Unsere Mütter, unsere Väter

Einklappen
X
 
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles l
neue Beitr
  • Ulrich 31
    Forum-Teilnehmer
    • 04.11.2011
    • 8576

    #76
    AW: Unsere Mütter, unsere Väter

    Hallo Namensvetter,

    leider konnte ich den betr. Polen-Beitrag nicht ansehen. Kannst Du ihn bitte kurz kommentieren? Denn der von Dir angegebene Link (er führt vermutlich zur Dokumentation, ganz oder teilweise?) läuft nach dem Anklicken so ewig lange auf "Warten", dass ich die Geduld verloren habe. - Danke im Voraus.

    Viele Grüße
    Ulrich (Kurt Paul)

    Kommentar

    • Insel2008
      Forum-Teilnehmer
      • 29.03.2008
      • 779

      #77
      AW: Unsere Mütter, unsere Väter

      Hallo Ulrich,
      die Sendung "Polen unter deutscher Besatzung“ habe ich mir vorhin im Internet angesehen:
      Alle ZDF-Livestreams kostenlos und jederzeit online genießen. Das komplette TV-Programm von ZDF, ZDFinfo, ZDFneo, arte, KiKA, 3sat und Phoenix!

      dann weiter: "Sendung verpaßt",
      erscheint der heutige und gestrige Tag, links Sonntag, dort runterscrollen bis
      "Kampf ums Überleben", anklicken und schon gehts los.
      Wenn Du integrierte Lautsprecher hast oder externe wie ich, solltest Du nur auf die Lautstärke achten bzw. für Dich einstellen.
      Grüße von Inselchen2008
      Meine Namens-u.Ortsuche:
      https://www.danzig.de/showthread.php?5465-Steinchen-für-Steinchen-zum-Mosaik

      Kommentar

      • Ulrich
        Forum-Teilnehmer
        • 30.01.2009
        • 280

        #78
        AW: Unsere Mütter, unsere Väter

        Hallo lieber Namensvetter,

        nachdem Inselchen dankenswerter Weise ja den Internetfindplatz für den Film angegeben hat, noch mein von Dir gewünschter Kommentar zum Film:
        Es gibt auch Nachkommen Deutscher, die verzweifelt nach den Lebensgeschichten von "(unseren) Müttern und Vätern" forschen, insofern die am Überfall auf Polen, der Ermordung der polnischen Intelligenz und Geistichkeit und der Verfolgung und Ermordung der polnischen Juden teilgenommen haben. So habe ich auf einem Seminar einmal erlebt, wie der Nachkomme eines hochrangigen deutschen Judenmörders verzweifelt in die Runde gerufen hat: "Mein Vater war doch nicht allein! Wo sind die anderen denn? Wo sind die denn? Wo sind sie?" Und dabei schaute er einen jeden von uns Seminateilnehmern der Reihe nach forschend an.
        Keiner antwortete ihm. Keiner hatte einen Vater, der am Überfall auf Polen und der anschließenden Drangsalierung und teilweisen Ausrottung der polnischen Bevölkerung teilgenommen hat?
        Dieses Verschwinden.


        Ulrich

        Kommentar

        • stefanstefan
          Forum-Teilnehmer
          • 01.08.2009
          • 183

          #79
          AW: Unsere Mütter, unsere Väter

          Kommentare deutscher Professoren zur ausgestrahlten Doku



          Interessant finde ich dabei immer wieder den Kontrast zwischen Aussagen der deutschen Historiker. In der polnischen Presse sind sie meistens viel offener und ehrlicher, als in deutschen Zeitungen, wo sie dann eher diplomatisch und zurückhaltend Kritik äußern und niemanden auf den Schlips treten möchten. Sie fürchten hier vielleicht als Polen Arschkriecher usw. abgestempelt zu werden.

          Kommentar

          • Ulrich 31
            Forum-Teilnehmer
            • 04.11.2011
            • 8576

            #80
            AW: Unsere Mütter, unsere Väter

            Vielen Dank an Insel2008, Ulrich und stefanstefan.

            @ Insel2008: Mit Deiner Hilfe konnte ich doch noch die betr. Sendung ohne Probleme sehen. Auch mit der Lautstärke hatte ich keine Probleme (ich benutze für solche Sendungen Kopfhörer und regele die Lautstärke stets nach meinem Geschmack).

            @ Ulrich: Deine Schilderung zeigt beispielhaft die Problematik unserer Geschichte.

            @ stefanstefan: Ich bedauere immer wieder sehr, nicht Polnisch zu beherrschen. So gehen mir bei den unzulänglichen Google-Übersetzungen polnischer Texte wichtige Feinheiten verloren, auf die es aber entscheidend für die eigene Meinungsbildung ankommt.

            Viele Grüße an Euch
            Ulrich (Kurt Paul)

            Kommentar

            • Ulrich
              Forum-Teilnehmer
              • 30.01.2009
              • 280

              #81
              AW: Unsere Mütter, unsere Väter

              Hallo, lieber Namensvetter, "Problematik unserer Geschichte" - ist das nicht zu schwach? Zeigt mein Beitrag nicht eher, wie sehr der Überfall auf Polen und die Drangsalierung und Ermordung vieler, vieler Polen durch deutsche Besatzer heutzutage in Deutschland in Vergessenheit geraten ist, bzw. gebracht wurde? Ebenso die rassistische Ideologie der Herrenmenschen, die - im Falle des Endsieges dazu beigetragen hätte, die überlebenden Polen zu "Hackfleisch" zu machen. All dies unter die neutralisierende Überschrift der "Problematik unserer Geschichte" zu bringen, ist doch verharmlosend; nein, hier handelt es sich um keine Problematik, sondern um die Blutspur unserer Geschichte.Ulrich

              Kommentar

              • stefanstefan
                Forum-Teilnehmer
                • 01.08.2009
                • 183

                #82
                AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                So zynisch es klingen mag, weil ja jedes Leben genauso viel zählt.

                Aber dennoch ist im Bezug auf Polen doch erwähnenswert, daß dort die Eliten und das Elitäre (Museen, Paläste usw.) gezielt vernichtet wurden. Wohingegen in Russland, Frankreich, England usw. hauptsächlich die einfachen Menschen und Kleinstädte zum Kanonenfutter wurden. Nach 1945 konnte man dort relativ schnell zur Tagesordnung übergehen. In Polen dauert dieser Prozess eignetlich immer noch....

                Man sieht es jetzt auch ganz schön bei der Putin merkel Kunstraub Debatte. Die Moskauer und St.Petersburger Museen sind seit dem Krieg so voll wie noch nie... http://www.moz.de/nachrichten/brande...g/0/1/1165636/

                Kommentar

                • Ulrich 31
                  Forum-Teilnehmer
                  • 04.11.2011
                  • 8576

                  #83
                  AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                  Hallo Namensvetter,

                  Deinen Vorwurf, meine, wie Du es nennst, "neutralisierende Überschrift 'Problematik unserer Geschichte'" sei eine Verharmlosung, finde ich ungerecht. Ich will keinen Streit mit Dir, weise aber diesen Vorwurf ganz energisch zurück. Ich bezog mich mit meiner Wortwahl bewusst auf den von Dir unter #78 geschilderten Vorfall in jenem Seminar (bezeichnendes Schweigen der Angesprochenen). Die entspr. Problematik ist schwerwiegend, das ist aber wohl klar. Die "Blutspur unserer Geschichte" an sich verbietet selbstredend jede Verharmlosung und sollte nie in Vergessenheit geraten.

                  Ulrich (Kurt Paul)

                  Kommentar

                  • buddhaah
                    Forum-Teilnehmer
                    • 08.09.2010
                    • 275

                    #84
                    AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                    Ich habe gestern via ZDF Mediathek die erste Hälfte von "Polen unter deutscher Besatzung" gesehen (bis unser 7-monatiger Sohn wach wurde & an konzentriertes Zugucken nicht mehr zu denken war ).

                    Deshalb meine Kommentare bis Minute 16 der Dokumentation (entsprechend mit Vorsicht zu geniessen):

                    Diese Dokumentation wurde, meines Wissens, vom ZDF auch deswegen erstellt, um die verletzten Seelen der Polen nach "Unsere Väter, unsere Mütter" etwas zu "heilen". In diesem Sinne, habe ich v.a. unter diesem Aspekt den Beitrag angeschaut und komme zum Schluss, dass - falls ein Kitten der Kontroverse nach "U.V.U.M." der politische Sinn der Sache war - sich leider zu viel "deutsche Sachlichkeit" in diesem Beitrag wiederfand. Die historische Retrospektive war gut und längst überfällig, aber das Bestreben, möglichst viele Gesichtspunkte darzustellen, hinterlässt eigentlich mehr Verwirrung, als das es a) aufklärt oder b) die Verhältnisse der verschiedenen Ideologien, Überzeugungen und Taten richtig darstellt.

                    Zur Erklärung (und ich weiss das von meiner polnischen Familie, sowie vielen Freunden): die Polen waren emotional verletzt nach der Darstellung der AK-Kämpfer repräsentativ als Antisemiten in U.V.U.M. Nochmal kurz zu diesem Film, bevor ich zu "Polen unter deutscher Besatzung" zurückkomme. Die Argumentation der Polen ist ja auch schlüssig: die deutsche Öffentlichkeit, oftmals völlig unwissend über die polnischen Partisanen, bekommt beim ersten Kontakt mit dieser Organisation gleich die Antisemiten vorgesetzt. Antisemiten gab es in der AK - das bestreiten nur noch wenige Polen - aber repräsentativ für das Selbstverständnis der "Konspiracja" waren sie nicht! Somit kann eine solche Darstellung nicht zielführend sein, um ein umfassendes Verständnis der polnischen Situation darzustellen und somit den deutsch-polnischen Annäherungsprozess zu unterstützen.
                    Man käme ja umgekehrt auch nicht auf die Idee jemandem, der noch nie von den Nationalsozialisten gehört hat, Stauffenberg als typischen Vertreter dieser Gattung vorzustellen.

                    In "Polen unter deutscher Besatzung" wurde nun aber, anstatt näher auf die Realitäten der polnischen und jüdischen Bevölkerung einzugehen, immer wieder versucht alle Parteien zur Sprache kommen zu lassen und somit blieb nur wenig Zeit, dem deutschen Fernsehzuschauer die unsägliche Verachtung der Nazis gegenüber den in Polen lebenden, "nicht-arischen Volksgruppen" in Gänze zu zeigen. Konkret vermisse ich, dass nur 10 Sekunden lang auf die sogenannten "Łapanki" eingegangen wurde (die Strassensperren, bei denen plötzlich Lastwagen vorfuhren, die Strasse blockierten und ausnahmslos jeden ohne Volksdeutschenpass oder Passierschein, egal ob Juden oder Polen, aufluden und in ein KZ oder in ein Arbeitslager verbrachten). Meine Grossmutter mütterlicherseits entging damals in Warschau zwei Mal nur durch Zufall einer solchen "Łapanka". Sie waren an der Tagesordnung. Wo waren sie in dieser Dokumentation?
                    Stattdessen wurde Jedwabne über 5 Minuten lang beleuchtet. Die fehlende Verhältnismässigkeit lässt mich schon etwas verwundert zurück.

                    Bevor jemand protestiert: Jedwabne ist ein wichtiges Thema & eines, an dem die Polen noch immer knabbern. Sie knabbern jedoch deswegen daran, dass in ihrem Selbstverständnis eine solche Tat nicht im Einklang mit dem damaligen Selbstverständnis des Polentums war! Es hat stattgefunden, was für jeden Polen zutiefst beschämend sein sollte - aber es war ekelerregend für die meisten Polen - aber doch nicht repräsentativ. Es war ein schwarzer Fleck auf einer überwiegend weissen (oder auch grauen) Weste.
                    Nochmals stelle ich die Frage nach der Verhältnismässigkeit: Antisemiten in der polnischen Bevölkerung waren eine Randerscheinung, keinesfalls Usus & erst Recht nicht repräsentativ für die Ziele der Untergrundorganisationen.

                    Darüber hinaus fehlte es diesem Film an Empathie, die in Polen sehr wichtig ist; an der Fähigkeit sich in die Schuhe einer/s polnischen Jüdin/Juden oder einer/s Polin/Polen, der gerade auf den Lastwagen geladen wird, ohne jemals seine Familie wiedersehen zu können, Endstation KZ oder ALAG.
                    Die Polen wollten in der Dokumentation auch sehen, wie sich denn die deutschen Täter damals fühlten, was sie während der Grausamkeiten dachten, wie es in ihnen tickte. Und wie sie heute auf die Sache schauen, wie sie heute "ticken". Diesen Einblick erlaubt aber kaum ein Deutscher. Aus Scham. Aus Mentalität. "Weil man nicht in der Öffentlichkeit heult", sich keine Blösse gibt, Schwächen nicht von vornherein zu gibt.
                    Da ist die Krux, die Polen und Deutsche bis heute entzweit. Denn der Pole schüttet dir die Seele aus. Er hat ja, weiss Gott, genug erlebt.

                    Solange man in Deutschland nicht versteht, dass die Polen eine brüderliche Annäherung einer "Interessensgemeinschaft DE-PL" vorziehen, wird man sich weiterhin fröhlich gegenseitig in die Fettnäpfchen treten.


                    Hoffentlich habe ich mich nicht zu sehr in Rage getippt...

                    Gruss,

                    Michael

                    Kommentar

                    • Ulrich 31
                      Forum-Teilnehmer
                      • 04.11.2011
                      • 8576

                      #85
                      AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                      Nein, lieber Michael, Du hast Dich ganz und gar nicht zu sehr in Rage getippt. Du hast vielmehr großartig und gut nachvollziehbar dargelegt, woran es diesem zum "Heilen" der polnischen Seele gedachten Film mangelt: auch an Empathie. Hab von mir vielen herzlichen Dank für diesen Beitrag, der im letzten Absatz mit der "brüderlichen Annäherung" das Ziel nennt, das beide Staaten anstreben sollten - nicht nur, um zukünftig Fettnäpfchen zu vermeiden.

                      Beste Grüße
                      Ulrich

                      PS: Du solltest Dir trotzdem noch die zweite Hälfte des ZDF-Films ansehen, der bei Deinem Abbruch ohnehin eine technische Störung hat (jedenfalls zeigte sich die bei mir).

                      Kommentar

                      • achimbodewig
                        Forum-Teilnehmer
                        • 03.06.2008
                        • 497

                        #86
                        AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                        Frankfurter Allgemeine:

                        »Polen debattiert ›Unsere Mütter, unsere Väter‹«

                        In Polen erreicht die Kriegstrilogie „Unsere Mütter, unsere Väter“ sensationelle Quoten und spaltet die Kritik: Wut über Geschichtsfälschung im nationalen Lager, Lob für Selbstkritik bei den Linksliberalen.

                        Kommentar

                        • Ulrich 31
                          Forum-Teilnehmer
                          • 04.11.2011
                          • 8576

                          #87
                          AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                          Danke, Achim, für diese Information (#86).

                          Gruß Ulrich

                          Kommentar

                          • RRose
                            Forum-Teilnehmer
                            • 25.12.2009
                            • 1383

                            #88
                            AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                            Hallo und schönen guten Abend,

                            der Film "unsere Mütter unsere Väter" hat beim Deutschen Fernsehpreis in der der Kategorie "bester Mehrteiler" gewonnen.

                            http://www.sueddeutsche.de/medien/de...an-1.1785884-3
                            Herzliche Grüsse

                            Christina

                            Kommentar

                            • Ulrich
                              Forum-Teilnehmer
                              • 30.01.2009
                              • 280

                              #89
                              AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                              Mit Verspätung: Bitter.

                              Gruß Ulrich

                              Kommentar

                              • Ulrich 31
                                Forum-Teilnehmer
                                • 04.11.2011
                                • 8576

                                #90
                                AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                                Hier der Wikipedia-Beitrag zum betr. Film: http://de.wikipedia.org/wiki/Unsere_...ere_V%C3%A4ter, zuletzt geändert am 17.11.2013.

                                Kommentar

                                L