Heilige-Leichnam-Kirche

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  • sarpei
    Forum-Teilnehmer
    • 17.12.2013
    • 6085

    #1

    Heilige-Leichnam-Kirche

    aus: Zentralblatt der Bauverwaltung 5. Juli 1919
    ====================================
    (redaktionell leicht überarbeitet)

    Der Sachverständige für Gewitterschäden, Wilhelm Preuß in Danzig-Langfuhr berichtet über einen bemerkenswerten Blitzschlag.

    Am 12. Juni 1916 wurde die Heilige-Leichnam-Kirche in Danzig (westlich vom Hauptbahnhof) vom Blitz getroffen, während die altkatholische Gemeinde gerade ihre Abendmahlfeier abhielt!

    Der Einschlag beschädigte zunächst das Turmkreuz und fuhr dann unter der Bleibekleidung des Schaftes abwärts. Diese Bekleidung wurde wie von einem Sprengschlag an einigen Stellen aufgebeult. Unterhalb der Laterne zeigte die Kupferdeckung des geschweiften Daches an der Innenseite der Gratfalzung vertiefte kreisrunde Schmelzspuren und ein großes Stück des Bleches war auf den Hof hinabgeschleudert (Bild 1).

    [ATTACH=CONFIG]20199[/ATTACH]

    Weiterhin rollte der Blitz das bleierne Zifferblatt der Turmuhr halb auf, dabei entstanden an ihm grobnarbige Spuren plötzlicher Erhitzung und Wiedererkaltung. Durch das Zeigergetriebe war die Entladung in das auf dem Kirchenboden aufgestellte Uhrwerk gelangt (Bild 2).

    [ATTACH=CONFIG]20200[/ATTACH]

    Dieses war stark beschädigt. Durch die plötzliche Entwicklung eines sehr starken Luftdruckes wurde die Verbretterung des Werkgehäuses teilweise herausgerissen und zersplittert, eine Brettertür wurde 13 m weit durch den Bodenraum geschleudert und ein Teil der Ziegeldeckung auf die Straße hinabgeworfen.
    Von hier verteilte sich der Blitz auf die Metallrohre der Lichtleitung, zerstörte diese und insbesondere den Stromzähler und die Sicherungen völlig, wobei die Porzellanteile abgesprengt und die Gummiumhüllungen zerrissen wurden. Die Metalladern wurden spurlos verbrannt.
    Der Hauptstrom fuhr jedoch hinter dem Hauptaltar abwärts, warf Säulen und Figuren herab und zerriss die vordere Lederbekleidung des Altartisches (Bild 3).

    [ATTACH=CONFIG]20201[/ATTACH]

    Dabei entwickelte sich ein solcher Luftdruck, dass die Bleiverglasungen dreier Fenster völlig herausgeschleudert, die der übrigen beschädigt wurden und auch in dem benachbarten Hospital noch Scheiben zersprangen. Trotz dieser gewaltigen Wirkungen wurde weder jemand von der versammelten Gemeinde, noch der am Altar amtierende Pfarrer verletzt! Dieser wurde zwar eine kurze Strecke vorwärtsgeschleudert, hatte aber die Geistesgegenwart, ein an dem Altarbilde sich zeigendes Flämmchen mit seinen Händen auszudrücken.


    ..... das hätte auch anders ausgehen könnenn. .....

    Peter
    Angeh
  • Wolfgang
    Forumbetreiber
    • 10.02.2008
    • 11623

    #2
    AW: Heilige-Leichnam-Kirche

    Schönen guten Nachmittag,
    hallo Peter,

    sehr interessant der Artikel. Von dieser Geschichte wusste sicherlich nicht einmal mein Vater etwas, der dort konfirmiert wurde, und mir Vieles über die Kirche erzählt hat.

    Schöne Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
    Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

    Kommentar

    • Langfuhr43
      Forum-Teilnehmer
      • 05.01.2012
      • 567

      #3
      AW: Heilige-Leichnam-Kirche

      In dieser Kirche Heilig Laichnam, ist meine Mutter, geb. am 7.07.1917, am 29. Juli 1917 getauft worden.
      Die Familie wohnte damals: Holzraum Nr. 10
      Ich habe noch eine Original Taufbescheinigung, schon sehr vergilbt.
      Gruß Gisela
      Ein Schiff ist im Hafen sicher. Aber für den Hafen ist es nicht geschaffen.

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      • Ulrich 31
        Forum-Teilnehmer
        • 04.11.2011
        • 8547

        #4
        AW: Heilige-Leichnam-Kirche

        Hallo Gisela,

        mich interessiert, wie in der Original-Taufbescheinigung von 1917 der dort angegebene (sicherlich noch gut lesbare) Name dieser Kirche genau lautet. Es gibt z.B. eine vom früheren Pfarrer dieser Kirche, Franz Lippky, 1916 geschriebene Monographie seiner Kirche mit dem Titel "Die evangelische Kirche zum Heiligen Leichnam Danzig" (> http://www.google.de/imgres?imgurl=h...IVIo9yCh2NlwlH ).
        Für Deine Auskunft wäre ich Dir dankbar.

        Viele Grüße
        Ulrich

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        • Langfuhr43
          Forum-Teilnehmer
          • 05.01.2012
          • 567

          #5
          AW: Heilige-Leichnam-Kirche

          Hallo Ulrich,
          Dieses Formular ist in DIN A 5 quer : Nur zum Zwecke der Taufe gültig

          Handschriftlich ist rechts unten der Vermerk:

          Getauft in der evgl. Kirche zum heil. Laichnam
          Danzig, den 29. Juli 1917

          Lipp .. ltz ???
          Pfarrer

          Wenn ich es zustande bringen, werde ich es Dir scannen.
          Ein Schiff ist im Hafen sicher. Aber für den Hafen ist es nicht geschaffen.

          Kommentar

          • Langfuhr43
            Forum-Teilnehmer
            • 05.01.2012
            • 567

            #6
            AW: Heilige-Leichnam-Kirche

            Dann muß es wohl Lippky heißen !!!!
            Ein Schiff ist im Hafen sicher. Aber für den Hafen ist es nicht geschaffen.

            Kommentar

            • Ulrich 31
              Forum-Teilnehmer
              • 04.11.2011
              • 8547

              #7
              AW: Heilige-Leichnam-Kirche

              Hallo Gisela,

              das ist ja interessant, was Du zum handschriftlichen Vermerk auf der betr. Taufbescheinigung schreibst. Ihm hast Du dann vermutlich auch den von Dir in #3 angegebenen Kirchennamen entnommen, der so orthographisch nicht stimmt (wie übrigens auch nicht der Kirchenname in diesem Thementitel).

              Auf jeden Fall wäre ich Dir dankbar, wenn Du hier eine Scan-Aufnahme der betr. Taufbescheinigung zeigen könntest. Zur genauen Schreibweise des betr. Kirchennamens werde ich mich dann abschließend äußern.

              Viele Grüße
              Ulrich

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              • sarpei
                Forum-Teilnehmer
                • 17.12.2013
                • 6085

                #8
                AW: Heilige-Leichnam-Kirche

                Hallo Ulrich,

                was verstehst du eigentlich unter einer 'genauen Schreibweise' des Kirchennamnes? Die Hl.-Leichnam-Kirche (noch eine andere Schreibweise - neben dem 'Laichnam') wird bereits im 14. Jahrhundert neben dem Hl.-Leichnam-Hospital erwähnt. Es gibt also reichlich Zeit, um die verschiedensten Schreibweisen für die Kirche zu propagieren.


                Viele Grüße

                Peter

                Falls du Zugang zu den Weihe-Urkunden hast, wäre es für mich interessant zu wissen, wie eer ursprüngliche (erste) Name der Kirche lautete.

                Kommentar

                • Ulrich 31
                  Forum-Teilnehmer
                  • 04.11.2011
                  • 8547

                  #9
                  AW: Heilige-Leichnam-Kirche

                  Hallo Peter,

                  warum diese spitze Nachfrage? Ich will hier auch keine Schreibweise des betr. Kirchennamens aus lange vergangener Zeit propagieren, sondern nur empfehlen, für diese Kirche (und andere) hier im Forum den Namen zu verwenden, der in der von uns Alten und unseren Eltern in Danzig noch erlebten Zeit amtlich bzw. gebräuchlich war.

                  Der ursprüngliche (erste) Name der betr. Kirche, wie er in der Weihe-Urkunde angegeben ist, zu der ich keinen Zugang habe, mag für Historiker interessant sein; ich selbst befasse mich lieber mit der Gegenwart.

                  Viele Grüße
                  Ulrich

                  Kommentar

                  • sarpei
                    Forum-Teilnehmer
                    • 17.12.2013
                    • 6085

                    #10
                    AW: Heilige-Leichnam-Kirche

                    Hallo Ulrich,

                    nicht 'spitz', nur nicht verstanden. Das mag zum Einen an meinem nicht vorhandenen eigenen 'Danzig-Erleben' liegen (alle meine Vorfahren waren schon tot, bevor ich mit der Ahnenforschung begann), zum Anderen daran, dass alle mir zugänglichen 'zeitgenössischen' Beschreibungen zwischen 1907 und 1937 die im Betreff benutzte Schreibweise bzw. die Abkürzung benutzen.

                    Ich ging jetzt wirklich davon aus, dass du eine andere Quelle hast, da du ja die Orthographie und den Titel als fehlerhaft bezeichnest.


                    Viele Grüße

                    Peter

                    Kommentar

                    • Bartels
                      Forum-Teilnehmer
                      • 25.07.2012
                      • 3448

                      #11
                      AW: Heilige-Leichnam-Kirche

                      Hallo,

                      könnte es sein, dass Pfarrer Lippky und der heilige Leichnam im Grabe rotieren?
                      Beste Grüsse
                      Rudolf H. Böttcher

                      Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
                      Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
                      Familie Zoll, Bohnsack;
                      Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
                      Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

                      http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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                      • sarpei
                        Forum-Teilnehmer
                        • 17.12.2013
                        • 6085

                        #12
                        AW: Heilige-Leichnam-Kirche

                        Hallo Rudolf,

                        ne, ne, so lange hält die Aufladung des Blitzschlags nun doch nicht vor ...


                        'Energetische' Grüße

                        Peter

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                        • Ulrich 31
                          Forum-Teilnehmer
                          • 04.11.2011
                          • 8547

                          #13
                          AW: Heilige-Leichnam-Kirche

                          Guten Tag,

                          kommen wir auf mein Anliegen (siehe #7) zurück. Ohne Giselas evtl. folgenden Scan (siehe #5) abzuwarten, erkläre ich nun, was mich an den in #7 erwähnten Angaben zum Namen dieser Kirche stört:

                          - In der Thementitel-Angabe „HeiligE-Leichnam-Kirche“ stört mich das E am Ende von „Heilige“; denn es bezieht sich so auf „Kirche“ und nicht auf „Leichnam“ und führt damit zur falschen Lesart „Heilige Kirche des Leichnams“ statt zur richtigen Lesart „Kirche des Heiligen Leichnams“ (wenn schon „Heilig“ mit Anhängsel, dann wäre allenfalls „Heiliger“ ok). - Auch wenn Peter die im Thementitel angegebene Schreibweise des Kirchennamens so vom Zentralblatt der Bauverwaltung (siehe #1) übernommen hat (die betr. Kirche liegt übrigens nicht westlich, sondern nördlich vom Hbf), so ist sie dennoch nicht richtig. - Ich bitte also Peter, damit einverstanden zu sein, dass die Moderatorinnen den Thementitel ändern in „Heilig-Leichnam-Kirche“. Das ist nämlich der gebräuchliche Name für diese Kirche, deren amtlicher Name „Kirche zum Heiligen Leichnam“ lautet (siehe dazu auch die Kirchenmonographie von Pfarrer Franz Lippky, #4).

                          - Verwundert bin ich weiter über die wieder andere Namensangabe „Kirche Heilig LAichnam“ von Gisela (#3), also nicht nur andere Wortfolge, sondern zudem „Laichnam“ mit „a“ statt mit „e“ geschrieben. - Auch hier hat Gisela diese Schreibweise („LAichnam“) offensichtlich vom mitgeteilten handschriftlichen Vermerk auf der Taufbescheinigung von 1917 übernommen, dessen Scan ich weiterhin sehr begrüßen würde. – Mag sein, dass „Laichnam“ ehedem so geschrieben wurde (genaue Informationen dazu fehlen mir leider), die heutige Schreibweise lautet jedenfalls „Leichnam“. (Wir schreiben heute ja auch nicht mehr „Dantzigk“.)

                          Diese Ausführungen von mir mögen einigen von Euch mal wieder als semantische Spitzfindigkeiten oder Beckmesserei vorkommen, ich will damit aber nur erreichen, dass Angaben in unserem Forum, die Namen von Danziger Gebäuden betreffen, möglichst genau und einheitlich gebraucht werden, damit sie die Öffentlichkeit, der unser Forum im Web zugänglich ist, auch so übernimmt. - Wir sollten in diesem Punkt beispielhaft sein.

                          Viele Grüße
                          Ulrich

                          PS:
                          Vielleicht kann uns Peter mit seinem sehr guten Wissen um Digitalisate gelegentlich Näheres aus dem Buch von Pfarrer Franz Lippky (#4) zu dort evtl. gemachten Angaben zur Namensgebung dieser Kirche mitteilen. Ich würde mich darüber freuen.

                          Kommentar

                          • sarpei
                            Forum-Teilnehmer
                            • 17.12.2013
                            • 6085

                            #14
                            AW: Heilige-Leichnam-Kirche

                            Hallo miteinander,

                            nachstehend der Text aus dem Heftchen von Pfarrer Franz Lippky. Eine von mir angelegte pdf-Datei konnte ich wegen der Dateigröße nicht ins Forum hochladen.
                            Gemäß der vom Pfarrer gewählten Schreibweise und seines abschließenden Wortes "Heilige Leichnam heißt unsere Kirche und die ihr zugeteilte Gemeinde." möchte ich den Titel dieses Threads bestehen lassen.

                            .................................................. .................................................. .................................................. ..............................

                            Am Fuße des Hagelsberges, auf dem einst der sagenhafte Fürst Hagel gehaust haben soll, und der in der politischen Geschichte Danzigs durch den glänzenden Sieg über die Russen in der Nacht vom 9. zum 10. Mai 1734 und durch die Belagerung von 1807 seine große Bedeutung gehabt hat, liegt inmitten des Hospitales zum Heiligen Leichnam die Kirche gleichen Namens.

                            Nicht kann sie sich in architektonischer Schönheit mit den gewaltigen Domen unserer Stadt vergleichen, aber in ihrer schlichten Einfachheit mit ihren beiden im Jahre 1694 erneuerten etwa 28 m hohen Türmen und den vom Efeu umrankten altersgrauen Mauern
                            grüßt sie uns wie eine Burg mitten im stillen Hospitalshofe als ein ehrwürdiges Denkmal aus längst vergangener Zeit.

                            Wann die Kirche gebaut ist, lässt sich mit Bestimmtheit nicht mehr sagen. Da sie aber 1456 bei der Einteilung der Stadt in Kirchensprengel als Tochterkirche von St. Marien bezeichnet wird, darf man wohl mit größter Wahrscheinlichkeit annehmen, dass sie
                            in der Zeit der 1380 erfolgten Gründung der Jungstadt, also Ende des 14. Jahrhunderts, entstanden ist.

                            Als dann Albertus, der Markgraf zu Brandenburg und Herzog zu Preußen, mit König Sigismund l. von Polen in einen Krieg verwickelt wurde, und ersterer das zu Polen gehörige Danzig1520 belagerte, soll unsere Kirche mit dem Hospitale von den Danzigern selbst niedergebrannt worden und erst 1523 wieder neu aufgebaut sein. Nach andern Nachrichten wurde damals nur das Hospital zerstört, während die Kirche stehen geblieben ist. Letztere soll vielmehr erst bei der Belagerung Danzigs durch den Polenkönig Stephan Bathory 1577 bis auf die Hauptmauern abgebrochen und 1580 wieder hergestellt sein, aber ohne das jedenfalls früher vorhanden gewesene Deckengewölbe. Ursprünglich hatte die Kirche nur ein Längsschiff vom heutigen Hauptaltar nach der Orgel zu. Der eigentümliche, in den Hospitalshof hineinragende Eckanbau an der Nordseite der alten Kirche, die sogenannte neue Kirche, stammt erst aus dem Jahre 1688.

                            Es war nämlich durch die Zuteilung einer Anzahl ländlicher Gemeinden, die jetzt wieder zu den Kirchen in Langfuhr, Schidlitz und Neufahrwasser abgezweigt sind, die Heilige Leichnamgemeinde sehr gewachsen. Wie groß sie gewesen sein muss, lässt sich ungefähr aus einer Nachricht schließen, nach welcher im Jahre 1637/38 die Kommunikanten 62 Stoff. Wein und 4.150 Oblaten Brot gebraucht haben, während in den letzten Jahren in der fast 7.000 Seelen großen Gemeinde etwa nur 850 Abend-
                            mahlsgäste gezählt werden.

                            Deshalb wurde der erwähnte Anbau notwendig, in welchen 1699 noch 2 Emporen eingefügt wurden, von denen die untere das Danziger Wappen und reiches Schnitzwerk aufweist. Der Bau kostete 16.006 Thlr. 17 Sgr. und wurde zur Amtszeit des Predigers Ephraim Kerstens, dessen Bild in der Kirche hängt, ausgeführt

                            Die Kanzel wurde an der Ecke der alten und neuen Kirche so angebracht, dass der Prediger überall gesehen und gehört werden konnte.

                            Die Kirche hat eine alte, mehrfach vergrößerte Orgel mit schönem, aus dem Jahre 1709 stammenden Prospekt, der durch Schnitzereien und Wappenschilder reich verziert ist.

                            Besonders wertvoll ist der Altar mit einem kostbaren Gemälde von der Hand des berühmten Danziger Malers Andreas Stech aus dem Jahre 1696. Vor dem von goldenem Glorienschein umgebenen gekreuzigten Heiland kniet Maria Magdalena. Jm Hintergrunde grüßen uns Danzigs Türme.

                            Die Decke der alten Kirche schmücken zwei mit einem Kostenaufwande von 1.425 Gulden 24 Sgr. im Jahre 1709 auf Leinwand gemalte Darstellungen aus der biblischen Geschichte. Das Deckenbild vor dem Hauptaltare ist leider durch den Blitzschlag
                            am 12. Juni 1916 fast bis zur Unkenntlichkeit vernichtet.

                            An den Wänden der Kirche erblicken wir verschiedene biblische Darstellungen, außerdem die angeblich von Lukas Kranach herrührenden, 1754 der Kirche von Gabriel Lorenz Brauer geschenkten Gemälde Luthers und Melanchthons und die Bilder vieler
                            an Heilige Leichnam tätig gewesenen Pfarrer.

                            Es sind einschließlich der Diakonen von St. Katharinen - welche an Heilige Leichnam von 1577-92 trotz seiner Zugehörigkeit zu Marien amtierten, an unserer Kirche von 1522 bis zur Gegenwart 42 Pfarrer tätig gewesen. Von 1691 bis 1813 waren sogar je zwei Prediger an Heilige Leichnam angestellt.

                            Unter den Predigern verdient besonders hervorgehoben zu werden Jakob Hegge, genannt Finkenblock, der am 13. Juli 1522 zuerst unter freiem Himmel auf dem Hagelsberge evangelisch gepredigt hat. Sein Bild hängt in unserer Kirche neben dem
                            der Reformatoren gegenüber der Kanzel.

                            Auf Finkenblocks Predigt im Freien ist die Sitte, bei schönem Wetter den Gottesdienst auf dem Kirchhofe unter dem Laubdache grüner Linden zu halten, zurückzuführen. Die Heilige Leichnam-Kirche dürfte zu den wenigen Kirchen gehören, vielleicht sogar in der Gegenwart noch die einzige Kirche sein, welche so eingerichtet ist, dass sie außer der Kanzel im Innern noch eine besondere Sommerkanzel für die Gottesdienste auf dem Kirchhofe besitzt. In neuester Zeit ist man von der regelmäßigen Abhaltung der
                            Gottesdienste im Freien abgekommen, da der gesteigerte Eisen- und Straßenbahnverkehr zu große Störungen und Unruhe mit sich bringt.

                            Die gegenwärtige, auch auf dem beigefügten Bilde sichtbare Sommerkanzel trägt die Jahreszahl 1821. Den Schalldeckel krönt als Zeichen der sich für die Menschheit aufopfernden Heilandsliebe ein Pelikan, der seine Jungen mit seinem Herzblute tränkt.
                            Eine besonders zahlreiche Gemeinde scharte sich um die Sommerkanzel als am 13. Juli 1822, zur Zeit, da Johann Gottfried Steffen die Pfarrstelle von Heilige Leichnam verwaltete, das dreimal-hundertjährige Jubiläum der Predigt Finkenblocks gefeiert wurde.
                            Die oben erwähnten Bilder Luthers, Melanchthons und Finkenblocks waren mit Blumen geschmückt aufgestellt. Ein Instrumental- und Vokalkonzert verschönte die Feier, an der über 3.000 Zuhörer teilgenommen haben sollen.

                            Außer dieser Sitte der Predigt im Freien hat die Kirche von Heilige Leichnam noch eine zweite Eigenart aus früherer Zeit bis in unsere Tage bewahrt.

                            Heilige Leichnam gehörte wie auch St. Barbara, St. Elisabeth, St.Salvator u. a. zu den Hospitalkirchen. Aber während sich die übrigen im Laufe der Zeit von den zugehörigen Hospitälern gelöst haben und wirkliche Gemeindekirchen geworden sind, ist Heilige Leichnam Hospitalkirche geblieben. Als solche untersteht sie nebst den beiden zu ihr gehörigen Kirchhöfen, was die äußere Verwaltung, Bauten usw. anbetrifft, nicht dem Gemeindekirchenrat, sondern dem Vorstande des Hospitales, der in neuerer Zeit die
                            Kirche heizbar gemacht und mit elektrischer Beleuchtung versehen hat.

                            In großer Gefahr stand unsere Kirche und das 1762 unmittelbar an sie angebaute Pfarrhaus, als am 2. Pfingstfeiertage, dem 12.Juni 1916, ein Blitzstrahl in den Turm und die Kirche dicht am Hauptaltar niederfuhr. Gott aber hielt im Wetter seine Hand schützend über uns. Der Blitz hatte zwar mancherlei Sachschaden in beiden Gebäuden angerichtet, aber doch nicht gezündet. Nunmehr sind die Türme mit Blitzableitern versehen worden, welche, soweit menschliches Können es vermag, ähnliche Gefahren in Zukunft von unserer Kirche fernhalten sollen.

                            Manche Stürme sind in den Jahrhunderten über unser schlichtes Gotteshaus dahingebraust. Es hat wie seine Schwesterkirchen Danzigs Blüte und Danzigs schwerste Zeiten miterlebt. Immer haben die äußeren Ereignisse unserer Vaterstadt Widerhall gefunden in dem Wort, das von ihren Kanzeln drinnen und draußen verkündigt wurde. Hier hat sich die Gemeinde stets Kraft geholt zum Aushalten in den schweren Trübsalszeiten, die über Danzig gekommen sind.

                            Wieder ist solche ernste Zeit über uns hereingebrochen. Es stehen viele Söhne unserer lieben Heimatstadt zu Lande und zu Wasser in ernstem heißen Ringen gegen eine gewaltige Übermacht von Feinden, die unser Vaterland und damit auch unser liebes
                            Danzig bedrohen.

                            Möge auch in dieser schweren Zeit das in unserer Kirche verkündigte Wort vielen ein Trost werden in dem Bewusstsein: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns betroffen haben.“

                            Heilige Leichnam heißt unsere Kirche und die ihr zugeteilte Gemeinde. Wir wollen diesen Namen als einen steten Mahnruf ansehen, immer mehr zu werden, wie wir heißen: ein heiliger Leib, an welchem unser Heiland das Haupt ist.

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                            Hier dann noch der Link zum Digitalisat:



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                            Peter




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                            Peter

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                              Forum-Teilnehmer
                              • 17.12.2013
                              • 6085

                              #15
                              AW: Heilige-Leichnam-Kirche

                              ..... und hier noch auf einem Danziger Stadtplan von 1933 die Lage der Hl. Leichnam-Kirche .....

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                              Peter
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