Dialekt in Danzig

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  • Miles
    Forum-Teilnehmer
    • 24.03.2016
    • 42

    #1

    Dialekt in Danzig

    Liebe Forumsteilnehmer,

    auf der Homepage des Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas habe ich 3 authentische Sprachaufnahmen in Danziger Dialekt gefunden, gesprochen von Vertriebenen in den Jahren 1956, 1963, 1964: https://regionalsprache.de/Audio/Katalog.aspx (als Suchbegriff "Danzig" eingeben). Gesprochen werden die Sätze des sog. Wenkerbogens. Wenker war ein Sprachforscher, der schon im 19. Jh. einen Atlas der deutschen Dialekte erstellt hat, indem er Schullehrer in allen!!! Orten Deutschlands bat, vorgegebene Sätze in der jeweiligen Aussprache zu transkribieren. Äußerst interessant! Nicht nur für Danziger!
    Für mich ergibt sich nun folgende Frage: die gesprochenen Dialekte klingen für mich sehr fremdartig. Welcher Teil der Danziger Bevölkerung hat so gesprochen? Die Überlieferung der Danziger in meiner Familie besagt, dass "wir schon immer Hochdeutsch gesprochen haben - nie Dialekt". Wie passt das zusammen?

    Gruß,
    Olaf
  • Eva Altstaedt +13.12.2018
    Forum-Teilnehmer
    • 10.02.2008
    • 89

    #2
    AW: Dialekt in Danzig

    Lieber Olaf, heute habe ich mich gerade mit meiner Tochter über dieses Thema unterhalten, ich habe fünf erwachsene Enkel, die leben in verschiedenen deutschen Gegenden. Einer wohnt in Berlin und ist mit einer Lausitzerin verheiratet. Nun war letztens eine meine Urenkelinnen, die hier in Geseke wohnt, zu Besuch in Berlin und war empört, dass man dort "Bürne" statt Birne sagt, es heißt doch "Biierne", eben Westfalen. So war es auch in Danzig, man sprach hochdeutsch, aber doch mit einer gewissen Klangfarbe und auch manchen typisch danzigerischen Ausdrücken, die nicht direkt Plattdeutsch waren, aber doch für andere unverständlich. z. B. "Du bist ja schucker". oder "kieter da nich so rum! Oder man sitzt nicht auf dem Po, sondern auf dem Dups.
    So, nun geh ich mal in die Pluchen (Bett), gute Nacht!
    L.G. von der Zoppoter Eva.

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    • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
      Forum-Teilnehmer
      • 13.02.2008
      • 3493

      #3
      AW: Dialekt in Danzig

      Lieber Olaf ! Mir geht es genau so wie der Eva. Wir sprachen nur hochdeutsch daheim, aber es war nicht 'ganz rein,' da kamen dauernd andere Ausdruecke hinein, die die Mutti und der Opa benutzten. Und vor Kurzem kam das, was ich als Erklaerung annahm, dass Vorfahren von unserer Familie nach Danzig eingewandert waren und diese Ausdruecke mitgebracht haetten. Wie dem auch sei, hier in Australien sprechen wir jauch nicht das Oxford Englisch. Wenn Du da 'mal die 'Aussies' untereinander hoerst, dann brauchst Du ein Woerterbuch. Liebe Gruesse von der Feli

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      • Inge-Gisela
        Forum-Teilnehmer
        • 09.11.2012
        • 1842

        #4
        AW: Dialekt in Danzig

        Hallo Eva,
        das, was Du an danziger Ausdrücken nennst, ist für mich sehr interessant. Aus meiner Kindheit kannte ich die Wörte "kieter" und "Dubs". Woher die Wörter denn nun kamen, ist mir jetzt erst bewusst. Mein Vater war Danziger. Wir sind allerdings in NRW groß geworden. Und meschugge, aus welcher Gegend kommt das? Das klingt so ähnlich wie schucker. Man sagte ja "Du bist meschugge". Meine Mutter hat ihre Kindheit in Ostpreußen verlebt. Meine Eltern sprachen aber im allgemeinen hochdeutsch bis auf so einige Wörter. Als Kind nahm man das einfach so hin.

        Lb Gruß
        Inge-Gisela

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        • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
          Forum-Teilnehmer
          • 13.02.2008
          • 3493

          #5
          AW: Dialekt in Danzig

          Ja Gisela ! Ich bin auch in einem hochdeutsch - sprechendem Haushalt aufgewachsen. Meschugge, kieter, Dubs und in die Pluchen gehen, genau wie Marjellchen, wurden oft benutzt. Ob wir wohl von der selben Ecke herkommen ? Liebe Gruesse von der Feli

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          • Stejuhn
            Forum-Teilnehmer
            • 09.08.2011
            • 1023

            #6
            AW: Dialekt in Danzig

            Guten Tag Feli, guten Tag Gisela!

            Auch ich kenne diese Begriffe und noch einige mehr. Bisher hatte ich gedacht dass sie auch Danzig stammen.
            Nun habe ich aber gewisse Zweifel. Meine Urmütter stammen aus Marienburg, Stuhm (Ururoma heißt Nachtigall -dieses könnte ein prusischer Name sein-), Gerwischkehmen, Gumbinnen und Rößl.
            Vielleicht sind diese Begriffe ja aus diesen verschiedenen Dialekten!

            Aber mein Vater hat bei mir sehr auf ein gutes Hochdeutsch geachtet.
            Diese Begriffe tauchen trotzdem immer wieder bei mir auf. Also war diese viele Mühe vergebens.

            Einen schönen Tag wünscht Euch Sigrid
            Nirgendswo ist es schöner als zu Hause mit der ganzen Familie vereint zu sein.
            Stejuhn, Karschen, Hinzmann, Korthals, Kumke, Rudat, Nachtigall, von Wissotzki (Wishotzki), Oberdorf

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            • love danzig
              Forum-Teilnehmer
              • 09.11.2015
              • 1494

              #7
              AW: Dialekt in Danzig

              Hallo Zusammen,
              mein Vater war ein Polnisch sprechender Danziger,aber in der Danziger Öffentlichkeit wurde dann Deutsch gesprochen.
              Die Sätze ,du machst mich Meschuke ,bewege dein Dups mal hierhin,aber auch Marjellchen waren
              in unser Familie zu hören.
              Bei Marjellchen, dachte ich immer es wäre eine Abwandlung von Maria ,der heiligen Maria (Polnischer Marienkult )
              Grüsse Roman

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              • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                Forum-Teilnehmer
                • 13.02.2008
                • 3493

                #8
                AW: Dialekt in Danzig

                Ich glaube es war in 2000 oder 2001 als Karl-Heinz Jessner ca. 1500 Woerter der alten Danziger Umgangssprache ausdruckte, die er Danziger "Missingsch" nannte. Da fand ich auch 'Marjel' - Danziger Maedchen und 'Luntruss' - Kerl oder Bengel. Interessant, und es sind 18 Seiten die ich mir ausgedruckt hatte. Liebe Gruesse von der Feli

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                • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                  Forum-Teilnehmer
                  • 13.02.2008
                  • 3493

                  #9
                  AW: Dialekt in Danzig

                  Musste halt noch ein bischen durch die Seiten gehen und fand noch einige Worte die wir auch oft benutzten Beschubsen : betruegen Abmurksen : umbringen Adebar : Der Storch Pachulke : verarmter Mensch Pracher : Bettler...... Und jetzt gehe ich in die Pluchen ! Liebe Gruesse von der Feli

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                  • Miles
                    Forum-Teilnehmer
                    • 24.03.2016
                    • 42

                    #10
                    AW: Dialekt in Danzig

                    Hallo ihr Lieben,

                    da habt ihr ja eine schöne Liste von Begriffen zusammen getragen: einige habe ich noch nie gehört, einige erscheinen mir jedoch als "normales" Deutsch (abmurksen), und meschugge stammt aus dem jiddischen und ist somit international verständlich. Von meiner Oma kenne ich noch den Begriff "duhn", wie sie oft meinen Opa bezeichnete. Wohl einer der Gründe, warum sie sich scheiden ließ
                    Ich habe heute noch einiges recherchiert und u.a. auf der HP von K.H.Jessner die von Feli genannte Wortliste und weitere authentische Audio-Dateien gefunden. Beim Abhören wird klar, dass es sich NICHT um Hochdeutsch mit einer regionaltypischen Färbung und einigen regionaltypischen Begriffen handelt, sondern um einen eigenständigen Dialekt mit eigener Aussprache, eigenem Sprachrhythmus, eigener Grammatik.
                    Wie so oft bietet Wikipedia einen guten Einstieg ins Thema (Stichwort "Niederpreußisch"); mit interessanten Links. Womit wir wieder bei meiner Ausgangsfrage sind: welcher Bevölkerungsteil hat vorzugsweise (Niederpreußischen) Dialekt gesprochen - und welcher Teil vorzugsweise Hochdeutsch (mit besagten regionaltypischen Begriffen).

                    Und jetzt ein Alus....

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                    • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                      Forum-Teilnehmer
                      • 13.02.2008
                      • 3493

                      #11
                      AW: Dialekt in Danzig

                      Wenn ich aus den Erfahrungen meiner Kindheit und Jugendzeit sprechen darf, dann kann ich vielleicht feststellen, dass unsere ganze Familie und auch der Freundeskreis, hochdeutsch gesprochen hat, mit hin und wieder typischen Dialekt Worten vermischt. Wir lebten auf der Niederstadt, in einem Mittel-Buergerlichem Niveau. Verschiedene Familien in unserem Kreise kamen aus Langfuhr, Heubude und Zoppot und alle hatten Stellungen in, was man hier nennt, " White Collour Work". Das heisst, man erschien im 'Anzug' zur Arbeit. In meinen Schulen, die Marienschule und auch spaeter, die Luisenschule, war Hochdeutsch die Umgangssprache. Und am Sonntag hoerten wir die Predigt auch auf Hochdeutsch. Also waren Heim, Schule und Krche auch ein ausschlaggebender Faktor, wenn man die Frage beantwortet, wer Hochdeutsch sprach. Liebe Gruesse von der Feli

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                      • Miles
                        Forum-Teilnehmer
                        • 24.03.2016
                        • 42

                        #12
                        AW: Dialekt in Danzig

                        Genau so hat es meine Oma auch geschildert, allerdings bestand die ganze Familie - soweit ich das bisher recherchieren konnte - aus blue collar workers.
                        Apropos Niederstadt: meine Oma hat bis 45 in der Almodengasse gewohnt.

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                        • Gerhard Jeske
                          Forum-Teilnehmer
                          • 24.08.2014
                          • 737

                          #13
                          AW: Dialekt in Danzig

                          Miles 12+
                          Gerhard Jeske: Wenn wir uns in der Niederstadt mit den Luntrussen herunbalgten, schnappten wir die meisten Danziger Wörter auf, " Dicker willst Kummst" das hieß, eine Tracht Prügel. oder höflicher ausgedrückt " bekommst gleich ein Veilchen (blaues Auge) oder dwatscher Abselwat, Das klang richtig lyrisch.Als ich 1947 in Neumünster im Vicelin Stift eine alten Pfarrer besuchte, spazierten wir im Garten. Da er schlecht sehen konnte, sagte ich zu Ihm" Herr Pfarrer- passen sie auf, jetzt kommt eine Kaule." Er antwortete. Herr Diakon" Wir leben nicht mehr östlich der Oder. Jetzt heißt es hier" Kule" Das erinnert mich an Horst Ehmke, der gebrauchte in einer Rede das Wort " Dubaßleuchjen" Sofort hörte er vom Präsidenten" Herr Professor Ehmke, der Abgeordnete --- möchte wissen, was ein Dubaßleuchjen ist"

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                          • ada.gleisner
                            Forum-Teilnehmer
                            • 17.02.2008
                            • 882

                            #14
                            AW: Dialekt in Danzig

                            Dubaß sagte meine Mutter auch oft zu allem Möglichen, wenn ihr der richtige Name nicht gleich einfiel. Auch abmurksen, oder pracher nicht, wenn man um noch ein Stück Schokolade bettelte, ist mir geläufig. Meine Mutter stammte aus Königsberg und daher bin ich der Meinung, daß viele dieser Worte allgemein aus der Ostdeutschen Ecke stammten. Auch bei uns wurde nur hochdeutsch gesprochen, aber man brachte so manches Wort aus der Schule mit, wie auch das Wort "Dubs". Übrigens hieß ein Polizist in Schidlitz zu Freude der Kinder so oder ähnlich, was große Heiterkeit hervorrief. Übrigens höre ich in meiner Umgebung schon lange keines dieser heimatlichen Worte, sie werden zu Ende gehen, wenn meine Generation nicht mehr ist.
                            Was ist Geld? Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt. (H. Heine)

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                            • Ulrich 31
                              Forum-Teilnehmer
                              • 04.11.2011
                              • 8547

                              #15
                              AW: Dialekt in Danzig

                              Hallo Herr Jeske (#13),
                              Sie erinnern sich an das Ehmke-Wort "Dubaßleuchjen" im Bundestag. Sind Sie sicher, dass es sich so schreibt? Haben Sie es evtl. auch in gedruckter Forum? Weder in der Erinnerungsform noch in diversen Abwandlungen ist seine Bedeutung zu ergoogeln. Deshalb auf jeden Fall meine Bitte an Sie: Bitte lassen Sie auch uns wissen, was dieses Ehmke-Wort bedeutet. - Vielen Dank!

                              Hallo Olaf (Miles),
                              Du hast inzwischen sicher gefunden (am besten über die Forum-Suchmaske [oben rechts] mit dem Stichwort "Missingsch"), dass der Kern Deines Anliegens hier schon öfter Gegenstand verschiedener Forum-Threads war. Sie alle befinden sich im Unterforum "Wirtschaft, Sport, Kultur" des Forums "Sonstiges rund um Danzig". Vielleicht solltest Du deshalb die Moderation bitten, auch Dein Thema "Dialekt in Danzig" in das vorgenannte Unterforum zu verschieben. Dies bietet sich m.E. an.

                              Viele Grüße
                              Ulrich

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