Die Juden in Danzig

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  • Antennenschreck
    Forum-Teilnehmer
    • 05.09.2011
    • 1833

    #301
    AW: Die Juden in Danzig

    Hallo,

    genau das frage ich mich auch immer wieder, angesichts so mancher Kommentare. Was würden solche Leute eigentlich im Ernstfall tun, außer Sprechblasen abzusondern (und selbst das werden dann nicht). Den moralischen Wert einer Gesellschaft erkennt man an ihrem Umgang mit den Schwachen und denen welche sich nicht mehr verteidigen können (z.B. den Toten). Da kann man heute schon so manchen xxxxhelden finden. Man kann doch auch heute die wirklichen Verbrecher klar erkennen und muß nicht in der Vergangenheit suchen um die Welt zu verbessern.

    Tschü....
    Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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    • StampCollector
      Forum-Teilnehmer
      • 19.01.2014
      • 924

      #302
      AW: Die Juden in Danzig

      Um dann auch einmal zum eigentlichen Thema zurückzukehren:

      Mein anderer Großvater war mehr oder weniger unpolitisch. Er hatte nur das Wohl seiner Familie im Sinn und hatte als Kleingewerbetreibender nicht immer einen leichten Stand.
      Solange es möglich war, hat er seine Waren von einem jüdischen Händler bezogen, weil der einfach billiger war, als seine "arischen" Konkurrenten.
      Er war damit nicht allein. Auch viele Hausfrauen haben das jüdische Warenangebot aufgrund eines günstigen Preis-Leistungsverhältnisses geschätzt.
      In der Mitte der 1930er Jahre begannen die Nazis damit Käufern bei jüdischen Händlern aufzulauern und haben Photos geschossen.
      Am nächsten Tag wurden die Bilder dann mit entsprechenden Kommentaren in der gleichgeschalteten Lokalpresse veröffentlicht:

      "Diese(r) Volksgenosse (Volksgenossin) hat bei dem Juden XY gekauft..."

      Jedenfalls war das in meiner Heimat so und ich glaube, daß das System hatte. Mich würde es nicht wundern, wenn es das auch in Danzig gegeben hat.

      SC

      PS: Heute habe ich übrigens auf einer Ansichtskartenbörse eine (sammeltechnisch gesehen) relativ gute Danzig-Karte gesehen, die nach Leipzig adressiert war:
      Sie stammte vom Februar 1938 und war mit "Heil Hitler" unterzeichnet...

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      • Ulrich
        Forum-Teilnehmer
        • 30.01.2009
        • 280

        #303
        AW: Die Juden in Danzig

        Hi Antennenschreck,

        die Frage, "Was hättest du denn getan"
        Oder: "Was hätte ich denn getan", hat ja so ihre Tücken. Eine hängt mit ihrer Herkunft zusammen: Die Frage stammt aus der Klassischen Gerichtsrhetorik und ist dort bis heute ein gern genutzter Gemeinplatz, vornehm ein topos, zur Verteidigung eines Angeklagten.

        Sollte man sich überlegen, ob man Lust hat, die Rolle eines Naziverteidigers zu übernehmen. Es zwingt einen niemand dazu, das tut man freiwillig. Es gibt keinen Befehlsnotstand, diese Rolle einzunehmen - genauso wenig, wie es einen Befehlsnotstand gab, Nazi zu werden.

        Dass die Frage einzig Verteidigungszwecken dient, sieht man auch daran, dass man sie bei den überlebenden Juden und ihren Kindern kaum sinnvoll stellen kann.

        Einen schönen Gruß
        Ulrich

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        • Gerhard Jeske
          Forum-Teilnehmer
          • 24.08.2014
          • 737

          #304
          AW: Die Juden in Danzig

          27.010. 2014Gerhard Jeske
          Wieder dies " aber immerhin"
          Die Katastrophe war doch schon längst perfekt. Zumindest ab dem Zusammenbruch der Ostfront im Mittelabschnitt war jedem einigermaßen klugen Offizier klar, dass der Krieg verloren war.
          Waren wir in Danzig Groß Walddorf klüger als der Model?. Im August versuchten einige Bewohner nach dem Westen auszureisen. Das gelang nicht, weil es eine Reisebegrenzung bis zu 100 Kilometer gab. Etliche Familien, die gute Beziehungen hatten, brachten ihre Kinder in westliche Internate unter. Wir wussten, dass Danzig verloren war und dass wir nicht im Land bleiben konnten. Deshalb hatten wir eine Deckadresse von einem jungen, katholischen Flaksoldaten bekommen, zu dem Bauernhof seiner Familie, nach Oberfranken umzusiedeln.
          Dorthin hatte sich mein älterer Bruder aus Podibrad –bei Prag, abgesetzt und ein Jahr auf dem Bauernhof gearbeitet. Leider ist der gute Sohn des Bauern bei Marienburg vermisst und nie nach Hause gekommen

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          • Antennenschreck
            Forum-Teilnehmer
            • 05.09.2011
            • 1833

            #305
            AW: Die Juden in Danzig

            Hallo Ulrich,

            meine Frage was man eigentlich selber getan hätte, zielt darauf dass es heute (seit 1945) sehr viele Dinge in der Welt gibt, an denen ein jeder von uns zeigen kann, dass er überhaupt die moralische Berechtigung über Andere zu urteilen. Wenn du diese moralische Größe hast, dann nur zu. Ich für meine Person habe diese moralische Größe nicht und urteile deswegen auch nicht über andere. Ich kann, brauche und will auch niemand verteidigen, nicht mal mich selber. Alles klar Ulrich??

            Tschü.....
            Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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            • Ulrich
              Forum-Teilnehmer
              • 30.01.2009
              • 280

              #306
              AW: Die Juden in Danzig

              Hi Antennenschreck,

              "Beweist ihr erstmal, dass ihr auch so tüchtig seid wie wir, die wir nach (!) dem Krieg mit unserer Hände Arbeit im Schweiße unseres Angesichts aus dem Nichts dieses wunderbare doitsche Wirtschaftswunder geschafft haben" - dann (und erst dann) könnt ihr (uns Altnazis) kritisieren".
              So tönte es in den späten sechziger Jahren. Alles klar, Antennenschreck?

              Übrigens auch ein klassischer Verteidigungstopos aus der antiken Gerichtsrhetorik, die Berechtigung einer Kritik durch Infragestellung der moralischen Größe des Gegners nieder zu machen.
              Vermutlich ist auch der Satz: "Ich will hier niemanden verteidigen" schlichtweg ein rhetorischer Kniff mit Bart, mit dem man geschickterweise eine Verteidigung einleitet.

              Arthur Schopenhauer hat sich mit der Nutzanwendung solcher Floskeln fürs tägliche Leben in seiner Rabulistik näher beschäftigt.

              Einen schönen Tag

              Ulrich

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              • Antennenschreck
                Forum-Teilnehmer
                • 05.09.2011
                • 1833

                #307
                AW: Die Juden in Danzig

                Nu gut Ulrich,

                wie schon gesagt, ich maße mir kein Urteil über dich an, habe aber kein Problem damit wenn du dir ein Urteil über mich bilden magst, nur zu. Da es diese Diskussion allerdings zu nichts führt ubd auch nur am Rand das Thema streift, bitte ich dich mich in Zukunft davor zu verschonen. Danke für dein Verständniss.

                Tschü......
                Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                • Ulrich 31
                  Forum-Teilnehmer
                  • 04.11.2011
                  • 8574

                  #308
                  AW: Die Juden in Danzig

                  Hallo SC,

                  ich komme erst jetzt auf Deine Frage in #225 zurück: "Gibt es in Danzig/Gdansk eigentlich auch 'Stolpersteine?!'"

                  Nach meiner Google-Recherche lautet die (unverbindliche) Antwort: nein. - Interessant ist aber, dass zu den Staaten, in denen außerhalb der Bundesrepublik Deutschland bisher Stolpersteine verlegt wurden, auch Polen gehört. Hierzu findet sich in der Wikipedia-Seite "Stolpersteine" (siehe > http://de.wikipedia.org/wiki/Stolpersteine#Polen ) dieser Hinweis:
                  "Polen
                  Im Oktober 2008 wurden die ersten polnischen Stolpersteine in Wroclaw verlegt. Im Juli 2010 folgte Słubice, im April 2014 Łódź. Die nächsten Verlegungen sind für Oktober 2014 geplant.[21]".
                  Die hier für Oktober 2014 angekündigten Verlegungen erfolgten nach den betr. Angaben am 13.10. in Gliwice/Gleiwitz (siehe > http://www.stolpersteine.eu/chronik/ ).

                  Interessant in diesem Zusammenhang ist weiter, dass im Web die in Berlin verlegten Stolpersteine für zwei jüdische, in Danzig geborene Schwestern zu finden sind: für Thekla Moeller (* 1878) und für Mathilde Moeller (* 1880). Siehe dazu > http://www.stolpersteine-berlin.de/de/biografie/1322 und > http://www.stolpersteine-berlin.de/de/biografie/1323 .

                  Zu Stolpersteinen finden sich in unserem Forum außerdem Beiträge im Thread "Jüdische Gemeinde Berlin" (siehe > http://www.forum.danzig.de/showthrea...=Stolpersteine ).

                  Viele Grüße
                  Ulrich

                  Kommentar

                  • Ulrich 31
                    Forum-Teilnehmer
                    • 04.11.2011
                    • 8574

                    #309
                    AW: Die Juden in Danzig

                    Nachtrag zu #308:

                    Dass in München bislang die Verlegung von Stolpersteinen verboten ist, habe ich aus diesem Artikel im heutigen "Tagesspiegel" erfahren:
                    http://www.tagesspiegel.de/themen/re.../10897112.html .

                    Kommentar

                    • Peter von Groddeck
                      Forum-Teilnehmer
                      • 11.02.2008
                      • 1517

                      #310
                      AW: Die Juden in Danzig

                      Hallo,
                      heute wurde in Warschau ein jüdisches Museum eröffnet.
                      Gruß Peter
                      Tue recht und scheue niemand.

                      Kommentar

                      • Christkind
                        Forum-Teilnehmer
                        • 10.02.2008
                        • 1568

                        #311
                        AW: Die Juden in Danzig

                        Stolpersteine - erstmals sah ich sie in Hamburg Eppendorf. Und ich muss sagen, dass ich mit sehr viel Bedacht und sinnend durch die Straßen ging, weil vor fast jedem Haus solche Steine auf die Menschen aufmerksam machten, die hier einmal wohnten und aus den Häusern verschwanden. Es kann keinen normalen Menschen unberührt lassen.Viele Steine brachten mich zum "Stolpern".Und deshalb fand ich diese Art von Erinnerung besser als riesige Denkmäler mit gewaltigen Steinmonumenten.
                        Schöne Grüße, Christa
                        Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                        (M. Gandhi)

                        Kommentar

                        • Wolfgang
                          Forumbetreiber
                          • 10.02.2008
                          • 11623

                          #312
                          AW: Die Juden in Danzig

                          Schönen guten Abend,

                          ich schließe das Thema. Es ist genug gesagt, gefaselt, zerredet, provoziert, recherchiert, fundiert geantwortet.

                          Dieses Thema zeigt beispielhaft und stellvertretend für viele andere Themen die Grenzen auf in denen sich viele von uns bewegen, Grenzen die ganz offensichtlicht und beschämend weder überschritten noch überwunden werden können.

                          Trotz allem: Es war ein wertvolles Thema, vielleicht zeigte es auch auf, was heute noch über Juden gewusst und gedacht wird. Insofern kann es als eine dokumentarische -wenn auch nicht repräsentative- Zeitaufnahme gewertet werden.

                          Was mich beschämt, irritiert, wütend aber auch hilflos macht, waren etliche Beiträge die unwidersprochen hingenommen wurden. Gut, es mag sein, dass es etlichen Teilnehmern zu mühsam war, in vorangegangenen Themen und Beiträgen zu lesen -ein Großteil der Beiträge hätte sich dann als überflüssig erwiesen-, aber es gibt unwidersprochene Aussagen und Behauptungen bei denen ich tausend Tode starb. So hieß es z.B. einmal "Obwohl manch ein Danziger Geschäftsmann nicht ganz unerfreulich über die Ausschaltung einer starken, geschäftstüchtigen, jüdischen Konkurrenz gewesen sein konnte, das ist doch heute auch nicht viel anders mit der lästigen Konkurrenz in der gewerblichen Wirtschaft."

                          WIE??? WAS???? Das damalige bereits zu Freistaatzeiten herrschende Terrorregime gegenüber Danziger jüdischen Miteinwohnern, die Enteignungen, die Morde, das Hineintreiben in Selbstmorde, das vollkommen rechtswidrige Agieren gegen Mitbürger jüdischen Glaubens, das Aberkennen jedweder Rechte, die Missachtung grundlegender Menschenrechte: All das wurde unwidersprochen gleichgesetzt mit der heutigen "lästigen Konkurrenz in der gewerblichen Wirtschaft". Pardon, NEIN, ich sage NICHT Pardon, auch das ist MENSCHENVERACHTEND, vielleicht unbewusst, nicht wissend, aber wer der Wissenden berief sich nicht darauf, dass alles Recht und Ordnung war und dass man nicht wusste.

                          Dieses Thema uferte aus, zerfaserte, wurde teils auch kaputt geredet. Es gab hervorragende Wortbeiträge, HERVORRAGENDE, ich hebe das hervor. Und was war? Sie wurden ignoriert, überlesen, missachtet.

                          Es hieß auch einmal "leider habe ich momentan nicht die Zeit das ganze Forum durchzusehen". Es war aber genug Zeit, mit Schnellschüssen Beiträge ins Forum zu setzen.

                          Pardon, NEIN, nicht schon wieder Pardon: Bei einem solchen Thema heißt es den Verstand einzuschalten, nachzudenken, zu recherchieren, Empathie zu empfinden bevor das Maul aufgetan wird.

                          Ich schließe das Thema. Aber ich sage auch, dass alle anderen SACHBEITRÄGE zum Thema "Juden in Danzig" jederzeit willkommen und gewünscht sind. Bitte macht in diesem Fall ein Thema mit AUSSAGEKRÄFTIGER Überschrift auf, sagt konkret worum es sich dreht oder was ihr wissen möchtet. Alle Antwortenden bitte ich, ganz konkret beim Thema zu bleiben, nicht abzuweichen.

                          Das Thema der jüdischen Miteinwohner in Danzig ist zu ernst und zu wichtig um im allgemeinen Blabla kaputt geredet zu werden und zu versinken.

                          Wolfgang
                          -Admin des Forums-
                          Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                          Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                          Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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