Störtebeker - ein Danziger?

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  • Rahmenbauer14, + 1.11.2021
    Forum-Teilnehmer
    • 01.01.2009
    • 1434

    #16
    AW: Störtebeker - ein Danziger?

    Hallo Arndt,

    Du wirst schon etwas finden. Im gbv.de (Gemeinsamer Biliotheksverbund) habe ich leider nichts gefunden. Versuche Du es dort mal.

    Guten Tag Uta,
    habe mir den ganzen Stammbaum angesehen. Hennings Sohn hat ja viele Kinder gehabt. Er hat auf Fehmarn/SH geheiratet. Die Dörfer existieren noch - aber keiner namens Stortenbecker ist dort im Telefonbuch zu finden. Jeder trägt sich dort auch nicht ein.
    Ob die Wilhelmine Neeltje Stortebeker #12 noch lebt? Ist ja 1952 in Kanada gelandet.

    Schönen Gruß euch beiden aus Rerik

    Rainer
    "In einem freien Staat kann jederman denken,
    was er will, und sagen, was er denkt"
    (Spinoza)

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    • Antennenschreck
      Forum-Teilnehmer
      • 05.09.2011
      • 1833

      #17
      AW: Störtebeker - ein Danziger?

      hallo Rainer,

      die chancen das ich was finde, sind gar nicht so schlecht. Da es sich bei den meisten meiner Dokumente um Scans von alten Dokumenten handelt, es blos recht lang weil die Textsuche nur eingeschränkt funktioniert. Man muß eben immer lesen und abschreiben, wenn da was Wichtiges steht. Zur Zeit bin ich erst mal an 3 Quellen (von wenigstens 8) simultan am lesen. So bekommt aber einen recht guten Überblick über den betreffenden Zeitraum, da sich die Infos oft ergänzen und manchmal auch gegenseitig bestätigen.

      Tschü.......
      Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

      Kommentar

      • UtaK.
        Forum-Teilnehmer
        • 16.05.2010
        • 235

        #18
        AW: Störtebeker - ein Danziger?

        Guten Tag Rainer,

        die Wilhelmine Neeltje Stortebeker wird wohl geheiratet haben nachdem sie in Kanada angekommen ist und dadurch ihren Namen geändert haben. Außer J. Stortenbeeker in Newmarket, Ontario, habe ich noch viele Stortenbecker in den USA gefunden.

        Viele Grüße,
        Uta

        Kommentar

        • Antennenschreck
          Forum-Teilnehmer
          • 05.09.2011
          • 1833

          #19
          hallo,

          genau in dieser Zeit (ende 14. Jh. anfang 15. Jh.) entwickelte sich durch einen Zusammenschluß von Polen und Littauen eine politisch militärische Großmacht in der Region. Dieser hatte der deutsche Orden nicht wirklich etwas entgegen zu setzen. Zu Zeiten seiner (Littauen-Polen) größten Ausdehnung gehörte das gesamte Gebiet (bis an die heutigen Grenzen Russlands) hinunter bis zum schwarzen Meer dazu. Im Vergleich zum deutschen Reich (mit seinen vielen Einzelreichen) konnte man hier sicher von einer europäischen Großmacht sprechen. Die ständige Uneinigkeit zwischen Hansa, Freien Städten, Gebietsfürsten, Kaiser und Deutschem Orden führten über weite Strecken zu einer Unfähigkeit auf äussere Einflüsse, seien sie politischer oder militärischer Natur, zeitnah und sinnvoll zu reagieren. Es war oft noch nicht einmal möglich für Diplomaten, im Deutschen Reich einen kompetenten Verhandlungspartner zu finden. Da gab es eben die unterschiedlichsten Foren (Reichstage, Städtetage, Hansetage....), welche sich unregelmäßig trafen um Entscheidungen zu treffen. Es gab immer wieder Hansetage, auf denen über die Seeräuberplage gesprochen wurde, nur waren da zufällig nie Vertreter anwesend welche aktuell die Seeräuber deckten. Und wenn schon mal ein (involvierter) Fürst da erschien, so hatte er bestimmt seine Räthe nicht mitgebracht, ohne die er ja nichts entscheiden konnte. Also wurden die Entscheidungen mal wieder "ad referendum" genommen, will sagen da müssen wir nochmal drüber reden. Ich habe einige Urkunden von solchen Treffen, nur kaum eine in der wirklich mal etwas zu Ende entschieden wurde.

          Tschü......

          Hallöle,


          Sowie also die Macht von Polen / Litauen erstarkt (nach der Heirat von Hedwig mit dem litauischen Fürsten Jagiello am 14. Februar 1386) schwindet der Einfluß des deutschen Ordens in dem Gebiet stetig. Kein Gedanke mehr Anfangs des 15. Jh. an so eine Aktion des dt. Ordens, wie im folgenden beschrieben:

          Auch zur See hatte der Deutsche Orden um jene Zeit eine bis dahin nie gekannte Thätigkeit entwickelt, die ihm eine, freilich nur vorübergehende Herrschaft über Gothland verschaffte. Diese Insel war damals der Hauptsitz der baltischen Piraten geworden, welche besonders seit dem Jahre 1390 alle Gewässer der Ostsee mit Furcht und Schrecken erfüllten und dem Handel der norddeutschen Städte den empfindlichsten Schaden zufügten. Verschiedene Versuche, welche die Hansa angestellt hatte, um diesem Unwesen zu steuern, waren fruchtlos geblieben. Endlich rüstete Konrad von Jungingen auf den Wunsch der preussischen Seestädte im Jahre 1398 eine Flotte von mehr als achtzig großen und kleinen Schiffen aus, welche etwa vier- bis füntausend Krieger nach Gothland übersetzen sollten. Mitte März liefen die Geschwader von Danzig aus und langten glücklich im Hafen Garn drei Meilen von Wisby an. Nachdem ein Theil der Mannschaften ans Ufer gesetzt war, nahmen die Feindseligkeiten sofort ihren Anfang. Dert tiefe Schnee, welcher noch die ganze Insel bedeckte, verhinderte die Ritter freilich, von den mitgebrachten schweren Geschützen den gewünschten Gebrauch zu machen. Nichts destoweniger gelang es ihnen bald, drei Raubschlösser niederzubrechen und sich Wisbys zu bemächtigen. Der Fall der Hauptstadt entschied über das weitere Schicksal der Insel. Die Piraten, welche nicht durch die Flucht entkommen waren, wurden entweder niedergemacht, oder es ward ihnen eine Frist gesetzt, binnen welcher sie alle festen Plätze auf Gothland zu räumen hatten. In Wisby ward eine Besatzung von zweihundert Bewaffneten gelegt, welche der Herrschaft des Ordens über die ganze Insel Anerkennung verschaffen sollte. Seit jener Zeit mieden die Seeräuber das baltische Meer und verzogen sich allmahlig gen Westen in die Nordsee. Der Orden aber blieb zehn Jahre hindurch im Besitze Gothlands.



          Tschü....

          Hallöle,

          der vorhergehende Bericht zeigt, dass ab ca. 1400 in der Ostsee das Piratenunwesen beendet war, und wenn überhaupt, nur noch im Bereich der Nordsee zu finden war. Man braucht ja schließlich auch immer einen geeigneten Hafen für größere Schiffe (auch Seeräuber). Und einen größeren Hafen kann man nicht auf längere Zeit verbergen. Da auch die Piratenschiffe auf Werften gebaut wurden, konnte man auch nicht regelmäßig under cover in normalen Häfen vor Anker gehen ohne entdeckt zu werden. Also war vermutlich ab 1400 der Spuk in der Ostsee vorbei, da es hier ja nur eine wirkliche Ausfahrt in die Nordsee gab und die Seeräuber da irgend wann mal durch mußten. Das ist so ähnlich wie mit den U-Booten im Mittelmeer und der Meerenge vor Gibraltar.

          Tschü....

          Hallo,

          so veränderten sich im Danziger Raum während der Zeit von 1390 bis 1410 vollkommen. Aus dem schwachen und zerrissenen Polen wurde innerhalb von 20 Janren, durch den Zusammenschluß mit Litthauen, ein nach aussen hin, geeintes und starkes Land und aus dem ehemals starken deutschen Orden wurde eine korruptes und ineffektives Irgendwas. So kam es, wie es kommen musste, als der Orden eine Getreidelieferung von Polen nach Litthauen 1408 beschlagnahmte:

          Diese Gewaltthätigkeit forderte Rache. Ein Krieg war nicht mehr zu vermeiden. In Samogitien sollte zuerst der Orden angegriffen werden. Schon mit Beginn 1409 zeigten sich hier die bedenklichsten Bewegungen, die auf eine Gesamterhebung des Landes gegen die Deutschen hindeuteten. Aller Orte wurden Wege verhauen und vergraben. In großen Haufen rüstete sich das Volk zum Auszuge mit Speer und SChild. Geheime Boten des Königs (von Polen) und des Großfürsten wiegelten fortgesetzt zur Empörung auf. Im Juni brach der Aufstand los. Bereits warenauch in Polen und im Ordensgebiete die ansehnlichsten Vorkehrungen zum Kriege getroffen. Am 6. August endlich sandte der Mochmeister dem König den Fehdebrief. Zu einer größeren Schlacht zwischen den erbitterten Gegnern kam es im Jahre 1409 nicht mehr. Der Waffenstillstand, zu welchem sich Anfang October der König und der Hochmeister verstandigten, schob die Entscheidung des Kampfes noch um acht Monate hinaus. Während dieser Zeit versuchten der Königvon Böhmen und später der König Sigismund von Ungarn eine friedliche Ausgleichung anzubahnen. Jedoch umsonst. Der Gang der Verhandlungen zeigte nur zu deutlich, daß hier einzig und allein das Schwert zu einer Lösung führen könne.

          So nahte der Johannistag des Jahres 1410, mit welchem der Waffenstillstand zu Ende ging. Aus allen Nachbarlanden, aus Schlesien, Mahren und Böhmen hatte der Polenkönig inzwischen Streitkräfte an sich gezogen und diese mit den litthauischen und polnischen Heeresmassen vereinigt. Die böhmischen Hilfstruppen befehligte Ziska, der nachmals beruhmte Feldherr der Hussiten. Selbst von jenseits des Dnieper waren große Haufen von Russen und Tataren herbeigeeilt, um an dem Kampfe gegen den Westen Theil zu nehmen. Nicht minder thätig war der Orden gewesen. Seine Werbungen hatten sich fast über ganz Deutschland erstreckt; aus Meißen, Schlesien, Franken, Braunschweig, Westfalen und vom Rhein erfolgte der Hauptzugang von Söldnerschaaren;der Herzog von Stettin sandte seinen Sohn Kasimir mit sechshundert Rossen; die Livländer fuhrte ihr Landesmarschall herbei; im Ordenslande selbst gab es wohl keinen Ort, der nicht sein Fahnlein zu dem allgemeinen Aufgebote gestellthatte. Die Gesamtstärke des Ordensheeres wird wohl auf 83000 Man angegeben, während der Polenkönig etwa 163000 Mann vereint haben soll.

          Soweit erst mal.

          Tschü.....

          Hallo,

          Einer gemeinschaftlichen Übereinkunft gemäß war nachträglich noch die Waffenruhe bis zum sechsten Tage nach Mariä Heimsuchung ausgedehnt worden. Am 8. Juli aber begann König Wladislaw sofort die Feindseligkeiten und sieben Tage später standen bereits die beiden Heere einander schlagfertig gegenüber. Etwa drei Meilen südlich von Osterode im heutigen Ostpreussen liegt auf einer mäßigen Anhöhe das alte Dorf Tannenberg. Von dort zieht sich gen Süden, in der Richtung nach Gilgenburg hin, eine unterbrochene Ebene, die anfangs bebaut, dann in eine gras- und baumlose Wüste ausläuft, deren sudliches Ende durch einen Wald geschlossen ist. Auf diesem öden Blachfelde ward am 15. Juli 1410 die Volkerschlacht zwischen dem deutschen Orden und den polnisch-litthauischen Heeren geschlagen. Eine schreckliche Nacht ging jenem verhängnißvollen Tage voran. Unter unaufhörlichen Blitzen und Donnerschlagen floß der Regen in Stromen vom Himmel herab. Dabei tobte der Sturm mit solcher Gewalt, dass in den Lagern beider Heere fast alle Zelte niedergeworfen wurden, und die Krieger schlaflos die Nacht hinbringen mußten. Noch bei Anbruch des Tages hatte sich die Heftigkeit des Sturmes nicht gelegt.

          .......

          Tschü.....

          Hallo,

          hier also noch einmal genauer, die Ereignisse rund um die Schlacht von Tannenberg, wie ich sie in einem 4. Zeitdokument zur Region gefunden habe:

          Um die Mittagszeit eröffnete der Großfürst von Litthauen den Angriff. Die ein und fünfzig Banner des Ordensheeres hatte der Hochmeister in drei Treffen aufgestellt, von denen die beiden vorderen sofort in den Kampf gezogen wurden. Heftig entbrannte nun der Streit. Mit gleicher Tapferkeit ward von beiden Seiten gefochten. Lange wogte die Schlacht unentschieden hin und her. Plötzlich beginnen die Haufender Litthauer, Russen und Tataren zu weichen; die Böhmen und Mahren lösen sich in wilder Flucht auf; siegreich dringen die Ordensschaaren vor. Schon ist das polnische Hauptbanner niedergeworfren und längs der Schlachtlinie der Deutschen ertönt der Siegesgesang: Christ ist erstanden. Da ermannen sich mit einem Male die Polen. Durch das Eintreffen frischer Streitkräfte, die bisher im Rückhalt gelegen, wird ihr Muth von Neuem belebt. Bald flattert wieder der weiße Adler siegverkündend auf dem Reichspanier. Was von den Fliehenden noch nicht zu weit verstreut ist, wird wieder in den Kampf gezogen. So gelingt es den Polen, den Angriffen des Ordensheeres nicht nur Stand zu halten, sondern binnen Kurzem hier eine furchtbare Verwüstung anzurichten. Als der Abend über das Schlachtfeld einbrach, war das Schicksal des Kampfes entschieden. Mit dem größten Muthe hatten die vereinzelten Ordensbanner sich den wüthenden Angriffen der Polen entgegenzustemmen gesucht. Aber die Übermacht des Feindes war zu groß gewesen. Nirgends hatten die Deutschen, nachdem das Glück sie einmal verlassen, sich zu halten vermocht. Die Blüthe des Ordensheeres war gefallen, die Leichen der vornehmsten Führer deckten die Wahlstatt, den Hochmeister Ulrich von Jungingen selbst hatte inmitten des heftigen Kampfgewuhls ein tödliches Geschoß getroffen. Das große Ordensbanner so wie das reiche Lager der Deutschen kam in die Hände der Sieger, die ihrerseits, wenn man den späteren Berichterstattungen glauben darf, sechzigtausend Todte zählten.
          Deie Kunde von diesem namenlosen Unglück verbreitete im ganzen Ordensgebiete tiefe Trauer und Muthlosigkeit. Die beste Kraft des Landes war aufgeboten worden und nur wenige Stunden hatten hingereicht, um Alles zu vernichten. An neue Opfer war nicht zu denken; die letzten Widerstandsmittel waren erschöpft. Als daher der Polenkönig jetzt mit seinen Heeresmassen gen Norden Norden aufbrach, um sich Marienburgs, der Hauptfeste des Ordens zu bemächtigen,zeigte sich nirgends ein Feind, der ihn am Vorrücken gehindert hätte. Weit und breit zerstreuten sich die ihm verbündeten Hülfstruppen, um ungestraft zu rauben und zu plündern. Ohne Schwertstreich ergaben sich die vornehmsten Burgen und Festen des Landes. Gesetz und Gehorsam schienen aufgelöst im ganzen Ordensstaate. Von allen Seiten eilten die weltlichen und geistlichen Machthaber herbei, um dem fremden Sieger zu huldigen.


          Tschü.....

          Man könnte somit die Einnahme von Gothland durch den Orden, als die letzte größere Aktion desselben betrachten, welcher auch längerfristig Erfolg beschieden war. Die Schlacht bei Tannenberg stellt somit die endgültige Wende dar, ab diesem Zeitpunkt schwand der Einfluss des Ordens in dem ganzen Gebiet stetig. Daher ist es auch kein Wunder, wenn sich die Städte nach einer anderen Schutzmacht umsehen. Nach Lage der Dinge kam hierfür nur das polnische Königreich in Frage. Daran änderte auch nichts, dass der Orden immer noch in einigen kleinen Burgen und der Marienburg als Hauptfeste vertreten war. Die Marienburg wurde immerhin 8 Wochen ohne Erfolg belagert, von König Wladislaw. Auf die Dauer verringerte sich die finanzielle Basis des Ordens dramatisch, da er seine Ansprüche immer weniger durchsetzen konnte und die großen Städte lieber Polen als Schutzmacht gehabt hätten. Zu allem mussten ja auch die überlebenden Söldner (Ritter) vom Orden noch bezahlt werden, auch wenn der Krieg verloren war. Da dies nicht geschah, plünderten die versammelten Heerscharen nun immer näher an die Städte heran, um zu überleben:

          „Noch nie,“ schreibt ein Zeitgenosse, „ward in irgend einem Lande von großer Untreue und so schneller Wandelung gehört“

          Da der König von Polen, nach der erfolglosen Belagerung der Marienburg, nach Polen zurückging und das ganze Gebiet den plündernden Horden überließ, bestand gab es trotzdem keine andere Ordnungsmacht als den geschlagenen und geschwächten Orden. Das führte zu einer temporären Annäherung zwischen den Städten und dem Orden, welche dem herrschenden Chaos geschuldet war. In dem der Orden die seriösesten der herumziehenden Söldnerbanden wieder in seine Dienste nahm, gelang es ihm bis Anfang 1411 in dem größten Teil des Landes wieder eine gewisse Grundordnung herzustellen. Daher willigte im Februar 1411 Polen in eine Art Friedensvertrag ein, bei dem fast der Zustand von vor dem Krieg festgelegt wurde und der Orden Alles außer Schamaiten wieder unter seine Verwaltung bekam. Offenbar hatten beide Kontrahenten, der polnische König sowie der deutsche Orden, nach der Schlacht von Tannenberg die Kontrolle über ihre angemieteten Söldnerheere so weit verloren, dass keiner von beiden die Kontrolle übernehmen konnte. Hier waren auf Dauer die noch vorhandenen Reststrukturen des Ordens von entscheidender Bedeutung, um trotz des verlorenen Krieges am Ende doch der Sieger sein zu können. Die Wunden allerdings, welche dieser Krieg geschlagen hatte sollten bleibender Natur für den Orden sein.


          Tschü......

          Hallöle,


          Es geschahen Dinge, welche nur 5 Jahre zuvor undenkbar gewesen wären:

          Im Jahre 1411 verweigerte das reiche Danzig die von dem Hochmeister ausgeschriebene Schatzung und ließ sich zu offner Empörung gegen den Orden verleiten.......

          Jetzt aber, wo der Ordensbau in seinen innersten Fugen erschüttert, der Glanz seines Schlachtenruhms geschwunden und ein nie geahndeter Jammer über das Land hereingebrochen war, jetzt zeigte sich alsbald in grellster Weise die Unzulänglichkeit des alten mönchisch-kriegerischen Ordensregimentes, welches zwar dem erobernden Ritterstaate einen äußeren Halt hatte geben können, jedoch nicht volksthümlich und lebenskräftig genug gewesen war, um zwischen Landesherren und Unterthanen ein festes nationales Band zu gründen.

          Da half auch nicht, dass der Orden ab 1412 einen Landrat installierte, in dem zumindest Anfangs der Orden den Vertretern der Städte und des Adels sogar die Mehrheit überließ. Dieser Rat wurde aufgrund seiner Struktur zu einem Debattierklub. Um ihn entscheidungsfähig zu machen, änderte der Orden seine Zusammensetzung bis 1430 derart ab, dass im Prinzip die Ordensleute in der Mehrheit waren. Ab jetzt waren auch von diesem Gremium keine Entscheidungen mehr im Sinne der Städte zu erwarten. Somit war die letzte schwache Brücke, der Verständigung zwischen Orden und Bevölkerung, nach knapp 20 Jahren auch schon wieder abgebrochen worden.

          Tschü......

          Hallöle,

          Die Zerrüttung des Ordensstaates hatte inzwischen bedrohliche Verhältnisse angenommen:

          Im Jahre 1440 hatte die Spannung des Ordens mit dem Adel und den Städten der preussischen Landschaften einen solchen Grad erreicht, dass am 14. März die Ritter der Gebiete von Kulm, Osterode, Riesenburg, Christburg, Elbing, Dirschau und Mewe sichin Marienwerder mit neunzehn der vornehmsten Städte zum selbständigen Schutze ihrer Gerechtsame zu einem Bunde vereinigten, der bald der Mittelpunkt alles Widerstandes gegen den Orden ward. Daneben unaufhörliche Klagen der Zeitgenossen über Theuerung, Münzverschlechterung, über pestartige Seuchen und anderes Elend, das seinen hauptsächlichsten Grund in den andauernden Kriegen mit Polen und Litthauen hatte. Hier war trotz des Vergleichs zu Thorn vom Jahre 1411 kein Friede aufrecht zu erhalten. Vergebens hatten sich der Papst, der deutsche König und die Kirchenversammlung zu Constanz bemüht, diesen Feindseligkeiten ein Ende zu machen; vergeblich hatte der Orden sich zu den schmählichsten Opfern herabgelassen; schon war das Land Schamaiten durch den Melnoer Frieden vom Jahre 1422 für immer an Polen und Litthauen abgetreten, das Gebiet von Ressau, der Schlüssel zum preussischen Weichsellande ihnen preisgegeben, und noch immer ruhte der übermüthige Nachbar nicht mit seinen Forderungen. Der Orden stand allmählig da, wie ein vergessener Vorposten, auf dessen Hülferuf und Klagen Niemand achten wollte. Denn im deutschen Mutterlande war die Theilnahme für die baltische Ritterkolonie bereits mehr und mehr geschwunden...............



          Tschü.........

          Hallöle,

          Die zwischen dem Adel (teilweise sogar Ordensritter) und den Städten 1440 geschlossene Bund wurde immer mehr zur Bedrohung für den Orden, und so sah sich dieser genötigt 1453 den deutschen Kaiser, Friedrich III, um ein Verbot des Bundes nachzusuchen. Dieser Bitte kam Friedrich umgehend nach, wohl um zu retten was noch zu retten ist, und überließ dem Orden die praktische Umsetzung des Verbotes vor Ort. Wäre sich der Orden seiner Sache und Macht so sicher gewesen, so hätte er nicht erst beim Kaiser um ein Verbot nach gesucht, sondern hätte einfach entsprechende Maßnahmen ergriffen. Aber er hoffte wohl, dass der Kaiser selbst das Verbot auch irgendwie durchsetze. Dem Orden selbst blieb ja nur das Mittel der Gewalt, denn rein verwaltungstechnische Möglichkeiten gab es ja schon länger nicht mehr. Ein gewaltsamer Lösungsversuch aber musste die Städte und den Adel endgültig in die Arme von Polen treiben. Also sandten sie im Februar 1454 eine Gesandtschaft nach Krakau zum polnischen König. Diesem boten sie ihr gesamtes Land und sich zum Untertan an, wofür er sie nur gegen den Orden schützen sollte:

          Nach einigem Zögern nahm der König das Anerbieten an, bestatigte dem Adel und den Städten alle ihre Privilegien und sandte, da inzwischen bereits die Feindseligkeiten ihren Anfang genommen hatten, alsbald zum Schutze des Bundes eine ansehnliche Heeresmacht nach Preussen. So begann jener ungleiche Kampf, der dreizehn Jahre lang das Ordensland verheerte und endlich im Jahre 1466 den Hochmeister zwang, den schmachvollen Frieden zu Thorn mit Polen abzuschließen. In diesem Frieden entsagte der Orden zu Gunsten Polens seiner Herrschaft über die Gebiete von Kulm, Michelau und Pomerellen; ebenso wurden die Städte Danzig, Thorn, Elbing, Marienburg und die Bisthümer Kulm und Ermeland dem Sieger abgetreten. Für den noch übrigen Theil der preußischen Ordenslande mußte der Hochmeister dem Polenkönig den Vasalleneid leisten. Der baltische Staat hörte hiermit auf, als selbstständiges Gemeinwesen zu bestehen.......


          Tschü........

          Hallöle,

          diese Entwicklung kam einem Ende des Ordens des deutschen Ordens gleich, wie man ihn in den letzten 250 Jahren kannte. Aber auch an der Hansa konnte eine solche Entwicklung nicht spurlos vorbeigehen, verlor sie doch ihre Schutzmacht. Da die Hansa noch keine größere Konkurrenz vor Ort hatte, kam ihr Niedergang zeitversetzt zu dem des Ordens, zumal ja der Orden noch vor seinem Abgang ja noch alle Seeräuber aus der Ostsee vertrieben hatte. Trotzdem war Mitte des 15. Jahrhunderts schon das Ende der Hansa im Ordensgebiet abzusehen. Nach und nach würden sich die ganzen Strukturen immer mehr in Richtung Polen orientieren. Das alles nahm dem Orden auch die letzten seiner Einnahmequellen, und die Möglichkeit seine Abgaben an den polnischen König zu bezahlen. Für die Hansa wurde nach 1389 die Bedingungen im Allgemeinen stetig schlechter, da die Königin von Dänemark die beiden Nachbarreiche (Norwegen, Schweden) annektierte und in der Folge erheblich in die Handelsrechte der Hansa (in nördlicher Richtung) eingriff, und das nicht immer zum Vorteil der Hansa. Auch in England hatten die baltischen Händler einen um so schwereren Stand, je schwächer der deutsche Orden wurde. In der Hansa selber, gab es nur Gerechtigkeit für ebenbürtige Mitglieder, und davon konnte ab Beginn des 15. Jh. im Falle der baltischen Städte wohl nicht mehr die Rede sein. Alles in allem waren das ganz schlechte Bedingungen für den baltischen Teil der Hansa, und eine Besserung war nicht in Sicht......


          Tschü.......

          Hallöle,

          um einmal zum Ausgangspunkt, dem Seeräuberunwesen zurückzukehren; hier ist es wohl so wie in Goethes Faust beschrieben:

          Meister, oh Meister
          meine Not ist groß,
          die ich rief,
          die Geister,
          werd ich nun nicht los!

          Piraterie wird es wohl, in beschränktem Maß, schon länger gegeben haben. Nur brauchte man zum Überfall auf eine große Hansakogge zumindest ein ähnlich großes Schiff, ansonsten hätten sich die Angegriffenen bestenfalls totgelacht, nur das dauert recht lang. Solch große Schiffe gab es aber nur auf relativ offiziellem Weg und für recht viel Geld. Aus diesem Grund konnten nur gut betuchte Leute eine Seeräuberkarriere ins Auge fassen. Nur warum sollten gerade die ihren Lebensunterhalt so abenteuerlich bestreiten?

          Weil es damals eben ganz normal war, seinen wirtschaftlichen Konkurrenten auszurauben und alles was sich nicht einvernehmlich regeln ließ mit Gewalt zu klären:

          Die Städte Rostock und Wismar ließen also 1391 einen Aufruf ergehen, dass alle diejenigen, „welche auf eigene Kosten gegen Schweden, Dänemark und Norwegen freibeutern und dort rauben, plündern und brennen wollten,“ sich meldenmochten, um sogenannte „Stehlbriefe“ oder Kaperbriefe zu erhalten, der Wismarsche und Rostocker Hafen würden ihnen offen stehen, um ihren Raub zu bergen und ihn dort nach Belieben zu verkaufen. Zugleich machte Herzog Johann bekannt, dass seine Häfen Ribnitz und Golwitz ebenfalls diesenFreibeutern zum Zufluchtsort dienen sollten. So bildete sich rasch aus den von allen Seiten in Wismar und Rostock zusammenströmenden Abenteurern der Verein der Vitalienbrüder, jener ungestümen Raubgesellen, die zunachst keinen anderen Zweck hatten, als den (belagerten) Stockholmern Victualien zuzufuhren, die aber bald mit den übrigen baldischen Piraten gemeinsame Sache machten, sich Gothlands bemachtigten und von hier aus zur See und auf den benachbarten Kusten ihre Plünderungszüge unternahmen.

          Tschü.....

          Hallöle,

          ein solches Verhalten von ihren eigenen Mitgliedern (Rostock und Wismar) brachte die Hansa in eine schwierige Lage. Einerseits wollte sie nicht auf Gewalt gegenüber Margaretha setzen, andererseits war klar, dass nur durch eine Befreiung (des von Margaretha gefangenen) König Alberts, die alten (handelspolitisch) golden Zeiten wieder zu erreichen waren. Die Belagerung Stockholms (durch Margaretha) dauerte nun schon über 3 Jahre. Das es Margaretha nicht möglich war die Stadt einzunehmen, lag einzig und allein an deren Versorgung durch die Vitalienbrüder. Nur war den Seeräubern dieses auch klar und sie überfielen auf der Rückfahrt immer öfter voll geladene Hansakoggen um so nebenbei etwas in die Kasse zu bekommen. Hier nun wiederum waren es vor allem Koggen, welche aus dem baltischen Ordensgebiet kamen, da das bei der Hansa in Rostock, Wismar, Hamburg und Lübeck erst mal niemand störte. Endlich 1394 , nach langem Klagen aus Richtung Osten, rüstete sich die Hansa um wieder etwas Ruhe in die Ostsee zu bekommen:

          Zum allgemeinen Schrecken der Vitalier, die so eben erst Malmoe überfallen und in Brand gesteckt hatten, erschien eine stadtische Flotte im Sunde und da mittlerweile Margaretha selbst die Hand zu Friedensverhandlungen geboten, so gingen um Pfingsten des folgenden Jahres Abgeordnete der Hansa nach Schonen mit dem Auftrage, die Befreiung König Albert aufs Nachtrücklichste zu betreiben.

          So also wendete sich das Blatt für die Seeräuber, sie waren jetzt nicht länger von Nöten und konnten (mussten eigentlich sogar) entsorgt werden. Die Reicheren (also Wichtigeren) von ihnen, wurden rechtzeitig gewarnt, und waren zum Zeitpunkt des Angriffes auf Gothland schon länger dort verschwunden. Der ganze Rest der Seeräuber aber hatte gar keine Chance gegen die Ordensritter, zumal deren Anführer sich rechtzeitig abgesetzt hatten.

          Tschü.......

          Hallöle,

          dem eigentlichen Angriff auf Gothland scheint niemand von den dort vorhandenen Seeräubern entgangen zu sein. Es ist ja auch nicht so einfach mit einer großen Kogge unbemerkt an der gegnerischen Flotte vorbeizukommen. Aber es es ist denkbar, dass sich einige Piratenschiff gerade im Einsatz befanden und somit nicht vor Ort waren. Diese könnten auch die anrückende Streitmacht auf See bemerkt oder auf anderem Weg von dem Fall ihres Hauptstützpunktes erfahren haben. Das Dümmste was sie hätten nun tun können, wäre zu versuchen nun selbst auch noch in den Streit auf Gothland einzugreifen. Und das Klügste wäre gewesen, sofort die Ostsee zu verlassen und in internationalere Gewässer, wie die Nordsee, auszuweichen; und das werden sie vermutlich auch getan haben. Es gab nun wahrscheinlich ein paar Seeräuberschiffe in der Nordsee, welche sich von der Hansa verraten fühlten und auf Rache sannen. Auch galt der Frieden zwischen der Hansa und Königin Margaretha ausschließlich für die Ostsee, aber keineswegs für die Nordsee. Also waren die übriggebliebenen Kaperschiffe in den norwegischen Fjorden erst einmal relativ sicher, solang sie ihre Aktivitäten ausschließlich gegen die deutsche Hansa richteten. Das Gefühl, von der Hansa nur benutzt und dann auch noch verraten worden zu sein, führte zu einem deutlich brutaleren Vorgehen der Seeräuber. In der Regel wurden die Besatzungen der Handelsschiffe jetzt sofort getötet, und die Schiffe nach der Plünderung, auf offener See, verbrannt. Es sollten ja auch keine Zeugen zurückbleiben, weder stumme noch lebende. Die Sache mit den Kaperbriefen war also nun komplett aus dem Ruder gelaufen, es war ein Krieg auf Leben und Tod daraus entstanden. Auf diesem Weg könnte übrigens auch der Danzigbezug von einem Klaus Störtebecker entstanden sein, da die wenigen großen Kaperschiffe in der Nordsee damals überwiegend aus der Ostsee von Gothland (weit hinten Richtung Danzig) kamen, und sich möglicherweise auch selbst andere Namen gaben. Auch gab es selten überlebende Zeugen solcher Überfälle, welche später genaue Beschreibungen der Täter liefern konnten. Die Hansa hatte also nun das Problem aus der Ostsee (wo es sie weniger betroffen hatte) in die Nordsee verlagert, und hier schadete es ihr weit mehr; obwohl die Anzahl der Seeräuber jetzt sicher nicht mehr so hoch war. Da England die Angriffe auf die deutsche Hansa nicht wirklich schlecht fand, war von dieser Seite auch keine Hilfe zu erwarten. Die Piraten mussten also im heimischen Gewässer, am besten auf frischer Tat, gestellt werden. Keine leichte Aufgabe, denn genau dahin segelten die Piraten eigentlich nicht, weil sie die Hansakoggen ja immer in „internationalen“ Gewässern aufbrachten und ihren Heimathafen weit oben in norwegischen Fjorden hatten. Genau dieses Szenario macht es recht unwahrscheinlich, dass innerhalb von wenigen Wochen die zwei gefährlichsten Piratenschiffe der Nordsee, in heimischen Küstengewässern, durch ein einzelnes Schiff (die Bunte Kuh), aufgebracht worden sein sollen. Aber schauen wir mal weiter...........


          Tschü.......
          Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

          Kommentar

          • Peter von Groddeck
            Forum-Teilnehmer
            • 11.02.2008
            • 1517

            #20
            AW: Störtebeker - ein Danziger?

            Hallo Antennenschreck,
            ein interessanter Ausflug in die Historie. Eine Frage: Du schreibst immer "Hansa". Mir war bisher nur "Hanse" geläufig. Wie kommst Du dazu?
            Gruß Peter
            Tue recht und scheue niemand.

            Kommentar

            • Antennenschreck
              Forum-Teilnehmer
              • 05.09.2011
              • 1833

              #21
              AW: Störtebeker - ein Danziger?

              Hallo Peter,

              die Antwort ist recht einfach, größtenteils wird es in den älteren Dokumente als Hansa tituliert. Ursprünglich scheint die Herkunft des Wortes auf das hansische (kaufleute aus Hamburg) oder hanseatisch zurückzugehen. Als der Bund später weit über Hamburg hinausging, scheint man das e am Ende in ein a gewandelt zu haben, möglicherweise um sich etwas von Hamburg abzugrenzen.

              Tschü......
              Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

              Kommentar

              • Peter von Groddeck
                Forum-Teilnehmer
                • 11.02.2008
                • 1517

                #22
                AW: Störtebeker - ein Danziger?

                Hallo Antennenschreck,
                danke.
                Gruß Peter
                Tue recht und scheue niemand.

                Kommentar

                • Antennenschreck
                  Forum-Teilnehmer
                  • 05.09.2011
                  • 1833

                  #23
                  Hallo,

                  Nachdem im Laufe des Jahres 1398 klar wurde, das König Albert sein altes Reich nicht wieder würde zurückbekommen wurde die Besatzung von Stockholm (durch die Hansa) aufgehoben. Ab jetzt entwickelten sich die Verhältnisse zwischen der Hansa und Margaretha von Dänemark in eine für beide Seiten günstige Richtung. So kam es im Herbst 1399 sogar zu einer Versöhnung zwischen Margaretha und den beiden, ihr (wegen der Kaperbriefe) verfeindeten, Städte Rostock und Wismar. Der erreichte Friede war allerdings nicht allumfassend:

                  Seit dem Jahre 1409 stand Dänemark mit Holstein in fast ununterbrochener Fehde. Den Gegenstand dieses Zwistes bildete das Herzogthum Schleswig. Schon im Jahre 1404 , wo Herzog Gerhard von Holstein im Kampfe gegen die Ditmarschen gefallen war, hatten die Streitigkeiten zwischen der Krone Dänemark und den holsteinschen Grafen um den Besitz des schleswigschen Herzogthums begonnen.

                  Durch Vermittlung von Margaretha kam ein Waffenstillstand zustande, als diese aber 1412 starb war an eine endgültige Beilegung des Konfliktes nicht mehr zu denken. Im Jahre 1415 kam es dann endgültig wieder zu offenen kriegerischen Handlungen von Seiten König Erichs (Dänemark) gegen das Herzogtum Holstein, in dessen Verlauf einzig die gut befestigte Stadt Schleswig einer Besatzung entging. Und in diesem Zusammenhang tauchen nun auch wieder unsere Vitalienbrüder auf, welche doch spätestens 1402 komplett aufgerieben worden sein sollten:

                  Jetzt griffen die Holsteiner durch die Noth gedrängt zu einem wirksamen Mittel: sie riefen die gefürchteten Vitalienbrüder, die schon lange die Ostsee aufgegeben und sich in die westlichen Meere verzogen hatten, zum Beistande auf. Kaperbriefe gegen die skandinavischen Reiche wurden ausgetheilt, alle Häfen Holsteins den kühnen Freibeutern geöffnet und bald durchschwammen diese nach alter Weise die südlichen Gewässer der Ostsee. So ward es den Holsteinern möglich, den Feind zur See und zu Lande aufs Erfolgreichste zu beschäftigen. Im Sommer des Jahres 1416 mußte König Erich sich wieder nach Dänemark zurückziehen, nachdem alle seine Versuche, die Stadt Schleswig den Holsteinern zu entreißen, gescheitert waren.......

                  Siehe da, da haben sie wieder unsere Seeräuber, welche doch schon 1402 enthauptet worden waren. Sie hatten sich eben tatsächlich nur aus der Ostsee verzogen und waren in den Fjords von Dänemark untergekommen, nur dahin konnten sie jetzt nicht wieder zurück, als aktuelle Gegner des dänischen Königs. Also werden sie wohl ab jetzt keine Hansakoggen mehr aufgebracht haben, sondern ihr Interesse mehr auf dänische und englische Schiffe konzentriert haben. Bestraft wurden auch früher schon, in aller Regel, die kleinen Mitläufer und Deppen, aber sicher nicht die wichtigeren Figuren im Spiel; denn die könnte man ja selber noch mal brauchen. Wenn also 1401 oder 1402 (da gibt es unterschiedliche Angaben) überhaupt jemand in Hamburg hingerichtet wurde, so war es entweder nicht Störtebeker, oder es war tatsächlich jemand diesen Namens, aber dieser war kein großer Seeräuber sonder nur ein mediales Bauernopfer......


                  Tschü......

                  Hallo,

                  dieser Streit, welcher ursprünglich zwischen Holstein und Dänemark begann, entzweite nun wieder die Hansestädte und mit ihnen auch die Hana selbst. Es kam, wie schon oft, zum Teil zu einem vollkommen Rollenwechsel der beteiligten Parteien. Hamburg ergriff die Partei von Schleswig / Holstein und öffnete seinen Hafen den Vitalienbrüdern, welche sie doch noch Jahre zuvor vernichten wollte. Die Ostseestädte Wismar und Rostock aber, welche ursprünglich die Vitalienbrüder mit Kaperbriefen gegen Dänemark schickten, ergriffen die Position des dänischen Königs und sandten ihm im Herbst 1416 sogar eine große Ladung Pulver und Kugeln nach Fehmarn. Ihre Häfen waren nun selbstverständlich für die Seeräuber gesperrt. Aber selbst die eingegangenen Bündnisse, waren nicht immer so ganz ehrlich gemeint. So hatte der dänische König den Hansestädten ihren Wirtschaftskrieg gegen Dänemark nicht vergessen, und versuchte davon noch einiges aufzuarbeiten, egal ob die Stadt im Moment auf seiner Seite stand oder nicht:

                  Das Mittel, welches Erich anwandte, um sich zu rächen, bestand darin, dass er die zum Bunde (der Hansa) gehörigen holländischen Städte durch Begünstigungen aller Art an sich heranzog und sie endlich zum von der Hansa zu bewegen wußte.
                  Ein großer Theil der niederländischen Städte, etwa zwanzig an der Zahl, stand mit der Hansa bereits seit dem vierzehnten Jahrhunderte in bald näherem, bald fernerem Zusammenhange. Während der bedeutungsvollen Jahre 1368 und 1369 hatten sie die Ostseestädte aufs Kräftigste gegen Danemark unterstützt, hatten die von ihnen verlangten Schiffe und Mannschaften gestellt und waren nirgends hinter den Leistungen der übrigen norddeutschen Bundesstädte zurückgeblieben. Diese Hingebung hatte die Hansa ihnen von Anfang an schlecht gedankt. Einzelnen jener Städte war es freilich schon früher durch eigene Anstrengungen gelungen, auf Schonen Niederlassungen zu grunden und sich an dem dortigen Handel, so wie an der Haringsfischerei zu betheiligen. Aber östlich vom Sunde in den Gewässern des baltischen Meeres wurden die holländischen Schiffe nur ungern geduldet: hier durften sie sich eben so wenig wie die Flanderer, Engländer und die übrigen Kauffahrer des Westens blicken lassen. Denn die Ostsee sollte nun einmal nach den Grundsätzen der Hansa ein deutsches Meer sein und, wenngleich Holland damals zum deutschen Reiche gehorte, so nahmen doch Lübeck und dessen Genossen hierauf keine weitere Rucksicht, da sie nur zu gut erkennen mochten, dass gerade die seekundigen Bewohner der Niederlande sich am leichtesten zu gefährlichen Nebenbuhlern ihres baltischen Geschafts erheben könnten.....


                  In solchen Geschäftsgebaren dürfte wohl die eigentliche Ursache der Seeräuberrei zu suchen sein. Da werden eben normale Handelkoggen aus-geflaggt und mit Kanonen und bewaffneten Söldnern bestückt. Diese gehen dann, unter falscher Flagge, gegen unliebsame (wirtschaftliche) Konkurrenten vor. Klar, solche Aktionen kann man nicht offiziell durchführen, auch kann man den deutschen Holländern die Ostsee nicht offiziell verbieten. Da bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, eine kleine Privatarmee einzusetzen, bis alle (in der Ostsee) unerwünschten Handelspartner begreifen, dass die Ostsee für sie tabu ist. Offensichtlich hat sich die Hansa das Monster selbst erschaffen, welches ihr später oft große Schäden zufügte......


                  Tschü.....

                  Hallo,

                  die Hinwendung der holländischen Küstenstädte zum dänischen König, weg von der Hansa, blieb dieser allerdings nicht lang verbogen und führte schon auf der Tagfahrt von 1417 zu einem Beschluß, welcher besagte, dass der gesamte Getreideverkehr (durch Sund , Belt , Elbe oder Weser) verboten sei, außer er finde im Auftrag einer Hansastadt statt. Bei Verstößen gegen diese Verordnung wurde die komplette Fracht beschlagnahmt. Das kam einer Hungerblockade gegen Holland sehr nahe, da die Niederlande selber kaum Getreideanbauflächen besitzen und große Mengen davon importieren müssen. Eine solche Maßnahme trieb die Niederländer nur noch weiter in die Arme des dänischen Königs, welcher sofort in die entstandene Lieferlücke ein sprang. Da sich die Hansa hiermit wieder einmal selbst ein Bein gestellt hatte, musste sie auf die Folgen nicht lange warten:

                  Schon das Jahr 1423 zeigte den Hanseaten nur zu deutlich, dass die Bemühungen des Königs (Erich) nicht ohne Erfolg geblieben waren.Als gegen Ende September jenes Jahres die Flotten der Lübecker, Rostocker und Wismaraner nach Schonen ausliefen, schlossen die Holländer, welche sich dort zum Haringsfange eingefunden hatten, ein Bündniß mit König Erich, um gemeinschaftlich die hanseatischen Schiffe zu überfallen. Diese wurden noch rechtzeitig genug von dem Vorhaben unterrichtet und vereitelten den ganzen Plan, indem sie die großen holländischen Fahrzeuge, welche der König mit seinen Leuten bemannen und zu jenem Angriff hatte benutzen wollen, ihrer sämmtlichen Segel, Anker und Instrumente beraubten. Aber die Absicht Erichs und seiner Verbündeten war jetzt kein Geheimniß mehr: das Verhältniß der Holländer zur Hansa hatte sich gelöst, und ohne Rückhalt trat nun auch diese mit den feindseligsten Maßregeln gegen ihre ehemaligen Genossen hervor.........

                  Tschü.....

                  Hallo,

                  So brachte nun jedes weitere Jahr ein Ansteigen der Feindseligkeiten und der Gewalt zwischen König Erich und der deutschen Hanse mit ihren jeweiligen Verbündeten. Schon Anfan des Jahres 1427 starteten die Hansestädte einen Großangriff mit weit über hundert Schiffen (ca. 6000 Mann) einen Großangriff auf das von Erich besetzte Flensburg. Das dieser scheiterte, lag wohl hauptsächlich daran, dass der Graf Heinrich von Holstein (ihr Anführer), bei der Erstürmung der Festungsmauern ums Leben kam, und dadurch großes Chaos unter der Truppe ausbrach. Nur das schreckte die Hansa nicht und sie zogen im Juli des selben Jahres erneut, mit einer noch größeren Flotte, in den Kampf. Diesmal war der Plan, sich zuerst aller wichtigen Inseln in der Ostsee zu bemächtigen und dann die dänische Flotte direkt anzugreifen. Allerdings hatte die Mission auch noch das offizielle und vernünftige Ziel, alle Schiffe der Hansa während ihrer Handelsfahrten in der Ostsee vor den Dänen zu schützen. Zu diesem Zweck bildeten die Handelsschiffe so eine Art Geleitzüge aus mehreren Schiffen, welche sich dann schon selber etwas besser verteidigen konnten. In diesem Jahr wurden auf beiden Seiten der Ostsee die Handelsschiffe solang zurückgehalten, bis sich die besagte hanseatische Streitmacht in ihrem Aufmarschgebiet befand. Als dann aber der Geleitzug aus Danzig im Kampfgebiet erschien, war ein Teil der hanseatischen Armada in Kämpfe verwickelt und der andere nicht mehr vor Ort, kurz, der gesamte Konvoi wurde, bis auf wenige Schiffe (von den Dänen) aufgerieben. Da die Anzahl der gefallenen See- / Kaufleute mit über 1300 angegeben wird, muss es schon um einen sehr großen Konvoi (> 50 Schiffe) gehandelt haben (Besatzung pro Kogge ca. 20 Mann). Der Anführer der Hansakriegsflotte, Tiedemann Steen, wurde gleich nach seiner Rückkehr nach Lübeck verhaftet und für ungefähr 6 Jahre im Marstall eingekerkert, ob dieses Debakels.
                  Infolge der dauernden Handelshemmnisse und der fortgesetzten Feindseligkeiten dürften Anfang des 15. Jahrhunderts die Handelsbilanzen der Hansakaufleute längst nicht mehr so gut ausgesehen haben wie noch 30 Jahre zuvor. Inzwischen war nicht mehr sicher, ob man sein(e) Schiff(e) mitsamt der Besatzung jemals wieder sah, wenn es zum Hafen hinaus segelte, und alles was die Hansa unternahm, um die Lage zu verbessern, schlug ins Gegenteil um. Der Schaden, allein von Wismar im Jahr 1427, wird auf 32000 rheinische Gulden angegeben. Aus der ehemals reichen und bestimmenden Hansa, wurde langsam ein armer und hilfsbedürftiger Krämertrupp. Auch die Gewerke, welche Zuarbeit für die Hanse erbrachten, bekamen das immer mehr zu spüren. So schwand also den ehemals reichen Hansastädten ganz allmählich ihre wirtschaftliche Basis. Ein Gutes hatte die Entwicklung allerdings doch, mit dem Geld verschwand auch die Lust am Krieg führen.

                  Tschü......

                  Hallöle,

                  im Frühjahr 1428 folgte zwar noch ein Versuch der Hansa, den Hafen von Kopenhagen, durch das Versenken von Schiffen, unbenutzbar zu machen, aber im Vergleich zu den vorangegangenen Schlachten, kann man hier allerdings nur von einem misslungenen PR-Gag sprechen. Also dauerte es keine drei Jahre, bis die ersten Städte (Rostock und Stralsund) für sich einen Separatfrieden mit dem dänischen König schossen. Diese beiden Städte erreichten nun auch einen Ausgleich zwischen König Erich mit den Holsteinern, wobei sogar Dänemark auf das Herzogtum Schleswig verzichtete. Auf diesem friedlichen Weg kam man innerhalb von 2 Jahren zu Erfolgen, welche mit all der Gewalt in der Vergangenheit nicht erreicht wurden. In der nun kommenden Zeit übte die Hansa einen durchweg friedlichen und aussöhnenden Einfluss auf alle Beteiligten aus, eine vollkommen neue, aber angemessene Rolle, angesichts ihrer wirtschaftlichen und militärischen Schwäche. In dieser, allgemein friedlicheren Epoche finden sich auch keinerlei Hinweise mehr, auf irgendwelche Seeräuber in diesem Gebiet. Scheinbar war die Auftragslage in diesem Gewerbe inzwischen sehr schlecht geworden, und die Mannschaften der Schiffe hatten sich längst nach anderen Verdienstmöglichkeiten umgesehen. Der Hansa war mit Holland inzwischen ein neuer und sehr mächtiger Feind erwachsen, welcher versuchte sie (die Hansa) komplett aus dem westlichen Teil der Welt zu entfernen. Da Holland selber seit 1433 zum burgundischen Reich gehörte, wurde es mit jeder Gebietserweiterung des letzteren, ebenfalls immer mächtiger und verfügte bald über ein Handelsnetz, demgegenüber das hanseatische nicht mehr von Bedeutung war:

                  Die Verbindung, in welche hierdurch die holländischen Städte mit einem mächtigen Fürstenhause gebracht wurden, mußte nothwendiger Weise ihre ganze äußere Stellung verändern. Hatte schon früher die Mehrzahl, welche in Folge der Einflüsterungen des Dänenkönigs Erich aus der hansa geschieden waren, sich nicht gescheut, mit den deutschen Seestädten in offne Feindschaft zu treten, so gewannen jetzt diese Zwistigkeiten einen immer größeren Umfang und nachhaltigere Bedeutung. Von Jahr zu Jahr steigerte sich die gegenseitige Erbitterung, so daß die Feindseligkeiten zur See einen immer wilderen Charakter annahmen........

                  Nach Verlauf von wenigen Jahren rüsteten die Ritterschaft und die Städte in Holland und Seeland eine Flotte von achtzig bis hundert Kriegsschiffen, um womöglich die Hanseaten ganz aus den westlichen Meeren zu vertreiben. Zugleich ertheilte Herzog Philipp Kaperbriefe an Alle, die gegen die deutschen Seestädte kämpfen wollten, und nur zu bald wurden diese nun gewahr, daß in den burgundischen Niederlanden ein Kriegsmuth und ein Unternehmungsgeist wach geworden, der mit gewöhnlichen Mitteln nicht zu bändigen war.

                  Diese Feindseligkeiten dauerten bis in das Jahr 1441, als es dem dänischen König endlich gelang beide Parteien an einen Tisch zu bekommen. Man erreichte so etwas, wie ein Freihandelsabkommen, wonach keiner den anderen behindern sollte, bei seiner Tätigkeit. Wenn es allerdings niemand gibt, der die Einhaltung eines solchen Abkommens notfalls auch erzwingen kann, dann wird es mit der Zeit immer weniger beachtet:

                  Schon im Jahre 1447 waren die nordischen Wasserstraßen wieder so unsicher geworden, dass die Hanseaten sich genothigt sahen, die Bestimmung zu treffen, jedes ihrer Schiffe, welches über hundert Last groß sei, solle bei Verlust einer Mark Goldes zwanzig „Mannsharnische“ an Bord haben.....

                  Diese vergangenen ruhigeren Jahre hatten der Hansa genügt, um sich etwas zu erholen und ein wenig von dem alten Glanz zurück zu bekommen. Das allerdings gefiel nicht jedem, besonders nicht dem dänischen König Christoph, also fing er an die Holländer zu bevorzugen und ihnen Privilegien einzuräumen, welche er der Hansa im Gegenzug wegnahm. Da dies aber nicht schnell genug sichtbare Erfolge zeitigte, sann er auf effektivere Methoden, um den erneuten Aufstioeg der Hansa zu unterbinden:

                  Ein Angriff auf Lübeck wurde vorbereitet; die erforderlichen Geldmittel waren schon im Geheimen zusammengebracht, verschiedene bairische und andere Fürsten für diesen Plan gewonnen; im Jahr 1448 sollte das Werk ausgeführt werden. Da plötzlich stirbt zu Anfang jenes Jahres.

                  Diesem glücklichen Umstand hatte es Lübeck zu verdanken, der sicheren Zerstörung noch einmal entgangen zu sein.......

                  Tschü.....
                  Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

                  Kommentar

                  • Ulrich 31
                    Forum-Teilnehmer
                    • 04.11.2011
                    • 8562

                    #24
                    AW: Störtebeker - ein Danziger?

                    Hallo Arndt,

                    wolltest Du mit Deinem unvollendeten zweiten Satz im vorletzten Absatz von #62 prüfen, ob Deine Hansa-Beiträge gelesen werden? Darf ich ergänzen? > Am 5. Januar 1448 stirbt Christoph III., König von Schweden, Dänemark und Norwegen (siehe betr. Wikipedia-Seite > http://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_III. ).

                    Tschü . . .

                    Kommentar

                    • Antennenschreck
                      Forum-Teilnehmer
                      • 05.09.2011
                      • 1833

                      #25
                      Hallöle,

                      ne Ulrich, das wollte ich sicher nicht. Aber beim Abschreiben und Kopieren und Einfügen, da geht manchmal was daneben. Das war wohl hier der Fall.


                      ich habe hier übrigens einen chronologischen Abriss der frühen Danziger Geschichte, kann ja alles schon bekannt sein. Stelle es trotzdem mal hier rein, ist ja nicht allzu lang:

                      997

                      Als der heilige Adalbert im Jahre 997 die Bekehrung der Preussen begann, fand er an der unteren Weichsel bereits eine Ansiedlung ----- Gedanie -------

                      1107

                      wird Gdanzk als Hauptstadt Pommerellens (Ostpommerns, zwischen der Ostsee, Weichsel, Netze und Küddow gelegen) erwähnt.
                      Die selbstständigen Herzöge Pommerellens residirten in Danzig; das schloß von König Waldemar I von Dänemark während seiner Occupation des Landes angeblich 1163 erbaut, lag in der Gegend der Burgstrasse, Burggrafengasse, Schlossgasse etc.. Hier lebte Herzog Sambor, welcher 1178 das Kloster Oliva gründete und 1207 starb. Mestwin I gründete 1208 das Kloster Zuckau.

                      1220 – 1266

                      Herzog Swantopolk. Er gründete unter Anderen das Dominikanerkloster 1227. Unter ihm wurde der erste Massivbau des Klosters Oliva ausgeführt.

                      1230

                      Betritt der Deutsche Orden den preussischen Boden rechts der Weichsel , den er sich bis 1283 völlig unterwirft. Er dringt auch in Kämpfen mit Swantopolk vorübergehend bis Danzig und Oliva vor.

                      1266 – 1295

                      Mestwin II, der letzte Pommerellenherzog. Er erklärt sich aus Furcht vor Polen zum Lehnsträger Brandenburgs. Daher gibt es nach seinem Tode Kämpfe zwischen diesem und Polen, wobei Danzig abwechselnd von beiden besetzt wird.

                      1308

                      erobert der Deutsche Orden Danzig, wobei der größte Teil der damaligen Stadt, der jetzigen Altstadt zerstört wurde. Der Wiederaufbau dieses ältesten Stadtteiles erfolgte nur sehr langsam und wurde erst ab 1326 kräftiger betrieben.

                      1310

                      tritt Brandenburg ganz Pommerellen an den Orden ab.

                      1311

                      gründet der Orden die Rechtsstadt, die jetzige Hundegasse, Langgasse nebst Langenmarkt, Jopengasse nebst Brodbänkengasse und Heiligegelstgasse (steht da so) umfassend.

                      1343

                      wurde die Rechtsstadt besfestigt und durch die Damme in Verbindung mit dem Schloss gebracht.

                      1348

                      wird die Radaune nach Danzig geleitet und die große Mühle erbaut.

                      1351 – 1382

                      Hochmeister Winrich von Kniprode. Höchste Blüte des Ordens. Danzig erhält mehrere neue Kirchen.

                      Um 1380

                      entsteht an der Weichsel, unterhalb der Altstadt, ein neuer Stadtteil, die Jungstadt (nach Curike 1391 von HM Wallenrodt) angelegt.

                      1393 – 1407

                      Hochmeister Ulrich von Jungingen. Durch Verlust der Schlacht von Tannenberg beginnt der Niedergang des Deutschen Ordens. Danzig aber, das bereits 1366 als Mitglied der Hansa genannt wird, bleibt während des ganzen 15. Jahrhunderts die bedeutendste Handelsstadt im nordöstlichen Europa.

                      1433

                      Einfall der Hussiten, dieselben verwüsten die Umgegend, auch Oliva.

                      1454 - 1466

                      wütet der sogenannte Städtekrieg, durch welchen sich mit Pommerellen und dem rechtsseitigen Weichsellande (Pomesanien) auch Danzig vom Orden losreißt und in Personalunion mit Polen tritt. Dieser Krieg verwüstete das ganze Land.

                      1455

                      wurde die Jungstadt durch die Danziger (Rechtsstädter) zerstört. Auch das Ordensschloß wurde 144 niedergerissen, hauptsächlich wohl, um zu verhindern, dass die Polen, oder andere Machthaber sich darin festsetzen möchten. Von jetzt an liegt Danzig, welches eine städtische Republik bildete, in häufigem Kampfe mit Polen um seine Reservatrechte. Trotzdem nimmt der Wohlstand zu, es werden viele Bauten ausgeführt.

                      1522 – 1558

                      Einführung der Reformation.

                      1555

                      sind die Franziskaner Mönche soweit ausgestorben, dass die letzten Kloster und Kirchen der Stadt zu Schulzwecken übergeben wurden.

                      1569

                      wird Westpreussen mit Polen, als Provinz desselben vereinigt, Danzig behält jedoch seine Selbständigkeit und verweigert dem 1575 gewählten König Stefan Bathori wegen Anfechtung der städtischen Rechte den Huldigungseid. Es kam zum Kriege und 1577 zur Belagerung Danzigs, welche jedoch am 3. September 1577 als erfolglos aufgehoben werden musste. Am 15 Februar 1577 verwüsteten die Danziger das Kloster Oliva.

                      1599 – 1660

                      war Westpreussen der Schauplatz des schwedisch-polnischen Krieges, worunter auch Danzig sehr zu leiden hatte. Zu Oliva wurde am 3. Mai 1660 dann ein Friede geschlossen.

                      1700 – 1721

                      wütete in Westpreussen nun der 3. schwedisch-polnische Krieg, der Danzig große Geldopfer auferlegte. Nicht minder war das der Fall in dem darauf folgenden polnischen Erbfolgekrieg von 1733 -1750. Danzig stand auf Seiten von Stanislaus Lescinski gegen August III, und musste deshalb 1734 eine Belagerung durch die Russen ertragen......

                      Tschü....

                      Hallöle,

                      ab ca. 1435 meldete sich noch ein weiterer Mitbewerber der Hansa immer stärker zu Wort (auch zur Tat); das englische Königreich. Was zuerst recht friedlich begann mit der Beteiligung am Ostseehandel für die englischen Kauffahrer von 1437, führte doch recht bald zu Streitigkeiten, bei denen z.B. Danzig 1449 immerhin 16 große Schiffe verlor. So kam es dann 1469 zum Hansisch-Englische Krieg, der immerhin fünf Jahre dauern sollte........


                      Tschü.....

                      Hallöle,

                      anbei mal ein kleiner Bericht, was die Hansa von wo nach wo transportierte:

                      In diesem Wirtschaftskomplex hatten sich kleinere Wirtschaftsgebiete herausgebildet. Im Osten das polnisch-baltische mit seiner Abzweigung nach Rußland; im Norden das skandinavische, beide Gebiete mit ausschließlicher Naturalproduktion. Im Westen lag das flandrisch-englische Wirtschaftsgebiet mit seinen Ausläufern nach Frankreich und Spanien, das dem hansischen Handel Produkte industrieller und gewerblicher Art lieferte. Die Grenze zwischen den Gebieten der Naturalproduktion und denen mit gewerblicher Tätigkeit lag im westlichen Winkel der Ostsee, wodurch Lübeck zu einem großartigen Umlageplatz und Mittelpunkt des hansischen Zwischenhandels im nördlichen Europa wurde.
                      Der hansische Handel des Ostens erstreckte sich auf folgende Gegenstände: Aus Rußland und Livland holten die Hansen Pelzwerk, Felle, Leder, Talg, Wachs, ferner Honig, Getreide, Hanf und Leinsaat; eingeführt wurden von ihnen Metalle, namentlich Kupfer, Eisen und Blei; ferner Leder, Handschuhe, Pergament, deutsche und flandrische Leinwand, endlich Salz, Met, Bier, Wein. Ein wichtiges Hauptausfuhrprodukt bildete das Getreide, das namentlich Esthland über preussische Häfen im Tausch gegen Salz lieferte. Die Grundlage des hansisch-skandinavischen Handels bildete der Hering, der unter der Leitung von Lübeck eine eigene hansische Niederlassung mit ausschließlichem Heringsfang und -handel hatte entstehen lassen. Lübeck hielt allgemein die Fäden des hansischen Handels nach Norwegen in der Hand; namentlich mit Bergen, das seinerseits zentraler Stapelplatz ganz Norwegens war, stand es in lebhafter Handelsbeziehung, so das der Handel zwischen den beiden Häfen als Maßstab des hansisch-norwegischen Handels gelten kann. Der hansische Import (von Bergen) umfasste deutsches Getreide, Bier, Salz, Leinwand, Werkzeuge; der Export Fische, Tran, Talg Federn, Schwefel, Bauholz und einheimische grobe Wolltücher. Nachdem alle diese Produkte des Nordens und Ostens den Lübecker Stapel passiert hatten, trafen sie auf den Märkten Flanderns auf die Erzeugnisse flandrischen Gewerbefleißes. Bereichert wurden die flandrischen Märkte durch den Zuzug englischer und französischer Waren. Da die Hansen in ihrer ersten Epoche den englischen Markt auf Grund ihrer Monopole und Verträge vollkommen beherrschten, so ging auch der englische Export, der in aller regel in Wolle, Fellen und Metallen bestand, ausschließlich durch ihre Hände. Sie führten dagegen ein: Fische, Rheinwein, Pelzwerk, später auch Getreide. Namentlich England lieferte nach Flandern die Wollwaren, die dort verarbeitet, in Gestalt der berühmten flandrischen Tuche und Leinwand, neben den Erzeugnissen der Schmiede- und Schlosserkunst von den Hansen in Verkehr gebracht wurden. Neben diesem Eigenhandel beherrschten die Hansen auch den ganzen flandrischen Zwischenhandel, der neben den nordischen Produkten aus Deutschland Wein, Getreide, Farbstoffe, Wollwaren, Flachs, Hanf und Fleisch umfasste.
                      Eine eigentümliche Stellung nimmt Frankreich ein; sein Handel mit der Hansa beschränkt sich ausschließlich auf den Export von Salz und Wein und zwar in solcher Ausdehnung, das er dem modernen Großhandel beinahe ebenbürtig an die Seite gestellt werden kann........


                      Tschü.......

                      Hallöle,

                      hier mal ein Abriss über die städtische Verwaltung Danzigs in der Zeit des 13 Jh. :

                      Die oberste städtische Behörde war der Rat, dessen Mitglieder der Regel nach aus Schöffen gewählt wurden und ihr Amt meist lebenslänglich versahen. Die Wahl der Schöffen und Ratmannen stand dem Rate zu. Ein Bürgermeister (proconsul) und sein Kumpan oder socius bildeten mit zehn Ratmannen auf je ein Jahr den „sitzenden Rat“ , der die obersten Stadtämter, darunter die Ämter der beiden Kämmerer, unter seine Mitglieder verteilte. Dem „gemeinen Rat“, zu dem außer den jeweiligen „sitzenden“ Ratmannen auch die früheren Mitglieder des sitzenden Rates gehörten, standen die zeitigen und ehemaligen Bürgermeister vor; es waren in der Regel vier.
                      Die Abgrenzung der Befugnisse zwischen dem sitzenden und dem gemeinen Rat wurde mehrfach geändert. Während ursprünglich der sitzende Rat die Leitung der städtischen Angelegenheiten besaß und dabei noch die Ordensregierung ihren Einfluß beträchtlich geltend machte, scheint in der Zeit von 1382 ab der gemeine Rat die wichtigsten Befugnisse an sich gebracht und behauptet zu haben, bis 1411 der Orden die früheren Zustände wieder herstellte, die dann im Jahre 1421 in mehreren Ordnungen schriftlich festgelegt wurden. Der gemeine Rat wußte jedoch, gestützt auf die wachsende Unzufriedenheit der Bürgerschaft mit dem Ordensregiment, bald seine Befugnisse aufs neue zu erweitern und die Macht der herrschenden Patrizierfamilien zu behaupten.
                      Der Rat besaß die Verfügung über die städtischen Finanzen, obwohl er bei wichtigen Angelegenheiten sich der Zustimmung der Bürgerschaft zu versichern pflegte.......

                      Hier mal die Bürgermeister (immer 2) welche aus der Zeit bekannt sind:

                      1346 Hinrich der alde Burgermeister und Klaus v. Hurden
                      1363 Hildebrand Munter und Johann Walrabe
                      1375 Gottschalk Nase und Johann Walrabe
                      1379 Gottschalk Nase und Johann Walrabe
                      1380 Johann Walrabe und Paul Zan
                      1381 Paul Zan und Klaus Gotisknecht
                      1382 Klaus Gotisknecht und Peter v. Oppeln
                      1386 Johann Wokan und Paul Zan
                      1411 Konrad Letzkau und Arnold Hecht
                      1412 Tidemann Huxer und Hermann Hitfeld
                      1418 Johann Hamer und Klaus Rogge
                      1419 Klaus Rogge und Johan Baisener
                      1420 Johan Baisener und Gerd v. d. Beke



                      Tschü......
                      Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                      • Peter von Groddeck
                        Forum-Teilnehmer
                        • 11.02.2008
                        • 1517

                        #26
                        AW: Störtebeker - ein Danziger?

                        Hallo,
                        irgendwo habe ich gelesen, dass die Hanse von Danzig aus auch nach Südosten bis ans Schwarze Meer Handel getrieben hat.
                        Gruß Peter
                        Tue recht und scheue niemand.

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                        • Antennenschreck
                          Forum-Teilnehmer
                          • 05.09.2011
                          • 1833

                          #27
                          AW: Störtebeker - ein Danziger?

                          Hallo Peter,

                          mal sehen ob wir da noch über Quellen stolpern, ich habe bestenfalls 5 % meiner Unterlagen bis jetzt überfliegen können; mit dem Fokus auf dem Zeitraum 1370 bis 1460. Da Störtebecker 1401 od. 1402 hingerichtet worden sein soll, wäre das wohl der infrage kommende Bereich.

                          Tschü......
                          Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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                          • Rahmenbauer14, + 1.11.2021
                            Forum-Teilnehmer
                            • 01.01.2009
                            • 1434

                            #28
                            AW: Störtebeker - ein Danziger?

                            Hallo Peter, hallo Arndt,

                            hatte ich doch wo im Hinterstübchen, daß Nischni Nowgorod (ex. Gorki) eine Hansestadt an der Wolga war .

                            Und siehe da: http://www.nizhny-novgorod.de/

                            Es wird dann wohl weiter ins Kaspische Meer gegangen sein.

                            Schöne Grüße

                            Rainer
                            "In einem freien Staat kann jederman denken,
                            was er will, und sagen, was er denkt"
                            (Spinoza)

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                            • Ulrich 31
                              Forum-Teilnehmer
                              • 04.11.2011
                              • 8562

                              #29
                              AW: Störtebeker - ein Danziger?

                              Hallo, liebe Hanse-Forscher,

                              nach meiner bisherigen Google-Recherche setze ich mal hinter Nischni Nowgorod als Hansestadt ein vorsichtiges Fragezeichen und setze das andere russische Nowgorod, nämlich "Weliki Nowgorod", die älteste Stadt Russlands, dagegen > http://www.nowgorod.ru/ . Liegt bei Rainers Link-Artikel evtl. eine Verwechslung beider Städte vor?

                              Wegen anderer, dringender Erledigungen kann ich weitere Hansa-Web-Funde erst heute Abend ergänzen. Vielleicht hat sich bis dahin schon mein Zweifel geklärt.

                              Gespannte Grüße
                              Ulrich

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                              • Rahmenbauer14, + 1.11.2021
                                Forum-Teilnehmer
                                • 01.01.2009
                                • 1434

                                #30
                                AW: Störtebeker - ein Danziger?

                                Hallo Ulrich,

                                Du könntest recht haben: http://www.hanse.org/de/hansestaedte/nowgorod.php

                                Ein ruhiges Wochenende wünscht

                                Rainer
                                "In einem freien Staat kann jederman denken,
                                was er will, und sagen, was er denkt"
                                (Spinoza)

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