wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten

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  • Martschinke
    Forum-Teilnehmer
    • 07.03.2008
    • 404

    #31
    AW: wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten

    Ich habe die Russen in meinem Elternhaus Martschinke in Hundertmark/ Gemeinde Müggenhahl
    erlebt. Meine Eltern, Hugo und Frieda Martschinke und mein Bruder waren alle im unsern Hause
    geblieben. Meinen Bruder Fritz und meinen Vater nahmen sie schon gleich zur Sammel-Stelle
    Praust in Gefangenschaft. Wir hatten alle große Angst. Unsere Nachbarin Preschkes waren auch
    in ihrem Haus geblieben. Es lag eine große Spannung in der Luft, was wird nun mit uns geschehen.
    Unsere Nachbarin Paul und Hedwig Preschke hatten 3 Töchter, Frieda, Wanda und Edith. Ich hatte
    für sie ein Versteck in unserem Taubenschlag gefunden. Die russischen Soldaten vergewaltigten
    alle deutschen Frauen und wollten die Töchter erneut vergewaltigen. Sie fanden sie nicht in
    unserem Taubenschlag. Da kam am nächsten Tag ein russischer Offizier, sehr fein angezogen
    mit guten Umgangston zu mir. Er nahm mich mit zu den Eltern ins Nachbarhaus und sagte zu
    mir, die Nachbaren müßten sofort ihr Haus verlassen. Ihre Töchter würden gesucht werden und
    die Eltern müßten ihr Versteck preisgeben. Es gab vereinzelnd russische Militärangehörige, die
    nach ihrer Möglichkeit das Leben deutscher Zivilisten zu retten versuchten. Leider hatten die
    Nachbarin bedenken ihr Haus zu verlassen. Sie hielten sich mit ihren ihren noch verbliebenen
    Habseeligkeiten im leeren Pferdestand auf. Die Soldaten würden sonst in unserem Gebäude
    nach ihren Töchtern suchen und somit blieben sie lieber auf ihren eigenen Pferdestand.
    Die russischen Soldaten fanden die Nachbarstöchter bei uns im Taubenschlag nicht und ich
    selbst habe unter Lebensandrohung ihren Aufenthalt verschwiegen. Dafür sollte ich später
    noch schwer bezahlen müssen. Am nächsten Morgen suchte ich das Nachbarhaus auf um
    den Nachbaren die gute Botschaft zu erbringen. Mein Versteck im Taubenschlag war sicher.
    Leider waren sie im Hause nicht auffindbar. Die russischen soldaten hatten sie getötet und
    im Vorgarten mit einer Pferdeleine gefesselt vergraben. Die russischen Grausamkeiten hatten
    damit noch längst nicht ihren Schrecken verloren. Der Kampf um das Leben ging täglich weiter.
    Eine beschäftgte Ukrainerin bei uns im Hause während des Krieges hatte mir mein Leben gerettet.
    Die russischen Kommissare suchten alle Häuser auf, um junge Menschen in russische Gefangenschaft
    zu holen und das bedeutete überwiegend den Tod. Z B. mein Bruder Fritz Jahrgang 1928 überlebte
    in einem Thorn'schen Gefangenschaft das Jahr 1945 nicht. Ich wurde von der Ukrainerin gewahr,
    dass ich auf der Liste für die Gefangenschaft stand. In manchen Dingen hatte ich ihr in unserem
    Hause Gefälligkeiten erweisen können. Sie setzte sich für mich ein, und wie es manchesmal das
    Schicksal mit einem Menschen will kann auch ein Zufall Hilfe sein. Ich war in Besitz eines Platten-
    spielers mit Schlager-Schallplatten gekommen. Es war ein Tausch für 11 Kaninchen während
    meiner Lehrzeit. Darunter auch russische Schallplatten ..Kalinka - Kalinka und viele andere
    deutsche Schlager, die gern gehört wurden. Dieser Besitz war für mich ein Verhandlungsangebot
    an die Russen. Die Ukrainerin als Dolmetscherin und als meine Fürspracherin war meine
    Lebensretterin. Die russischen Soldaten wollten die Musik und ihren Sieg mit Tanzen feiern.
    Danach hatte ich nach der Beruhigung von den Hauptkriegswirren in Danzig feststellen können,
    dass ich keinen deutschen, jungen Menschen meines Jahrgangs 1928 mehr angetroffen hatte,
    mein Bruder war ja auch Jahrgang 1928 und musste 1945 im Lager Thorn sterben.

    kurt m

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    • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
      Forum-Teilnehmer
      • 13.02.2008
      • 3493

      #32
      AW: wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten

      Habe auch meine Schwester verloren, Kurt. Du, ich und viele andere haben Unsagbares durchgemacht, das man nie vergessen kann, aber man muss darueber hinweg kommen und es darf nicht unser Leben und unsere Faehigkeit zu lieben und zum Vergeben von uns nehmen. Im Krieg veroht die Menschlichkeit auf beiden Seiten und wenn wir durch diese Zeit durch gegangen sind, dann muss man daran denken, wir kamen aus anderen Zeiten und werden in andere gehen und unser Leben darf nicht von diesem Schrecklichen, dass der Krieg mit sich brachte, beeinflusst werden. Lass uns froh sein und gluecklich das erleben zu koennen, was uns in unseren letzten Jahren noch beschert ist. Das Forum, mit seinen vielen Freunden gehoert auch dazu. Ich danke allen auch Dir Kurt, fuer die Freundschaft und die Heimat Liebe, die ich hier erlebt habe. Liebe Gruesse von der Feli.

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      • Martschinke
        Forum-Teilnehmer
        • 07.03.2008
        • 404

        #33
        AW: wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten

        Liebe Felicity, Danke für Deinen freundlichen Bericht. Nr. 32. Wie auch seiner Zeit im Jahr 1944/45
        alle Danziger Freunde die schwere Zeit des Kriegs-Ende überstanden haben. Es hätte viel Leid von
        uns genommen werden können, wenn rechtzeitig eine Evakuierung der Danziger Bevölkerung
        zugelassen worden wäre. Am 28.12.1944 wurde ich 16 Jahre alt und am 29.12.1944 erhielt ich
        den Stellungsbefehl nach Hela zur vormilitärischen Ausbildung. Der Kanonen-Donner von der
        Front war schon hörbar. Wofür sollten wir Jugendliche noch ausgebildet werden. Sicherlich
        hat man versucht uns noch als Schutzschilder einzusetzen. Wer von den Jugendlichen sich drückte
        musste auch noch mit dem Tode von der eigenen Wehrmacht rechnen. Jeder wußte der
        Krieg war verloren. Gerade wir Jugendlichen waren von beiden Seiten von der eigenen
        Deutschen Wehrmacht bei Weigerung von Befehlen zum Tode verurteilt und danach von
        den Russen als Feinde in die Todeslager und -Märsche geschickt zu werden. Die schwerste
        Last des schon längst verlorerin Krieges haben die Ost- und -Westpreußen zu tragen
        gehabt, obwohl sie die geringste Schuld am Kriegsgeschehen hatten.
        Viele liebe Grüße von kurt m

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        • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
          Forum-Teilnehmer
          • 13.02.2008
          • 3493

          #34
          AW: wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten

          In 1944 wurde ich auch eingezogen. Jahrgaenge 27 und 28 in den oberen Klassen von unseren Schulen, kamen in den Kriegseinsatz. Viele endeten bei der Flak, einige von uns in den Lazaretten. Ich kam in's Reservelazarett Danzig, frueher das Marienkrankenhaus in der Weidengasse. In 2006 kam ich zum Klassentreffen nach Ueckermuende reingeflogen. Und da habe ich erst erfahren wie viele von uns das Leben hergegeben hatten, in den letzten Tagen des Krieges. Da bist Du ja im selben Alter wie ich. Wir haben so viel ueberstanden also immer schoen brav weiter kaempfen, Kurt, jetzt kommt der Feind nicht von draussen aber unsere armen, alten Knochen da drinnen, wollen nichr mehr gehorchen und sogar das Augenlicht verschwindet so langsam. Ich habe einen guten Kameraden, mein Roller, er heisst Pony. ohne ihn geht es halt nicht mehr. Bin ja so froh dass ich noch so viel erleben kann und freue mich jeden Tag auf all das Neue. Mach's gut mein Lieber und immer schoen in die Zukunft sehen. An der Vergangenheit koennen wir nichts aendern und auch von der Zukunft weiss man nicht was zu erwarten ist, aber den grossen Wert hat die Gegenwart und die muessen wir ausnutzen, so lange wir koennen. Ganz liebe Gruesse von der Feli

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          • JegoschPiefke
            Forum-Teilnehmer
            • 19.05.2017
            • 5

            #35
            AW: wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten

            Hallo hthoms, wir wohntenim Posadowskiweg 55. Der Simsonweg war eine Paralelstraße und etwa 150 Meter von uns entfernt. Ich war 15 Jahre alt und habe alles erlebt und bin erst am ersten September 1946 vertrieben. Der Russe kam am 28. März und wir waren im Hochbunker an der Frauenklinik. Mir ist nicht bekannt, dass dort ein Haus getroffen worden ist. Das hätte man erfahren. Unsere Siedlung, man nannte sie die gelbe Siedlung wurde von einem Arteleriegeschoss getroffen. Das war aber Wochen bevor die Russen kamen. Ich habe gesehen als sie kamen. Ich war an der Brücke bei der Schule Neuschottland. Sie kamen mit Panzer hinter denen Soldaten gingen, von der Christus Kirche die Ostseestraße hoch. Ich lief vom Conradinum kommend zum Hochbunker. Wenig später waren die Russen im Bunker und das Grauen begann. Also wovon soll am 7.9.1945 das Haus getroffen worden sein. Vieleicht irrt man sich im Datum. Es soll keine Kritik sein nur eine Hilfe zur Wahrheitsfindung. Gruß Jegosch Piefke

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            • Gerhard Jeske
              Forum-Teilnehmer
              • 24.08.2014
              • 737

              #36
              AW: wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten

              Hinweis auf JegoschPiefke: Gerhard Jeske meint die Überschrift:"wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten" ist bestimmt nicht geeignet zur Wahrheitsfindung. Das Trommelfeuer auf die Festung Danzig aus 1200 Geschützen widerspricht dem .

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              • Belcanto
                Forum-Teilnehmer
                • 24.09.2008
                • 2508

                #37
                AW: wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten

                Ich war viereinhalb. Habe ich es erlebt. Ja ich ich war dabei. Erinnerungen:Ja an Stalinorgeln, Luftschutzbunker, Detonatioen und Staub auc h an Vergewaltigung der Mutter. Dazu Angst und Mutters Hand.

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                • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                  Forum-Teilnehmer
                  • 13.02.2008
                  • 3493

                  #38
                  AW: wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten

                  Auch ich war dabei !!!!! Sei dem habe ich nur den einen Gedanken und das eine Gebet : " Gott verschone meine Kinder !"In all den Jahren hier in Australien, habe ich mich immer schwer beteiligt an allen Anti-War Demonstrations und Unternehmen, besonders, in den Uni - Jahren. Und heute, mit 90 bin ich froh dass Kinder und Grosskinder die selbe Einstelling haben. Allerdings lassen sie ihren Kampfgeist woanders aus, auf dem Fussballfeld ! Und da bin ich auch immer fest dabei. Es ist zwar nicht SOCCER sondern Australian Rule Football, AFL, aber Mann, da sind wir alle tuechtig dabei. Ihr haettet uns 'mal am Montag seheh sollen. Stephen und seine Bande sind Melbourne Fanatiker in Blau und Rot und die Mutti liebt ihr Collingwood in Schwarz und Weiss. Es war ein herrlicher Tag, Queens Birthday und National Holiday und die beiden Mannschaften kaempften es aus. Mein Collingwood hat gewonnen und ich stricke nun fuer die beiden Buben, meine Blau-Roten Muetzen. Liebe Gruesse von Eurer Feli

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                  • Belcanto
                    Forum-Teilnehmer
                    • 24.09.2008
                    • 2508

                    #39
                    AW: wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten

                    Hallo Feli, das kann ich gut nachvollziehen. Es waren die Mütter, starke Mütter die ihre Kinder beschützen. Die Väter waren im Krieg. Lebte er noch. Die Frauen und Kinder waren schutzlos und in ihren Gesichtern lag keine Zuversicht. Traumatisiert, unterernährt und ohne Hoffnung. Gott war weit und hörte unser Rufen nicht. Herr erbarme dich! Es dauerte Jahrzente, bis ich die Traumata einigermaßen verdrängt und zu Papier gebracht hatte. Da kannst meine Bücher auch in Australien bei Amazon anschauen und bei Amazon nur meinen Namen eingeben.

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                    • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                      Forum-Teilnehmer
                      • 13.02.2008
                      • 3493

                      #40
                      AW: wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten

                      Lieber Belcanto ! Habe nicht gewusst dass Du Berichte und Buecher ueber die Vergangenheit geschrieben hast. Wuerde sie gern haben. Schreibe mir 'mal alle Einzelheiten, den Namen der Buecher und Deinen Namen per P.N. Danke und liebe Gruesse von der Feli

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                      • Belcanto
                        Forum-Teilnehmer
                        • 24.09.2008
                        • 2508

                        #41
                        AW: wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten

                        Ja, mache ich. Man möchte das Forum ja nicht gern als Werbung benutzen, obwohl der Administrator immer sehr großzügig ist.

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                        • Gerhard Jeske
                          Forum-Teilnehmer
                          • 24.08.2014
                          • 737

                          #42
                          AW: wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten

                          Belcanto #41
                          Gerhard Jeske meint.
                          Es gibt viel mehr Bücher in denen Danziger Auroren ihre Erinnerungen gedruckt hatten. Ich las einmal, dass ein Danziger tausend Seiten über sein Leben in Danzig niedergeschrieben hatte. Nirgenwo sind die Titel zu finden. Der Bund der Danziger und die Zeitung "Unser Danzig" hatten nie eine Konseption die manigfaltige Geschichte der Neuzeit zu Sammeln und zu Archivieren. Ich kenne keinen Fotografen, Maler oder Grafiker, der einen bestimmten Auftrag von Ihnen erhalten hatte, ein bestimmtes Thema zu bearbeiten.
                          Werter Herr Belcanto: Der Gedanke, dass für solche Bücher Werbung gemacht wird, ist vollig falsch und behinderte eben die Archivierung auf einer breiten Grundlage. mit freundlichem Gruß Gerhard Jeske

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                          • Belcanto
                            Forum-Teilnehmer
                            • 24.09.2008
                            • 2508

                            #43
                            AW: wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten

                            Werter Herr Jeske, ich verstehe leider ihre Einlassunngen nicht?

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                            • jonny810
                              Forum-Teilnehmer
                              • 10.02.2008
                              • 2423

                              #44
                              AW: wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten

                              Werter Herr Jeske,

                              schön mal wieder etwas von Ihnen zu hören.

                              Was meinen Sie, wie alt ein Mensch werden muß, um tausend Seiten über sein Leben in Danzig schreiben zu können?

                              Haben Sie auch den Namen dieses Wunderkindes? würde mich dringend um einen Kontakt mit diesem Menschen bemühen.


                              Lieber Belcanto,

                              ich habe zu diesem Thema schon einmal Stellung genommen und wollte mich auch nicht weiter dazu äußern.

                              Aber ich möchte Dich ganz höflich bitten, als damals 4 1/2 jähriger Steppke der Du warst, damit aufzuhören, wie traumatisiert Du über

                              so viele Jahre wie Du schriebst, leben musstest.

                              Mir stellen sich die grauen Haare in die Höhe, wenn ich Deine Sätze lese.

                              Ich weiß auch nicht ob es Mitglieder gibt, die Dir das ernsthaft abnehmen, oder ist es wirklich nur die Werbe-Trommel deinerseits ?

                              Mein jüngerer Bruder im gleichen Alter wie Du, kann sich nur schemenhaft an die damaligen Ereignisse erinnern.

                              Vielleicht hat der Herr Jeske Ähnliches gemeint?
                              Es grüßt herzlich, Erhart vom Schüsseldamm.
                              "Nec Temere - Nec Timide"
                              Eine Freundschaft ist das, was man aus ihr macht. EKJ

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                              • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                                Forum-Teilnehmer
                                • 13.02.2008
                                • 3493

                                #45
                                AW: wie war das als die Russen in Danzig einmarschierten

                                Meine lieben Gerhard, Belcanto und Erhart ! Was die anderen, z.B. 'Der Bund der Danziger' nicht als wichtig gesehen haben, koennten wir vielleicht zu Stande bringen. Schon mit den Buechern, die Ihr drei geschrieben habt, kann man die Liste beginnen. Liebe Gruesse von Eurer Feli

                                Kommentar

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