Unsere Mütter, unsere Väter

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  • tannseer, +2014

    #31
    AW: Unsere Mütter, unsere Väter

    Es ist plötzlich so still geworden über "unsere Mütter, unsere Väter". Wahrscheinlich überlegen sich jetzt viele,- wie hättest du dich denn verhalten? Damit hätte der Film seinen Zweck erreicht.
    Ich grüße euch.
    arno.

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    • achimbodewig
      Forum-Teilnehmer
      • 03.06.2008
      • 497

      #32
      AW: Unsere Mütter, unsere Väter

      Noch eine Kritik, diese aus der taz:

      »Nazis sind immer die anderen«

      http://www.taz.de/Unsere-Vaeter-unsere-Muetter/!113239/

      (Bei mir warten Teil 2 und 3 noch ungesehen auf der Festplatte. Ich werde es mir am Wochenende anschauen.)

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      • Wolfgang
        Forumbetreiber
        • 10.02.2008
        • 11623

        #33
        AW: Unsere Mütter, unsere Väter

        Schönen guten Abend,

        danke, Achim, für den Hinweis auf den TAZ-Kommentar. In weiten Punkten habe ich den Dreiteiler so empfunden wie er in der TAZ kritisiert wurde. Und auch Alexander hat ja schon am 19.03. um 20:16 Uhr aufgezeigt worüber man in diesem Film stolpert. Die Film-Zeitrechnung beginnt 1941 und davor war nichts. Aber gerade dieses DAVOR fehlt und so bleiben etliche Fragen offen die man gerne den fünf Freunden stellen würde.

        Einen anderen Punkt empfand ich aber auch etwas störend: Die zum Teil arg zusammenkonstruierten Handlungen wie z.B. der Schluss als sich die drei überlebenden Freunde ganz plötzlich und rein zufällig in ihrer verwüsteten früheren Stammkneipe treffen und dann auch noch was zum Bechern finden...

        An wen sollte sich der Film wenden, an welche Zielgruppe und wie wurde sie beworben? Auch das ist eine offene Frage, die sich automatisch ergibt wenn man erfährt, dass zumindest in der ersten Folge laut Süddeutscher Zeitung der Zuschaueranteil der Unter-Fünfzigjährigen bei gerade mal sage und schreibe 14,5 Prozent lag: Vom Fragestellen und Zuhören. Dass ZDF überwiegend nur von Zuschauern meines Alters und älter gesehen wird (Durchschnittsalter jenseits 60) ist bekannt, aber dass ein solcher Film so wenig Resonanz bei den Jüngeren findet, verwundert doch sehr.

        Viele Grüße aus dem Werder
        Wolfgang
        Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
        Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
        Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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        • Mandey +08.03.22
          Forum-Teilnehmer
          • 08.02.2009
          • 540

          #34
          AW: Unsere Mütter, unsere Väter

          Ja Arno.

          So ist das nun mal wenn klare Aussagen gefragt sind,
          ,die gibt es bei Google nicht.

          freundliche Grüße v.Heinz Mandey

          Kommentar

          • waldling +6.8.2023
            Forum-Teilnehmer
            • 04.09.2011
            • 2320

            #35
            AW: Unsere Mütter, unsere Väter

            Guten Abend zusammen,
            bezüglich des TAZ-Artikels:
            Ich weiß nicht, ob es wirklich so ist, wie im vorletzten Absatz des Artikels beschrieben, dass kein Verstehen möglich ist, solange unsere Eltern sich nicht eindeutig bekennen. Aber es stört mich auch sehr, „dass die Nazis immer die anderen waren“. Wahrscheinlich ist es für das Bewusstsein der Betroffenen etwas so Ungeheuerliches, etwas, was nicht sein darf und deshalb verdrängt wird. Und wir, die Nachkriegsgeneration, etwas verlangen, was sich die wenigsten Menschen trauen, nämlich „absolut“ ehrlich gegenüber sich selbst zu sein.
            Einen schönen Abend aus dem verschnittenen Kiel
            Uwe

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            • asgaard
              Forum-Teilnehmer
              • 06.05.2010
              • 345

              #36
              AW: Unsere Mütter, unsere Väter

              Schönen guten Abend,

              Es gibt z.Zt. viele Kommentare und Artikel in der Presse zu diesem Film, auch in der sonst gern bei anderen Anlässen herbeizitierten

              "Die Welt"

              Da bis jetzt von niemandem eingestellt mache ich es mal.

              Informativ aber seltsam: nicht besonders kritisch?

              Im ZDF-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ wählen die Hauptfiguren Wilhelm und Friedhelm unterschiedliche Wege, um dem Morden zu entkommen. Wie häufig kamen Fahnenflucht und Selbstmord vor?


              Hier noch der Stern

              Anfangs wurde der ZDF-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" von den Medien fast einhellig gefeiert. Jetzt melden sich die Kritiker umso lauter zu Wort.


              und Tagesspiegel



              Beste Grüße
              Wolfgang
              http://www.momente-im-werder.net/01_Offen/40_Nickelswalde/03_Photos_Pohl/01_Photos_Pohl.htm

              Du kannst dir nicht aussuchen was im Leben passiert, aber du kannst dir aussuchen wie du damit umgehst.

              Kommentar

              • asche
                Forum-Teilnehmer
                • 11.12.2009
                • 211

                #37
                AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                Dass die Handlung von abstrusen Zufällen wimmelt, finde ich prinzipiell verzeihlich, weil es zum Genre gehört und jeder es merkt. (Wer die Oper "Die Macht des Schicksals" von Verdi kennt, wird einige Parallelen finden.) Das Treffen am Ende hätte man als brieflich verabredet ankündigen können - letztlich ist das aber unerheblich.

                Die Moralfrage, die offenbar auch Arno stellt, ist an sich nicht falsch, aber sie muss lauten "... unter vergleichbaren Voraussetzungen". Dazu müsste man eben Genaues über die Voraussetzungen erfahren, was ja ohnehin das eigentliche Thema sein sollte. Unsere Mütter und Väter (in meinem Fall verstorben, in selteneren Fällen hochbetagt) benötigen jetzt kein gerechtes Urteil mehr, sondern eine Art von Verständnis, das *uns Nachgeborenen* nützt. Gerade weil die Lehren sich eben nicht auf einfache Moralbegriffe reduzieren lassen, ist größtmögliche Genauigkeit erforderlich.

                Der Begriff "Nazi", wie ihn die TAZ schwingt, ist überhaupt nicht hilfreich. (Eine inzwischen verstorbene Dame schrieb in diesem Forum, sie sei doch kein Nazi gewesen, sie habe als junges Mädchen nur ehrlich geglaubt, dass das, was Hitler tue, notwendig sei ... ...) Auch die Worte "Glauben" und "Begeisterung" sind mit Vorsicht zu gebrauchen; "aus starker kollektiver Frustration geborene Erlösungshoffnung" trifft es vielleicht eher. Psychologen mit *umfangreichen Geschichtskenntnissen einschließlich der Tagebücher und sonstigen Quellen* sollten beim nächsten Film die Autoren und Schauspieler instruieren, zu Lasten des Special-Effects-Budgets.

                Ja, die Schauspieler reden und bewegen sich wie heutige junge Leute - ein großer Kontrast selbst zu Bundeswehr-Soldaten meiner Generation! Einzig die Greta ist als historische Studie glaubhaft.

                Die Jugend mit guter derartiger Nahrung vom Hocker zu reißen, ist beinahe unmöglich. Der Film hat die Latte hochgehängt und sie am Ende deutlich gerissen. Aber man hat unsere Zwangsgebühren schon schlechter investiert.
                Herzliche Grüße,

                - Alexander -

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                • asgaard
                  Forum-Teilnehmer
                  • 06.05.2010
                  • 345

                  #38
                  AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                  Hallo Alexander,

                  deine Ausführungen sind sehr treffend, was den Film und die Situation 1933 betrifft. Erlösungshoffnung ist ein treffender Begriff in Deinem 3. Absatz.
                  Diese Hoffnung wurde wesentlich nur im Arbeitsbeschaffungsprogramm, Bauprogrammen erfüllt, wenn auch mit haarsträubenden Schulden, was nur die wenigsten wussten.

                  Diese fehlende erklärende Vorgeschichte fehlt völlig, dass ist auch u.a ein eklatanter Mangel des Films. Für Jüngeren wäre es hilfreicher und wichtig, um zu verstehen was da eigentlich vor sich ging.

                  Dann kamen die ersten Verbrechen des Regimes, es wurde getrickst , getäuscht und gelogen, Ermächtigungsgesetz Verhaftungen, Morde, Judenverfolgung. Wer wusste genau davon, wer nahm es zu Kenntnis ?

                  Hier waren zumindest die erste Ansatzpunkte um umzukehren, aber wer sollte sich verbünden, der Arbeiter, die Beamten?
                  Die Soldaten als Waffenträger hätten es gekonnt, wenn es unter den Generälen nicht so viele Ehrgeizlinge und Emporkömmlinge gegeben hätte, aber auch sie hatten die Nase von den Revolutionen voll, die vorher Chaos anrichteten und sie hatten einen Eid geschworen, der wie sich später herausstellte, nichts wert war, eine Farce. Einige hätten es wissen können, aber das waren meist viele von denen, die sich selber später in Verbrechen verstrickten, Keitel, Jodl, Schörner und die SS Führungsriege usw. also auch Täter.

                  Nach letzten Infos soll die Fehrnsehbeteiligung an diesem Film der bis 49jährigen bei 17,5 % gelegen haben.

                  Viele Grüße
                  Wolfgang
                  http://www.momente-im-werder.net/01_Offen/40_Nickelswalde/03_Photos_Pohl/01_Photos_Pohl.htm

                  Du kannst dir nicht aussuchen was im Leben passiert, aber du kannst dir aussuchen wie du damit umgehst.

                  Kommentar

                  • achimbodewig
                    Forum-Teilnehmer
                    • 03.06.2008
                    • 497

                    #39
                    AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                    Kleine Anmerkung zu den Zuschauerzahlen: soweit mir bekannt ist, werden die Zuschauerzahlen noch immer wie vor 20 Jahren ermittelt. Also mit einer »repräsentativen« Gruppe »richtiger« Fernsehzuschauer. Da aber heute vor allem jüngere Leute oft genug Fernsehen über andere Kanäle konsumieren, sind diese Zahlen wohl ähnlich »repräsentativ« wie Meinungsumfragen per Telefon (Stichworte: Umfragen nur über Festnetz, junge Leute haben oft ausschließlich Mobiltelefon).

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                    • Belcanto
                      Forum-Teilnehmer
                      • 24.09.2008
                      • 2508

                      #40
                      AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                      tannseer schreibt es ist ruhig geworden. Ja ich bin ruhig geworden. Mich hat der Film noch mal sehr aufgewühlt und mit Sicherheit hätte ich die Russen erschossen, die meine Mutter vergewaltigt hatten, obwohl Sie schwanger war. Ich hätte es getan, wenn ich nicht ein Kind gewesen wäre und eine Waffe gehabt hätte. Ich hätte mich dann nicht als Killer gefühlt, weil ich aus Notwehr gehandelt hätte. Im übrigen bin ich der Meinung, dass die Situation nur die richtig beurteilen können, die den Krieg, in welcher Lage auch immer, selbst mit erlebt haben. Und es richtig und nützlich das eine Diskussion entbrannt ist. Und damit allen ein schönen Wochenende.

                      Kommentar

                      • Wolfgang
                        Forumbetreiber
                        • 10.02.2008
                        • 11623

                        #41
                        AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                        Schönen guten Nachmittag,

                        danke für die bisherigen sachlichen Beiträge! In anderen Foren, vor allem in der Presse, flogen teilweise die Fetzen worauf die Themen dann geschlossen wurden.

                        Für mich war der Film in mehrfacher Hinsicht lehrreich:

                        - Er erreichte ganz offensichtlich wichtige Zielgruppen nicht. Fernsehzuschauer jünger als 50 schauen entweder nicht ZDF oder sind des Themas müde (auch wenn die ganz, ganz jungen in Sendeumfragen möglicherweise nicht erreicht wurden)
                        - es gab sehr hehre Vorstellungen und Ansprüche, aber, -aus meiner Sicht- wurden diese (wie auch aus früheren Diskussionsbeiträgen hervorging) nur sehr bedingt umgesetzt
                        - um etwas von einer heute noch lebenden authentischen Quelle zu erfahren ist es zu spät. Die meisten sind tot oder können sich nicht erinnern oder wollen sich nicht erinnern. Und die, die sich erinnern können, waren meist zu jung um in irgend etwas schuldhaft verstrickt gewesen sein zu können.
                        - ein Punkt, der bisher noch nicht zur Sprache kam: Der Film setzte nicht nur zu spät auf sondern er hörte mit Kriegsende auch zu früh auf. Denn erst danach wirkten die häufig vorkommenden -und persönlich auch verständlichen- Verdrängungsmechanismen die das Nachkriegsleben und das Verhältnis zu den Nachgeborenen bestimmten. Um überleben zu wollen, um überleben zu können wurde geschönt, geleugnet, verdrängt. Wir haben selbst in unserem Forum mehrere Teilnehmer/innen deren Groß-/Väter -und andere Familienangehörige- aktiv, teils auch unmenschlich für die Nazis tätig waren (und dafür, so zumindest ist ein Einzelfall bekannt) zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden. In anderen Fällen sprengte das bis heute die Familie. Und auch ich selber erfahre, wie sich die Generation der Kriegskinder innerhalb verschiedener Familienzweige gegenseitig vorwirft, die eigenen Eltern seien im Widerstand, zumindest im passiven, gewesen und die Eltern der anderen hätten zu den begeisterten Nazis gehört. Was soll man da glauben?

                        Bei dem Film geht es, glaube ich, weniger um die Frage, was WIR Jungen oder Nachkriegsgeborenen getan hätten. Niemand, und auch das glaube ich, kann dies nicht mit Bestimmtheit sagen. Es ging mehr darum zu erfahren, WIE unsere (Ur-/Groß-)Eltern verstrickt werden konnten. Aus meiner Sicht ist das nicht zufriedenstellend gelungen.

                        Ich meinte bereits zuvor: Es ist zu spät! Antworten können wir nur noch über eine Verwissenschaftlichung des Themas erhalten. Spätestens dann wenn der letzte Zeitzeuge nicht mehr ist, bleibt uns auch gar nichts anderes mehr übrig. Ob das aber in einem reißerischen Spielfilm -auch wenn er teils auf biografischen Fakten beruht- dargestellt werden kann, wage ich zu bezweifeln.

                        Viele Grüße aus dem sonnig-windig-eiskalten und tief verschneiten Werder
                        Wolfgang
                        Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                        Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                        Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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                        • Wolfgang
                          Forumbetreiber
                          • 10.02.2008
                          • 11623

                          #42
                          AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                          Schönen guten Abend,

                          gerade lese ich staunend (bei SPON) mit diesem Dreiteiler soll noch nicht Schluss sein. Es gibt noch mehr Aufklärung: Der Produzent des Filmes (Nico Hofmann) will nun einen ACHT-Teiler liefern und zwar (Zitat SPON): "über Adolf Hitler, der mal dringend entmystifiziert" werden müsse, wie Hofmann findet, "ein normaler Kleinbürger, der zum größten Menschheitsverbrecher wird".

                          Na ja, vielleicht verstehen wir dann nach der geplanten Entmystifizierung des normalen Kleinbürgers A.H. warum er so wurde. Ich hoffe aber, wir werden davor verschont, auch in ihm nur ein Opfer zu sehen.

                          Viele Grüße aus dem Werder
                          Wolfgang
                          Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                          Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                          Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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                          • Alexa
                            Forum-Teilnehmer
                            • 13.06.2010
                            • 43

                            #43
                            AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                            Leider hat mir als "Kriegsenkel" dieser Dreiteiler nicht die Erwartungen erfüllt die ich in diesen und auch so Vorgestellten Epos gestellt hatte. Zuviel Hollywood...

                            Kommentar

                            • asche
                              Forum-Teilnehmer
                              • 11.12.2009
                              • 211

                              #44
                              AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                              Wolfgang (N.), glücklicherweise gibt es eine Unmenge Primärmaterial, Briefe, Tagebücher, Filme, Fotos, Dokumente usw., das uns nicht abhanden kommen wird. Man muss es nur lesen und betrachten. Nach dem Krieg haben sich sehr viele Zeitzeugen zu Wort gemeldet, und keineswegs alle wollten beschönigen. Wenn man sie heute nochmal befragen könnte, würden sie auch kaum Weiteres beitragen können. (Nun, ein paar Fragen hätte ich doch gerne meinen verstorbenen Verwandten gestellt, nachdem ich ihre privaten Unterlagen als *Erbe* zum ersten Mal sah.)

                              Zum Thema Erlösucngshoffnung: das darf man nicht aufs Ökonomische verkürzen, wenngleich dies natürlich eine Rolle spielte. Zur Radikalisierung neigen weniger die wirklich Armen als diejenigen, die sich betrogen fühlen und den sozialen Abstieg *fürchten*. Diese Stimmung war in ganz Europa verbreitet, und zwar bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts, teils als Folge der (zweiten) industriellen Revolution. Viel frustrierender als der Versailler Vertrag an sich war die damit verbundene allseitige Hasspropaganda. Die NSDAP konnte dies auf ihre Mühlen leiten, indem sie den jungen Leuten einredete, die Skrupel der Eltern seien das Haupthindernis. 1938 schien sich das für viele zu bestätigen, so dass z.B. Sebastian Haffner sich nach eigener Aussage sehr zwingen musste, seiner Hitler-Gegnerschaft treu zu bleiben.

                              Die Sozial- und Arbeitsbeschaffungsprogramme im Reich fanden großteils in den Wochenschauen statt, wie ich neulich las. In Danzig gelang es Forster dennoch, die Staatsfinanzen binnen kurzer Zeit zu ruinieren.

                              Neue Filme über Hitler als Person brauchen wir nicht. Gewissenlose Rednertalente sind weder selten noch mystisch; zum Glück werden die meisten nicht von Millionen gewählt und umjubelt.
                              Herzliche Grüße,

                              - Alexander -

                              Kommentar

                              • stefanstefan
                                Forum-Teilnehmer
                                • 01.08.2009
                                • 183

                                #45
                                AW: Unsere Mütter, unsere Väter

                                Die Nazizeit sollte die heutige Generation vorallem lehren kritisch zu sein, Dinge zu hinterfragen und den Anfängen zu währen.

                                Und daran hapert's gewaltig.

                                So wie damals in den Dreißigern, entstehen auch heute unkritische "Bürger Bewegungen", die sich oft schneeballartig ausbreiten und denen sowohl euphorische Jugendliche, als auch mit beiden Beinen im Leben stehende Erwachsene beitreten. Und ist man in so einer Bürger "Bewegung" erstmal drin, wird mit einer wahnhaften, geradezu missionarischen "Tunnelblick" Überzeugung um die "gerechte" Sache gekämpft bis die verbalen Fetzen fliegen...egal ob von links oder rechts.

                                Und so etwas macht mir immer Angst. Denn solche Menschen haben m.M. nicht die richtigen Schlüsse aus der geschichte gezogen.

                                Kommentar

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