Unsere Mütter, unsere Väter
Einklappen
X
-
Stichworte: -
-
AW: Unsere Mütter, unsere Väter
Schönen guten Abend,
hallo Achim,
danke für den Hinweis. Ich hätte den Termin sonst verpasst.
Nach der ersten halben Stunde dachte ich noch, das hast Du doch auch schon in anderen Fernsehproduktionen gesehen. Ganz langsam bemerkte ich aber, dass da eine Geschichte erzählt wird von jungen Erwachsenen die auch meine Eltern hätten sein können. Es sind sympathische Charaktere, die plötzlich verschreckende Dinge tun. Verstörend war der plötzliche Bruch: Liebe, nette, junge Leute, und dann sind sie schlagartig Täter - und bleiben doch weiterhin lieb, nett, jung. In meinen Augen kam die Vorgeschichte wie so etwas möglich war ein bisschen zu kurz, vielleicht lässt sich das aber auch gar nicht plausibel filmisch darstellen. Man wird einfach damit konfrontiert: Da sind Menschen wie Du und ich, wie Deine Eltern und meine Eltern, es sind Menschen mit Gefühlen, die trotzdem Untaten begehen oder in sie verstrickt werden.
Ich habe nach Achims Hinweis im Schnelldurchgang einige Kritiken gelesen (so z.B. die sehr lesenswerten bei Spiegel online und Zeit online), aber bisher wurden meine daraufhin geweckten Erwartungen noch nicht 100%-ig erfüllt. Vielleicht erhoffe ich mir auch mehr als möglich.
Trotzdem werde ich mir auf jeden Fall die Folgen morgen und am Mittwoch anschauen.
Übrigens gibt es auch in meiner Familie unendliche Geschichten von sehr passivem (fast schon aktivem!) Widerstand über Duldung bis hin zu aktiver Unterstützung. Und, jenachdem wen man (von den heute noch Lebenden) fragt, widersprechen sich deren Aussagen teilweise recht stark. Die Jahre der Machtergreifung in Danzig bis Kriegsende bilden in der Familie ein widersprüchliches und kaum mehr aufzulösendes Rätsel.
Wie viel schwieriger mag diese Frage für Nachfolgegenerationen zu beantworten sein?
Schöne Grüße aus dem Werder
WolfgangDas ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady" -
AW: Unsere Mütter, unsere Väter
Also ich war gestern sehr ergriffen. Ich sah das die ganze Zeit mit dem Hintergrund, dass meine Großeltern kaum älter und mein Vater kaum jünger waren also die Hauptcharaktere des Films. Wenn man sich dann noch seine eigene Jugend ins Gedächtnis ruft und sich vorzustellen versucht, wie es gewesen wäre, selbst zu der Zeit jung gewesen zu sein, dann, ja dann ...
(Mein Vater war zum Ende des Krieges 16 Jahre alt und wurde noch eingezogen und in Frankreich ziemlich schwer verletzt, er hat immer voller Abscheu über Krieg und Gewalt gesprochen, mein Großvater mütterlicherseits war zum Ende des Krieges 32 Jahre alt, war an der Ostfront und sprach nie ein einziges Wort darüber.)
Ich bin so froh, keinen Krieg erlebt haben zu müssen. Wir können wirklich so dankbar sein um unser Leben jetzt und hier.Kommentar
-
AW: Unsere Mütter, unsere Väter
Ich habe den Film mir angesehen und habe mich erinnert an den Kampf um Danzig.Ich war 15 Jahre alt und wundere mich nicht wie die Rotarmisten sich benommen haben.Sie nahmen Rache wegen den Greuel die von der Wehrmacht in Rußland verübt wurden.Mein Onkel aus Ohra brachte im Krieg ein Foto aus Rußland mit auf dem man erhängte Zivilisten sah.Er sagte wehe die Russen kommen her dann wird es uns schlecht ergehen.So haben wir es dann auch erlebt.Ein Glück das ich nicht älter war.Was hätte ich wohl getan?Nie wieder.Kommentar
-
AW: Unsere Mütter, unsere Väter
Hallo Achim,
ich kann Dir nur beipflichten.
Mir ging es genauso, zumal ich synchron das Buch "Winter der Welt" von Ken Follett lese.
Ich bin jedesmal sehr ergriffen, wenn ich von den Grausamkeiten des Krieges lese. Mein Vater war auch so alt wie die Hauptcharaktere des Films, ebenfalls wie Dein Vater in Frankreich "Nancy" und wohnte dort als Soldat in einem Schloss. Meine Oma sprach mehr über den Krieg und Flucht und Vertreibung.
Ja, wir können froh und glücklich sein keinen Krieg erlebt zu haben und hoffen, dass es auch in Zunkunft für unsere Kinder und Kindeskinder so bleibt.
Viele Grüße
SigridNirgendswo ist es schöner als zu Hause mit der ganzen Familie vereint zu sein.
Stejuhn, Karschen, Hinzmann, Korthals, Kumke, Rudat, Nachtigall, von Wissotzki (Wishotzki), OberdorfKommentar
-
AW: Unsere Mütter, unsere Väter
Hallo Achim, ich kann das Verhalten deines Großvaters gut nachvollziehen.
Auch er wird wissen, wieso er schwieg, oder schweigt.
Wer nicht mitgemacht hat, hing in Danzig am Baum in der Linden-Alle.
An anderer Stelle habe ich darüber geschrieben.
Schilderbeschriftung (um den Hals) - Ich war ein Feigling, oder ähnlich.Es grüßt herzlich, Erhart vom Schüsseldamm.
"Nec Temere - Nec Timide"
Eine Freundschaft ist das, was man aus ihr macht. EKJKommentar
-
AW: Unsere Mütter, unsere Väter
Ich finde es gut das Achim auf diesen Film hingewiesen hat.
Endlich, aber auch schon bei dem Thema Staufenberg haben deutsche Regisseure nach viel zu langer Zeit das Know how gefunden um die Schrecklichkeit dieses Orlogs annährend darzustellen. (die Wirklichkeit war noch grausamer) Erst nach dem uns die amerikanischen Filmemacher in der Holocaustserie gezeigt haben, wie man diese Ungeheuerlichkeiten in die Seele der Menschen brennt.
Sie haben vorgemacht wie man die Bösartigkeit dieser korrupten, verbrecherischen Naziclique und Ihrer Anhänger filmisch abbildet, um diesem schrecklichstem Kapitel aller deutscher Geschichte die Bedeutung beizumessen, die Ihm gebührt.
Die Wehrmachtsausstellung in den 90ger Jahren zeigte auch schon die Verstrickung einiger Wehrmachtsteile in Himmlers Genozidpläne hinter Ihrer östlichen Front, sozusagen in Ihrem Rücken .
Ein Aufschrei ging durchs deutsche Land, alle Lügenpropaganda kommunistischer Agitation natürlich usw.
Nur die immer mehr auftauchenden Bilder und Berichte sind unbestechliche Zeugnisse der geschehenen Untaten dieser Unmenschen, so dass auch die letzten Stimmen dieser miesen kleinen Nazipinscher verstummten.
Eine aufwändige, sehenswert gut gemachte Filmproduktion mit guter darstellerischer Besetzung finde ich und werde keine Folge verpassen.
Viel Grüße
Wolfganghttp://www.momente-im-werder.net/01_Offen/40_Nickelswalde/03_Photos_Pohl/01_Photos_Pohl.htm
Du kannst dir nicht aussuchen was im Leben passiert, aber du kannst dir aussuchen wie du damit umgehst.Kommentar
-
AW: Unsere Mütter, unsere Väter
Für eine abschließende Kritik scheint es mir noch etwas zu früh. Mal abwarten wie die anderen zwei Folgen sind. Schauspielerisch finde ich die Dokumentation hervorragend und ich wünschte mir, dass viele junge Menschen die Dokumentation sehen würden, weil in der Schule zu wenig darüber gesprochen wird.Kommentar
-
AW: Unsere Mütter, unsere Väter
Danzig war keine Ausnahme an der Orts war das gleiche Bild in Nickelswalde hangen sie zeitweise am jeden 3ten Baum.
gruß v.Heinz MandeyKommentar
-
AW: Unsere Mütter, unsere Väter
Die Darstellung des Essenholer entspricht der Realität.
Ein Brief aus dem Felde (Stalingrad) erhielt meine Mutter. Hier die Abschrift:
Dienststelle/ Feldpostnummer 21519 B .........................................im Felde, den 20.Nov. 1942
.................................Sehr gehrte Frau S. !
Ich habe die schwere Aufgabe, Sie davon in Kenntnis zu setzen, dass Ihr Mann, der Schtz. H. S. , der von einer anderen Einheit der Kompanie zugeteilt war, seit dem 30.9.42 bei der Kompanie vermisst wird. An dem genannten Tage ist er von seinem Gruppenführer zum Nachbarzug gesandt worden, um Kaffee für seine Gruppe zu holen. Von diesem Wege ist er nicht zurückgekehrt. Noch am gleichen Tage wurde das ganze in Frage kommende Gelände nach Ihrem Mann abgesucht, jedoch ohne Erfolg. Eine Nachfrage bei Nachbareinheiten, zu denen er sich möglicherweise verlaufen haben könnte, war leider auch ohne Ergebnis. Ich bedaure es ausserordentlich, dass ich Ihnen nur solch ungewisse Nachricht über Ihren Mann geben kann.
(Der übliche Gruß-Unterschrift- Kompanieführer)
Er gilt für mich als vermißt. Bei der Deutschen Dienststelle ist dem Monat keine Verlustmeldung eingegangen-bis heute nicht.
Am 25.09. hatte mein Vater Geburtstag.
Rainer"In einem freien Staat kann jederman denken,
was er will, und sagen, was er denkt"
(Spinoza)Kommentar
-
AW: Unsere Mütter, unsere Väter
Meine Familie hatte "relatives" Glück, meine beiden Großväter haben den Krieg überlebt. Der eine kam für 3 Jahre in britische Kriegsgefangenschaft in Schleswig-Holstein nach der Kapitulation, der andere hatte nicht ganz soviel "Glück" er kam in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst mit den letzten "zehntausend" 1955 zurück kam. Aber er hatte zumindest überlebt. Wie so viele hielt die Ehe meiner Großeltern dem nicht stand, kurz nach der Wiederkehr trennten sich meine Großeltern. Leider habe ich diesen Großvater aufgrund der Familiengeschichte nie kennenlernen dürfen, er starb erst 1986, damals war ich 19 Jahre. Über den unterbundenen Kontakt bin ich noch heute sehr traurig. Mit meinem Großvater (britische Kriegsgefangenschaft) habe ich leider nie über seine Erlebnisse in Danzig und Stutthof geredet, er starb als ich 11 Jahre alt war 1978. Zuletzt gesehen hatte ich ihn mit 9 Jahren. Auch hier glaube ich, haben die Erlebnisse im Krieg die Familie zerfallen lassen. Wenigsten an ihn habe ich noch viele Erinnerungen, die ältesten als ich 4 Jahre alt war.
Meine Urgroßväter haben den Krieg nicht bzw. nicht lange überlebt. Mein Danziger Urgroßvater, welcher wohl ein herzensguter Mensch war, ist nach der Flucht aus Danzig nach Berlin (Dort lebte eine Großtante von mir) dort an Typhus gestorben, wohl noch vor dem Einmarsch der Roten Armee. Beerdigen war nicht möglich, da die Erde zu stark gefroren war. Wo seine sterblichen Überreste beerdigt worden sind weiß ich leider nicht. Mein anderer damals noch lebender Urgroßvater in Oberschlesien, wurde beim Einmarsch der Roten Armee ins unzerstörte Hindenburg am selben Tag verschleppt, weil er als Gastwirt als "Kapitalist" galt. Er wurde mit dem Güterwagen nach Sibirien verfrachtet. Das Rote Kreuz und der kirchliche Suchdienst haben unterschiedliche Sterbedaten und Orte von ihm, am wahrscheinlichsten ist das er im Frühjahr 1945 im Lager im Raum Stalino verstarb. Wo er beerdigt ist weiß ich leider auch nicht.
Die Erlebnisse meiner Familien durch Krieg, Mord und Flucht haben dort tiefe Wunden hinterlassen, von daher teile ich die Einschätzung von manchen, dass es bis in heutige Generationen Auswirkungen hat.
Viele Grüße
UweZuletzt geGeschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!
Suche Informationen zu den Familiennamen Block, Gehrt, Kirschke, Kirsch, Haak, Happke, Hoffmann, Makowski, Namowicz, Patzer, Rehberg, Tolk(e) und Vierling aus DanzigKommentar
-
AW: Unsere Mütter, unsere Väter
Meine "Danziger " Familie hatte auch Glück. Von meinem Urgroßvater habe ich nie gehört, dass er eingezogen wurde. Mein Großvater war Eisenbahner, er wurde nicht eingezogen, blieb aber noch länger in Danzig, während meine Großmutter mit ihren beiden Töchtern (Eva und meiner Mutter Ruth) im Januar 1945 geflohen sind. Mein Großvater kam nach, war aber nie in Gefangenschaft. Nur die Schwester meiner Großmutter, wurde durch die Russen vergewaltigt und war dadurch nicht gut auf die Zeit in Danzig zu sprechen (sie verstand es auch nicht, dass meine Mutti mit mir 1997 nach Danzig geflogen ist).
Ich habe meine Mutti gefragt, ob sich den besagten Film im ZDF angeschaut hat. Sie hat wohl "reingeschaut" aber sie sagte mir, dass sie den Krieg erlebt hat und sich dies nicht anschauen möchte.
Ihre beiden Freundinnen, die ebenfalls Kriegskinder sind, möchten auch keinen "Mord und Totschlag", wie sie es bezeichneten, anschauen.
Bei meiner "Berliner" Familie war es nicht ganz so glücklich. Mein Vater 1920 geboren, hatte einen jüngeren "kranken" Bruder (meine Mutter meinte gehört zu haben, dass er behindert gewesen war. Mir wurde immer erzählt, dass er früh gestorben ist. ) Als ich die Wohnung meines Vaters aufgelöst habe, ist mir ein altes Schriftstück aus der Kriegszeit mit einer Haarlocke des Jungen in die Hände gefallen, woraus hervorgeht, dass er von seiner Mutter in folge geistiger Verwirrung im Fieberwahn erschossen wurde. Diese Mutter hat ihren Sohn getötet um ihn nicht dem Schicksal der Nazis zu überlassen.Herzliche Grüsse
ChristinaKommentar
-
AW: Unsere Mütter, unsere Väter
Liebe Danziger,
wie ist es nur möglich, dass der Film gar keine Effekt auf die Familienkommunikation bei Euch hat. Fragt sich
DeliaKommentar
-
AW: Unsere Mütter, unsere Väter
Schönen guten Morgen,
gestern schaute ich mir den zweiten Teil an. Und ich frage mich, ob nur ich das aufgrund großer Vorankündigungen Erwartete in dem Film nicht ganz finde. Es ist ein Kriegsfilm mit Artillerie, Explosionen, Verstümmelten, mit Leichen und es gibt nicht nur Menschen die all das erlebten und nicht mehr sehen wollen oder können, sondern auch Andere denen die plakativ gezeigten Kriegsschrecken nicht gefallen und sie so auch nicht sehen möchten.
Es sind fünf Freunde deren Wege und Schicksale durch den Krieg begleitet werden. Kurze Szenenfolgen verschaffen eine gewisse Dramartugie. Gute Schauspieler, interessante Charaktere, solides Handwerk. Aber wenn ich den Titel sehe "Unsere Mütter, unsere Väter", dann frage ich mich wessen Mütter und Väter gemeint sind. Sind die fünf Freunde mit den Müttern und Vätern gemeint? Und soll dann die erste Nachkriegsgeneration angesprochen werden? Aber haben diese denn nicht bereits erfahren, was ihre Eltern und Großeltern möglicherweise erlebten? Haben sie denn nicht auch im ersten und zweiten Nachkriegsjahrzehnt die Kriegsfolgen noch ganz deutlich gesehen und gespürt? Wenn die Enkel oder bereits Urenkel angesprochen werden sollen: Ist dann der Filmtitel noch korrekt?
Für mich ist der Film ein Kriegsfilm. Wie ich schon einige Andere sah. Bisher fehlt mir noch das "unter die Haut gehende", das zur Nachdenklichkeit anregende. Ich sehe primär einen Unterhaltungsfilm und empfinde, dass alles andere in diesen Film Hineininterpretierte zumindest in den ersten zwei Folgen noch nicht so ganz erkennbar war.
Es gab bereits viele andere große Filme, die mir schockierend deutlich machten, was Krieg ist und was Krieg aus Menschen machen kann, so z.B. Bernhard Wickis unübertroffenem Kriegsdrama Die Brücke mit herausragenden Akteuren (in Vollversion bei Youtube zu sehen).
Morgen werde ich mir Teil 3 anschauen. Mal sehen, was diese Folge bringen wird.
Viele Grüße aus dem Werder wo wir gerade heftiges Schneegestöber bei starkem Ostwind haben
WolfgangDas ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"Kommentar
-
AW: Unsere Mütter, unsere Väter
Aufgrund einiger begeisterter Forum-Mitglieder vom Vortag,
habe ich gestern einmal reingeschaut und mußte wegschalten.
Ich kann diese Art von Spannung nicht ertragen.
Wie andere Menschen das Besondere an dieser Art Filme
(Schießen und Töten und alles was dazu gehört) genießen können,
soll jeder für sich entscheiden.
Allen einen schönen TagEs grüßt herzlich, Erhart vom Schüsseldamm.
"Nec Temere - Nec Timide"
Eine Freundschaft ist das, was man aus ihr macht. EKJKommentar
Kommentar