Namensänderungen

Einklappen
X
 
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles l
neue Beitr
  • balou
    Forum-Teilnehmer
    • 24.08.2008
    • 3

    #1

    Namensänderungen

    Hallo ,habe mal im polnischen Staatsarchiv gestöbert, wobei mir aufgefallen ist das dort um 1939-1940 es zu Namensänderungen kam.
    Von sogenannten polnischen namen zu deutschen namen.
    Kann mir einer erklären was das zu bedeuten hat und welcher Hintergrund hinter diesen Änderungen steht. Und was für einen Nachweis musste mann erbringen um zu einer Namensänderung zu kommen.

    gruss
    balou
  • Wolfgang
    Forumbetreiber
    • 10.02.2008
    • 11623

    #2
    Schönen guten Morgen,

    viele Danziger hatten polnisch klingende Namen und manche von ihnen wollten diesen Namen geändert haben. Es mag vielfache Gründe gegeben haben, bisher habe ich jedoch nichts darüber gehört, dass es von Seiten der Nazis massiven Druck gab einen polnischen Namen zu ändern oder dass es zu Repressionen kam, wenn ein Name nicht "eingedeutscht" wurde. Sicher ist jedoch, dass solche Namensänderungen mit Wohlwollen geprüft und durchgeführt wurden.

    In den meisten Fällen wird es reiner Opportunismus gewesen sein.
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
    Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

    Kommentar

    • Daniel Hebron
      Forum-Teilnehmer
      • 10.02.2008
      • 331

      #3
      Zitat von Wolfgang
      Schönen guten Morgen,

      viele Danziger hatten polnisch klingende Namen und manche von ihnen wollten diesen Namen geändert haben. Es mag vielfache Gründe gegeben haben, bisher habe ich jedoch nichts darüber gehört, dass es von Seiten der Nazis massiven Druck gab einen polnischen Namen zu ändern oder dass es zu Repressionen kam, wenn ein Name nicht "eingedeutscht" wurde. Sicher ist jedoch, dass solche Namensänderungen mit Wohlwollen geprüft und durchgeführt wurden.
      Hallo,

      sehe ich genauso. Beispiel eines Nicht-Danzigers dessen Name nicht eingedeutscht wurde, obwohl er sicherlich die Moeglichkeit dazu hatte, ist "Walter von Kielpinski".

      Aber es war meiner Meinung nach sicherlich nicht nur Opportunismus welchen die Leute zu Namensaenderungen bewogen haben sondern auch die dt. Aussprache der poln. Namen. Die Nazis haben aus anderen Gruenden die Namensaenderungen dann erheblich erleichtert.

      Viele Gruesse
      Daniel
      Tu as sans doute déjà, lecteur bénévole, bien des récits sur la ville ancienne et commerçante de Dantzig....

      Kommentar

      • JuHo54
        Forum-Teilnehmer
        • 11.12.2008
        • 2378

        #4
        Namensänderung

        Ich weiß von deutschstämmigen Aussiedlern, die nach dem 2. Weltkrieg in Polen geblieben sind, dass sie ihre deutschen Namen ändern mussten, sogar die Vornamen, aus Fischer wurde dann Fiszer..... umgekehrt scheint also der Druck später größer geweseen zu sein, das macht es auch Ahnenforschern nicht gerade leichter, jetzt noch lebende Verwandte ausfindig zu machen...

        JuHo54
        Jeder Tag ist ein kleines Leben für sich.

        Artur Schopenhauer* 1788 Danzig

        Kommentar

        • Marc Malbork
          Forum-Teilnehmer
          • 23.02.2008
          • 1050

          #5
          Zitat von balou
          Hallo ,habe mal im polnischen Staatsarchiv gestöbert, wobei mir aufgefallen ist das dort um 1939-1940 es zu Namensänderungen kam.
          Von sogenannten polnischen namen zu deutschen namen.
          Kann mir einer erklären was das zu bedeuten hat und welcher Hintergrund hinter diesen Änderungen steht. Und was für einen Nachweis musste mann erbringen um zu einer Namensänderung zu kommen.

          gruss
          balou
          Hallo balou,

          der von dir genannte Zeitraum 1939 - 1940 ist ja der Zeitraum der Besetzung und der verwaltungsmäßigen Eingliederung der Freien Stadt Danzig in das Deutsche Reich. Nicht jeder Danziger wurde dabei Deutscher. Verkürzt gesagt, die polnische Minderheit in Danzig wurde unter vielfachen Mordverbrechen allgemein diskrimiert, entrechtet, verfolgt. Insoweit dürfte gerade in dieser Zeit bei vielen Danzigern durchaus ein nachvollziehbarer Grund vorgelegen haben, jeden polnischen Anklang im Namen zu tilgen.

          Die Rechtsgrundlagen:

          Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen –NamÄndG- vom
          05.01.38 (RGBl. I S. 9)

          Erste Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familien-
          namen und Vornamen –NamÄndDV- vom 07.01.38 (RGBl. I S. 12)

          Ich habe da jetzt nicht mehr reingeguckt. Das Entscheidende dürfte allerdings - wie heute auch - nicht der reine Gesetzeswortwortlaut sondern die Verwaltungspraxis gewesen sein, die durch entsprechende Verwaltungsvorschriften gesteuert wurde, deren Auffinden ein wenig mehr Mühe macht (für die ich jetzt aber leider keine Zeit mehr habe).

          Kommentar

          • Wolfgang
            Forumbetreiber
            • 10.02.2008
            • 11623

            #6
            Zitat von Rüdiger
            Insoweit dürfte gerade in dieser Zeit bei vielen Danzigern durchaus ein nachvollziehbarer Grund vorgelegen haben, jeden polnischen Anklang im Namen zu tilgen.
            Schönen guten Nachmittag,

            Siegfried schrieb vor ein paar Tagen, sein Bruder Otto habe seinen Familiennamen in "Grimm" ändern lassen, was seinen Vater sehr erboste. Vielleicht weiß Siegfried, warum einerseits sein Bruder die Namensänderung wollte, sein Vater aber dagegen war und den Kontakt zu seinem Sohn abbrach.

            Aber auch in einem meiner Familienzweige kam es zu einer Namensänderung. Da werde ich auch mal nachhaken.
            Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
            Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
            Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

            Kommentar

            • Rudolf
              Forum-Teilnehmer
              • 22.06.2008
              • 335

              #7
              Namensänderung

              Ein Bruder meines Vaters - Max Jaworski - hat seinerzeit Anfang der 40-er Jahre den Familiennamen in Jahr ändern lassen . Er arbeitete in Danzig in einer Bank und hatte dort eine mittlere leitende Funktion inne . Er wurde - und hier erinnere ich mich noch ziemlich genau an damalige Gespräche im Familienkreis zu diesem Thema - sehr intensiv gedrängt bzw. aufgefordert , seinen Familiennamen zu ändern , anderenfalls wurde ihm eine Entlassung angekündigt . Mein Vater wurde auch mehrmals dazu aufgefordert , er hatte dies jedoch abgelehnt und die Ablehnung blieb für ihn ohne Folgen . Dies vermutlich deshalb , weil er ( sein Beruf war Klempner ) trotz seiner polnischen Wurzeln ( seine Mutter war eine geborene Rostowski ) durch seine berufliche Tätigkeit nicht so exponiert war , daß es den Behörden wichtig war , ihn zu einer Namensänderung zu drängen .
              Grüße an alle von Rudi

              Kommentar

              • ada.gleisner
                Forum-Teilnehmer
                • 17.02.2008
                • 882

                #8
                Namensänderungen

                Hallo und guten Abend, ich habe schon einmal an anderer Stelle hier im Forum, als auch dieses Thema aufgeworfen wurde, erzählt, daß generell kein Zwang bestanden haben muß. Mein Vater, Arthur Gajewski, Ingenieur bei Schichau , hat seinen Namen nicht ändern lassen. Lediglich einer seiner Brüder, der bei einer Behörde in Lodz (damals Litzmannstadt) arbeitete, nannte sich in Walden um. Da denke ich, daß man ihn dazu drängte. Auch andere Verwandte, so Kulbatzki und Pompetzki, haben im III. Reich ihre Namen nicht eingedeutscht oder eindeutschen müssen. Wer mußte und wurde gedrängt und wer nicht ? Diese Frage kann man wohl nicht abschließend beurteilen. Jedenfalls finde ich Namensänderungen je nach herrschender Regierung einfach barbarisch, das trifft für die zu, die sich in vorauseilendem Gehorsam dazu entschließen und noch mehr für die entsprechenden Behörden, die sich so etwas ausdenken und veranlassen, meint Ada
                Was ist Geld? Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt. (H. Heine)

                Kommentar

                • radewe
                  Forum-Teilnehmer
                  • 08.03.2008
                  • 935

                  #9
                  Namensänderung

                  Zitat von balou
                  Kann mir einer erklären was das zu bedeuten hat und welcher Hintergrund hinter diesen Änderungen steht. Und was für einen Nachweis musste mann erbringen um zu einer Namensänderung zu kommen.
                  In Danzig wurden Namensänderung auf Grund der Ermächtigung des Senats der Freien Stadt Danzig, vom 19. Juni 1924, (AZ.: Familiennamensänderung J.3895/24) von den Standesämtern die Ermächtigung erteilt.
                  Grüße von Hans-Werner aus Hamburg
                  Ich suche Geburtsdaten Michael BERGMANN um *1808, WO??
                  Im November 1835 heiratet er `katholisch´ Anna Elisabeth SCHULZ aus Zoppot.
                  Er, seine Ehefrau & die Nachkommen lebten in Carlikau, Fischerkolonie (Fischerplatz).

                  Kommentar

                  • benjen07
                    Forum-Teilnehmer
                    • 10.01.2009
                    • 56

                    #10
                    AW: Namensänderungen

                    Ich finds interessant denn mein Opa und dessen Geschwister hatten alle einen Polnisch klingenden Nachnamen bis heute. Aber auch da sollte damals etwas umgeändert worden sein. Finde seit Januar 2009 nicht einen Anhaltspunkt mit diesem Namen der in seinem Stammbuch steht. Koslowski steht dort, meine Oma meinte damals das ein E vergessen worden sein soll. Auch unter Koselowski finde ich rein garnichts. Und das macht mich so verdammt traurig. Auch der Schrödtersche Hof soll bekannt sein. Ich finde nichts einfach nichts.
                    Aber bin ja noch jung :-)

                    Kommentar

                    • magdzia
                      Forum-Teilnehmer
                      • 06.12.2009
                      • 464

                      #11
                      AW: Namensänderungen

                      Hallo an alle,

                      nach meinem Kenntnisstand bestand kein Zwang zur Namensänderung, weder vor noch nach 1945. In meiner Familie gab es vor 1945 und nach 1945 Namensänderungen.

                      Als mein kaschubischer Opa, Leo Magulski, in der Wehrmacht war, hat seine deutsche Frau den Namen, ohne sein Wissen, in "Mach" ändern lassen.

                      Mein Opa erzählte mal die Geschichte: Als er von einem Einsatz kam, hing an seinem Spind ein anderer Name. Also ging er zu seinem Vorgesetzten und fragte, wo jetzt sein Spind sei. Da sagte der Vorgesetzter: "Der gleiche wie vorher. Ab heute heißen sie "Mach". Ihre Frau hat den Namen geändert, sie müssen nur noch unterschreiben." Das nenne ich zwangsweise Namensänderung.

                      Mein Vater erzählte auch mal über sich eine Anekdote:
                      Als er nach Kriegsausbruch von seiner Mutter in der Schule angemeldet wurde, sagte der Rektor ganz laut: "Kasimir? So'n polnischer Name.......Rudi müßt' er heißen."
                      Es blieb bei Kasimir.

                      Meine Oma väterlicherseits, Klara Scharmach, änderte nach dem Krieg ihren Namen in "Szarmach", mein Vater behielt die Schreibweise mit "Sch". Ich hatte dadurch in Polen keine Nachteile. Wenn ein neuer Lehrer kam und meinen Namen nicht lesen konnte, stand ich auf und sagte, dass es "Szarmach" heißt und dann war's gut.
                      Allerding habe ich jetzt nachgeschaut, meine ganzen Zeugnisse wurden mit "Szarmach" ausgestellt. :surprised:
                      Nur in dem Dokument von der Erstkommunion ist die Schreibweise richtig. Die Religionszeugnisse hat der Pfarrer jedoch mal so und mal so ausgestellt.

                      Empfehlenswert bei der Suche ist, auf jeden Fall mehrere mögliche Schreibweisen in Betracht zu ziehen. Ich habe hier ein Beispiel:

                      Meine Oma sprach immer von "Wenserski". Im Kirchenbuch fand ich einen meiner Vorfahren unter dem Namen "Wesierski". Wobei ich hier schon in dieser Richtung gesucht habe, da ich polnisch kann und mir dämmerte, dass es bei dem "en" sich auch um das polnische "e mit Häckchen unten" handeln kann.

                      Bei meiner weiteren Forschung kommen noch folgende Varianten in Frage: "Weserski" "Wezierski" oder gar "Wedzierski". Die letzte Variante würde gar die Bedeutung des Namens liefern.
                      "Wedzi" bedeutet "er/sie/es räuchert". Evtl. hatte der Vorfahre eine Fischräucherei oder war für's Räuchern zuständig.

                      Viele Grüße
                      Magdalena

                      Kommentar

                      • magdzia
                        Forum-Teilnehmer
                        • 06.12.2009
                        • 464

                        #12
                        AW: Namensänderungen

                        @benjen07

                        Versuche mal mit "Kozlowski" evtl. auch "y" am Ende.

                        Vielleicht meinte deine Oma ein "i". Polnisch wird das "Kozlowski" evtl. auch mit einem "z mit Strich oben" geschrieben. Ausgesprochen klingt das dann "Kosilowski".

                        Gruß
                        Magdalena

                        Kommentar

                        • benjen07
                          Forum-Teilnehmer
                          • 10.01.2009
                          • 56

                          #13
                          AW: Namensänderungen

                          Hallo Magdalena,

                          ich habe schon viel herum kombiniert.

                          Koselowski, Kozlowski, Kosowski, Kozowski auch alle mit y am ende ausprobiert.

                          Ich finde nichts. Verzweifel nach fast einem Jahr.

                          In meinem Opa seinem Stammbuch steht Koslowski.

                          Aber ich finde es komisch. Oder waren Leute die auf einem Gutshof lebten nirgendwo eingetragen? Mein Opa erwähnte auch mal das es dort keine Straßennamen gab!!!

                          Alles ein wenig komisch :-(

                          Kommentar

                          • Mariolla
                            Forum-Teilnehmer
                            • 20.07.2008
                            • 336

                            #14
                            AW: Namensänderungen

                            Hallo Jenny,

                            im Staatsarchiv Danzig (digital) habe ich eine Menge
                            Namensänderungen für Koslowski gefunden.
                            Beispiel: Herrn Albert Koslowski aus Danzig in Albert Arendt / 1939-1940
                            sygnatura: [COLOR=#c71b17]10/14/0/2320
                            Der neue Name steht in der Klammer.

                            Jenny, hier unter http://baza.archiwa.gov.pl/sezam/iza.php?l=en
                            kannst Du selber schauen. Gib einfach unten im Feld "Index terms.."
                            Deinen Suchnamen ein und dann auf "search" klicken und Du erhälst entsprechend eine Aufstellung von Namen.
                            Soweit ich informiert bin, sind die Namensänderungen noch nicht alle
                            digitalisiert, das bedeutet, es wird immer noch daran gearbeitet
                            und eingegeben. Die Signatur bedeutet Aktenzeichen, also sind entsprechende Unterlagen vorhanden.
                            Vielleicht findest Du auf diesem Weg auch noch andere Verwandte.

                            Liebe Grüße
                            Mariolla alias Marion
                            Es sind die Lebenden, die den Toten die Augen schließen und
                            es sind die Toten, die den Lebenden die Augen öffnen.
                            Slaw.Sprichwort

                            Kommentar

                            • Geigersohn
                              Forum-Teilnehmer
                              • 04.12.2009
                              • 688

                              #15
                              AW: Namensänderungen

                              Bei meiner Familie gibt es folgende Besonderheit.
                              Opa Eduard Alexander schreibt sich Krzywinsky, zeitweise Kriewald.Seine zwei Söhne Alfred und Ernst schreiben sich Krzywinski. Ab wann dies geschah ist mir unbekannt.
                              Hat jemand ,liebe Danzigfreunde, eine Eklärung für mich?
                              Schöne Grüße Geigersohn

                              Kommentar

                              L