Auffanglager in Danzig? Wer kann helfen?

Einklappen
X
 
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles l
neue Beitr
  • Lena Pegel
    Forum-Teilnehmer
    • 12.10.2009
    • 9

    #1

    Auffanglager in Danzig? Wer kann helfen?

    Liebe Danziger-Freunde,

    ich beschäftige mich seit langem mit der Ahnenforschung und die mütterliche Seite meiner Mutter hat es mir nicht leicht gemacht. Sie stammt aus Ostpreussen an der littauischen Grenze und ich habe alle Informationen gesammelt, die mir möglich waren. Nun hat sich meine Oma erneut geöffnet und uns einige neue Details zu ihrer Flucht damals aus Ostpreussen nach Norddeutschland geschildert.

    Dabei war es u.a. auch so, dass sie mit ihrer Familie 1934/35 von Gallkehmen (später Hohenschanz) nach Neustadt und von dort weiter nach Danzig geflohen ist. In Danzig kamen sie in ein Auffang- und Gefangenenlager, wo sie in den Sommermonaten lebten. Erst 1944/45 wurden sie mit einem Zug in einen Ort namens "Schnoffau" (wenn ich meine Oma richtig verstanden habe) gebracht, von dort nach Berlin Scheune und dann weiter nach Barth-Holtz (an der Ostsee).

    Nun meine Fragen: gab es so ein Auffanglager in Danzig und wenn ja, gibt es Dokumente über die Flüchtlinge, die dort ankamen? Die Familie hiess eduard Gustav KIRSTEIN, vielleicht haben sie ja auch in Danzig gelebt!?

    Wer weiss etwas über den Zug, der 1944/45 die Menschen von Danzig weggebracht hat?

    Wer kennt den Ort "Schnoffau" (im Netz kann ich nichts finden)?

    Was meint meine Oma mit "Berlin Scheune"? Ist es eine bekannte Auffangstation gewesen?

    Ich gehe einfach davon aus, dass es noch mehr Menschen gegeben hat, die in diesem Zug gesessen haben und flüchten mussten. Daher ist meine grosse Hoffnung, dass es jemanden hier im Forum gibt, der mir Informationen zu dieser Flucht geben kann.

    Es dankt für jeden Hinweis
    Lena Pegel.
  • Belcanto
    Forum-Teilnehmer
    • 24.09.2008
    • 2508

    #2
    AW: Auffanglager in Danzig? Wer kann helfen?

    Hallo Lena
    Um einen ersten Ansatz zu finden, die Frage, war deine Oma jüdischen Glaubens?
    Viele Grüße
    Belcanto

    Kommentar

    • JuHo54
      Forum-Teilnehmer
      • 11.12.2008
      • 2378

      #3
      AW: Auffanglager in Danzig? Wer kann helfen?

      Hallo Lena,
      hier die Adressen für Kirstein aus dem Danziger Adressbuch von 1942:
      Kirstein
      -Arnold Mühlenbesitzer Köllner Chausee 17/18 Tel 45064
      -Erich Arbeiter Salvatorgasse 5
      -Erich Milch Spez Gesch Karthäuserstr.45 Tel 28381 Wohn Walter-Flex-Str.1
      -Fritz HandlGeh Köllnerstr.9
      -Gerhard TelLeitAufseh Stralsunder Str.42
      -Hermann Weichensteller a.D. Wolfsweg 6
      -Hugo LokAnw Am Steffenspark 3
      -Kurt Schriftsetzer St.-Barbara-Gasse 14
      -Kurt KraftwFühr An der Ostbahn Nr.1
      -Paul Obstbaumpfleg Am festungsgraben 7
      -Paul Steuerinsp Brösener Weg 50
      -Auguste Wwe Grosse gasse 16/17
      -Berta Invldn Brunnengang 4
      -Berta Wwe Hohe Seigen 1b
      -Ella Verkfrn Fleischergasse 43
      -Hulda Kolonialwarengesch Obbergenweg 35
      -Justine Wwe Heimatstr.33
      -Margarete Konfitüren Gesch Lgf Adolf-Hitler- Straße 24 Wohng St. Barbara Gasse 14

      Viele Grüße
      JuHo54
      Jeder Tag ist ein kleines Leben für sich.

      Artur Schopenhauer* 1788 Danzig

      Kommentar

      • jonny810
        Forum-Teilnehmer
        • 10.02.2008
        • 2423

        #4
        AW: Auffanglager in Danzig? Wer kann helfen?

        Hallo Lena.

        Ich bin Jahrgang 1937. Kann mich daran erinnern, das zum Beispiel viel Flüchtlinge aus Ostpreussen in Schulen, die ja nicht mehr besucht werden konnten, untergebracht wurden.

        Sicherlich muss es auch noch andere Quartiere gegeben haben, denn viele kamen damals mit Pferd und Wagen.

        Aber vielleicht ist etwas über die Schiene SCHULEN heraus zu bekommen.

        Viel Erfolg
        Es grüßt herzlich, Erhart vom Schüsseldamm.
        "Nec Temere - Nec Timide"
        Eine Freundschaft ist das, was man aus ihr macht. EKJ

        Kommentar

        • Lena Pegel
          Forum-Teilnehmer
          • 12.10.2009
          • 9

          #5
          AW: Auffanglager in Danzig? Wer kann helfen?

          @ Belcanto: Meine Oma lebt noch und ist evangelischen Glaubens. Ob die Familie einmal jüdischen Ursprungs war, kann ich leider nicht sagen. Der Name KIRSTEIN deutet meiner Meinung nach darauf hin, aber sie erzählte, dass sie jeden Sonntag in Stallupönen in die evangelische Kirche gefahren sind. Leider kenne ich mich mit den Glaubensrichtungen so wenig aus, dass ich zu meiner Schande nicht mal weiss, ob man vom Judentum ins Evangelium konvertieren konnte!? Hilft es dir weiter, um der Beantwortung meiner Frage nach dem Auffanglager in Danzig näher zu kommen!??!?!

          Kommentar

          • Lena Pegel
            Forum-Teilnehmer
            • 12.10.2009
            • 9

            #6
            AW: Auffanglager in Danzig? Wer kann helfen?

            @JuHo54: Vielen Dank für deine Mühe! Leider ist kein einziger Name dabei, der mit meiner Familie übereinstimmt

            Kommentar

            • Belcanto
              Forum-Teilnehmer
              • 24.09.2008
              • 2508

              #7
              AW: Auffanglager in Danzig? Wer kann helfen?

              Hallo Lena
              Nach meinem Kenntnisstand war es nach den Nürnbergergesetzen so, dass auch konvertierte Juden verfolgt und eingesperrt wurden.Ich will es garnicht aussprechen,aber vielleicht trifft Stutthof zu.
              Viele Grüße
              Belcanto

              Kommentar

              • Familie Lowitsch
                Forum-Teilnehmer
                • 11.02.2008
                • 283

                #8
                AW: Auffanglager in Danzig? Wer kann helfen?

                Nach meinem Kenntnisstand war es nach den Nürnbergergesetzen so, dass auch konvertierte Juden verfolgt und eingesperrt wurden.Ich will es garnicht aussprechen,aber vielleicht trifft Stutthof zu.
                Belcanto
                Hallo Belcanto, das interressiert mich etwas genauer. Ob jemand vom Jüdischen, zu welchem Glauben auch immer konvertiert ist,konnte doch nur unter Zuhilfenahme der Abstammung (kleiner oder großer Ahnennachweis) überprüft werden?- oder durch Denunziation- oder gab es noch andere Möglichkeiten?
                Im Fall von Lenas Verwandten glaube ich nicht, dass auf der Flucht ein solcher Ahnenpass eingefordert bzw. überhaupt vorlegbar war. Sind die Leute doch im Wesentlichen mit dem Notwendigstem bzw. mit nichts als der eigenen Haut geflüchtet???
                es grüßt Mandy aus dem Brandenburger Forrest
                "Wer sagt: Hier herrscht Freiheit, der lügt, denn Freiheit herrscht nicht."Erich Fried

                Kommentar

                • Familie Lowitsch
                  Forum-Teilnehmer
                  • 11.02.2008
                  • 283

                  #9
                  AW: Auffanglager in Danzig? Wer kann helfen?

                  ...und da fällt mir noch eine Frage ein!
                  Wo überhaupt waren die Zentren der jüdischen Einwohner von Danzig???
                  es grüßt Mandy aus dem Brandenburger Forrest
                  "Wer sagt: Hier herrscht Freiheit, der lügt, denn Freiheit herrscht nicht."Erich Fried

                  Kommentar

                  • Lena Pegel
                    Forum-Teilnehmer
                    • 12.10.2009
                    • 9

                    #10
                    AW: Auffanglager in Danzig? Wer kann helfen?

                    Meine Oma erzählte, dass auf der Flucht alle Dokumente, die sie dabei hatten, verloren gegangen sind. Dh sie kamen am Ende mit nichts ausser dem, was sie am Leib trugen, an. Sie wurden auch nicht verfolgt sondern mussten vor den Polen fliehen, die die Menschen aus Ostpreussen vertrieben. Ich kann es nur so wiedergeben, wie meine Oma es erzählte.

                    Mein Urgrossvater muss eine Vorahnung gehabt haben (ich persönlich glaube, dass sich auch unter den Menschen dort genug erzählt wurde, so dass man wusste, dass die Soldaten vor den Toren der Stadt stehen) und hat über einen längeren Zeitraum Brot getrocknet. Sie spannten dann eine trächtige Stute und einen Hengst vor ihren Planwagen und haben sich damit auf die Flucht begeben. Das trockene Brot haben sie wie Zwieback gegessen und es hat sie am Leben gehalten.

                    Ich gehe davon aus, dass sie nicht verfolgt wurden, sondern einfach flüchten mussten vor dem Krieg. Dh ich suche im Grunde den Treck, der im Jahre 34/35vom östlichsten Preussen aus nach Danzig ging, in der Hoffnung, dass man dadurch Menschen findet, deren Ahnen ebenfalls in Danzig aufgefangen wurden. Meine Oma sprach von einem "Auffanglager", was gleichzeitig aber auch Gefangenenlager (für Engländer) gewesen sein soll und in dem sie nur in den Sommermonaten lebten. Gab es so etwas?

                    Kommentar

                    • Familie Lowitsch
                      Forum-Teilnehmer
                      • 11.02.2008
                      • 283

                      #11
                      AW: Auffanglager in Danzig? Wer kann helfen?

                      Meine Oma sprach von einem "Auffanglager", was gleichzeitig aber auch Gefangenenlager (für Engländer) gewesen sein soll und in dem sie nur in den Sommermonaten lebten. Gab es so etwas?
                      ...was ist mit dem NARVIK-Lager???
                      Hallo Wolfgang...,das eine soll doch bereits wärend des Krieges auch Baracken mit Kriegsgefangenen "beherbergt" haben?!
                      es grüßt Mandy aus dem Brandenburger Forrest
                      "Wer sagt: Hier herrscht Freiheit, der lügt, denn Freiheit herrscht nicht."Erich Fried

                      Kommentar

                      • Hans-Joerg +, Ehrenmitglied
                        Forum-Teilnehmer
                        • 10.02.2008
                        • 5206

                        #12
                        AW: Auffanglager in Danzig? Wer kann helfen?

                        Hallo Lena
                        Herzlich Willkommen im Forum
                        Dann schick ich Dir noch die verzeichneten Kirstein aus dem Danziger Einwohnerbuch 1937/38

                        Viele Grüße
                        Hans-Jörg
                        Angeh

                        Kommentar

                        • Familie Lowitsch
                          Forum-Teilnehmer
                          • 11.02.2008
                          • 283

                          #13
                          AW: Auffanglager in Danzig? Wer kann helfen?

                          Erst 1944/45 wurden sie mit einem Zug in einen Ort namens "Schnoffau" (wenn ich meine Oma richtig verstanden habe) gebracht,
                          ...könnte das SCHLOCHAU heißen
                          es grüßt Mandy aus dem Brandenburger Forrest
                          "Wer sagt: Hier herrscht Freiheit, der lügt, denn Freiheit herrscht nicht."Erich Fried

                          Kommentar

                          • Belcanto
                            Forum-Teilnehmer
                            • 24.09.2008
                            • 2508

                            #14
                            AW: Auffanglager in Danzig? Wer kann helfen?

                            Hallo Kücken
                            Ob das bei Lena so war, weiß ich natürlich nicht. Nach den Rassengesetzten, wurde der arische Ausweis nur ausgestellt, wenn in der zweiten und dritten Generation, alles arisch war.Die Kinder von konvertierten Juden, mussten die Schulen verlassen, obwohl sie getauft waren.Damals mussten alle Juden im Reich und alle die unter die Rassengesetzte fielen den Judenstern tragen.Den arischen Nachweis hat niemand vergessen-er war die Lebensversicherung.Es gibt eine große Anzahl von konvertierten Juden die durch die Nationalsozialisten getötet wurden.
                            Bei einem Lager im Osten, kann es sich doch eigentlich, bis etwa März 1945 nur um ein deutsches und später um ein russisches Lager gehandelt haben. Man muss sich fragen, warumsollten deutsche von deutschen auf der Flucht aufgehalten werden. Natürlich wurde auch denunziert, verraten und falsches Zeugnis abgelegt. Hier wurden alten Rechnungen beglichen. Lena sagt, die Dokumente seinen verloren gegangen.Viele Menschen mit jüdisch klingende Namen, vielleicht auch Kirstein, wurden weil sie sich nicht ausweisen konnten, als Juden eingestuft. Oft zu Unrecht.
                            Vielleicht müssen wir auch in eine ganz andere Richtung suchen. Ich habe nur eine Theorie geäußert die historisch unterlegt ist.
                            Viele Grüße
                            Belcanto

                            Kommentar

                            • Familie Lowitsch
                              Forum-Teilnehmer
                              • 11.02.2008
                              • 283

                              #15
                              AW: Auffanglager in Danzig? Wer kann helfen?

                              Viele Menschen mit jüdisch klingende Namen, vielleicht auch Kirstein, wurden weil sie sich nicht ausweisen konnten, als Juden eingestuft. Oft zu Unrecht.
                              ...und dann waren da auch noch die sogenannten Rassemerkmale, welche Menschen nach ihren Äußerlichkeiten in >>arisch<< oder >>nichtarisch<< einstuften. Ohne Hinterfragung der Konfession oder etwaigen Ausweispapieren.
                              Wahnsinn nur, dass bei konsequenter Auslese auch Hitler, Goebbels und Konsorten, schlechte Karten gehabt hätten.
                              Aber die Abwandlung:"Flink wie Goebbels,stark wie Göhring...)ist ja bekannt?!
                              Ich habe nur eine Theorie geäußert die historisch unterlegt ist.
                              Viele Grüße
                              Belcanto
                              Das habe ich auch so verstanden. Ich frage nur deshalb nach,weil ich bei meiner Fam.Forschung auf einige Ungereimtheiten gestoßen bin und mir leider bisher niemand wirklich schlüssige Antworten geben wollte oder konnte.
                              es grüßt Mandy aus dem Brandenburger Forrest
                              "Wer sagt: Hier herrscht Freiheit, der lügt, denn Freiheit herrscht nicht."Erich Fried

                              Kommentar

                              L