besatzung in irgend eine Grenzfestung gelegt, sondern jeder große Gutsherr besetzte mit seinen eigenen Leuten die Schlösser und Burgen in seiner Nähe, und lebte als vollkommener Freiherr fort, nur dass er zukünftig die oberherrlichen Steuern und Zehnten bezahlen musste.

                Ein erneuter Aufstand der Pommern und der Verlust der Freiheit im Jahre 1091

                Diese freiherrliche Regierungsverfassung dauerte bis ins Jahr 1091 an, wo sich die östlichen Pommern erneut erhoben und weit empfindlicher dafür bestraft wurden. Damals verloren die eingeborenen Besitzer die Verwaltungsrechte in ihren Gebieten, samt ihrer Burgen und Schlösser. Jetzt waren überall in der Verwaltung polnische Befehlshaber eingesetzt, und in allen Festungen wurden polnische Besatzungstruppen stationiert. Obwohl die polnischen Schriftsteller nur von einem missglücktem pommerschen Aufstand sprechen, dürfte wohl klar sein, dass hier ein gemeinsamer Aufstand der Kassuben und Hinterpommern stattfand; denn dieses gesamte Land hatte Boleslaw Chrobri unterworfen, und auch nur dieses gesamte Land konnte sich von der polnischen Herrschaft haben befreien wollen; allerdings war zu dieser Zeit der Name Kassubien schon außer Gebrauch gekommen, und dafür ganz allgemein nur noch von Pommern die Rede. Im Jahre 1090 traten die Pommern und Preußen in eine engere Verbindung, gelobten sich gegenseitig Beistand, und fassten den Beschluss in Zukunft keine Steuern mehr an Polen zu bezahlen. Es ist aber nicht bekannt, ob sich die Hinterpommern wieder einen gemeinsamen Anführer für ihr Heer gesucht hatten, vermutlich hätte sich auch keiner finden lassen, nach dem Strafgericht gegen die Anführer im Jahre 1032. Der polnische Herzog Wladislav, obgleich sonst dem Krieg abgeneigt, war über die Empörung der Pommern und Preußen äußerst verärgert und gab sogleich den Befehl, alle seine Truppen noch vor dem Johannisfest des Jahres 1091 an den festgelegten Sammelplätzen zusammen zuziehen. Er selbst rückte dann an ihrer Spitze in Pommern ein, eroberte mehrere Festungen und Schlösser, verheerte das Land und verbrannte die Dörfer ringsum. Die Pommern hatten sich inzwischen mit den Preußen vereinigt, verschmähten alle Verständigungsversuche, sich doch mit dem Herzog Wladislav wieder zu versöhnen, und zogen diesem mit einem großen Heer, am 15. August 1091, bei Rzececz entgegen. Vermutlich trafen sich die beiden Heere bei Radzyn. Die Polen wollten wegen des hohen Feiertages (Mariä Himmelfahrt) eigentlich eine Schlacht vermeiden, da aber die Verbündeten weiter anrückten, mussten sie sich einer solchen stellen. Nun begann ein fürchterlicher Kampf, weil die Pommern und Preußen für ihre Freiheit kämpften, wogegen sie die Polen gerade dafür bestrafen wollten. Weil nun beide Seiten bis zur Erschöpfung kämpften, dauerte das Treffen fast den ganzen Tag lang, bis sich schließlich die Reihen der Pommern und Preußen immer mehr lichteten, und sie zurückweichen mussten. Jetzt wurde auch noch unter den Fliehenden von den verbitterten Polen ein großes Blutbad angerichtet. Nach vollbrachter Tat feierten die Polen den Rest des Tages doch noch Mariä Himmelfahrt. Die Polen und Pommern waren durch diese Niederlage so sehr geschwächt und demoralisiert, dass sie um Verzeihung baten, und sich dem Herzog vollständig unterwarfen. Der friedfertige Wladislav ließ ihnen nun gern Gnade widerfahren, wohl in der Hoffnung, dass sie in Zukunft gehorsamer wären. Allein, die Vorkehrungen, welche er traf, zeigten, dass er auf diese Hoffnug nicht allzu sehr baute. Um einen erneuten Abfall zu verhüten, ja unmöglich zu machen, hob er ihre bisherige freie Landesverwaltung auf, und machte die Pommern somit zu seinen direkten Untertanen. Bisher hatten die Landbesitzer in den ihnen zugehörigen Kreisen frei verfügen können. Sie besaßen, als Freiherren, ihre Burgen, Schlösser und Städte, und hielten sie mit ihren eigenen Leuten besetzt. Sie beherrschten wie kleine Könige ihre Untertanen, und es gab weder polnische Besatzungen, noch polnische Statthalter im Land. Nur an der Grenze gab es einige Festungen, welche polnischen Besatzungen hatten. Bisher gab es nur drei Dinge, an denen man erkannte, dass Hinterpommern jemand anders untergeben war, das waren die jährlichen Zahlungen (Steuern) an die herzogliche Rentkammer, weiter der Zehnte, welchen der Erzbischof von Gnesen mit großer Strenge erheben ließ, und schließlich die Duldung der christlichen Geistlichen, welche sich im ganzen Land breit machten. So unangenehm das alles war, so blieben doch die Gutsherren weitestgehend freie Herren, Gebieter ihrer Mannschaften, ihrer Städte, Burgen und Schlösser, konnten alles Weitere für das Land in freien Versammlungen regeln. Dieses immer noch erträgliche Verhältnis zu Polen war nun, durch ihren missglückten Aufstand, verwirkt worden, und sollte nach dem Willen Wladislaws für immer beendet sein. Denn gerade diese innere Freiheit über ihre Untertanen zu entscheiden, hatte es den Aristokraten in Pommern ermöglicht, sich zu einem Aufstand gegen die Polen zu vereinigen, und ihnen auch die Mittel an die Hand gegeben, ein stattliches Heer zusammenzubringen; deshalb musste Wladislav ihnen gerade diese Möglichkeit nehmen. Er zwang die Großen in Pommern ihm auch alle ihre Burgen und Schlösser abzutreten. In diese setzte er dann polnische Besatzungen, welche unter der Führung von vertrauenswürdigen polnischen Befehlshabern standen, welche dann die umliegenden Landschaften zu Lehn erhielten. Auf diese Art wurden aber die eingeborenen Großgrundbesitzer Hinterpommerns nicht nur entmachtet, sondern auch enteignet und untererjocht. Und all die Festungen und Schlösser, welche bisher ihre Freiheit beschützt hatten, wurden nun, in den Händen der Polen, zu einem Werkzeug, um sie zu unterdrücken. Viele Festungen, welche die Polen nicht besetzen wollten, besonders an der Grenze zwischen Pommern und Preußen, wurden innerhalb kürzester Zeit von den Polen verbrannt und völlig abgerissen, um diesen Völkern jegliche Möglichkeit zu einer neuerlichen Vereinigung, und einem neuen Aufstand für immer zu nehmen. Somit wurde also ganz Hinterpommern militärisch besetzt, und bekam direkte polnische Statthalter und Befehlshaber. Man konnte nun im ganzen Land den Druck und die Belastungen einer echten Besatzung spüren; all die Bedürfnisse der polnischen Machthaber im Land mussten, neben den bisherigen Abgaben, nun auch noch getragen und umgehend befriedigt werden. Aber das Schlimmste für die Menschen in Hinterpommern war der endgültige Verlust ihrer gewohnten Freiheit.


                LG Arndt
                Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                • Antennenschreck
                  Forum-Teilnehmer
                  • 05.09.2011
                  • 1833

                  #23
                  AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                  Hallöle,

                  in den Texten hat es hin und wieder zeitliche Sprünge. Das kommt davon, dass ich viele unterschiedliche Quellen benutze. So nach und nach entdecke ich aber die meisten der Sprünge, und orde die Texte dann in der richtigen Reinfolge. Hier muss natürlich Judith für Ottos Auftauchen gestellt werden, den der Herzog war ja zuerst mit dieser verheiratet, und hat sich dann nach deren Tod eine deutsche Kaiserstochter geangelt. Also einfach mal den nächsten und übernächsten Abschnitt lesen, und dann gedanklich umsortieren.


                  LG Arndt
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                  • Antennenschreck
                    Forum-Teilnehmer
                    • 05.09.2011
                    • 1833

                    #24
                    AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                    Hallöle,

                    hier ein wenig mehr zu Geschichte:

                    Die Hinterpommern können die Unterdrückung nicht ertragen


                    Der große Unterschied zwischen der früheren Verfassung und dem jetzigen Zustand in Hinterpommern war für die ehemaligen Freiherren und das ganze Volk einfach unerträglich. Obwohl durch den Verlust der eigenen Burgen und Schlösser, eine neuerliche Vereinigung wesentlich schwieriger war, so führte doch die allgemeine Verbitterung das ganze Volk schon desselben Jahres wieder zusammen, um das unerträgliche Joch der Besatzung abzuschütteln. Schon während der ersten Monate des folgenden Jahres 1092 brach ein neuer Aufstand aus, und das ganze Land wurde von seinen Besatzern befreit. Die Wut der Hinterpommern auf die Polen war so groß, dass von ihnen alle polnische Statthalter und Befehlshaber auf das schrecklichste hingerichtet wurden; nur einige, welche gerecht gehandelt hatten, wurden am Leben gelassen. Wladislav Herrmann, glaubte eigentlich, durch sein Besatzungsregime in Hinterpommern, allen weiteren Problemen enthoben zu sein, und hoffte nun einige Jahre in behaglicher Ruhe hinbringen zu können. Da erhielt er völlig unerwartet die Nachricht von einem neuerlichen Aufstand in Hinterpommern; weil er die Ermordung seiner Verwaltungsleute in Hinterpommern unbedingt rächen wollte, zog er noch im Februar desselben Jahres, ohne erst ein größeres Heer zu sammeln, nach Hinterpommern. Hier teilte er sein kleines Heer auch noch in zwei Teile, den einen führte der Palatin Szeczech von Krakau, und den anderen führte der Herzog Wladislaw selbst. Während nun Szeczech in Richtun Preußen marschierte, eilte Wladislav in schnellen Märschen durch Hinterpommern und gab den Befehl, alle Dörfer zu plündern und nieder zu brennen; um aber die Festungen und Städte anzugreifen, war sein Heer viel zu schwach. Dabei störte ihn auch nicht die gerade stattfindende Fastenzeit, man fing eine größere Menge von Menschen und Vieh ein, welches sich in den Wäldern versteckte, und entschloss sich danach, wieder nach Hause zurückzukehren. Der Herzog war von der Weichselgegend quer durch Hinterpommern gezogen, und kehrte südlich, über die untere Netze, über Drzen, das heutige Driesen, nach Polen zurück. Offensichtlich hatte der Herzog auf diesem Weg das westliche Pommern, welches die Polen bisher verschont hatten, ebenfalls heimgesucht. Der Hauptgrund dafür war wohl, dass ihm der gerade Weg nach Gnesen, über die Nakel von den Pommern versperrt wurde. Das zwang ihn nun weiter westlich einen Übergang über die Netze zu suchen. Weiterhin kann man vermuten, dass dieser Weg für den Herzog weit sicherer schien, weil der Adel in Westpommern in einem sehr freundschaftlichen Verhältnis zu ihm stand. Was aber auch immer der Grund für diesen Weg des Herzogs gewesen sein mag, klar ist auf jeden Fall, dass die westlichen Pommern durch den Kriegszug schwer beleidigt, und ab und an in die Kämpfe des Herzogs mit einbezogen wurden. Genau seit dieser Zeit hat sich auch der Hinterpommersche Kriegsschauplatz auf Westpommern erweitert. Als nun der Herzog bis nach Dzen, einer damals wohlhabenden Stadt, gekommen war, und diese gerade plünderte, meldete ihm seine Nachhut, dass sich in höchstens 5 Meilen Entfernung eine große Menge Pommern und Preußen zusammengerottet hätten. Das polnische Heer war nämlich die ganze Zeit von den Pommern und Preußen beobachtet worden; und dessen Schwäche hatte diesen immer mehr Mut gemacht, die Polen direkt anzugreifen und ihnen ihre Beute abzunehmen. Der Herzog und seine Heerführer schwankten nun eine Zeitlang, ob sie mit ihrem geringen Leuten den Fein angreifen, oder sich das lieber für eine bessere Gelegenheit aufsparen sollten; aber die Mehrheit war dafür lieber in Ehren zu sterben, als schmachvoll zu fliehen. Derv Herzog ließ nun seine schwächeren Mannen bei der Beute zurück, und zog mit dem kleinen gesunden Teil dem Feind entgegen. Der Kampf war schwer und blutig, und ein Sieg der Polen mehr als zweifelhaft. Die Pommern und Preußen konnten, im Gegensatz zu den Polen, immer wieder frische Truppen in den Kampf werfen, und konnten auch immer wieder strategische Vorteile erringen. Den Polen half ihre kriegerische Erfahrung und ihr Mut, und das Gefecht dauerte deshalb von neun Uhr Morgens bis in die dunkle Nacht hinein, als man wegen der Dunkelheit gar nichts mehr erkennen konnte, zogen sich die Pommern und Preußen vom Schlachtfeld zurück, ohne dass die Polen sie verfolgten; man könnte also eher von einem unentschiedenen Ausgang sprechen.


                    Der Herzog zieht sich zurück und sammelt neue Truppen

                    Obgleich einige dem Herzog vorschlugen, den Pommern und Preußen am folgenden Tag nach zusetzen, so bewog doch die geringe Anzahl seiner Leute und das bevorstehende Osterfest den Herzog dazu, umgehend nach Polen zurückzukehren. In Polen sammelte Wladislav ein neues Heer, welches diesmal auch, für ein kräftiges Handgeld, auch böhmische Söldner beinhaltete. Seine Absicht war es, Kassubien und Hinterpommern wieder zurück zu erobern, oder sich zumindest wieder einen Zugang zu diesen Gebieten zu verschaffen, deshalb ging er mit seinem Heer über die Netze, um den Pommern erst einmal einen schweren Schlag zu versetzen. Die Pommern wollten sich ihm aber jetzt nicht in einem offenen Gefecht gegenüber stellen, weil sie auch schon im Frühjahr bei Driesen mit überlegenen Kräften keinen entscheidenden Sieg erreichen konnten. Sie zogen sich deswegen in die Wälder und hinter die Sümpfe zurück. Da der Herzog so gar nichts erreichen konnte, und das ganze Land ohnehin schon verwüstet war, ging er bis zur Grenzfestung Nakel zurück, und beschloss diese zu belagern. Dahin strömten aber auch die Pommern, teils um nach Polen einzufallen, teils um diesen Punkt, als Schlüssel zu ihrer Freiheit, abzusichern. Während dieser langwierigen Belagerung, wurden die Polen jede Nacht, durch blinde Alarme, von den Pommern in Bewegung gehalten; man täuschte ihnen immer wieder einen Anmarsch von feindlichen Truppen vor. Wenn nun aber die Polen in voller Rüstung an dem vermutlichen Aufmarschort angekommen waren, so hatten sich die wenigen Lärmmacher schon längst wieder in die Wälder zurück gezogen. Während nun wieder einmal die Polen mit einem größeren Aufgebot gegen die nächtlichen Störer ausgerückt waren, da wagten die belagerten Pommern einen Ausfall aus Nakel, und steckten das komplette Lager der Polen in Brand; wobei nahezu fast alle Hütten und das ganze Kriegsgerät vernichtet wurden.


                    Der Herzog zieht sich erneut aus Pommern zurück

                    Jetzt kamen aber die Polen in eine schwere Bedrängnis, denn sie hatten kaum noch Waffen, und nichts mehr zu essen; während nun auch noch ein sehr strenger Winter einsetzte, mit welchem vor allem die böhmischen Söldner gar nicht zurecht kamen. Wladislav hob daher die Belagerung auf, und ging unverrichteter Dinge wieder nach Gnesen zurück. Durch diesen Rückzug sammelten die Hinterpommern wieder mehr Mut und Hoffnung für ihren Freiheitskampf gegen die Polen.

                    Der Herzog Wladislav rückt erneut nach Hinterpommern im Jahre 1093

                    Weil der Herzog Wladislaw unbedingt wieder in die Unterwürfigkeit zwingen wollte, so entblößte er fast alle seine Erbstaaten von ihren Kriegstruppen, um im folgenden Jahr 1093 mit einem noch größeren Heer in Hinterpommern einzufallen. Er begann also seinen Feldzug im Frühjahr 1093, hielt sich aber diesmal nicht mit der Belagerung von Festungen und Schlössern auf, sondern verwüstete das flache Land, verbrannte die Häuser, welche bisher verschont geblieben waren, und nachdem er ganz Hinterpommern verheert und geplündert hatte, wandte er sich gegen die Preußen, hauste auch hier mit Feuer und Schwert und verschleppte eine große Menge von Gefangenen und Vieh.

                    Die Hinterpommern geben auf, und der Herzog rächt sich grausam

                    Wegen dieser polnischen Verwüstungen waren nun die Hinterpommern und Preußen um den größten Teil ihres einstigen Wohlstandes gekommen, so dass sie nun doch an den Herzog Gesandte schickten und unbeschränkten Gehorsam samt voller Unterwerfung gelobten, unter einzigen Bedingung, dass ihre Verirrungen verzeihen und ihnen Gnade angedeihen lassen wolle. Der Herzog nahm die Gesandten scheinbar wohlwollend auf, und erklärte, dass sie und alle übrigen, welche für den Aufstand keinen Anreiz gegeben hätten, guten Mutes sein könnten, er forderte aber, dass sich die ganzen Großen des Landes persönlich bei ihm einfinden, und zusammen mit ihm ihre Aussöhnung beraten sollten. Weil der Herzog bei dem Aufstand im Jahre 1091 diesen zwar ihre Burgen und Schlösser genommen, aber ihre Köpfe gelassen hatte, deshalb hofften die hinterpommerschen Freiherren auch dieses Mal, dass er unblutig und glimpflich mit ihnen verfahren würde; aber sie täuschten sich gar sehr. Denn der Herzog ließ allen Großen, welche an dem Aufstand Anteil hatten, ihre Köpfe abschlagen, und den Rest von ihnen, deren Schuld nicht nachweisbar war, schickte er in andere entfernte Gebiete in lebenslange Gefangenschaft. Eine tatsächliche Verzeihung wurde einzig dem einfachen Volk gewährt. Natürlich wurden auch wieder in ganz Hinterpommern polnische Besatzungstruppen und polnische Statthalter eingesetzt. Den Statthaltern und Befehlshaber wurden wiederum die einzelnen Landesteile von Hinterpommern zu Lehn gegeben. Durch diese Maßnahmen wurde der einstige Adel von Hinterpommern weitestgehend ausgelöscht, und auch die letzten bei diesem verbliebenen Güter kamen nach und nach in die Hände von geborenen Polen, auf deren Treue der Herzog sicher rechnen zu können glaubte.

                    Ein Konflikt mit Böhmen bahnt sich an

                    Während des Feldzuges in Pommern hatte der böhmische Herzog Bretislav seine polnischen, von ihren Streitkräften entblößten, Nachbarprovinzen überfallen und geplündert. Wladislav Herrmann, welcher eigentlich seine Ruhe liebte, und dazu noch sehr krank war, schickte im darauf folgenden Jahr 1094 seinen obersten Feldherren, den Palatin von Krakau Szeczech mit einem Heer los, um ihm in seinem eigenen Land mit gleicher Münze heimzuzahlen; bei diesem Feldzug war auch Wladislavs neunjähriger ehelicher Sohn Prinz Boleslaw Krzivousti mit unterwegs. Man drang nun in Mähren ein und verwüstete das Land, ganz nach den Anweisungen von Wladislav, mit Sengen, mit Rauben und Plündern, ohne irgend welche festen Plätze zu belagern.
                    Die Pommern erobern ein wichtiges Schloss zurück

                    Während nun aber die Polen auf diese Weise beschäftigt waren, bemächtigte sich eine Handvoll von Pommern des Schlosses Medzyrzecz, heute unter Meseritz bekannt. Der Straftruppen aus Böhmen wurden deshalb ganz schnell zu diesem Schloss in Bewegung gesetzt, um selbiges zu belagern. Dieses ohnehin schon gut befestigte Schloss, war aber inzwischen von den Pommern noch weiter ausgebaut worden. Die Polen mussten daher sehr viel schweres Kriegsgerät bei der Belagerung einsetzen, und die Mauern des Schlosses an vielen Stellen völlig zertrümmern. Als die Pommern nun ihre schwierige Lage erkannten, boten sie eine Übergabe des Schlosses an, um sich nicht einer endgültigen Erstürmung auszusetzen; allerdings nur unter der Bedingung, dass sie mit ihren Pferden, ihrem Eigentum und ihrem Gebäck unverletzt abziehen dürften, was ihnen auch zugestanden wurde. Der einzige denkbare Grund für diese ehrenvollen Behandlung durch die Polen, dürfte wohl darin liegen, dass die Schlossbesatzung nicht aus dem unterworfenen Hinterpommern stammte, sondern aus dem damals noch freien Westpommern. Man schonte damals vermutlich die Westpommern, um nicht auch noch einen Aufstand ihrer ohnehin schon verbitterten Landsleute zu erregen. Das dieses Heer aus Westpommern stammte, wird in der Literatur kaum erwähnt, weil man damals auch schon kaum noch einen namentlichen Unterschied zwischen dem westlichen und dem Rest von Pommern machte. Das Schloss Meseritz lag nämlich nicht an der Grenze Hinterpommerns, sondern des westlichen, damals noch freien Pommerns zu Polen. Die nachfolgenden Ereignisse zeigen uns aber, dass sich von nun an auch das westliche Pommern im Kriegszustand befindet. Wahrscheinlich würde der Überfall auf das Schloss Meseritz nur als eine verzeihliche Vergeltung der vorhergehenden polnischen Übergriffe betrachtet worden sein, wenn nicht gerade auch noch, durch innere Unruhen in Polen, der Kriegsgeist der restlichen Pommern wieder angestachelt worden wäre. Es kam sogar dazu, dass der polnische Prinz Sbignev (ein unehelicher Sohn von Herzog Wladislav Herrmann) die Pommern zum Krieg gegen seinen eigenen Vater, den Herzog Wladislav Herrmann, zu Hilfe rief. Das war nun aber ein mächtiger Anreiz für ganz Pommern, jetzt für eine endgültige Unabhängigkeit von Polen zu kämpfen, und sich direkt auf eine Seite des Bürgerkrieges in Polen zu stellen.

                    Der polnische Prinz Sbignev ruft die Pommern zu Hilfe

                    Im Jahre 1096 empörte sich der Prinz Sbignev gegen seinen Vater und rief die freien Westpommern zur Hilfe. Diese versuchten nun im Jahr darauf Zantok, mittels Verrat, einzunehmen, was ihnen allerdings nicht gelang. Sbignev und Boleslav Krzivousti werden zusammen mit einem Heer gegen sie ausgesandt, aber sie erreichen nichts weiter. Während der polnischen Unruhen greifen die Westpommern Zantok erneut an, und erbauen im Jahre 1099 eine Gegenfestung. Als nun Sbignev und Boleslaw gegen diese Festung vorgehen sollten, zieht sich Sbignev unverrichteter Dinge wieder zurück, und Boleslaw muss allein die Pommern in die Flucht schlagen; allerdings haben sie vorher noch ihre eigene Gegenfestung in Brand gesteckt.

                    Die inneren Unruhen in Polen

                    Der Herzog Wladislav Herrmann hatte zwei Söhne, einen ehelichen Namens Boleslav Krzivousti, und einen unehelichen mit Namen Sbignev. Der Letztere war viel älter als Boleslav, und auch erfüllt von Tapferkeit und Mut, weshalb er für seinen Bruder zu einer Gefahr zu werden schien. Er wurde deshalb von Wladislav Herrmann in ein sächsisches Kloster geschickt, um da für immer als Mönch zu leben. Zur damaligen Zeit wurden auch viele andere unbequeme Polen des Landes verwiesen, und weitere Polen flüchteten lieber freiwillig, ehe ihnen Schlimmeres passierte. Das größte Übel von Wladislav Herrmann in den Augen seiner Gegner bestand aber darin, dass er den mächtigen polnischen Adel in seinen Rechten zu beschneiden versuchte, und sich eher den Bürgerlichen annahm, und diese stärken wollte. Die meisten Vertriebenen und freiwillig Ausgewanderten flüchteten nach Böhmen, wo sie vom Herzog Bretislav wohlwollend aufgenommen wurden. Die beiden alten Höfe von Prag und Gnesen waren schon lange aufeinander eifersüchtig, und brüteten immer wieder über Plänen, um im jeweiligen Nachbarstaat Unruhen und Aufstände anzufachen. Deshalb empfahl Bretislaw den ausgewanderten Polen, den Prinzen Sbignev wieder aus dem Kloster zurück zu holen, ihn dann zu ihrem Herzog zu wählen, und eine benachbarte polnische Provinz, am besten Schlesien, einzunehmen. Hier hatte damals Graf Magnus die Statthalterschaft, der selber über die aktuelle polnische Regierung verbittert war, und deshalb den Prinzen Sbignev und seine Anhänger gern in Breslau aufnahm. Er gab aber damit den Anlass für die Spaltung, welche sich mit der Zeit über ganz Polen ausbreitete. Wladislav zog nun gegen Breslau, um die Wut der Empörung etwas zu dämpfen; aber Sbignev wich ihm in das Herz von Polen aus, wo er die meisten Großen des polnischen Adels auf seine Seite brachte; hier setzte er sich in der Stadt Cruschwitz fest.


                    LG Arndt
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                    • Antennenschreck
                      Forum-Teilnehmer
                      • 05.09.2011
                      • 1833

                      #25
                      AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                      Hallöle,

                      hier mal eine (noch stark zu bearbeitende) Karte der damaligen Siedlungsgebiete:

                      [ATTACH=CONFIG]23472[/ATTACH]


                      Tschü....
                      Angeh
                      Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                      • Antennenschreck
                        Forum-Teilnehmer
                        • 05.09.2011
                        • 1833

                        #26
                        AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                        Hallöle,

                        der Stand der Karte dürfte so ca. Mitte des 9. Jh. sein.

                        Tschü.....
                        Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                        • Antennenschreck
                          Forum-Teilnehmer
                          • 05.09.2011
                          • 1833

                          #27
                          AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                          Moin,

                          hier wieder ein wenig Kaschubengeschichte:

                          Die Pommern und die Kassuben

                          Die Pommern sind dem Namen nach als die am Meere Wohnenden (po morze) leicht zu erkennen. Etwas schwieriger ist es da schon mit den Kaschuben. Ium Litauischen gibt es ein Wort, was man viel verwendet, aber von dem keiner so recht weiß, was es eigentlich bedeutet, – kuzabas – , es wird unter anderem zur Bezeichnung des Mühlsteinloches benutzt, welches zum Einfüllen des Getreides dient. Auch eine Tüte aus Erlenrinde und das Loch im hohlen Baum, in dem Waldbienen hausen, sowie ein Korb aus Rinde zum Beerensammeln führen diesen Namen. Das kleinrussische kozub bedeutet gleichfalls Korb, auch Kütze hat man mit dem slawischen Wort in Verbindung gebracht. Die polnischen Worte kazub, kozub, kazubek, kadlubek entsprechen auch jenem litauischen Wort, und bezeichnen ein Rinden- oder Bastgefäss. All jene Wörter stehen dem Namen der Kaschuben am nächsten, ohne dass aber eine Bedeutung genau anzugeben wäre. Ganz allgemein bezeichnet das Eigenschaftswort slowinzisch alle pommerschen evangelischen Slawen. Die Kaschuben haben nie ein politisches Ganzes gebildet, und der Name tritt erst seit dem 13. Jahrhundert häufiger auf. Wer sind nun aber die Kaschuben? Der Kiever Mönch Nestor teilt das slawische Völkergemisch der Lechen ums Jahr 1110 im Weichselgebiet und westlich davon, in die Polen, Lutiker, Masovier und Pommern. Der Hauptstamm der Lechen waren die Pommern, sie standen allerdings bis ins 12. Jh. mehr oder weniger in einem politischen Zusammenhang zu den Polen. Wenn nun auch immer einmal der Name der Kaschuben erwähnt wird, so kann man doch nicht daran zweifeln, dass damit immer einzelne pommersche Stämme gemeint sind, über deren eigentliche Sitze aber die Ansichten weit auseinander gehen. Kantzow schreibt im 16. Jh.: „Die Kaschubei ist ein Teil von Pommern, und zwar sind das Wenden, welche nicht am Meer, sondern mehr landeinwärts wohnen, welche aber, entgegen der Gewohnheit der Wenden, weit gefaltete Kleider tragen, denn Cassubitz heißt gefalztes Kleid, und liegt etwa dort, wo heute das Bistum Cammin, der Heitort der Pommern, und die neue Mark ist. Ihre Sprache aber, unterscheidet sich ein wenig von der wendischen, und wird nur an ihren Orten gesprochen. Das Volk in Pommern ist gar deutsch und sächsisch, ausgenommen das in Hinterpommern und auf dem Lande, wo noch immer viele Wenden und Kaschuben wohnen.“ Um diese Zeit (1404) soll eine alte Frau auf Jasmund zu Rügen gestorben sein, welche Gulitzin hieß, welche samt ihrem Mann die letzte war, die im Lande zu Rügen wendisch sprechen konnten. Aber mit dem allmählichen Aussterben der pommerschen Kaschuben übertrug man ihren Namen immer mehr auf die 150000 Slawen in Pommerellen, die einst zum Ordensland und dann zu Polen gekommen waren. Die beiden Hauptwohnorte der Kaschuben waren wohl das Kaschubendorf Zipkow und ihr Hauptorte Glowitz, Zezenow und Stojentin. Die kaschubische Bevölkerung soll sich über die drei Kreise Lauenburg, Bütow und Stolp erstreckt haben.

                          Orte in Pommern in denen kaschubisch gesprochen wurde

                          Dennewitz, Biebrowo, Slawuszewo, Jackowo, Chcottschenke, Kurowo, Czekoceno, Saseno, Uljanie, Bargadzeno, Roszczyce, Strezezowo, Maszewo, Zdrzewno, Kopono, Scharzschow, Wiek, Wrzesce, Chabrowo, Garzigar, Jannewitz, Rosgars, Vilkow, Puggerschow, Commlow, Küssow, Bresen, Pusitz, Schichow, Saulin, Merzno, Enzin, Nieznachowo, Szczenurzy, Sorbsk, Lebinc, Leba, Zarnowske, Babidol, Dabino, Gaco, Cecenowo, Wolen, Pobloce, Prebedowo, Dargolese, Wekosowo, Duochowo, Zaratin, Rzuszcze, Glowczyce, Knecino, Worblino, Szczypkojce, Siodlina, Badzechowo, Rowno, Skorzyno.

                          Das Aussehen und der Charakter der Kaschuben

                          Die Kaschuben wichen in ihrer Größe und Gestalt nur wenig von den Deutschen ab. Ihr Äußeres im Gesichtsausdruck und in der Haltung lag etwa in der Mitte zwischen den Polen und den Niederdeutschen. Ein glatt aus-rasierter Backenbart, wie ein struppig aus-rasierter Vollbart gab es ebenso häufig, wie ein vollkommen glatt rasiertes Gesicht. Sie waren etwas größer und schwerfälliger, aber doch lebhafter als die Deutschen und übertrafen diese an Ausdauer und Bedürfnislosigkeit. Männer und Frauen hatten prächtig weiße Zähne; und es gab weit mehr blonde als schwarz haarige Kaschuben. Sie waren trotz ihres hohen Selbstbewustseins sehr freundlich, höflich und entgegenkommend. Man sagte ihnen eine große Schlauheit und ein ewiges Misstrauen nach. Seinem Charakter nach war der Kaschube tief religiös, dabei aber lernbegierig und auf die Erlernung praktischer Fähigkeiten bedacht; er achtete aber die Kunst nicht sehr hoch, und ist bieder und arm, braucht keine Musikinstrumente und achtet selbst den Gartenschmuck nicht. Lärm und Streitereien arteten nie in Tätlichkeiten aus. Wenn die kaschubischen Fischer tagelang vom Wetter behindert wurden, lagen sie beim Spiel und Trunk in ihrer Hütte; man schnupte sehr häufig und gern und rauchte viel. Sie waren selten ruhig, und eine Unterhaltung über nichtige Dinge konnte sich über Stunden hinziehen. Es galt bei ihnen der Grundsatz Ein Mann ein Wort. Selbst den abgehärtetsten reisenden Kaschuben zog es immer wieder in seine Heimat, auf seine Scholle zurück, ganz egal, wie lange und wie weit er schon gereist war. Die Hütten der Kaschuben nannte man Klucken, und gerade diese bewahrten am längsten noch das kaschubische Wesen.


                          LG Arndt
                          Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                          • Antennenschreck
                            Forum-Teilnehmer
                            • 05.09.2011
                            • 1833

                            #28
                            AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                            Hallöle,

                            hier ein wenig mehr:

                            Man hatte in vier ecken Kiefernwurzeln eingesetzt, um der luftigen Hütte feste Grundpfeiler zu geben und die Balken auf dem weichen Boden besser zu halten. Selbst in der trockensten Jahreszeit war der weiche biegsame Boden dieser Klucken feucht, und im Winter waren diese Klucken von aller Welt abgeschlossen, das Wasser stand in der Wohnstube, und die Bewohner mussten auf dem Dachboden hausen. Bei Sturm flogen Sand und Schnee in der ganzen Stube herum, im Sommer konnte man aber recht gut in solch einer Klucke leben. Obwohl manch Kluckner schon viel bessere Gegenden der Welt gesehen hatte, gab es für ihn doch keinen besseren Platz als seine kaschubische Heimat. Ausdauernd und gesund waren die kaschubischen Bengels und Mädels. Am Sonntag ging es immer meilenweit bis zur nächsten Kirche. Die kaschubische Schule war, genau so wie die Kirche, komplett in deutscher Sprache. Die Gutsherren, die Putkamer und Zitzewitz, Stojentin und Kleist standen hoch über ihnen. Der Bauer hatte 2, der Halbhufner 1 Pferd, der Kossäther 2 Ochsen der Büdner entsprach dem altgermanischen Hagustald, und war Beisitzer und bewohnte einen Teil am Hofe seines Bruders. In den Klucken aber, bezeichnet der Name derselben den höchsten Rang, also denjenigen, dem das Haus allein gehört. Der Käthner war ein einfacher Besitzer eines Häuschens, der Instmann aber war ein Tagelöhner bei einem Herren, dessen Kathe er auch bewohnte. Er musste mit seiner Frau und einem erwachsenen Kind oder gemieteten Knecht für die Herrschaft arbeiten, hatte aber bestimmte Tage für die Bewirtschaftung eines eigenen, ihm zur Verfügung getsellten, Feldes frei. Als Lohn empfing er einen prozentualen Anteil des Reinertrages, und einige Taler in bar.

                            Die Sprachen bei den Kaschuben

                            Die kaschubische Grundsprache benutzte man nur um zu beten, um untereinander zu verhandeln, besonders wenn es die Deutschen nicht verstehen sollten, sonst überwog aber das Plattdeutsche, gespickt mit zahlreichen kaschubischen Einwürfen. In den Schulen, Kirchen, beim Militär, beim Amt, bei Gericht, überall da nutzte man die hochdeutsche Sprache. Aus all dem hat sich nun mit der Zeit ein Gemisch entwickelt, dass ebenso eigenartig wie unschön ist. Zu den Hoch- und Plattdeutschen kommen nun auch noch die eingewanderten Polen und Zigeuner hinzu.

                            Das kaschubische Haus

                            Das gewöhnliche kaschubische Haus ist etwa 12 m lang, 6 m breit, 2m hoch, und wird von einem, 4 m hohen, spitzen Dach überragt, welches mit Schilfschindeln gedeckt ist und schief abgeschrägte Giebel hat, weiterhin hat es eine oder mehrere Holzessen. Da die letzteren bei den Klucken manchmal völlig fehlen, muss der Rauch hier durch Fenster und Türen entweichen. Selten fehlen aber auf dem Dach ein Storchennest, und die schrägen langen Baumstämme oder Leitern, welche von der Erde bis auf den First reichen, und für alle nötigen alle Reparaturarbeiten dienen. Das ganze Haus besteht aus Balken und Lehmwerk, selten nur aus reinem Holz. Es hat meist zwei gleiche Teile, welche von einer Scheidewand getrennt werden, aber manchmal so, dass bei einer Tür in der Mitte der Vorderseite, der Hausflur gemeinschaftlich ist; gewöhnlich sind aber zwei nebeneinander liegende Türen mit entgegengesetzten Schlössern vorhanden, so dass die Teilung vollständig ist. Jede Hälfte hat an der Vorderseite und oft auch an der Nebenseite außer dem Flurguckloch ein kleines sechseckiges Fenster und über der Tür eine Heuluke. Vor der Vorderseite befinden sich eine Bank und aufgeschichteter Torf oder Brennholz, manchmal sind an den Seiten weitere Teile zu Kammern und Viehställen angebaut. In unmittelbarer Nähe befinden sich der Backofen und der Kartoffelkeller; jener ist eine etwa 2 m hohe Halbkugel aus Lehm, mit abgeschnittener Vorderseite, welche mit einer Ziegelsteinmauer und einer runden Holztür versehen ist.

                            LG Arndt
                            Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                            • Antennenschreck
                              Forum-Teilnehmer
                              • 05.09.2011
                              • 1833

                              #29
                              AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                              Hallo,

                              hier einmal ein Bild von so einem Haus, aus urheberrechtlichen Gründen habe ich natürlich ein uraltes Bild nachcoloriert (ohne die Menschen). Aber man kann daran sehr gut sehen, wie so ein Haus in neuerer Zeit ausgesehen hat. Früher waren die Wände wohl noch nicht so dicht gewesen, wie auf dem Bild, ansonsten hätte es keine großen Schneestürme im Inneren gegeben.

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                              LG Arndt
                              Angeh
                              Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                              • StampCollector
                                Forum-Teilnehmer
                                • 19.01.2014
                                • 924

                                #30
                                AW: Geschichte und Glauben der Kaschuben

                                Die Gegend ist ja auch ziemlich steinarm. Daher mußte man Baustoffe verwenden, die reichlich vorhanden waren (Holz, Lehm und Stroh). Natürlich kann man damit nicht so solide bauen wie mit Naturstein. Natürlich gab es auch noch die Möglichkeit Backstein zu benutzen. Dieses Baumaterial war aber teurer.

                                SC

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                                L