Sog. "Berlin Documents" /Mitgliedskarteien der NSDAP online

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  • Susanna
    Forum-Teilnehmer
    • 06.11.2022
    • 59

    #1

    Sog. "Berlin Documents" /Mitgliedskarteien der NSDAP online

    Hallo zusammen,

    man fand den Hinweis in den letzten Wochen hin und wieder in der Presse. Daraufhin war die Seite dann eine ganze Zeit überlastet. Jetzt scheint sie zu funktionieren. Für diejenigen, die es noch nicht gelesen oder gehört haben oder wieder aus den Augen verloren:

    In den USA wurden die sog. "Berlin Documents" veröffentlicht, Mitgliedskarteien der NSDAP. Das war in Deutschland wegen der strengeren Datenschutzregeln bislang nicht möglich.

    Wer sich also auf die Suche nach eventuellen Parteizugehörigkeiten der Vorfahren machen möchte, kann das im National Archives Catalog: https://catalog.archives.gov/id/12044361 versuchen. Es gibt eine Suchfunktion speziell nur für diesen Datensatz. Und dann müssen die Daten geduldig durchgeschaut und selektiert werden.

    Ich wünsche interessante Erkenntnisse und grüße in die Runde!

    Susanne
  • KOPPERPAHLER
    Forum-Teilnehmer
    • 27.06.2011
    • 132

    #2
    Moin,
    thematisch dazu passen würde auch das
    " Verordnungsblatt
    der NSDAP
    Gau Danzig-Westpreußen "
    Folge 6 Juni 1941 5. Jahrgang


    Darin werden alle Ortsgruppen und deren Leiter aufgelistet, einschließlich Anschrift und Telefonnummer.
    Dazu diverse Verordnungen, von der Anpflanzung von Nutzgehölzen bis hin zum "Buch des Monats" ..............

    Es wurde online gestellt unter :



    von der

    Politechnika Gdańska

    partner wiodący

    ul. Narutowicza 11/12

    80-233 Gdańsk, POLSKA

    Gruß
    Jürgen
    Angehängte Dateien

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    • MueGlo
      Forum-Teilnehmer
      • 11.03.2010
      • 1133

      #3
      Moin,

      ja, diesbezüglich gibt es allerseits viel Aufregung in Foren und Mailinglisten ...

      Der Frust: Die Suche im National Archives Catalog ist höchst aufwändig .... der Daumen beim Klicken bekommt Blasen ...

      Es gibt eine sog. Zentraldatei mit ca. 4,6 Millionen Einträgen und eine Gaudatei mit ca. 8,2 Millionen Einträgen.

      DIE ZEIT hat über den Datenbestand eine KI laufen lassen und eine bessere Suchmöglichkeit erstellt:

      Die ZEIT hat ihr Recherchetool noch einmal verbessert. Millionen weitere Akten der Mitgliederkartei sind nun durchsuchbar. Spüren Sie Ihrer Familiengeschichte nach.


      Die Frage ist jetzt, ob man dort überhaupt etwas zu Danzig & Westpreussen finden kann.

      Bzgl. der Gaudateien erscheinen Zweifel angebracht ... denn in Danzig waren die Amis nicht tätig und die Wahrscheinlichkeit, dass die entsprechenden Akten in Danzig vernichtet wurden ist groß. Vor ein paar Jahren habe ich das Mitgliederbuch der NSDAP von Steegen schlecht photographieren können, es war im Besitz eines dortigen Einwohners.

      Zentraldatei: Hat die NSDAP-Danzig ihre Mitglieder vor dem 01.09.1939 an die Zentralkartei des Reichs gemeldet? Formal - Danzig ist nicht Reichsgebiet - macht das keinen Sinn aber wer weiß ...

      Ab dem 01.09.1939 - Danzig ist dem Reich einverleibt - sind ab dann neue Mitglieder der Zentralkartei gemeldet worden?

      Ich habe ein paar Familienmitglieder gecheckt die eine Affinität zur NSDAP hätten haben können ... keine Treffer !!!

      Beste Grüße aus Potsdam, Rainer MueGlo
      "Der Mensch lebt, so lange man sich seiner erinnert!" - Afrikanisches Sprichwort

      www.Momente-im-Werder.net --- Adressbücher, Literatur, Werkzeugkasten und Momente im Danziger Werder

      Nachbarn und Hofbesitzer in Groß und Klein Zünder vom 17. bis 20. Jahrhundert:
      http://momente-im-werder.net/01_Offen/31_Gross-Zuender/Nachbarn-GrZ-KlZ/index.htm

      Kommentar

      • Quendan
        Forum-Teilnehmer
        • 27.04.2019
        • 87

        #4
        Ich habe schon diverse Familienmitglieder aus Danzig und Umgebung gefunden, auch mit Eintritt vor dem 01.09.1939. Und zwar sowohl mit Einträgen aus der Gaukartei als auch der Zentralkartei (dort teils mit Bildern). Such zum Beispiel mal nach dem dir ja auch wohlbekannten Namen Dodenhöft, da findest du 39 Einträge.

        Kommentar

        • Orika
          Forum-Teilnehmer
          • 09.03.2011
          • 170

          #5
          Ich habe auch schon Familienmitglieder in den NSDAP-Mitgliedskarten gefunden, keinen davon über die Suchmaske. Meine Vorgehensweise: erst einmal die oassende Seote der 157 finden, dann darin das passende PDF. Dieses PDF auf den eigenen Rechner runterladen (unten links) und sich im eigenenn Downliad iterativ annähern. Das Blättern im PDF geht dann viel schneller.
          Allerdings war in einem PDF (wo ich die mütterliche Verwandtschaft mit "Was..." suchte) die Sortierung falsch herum (von z nach a), was mich leicht aus dem Konzept brachte.
          In einem anderen PDF fand ich Crüger bei Krüger und Kruger, Charlotte hinter Elsa usw.(wahrscheinlich das C als G gelesen).
          Einen Verwandten, der 100%ig Mitglied der NSDAP war, habe ich trotz intensiver Suche nicht gefunden.
          ------------------------------------------------------------------------------------------------------
          BOHM und HERBST aus Jungfer - BEYER, FRISCHBUTTER, GEHRMANN und
          KRUP(P)KE aus Tiegenhof - KRÜGER, PETZKE, FISCH und ZEMKE aus Danzig

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          • lavendel
            Forum-Teilnehmer
            • 09.06.2009
            • 100

            #6
            Danke, Ihr Lieben ! In Franken hab ich doch einiges- wenn auch Unschönes - gefunden. Dann kommt jetzt Danzig dran... Liebe Grüße : Hilde

            Kommentar

            • MueGlo
              Forum-Teilnehmer
              • 11.03.2010
              • 1133

              #7
              Moin, Quendan,

              ja, stimmt. Insbesondere seit in die Suche auch die Gaukarteien integriert sind.

              Man muss nur aufpassen bei den Vornamen: Meistens steht auf der Karteikarte nur der sog. Rufname ... aber das stimmt nicht immer, manchmal sind auch weitere Vornamen angegeben.

              Und manchmal funktioniert die Suche nur mit dem Nachnamen, dem ´Geburtsjahr und dem Gau ...

              So allmählich füllt sich das Körbchen ... auch mit einigen Überraschungen.

              Beste Grüße aus Potsdam, Rainer MueGlo
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              Nachbarn und Hofbesitzer in Groß und Klein Zünder vom 17. bis 20. Jahrhundert:
              http://momente-im-werder.net/01_Offen/31_Gross-Zuender/Nachbarn-GrZ-KlZ/index.htm

              Kommentar

              • Susanna
                Forum-Teilnehmer
                • 06.11.2022
                • 59

                #8
                Hallo zusammen,

                ich konnte den Gatten meiner Urgroßmutter aus Bohnsack finden, der 1933 in die Partei eingetreten ist. Es war mündlich überliefert, dass er Parteimitglied war. Da der Name entsprechend selten ist, ging das mal einfach, sofort ein Treffer. Ich habe es mit weiteren Familiennamen versucht aber keine weiteren Treffer gelandet. Hin und wieder hilft es auch, eine Ort einzugeben. Aber natürlich benötigt man die entsprechende Geduld und muss eine Menge Treffer abarbeiten. Dass Forschung komfortabel ist, steht nirgends geschrieben ;-). Die Unterlagen sind auch nicht vollständig.
                Ich habe irgendwo gelesen, sie sollten in Berlin gesammelt und dann alle zusammen vernichtet werden gegen Kriegsende und derjenige, der den Befehl auszuführen hatte, hat ein paar Tage gewartet und sie als dann zu passender Zeit (LKW-Ladung) den Amis gegeben. Deswegen Berlin Papers. Soviel zu Befehlsverweigerung :-).

                Grüße vom Rhein
                Susanne

                Kommentar

                • christian65201
                  Forum-Teilnehmer
                  • 15.02.2008
                  • 1261

                  #9
                  Hallo,
                  wie kommt ihr auf der Seite von der ZEIT an die Namen?
                  Ich kann auf der Seite nicts erreichen, hier erscheint: "Exklusiv für Abonnenten"
                  Gruß
                  Christian
                  "Nur wer weiß, woher er kommt, wird den Weg in die Zukunft finden,
                  und nur wer das Alte achtet, wird sinvoll Neues gestalten können" (Autor unbekannt)
                  Dauersuche:KOHNKE; BEHRENDT; LENSER; LIEDTKE; ZIELKE; PIOCH; KLINGER; AUT(H)ENRIEB; ROSENTHAL

                  Kommentar

                  • Rüdiger S.
                    Forum-Teilnehmer
                    • 05.01.2012
                    • 685

                    #10
                    Hallo zusammen,

                    hier gibts vom BR eine schöne Anleitung mit den Links zu den Dateien:

                    Waren eigene Angehörige in der NSDAP – und haben diese Mitgliedschaft vielleicht verschwiegen? Das fragen sich auch gut 80 Jahre nach dem Nazi-Regime viele Menschen. Jetzt gibt es ein neues Online-Archiv. Wie es funktioniert, was zu beachten ist.


                    Falls die Seite vom BR doch mal nur für Abonenten limitiert wird, hier ein Link zum Original-Archiv:

                    The online portal to the records held at the National Archives, and information about those records.


                    ... und hier mit Suchfunktion:

                    The online portal to the records held at the National Archives, and information about those records.


                    Die Suchfunktion liefert bei meinen Suchen auch nicht zutreffende Datein, aber eine richtige war immer dabei. Das erleichtert die Suche dann doch.
                    Die Seite 4 der Dateien ist wichtig, hier ist angegeben: von - bis (Eingrenzung für die Nachnamen)

                    Beste Grüße
                    Rüdiger
                    Es gibt nichts Gutes / außer: man tut es. (Erich Kästner)

                    Kommentar

                    • christian65201
                      Forum-Teilnehmer
                      • 15.02.2008
                      • 1261

                      #11
                      Hallo rüdiger,
                      DANKE für die Hinweise

                      einen schönen Tag
                      Christian
                      "Nur wer weiß, woher er kommt, wird den Weg in die Zukunft finden,
                      und nur wer das Alte achtet, wird sinvoll Neues gestalten können" (Autor unbekannt)
                      Dauersuche:KOHNKE; BEHRENDT; LENSER; LIEDTKE; ZIELKE; PIOCH; KLINGER; AUT(H)ENRIEB; ROSENTHAL

                      Kommentar

                      • Wolfgang
                        Forumbetreiber
                        • 10.02.2008
                        • 11627

                        #12
                        Schönen guten Abend,

                        die NSDAP-Mitgliederkartei beschäftigt scheinbar viele Familienforscher, aber nicht nur sie. Ich hatte, nachdem sie online gestellt wurde, mühsam und trotzdem erfolglos versucht, darin zu recherchieren. Da habe ich viel Zeit verplempert. In der letzten Woche schrieb der "Spiegel" er habe ein Tool entwickelt mit dem sich stark vereinfacht Recherchen durchführen ließen. Der Spiegel hat die komplette Mitgliederdatei heruntergeladen, mittels künstlicher Intelligenz aufgearbeitet -das heißt, alle Einträge, auch die schwierig lesbaren, transkribiert- und über mehrere kombinierbare Suchbegriffe auswertbar gemacht. Man kann also Vornamen und/oder Nachnamen und/oder Geburtsdatum und/oder Geburtsort und/oder Wohnort und/oder Beruf eingeben. Und es reicht aus, auch nur eine einzige dieser Auswahlkriterien anzugeben. Die Resultate, in Blitzesschnelle, sind schier erschlagend. Es gibt natürlich Fehler, aber die werden teilweise wieder ausgebügelt durch die Anzeige von Ergebnissen die den Suchbegriffen nahe kommen. In meiner entfernteren Verwandtschaft bin ich fündig geworden, Cousins und Cousinen meiner Großeltern, aber auch noch weit entferntere Verwandte.

                        Wer ein Spiegel-Online-Abo hat, sollte unbedingt diese Möglichkeiten nutzen. Es wird meist sicherlich Überraschungen geben, denn bei über 10.000.000 NSDAP-Mitgliedern (nur sehr wenige Frauen waren unter ihnen), heißt das, dass mehr als jeder dritte reichsdeutsche/danziger Mann Mitglied der NSDAP war.

                        Schöne Grüße aus dem Werder
                        Wolfgang
                        Zuletzt geändert von Wolfgang; 14.05.2026, 19:11
                        Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                        Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                        Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

                        Kommentar

                        • Wolfgang
                          Forumbetreiber
                          • 10.02.2008
                          • 11627

                          #13
                          Ergänzend zu meinem letzten Beitrag möchte ich noch sagen, dass diese NSDAP-Mitgliederkartei eine hochinteressante Ergänzung/Erweiterung der Familiengeschichte sein kann. Denn in der Kartei sind ja nicht nur bekannte Daten vermerkt sondern auch evtl. unbekannte Informationen wie Geburtsdatum, Adresse und Beruf.
                          Aus all diesen Daten lässt sich aber meist kaum irgend eine "Schuld" ableiten. Man weiß, das waren NSDAP-Mitglieder. Sicher ist, sie waren sich meist bewusst, eine antidemokratische populistische Partei zu wählen, eine Partei, die das Blaue vom Himmel versprach, aber nichts einhalten konnte. Waren die Parteimitglieder Opportunisten, waren sie blind, versprachen sie sich etwas davon? Eine Lehre ist: Glaube NIEMALS einem Populisten der einfache Lösungen für schwierige Probleme verspricht! Glaube NIEMALS einem Populisten, der mit dem Finger auf Andere zeigt und sie für eigene Probleme verantwortlich macht! Vertraue NIE, NIEMALS einem Populisten der in irgend einer Form andeutet, wir Deutsche seien anders, seien besser.

                          Waren unsere Ur-/Groß-/Eltern naiv? Mag sein, aber sie hofften, sie glaubten. Sie vertrauten Populisten. Es führte für Millionen und Abermillionen ins Verderben, in den Tod.

                          Die NSDAP-Mitgliederkartei ist ein Zeugnis was in der damaligen Zeit die Menschen beschäftigte. Wer dort Familienmitglieder findet, hat einen Suchpunkt in der Hand, kann weiter recherchieren, kann Familiengeschichte aufarbeiten. Schuld? In diesem Zusammhang? Niemand hat Schuld, der sich nicht selber mit Schuld beladen hat. Schuldgefühle? Warum? Wer die Vergangenheit ehrlich aufarbeitet, Schlüsse daraus zieht, muss niemals Schuld empfinden.

                          Schöne Grüße aus dem Werder
                          Wolfgang
                          Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                          Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                          Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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                          • Frank Thomas
                            Forum-Teilnehmer
                            • 01.09.2010
                            • 4

                            #14
                            Hallo an alle,
                            natürlich treibt der nun schneller zugängliche Bestand der NSDAP-Mitgliederkarteien viele Familienforschende um. Als beruflicher Familienforscher (der eine ganze Reihe von Kundenanfragen zu dem Thema bekommt) möchte ich daher ein paar Punkte beisteuern:

                            1. Zu Susanne vom 27.04.26:
                            "Ich habe irgendwo gelesen, sie sollten in Berlin gesammelt und dann alle zusammen vernichtet werden gegen Kriegsende und derjenige, der den Befehl auszuführen hatte, hat ein paar Tage gewartet und sie als dann zu passender Zeit (LKW-Ladung) den Amis gegeben. Deswegen Berlin Papers. Soviel zu Befehlsverweigerung :-)."
                            So war es wohl nicht, sondern nach dem, was ich gelesen habe eher so:
                            Die NSDAP-Mitgliederkartei war ursprünglich in der (Reichs-) Parteizentrale in München. Es gab zwei Karteien: Die Zentralkartei, die nach Familiennamen und die Gaukartei, die nach Gauen und Orten (und dort wiederum nach Familiennamen) sortiert war. Kurz vor der Einnahme Münchens durch die US-Armee waren die Karteikarten zur Vernichtung in eine Münchener Papiermühle gebracht worden. Die Vernichtung der Karten hatte zwar schon begonnen, als US-Soldaten eintrafen, war aber vom Geschäftsführer der Mühle verzögert worden. Um die 80 Prozent der NSDAP-Mitglieder sind durch die Kombination der beiden Karteibestände recherchierbar (https://de.wikipedia.org/wiki/NSDAP-Mitgliederkartei). Für Forschende heißt das: Wer in der Kartei zu finden ist, war NSDAP-Mitglied - wer dort nicht zu finden ist, war nicht unbedingt KEIN NSDAP-Mitglied. Es bleibt ein Rest an Unsicherheit. Die Geschichte der Karteien ging dann (ganz grob gesagt) so weiter: Eine Spezialeinheit der US-Armee sortierte die Karteikarten für die geplante Entnazifizierung. Dabei wurde die Gaukartei nach Familiennamen umsortiert. Beide Karteien wurden zusammen mit weiterer Parteikorrespondenz und (leider nur rudimentär überlieferten) Unterlagen weiterer NS-Organisationen (SA, SS, ...) im neu geschaffenen Berlin Document Center (BDC) der US-Militärregierung zusammengefasst und gelagert. Seit 1994 sind die Bestände des BDC im Bundesarchiv. Dort sind sie im Katalog recherchierbar und auf Antrag einsehbar oder als Digitalisat zu erhalten (https://www.bundesarchiv.de/im-archi...kartei/#c53388).

                            2. Für eine Suche in den Beständen des National Archives bevorzuge ich persönlich die "zu Fuß-Suche", ohne Suchmaschine, da diese - nach meiner Erfahrung - offenbar Familiennamen übersieht (möglicherweise kommt die verwendete KI nicht so gut mit der Schreibschrift auf den Karteikarten klar... ) - über Probleme mit der Suchfunktion haben hier ja auch schon einige berichtet.

                            3. Aus meiner Sicht kann ein "Treffer" in den Mitgliederkarteien lediglich ein Anfang für die intensivere Recherche sein. Als weitere Schritte empfehlen sich die Suche nach den Entnazifizierungsakten (die allerdings als Rechtfertigungsdokumente kritisch gelesen werden müssen) und eben auch eine Anfrage beim Bundesarchiv (die möglicherweise weitere Parteiunterlagen zu Tage fördern kann) sowie bei regionalen und lokalen Archiven.

                            4. Wer sich für das Mitgliederwesen der NSDAP und die soziale Zusammensetzung der Parteimitgliedschaft näher interessiert, dem sei Jürgen W. Falters Buch "Hitlers Parteigenossen. Die Mitglieder der NSDAP 1919 - 1945" (Frankfurt am Main 2020) empfohlen: https://campus.de/wissenschaft/gesch...xCDfqBigq-HL0E

                            5. Zu Wolfgang vom 14.05.26, 20:47:
                            Ich stimme Dir in Vielem zu. Wir Nachgeborenen haben sicher keine Schuld an den barbarischen und unfassbaren Verbrechen des NS. Auch nicht an der möglichen Mittäterschaft und dem Mitläufertum unserer eigenen Vorfahren und Verwandten in der NS-Zeit. Wir haben Verantwortung dafür, dass sich das nicht (so oder so ähnlich) wiederholt und dafür, dass die Erinnerung wach bleibt. Ich persönlich sehe mich auch in der Verantwortung, meine Familiengeschichte für diese Zeit möglichst exakt und ohne Rücksicht auf die existierenden Familienmythen zu recherchieren und aufzuarbeiten. Und, ja: Auf der Basis meiner so gewonnen Erkenntnisse stelle ich mir schon bei dem ein oder anderen Vorfahren die Frage, welche (Mit-)Verantwortung trug er/sie am Funktionieren des NS-Systems? Eine NSDAP-Mitgliedschaft kann aus meiner Sicht da nur EIN Anhaltspunkt sein. Sie ist aber meiner Meinung nach auch nicht zu unterschätzen, als freiwilliger Loyalitätsbeweis für dieses verbrecherische System (ob nun aus opportunistischen Gründen oder aus Überzeugung).

                            In diesem Sinne wünsche ich allen eine erkenntnisreiche Suche!

                            Frank (Rzeppa)

                            Kommentar

                            • Frank Thomas
                              Forum-Teilnehmer
                              • 01.09.2010
                              • 4

                              #15
                              Ach ja, zur Frage der NS-Überzeugung hier noch ein Nachtrag: In Befragungen von US-Instituten unter Deutschen (in der amerikanischen Besatzungszone) zwischen 1945 und 1948 meinten zwischen 47 % und 55,5 %, "[...] dass der Nationalsozialismus eine prinzipiell gute Idee war, die lediglich schlecht ausgeführt wurde." (https://www.kas.de/c/document_librar...groupId=252038).

                              Beste Grüße,
                              Frank (Rzeppa)

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