Störtebeker - ein Danziger?

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  • Rahmenbauer14, + 1.11.2021
    Forum-Teilnehmer
    • 01.01.2009
    • 1434

    #1

    Störtebeker - ein Danziger?

    Heute erschien in unserer "Ostsee-Zeitung" folgender Artikel:

    Link zum Artikel:



    Wolfgang (Admin) könntest Du bitte nachsehen, ob Du einen Kaufmann namens Störtebeker findest?

    Danke und schöne Grüße aus Rerik

    Rainer
    "In einem freien Staat kann jederman denken,
    was er will, und sagen, was er denkt"
    (Spinoza)
  • JuHo54
    Forum-Teilnehmer
    • 11.12.2008
    • 2377

    #2
    AW: Störtebeker - ein Danziger?

    Hallo Rainer,
    http://www.goldseiten.de/lexikon/per...%C3%B6rtebeker


    Liebe Grüße
    Jutta
    Jeder Tag ist ein kleines Leben für sich.

    Artur Schopenhauer* 1788 Danzig

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    • JuHo54
      Forum-Teilnehmer
      • 11.12.2008
      • 2377

      #3
      AW: Störtebeker - ein Danziger?

      .. und hier:
      Johann Stortebeker war ein Kapitän aus Danzig, der zwischen 1391 und 1406 als Handelsschiffer und durch zahlreiche Güterwegnahmen und gewalttätige Übergriffe auf See quellennotorisch wurde. Er dürfte die historische Person sein, auf die sich die Legende von "Klaus Störtebeker" bezieht. Unklar ist, ob der in den 1430er Jahren auftauchende Johann Stortebeker mit dem früheren identisch ist. Zuletzt hat Nicolai Clarus dafür plädiert, hier zwei Personen zu unterscheiden: einen Danziger und einen…

      LG Jutta
      Jeder Tag ist ein kleines Leben für sich.

      Artur Schopenhauer* 1788 Danzig

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      • Rahmenbauer14, + 1.11.2021
        Forum-Teilnehmer
        • 01.01.2009
        • 1434

        #4
        AW: Störtebeker - ein Danziger?

        Guten Abend Jutta,

        nach dem Auszug aus Danzig bin ich auf Rügen gelandet.
        Hier ging die Legende um, daß Klaus (Störtebeker) in Ruschwitz - liegt jetzt in dem Ort Glowe/Rg. - geboren sei.
        Sein Geburtsname ist nicht bekannt. Den Namen "Störtebeker" soll er dadurch erhalten haben, daß er den Becher auf ein Mal leer getrunken hat???. War wohl ein ziemlich großer Becher!
        Die "Störtebeker-Festspiele" fanden schon 1960 statt.
        Es könnte auch sein, daß Klaus (vielleicht mit zweitem VN -Johann), wie viele andere, nach Danzig ausgewandert ist.
        Leider noch nicht bewiesen.

        Schöne Grüße
        Rainer
        "In einem freien Staat kann jederman denken,
        was er will, und sagen, was er denkt"
        (Spinoza)

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        • Antennenschreck
          Forum-Teilnehmer
          • 05.09.2011
          • 1833

          #5
          Hallo,

          soweit mir bekannt, wird Störtebecker in den Archiven mehrerer Hansestädte rund um die Nord- und Ostsee erwähnt. Ich denke also schon, dass es sich hier um eine reale Person der Zeitgeschichte handelt. Das nun jede einzelne Geschichte in diesem Zusammenhang auch stimmt, das würde ich nicht erwarten. Aber die beiden Freibeuter Störtebecker und Gödecke Michels wird es schon gegeben haben, bei der Aktenlage in den Archiven.

          Tschü......

          Hallo,

          hier ein möglicher früher Beleg:

          In dem Verfestungsbuch (Liber proscriptorum) der Stadt Wismar, einem Buch der Ächtungen, findet sich ein Eintrag aus dem Jahre
          1380. Festgehalten wurde, dass zwei Bürger von Wismar aus der Stadt verwiesen worden waren; Grund war eine Schlägerei, bei der
          ein anderer Bürger, benannt mit "nicolao stortebeker, mehrere Knochenbrüche davongetragen hatte. Wahrscheinlich ein Hinweis auf
          den späteren Seeräuber Klaus Störtebeker.

          Tschü......
          Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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          • Rahmenbauer14, + 1.11.2021
            Forum-Teilnehmer
            • 01.01.2009
            • 1434

            #6
            AW: Störtebeker - ein Danziger?

            Hallo

            dieses ist mir bekannt, wohne ich doch 35km entfernt von Wismar.

            Jeder möchte ihn haben!

            Schöne Grüße aus Rerik

            Rainer
            "In einem freien Staat kann jederman denken,
            was er will, und sagen, was er denkt"
            (Spinoza)

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            • Antennenschreck
              Forum-Teilnehmer
              • 05.09.2011
              • 1833

              #7
              AW: Störtebeker - ein Danziger?

              Tja,

              das Dumme daran ist, dass ich hier nicht über die Nichtzugehörigkeit Störtebeckers zu Danzig schreiben kann, weil das eben keinen Danzigbezug hat.

              Tschü.....
              Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

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              • Rahmenbauer14, + 1.11.2021
                Forum-Teilnehmer
                • 01.01.2009
                • 1434

                #8
                AW: Störtebeker - ein Danziger?

                Mach' das bloß nicht

                Ahoi

                Rainer
                "In einem freien Staat kann jederman denken,
                was er will, und sagen, was er denkt"
                (Spinoza)

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                • Antennenschreck
                  Forum-Teilnehmer
                  • 05.09.2011
                  • 1833

                  #9
                  Hallo,

                  trotz fehlendem Danzigbezug mal ein Ausschnitt aus einem alten Dokument dazu:

                  Keno then Broke, Landgebieter um Aurich und Marienhaven, sogar durch Heiratsbande dem gesuchten Klaus Stortebeker zugesellt, und Hisko, Probst zu Emden, waren die mmachstigsten Schutzherren der Räuber. Zwar als der Hansetag zu Lübeck, Anfang Februar 1400, einen vereinten Angriff beschlossen, knüpfte, solchem Sturm nicht gewachsen, der „Hovetlink im Brocke“ Unterhandlungen an und gelobte urkundlich mit mehren andern Frießenhauptlingen dem Rathe von Hamburg (24. Februar 1400), alle Gemeinschaft mit den „ Vitalienbrüdern“ zu meiden; aber die Trugkünste des „Schwiegervaters“ Stortebekers durchschauten die klugen Stadtherren; wohlbemannte „Friedekoggen“, von Hamburg, Lübeck und Bremen ausgeschickt und von Deventer, Kampen und Gröningen unterstützt, lieferten, nach hartem Treffen auf der Osterems, den Bütteln daheim erkleckliche Blutarbeit, und brachen mehr als ein Schloß. Bis Helgoland, ja bis nach Norwegen ausgewichen, kehrten jedoch, nachdem das Jahr 1401 hansische Auslieger besonders Frieslands Buchten überwacht, die kecken Gesellen bald zur gewohnten Lebensweise zurück; aber schon war zu Hamburg Simons von Utrecht orlogsmäßiger Kauffahrer, die „Bunte Kuh“, vom Stapel gelaufen, um mit dem Jahre 1402 die berühmtesten Helden des Seeräuber = Freistaates zu ihrem unvermeidlichen Ziele zu führen.


                  Ich hoffe das interessiert jemand und belegt nochmal, dass Störtebecker in der Hauptsache im Bereich Emden Hamburg Lübeck Wismar Stralsund zu finden war. Solche Leute waren ja auch nicht immer und überall beliebt. Aus diesem Grund waren sie immer mal woanders zu finden. Ebenso waren sie manchmal aber auch irgendwo beliebt und erwünscht und dann auch öfter da zu finden. Die späteren Streitigkeiten mit den Seeräubern hatten ja (teilweise) ihre Ursachen auch in nicht korrekt beendeten früheren Geschäftsbeziehungen.

                  Tschü........

                  Hallo,

                  im Zeitrahmen 1394 bis 1397 sammelten sich z.B. die Vitalienbrüder z.B. überwiegend im östlichen Teil der Ostsee, sicher auch bei Danzig. Nur wird zu diesem Zeitpunkt Störtebecker noch nicht im Zusammenhang mit den Vitalienbrüdern erwähnt.

                  Tschü......
                  Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

                  Kommentar

                  • Bartels
                    Forum-Teilnehmer
                    • 25.07.2012
                    • 3448

                    #10
                    Hallo Arndt,

                    lt. familysearch und in den Danzig - AB 1898 und 1942 gibt es in Danzig keine Person, die auch nicht annähernd "Störtebeker heißt.

                    Und: In der ganzen Welt, lt. familisearch, nur eine Person namens "Stortebeker" (nur O - kein Ö).

                    Sie selbst:

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                    Eine Oper in 2 Teilen wurde in Hamburg 1701 und 1709 aufgeführt: Komponist: Reinhard Keiser, Titel: "Störtebeker und Jögde Michaels". Gelesen im Buch "Klaus Störtebeker in Ralswiek" 1984 - Hinstorff-Verlag Rostock - S.107 - Bibliographie und Literaturverzeichnis.

                    Und u.a:



                    runterscrollen bis "Bedeutung" - 2. Absatz

                    Eigentlich könnten wir aufhören.
                    Arndt, danke für Deine Beiträge.

                    Schöne Grüße

                    Rainer

                    Hallo,

                    ich denke hier: > wikipedia: Klaus Störtebeker < sind alle Fragen beantwortet. (Es war ein 4 l-Becher). ...

                    Danke Arndt für #10.
                    Beste Grüsse
                    Rudolf H. Böttcher

                    Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
                    Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
                    Familie Zoll, Bohnsack;
                    Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
                    Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

                    http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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                    • Antennenschreck
                      Forum-Teilnehmer
                      • 05.09.2011
                      • 1833

                      #11
                      Nun ja,

                      nochmal gerettet! Dank Wikipedia hat er jetzt ja wieder Danzigbezug. Was war die Welt doch leer und arm, als es Wikipedia noch nicht gab. Tatsächlich fällt aber auf, dass Stortebeker in den Dokumenten von damals, im Zusammenhang mit Seeräubern (Vitalienbrüder) nicht auftaucht. Das geschieht erst nahe um seine (behauptete) Hinrichtung. Andere Anführer von der Seeräuber wiederum sind seit 1377 kontinuierlich zu finden, teils sogar in Verträgen. Bei der Quellenlage gäbe es also nur einen Kaufmann mit einem ähnlichen Namen in Danzig. Das allerdings dürfte nichts Besonderes sein und jede weitere Diskussion zur Person erübrigen. Höchstens wäre da noch zu fragen, wie und ob sich die besagte Familie Störtebeker in Danzig entwickelt hat, welche scheinbar Namensgeber zu der Störtebekerlegende war.

                      Tschü......

                      Hallo,

                      hier nun ein weitereres Dokument zu Danzig und dessen wirtschaftlicher Entwicklung im 13. Jahrhundert:

                      Die Linie der Herzoge von Danzig, welche während des 13. Jh. die Einführung deutscher Civilisation in ihrem Gebiete mit großem Eifer förderte, begünstigte auch diese Verbindung, indem sie den Lübeckern bedeutende Vorrechte zutheilte, sie namentlich gegen die Strandräuber in Schutz nahm, die Waarenzölle im Laufe der Zeit immer mehr ermässigte und die Lübecker seit 1272 in mehrmals erneuerten Privilegien nicht nur ganz und gar von Zöllen befreite, sondern auch zur Anlage einer bleibenden Faktorei in einem bei der Danziger Burg ihnen zum Eigenthum bewilligten Hause (pallacium) veranlasste, in welcher sie unter ähnlichen Verhältnissen, wie in Londo, Bergen, Brügge und Nowgorod theils ihre Waaren und Güter niederlegen, theils bei eigenen Richtern rechtliche Entscheidungen in ihren Streitigkeiten suchen und Jedem, der wegen eines Vergehens zu ihnen floh, Asylrechte angedeihen lassen durften. Neben den Lübeckern dürften auch wohl die im Ordensgebiete während des 13. Jahrhunderts neu angelegten deutschen Städte, namentlich Elbing und Kulm, die Befreiung von allen Weichselzöllen, welche der Orden allen seinen Unterthanen, inbesondere der Stadt Elbing (1293) im Pommerellischen Gebiet auswirkte, benutzt haben, um in Verkehr mit Danzig zu treten, wiewohl ein direktes Zeugniss über diese Benutzung nicht vorliegt.........


                      Tschü.....

                      Hallöle,
                      hier ein weiteres Stück dazu:

                      1263 bestanden in Danzig bereits deutsche Communaleinrichtungen; ein Schultz und mehrere Rathmanne leiteten das Gemeinwesen; in ihrer Gerichtsverfassung hatte dasselbe grössere Vorrechte als das kurz vor ihm gegründete Dirschau; die Stadt hatte mehrere Kirchen, unter denen die St. Catharinenkirche ausgedehnte Parochialrechte auch über ihre Umgegend übte; das Dasein einer St. Marienkirche begründet die Vermuthung, dass auch auf dem Raume der nachmaligen Rechtsstadt Ansiedlungen vorhanden waren; um 1295 wurde die Stadt mit hölzernen Befestigungengegen feindlichen Anfall geschützt; ebendamals nahm sie im Anschluss an die Ordensstädte an den Privilegien der Hanseaten in Nowgorod Theil; das einzige von dem Rathe dieser Danziger Stadt aufbehaltene Dokument, ein neulich in Lübeck aufgefundener Brief vom Jahre 1299, zeugt von dem lebhaften Interesse, den derselbe für die Förderung des deutschen Verkehrs in Pommerellen bewies, und giebt uns zugleich auch in dem ihm angehängten Siegel, welches ein Seeschiff darstellt, die Hauptthätigkeit der Gemeinde zu erkennen.



                      Tschü.....

                      Nach 1295 brach ein Krieg um das Erbe der nun ausgestorbenen pommerellischen Herzoge aus. Der (von Polen) zu Hilfe gerufene deutsche Orden besetzte die Danziger Burg und brannte ganz Danzig nieder, das sie (die Danziger) dem Orden feindlich gegenüber standen. Danzig bestand damals aus Holzhäusern, und somit blieb nichts übrig durch das Feuer, ganz besonders keinerlei Dokumente aus der Zeit.

                      Hierauf folgte eine recht unfriedliche Zeit, da Polen nicht anerkannte, dass das Gebiet um Danzig nun dem deutschen Orden gehört, der dies im Nachgang von dem Brandenburgischen Markgrafen erworben hatte. Erst 1343 im Frieden zu Kalisch erkannte auch Polen die Rechtmäßigkeit der Ordensherrschaft über die Pommerellen an. Ein geordnetes Gemeinwesen entstand in dem Gebiet erst nach diesem Friedensschluß. Aus den verteilten Ansiedlungen entstanden mit der Zeit vier Städte im Gebiet Danzigs:

                      - das polnische Hakelwerk
                      - die deutsche Altstadt
                      - die deutsche Jungstadt
                      - die deutsche Rechtstadt

                      1354 schaffte es die Rechtstadt, infolge ihres Übergewichtes und durch Machteinbuße des Ordens, sich die beiden anderen deutschen Orte einzuverleiben.

                      und weiter zu den Vitalienbrüdern:

                      Der Seeverkehr erlitt allerdings bedeutende Störungen. Während der flandrischen Bürgerkriege (1382-1386) wurde auch der preussische Kaufmann in Brügge zum öfteren von Häuptern der siegreichen Parteien oder von den zügellosen Söldnern geschatzt und beraubt und musste selbst nach wiederhergestellter Ruhe, bis die Flandrer sich zum Schadenerstz bequemten, einem allgemeinen Gebote der Hansa zu Folge, während der Jahre 1387-1392 wo das deutsche Kontor nach Dordrecht verlegt war, den Handel mit jenem wichtigen Lande gänzlich vermeiden. Mit den Enländernwar, bei ihrer entschiedenen Abneigung die Vorrechte der Hanseaten zu respectiren, wofern ihnen nicht namentlich in preussischen Städten entsprechende Vorteile zu Theil würden, auf dauernden Frieden nicht zu rechnen; selbst während der Jahre 1388-138, wo die Deutschen Städte mit der englischen Regierung in Frieden lebten, musste der preussische Kaufmann in England fortwährend gewaltsamer Beschlagnahme oder Beraubung seiner Güter durch die eifersüchtigen englischen Kaufleute gewärtig sein. Vor allem erlitt die Schifffahrt durch die zerrüt5teten Verhältnisse in Dänemark unsäglichen Schaden, nicht nur während des achtjährigen Krieges zwischen Albrecht v. Meklenburg und Margarethe v. Norwegen, der 1395 durch Vermittlung der Hansa beigelegt wurde, sondern noch lange nachher durch Raubanfälle der über die Nord- und Ostsee weit verbreiteten Vitalienbrüder, zu deren Aufkommen jener Krieg den äusseren Anlass gegeben hatte.

                      Der Orden vertrat in dieser Zeit immer die Positionen seiner Kaufleute / Städte, nur wenn sich diese mit den Vorstellungen der Hanse und der anderen Städte / Länder deckten kam es zu gemeinsamen Vorgehen gegen solche Bedrohungen wie die Vitalienbrüder. Oft wurden deren Möglichkeiten ja auch für eigene Zwecke genutzt, wie im Krieg gegen Königin Margarethe v. Dänemark. Da war es ja äußerst praktisch nicht selber agieren zu müssen, und einfach mal einen Trupp ausgeflaggter Seeräuber hin zuschicken. Blöd nur, wenn dann mal nichts zu tun war für die Seeräuber wie nach dem Friedensschluß mit Dänemark. Die hatten ja auch ihre laufenden Ausgaben / Nebenkosten / Miete etc., und ein Monat ist schnell vorbei. Also blieb den Seeräubern, welche das als Haupterwerbsquelle hatten, nicht anderes übrig als sich nach neuen Einnahmequellen umzusehen. Irgend wie kommt einen das bekannt vor: Erst baut man eine Truppe, die „under cover“ eingesetzt wird und dann hat man keine Verwendung mehr dafür, aber dafür ein neues Problem am Hals.

                      Tschü.......

                      Hallöle,

                      zum Schutz gegen die Vitalienbrüder mußte ein sogenannter Pfundzoll bezahlt werden. Davon wurden dann die entsrechenden Schiffe und Mannschaften bezahlt um die Seeräuber zu bekämpfen. Hieran (Pfundzoll) sieht man auch die Wirtschaftskraft Danzigs:

                      von den 5 beteiligten Städten Braunsberg, Elbing, Königsberg, Thorn und Danzig; lieferte Danzig 1390 ca. 2/3 des gesamten Pfundszolls, und 1395 waren es schon 3/4 der Gesamtsumme.

                      Tschü..
                      Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

                      Kommentar

                      • Christkind
                        Forum-Teilnehmer
                        • 10.02.2008
                        • 1568

                        #12
                        AW: Störtebeker - ein Danziger?

                        Mal so zwischendurch, lieber fleißiger Antennenschreck: Ich finde es ganz super schön, dass du dir die Mühe machst, diese interessanten Teilchen aus der Geschichte hier einzubringen. So kann ich ab und an mal wieder etwas auffrischen, was ich sonst wohl nicht so einfach finden würde.
                        Dankeschön!
                        Und zu dem Seeräuber Störtebeker habe ich mir auch schon mal das Buch von Kalisch"Störtebeker der Seeräuber" hingelegt, um in einer Mußestunde darin zu lesen. Dichtung und Wahrheit,die Geschichte gibt die Grundlage für schöne Geschichten.
                        Schönen Gruß, Christa
                        Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                        (M. Gandhi)

                        Kommentar

                        • Antennenschreck
                          Forum-Teilnehmer
                          • 05.09.2011
                          • 1833

                          #13
                          Hallo Christa,

                          ich freue mich, dass dich das interessiert und auch ein wenig mit Danzig zu tun hat. Ich habe es mir schon seit langem zu Grundsatz gemacht, nur im Notfall bei Wikipedia nach Infos zu suchen, denn es gibt wohl nichts einfacheres als einen Suchbegriff bei google, mi wiki dahinter reinzuschreiben --- cool......

                          Bücher lesen und verstehen ist wohl nicht mehr in heutzutage, eigentlich schade. Mit copy and paste kann man oft den Sinn der Dinge nicht erfassen. Wir mussten in der Schule noch dicke Bücher lesen und dann den Sinn des Buches aus unserer eigenen Sicht darlegen. Aber das dauert wohl heute alles zu lang. Und weil ich denke, dass man seine Vergangenheit kennen muß um eine Zukunft zu haben, lese ich viel in alten Dokumenten / Büchern.

                          Tschü....

                          Hallo,

                          hier noch ein Hinweis darauf, dass sich die Vitalienbrüder (zumindest zeitweilig) inm Bereich der Nordsee aufhielten:

                          Ebenso wirkte er (der Orden nach 1407) thätig für die Beseitigungeiner Fehde, in welche sich die preussischen Städte seit mehreren Jahren mit dem Grafen Otto von Delmenhorst, den sie als Beschützer der Vitalienbrüder feindselig behandelten, geraten waren.


                          Übrigens war der sogenannte Pfundszoll im Vergleich zu heutigen Steueren und Abgaben recht bescheiden. Gerade im Zeitrahmen der höchsten Anstrengungen 1390 - 1400 betrug er ca. 1/144 des umgesetzten Warenwertes. Das konnte man recht gut an den Hafenunterlagen aus Danzig von damals ermitteln. Also noch nicht mal in der Nähe unserer heutigen Friedensabgaben.

                          Tschü......

                          Hallo,

                          irgendwie betrieb der Orden in seinen preussischen Städten nebenbei noch so eine Art Freihandelszone, wahrscheinlich nur für Ordensritter. Diese Hänler ware komplett von allen Abgaben befreit und das führte zu viel bösen Blut in den Stätten. Irgend wann um 1400 sammelten die Städte dann auch keinen Pfundzoll mehr ein. Da sie aber trotzallem weiter ihre Abgaben, für die Schiffssicherung bezahlen mußten, borgten sie sich Geld beim Orden. Im dritten Jahr des Schuldenanhäufens der Städte, führte der Orden den Pfundzoll als Zwangsabgabe ein und formulierte die entspechende Vorschrift natürlich wieder so, dass seine eigenen Freihandelszonen aussen vor blieben. Nur jetzt konnten die Städte gar nichts mehr selber entscheiden und mußten eine bestimmte Summe abliefern. Das fanden die überhaupt nicht lustig.

                          Tschü.....

                          Hallo,

                          solches rechtlich einseitiges Handeln des Ordens führte immer mehr dazu, dass die Städte Polen lieber als Schutzmacht angenommen hätten als weiter unter der Kontrolle des deutschen Ordens zu bleiben. Durch solch innere Streitereien sah Polen die Zeit gekommen den deutschen Orden anzugreifen, da die Polen vermuteten, dass der Orden recht leicht zu besiegen sei infolge seiner inneren Probleme. Das diese Vermutung wohl richtig war zeigte die Katastrophe von Tannenberg, wo die Polen am 15. Juli 1410 das Gebiet fast völlig überrannten ohne irgend welchen Widerstand vorzufinden.

                          Tschü......

                          Hallo,

                          obwohl Heinrich von Plauen (Ordensmeister) durch seinen mutigen Einsatz das Blatt nochmals wenden konnte (Thorner Frieden 1.2.1411) und nahezu das gesamte Gebiet zurück bekam, war der letzte Funken Vertrauen zwischen den Städten und dem Orden verschwunden und eine positive Zukunft für die Städte unter dem Orden war unwahrscheinlich geworden. Der Frieden mit Polen stand mehr oder weniger nur auf dem Papier, und besonders das Umfeld der Städte hatte unter den ständigen Feindseligkeiten zu leiden. Mehr als 3 Jahre fanden überhaupt keine offiziellen Verbindungen in Richtung Polen statt auch der Handel mit Polen kam während dieser Zeit vollständig zum Erliegen.


                          Tschü.....

                          Wie es weiter ging:

                          Zudem wurde das arme Land gerade in diesen Jahren von schweren Naturplagen heimgesucht; 1411 vernichtete Mäusefrass fast die gesamte Getreidesaat; 1412 missriethen die Feldfrüchte gänzlich und die Wiesen im Weichselgebiete standen unter Wasser, in beiden Jahren war der Heringsfang ohne Ertrag; 1416 stieg die Noth durch das Missrathen fast aller Landesprodukte in dem Maasse, dass viele Leute nur Gerstenbrod assen, ja die Armen in den Knospen der Bäume ihre Nahrung suchen mussten; das Verbot der Ausfuhr aller Landesprodukte und somit die Beschränkung des Seeverkehrs wurde zur Nothwendigkeit.

                          Tschü......

                          Hallöle,

                          der Krieg mit Polen hatten dem Orden jede Menge Kosten erzeugt, sei Sold für die angeworbenen (oft sogar polnischen) Soldaten oder Abstandszahlungen an Polen, welche im Friedensvertrag festgelegt wurden. Die allermeisten davon hatte der Orden noch nicht bezahlt, und das versuchte er jetzt in den Städten zu bekommen. Er verlangte also 2 mal hintereinander Landessteuern, obwohl über dem ganzen Land schon große Not lastete. Da das allerdings immer noch nicht reichte und man sich nicht traute nochmalig Landessteuern zu verlangen, griff der Orden zu einem Mittel welches auch heute noch ganz gern beützt wird, der Münzverschlechterung. Also heute sind wir da etwas weiter, wir tippen eben größere Zahlen in den Computer. Aber damals senkte man kontinuirlich den Edelmetallgehalt der Umlaufwährung; man reduzierte auf diesem Weg den Kaufwert des Geldes. Ein solches Vorgehen ist fast genau so lang üblich, wie es Geld in Form von Münzen gibt. Wenn man das schleichend macht fällt es erst mal gar nicht immer auf und man bekommt (durch die große Menge der Betroffenen) ganz schön was zusammen.



                          Tschü.......

                          Hallöle,

                          die schwierige wirtschaftliche und der allgemeine Unmut gegenüber dem Orden waren diesem nicht verborgen geblieben und führten im Januar 1414 zu einem Umdenken in Sachen ordenseigner Freihandelszonen:

                          Es sollten fortan die Ordensbeamten in kaufmännischen Angelegenheiten gleich anderen Kaufleuten behandelt werden, die Waaren, die zu Wasser oder zu Land ankommen, werden vom Orden nicht mehr dem freien Marktverkehr entzogen, nur der eingebrachte Wein bleibt zwei Tage vor den Ordenshäusern und Pferde vier Stunden in denselben, weil in Bezug auf sie den Rittern, soweit es zur Versorgung der Ordensburgen nothwendig ist, ein Vorkaufsrecht zusteht; kein Schuldner erhält vom Orden Geleit; das Verbot der Getreideausfuhr trifft in gleichem Maasse den Orden wie die Städte; die Güter der verstorbenen oder ihres Amtes entsetzten Ordensritter gehen nicht eher in den Nutzen des Ordens über, als bis alle Gläubiger befriedigt sind; kein Gebietiger darf Getreide aus den Städten oder von den Landstrassen "treiben" lassen, um es für sich zu kaufen, sondern der Markt soll jedem frei sein.............

                          Man sieht eine Menge Entgegenkommen vom Orden auf die Städte, nur leider ganz schön spät.

                          Tschü......

                          Hallöle,

                          ab 1417 war, in Bezug auf Naturkatastrophen, das Schlimmste vorbei und die Natur versuchte sogar, mit besonders guten Ernten, die letzten Jahre wieder auszubügeln. So konnte auch das Getreideausfuhrverbot wieder aufgehoben werden. Allerdings war es inzwischen zu reichlich Differenzen mit der Hansa gekommen, nicht zuletzt wegen der Münzverschlechterung. Da diese Streitigkeiten nicht so einfach geklärt werden konnten, kam der Seehandel auch nicht so richtig in Gang. Also gab es zwar genug zum Exportieren aber die rechtlichen Grundlagen dafür waren nicht geklärt. Somit ging es den Menschen noch grundsätzlich besser.

                          Tschü......

                          Danzig theilte während dieser ganzen Periode nicht nur die Leiden des ganzen Landes, sondern hatte daneben ganz besondere Unglücksfälle zu bestehen. Nachdem es nach der Katastrophe bei Tannenberg am längsten unter den preussischen Städten in der Treue am Orden festgehalten, hatte es, einmal zu den Polen abgefallen, in republikanischer Hartnäckigkeit auch nach dem Abzuge derselben lange gezögert, ehe es in die alte Unterthänigkeit zum Orden zurückkehrte. Darüber zürnte der Hochmeister, und sein Bruder liess als Komthur von Danzig die Stadt seinen ganzen Unwillen fühlen; er sah in ihrer Forderung von dem ihr auferlegten Schoss die vom Kriege seitens des Ordens ihr schuldig gebliebene Summen abzuziehen einen sträflichen Ungehorsam und erlaubte es sich auf die Wahlfreiheit des in Danzig regierenden Rathes einen Recht und Gewohnheit verletzenden Angriff zu machen. Bei dem widersetzte sich die Stadt; man meinte im Orden, sie habe die Absicht, sich mit Hilfe der Lübecker ganz unabhängig zu machen, darauf schritt der HM gewaltsam ein, nachdem er der Stadt 1411 den Seeverkehr gesperrt und ihren Stapel nach Elbing verlegt hatte, sank der Muth der Bürgerschaft und sie bat um Gnade. Das genügte dem tyrannischen Komthure jedoch nicht, noch während der Verhandlung lockte er drei um das Land wohlverdiente Männer des Danziger Rathes aufs Ordenshaus und liess sie dort ohne Urtheil und Recht in der Charwoche 1411 aufs Jämmerlichste ermorden.

                          Hallöle,

                          Wenn man nun fragt was der deutsche Orden überhaupt in dieser Gegend wollte, so gab es dafür auch Gründe, wie aus einer Schenkungsurkunde von 1226 hervorgeht:

                          Zu den bekanntesten Urkunden der älteren Preussischen Geschichte gehört das Privilegium Kaiser Friedrich II. vom März 1226, zu Rimini ausgestellt, durch welches er dem Hochmeister des Deutschen Ordens Herman von Salza die Erlaubniss ertheilte, das ihm von Herzog Conrad von Masovien angebotene Culmerland anzunehmen und ihm in demselben und den heidnischen Preussen abzunehmenden Gebiete die Rechte eines Reichsfürsten verlieh.

                          Mit den Ordensrittern war des eben damals genau das gleiche Problem, als sie im nahen Osten nicht mehr von Nöten waren. Sie mussten bei Laune und Beschäftigung gehalten werden um nicht auf dumme Gedanken zu kommen.



                          Tschü.......

                          Hallöle,

                          Nun zurück zu Danzig:

                          trotz all dieser Widrigkeiten war Danzig über weite Strecken von allen preussischen Städten die wirtschaftlich stärkste und schaffte es auch immer am schnellsten mit Rückschlägen fertig zu werden. Das genau machte Danzig auch so suspekt aus Sicht des Ordens, man erwartete ständig eine vollkommene Abwendung der Stadt vom Orden . Wenn man aber nun denkt, dass ein schwacher Hochmeister im Orden unbedingt zu einem stärkeren Danzig führen müsse, so ist gerade das Gegenteil eingetreten mit dem Nachfolger von Michael Kuchmeister von Sternberg:

                          Wenn man nicht auf Worte sondern auf Thaten achtet, so erscheint der Nachfolger Michael Kuchmeisters, Paul von Ruszdorf (10 März 1422 – 2. Januar 1441 als Hochmeister), als ein Mann von durchaus schwacher und schwankender Gesinnung, der durch seinen Eigensinn, wie durch seine Feigheit die Ordensregierung nach allen Seiten hin in Misskredit brachte. Sogleich bei seinem Regierungsantritte liess er sich durch die Aufforderung des römischen Königs(Juli 1422) zu einem Kriege gegen Polen verleiten. Als aber darauf die Polen plündernd und raubend die Thorner, Kulmer und Riesenburger Gegend durchzogen, wich er selbst scheu vor der Gefahr zurück und erkaufte sich um einen theuern Preis am See Melno einen schimpflichen Frieden.

                          Inzwischen hatte er (Paul von Ruszdorf) nicht nur die Städte und Kaufleute gegen sich, sondern neben den Polen auch die Litthauer, welche er gegen Polen hetzte und dann aber im Stich lies. Also stand der Orden relativ allein auf weiter Flur und hatte nur seine (relativ sicheren Burgen) als Rückzugsgebiet. Das ganze Land inklusive der Städte stand den Hussiten recht schutzlos gegenüber, welche 1433 plündernd durchs Land zogen. Dabei wurde das ganze Gebiet westlich der Weichsel, bis an Danzig ran, der furchtbarsten Verheerung preisgegeben. Hätten nicht seine Stände im den Gehorsam verweigert, wäre der Friedensvertrag von Brzesc (1. Jan. 1435) nicht zustande gekommen, und das Morden und Plündern hätte immer noch kein Ende gefunden. Da der Orden inzwischen zur internationalen Lachnummer verkommen war, interessierte sich außerhalb Preussens auch niemand für Meinung des Ordens, und wenn jemand die Interessen der preussischen Händler / Städte in dieser Zeit vertreten konnte, so war es bestimmt nicht der deutsche Orden. Das war den anderen Mitspielern natürlich klar und führte international nicht unbedingt zur Stärkung der Positionen aller preussischen Städte / Kaufleute.

                          Tschü.......

                          Hallo Rainer,

                          ich will mal sehen, ab wann man wo, in den alten Urkunden /Schriften auf den Namen Stortebecker stösst. Meine Meinung zu Wikipedia mag ich hier nicht noch mal posten.

                          Bis jetzt taucht Störtebeker in meinen Dokumenten (ausser in einem einzigen Buch) so noch nicht auf, obwohl es da genug Wirbel um die Seeräuber gibt und verschiedenste Anführer auch benannt werden. Schaun wir mal, was sich da so findet.

                          Tschü.....

                          Hallo,

                          das mit der Schreibweise ist bei der Suche ein großes Problem. Weil damals Personalausweise noch nicht üblich waren, musste jeder sich seinen Namen merken, auch wenn er selbst nicht schreiben konnte. So kam es dann regelmäßig zu Veränderungen in der Schreibweise, besonders menn jemand seinen üblichen Wohnort verließ und woanders seinen Namen nannte. Klar war es damals auch einfach seine Identität zu ändern.

                          Tschü.....
                          Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

                          Kommentar

                          • Rahmenbauer14, + 1.11.2021
                            Forum-Teilnehmer
                            • 01.01.2009
                            • 1434

                            #14
                            AW: Störtebeker - ein Danziger?

                            Hier noch etwas über den "Johann" Stortebeker und anderen guten und schlechten Leuten zur Zeit der Hanse:



                            Gruß
                            Rainer
                            "In einem freien Staat kann jederman denken,
                            was er will, und sagen, was er denkt"
                            (Spinoza)

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                            • UtaK.
                              Forum-Teilnehmer
                              • 16.05.2010
                              • 235

                              #15
                              AW: Störtebeker - ein Danziger?

                              Hallo Rainer (Rahmenbauer14),

                              Du schreibst in Beitrag #12, dass es auf der ganzen Welt lt. familysearch nur eine Person namens Stortebeker gibt. Im Familienstammbaum bei familysearch gibt es noch eine weitere Person: Henning Stortebeker geb. um 1660, heiratete am 22. Mai 1682 Trinke Rode in Oldenburg (Kreis), Schleswig-Holstein. Die nächste Generation nannte sich dann aber schon Stortenbecker.

                              Schönen Gruß,
                              Uta

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