Marienkult in Danzig?

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  • waldkind
    Forum-Teilnehmer
    • 06.10.2008
    • 2366

    #1

    Marienkult in Danzig?

    Hallo Ihr Lieben,
    mich interessiert was die Danziger (ich nehme mal an nur die Katholischen) für eine Beziehung zur "Jungfrau Maria" bzw. zur "Heiligen Mutter Gottes" haben/hatten. Gab es einen besonderen Marienkult dort? Wenn ja, wie gestaltete sich dieser? Für Antworten hierauf bin ich dankbar, weil wichtig. Liebe Grüße, Miriam.
    Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.
  • Hans-Joerg +, Ehrenmitglied
    Forum-Teilnehmer
    • 10.02.2008
    • 5206

    #2
    Marienkult in Danzig

    http://books.google.de/books?id=CfGDwJIXGqAC&pg=PA383&lpg=PA383&dq=Marien kult+in+Danzig&source=bl&ots=VZWoAfxl2F&sig=TTnPjk MtB6tl2Nnqa1TQBGAiqdE&hl=de&ei=JAcTSryCNYuxsgaVsoC ADg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=5


    Hallo Miriam
    Diesen Link habe ich bei google unter "Marienkult in Danzig" gefunden....

    Viele Grüße
    Hans-Jörg

    Kommentar

    • Anonymus

      #3
      Marienkult!

      Zitat von Miriam Weeke
      Hallo Ihr Lieben,
      mich interessiert was die Danziger (ich nehme mal an nur die Katholischen) für eine Beziehung zur "Jungfrau Maria" bzw. zur "Heiligen Mutter Gottes" haben/hatten. Gab es einen besonderen Marienkult dort? Wenn ja, wie gestaltete sich dieser? Für Antworten hierauf bin ich dankbar, weil wichtig. Liebe Grüße, Miriam.
      Hallo Miriam,

      selbst bin ich in Danzig-Ohra evangelisch getauft worden, daher ist mir von einem Marienkult in Danzig wenig bekannt. Aber eventuell koenntest Du aus dem nachfolgenden Beitrag einige Schluesse zum Marienkult in Alt-Danzig ziehen.

      <===Anfang===>

      Im 14. Jahrhundert wurde die Stadt von einem Deutschen Orden besetzt. Lange und verbittert kämpften die Danziger um die Befreiung ihrer Stadt von der Herrschaft des Deutschen Ordens. Seit dem Jahre 1361 erlebte Danzig, als Mitglied des Hanseatischen Städtebundes, das Goldene Zeitalter. Die Hanse, oder der Hanseatische Städtebund, war eine Konföderation mehrerer Städte und Gemeinden - gegründet, um gemeinsame Handelsunternehmen auf dem Land und auf See zu betreiben, die Interessen der Kaufleute zu schützen und gegen die Piraten und Seeräuber zu kämpfen.

      Dank der guten Lokalisierung zwischen Krakau und dem Ostsee entwickelte sich Danzig sehr schnell zur größten und mächtigsten Stadt im ganzen Ostseeraum. Von hier aus wurde Getreide und Holz in die anderen Städte transportiert. Danzig wurde ein bedeutendes Wirtschafts-, Kunst-, und Kulturzentrum in Europa. Nach der militärischen Niederlage des Deutschen Ordens stellte sich Danzig auf die Seite des polnischen Königs. Die Stadt wurde mit zahlreichen ökonomischen Privilegien und mit einer weitgehenden politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Autonomie beschenkt.

      In diesen Jahren stieg die Zuwanderung der Ausländer – vor allem der Kaufleute und Emigranten, die sich hier vor den verschiedenen religiösen Dissidenten geschützt haben. Die Stadt kämpfte verbittert um ihre Religionsfreiheit, die schließlich auch erkämpft wurde. Seit dieser Zeit wird Danzig, als eine tolerante Stadt für Andersgläubige genannt. Es kamen beispielsweise nach Danzig zahlreiche Mennoniten. Das Goldene Zeitalter dauerte in Danzig bis zum Ende des 17. Jahrhunderts.

      Im Jahre 1793 nahm der Staat Preußen Danzig schließlich in Besitz. Unter der Herrschaft der Preußen war Danzig über 100 Jahre, ausgenommen einer kleinen Pause während des Napoleonischen Krieges. In den Jahren 1807-1815 wurde die Stadt erheblich zerstört und von den Franzosen eingenommen. Danzig erhält seinen Status als Freistadt Danzig mit den eigenen Rechten.

      Im 19. Jahrhundert kam es in Danzig zu bedeutenden Veränderungen. Zwar entwickelte sich die Stadt rasant, aber wurde auch germanisiert. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand aufgrund des Versailler Vertrags die Freistadt Danzig unter der Aufsicht des Völkersbundes.

      Die 30er Jahre brachten Danzig einen beeindruckenden Aufstieg aber auch den Terror des Faschismus. Die Geschichte Danzigs spiegeln auf vielerlei Weise die Bücher von Günter Grass, vor allem der bekannteste Roman „Die Blechtrommel“.

      Quelle: StayPoland

      <===Ende===>

      Viele Gruesse
      Ohrscher Siegfried

      Kommentar

      • waldkind
        Forum-Teilnehmer
        • 06.10.2008
        • 2366

        #4
        Marienkult

        Hallo Hans-Joerg, hallo Siegfried,
        danke für die Antworten. Da habe ich in den nächsten Tagen etwas zu brüten. Es gab wohl viele Marienfeste in Danzig. Was mich gewundert hat ist, dass die Lutheraner die Marienfeste der Katholiken beibehielten. Das hätte ich nicht gedacht.
        Der Deutsche Orden nannte sich auf lateinisch: Ordo domus Sanctae Mariae Theutonicorum". Da haben wir Maria also von Anfang an mit dabei. Sie begannen eine Brüderschaft in einem Haus mit Marienkapelle und offensichtlich nannten sich ihre Sitze Marienburg.
        Der Groschen fällt in Pfennigen, aber er fällt. Gute Nacht bis morgen. Miriam.
        Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

        Kommentar

        • Peter von Groddeck
          Forum-Teilnehmer
          • 11.02.2008
          • 1517

          #5
          Immerhin haben die Lutheraner den Namen Marienkirche beibehalten. Sie wurde auch zeitweise von Lutheranern und Katholiken gleichzeitig genutz.
          Gruß Peter
          Tue recht und scheue niemand.

          Kommentar

          • Christkind
            Forum-Teilnehmer
            • 10.02.2008
            • 1568

            #6
            Zitat von Miriam Weeke
            Was mich gewundert hat ist, dass die Lutheraner die Marienfeste der Katholiken beibehielten. Das hätte ich nicht gedacht.


            Mir ist nicht ganz klar, was du unter "Kult" verstehst, Miriam.
            Marienverehrung ist seit eh und je bei Katholken üblich. Mehr oder weniger intensiv.Und der Katholizismus war nun länger in Danzig verbreitet als das Lutheranertum.
            Da sind auch viele Bräuche weitergeführt worden, die sich auf die Gottesmutter beziehen.Besonders auch im Monat Mai.
            Es gab auch die Jungfrauenkongregation, in die junge Mädchen eintreten konnten, wenn ihnen Maria besonders viel bedeutete.
            Aber kultische Handlungen waren es nicht.
            ____
            Gruß von Christa
            Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
            (M. Gandhi)

            Kommentar

            • waldkind
              Forum-Teilnehmer
              • 06.10.2008
              • 2366

              #7
              Marienverehrung

              Hallo Christkind,
              unter Kult verstehe ich eine geregelte Form von Verehrung einer göttlichen oder heiligen Figur. In den Gegenden, wo Maria eine zentrale Bedeutung hat, ist es oftmals so, dass es eine Menge Riten gibt, die der "Jungfrau" huldigen sollen, aufgestellte Ikonen, Statuen, Altäre, Prozessionen, besondere Marienlieder, Mariengebete, Kapellen, Kirchen, Glocken, usw.. Also was ich wissen möchte, ist, ob es in Danzig spezielle Marienbräuche gab oder einen speziellen Marienglauben, wie etwa (das reime ich mir jetzt hypothetisch zusammen) ein Glaube, Maria könnte alle Sünder von ihrer Schuld befreien, oder sie könne bei Gott besondere Gnade bewirken, oder Ähnliches.
              Du schreibst, es gab die "Jungfrauenkongregation". Das interessiert mich, was das ist. Es konnten da also junge Mädchen eintreten, wenn Maria ihnen besonders viel bedeutete. Jetzt frage ich mich, wie alt waren diese Mädchen und wie kam es, dass Maria ihnen viel bedeutete. Was symbolisierte Maria den Mädchen? Welche Beziehung hatten diese Mädchen zu Maria. Und was machten die Mädchen in der Kongregation? Rosenkranz beten?
              Das wäre schön, wenn du mir etwas darüber erzählen würdest oder wenn du wüsstest, wo ich an Informationen komme.
              Liebe Grüße Miriam
              Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

              Kommentar

              • waldkind
                Forum-Teilnehmer
                • 06.10.2008
                • 2366

                #8
                Marienkirche

                Zitat von Peter von Groddeck
                Immerhin haben die Lutheraner den Namen Marienkirche beibehalten. Sie wurde auch zeitweise von Lutheranern und Katholiken gleichzeitig genutz.
                Gruß Peter
                Hallo Peter,
                da musste ich mich erst mal ein bisschen einlesen in die Marienkirche. Als Landschaftsplanerin bin ich zunächst von der Größe und Bauart dieser Kirche überwältigt. Die größte Backsteinkirche der Welt! Ich mag Backsteinbauten. Die Kirche wurde also unter dem Deutschen Orden gegründet, der sich Maria auf die Fahne geschrieben hatte, dann wurden einige hübsche Wandmalereien von den Reformern übertünscht und sie hielten dort neben den Katholiken ihre Feiern (Messen, Versammlungen?). Später war die Kirche dann lutherisch bis 1945. Ab dann wieder katholisch.

                Bei der Gelegenheit fand ich den ursprünglichen Namen des Deutschen Ordens in seiner gesamten Länge: Orden der Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem, lateinisch Ordo fratrum domus Sanctae Mariae Theutonicorum Ierosolimitanorum.

                Dass Maria auch Glocken verehrt bekam, war nur eine Idee von mir. Aber nun bin ich eines Besseren belehrt. Die kleine Glocke der Marienkirche heißt "Ave Maria". Sei gegrüßt Maria läutet es also seit Jahrhunderten in Danzig.

                Ja da wir noch Mai haben und ich Backsteinbauten liebe, könnte ich vielleicht ein kleines Bild malen von der Kirche. Mal ne andere Art mich auseinaner zu setzen mit Danzig.

                Trotz und allem bleibt mir die Frage: Warum denn haben die Lutheraner den Namen Sankt Marien beibehalten? Ich meine die Lutheraner sind ja von Natur aus nicht die geborenen Marienverehrer, oder doch? Für Hinweise jeglicher Art bin ich dankbar. Liebe Grüße, Miriam.
                Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

                Kommentar

                • Christkind
                  Forum-Teilnehmer
                  • 10.02.2008
                  • 1568

                  #9
                  Zitat von Miriam Weeke
                  Hallo Christkind,

                  Das wäre schön, wenn du mir etwas darüber erzählen würdest oder wenn du wüsstest, wo ich an Informationen komme.
                  Liebe Grüße Miriam
                  Nun habe ich eine Weile überlegt:Soll ich oder soll ich nicht.
                  Nämlich dieses religiöse Thema weiterführen.
                  Aber einerseits hat jeder die Möglichkeit, sich zu entscheiden, ob er lesen will oder nicht.
                  Andererseits sind persönliche Nachrichten für mich total sinnlos, denn dann könnte ich gleich zum Telefonhörer greifen.
                  Und schließlich- welcher Sänger singt hinter einem geschlossenen Vorhang. Na nich?
                  Ich kenne Bitten, Litaneien, Rosenkranzgebet,Maiandachten,Lieder zur Marienverehrung.
                  Am schönsten fand ich immer die Lieder, in denen sie gepriesen wird.
                  Maria, Maienkönigin
                  Stimmt an nun frohe Lieder
                  Maria zu lieben
                  Rosenkranzkönigin
                  Alle Tage sing und sage
                  Gegrüßet seist du, Königin
                  Es blüht der Blumen eine
                  u.s.w
                  Das bekannteste ist sicher:
                  Maria, breit den Mantel aus


                  Mir ging es zu Lebzeiten meiner Mutter nicht anders als heutzutage vielen Kindern.Damals nicht interessiert,und jetzt, wo die vielen Fragen kommen, da kommt das Schmunzeln aus dem Jenseits: Siehste, hättste mal besser zugehört.
                  Der Jungfrauenkongregation muss meine Mutter noch in Dirschau angehört haben.Sie wollte auch mal ins Kloster gehen, da könnte der Eintritt in die Kongregation auch möglicherweise eine Vorstufe gewesen sein.
                  Zumindest hat sie sich dann aber doch nicht dazu entschlossen. Wahrscheinlich auch besser für mich!
                  Die Frömmigkeit war ein lebenslanger Anker für meine Mutter.
                  Dadurch hatte sie immer die Kraft, alle Widrigkeiten zu ertragen. Abends vor dem Einschlafen wurde gebetet. Knieend vor dem Bett. Ein "Gegrüßet seist du Maria" war immer dabei.
                  So hielt sie Fürsprache mit der Mutter aller Mütter, nämlich Maria.
                  Maria war die Reine, die Mütterliche, die Treue.
                  Und so wurde auch für sie der Satz "Maria hat geholfen" oft Wahrheit.-
                  Warum die Marienkirche nicht "umgetauft" wurde, würde mich auch mal interessieren. Kam das überhaupt mal vor nach der Refornation?

                  ______
                  Gruß von Christa
                  Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                  (M. Gandhi)

                  Kommentar

                  • waldkind
                    Forum-Teilnehmer
                    • 06.10.2008
                    • 2366

                    #10
                    Maria in Danzig

                    Liebe Christa,
                    warum sollte man in einem Danzig-Forum nicht über Maria sprechen, wenn sie in Danzig eine wichtige Rolle einnahm? Über religiöse Themen zu sprechen bedeutet ja nicht automatisch für oder gegen etwas zu sein. Du hast mir mit deinem Beitrag sehr geholfen. Ich konnte mich nämlich, angeregt durch ein Bild der Maria aus der Marienkirche, das Ohrscher in einem Beitrag angehängt hatte, plötzlich daran erinnern, das meine Mutter ein Marienbild über der Wohnzimmertüre zu hängen hatte, dass der Figur der Danziger Mareinkirche (in meiner Erinnerung) ähnelte. Vielleicht war sie es sogar. Jedenfalls schien dieses Marienbild für Mamachen eine Brücke zu ihrer Heimat gewesen zu sein. Auch sonst besuchte Mutter alle Marienbilder und Statuen, die es im Umkreis gab. Deswegen kam ich auf meine Frage, was Maria in Danzig für eine Rolle spielte. Deine persönlichen Erfahrungen sagen mir da viel. Ich erinnere mich jetzt, das das Lied "Maria breit den Mantel aus" ein wichtiges Lied für meine Mutter war. Da habe ich mal den Text gesucht im Internet:

                    Maria, breit den Mantel aus,
                    mach Schirm und Schild für uns daraus;
                    lass uns darunter sicher stehn,
                    bis alle Stürm vorüber gehn.
                    Patronin voller Güte,
                    uns allezeit behüte.

                    Dein Mantel ist sehr weit und breit,
                    er deckt die ganze Christenheit,
                    er deckt die weite, breite Welt,
                    ist aller Zuflucht und Gezelt.
                    Patronin voller Güte,
                    uns allezeit behüte !

                    Maria, hilf der Christenheit,
                    zeig deine Hilf uns allezeit;
                    mit deiner Gnade bei uns bleib,
                    bewahre uns an Seel und Leib !
                    Patronin voller Güte,
                    uns allezeit behüte !

                    Von „http://de.wikipedia.org/wiki/Maria,_...den_Mantel_aus

                    Die Melodie fällt mir auch sofort dazu ein.
                    Auf diese Weise rückt mir mein Mamachen wieder ein Stück näher. Als Kind habe ich mich einfach nur gewundert, warum sie behauptete, das Bild, vor dem sie Blumen stellte, sei die Jungfrau Maria....usw. Also ich hatte keine Jungfrau gesehen, sondern ein Bild. Was du bei deiner Mutter als "Anker" beschreibst, das war es wohl auch für meine Mutter. Und ich verstehe, dass sie diesen Anker brauchte, um zu überleben (was immerhin eine Weile klappte).
                    Die Kongregation hatte sicher mit dem Kloster zu tun. Da hast du ja noch mal Glück gehabt Christa, dass deine Mutter nicht ins Kloster ging, und ich auch, sonst könntest du jetzt nicht mit mir reden hier. Dabei stellt sich für mich natürlich gleich die Frage:

                    Welche Klöster gibt es heute in Danzig?
                    und da werde ich heute mal nachschauen, ob ich etwas dazu finde. Also noch mal vielen Dank Christa, du hast mir sehr geholfen. Miriam
                    Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

                    Kommentar

                    • J.Langfuhr
                      Forum-Teilnehmer
                      • 11.02.2008
                      • 145

                      #11
                      [quote=J.Langfuhr;19447]
                      Zitat von Miriam Weeke
                      Liebe Christa,
                      warum sollte man in einem Danzig-Forum nicht über Maria sprechen, wenn sie in Danzig eine wichtige Rolle einnahm? Über religiöse Themen zu sprechen bedeutet ja nicht automatisch für oder gegen etwas zu sein. ]
                      Das Marienthema ist ja auch ein Thema des kulturellen Erbes. In den romanischen Ländern ist das nicht zu übersehen. In den nordischen, protestantischen Ländern fällt dagegen die Abwesenheit der Marienkulte auf, die sich aus der protestantischen Tradition erklärt.

                      Die großen Kathedralen in Frankreich sind "Notre Dame" gewidmet. Wenn man sie auf der Karte verbindet, ergibt sich das Sternbild der Jungfrau. Es gibt Auffassungen, dass die Kathedralen an den Orten keltischer Kultstätten erbaut wurden. Das waren Baumgruppen, Haine, mit einem Brunnen und einer Statue einer Muttergottheit. (Die Kelten kannten das Matriarchat, also die Vorherrschaft der Frauen.) Diese Statuen sollen zum Teil erhalten sein. Sie werden als "Schwarze Madonnen" verehrt so z.B. in Chartres, aber auch in West- und besonders Südfrankreich. In Chartres ist im Chor unter dem Hauptaltar beim Verlegen einer Heißluftheizung ein Brunnen gefunden worden.

                      Da die Kelten in ganz Europa verbreitet waren, bevor sie an den Westen Europas gedrängt wurden, sind die Überreste der Frauenverehrung überall zu finden, in den westlichen und südlichen Rückzugsgebieten häufiger. Das Christentum hat dann schon früh vorhandene kulturelle Traditionen, hier keltische, übernommen und auch in inzwischen nichtkeltische Gebiete zurück transportiert.

                      Mich würde interessieren, bis wann der Marienkult in Danzig zurückverfolgt werden kann. Auf jeden Fall natürlich bis in vorreformatorische Zeit. Hat es nach der Zerstörung Danzigs 1945 archeologische Forschungen in der Marienkirche gegeben? Auch wüsste ich gerne, warum die polnische Kultur, die doch sicherlich nichtkeltischen Ursprungs ist, eine so starke
                      Marienverehrung kennt.

                      J. Langfuhr

                      Kommentar

                      • Christkind
                        Forum-Teilnehmer
                        • 10.02.2008
                        • 1568

                        #12
                        Zitat von Miriam Weeke
                        warum sollte man in einem Danzig-Forum nicht über Maria sprechen, wenn sie in Danzig eine wichtige Rolle einnahm?

                        Ich weiß auch nicht .... aber Religion weckt nun mal Emotionen.....
                        Die Schöne Madonna aus der Marienkirche ist für alle Danziger, egal, welcher Religion, ein vertrautes und geliebtes Symbol geblieben. Sage ich mal so.
                        Miriam, durch deine Fragen werde ich zum Nachdenken gezwungen.
                        So kann es aus folgendem Grund auch nicht sein, dass meine Mutter in dieser Kongregation in Dirschau war, sondern sicher in Duisburg.
                        Meine Mutter ist 1900 in Grabowitz, Kr.Preußisch Stargard geboren. Ihre Eltern hatten ein kleines Gehöft mit Schwein, Kuh, Pferd und etwas Land.Das Leben muss sehr schwierig gewesen sein.Ging ein Tier ein durch eine Seuche, bedeutete dies Not im Winter.
                        Anfang des 1. Weltkrieges verkauften die Großeltern alles und gingen nach Duisburg, um dort besser leben zu können.Hmmm. Vom Land in die Großstadt,Arbeit am Fließband in der Rüstungsindustrie.Ich kann verstehen, dass nach einiger Zeit das Heimweh immer größer wurde, und sie wieder zurückkehrten.Aber nicht mehr nach Grabowitz, sondern nach Dirschau.Da war meine Mutter schon 19 oder 20 und ging in Stellung nach Pelplin.Später nach Danzig.
                        Da war sie dann sicher schon zu alt für die Jungfrauenkongregation.-

                        Zweimal war ich nun schon in Grabowitz.Ich habe mir den Weg angesehen, den meine Mutter täglich zu Fuß zurücklegen musste, um in die Schule in Bobau zu kommen.Vom ersten Schultag an.Im Winter durch die tiefsten Schneewehen.Und an einer Stelle, ja, da hatten die Väter einem Lehrer aufgelauert, um ihn zu verprügeln.Weil sie nicht mehr zusehen wollten, wie der die Schüler mit dem Rohrstock traktierte.Diese Aktion hat mir als Kind imponiert.:surprised:
                        Dort konnte ich dann einige Stückchen aus meiner Erinnerung an die Kindheit meiner Mutter mit Farbe unterlegen und zusammenfügen.
                        Soweit,liebe Miriam.
                        Von den Klöstern steht sicher etwas im Curicke zu lesen. Aber dafür habe ich in diesen Tagen keine Zeit.
                        Gruß von Christa
                        Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                        (M. Gandhi)

                        Kommentar

                        • waldkind
                          Forum-Teilnehmer
                          • 06.10.2008
                          • 2366

                          #13
                          Hallo J.Langfuhr,
                          danke für deine Ausführungen über das keltische Matriarchat. Da ich auch eine Art "keltische Hexe" bin, denke ich gerne darüber nach, bei Gelegenheit.

                          Eine Marienverehrung wird es in Danzig auf alle Fälle seit der Herrschaft durch den Deutschen Orden in Danzig gegeben haben. Da Kreuzritter es sich auf die Fahne geschrieben haben die Heiden zu bekehren, werden sie es mit ritterlicher Gründlichkeit getan haben. Ich vermute mal, dass es zu jener Zei eine Überlebensnotwendigkeit gewesen sein mag für die Bevölkerung an die Jungfrau Maria in besonderem Maße zu glauben. Auf alle Fälle schien Maria für den Orden eine zentrale Rolle zu spielen, weil sie die "Heilige Maria" in ihrem Gründungsnamen tragen.

                          Was davor war mit Maria in Danzig, das weiß ich noch nicht.
                          LG von Miriam
                          Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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                          • waldkind
                            Forum-Teilnehmer
                            • 06.10.2008
                            • 2366

                            #14
                            Klöster in Danzig

                            Ich bin einmal der spannenden Frage nachgegangen, welche Klöster es in Danzig gibt oder gab. Bisher fand ich das Zisterzienserkloster in Oliva und das Franziskanerkloster in Danzig. Zum letzteren habe ich etwas gelesen.

                            1419 ließen sich die Franziskaner in Danzig nieder und bauten mit Unterstützung des Deutschen Ordens ihr Kloster. Als 1480 Danzig an Polen ging, sollte das Kloster umgebaut werden. Es entstanden 1480-1484 die St-Anna-Kirche und 1481 die Hlg-Dreifaltigkeits-Kirche. Das Kloster blieb bis 1555 Besitz der Franziskaner, ging dann an den protestantischen Stadtrat, der ein akademisches Gymnasium dort einrichtete. Im 2.Weltkrieg wurde das Presbyterium zerstört, zum Teil auch die Hlg.Dreifaltigkeit-Kirche und St.-Anna-Kirche. Ab 1945 wurden die Kirchen unter den Franziskanern durch staatliche Geldmittel und Unterstützung der katholischen Bevölkerung wieder aufgebaut. Details findet ihr unter diesem Link:


                            Meine Frage ist: Unterstehen diese Kirchen immer noch der Franziskaner-Leitung? Das ist mir noch nicht klar. Vielleicht habe ich nicht gut genug gelesen. LG Miriam
                            Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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                            • waldkind
                              Forum-Teilnehmer
                              • 06.10.2008
                              • 2366

                              #15
                              slawische Muttergottheiten

                              Hallo J.Langfuhr,
                              ich bin der Frage nachgegangen wie sich eine starke Marienverehrung in Danzig bzw Polen erklären lässt unter Berücksichtigung deiner Ausführungen.

                              Also zunächst, es gibt so etwas wie einen Mutterarchätyp mit ganz bestimmten Eigenschaften wie Schutz, Güte, Mystik etc. Den finden wir sozusagen in allen Religionen und ist auch ein Aspekt in der Psychologie.
                              Im Katholizismus haben wir seit dem Konzil von Ephesus (Anfang 5.JH.?) die Gottesmutterschaft dogmatisiert. Im Grunde brauchte die katholische Kirche immer nur auf die vorherigen Religionen zurück zu greifen. Dies gilt dann wohl auch für Danzig und Polen. Ich bin glatt erstaunt wie viele weibliche Gottheiten es in den slawischen Überzeugungen gab. Das lässt sich hier gut nachlesen.


                              Meine persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen sagen mir, dass gerade die sehr männlich geprägten Gesellschaften (gemeint ist hier Macht, Kampf und Krieg) eine Idealisierung von Muttergottheiten hervorbingen. Mit gutem Gruß für ein schönes Wochenende, Miriam.
                              Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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