Ein Wort für die Danziger Juden

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  • waldkind
    Forum-Teilnehmer
    • 06.10.2008
    • 2366

    #16
    AW: Ein Wort für die Danziger Juden

    Liebe Magdalena,
    deine Worte stimmen mich etwas nachdenklich. Da ich viele Dokumentationen in dieser Hinsicht angesehen habe, komme ich zu folgendem Ergebnis:
    Zunächst gab es viele Menschen, die dieses Grauen bewusst durchgeführt haben. Das waren nicht nur ein paar. Überall hingen Plakate, die Juden diskriminierten, als Untermenschen bezeichneten, von denen sich das Deutsche Reich frei machen müsse. Die Menschen sahen mit an, wie die Juden aus den Häusern getrieben wurden. Man packte sie nicht gerade sanft an. Also es kann nicht jeder behaupten, er hätte nichts gewusst. Dann gab es die, die zugesehen haben und nichts haben dagegen unternehmen können, die Angst hatten. Dann gab es die, die Widerstand leisteten und deswegen hingerichtet wurden. Dann gab es die Sadisten, die sich auf ihre erschlagenen Menschen stellten und sich als Held feiern ließen. Und so weiter....

    Und dann gab und gibt es das Wegsehen. Erschreckender Weise gibt es das heute auch noch. Wie oft schon habe ich selber Gewalt auf Berlins Straßen gesehen. Man wird angegriffen, einer hält dir ein Messer vor den Bauch, das interessiert niemanden. Man schaut in die andere Richtung oder liest gemütlich Zeitung. Das auch bei rassistischen Diskriminierungen. Es fehlt immer noch an Courage.

    Dass es auch Menschen gab, die von allem nichts wussten, stimmt auch.
    LG waldkind.
    Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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    • Wolfgang
      Forumbetreiber
      • 10.02.2008
      • 11623

      #17
      AW: Ein Wort für die Danziger Juden

      Schönen guten Abend,

      Geschichte und Schicksal der Juden in Danzig unterschieden sich zumindest bis zum 01.09.1939 deutlich vom Schicksal der Juden die sich im Herrschaftsbereicht des Deutschen Reiches befanden. Den meisten Juden gelang Flucht oder Auswanderung.

      !930 gab es in der Danziger Synagogengemeinde 11.228 gemeldete Juden,
      1937 waren es 7.466,
      am 15.08.1939 waren es noch 3.980

      Bis Ende August 1940 konnten 1.193 Juden in sichere Länder ausreisen.

      Zwischen dem 28.02.1941 und 24.07.1943 wurden 575 Juden in verschiedene (Vernichtungs-) Lager deportiert.

      Von 1939-1943 starben in Danzig 197 Juden.

      Ende Juli 1943 verblieben in Danzig 22 Juden, darunter 9 Juden die in Mischehe lebten.

      Die Geschichte der Danziger Juden ist sehr gut dokumentiert vor allem aufgrund der Aufzeichnungen/Bücher von Erwin Lichtenstein und Samuel Echt.

      Übrigens, Miriam, Du schreibst "Als die deutschen "kleinen Soldaten" begriffen, was geschah, da hat noch lange nicht jeder mitmachen wollen. Es gab welche, die den Mut hatten sich zu verweigern. Diese wurden hingerichtet." Dies ist so nicht richtig. Historiker des Militärgeschichtlichen Institutes in Potsdam sagen, es sei bis heute KEIN EINZIGER FALL bekannt, in dem Soldaten bestraft wurden weil sie sich weigerten an Menschheitsverbrechen (sprich: Misshandlungen, Erschießungen, sonstige Ermordungen) teilzunehmen. Andersrum ausgedrückt: JEDER Soldat hatte die Möglichkeit sich STRAFFREI zu weigern an diesen Verbrechen teilzunehmen.
      Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
      Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
      Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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      • Ulrich
        Forum-Teilnehmer
        • 30.01.2009
        • 280

        #18
        AW: Ein Wort für die Danziger Juden

        Hallo Wolfgang,

        Du schreibst:
        "Ende Juli 1943 verblieben in Danzig 22 Juden, darunter 9 Juden die in Mischehe lebten".
        Ja, wenn ich mich nicht täusche, hat Samuel Echt das ja gut recherchiert und dokumentiert, und Erwin Lichtenstein das übernommen.
        Ich möchte diese Zahl gern zum Anlass nehmen, um euer Augenmerk einmal auf die Danziger zu lenken, die am Rande der Judenvernichtung lebten: Viele von ihnen wurden auch ermordet, die meisten aber überlebten, manche werden als Wehrmachtssoldaten gefallen sein, vernutlich viele in Danzig 1945 gestorben, einige werden versucht haben, in Danzig die Nachkriegsjahrte zu überleben, nachdem die Nazis weg waren, viele werden - mit ihren Nazis - nach Westen geflohen sein.
        Von wem spreche ich?
        Ich spreche von den Danzigern, die z.B. als Nichtjuden in eriner Ehe mit Juden lebten, von denen Echt 9 Ehen nennt. Ich meine die Nichtjuden, zumeist Christen in diesen Ehen, nach den damaligen rassistischen Begriffen "Arier", die in "rasseverschiedener Mischehe" lebten. Auch sie, darauf muss man hinweisen, haben unter dem antijüdiuschen Rassismus gelitten, sie sind, wie Samuel Echt schreibt, als "Judenknechte" seit 1933 zur Scheidung von ihren jüdischen Ehepartnern gedrängt worden, und wenn sie sich nicht scheiden ließen, waren sie von der antijüdischen Hetze - Stichwort "Rassenschande" genauso betroffen, wie ihre jüdischen Ehepartner, mit denen sie, wenn Kinder da waren, - wieder in der Terminologie der Zeit - in "privilegierter Mischehe" lebten. Dabei bezog sich diese "Privilegierung" zumeist nur darauf, dass sie zumeist nicht sofort mit den Juden zusammen ermordet wurden. Sie wurden zusammen mit ihren jüdischen Ehepartnern diskriminiert und schikaniert, aus ihren Berufen gedrängt, mussten schlecht bezahlte jobs annehmen, oder sich schlicht verstecken, um nicht deportiert und ermordet zu werden.
        Außer diesen "Ariern", die mit Juden in einer christlich-jüdischen Mischehe lebten, waren von der rassistischen Judenhetze auch betroffen diejenigen Juden, die zum Christentum konvertiert waren und mit ihnen wiederum ihre zumesit christlichen Ehepartner und Kinder.
        Weiter betroffen waren Kinder aus diesen Ehen, allgemein alle Personen, die mindestens einen jüdischen Elternteil oder Grosselternteil hatten. In der Terminologie damals: Personen mit jüdischen Vorfahren bis 1937 als "(Christliche) Nichtarier" bezeichnet, dann, nach der Einführung der Nürnberger Gesetze (in Danzig 1937), als "Jüdische Mischlinge 1. und 2. Grades" bezeichnet. Ihre nichtjüdischen Ehpartner durchgängig als "jüdisch Versippte" diskriminiert, ihre gemeinsamen Kinder wieder "Jüdische Mischlinge".
        Der Einzige, der meines Wissens den Danziger Mitgliedern dieser Personengruppe zumindest ein kleines Andenken schenkt, ist Samuel Echt in einem kurzen Absatz in seinem Buch (Geschichte der Danziger Juden), in dem er auf die Rechtlosigkeit dieser Personen hinweist.
        Allgemein wendet man sich in der Geschichtswissenschaft erst seit etwa 10 Jahren der Erforschung der Schicksale dieser Personengruppe zu. Klassiker ist "Beate Meyer, Jüdische Mischlinge, Rassenpolitik und Verfolgungserfahrung", dort insbesondere mit Hamburg als lokalem Schwerpunkt.
        Für Bremen gibt es seit etwa 2007 ein Erinnerungsbuch für die als Juden verfolgten Einwohner Bremens (Rohdenburg/Sommer), mit dem sowohl der verfolgten und diskriminierten Juden als auch der wegen ihrer jüdischen Abstammung verfolgten Bewohner Bremens gedacht wird. Ähnliches gibt es für Oldenburg und Münster.
        Von christlcher Seite gibt es für Bremen zusätzlich ein Erinnerungsbuch, ich meine, auch von 2007, in dem speziell der Christen jüdischer Herkunft gedacht wird, (Arbeitskreis um Dr. Diether Koch und Adolf Allers). Landeskirchliche (ev.) Erinnerungsbücher gibt es u.a. für das Rheinland von Sigrid Lekebusch, zuletzt (2009) für das Gebiet der Hannoverschen Landeskirche von (Uta Schäfer/Richter).

        All das gibt es für Danzig nicht. Keine Erinnerung für die Personen in und aus einer jüdisch-nichtjüdischen Mischehe unterm Hakenkreuz. Mit der Zerstörung und Befreiung Danzigs 1945 scheint auch die Erinnerung an die Angehörigen dieser Personengruppe untergegangen.
        Dunkelheit über einem wichtigen Kapitel der Danziger Stadtgeschichte, eine Dunkelheit, zu der auch die überlebenden Betroffenen werden beigetragen haben. Diese werden nach Massgabe des nach 1945 weiter existierenden Antisemitismus ihren Neuanfang im Westen dazu genutzt haben, ihre jüdische oder teiljüdische Herkunft vergessen zu machen.
        Dabei sind die Angehörigen dieser Personengruppe gerade diejenigen, die eine besondere Verantwortung für die Weitergabe der Erinnerung an die Judenverfolgung und -vernichtung in Danzig hätten übernehmen können, sind sie doch diejenigen, die überhaupt davon berichten können, weil sie - und nur sie - die Judenverfolgung überlebt haben.

        Dabei wird man nach den Erfahrungen mit Bremen und Hamburg - vielleicht vergleichbare Städte - sagen dürfen, dass es sich um Hunderte, vermutlich eher Tausende von Danzigern gehandelt haben wird, deren Schicksale am Rande der Judenverfolgung in "Mischehe", als jüdische Dissidenten, als "christliche Nichtarier" als "Jüdische Mischlinge", als "Jüdisch Versippte" - immer mit ihren Familien, bis heute nicht erforscht sind.

        Kommentar

        • Wolfgang
          Forumbetreiber
          • 10.02.2008
          • 11623

          #19
          AW: Ein Wort für die Danziger Juden

          Hallo Ulrich,

          vielen Dank für Deinen Beitrag mit dem Du auf das Schicksal von Nichtjuden in arisch-jüdischen "Mischehen" hinweist.

          Verlässliche Zahlen liegen nicht vor. Vage Anhaltspunkte liefert Samuel Echt, wobei aus seinen Aufzeichnungen nicht hervorgeht, wieviele arisch-jüdische Ehepartner sich retten konnten. Denn gerade diese in Mischehen lebenden Menschen hatten noch wesentlich länger die Chance sich zu retten.

          Viele Unterlagen sind verloren gegangen und ich glaube, dass heute -wenn überhaupt- nur noch Yad Vashem Auskunft geben kann.

          Samuel Echt nennt exemplarisch die arische Ehegattin des jüdischen Zahnarztes Dr. L.Neumann vom Kohlenmarkt

          Er nennt Heinz Hampel, Ehemann der Jüdin Frau Schalit-Hampel

          Des weiteren die jüdische Ehefrau des Zoppoter Festspielleiters Merz

          und Oberstudiendirektor Bechler, der mit seiner Frau Iska zusammen lebte

          Samuel Echt spricht auch noch den großen Personenkreis derjenigen an, die nach den Rassegesetzen Juden waren, sich selber aber nicht mehr den Juden zugehörig fühlten.

          An all diese Menschen, die Furchtbarstes erleiden mussten, sollten wir uns erinnern und uns ihre Schicksale vergegenwärtigen. Und auch an ALLE anderen unschuldigen Opfer des Krieges, des Rassenwahns, der Verfolgung und der Unmenschlichkeiten die mit dem Krieg einhergingen.
          Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
          Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
          Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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          • Ulrich
            Forum-Teilnehmer
            • 30.01.2009
            • 280

            #20
            AW: Ein Wort für die Danziger Juden

            Hallo Wolfgang,

            herzlichen Dank für Deine Antwort.

            Dass Du diese Namen anführst, berührt mich, das sind betroffene Danziger, das ost Danziger Geschichte.
            Das ist schon toll, dass man in diesem Forum im Bilde ist über diesen Personenkreis in und aus jüdisch-nichtjüdischen Ehen im Danzig unterm Hakenkreuz.

            Du schreibst, dass es wohl kaum Quellen gibt, und dass man (zur Rekonstruktion dieser Lebensgeschichten?) auf Yad Vashem angewiesen ist.
            Meiner Erfahrung nach ist Yad Vashem im Internet o.k.in Bezug auf den Kreis der Danziger Juden, Konvertiten und ihre nichtjüdischen Ehepartner in jüdisch-christlicher Ehe; in Bezug auf die Danziger aus (und nicht in) jüdisch-christlicher Ehe (also in Bezug auf damals sogenannte "Nichtarier" oder "Jüdische Mischlinge" und ihre zumeist christlichen Ehepartner ("Jüdisch Versippte" - und ihre gemeinsamen Kinder) ist diese Dantenbank meiner Erfahrung nach jedoch nicht aussagekräftig.

            Aussagekräftig wären Berichte von Betroffenen; es gibt sie, auch von prominenter Seite.
            Ich habe darauf hingewiesen: Man hatte als Danziger Vertriebener nach 1945 nach Maßgabe des weiter existierenden Antisemitismus im Westen vermutlich kein Interesse daran, sich als Nachkomme von Juden zu outen, (wie auch die Betroffenen im Westen selbst nicht).

            Wo also findet man heute Spuren der Danziger aus jüdisch-nichtjüdischen Ehen?
            Z. B. m Hauptstaatsarchiv Düsseldorf: Hier sind, entweder präsent, oder mit Angabe des Verwahrorts, alle Wiedergutmachungsverfahren wegen
            rassischer Verfolgung nachgewiesen, für die Angehörigen und für die Forschung einsehbar (ähnlich, wie die LAG-Verfahren in Bayreuth), auch die der rassisch verfolgten Danziger, die einen Antrag gestellt haben, bzw, überlebt haben, um einen Antrag zu stellen. (Diese Akten sind, genau, wie die LAG-Akten, dies ist vermutlich bekannt, eine 1- A Quelle der Stadt Danzig für die Zeit des Nationalsozialismus).

            Wolfgang, Du schreibst - dem Sinne nach - Samuel Echt speche auch den großen Kreis der Personen an, die nach den Rassegesetzen Juden waren, sich selber aber nicht mehr den Juden zugehörig fühlten.
            Über sie schreibst Du (bevor Du dann SEHR verallgemeinerst):
            "An all diese Menschen, die Furchtbarstes erleiden mussten, sollten wir uns erinnern und ihre Schicksale vergegenwärtigen".
            Das wär´s; ihre Schicksale vergegenwärtigen; das wär´s wirklich. Dazu wäre aber ein individuelles Gedächtnis nötig, wie Du es begonnen hast. Man wünschte sich, dass dies, etwa nach Maßgabe der Bremer Gedächtnibücher, eines Tages möglich wird.
            Ulrich

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            • danli, + 23.01.2015
              Forum-Teilnehmer
              • 10.02.2008
              • 71

              #21
              AW: Ein Wort für die Danziger Juden

              Ich bin ein Abkoemmling dieser sogenannten Mischehen.

              Mein Vater war Heinz Lindemann Sohn des Sanitaetsrates Dr Lindemann
              AUs Zoppot.Ein Jude!

              Meine Mutter aus Cranz/Ostpr. Tochter des Lehrers Ernst Balzau Evgl.

              Meine beiden Eltern waren Apotheker.

              Mein Vater verlies Danzig 1940 -Transport ,Donau,Schwarzes Meer,
              Dardanellen, Palaestina, dort von den Englaendern interniert und verschickt auf die Insel Mauritius zusammen mit Tschechen,Oestreichern und
              Deutsche und Danziger Juden. Vater kam aus der Internierung 1945
              suchte uns ,bekam dann Verbindung mit uns ueber einen Bundesbruder
              in Amerika. Vater wollte nach Danzig zurueck wurde aber von den Polen
              abgewiesen. Erblieb in Palaestina .
              Vor ungfaehr 2 Jahren brachte unser Mitglied Tomek die Geschichte ins Forum nach dem in einer polnischen Zeitungein Artikel darueber gebrach wurde.

              Wir lebten bis Mitte 1940 in Langfuhr .Mutter wurde als Apothekerin
              kriegsverpflichtet und arbeitete in der Ostlandapotheke in Langfuhr.
              und das bis Januar 1945.

              Als es fuer uns gefaehrlich wurde schickte man meinen Bruder und mich nach Cranz zu meiner Grossmutter.
              Dort waren wir bis Januar 1945.Zwar gabe es Schikanen gegen uns
              denn man wusste ,dass wir Halbjuden waren , aber es passierte uns nichts.

              Ende Januar kam meine Mutter, um uns nach Danzig zu holen.
              Wir kamen bis Elbing und fuhren nach Tolkemit zu einet Freundin/
              und nachts eroberten uns die Russen. Ein russischer Arzt warnte
              uns ,nicht zu sagen , das wir Juden seien.Er wusste warum, wie wir spaeter merkten.Bis Oktober blieben wir in Westpreussen als Deutsche.
              Ich glaube nicht dass es noetig ist zu erzaehlen was es bedeutete !!

              Im Oktober gelang es,uns mit Hilfe eine polnischen Apothekerin,
              die richtigen zu bestechen , und wir wurden ausgewiesen.
              Unser Transport endete in der damaligen Ostzohne ,in Anklam/Vorpommern.

              Wir wurden von den Deutschen verfolgt
              Von den Russen erobert
              von den Polen ausgewiesen.

              Aber wir blieben am Leben ,denn ueberall trafen wir auch gute Menschen.

              Das war es Ulrich.

              Danli

              Kommentar

              • Ulrich
                Forum-Teilnehmer
                • 30.01.2009
                • 280

                #22
                AW: Ein Wort für die Danziger Juden

                Hallo Danli,
                vielen Dank für Deinen Bericht. Ich kann das gut verstehen. Es freut mich, dass Du all das überlebt hast, und dass Du heute noch lebst.
                Der Großvater, evangelischer Konvertit, war Kind einer jüdischen Mutter und eines christlichen (ev.) Vaters. Er hat sich auch bis Herbst 1945 in Danzig rumgequält. Zum jüdischen Transport, "der geschützter fuhr", hat er´s nicht mehr geschafft. Er wurde deshalb von der Transportliste gestrichen. Er ist, wie viele Danziger, die noch da waren,an einer Darmerkrankung gestorben. Du hast das ja alles erlebt. Das muss damals in Danzig die Hölle gewesen sein.
                Übrigens, wenn Dich speziell das Thema der Vaterjuden interessiert, google doch mal Ruth Zeifert, "Vaterjuden". Sie schreibt gerade ihre Dissertation darüber und ihre Vorfahren, die auch in Israel lebten, stammen aus Danzig.
                Einen herzlichen Gruß
                Ulrich

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                • Wolfgang
                  Forumbetreiber
                  • 10.02.2008
                  • 11623

                  #23
                  AW: Ein Wort für die Danziger Juden

                  Hallo Dan,

                  im bereits mehrfach erwähnten Buch Samuel Echts "Die Geschichte der Juden in Danzig" gibt es auf Seite 121 einen möglicherweise Dir noch nicht bekannten Absatz:

                  "Bei den Ärzten und Zahnärzten nahmen die Juden eine gleichgeachtete Stellung ein; zahlenmäßig war ihr Anteil noch höher als bei den Anwälten. Auch hier ist festzustellen, dass mit Ausnahme von Sanitätsrat Dr. Lindemann, Dr. Kurt Jakubowski und Zahnarzt Dr. Landecker in Zoppot, sämtliche jüdischen Ärzte in der Stadt Danzig, nicht auf dem Lande, ausübten."
                  Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                  Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                  Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

                  Kommentar

                  • ada.gleisner
                    Forum-Teilnehmer
                    • 17.02.2008
                    • 882

                    #24
                    AW: Ein Wort für die Danziger Juden

                    Hallo Waldkind und Helga, noch ein paar Sätze zu Euren Beiträgen : Es gibt viel Literatur über das Leben der Juden seit der Zerstörung des Tempels in
                    Jerusalem ca. 70 n. Chr. Sie mußten großteils ihr Land verlassen und lebten ständig auf der Flucht. Denkt an Spanien nach der Reconquista, an Progrome in Russland, Deutschland, Frankreich. In England durften sihc Jahrhunderte lang keine Juden aufhalten. Wenn sie bleiben durften, mußten sie hohe Preise dafür bezahlen und waren doch nicht sicher. ..." Und wurden zerstreut unter alle Völker!" Ein Buch, das ich Euch empfehlen kann zu lesen, schon vor längerer Zeit geschrieben, ca. 70er Jahre.
                    Auch in meiner Familie gibt es eine jüdisch-evang. Mischlingsehe, in der der jüd. Ehepartner unbehelligt unter dem geänderten Namen seiner Frau (Gajewski = Rauter) überlebt hat. Seine jüngste Tochter ist vor ein paar Wochen 90-jährig gestorben. E.R. Salomon war auch Danziger. Liebe Grüße von ada
                    Was ist Geld? Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt. (H. Heine)

                    Kommentar

                    • waldkind
                      Forum-Teilnehmer
                      • 06.10.2008
                      • 2366

                      #25
                      AW: Ein Wort für die Danziger Juden

                      Hallo Ada,
                      vielen Dank für deinen Hinweis.
                      Mir kommt es nicht darauf an wissenschaftliche Studien zu betreiben, auch nicht, das Unglück der Juden in Zahlen zu fassen. Ich meine, in Deutschland sollte man aufhören über Juden zu sprechen, sondern man sollte anfangen mit Juden zu reden. Ich persönlich meine, dass Versöhnung und Vergebung nicht dadurch erlangt wird, dass wir unser Land mit Denkmälern übersäen, die uns Deutsche erinnern, zu welch üblen Taten Menschen in der Lage sind. Vielmehr muss es um Mitgefühl und Verständnis gehen - von Mensch zu Mensch.

                      Ich erinnere mich an meine Kindheit folgendermaßen:
                      In der Schule, ich war 14 Jahre, legte man uns die Bilder der ermordeten Juden vor. Auf die Fragen, die wir dazu hatten, bekamen wir keine Antwort. Man ließ uns mit diesen Bildern und der Grausamkeit, die sich in unsere Seelen schnürten, alleine. Nach der Schule erzählten manche Schülerinnen Judenwitze und lachten. Das war 1974. Diese Witze, das war wohl das einzige, was die Kinder von ihren Eltern erfuhren. Ich sonderte mich ab und dachte lange und einsam darüber nach. Wenn mir jetzt diese Witze einfallen kommen mir die Tränen. Verraten und verkauft im eigenen Land, lieblos alleine gelassen die Kinder der Opfer und der Täter. Im Unterricht, in dem uns diese Bilder und all diese schrecklichen Geschichten vorglegt wurden, wurde nicht einmal vorher gefragt, ob sich unter den Kindern jüdische befanden oder Kinder mit jüdischen Eltern. Und eines Tages erzählte mir eine Freundin, dass ihr Vater Jude sei. Sie nahm mir das Versprechen ab, niemandem davon zu erzählen. Und so blieb es mein Geheimnis bis heute. Sie war ein bildhübsches Mädchen.

                      Danke an Ulrich und Dan für eure Offenheit. waldkind.
                      Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

                      Kommentar

                      • danli, + 23.01.2015
                        Forum-Teilnehmer
                        • 10.02.2008
                        • 71

                        #26
                        AW: Ein Wort für die Danziger Juden

                        vielen Dank Wolfgang.

                        Das ist was was ich ueber meinen Grossvater weiss.
                        Schon 1897 war er Representant der Gemeinde Zoppot in der Stadtverwaltung
                        er war von1892-97 einer von 13 Vertretern der der Buerger Zoppots
                        im Stadtrat. Quelle Fritz Schulz.

                        Adressbuch 1902-12
                        Stadtverordneter ,Stadtrat, Sanitaetsrat.1906 Magistratsmitglied

                        Ausserdem war er praktizierender Arzt[sogar fuer arme Buerger].

                        Das Buch ,dass Du nanntes kenne ich nicht.Die Familie Lindemann war sehr assimiliert.

                        Vielen Dank fuer Deine Muehe

                        wuensche einen schoenen 4. Advent,

                        Dan

                        Kommentar

                        • Ulrich
                          Forum-Teilnehmer
                          • 30.01.2009
                          • 280

                          #27
                          AW: Ein Wort für die Danziger Juden

                          Hallo,

                          Anläßlich des Holocaust-Gedenktages ein Hinweis auf solche archivarische Informationen auch zu den Danziger Opfern des Holocaust, die im Internet zugänglich sind. Wolfgang hat in einem früheren Beitrag bereits darauf hingewiesen, dass es entsprechende Datenbanken (mit Suchmasken) gibt.

                          Die genaue Angabe für die Suchmaske von Yad Vashem ist:
                          http://www.yadvashem.org/wps/portal/IY_HON_Welcome
                          Die Angabe für die Internetdarstellung des neuen Gedenkbuches des Bundesarchivs ist:


                          Man kann in den Masken nach Einzelpersonen suchen, aber auch allgemeiner, indem man etwa bei "Wohnort" oder bei "Geburtsort" "Danzig" oder "Gdansk" eingibt.

                          Dann noch: In einem Beitrag der "Presseschau" des Deutschlandfunks heute Mittag: Die Gazeta Wyborcza habe - ich fasse dem Sinne nach zusammen - daran erinnert, dass das Morden in den Konzentrationslagern der Endpunkt einer Entwicklung gewesen sei, die im antijüdischen Rassismus wurzelte und sich im Lauf der dreißiger Jahre in der Entrechtung der Juden und ihrer Verdrängung aus dem wirtschaftlichen und kulturellen Leben anbahnte. Erst die rassistische Degradierung habe diese Entwicklung möglich gemacht, so in etwa aus der Erinnerung.

                          Grüße
                          Ulrich

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                          • Wolfgang
                            Forumbetreiber
                            • 10.02.2008
                            • 11623

                            #28
                            AW: Ein Wort für die Danziger Juden

                            Hallo Ulrich,

                            danke für Deinen Hinweis.

                            Heute jährt sich der Tag, an dem das Konzentrationslager Auschwitz von den Russen eingenommen und die dort noch lebenden wenigen Insassen befreit wurden.

                            Für viele Opfer Stutthofs war der Leidensweg noch nicht vorbei...
                            Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                            Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                            Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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                            • Mariolla
                              Forum-Teilnehmer
                              • 20.07.2008
                              • 336

                              #29
                              AW: Ein Wort für die Danziger Juden

                              Guten Abend,

                              heute Mittag habe ich die life-Übertragung vom Bundestag
                              mir angeschaut. Es waren bewegende Berichte vom Präsidenten
                              Schm. Peret aus Israel und vom Prof.F.Tych aus Polen. Beide
                              sind Juden und überlebten als Kinder den Holocaust.
                              Mir sind bei der Übertragung die Tränen gelaufen und ich kann
                              mich nur hochachtungsvoll vor beiden Völkern verneigen.
                              Es darf niemals wieder so eine sinnlose, mörderische, ketzerische,
                              haßerfüllte, ausrottende und erniedrigende Jagd auf Menschen mit
                              dem Auslöschen des Lebens geschehen.

                              Mariolla alias Marion
                              Es sind die Lebenden, die den Toten die Augen schließen und
                              es sind die Toten, die den Lebenden die Augen öffnen.
                              Slaw.Sprichwort

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                              • danli, + 23.01.2015
                                Forum-Teilnehmer
                                • 10.02.2008
                                • 71

                                #30
                                AW: Ein Wort für die Danziger Juden

                                Was war die sogenannte Freie Stadt .

                                Die grosse Synagoge wurde vor dem 1/9/abgerissen

                                Es gab einen Gauleiter Forster - Ehrenbuerger von Danzig

                                Es brannten in der Kristallnacht auch in Danzig Synagogen.1938

                                Ich empfehle als Lektuere das Telfon und Adressbuch von 1937.

                                Dass ich an viele Mitglieder des Forums geschickt habe.

                                Auch in Danzig war man nicht unschuldig ,man wusste!!

                                Viele von meinen Verwandten und Bekannten waren ploetzlich

                                verschwunden. Man sah und wusste nichts??

                                Man sah auch nicht die KZ Haeftlinge ,die bei Eis und Schnee

                                an dem Eisenbahndamm bei Oliva arbeiteten.

                                Ich war damals 8 Jahre , ich fragte und bekam auch eine Antwort!!!.

                                Heute kann man nicht mehr fragen,denn wie viele aus der damaligen Zeit

                                leben noch?? Ich meine die Jahrgaenge vor 1922.

                                Aber es gab auch gute Menschen,aber die Angst herrschte.

                                Mutter fragte einen Polizeioffizier der meinem Vater half und ihn auch

                                mehrmals warnte und bekam folgende Antwort:Gnaedige Frau ,ich kann da

                                und dort mal helfen,aber wenn ich erwischt werde,helfe ich keinem mehr!!

                                Ist es wichtig wie viele Juden und Polen in Danzig 1939 lebten ?

                                Es ist wichtig zuwissen was ihnen geschah , es waren auch Danziger

                                unter ihnen , und das ist was zaehlt!!

                                Wer kann sich noch an folgendes Lied erinnern:

                                Schmeisst sie raus ,die ganze Judenbande!!

                                schmeisst sie raus ,aus unserm schoenen Lande!

                                ..............

                                Und reisst ihnen alle Beine raus

                                sonst kommen sie wieder rein.



                                Wurde auch in Danzig gesungen!!

                                Danli

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