Die Deutschen nach 1945 in Danzig

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  • wenzkauer
    Forum-Teilnehmer
    • 26.10.2008
    • 203

    #1

    Die Deutschen nach 1945 in Danzig

    Ich glaube, es ist ganz sinnvoll, daß ich ein neues Thema beginne.

    Ein nettes "Hallo" in die Runde und vielen Dank für die Antworten.

    Besonders möchte ich den "oliv´schen Heinz" ansprechen. Du hast diese Zeit ebenso wie meine Großmutter bis 1958 miterlebt. Gibt es denn halbwegs verläßliche Zahlen über die Daheim-Gebliebenen ??? Ich habe zwar Bücher über Danzig aus polnischen Druckereien Ende der 60-er Jahre, erstaunlicherweise auf Deutsch geschrieben, die aber reine Propaganda darstellen und wenig hilfreich sind.
    Konntet Ihr Deutschen Euch treffen, Kontakte halten oder war das alles verboten ???
    Mein Großvater Konrad Gdanietz arbeitete als Metzger in Oliva und die Familie wohnte in der Georgstraße 13 ( liegt die in Oliva ???).

    Während des Krieges fanden sie Unterschlupf in Wenzkau und noch lange nach 1945 muß er regelmäßig mit der Bahn nach Oliva zur Arbeit gefahren sein. Mit meiner Oma ( geb. Bieschke aus Zoppot) besuchte ich dann auch ab 1969 in Oliva das Schloß, den Park und die Kathedrale. Für mich - mit meinen Kinderaugen - waren das immer wunderschöne Ferien. Alle Verwandten sprachen deutsch, nur die Kaschuben in Wenzkau nicht und so einen Sandstrand wie auf Hela habe ich bis heute nirgendwo mehr gesehen.

    Die Realität der Erwachsenen sah ganz anders aus - das weiß ich heute - und dies will ich erkunden.

    Mir wird´s beim Schreiben auch manchmal so komisch - ich habe es wohl geerbt.
    Viele Grüße von Michael
  • waldkind
    Forum-Teilnehmer
    • 06.10.2008
    • 2366

    #2
    Zitat von wenzkauer
    Gibt es denn halbwegs verläßliche Zahlen über die Daheim-Gebliebenen ???
    .....
    Konntet Ihr Deutschen Euch treffen, Kontakte halten oder war das alles verboten ???
    Irgendwie scheint es wieder nicht ganz zu klappen mit den Brücken zwischen Jung und Alt, mit dem Zuhören und Antworten auf Fragen derer, deren Leben Lücken aufweisen. Woran könnte das nur liegen?
    Vielleicht wissen es die Danziger, die seit Ende des Krieges in Deutschland leben, nicht. Vielleicht gibt es im Forum keine daheim-gebliebenen deutschen Danziger, dann kann auch keiner antworten. Oder aber ihre Erinnerungen sind so unangenahm, dass sie darüber nicht sprechen können oder wollen.
    Ich könnte mir vorstellen, dass die "daheim-gebliebenen" Deutschen dem Arbeitslager und der Zwangsarbeit unterworfen waren. Weißt da einer was Genaueres drüber?Miriam
    Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

    Kommentar

    • waldkind
      Forum-Teilnehmer
      • 06.10.2008
      • 2366

      #3
      Hallo wenzkauer,
      vielleicht kannst du mit diesem Link etwas anfangen.
      LG Miriam
      Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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      • JuHo54
        Forum-Teilnehmer
        • 11.12.2008
        • 2378

        #4
        Ich denke, es gibt sie schon und sie lesen auch diese Beiträge, aber die wenigsten können oder mögen sich zu diesem Thema, dass doch sehr nah an die Persönlichkeit geht, auch Wenzkauer wird's"manchmal so komisch", öffentlich äußern.

        JuHo54
        Jeder Tag ist ein kleines Leben für sich.

        Artur Schopenhauer* 1788 Danzig

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        • wenzkauer
          Forum-Teilnehmer
          • 26.10.2008
          • 203

          #5
          Danzig nach 1945

          Guten Morgen würde ich gerne sagen,aber "guten" bleibt mir im Hals stecken.

          Die Seiten vom "dfk-danzig" kannte ich nicht, habe sie eben gelesen und mir ist bewußt geworden , warum alle während der Zoppot/ Wenzkau- Besuche soviel weinten. Ich habe keine Fragen mehr, zu diesem Thema und muß eine Pause machen.

          Es grüßt Michael

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          • Heibuder
            Forum-Teilnehmer
            • 10.02.2008
            • 751

            #6
            Zitat von wenzkauer
            ....
            Die Seiten vom "dfk-danzig" kannte ich nicht, ....
            Michael e.a., ich glaube Du bist nicht der einzige, der sich in dem "Beiträge-Urwald" dieses Forums nicht gut zurechtfindet;
            sonst hättest Du bemerkt, das Mitglieder der DFK hier mitschreiben oder -lesen.

            Das Forum ist doch ziemlich detailliert strukturiert (in Unterforen, mit vielen Links u.a.m.) und hat noch dazu eine Funktion "Suchen".
            Ihre (zugegeben zeitaufwändige) Nutzung erspart manche sich wiederholende Anfragen.
            Es grüßt der Heibuder!

            "Erinnerungen sind Wärmflaschen fürs Herz." (R.Fernau)

            Kommentar

            • Rudolf
              Forum-Teilnehmer
              • 22.06.2008
              • 335

              #7
              Danzig nach 1945

              Aus eigener Erfahrung 1945 bis zum Verlassen Danzigs - in meinem Fall Heubudes - im Januar 1946 kann ich die Beschreibung im "dfk-danzig" nur bestätigen .
              Allerdings war es so , daß die Ausweisung bei uns weder in Plakaten angekündigt noch sonst den Betroffenen in irgendeiner Form mitgeteilt wurde . Auch wurden wir im kalten Winter 1945/1946 per Zug transportiert und zwar in einem durch Kriegseinwirkungen stark beschädigten Personenzug ( teilweise keine Fensterscheiben , usw. ) und das natürlich ohne Heizung . Meine Mutter und ich kamen überhaupt nicht dazu , irgendwelches Gepäck ( schon garnicht 30 kg ) mitzunehmen . Das hätte uns aber auch nichts genutzt , denn während des ungefähr eine Woche dauernden Transportes bis Scheune bei Stettin wurden mehrmals "Kontrollen" durchgeführt und so war festzustellen , daß alles - aber wirklich auch alles - halbwegs Brauchbare an Gegenständen und Kleidung "konfisziert" wurde . Es gab Fälle , daß Erwachsenen sogar die warmen Mäntel abgenommen wurden .
              Den fast einwöchigen Zwischenaufenthalt im Narvik-Lager werde ich nie vergessen . Dort gab es keine Verpflegung und ich bin damals vor Hunger und Schwäche umgefallen , wenn ich nicht von anderen Lagerinsassen etwas zu essen bekommen hätte .
              Im Jahre 1960 war ich im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit zum ersten mal wieder in Danzig . Gewohnt habe ich damals im Orbis-Hotel gegenüber dem Hauptbahnhof . Mir fiel damals auf , daß die aus Bruchsteinen bestehende Einfassung des Zugangs zum Hotel teilweise aus Bruchstücken aus Friedhofssteinen ( mit teilweise erkennbarer deutscher Beschriftung ) bestand . Ich hatte in dieser Zeit mehrmals Gelegenheit , mit ehemaligen Danzigern ( Deutschen und auch Kaschuben ) zu sprechen . Wenn wir alleine waren , konnten wir uns deutsch unterhalten , wenn nicht , verliefen die Gespräche immer über einen Dolmetscher . Es würde zu weit führen , alle meine Erfahrungen aus dieser Zeit zu beschreiben .
              Eines möchte ich aber ausdrücklich sagen : In all den Jahren seit dieser Zeit habe ich nicht ein einziges mal erlebt , daß Polen mir gegenüber unfreundlich oder ablehnend gegenüber traten . Ganz im Gegenteil habe ich bei meinen vielen Aufenthalten in Polen eine große Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sowie Gastfreundschaft erlebt , wie man sie nur selten findet .
              Grüße an alle vom Heubuder Rudi

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              • mottlau1
                Forum-Teilnehmer
                • 11.02.2008
                • 1720

                #8
                Mitleser u. Mitschreiber

                Hallo Wolfgang,

                also ich war ja sehr oft beim Dt.Club in Langfuhr. Es ist richtg, dass der
                DFK (Deutsche Freundes-Kreis) alle Mails bekommt.--Ausser Gerhard Olter u. den Bürokräften sonst wuesste ich jedoch niemanden der mitliest geschweige mitschreibt.
                Von den Teilnehmern dort hat wohl nur Regina einen PC. Denn die meisten Rentner/innen haben viel zu kleine Renten um sich einen PC und dazu die monatlichen Kosten leisten zu können.-Aber vielleicht irre ich mich ja auch?

                Lieben Gruss Jutta
                Es kann keiner gerecht sein, der nicht menschlich ist.
                (Maurice Cove de Murville) Französischer Politiker

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                • waldkind
                  Forum-Teilnehmer
                  • 06.10.2008
                  • 2366

                  #9
                  Hallo Juho54 und ihr anderen alle,
                  da kann es einem auch komisch werden. Ich möchte Dir, Juho54, beipflichten, es geht doch sehr nah an die Persönlichkeit. Wenn einer über eigene Erfahrungen berichten soll, brauchen wir uns nicht wundern, wenn die Seiten leer bleiben. Dir Rudolf danke ich herzlich für deinen Mut und deine Offenheit. Ich selber brauche jetzt auch mal eine Pause, wie der Michael.
                  Ich möchte vielleicht ergänzend zum Link erwähnen, dass die Zwangsumsiedlung der Deutschen im Osten eine Übereinkunft zwischen Stalin, Roosevelt und Churchill waren. Mit der Umsiedlung der Deutschen war ebenso eine Zwangsumsiedlung der polnischen Bevölkerung verbunden, die ihre ursprüngliche Heimat verloren. Miriam.
                  Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

                  Kommentar

                  • wenzkauer
                    Forum-Teilnehmer
                    • 26.10.2008
                    • 203

                    #10
                    Danzig nach 1945

                    Hallo an alle,

                    besonders bei Miriam und Rudi möchte ich mich mit folgenden Zeilen bedanken.

                    Es wird Schiffe auf dem Meer geben.
                    Sand in unseren Pullovern.
                    Es wird Wind geben, den Herbstwind.
                    Es wird Zeit geben, die Zeit, die schlägt.

                    Es wird Kinder am Strand geben.
                    Drückende Sonne vor dem Gewitter.
                    Wir werden all diese vergangene Zeit
                    und einen alten Hund zu streicheln haben.

                    Ist leider nicht von mir, paßt jedoch so schön......

                    Gruß Michael

                    Kommentar

                    • Regina, +19.11.2023
                      Forum-Teilnehmer
                      • 15.02.2008
                      • 235

                      #11
                      Daheim gebliebene im Forum

                      Guten Abend,
                      ich bin im Forum die einzige nach 1945 hier gebliebene Deutsche. Meine Erlebnisse vom Januar 1945 bis zum Kriegsende das ist eine andere Geschichte, die ich auch mal erzaehlen werde. Am Kriegsende wohnten meine Mutter, Schwester und ich in der Nikolaikirche, wohimn uns die Russen hingejagt haben. Am 9. Mai konnten wir nach Hause gehen., leider stand es nicht mehr. Wir sind in eine Molkerei eingezogen und dann legten sich meine Mama und Bruder gleich hin. Sie hatten Thyfus und nirgens war
                      etwas zum essen. Ich bin in den Wald gelaufen, wusste dass da eine Militaerkueche war, gefunden habe ich einen Klumpen Fett.Ich habe aber auch eine Bekannte getroffen, die zeigte mir welche Blaetter ich sammlen muss umd daraus eine Suppe zu kochen. Ich war ja schon fast 12 Jahre alt. Diese Suppe mit dem gefundenen Fett hat uns das Leben gerettet. Meine Mutter und Bruder wurden gesund. Wir sind umgezogen, wohnten zusammen mit zwei alten Damen, die bald nach Deutschland gefahren sind, und die uns den Schrank voller Bettwaesche, Tischdecken und Pullovers
                      geschenkt haben. Das war unsere zweite Rettung, die Sachen habe ich auf dem Flohmarkt in Danzig fuer Brot getauscht. Wir brauchten nur die noetigste Kleidung, warteten nur auf unseren Papa der in Norwegen in Gefangenschaft war und dann wollten wir auch nach Deutschland fahren. Spaeter gab es Pilze und neben einer Fischraecherei, die gerade eroeffnet wurde Pomuchelkoepfe. Diese Fischsuppe hat gut geschmeckt. Aber Papa kam nicht, dafuer aber die Milizer um uns rauszuschmeisem. Bis meine Mutter die Mutter eines dieser Rausschmeisser gebeten hat uns etwas. Zeit zu geben weil wir auf unseren Papa warten. Wir wussten nicht mal ob er lebt. Mein Vater ist wirklich Anfang Dezember gekommen und das war der Moment, der ueber mein ganzes leben bestimmt hat.
                      Weitere schreibe ich morgen.
                      Herzliche Gruesse
                      Regina

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                      • Heinzhst
                        Forum-Teilnehmer
                        • 10.02.2008
                        • 450

                        #12
                        Regina, danke für deinen Bericht. So ähnlich habe auch ich die Zeit erlebt.
                        Ich habe dann noch bis 1958 in Oliva gewohnt
                        Die Pomuchelskopf-Suppe war ein Schmaus und aus Fischmehl gebratene Klopse auch. Als Dessert gab es eine Wassersuppe aus Sauerampfer, Brennessel oder Melde. Löwenzahn hat auch geschmeckt.
                        Zucker haben wir aus Neufahrwasser geholt, aus verbrannten Lagern, das sah aus wie brauner Zuckerkant. Speiseöl haben wie aus Erdlöchen geschöpft, dort ist das Öl aus zerstörten Tanks ausgelaufen.
                        Wasser haben wir aus einer Pumpe geholt die paar Sraßen weiter in einem Garten war.
                        Für heute reichts.
                        Ein schönes Wochenende wünscht der
                        olivsche Heinz.
                        Ich glaube nur das,was ich gesehen und erlebt habe.
                        A.G.

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                        • waldkind
                          Forum-Teilnehmer
                          • 06.10.2008
                          • 2366

                          #13
                          Vielen Dank Regina, vielen Dank Heinzhst,
                          für eure Erzählungen. Ich freue mich schon auf die nächsten.
                          Als ich ein kleines Mädchen war erzählte Mamachen mir von ihrem kleinen Bruder, der im Krieg an Thyphus gestorben sei. Leider verwuderten mich die Worte Krieg, Thyphus und tot nur. Ich wusste nicht wovon sie sprach. Jetzt weiß ich es. Gut, dass sie es mir noch erzählte, bevor sie starb. Mamachen hatte die Angewohnheit die Wiesen nach essbaren Kräutern und die Wälder nach Beeren abzusuchen. Noch heute gehören Brennesselspinat und Sauerampfersuppe zu meinen Leibgerichten. Jetzt aber läuft es mir kalt den Rücken herab, wenn ich eure Beiträge lese. Löwenzahn ist etwas bitter! Es reicht gerade. Ich wünsche euch einen schönen Tag. Miriam.
                          Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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                          • Helga +, Ehrenmitglied
                            Moderatorin
                            • 10.02.2008
                            • 1948

                            #14
                            Zitat von Regina
                            Mein Vater ist wirklich Anfang Dezember gekommen und das war der Moment, der ueber mein ganzes leben bestimmt hat.
                            Weitere schreibe ich morgen.
                            Hallo Regina, hallo Heinz,

                            vielen vielen Dank für Eure Berichte, die mich sehr angerührt haben. Ich würde gerne noch viel mehr über die Zeit hören und warte schon jetzt auf deinen nächsten Bericht Regina. Vielleicht auf auf deinen Heinz?
                            Viele Grüße
                            Helga

                            "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)

                            Kommentar

                            • Helga Zeidler
                              Forum-Teilnehmer
                              • 11.02.2008
                              • 535

                              #15
                              nach 45

                              Auch mich haben die Berichte sehr angerührt, zumal Regina uns kürzlich in Danzig schon etwas davon erzählt hat. Auch ich hoffe, dass Beide noch weiter berichten.
                              Schöne Grüße
                              Helga

                              Kommentar

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