AW: Was war wirklich ?
Hallo leonid und alle anderen Forum-Mitglieder ,
ich finde auch wie joachimalfred , daß es ganz schöner Tobak ist , was hier komplex eingestellt wurde . In der jüngeren Vergangenheit habe ich mich - auch im Zusammenhang persönlicher Erlebnisse als damals 11-jähriger - mit den Abläufen im März/April 1945 auf Grund von diversen Veröffentlichungen und Darstellungen versucht , vertraut zu machen .
Mit den Daten der Eroberung Danzigs ist es nach meiner Meinung so , daß durch die Masse und den Druck der sowjetischen und polnischen Truppen der größte Teil Danzigs wirklich von der Linie Langfuhr - Oliva bis zur Linie Althof - Troyl in nur wenigen Tagen besetzt wurde . Als offizieller Termin wurde hier allgemein der 30.03.1945 genannt .
Ich habe in Heubude - im Keller des Hauses Dampfbootstraße 3 - am frühen Morgen des 01.April 1945 die ersten Sowjetsoldaten gesehen . Aus Büchern und Erzählungen früherer Bewohner weiß ich , daß nacheinander dann auch bis zum 03.04.1945 Krakau und Westlich-Neufähr besetzt wurden . Damit müßte der Termin der vollständigen Besetzung Danzigs eigentlich der 03.04.1945 sein .
Genau erinnere ich mich , als ein Sowjetsoldat vom Eingang laut in den Keller rief : "Doitsche raus" . Oben stand ein junger Sowjetsoldat lächelnd und hielt meinem Vater - er war nicht Soldat und der einzige Mann im Keller - eine Maschinenpistole vor die Brust mit der Bemerkung "Hände hoch" . Dies tat er sofort und er wurde blitzartig seine Armbanduhr , seinen Trauring und einen Reisewecker in der Manteltasche los . Auf der Hinterseite des Hauses standen grinsend eine Reihe von Sowjetsoldaten mit aufgepflanztem Bajonett .
Danach ging es für uns - alle Kellerinsassen - zu Fuß in Richtung Danzig aus dem unmittelbaren Kampfgebiet . Erster großer Haltepunkt war die ( notdürftig reparierte ) Breitenbachbrücke . Dort war ein Halt für alle Zivilisten . Der Grund war eine Rettungsaktion der Russen in der Weichsel . Wegen Vergewaltigung hatte sich eine Frau aus Heubude mit ihrer Tochter von der Brücke ( sie hatte kein Geländer mehr ) in die Weichsel gestürzt . Mit Booten , die rechts und links des Ufers standen , haben die Russen die Frau gerettet , die Tochter war offenbar ertrunken .
Auf der anderen Weichselseite - gegenüber dr Schule Althof - war die erste große Kontrolle aller deutschen Zivilisten . Alle Männer etwa von 14/15 bis 55/60 Jahren wurden sofort abgesondert und von den Angehörigen getrennt , es dauerte mehr als 3 Jahre , bis ich meinen Vater wiedersah . Dabei wurde ihm sofort sein Gepäck - er trug 2 Koffer mit unserer Kleidung - abgenommen und auf einen schon fast vollen LKW geladen .
Die Frauen und Kinder wurden von anderen Soldaten kontrolliert und hier ging es eigentlich nur um Schmuck und Wertgegenstände . Meine Mutter wurde ebenfalls ihren Trauring los und der offenbar enttäuschte Sowjetsoldat schüttete ihr Handtasche aus , aus der nur noch die Familienfotos und persönliche Unterlagen fielen . Als sie versuchte , diese aufzuheben , erhielt sie einen Fußtritt und wir mußten weitergehen .
Unter Begleitung ging es dann über Langgarten , Mlchkannengasse , Hopfengasse über Kuhbrücke und Hundegasse bis zum Karrenwall . Dort lagerten alle Zivilisten 3 Tage unter freiem Himmel .
Beim Weg durch die Stadt war festzustellen , daß die eigentliche Innenstadt fast vollständig zerstört war . Aus einigen Gebäuden - sie waren bereits vor einigen Tagen außerhalb des Kampfgebietes - schlugen Flammen , es kann sich nur um Brandstiftung gehandelt haben .
Viele Stadtteile - nach meiner Erinnerung besonders Langfuhr - waren teilweise fast unzerstört .
Der Hauptgrund für die Zerstörung der Innenstadt durch Bombardements und Artilleriebeschuß lag nach meiner Vermutung darin , daß hier sowohl Zivilisten als auch zurückgehende Wehrmachtsangehörige durch die Stadt mußten , da es nur die Brücken über die Mottlau und nur eine Brücke über die Weichsel - die Breitenbachbrücke - gab .
Eventuell stelle ich künftig einen Teil meiner Erinnerungen über meine Jugendzeit in Danzig bis zum Jahre 1946 , als ich meine Heimatstadt verlassen mußte , als Forumbeitrag ein .
Allen noch einn schönen Tag wünscht der Heubuder Rudi ( der morgen für einige Tage Urlaub auf Usedom macht ) .
Hallo leonid und alle anderen Forum-Mitglieder ,
ich finde auch wie joachimalfred , daß es ganz schöner Tobak ist , was hier komplex eingestellt wurde . In der jüngeren Vergangenheit habe ich mich - auch im Zusammenhang persönlicher Erlebnisse als damals 11-jähriger - mit den Abläufen im März/April 1945 auf Grund von diversen Veröffentlichungen und Darstellungen versucht , vertraut zu machen .
Mit den Daten der Eroberung Danzigs ist es nach meiner Meinung so , daß durch die Masse und den Druck der sowjetischen und polnischen Truppen der größte Teil Danzigs wirklich von der Linie Langfuhr - Oliva bis zur Linie Althof - Troyl in nur wenigen Tagen besetzt wurde . Als offizieller Termin wurde hier allgemein der 30.03.1945 genannt .
Ich habe in Heubude - im Keller des Hauses Dampfbootstraße 3 - am frühen Morgen des 01.April 1945 die ersten Sowjetsoldaten gesehen . Aus Büchern und Erzählungen früherer Bewohner weiß ich , daß nacheinander dann auch bis zum 03.04.1945 Krakau und Westlich-Neufähr besetzt wurden . Damit müßte der Termin der vollständigen Besetzung Danzigs eigentlich der 03.04.1945 sein .
Genau erinnere ich mich , als ein Sowjetsoldat vom Eingang laut in den Keller rief : "Doitsche raus" . Oben stand ein junger Sowjetsoldat lächelnd und hielt meinem Vater - er war nicht Soldat und der einzige Mann im Keller - eine Maschinenpistole vor die Brust mit der Bemerkung "Hände hoch" . Dies tat er sofort und er wurde blitzartig seine Armbanduhr , seinen Trauring und einen Reisewecker in der Manteltasche los . Auf der Hinterseite des Hauses standen grinsend eine Reihe von Sowjetsoldaten mit aufgepflanztem Bajonett .
Danach ging es für uns - alle Kellerinsassen - zu Fuß in Richtung Danzig aus dem unmittelbaren Kampfgebiet . Erster großer Haltepunkt war die ( notdürftig reparierte ) Breitenbachbrücke . Dort war ein Halt für alle Zivilisten . Der Grund war eine Rettungsaktion der Russen in der Weichsel . Wegen Vergewaltigung hatte sich eine Frau aus Heubude mit ihrer Tochter von der Brücke ( sie hatte kein Geländer mehr ) in die Weichsel gestürzt . Mit Booten , die rechts und links des Ufers standen , haben die Russen die Frau gerettet , die Tochter war offenbar ertrunken .
Auf der anderen Weichselseite - gegenüber dr Schule Althof - war die erste große Kontrolle aller deutschen Zivilisten . Alle Männer etwa von 14/15 bis 55/60 Jahren wurden sofort abgesondert und von den Angehörigen getrennt , es dauerte mehr als 3 Jahre , bis ich meinen Vater wiedersah . Dabei wurde ihm sofort sein Gepäck - er trug 2 Koffer mit unserer Kleidung - abgenommen und auf einen schon fast vollen LKW geladen .
Die Frauen und Kinder wurden von anderen Soldaten kontrolliert und hier ging es eigentlich nur um Schmuck und Wertgegenstände . Meine Mutter wurde ebenfalls ihren Trauring los und der offenbar enttäuschte Sowjetsoldat schüttete ihr Handtasche aus , aus der nur noch die Familienfotos und persönliche Unterlagen fielen . Als sie versuchte , diese aufzuheben , erhielt sie einen Fußtritt und wir mußten weitergehen .
Unter Begleitung ging es dann über Langgarten , Mlchkannengasse , Hopfengasse über Kuhbrücke und Hundegasse bis zum Karrenwall . Dort lagerten alle Zivilisten 3 Tage unter freiem Himmel .
Beim Weg durch die Stadt war festzustellen , daß die eigentliche Innenstadt fast vollständig zerstört war . Aus einigen Gebäuden - sie waren bereits vor einigen Tagen außerhalb des Kampfgebietes - schlugen Flammen , es kann sich nur um Brandstiftung gehandelt haben .
Viele Stadtteile - nach meiner Erinnerung besonders Langfuhr - waren teilweise fast unzerstört .
Der Hauptgrund für die Zerstörung der Innenstadt durch Bombardements und Artilleriebeschuß lag nach meiner Vermutung darin , daß hier sowohl Zivilisten als auch zurückgehende Wehrmachtsangehörige durch die Stadt mußten , da es nur die Brücken über die Mottlau und nur eine Brücke über die Weichsel - die Breitenbachbrücke - gab .
Eventuell stelle ich künftig einen Teil meiner Erinnerungen über meine Jugendzeit in Danzig bis zum Jahre 1946 , als ich meine Heimatstadt verlassen mußte , als Forumbeitrag ein .
Allen noch einn schönen Tag wünscht der Heubuder Rudi ( der morgen für einige Tage Urlaub auf Usedom macht ) .
, ehrlich.
Michael
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