Die Deutschen nach 1945 in Danzig

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  • Regina, +19.11.2023
    Forum-Teilnehmer
    • 15.02.2008
    • 235

    #61
    Danziger und Kaschuben

    Hallo Michael,
    Danziger und Kaschuben ist etwas ganz anderes.Ich glaube nicht, dass vor dem Krieg in Danzig viele Kaschuben wohnten, auch jetzt nicht.
    Das die evangelischen Kaschuben nach Deutschland durften und die katholischen hier bleiben konnten stimmt nach meiner Meinung nicht. In meiner Familie gibt es keine Kaschuben und wir sind evangelisch und trotzdem sind wir leider hier geblieben. Die Kaschuben wurden nicht rausgeschmissen weil die polnisch sprachen. Sie wohnen in ihrer schoenen Kaschubei, haben ausser der polnischen Sprache noch ihre kaschubische
    Sprache, kaszubischen Schulen, Traditionen, eigenen Ehrgeiz und bald werden sie auch ein eigenes Fernsehen haben.
    Waehrend des Krieges sind viele Kaschuben eingezogen worden und nach dem Krieg, wenn es jemanden hier nicht mehr gefallen hat konnte er sich um eine Einwanderung nach Deutschland bemuehen und dann sind sie mit ganzen Familien dahin gefahren. Aber das war nur eine Zeit lang. Spaeter
    reichte es nicht nur bei der Wehrmacht gewesen zu sein, man musste noch beweisen, dass man eine deutsche Abstammung hat. Ich habe eine
    Bekannte Kaschubin. Ihre Familie hatte vor dem Krieg eine Gaensezucht in der Naehe von Karthaus. Sie sagte, dass sie vor dem Krieg Polen waren, ab dem Krieg Deutsche, nach dem Krieg wieder Polen. Die ganze Zeit lang hatten sie die Gaense und es ist ihnen immer gut gegangen. Nur wie die Russen reinkamen haben sie alles aufgegessen (ich wollte hier ein anders Wort schreiben) aber die sind bald Richung Westen weitergegangen.
    Herzliche Gruesse
    Regina

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    • Peter von Groddeck
      Forum-Teilnehmer
      • 11.02.2008
      • 1517

      #62
      Zitat von Peter von Groddeck
      Zarin Katharina II. war Tochter eines preußischen Gouverneurs,
      Hallo Miriam,
      Zarin Katharina II war geb. Prinzessin Spohie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst. Das Herzogtum Anhalt gehörte nicht zu Preußen.
      Gruß Peter
      Zuletzt ge
      Tue recht und scheue niemand.

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      • Peter von Groddeck
        Forum-Teilnehmer
        • 11.02.2008
        • 1517

        #63
        Nun hat das mit dem Zitieren wieder nicht geklappt
        Tue recht und scheue niemand.

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        • wenzkauer
          Forum-Teilnehmer
          • 26.10.2008
          • 203

          #64
          Hallo Regina,

          Danke für Deine Antwort. Bei meinen Besuchen als Kind in den 60-er und 70-er Jahren in Zoppot ( Bieschkes) blieb sehr vieles in meinem Gedächtnis, weil sie alle deutsch sprachen. Die andere Seite der Familie - die Kaschuben in Wenzkau (Gdanietz) - sprachen nur polnisch und das verstand ich nicht. Somit fehlt mir heute vieles, um es in den Zusammenhang zu bringen. Mit den noch lebenden Anverwandten in Wenzkau kann ich mich leider nicht verständigen, aber mit den in Zoppot Lebenden habe ich regelmäßigen Kontakt.
          Es ist ziemlich problematisch, in diesen gemischten Familien die Geschichte einigermaßen zu verstehen.

          Liebe Grüße an die andere Seite der Ostsee,
          Michael

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          • waldkind
            Forum-Teilnehmer
            • 06.10.2008
            • 2366

            #65
            Zitat von Peter von Groddeck
            Hallo Miriam,
            Zarin Katharina II war geb. Prinzessin Spohie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst. Das Herzogtum Anhalt gehörte nicht zu Preußen.
            Gruß Peter
            Hallo Peter,
            ich sagte ja nicht Sophie Auguste Friederike sei preußische Prinzessin gewesen, sondern "Zarin Katharina II. war Tochter eines preußischen Gouverneurs", hätte gerne geschrieben: Tochter des Fürsten Christian August von Anhalt-Zerbst. Führt nur bissl weit weg vom Thema, dachte ich. Der Fürst war königlich-preußischer Generalfeldmarschall unter Friedrich II., vorher preußischer Gouverneur von Stettin. In Stettin muss dann wohl ein königlich-preußisches Regiment gestanden haben. Bin aber keine Militärfachfrau. Miriam
            Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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            • Peter von Groddeck
              Forum-Teilnehmer
              • 11.02.2008
              • 1517

              #66
              Hallo Miriam,
              danke für diese Informationen.
              Gruß Peter
              Tue recht und scheue niemand.

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              • Heinzhst
                Forum-Teilnehmer
                • 10.02.2008
                • 450

                #67
                Zitat von wenzkauer
                Konntet Ihr Deutschen Euch treffen, Kontakte halten oder war das alles verboten ???Die Familie wohnte in der Georgstraße 13 ( liegt die in Oliva ???).

                Viele Grüße von Michael
                Hallo Michael, die Georgstraße ist in Oliva.

                Ein öffenliches deutsches Leben gab es nach der Besetzung nicht.
                Also keine deutsche Schulen, Presse, kulturelle Veranstaltungen oder deutsche Andachten in der Kirche.

                Privat haben wir untereinander Kontakt gehalten. Wir haben uns gegenseitig besucht, plachandert und deutsche Bücher ausgetauscht.

                Anfang der 50-ziger Jahre gab es auch wieder deutsche Fime in den Kinos.
                Zu erst DDR-Filme und später aus Österreich und der BRD. Die Filme waren im Originalton mit polnischen Untertiteln, die haben wir dann fleißig besucht.

                Viele Grüße, Heinz
                Ich glaube nur das,was ich gesehen und erlebt habe.
                A.G.

                Kommentar

                • Heinzhst
                  Forum-Teilnehmer
                  • 10.02.2008
                  • 450

                  #68
                  Hallo Miriam, du bekamst ja schon einige Antworten auf deine Fragen.

                  Ich möchte hier noch zum Thema Schule antworten.
                  Wir deutsche Kinder wurden sprichwörtlich ins"kalte Wasser" geworfen.
                  Wir waren dann ca. vier bis sechs deutsche kinder unter dreißig oder vierzig
                  polnische in der Klasse. Die Lehrer waren Polen und unterrichteten in polnischer Sprache.
                  Wir saßen einfach da und haben auf die Pause oder das Unterrichtsende gewartet.
                  Langsam lernte man dann die Sprache und konnte am Unterricht teilnehmen.
                  Die Lehrer verhielten sich unterschiedlich uns gegenüber. Die meisten neutral, einige feindlich und andere waren uns behilflich.

                  Für meinen ersten polnisch gesprochenen Satz bekam ich ein kräftige Ohrfeige- es war die erste und einzigste in meinem Leben.
                  Der Lehrer fragte mich etwas und weil ich ihn nicht verstand sagte ich: "Nie rozumie po Polsku." Das heißt:"Ich verstehe nicht polnisch."

                  Ab 1947 hatte ich keine Sprachprobleme mehr. Ich habe Hauptschule, Mittelschule und Berufsschule locker bewältigt.

                  Nun wünsche ich eine gute Nacht
                  Heinz
                  Ich glaube nur das,was ich gesehen und erlebt habe.
                  A.G.

                  Kommentar

                  • wenzkauer
                    Forum-Teilnehmer
                    • 26.10.2008
                    • 203

                    #69
                    Danke Heinz und Hallo ins Forum,
                    ich möchte einige Schlüsselerlebnisse erzählen, die mich als Kind während den Reisen nach Danzig sehr beeindruckt haben. Meine Oma nahm mich das erste mal 1969 auf die Reise in die Heimat mit. Wir fuhren mit der Bahn von Mainz nach Sopot und waren 27 Stunden ( ja, 27 ) unterwegs. In Sopot angekommen, bezogen wir direkt am Bahnhof ein Zimmer bei Tante Minna, sie muß wohl eine Verwandte gewesen sein. Nun besuchten wir täglich Deutsche bzw. Polen und spätestens dann merkte ich, es sind doch recht viele. Wir fuhren nach Neustadt mit der Bahn, nach Schöneck mit dem Bus, zusammen mit Hühnern, Hasen und Ferkeln. Das Paket für Onkel Joseph in Wenzkau kam zum Glück vorher an und wir hatten deutschen Kaffee und Schokolade. Er bedankte sich natürlich, meinte aber das Zeug in der Plastiktüte hätte komisch geschmeckt. Chio Chips zum knabbern kannte er nicht und kippte sie ins kochende Wasser.
                    Während einer späteren Reise mit dem Auto, wurde uns dieser Kombi von Joseph vollgeladen mit selbstgemachter Wurst, Käse, ganze Schinken und Eier. Ein polnischer Zöllner an der Grenze bei Stettin sagte dazu; wir haben den Krieg gewonnen und ihr schleppt das, was ich mir nicht leisten kann auch noch nach Deutschland. Mein Vater sagte noch, er könne sich gerne etwas nehmen, aber da waren zuviele Augen.
                    Sollten wir uns nun gerade nach der Geschichte von 1945 dafür schämen?
                    Viele Grüße Michael

                    Kommentar

                    • waldkind
                      Forum-Teilnehmer
                      • 06.10.2008
                      • 2366

                      #70
                      Schule für Deutsche; Dank an alle

                      Hallo Heinz,
                      so ähnlich hatte ich mir die Situation auch vorstellen können. Danke für deine Schilderung. Da hast du erstaunlich schnell Polnisch gelernt. Ob ein Überlebensmechanismus einen dazu befähigt so schnell zu lernen? Ich war in meiner Jugend eine Weile in Frankreich, sprach aber kein Französisch. Da war mein erster Satz "Je ne parle pas Francais". Ich bekam keine Ohrfeige und spreche immer noch nicht französisch.
                      Bei dieser Gelegenheit habe ich noch einmal gesehen wie viele Fragen ich anfangs hatte. Inzwischen habe ich sehr viel dazu gelernt. Ich habe mir auch ein Buch gekauft, in dem Betroffene ihre Erlebnisse aus jener Zeit schildern. Davon kann ich immer nur ein oder zwei Berichte lesen, dann bin ich erst mal erledigt.

                      Ich möchte an dieser Stelle noch einmal meine Dankbarkeit ausdrücken an alle, die sich hier an diese Gespräche beteiligen, an die Älteren für die Berichte, an die Jüngeren, die ihr Interesse bekundet haben. Damit ist für mich ein bisher unerklärbares Gefühl von Schrecken und Grauen in mir, ausgelöst durch das Jahrzehnte andauernde Schweigen in unserer Gesellschaft und einer eigenen Sprachlosigkeit, die ich mir bisher nicht erklären konnte, greifbar und verstehbar. Ich kann mit dem Thema einfacher umgehen, ältere Menschen auch in meinem Umfeld daraufhin ansprechen. Ich stelle fest, sie alle erzählen bereitwillig und offen darüber. Das ist für mich eine neue und begrüßenswerte Situation. LG Miriam
                      Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

                      Kommentar

                      • Wolfgang
                        Forumbetreiber
                        • 10.02.2008
                        • 11623

                        #71
                        Zitat von Joniszus
                        Nun werde ich einmal versuchen, wieder das Fahrwasser zu finden und die angefangene Geschichte zu Ende zu bringen.
                        Hallo Erhart,

                        zuallererst: Ein ganz, ganz großes Dankeschön für Deinen Bericht!!!

                        Wir haben in unserem Forum einige veröffentlichte Erlebnisberichte, aber ich kann mich an keine erinnern, in denen so berichtet wurde wie Du es getan hast.

                        Sachlich, kurz, bündig, zutiefst persönlich, berührend, nicht wertend. Wie schwer mag es sein, über all das so zu schreiben?!

                        Das Leben aus Kindessicht wird deutlich, der Überlebenskampf, ohne ausschmückende Worte. So hast Du es erlebt, so war es, so brutal. Diese Kindheitserlebnisse prägen ein Menschenleben.

                        Nochmals: DANKESCHÖN! Wenn Berichte helfen, die Vergangenheit und seine Folgerungen zu verstehen, dann sind es Erlebnisberichte wie von Dir.
                        Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                        Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                        Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

                        Kommentar

                        • jonny810
                          Forum-Teilnehmer
                          • 10.02.2008
                          • 2423

                          #72
                          Ein Dankeschön

                          Hallo Wolfgang,

                          ich möchte mich für die Bewertung meines Erlebnis-Berichtes ganz

                          herzlich bedanken.

                          Sie ist wohltuend, und sicherlich schwergewichtig für mich.

                          Dann, wenn sie von jemandem kommt, der sich im Schreiben auskennt.

                          Ich wünsche deiner Frau und dir noch einen schönen Tages-Ausklang.

                          Erhart
                          Es grüßt herzlich, Erhart vom Schüsseldamm.
                          "Nec Temere - Nec Timide"
                          Eine Freundschaft ist das, was man aus ihr macht. EKJ

                          Kommentar

                          • Wolfgang
                            Forumbetreiber
                            • 10.02.2008
                            • 11623

                            #73
                            Zitat von Joniszus
                            Dann, wenn sie von jemandem kommt, der sich im Schreiben auskennt.
                            Ich wünsche deiner Frau und dir noch einen schönen Tages-Ausklang.
                            Schönen guten Abend,
                            hallo Erhart,

                            ich kann lesen. Und ich kann versuchen zu verstehen. DU hast es verstanden zu schreiben, DU hast fertig gebracht, Kindheitserlebnisse und -eindrücke ungefiltert und in klaren Worten "zu Papier" zu bringen. Abhängig von Schreibweise und Stil wirken Erlebnisberichte mehr oder weniger intensiv, manchmal beklemmend.

                            Aus Deinem Bericht war Distanz zu spüren. Eine Distanz die Dich -so empfand ich es zumindest- nicht verleitete, emotional wertend zu schreiben. Nach meiner Meinung entfalten solche Schilderungen die größte Wirkung: So war es, Fakt, Punkt!

                            Und, was dem Hinterfragenden, dem Nachgeborenen, dem Wissbegierigen wichtig ist: Dein Bericht -bei all Deinem persönlichen Empfinden, Deinen persönlichen Eindrücken- steht da wie in Stein gemeißelt. Er ist so hinzunehmen wie er ist, es gibt kein Bezweifeln.

                            Ich kann versuchen nachzuempfinden, wie schwierig es ist, über all das zu schreiben, worüber man eigentlich Stillschweigen bewahren möchte. Meine Bitte (an Dich und andere Ältere) ist trotzdem über den eigenen Schatten zu springen und (mehr) zu berichten.

                            Übrigens, gerade sprach ich mit meiner Frau. Sie flog heute Nachmittag von München aus nach Danzig. Am Freitag werden wir wieder (in Danzig) zusammen sein.
                            Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                            Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                            Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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