AW: Charakter der Danziger
Liebe Grabbi ! Die Eindruecke, die ich von den typischen Charakter Zuegen der Danziger habe, kommen aus den Jahren 1927-1945, also den Kindern und Entwicklungsjahren. Sitten und Gebraeuche springen deshalb aus der Erinnerung dieser Jahre. Da ich in einer multikulturellen und multireligioesen aufgewachsen bin, konzentriere ich mich auf die Danziger Seite dieser Familie und meines Freundeskreises.
Sitten und Gebraeuche werden durch das ganze Leben, in den Aktivitaeten des Menschen oder Menschlein,ausgedrueckt. Die Kinderspiele wurden von einer ganzen Gruppe Danziger Kinder gespielt. Sie kamen zusammen in unserem Hinterhof, an den 3 Haeuser grenzten, da wir an der Ecke Weidengasse/Hirschgasse auf der Niederstadt lebten. Ein Ballspiel "Kopfchen, Brustchen, Kniechen" in dem man einen Ball an die Wand abstiess, habe ich nirgendwo anders spielen gesehen. Auch "Voelkerball" war sehr beliebt. Auch die Singspiele waren typisch und wir haben sie bis in's 'reife Alter' von 13 und 14 Jahren gespielt.
Ein Singspiel mache ich noch immer mit meinem 2 jaehrigen Enkelchen "Hoppe, hoppe Reiter, wenn er faellt dann schreit er, faellt er in den Graben, fressen ihn die Raben, faellt er in den Sumpf, dann macht der Reiter PLIMPS. Da sitzt er auf meinem ausgestrecktem Bein, waehrend ich ihn an seinen Haendchen halte, reitet rauf und runter und warte auf den PLUMPS. Wie er dann lachen und jauchzen kann. Das KInderlachen ist ansteckend und wir alle lachen mit ihm.
Als KInder haben wir auch immer puenktlich und aufgeregt in die Mottlau gespuckt wenn wir ueber die Bruecke gingen, das war unbedingt noetig. Warum, weiss ich heute immer noch nicht, es war eben eine Sitte.
Sogar die Woche war in Tage eingeteilt an denen gewisse Dinge geschahen. Das war nicht nur in unserem Haushalt gebraeuchlich, ich kannte viele Familien um uns herum die das auch einhielten. Sitte und Gebrauch ? Am Freitag wurden immer die duennen Holzkaeste mit geraeucherten Sprotten gekauft und der Fischmarkt besucht. Am Abend geschah dann das Vorputzen, weil am Samstag die ganze Wohnung sauber gemacht wurde. Teppiche wurden zusammen gerollt und auf der eisernen Kloppstange im Hinterhof gut ausgeklopft und abgebuerstet Am Sonntag ging es dann in die Kirche, sei es in die katholische oder die evangelische und zum Mittagessen kam der Braten mit Rotkohl auf den Tisch. Das sogar wie es schon Marken gab, wie es die Mutti gemacht hat weiss ich immer noch nicht. Allerdings waren wir eine 7 koepfige Familie, das half. Die vielen Gesellschaftsspiele die wir dann am Abend spielten, waren auch beruehmt, "Mensch aergere Dich nicht" und "Schwarzer Peter". Montags kam die Waschfrau. Die Sitte war dass die Bettwaesche am Abend vorher mit gruener Seife eingeweicht wurde. An diesem Tag gab es immer Wrucken oder Erbsen Eintopf, oefters mit den Schwarten und KNochen vom Sonntagsbraten lecker zubereitet. Familien hatten auch verschiedene Waschtage und Waschkueche und Trockenboden wurden mit allen geteilt.
Wenn Mutti oder Oma ein neues Brot anschnitten wurden drei Kreuze darueber gemacht bevor die Schnitten abgeschnitten wurden. Das habe ich auch nur in den Danziger Familien gesehen.
Die vielen Festtage hatten auch ihre beinahe ritualen Gebraeuche. Am Aller-Seelen Tag gingen wir immer zum Friedhof um auf dem Grab von Oma Lichtlein anzuzuenden, um uns leuchteten 100erte.
Am Nikolai Tag wurden den Kindern die Schuhe mit Suessigkeiten gefuellt und Adventskraenze mit ihren Kerzen leuchteten aus vielen Fenstern in der Niederstadt.
Der Heilige Abend wurde immer, nach alter Sitte gefeiert. Die Bescherung war um 6 Uhr und der grosse Tannenbaum leuchtete durch das ganze Wohnzimmer, welches wir nur betreten durften wenn das Gloeckchen laeutete. Wir Kinder mussten Gedichte aufsagen und Mutti spielte all die bakannten Weihnachtslieder. Wir sangen alle mit und nur wenn "Stille Nacht, Heilige Nacht"verklungen war gab es die Bescherung und die 'eingelegten Teller' mit Suessigkeiten
Nie werde ich die Brataepfel vergessen die in den Roehren der Kacheloefen pruzzelten. Bestimmt gab es diese auch in anderen kalten Gegenden aber die Sitten und Gebraueche in meiner Heimat sind mir tief in's Herz gewachsen.
Vor Ostern wurden fleissig Ostereier bemalt ich kann mich noch erinnern,als wir nicht die Farben bekamen, die Eier mit natuerlichen Mitteln zu faerben. Zum Beispiel Zwiebelschalen wurden um sie herumgegeben bevor sie gekocht wurden.
Im Sommer wurden alle Danziger Strandbesucher. Wir hatten regelmaessig aus Thorn, der Niederung und dem Werder Besucher. So ging es auch unseren Freunden. Ganze Gruppen machten sich auf zum Heubuder Strand und wie es so Sitte war hatten wir Burgen und allerhand Festungen um uns herum aufgebaut.
Und nun zum 'Danziger Tisch' Grabbi
Mein Danziger Tisch beherbergt Bilder und Andenken aus Danzig, sogar eine ungeoeffnete Flasche Danziger Goldwasser und eine Flasche voller Seesand aus Heubude. Ueber dem Tisch haengen Bilder und Teller an der Wand und ich habe sogar eine Danziger Flagge. Viele Dinge habe ich aus Luebeck und Hamburg und auch einige von Euch alten Danzigern aus den drei Foren.
Da siehst Du also Grabbi dass sogar am anderen Ende der Welt, Danziger Luft weht. Liebe Gruesse von der Feli
Liebe Grabbi ! Die Eindruecke, die ich von den typischen Charakter Zuegen der Danziger habe, kommen aus den Jahren 1927-1945, also den Kindern und Entwicklungsjahren. Sitten und Gebraeuche springen deshalb aus der Erinnerung dieser Jahre. Da ich in einer multikulturellen und multireligioesen aufgewachsen bin, konzentriere ich mich auf die Danziger Seite dieser Familie und meines Freundeskreises.
Sitten und Gebraeuche werden durch das ganze Leben, in den Aktivitaeten des Menschen oder Menschlein,ausgedrueckt. Die Kinderspiele wurden von einer ganzen Gruppe Danziger Kinder gespielt. Sie kamen zusammen in unserem Hinterhof, an den 3 Haeuser grenzten, da wir an der Ecke Weidengasse/Hirschgasse auf der Niederstadt lebten. Ein Ballspiel "Kopfchen, Brustchen, Kniechen" in dem man einen Ball an die Wand abstiess, habe ich nirgendwo anders spielen gesehen. Auch "Voelkerball" war sehr beliebt. Auch die Singspiele waren typisch und wir haben sie bis in's 'reife Alter' von 13 und 14 Jahren gespielt.
Ein Singspiel mache ich noch immer mit meinem 2 jaehrigen Enkelchen "Hoppe, hoppe Reiter, wenn er faellt dann schreit er, faellt er in den Graben, fressen ihn die Raben, faellt er in den Sumpf, dann macht der Reiter PLIMPS. Da sitzt er auf meinem ausgestrecktem Bein, waehrend ich ihn an seinen Haendchen halte, reitet rauf und runter und warte auf den PLUMPS. Wie er dann lachen und jauchzen kann. Das KInderlachen ist ansteckend und wir alle lachen mit ihm.
Als KInder haben wir auch immer puenktlich und aufgeregt in die Mottlau gespuckt wenn wir ueber die Bruecke gingen, das war unbedingt noetig. Warum, weiss ich heute immer noch nicht, es war eben eine Sitte.
Sogar die Woche war in Tage eingeteilt an denen gewisse Dinge geschahen. Das war nicht nur in unserem Haushalt gebraeuchlich, ich kannte viele Familien um uns herum die das auch einhielten. Sitte und Gebrauch ? Am Freitag wurden immer die duennen Holzkaeste mit geraeucherten Sprotten gekauft und der Fischmarkt besucht. Am Abend geschah dann das Vorputzen, weil am Samstag die ganze Wohnung sauber gemacht wurde. Teppiche wurden zusammen gerollt und auf der eisernen Kloppstange im Hinterhof gut ausgeklopft und abgebuerstet Am Sonntag ging es dann in die Kirche, sei es in die katholische oder die evangelische und zum Mittagessen kam der Braten mit Rotkohl auf den Tisch. Das sogar wie es schon Marken gab, wie es die Mutti gemacht hat weiss ich immer noch nicht. Allerdings waren wir eine 7 koepfige Familie, das half. Die vielen Gesellschaftsspiele die wir dann am Abend spielten, waren auch beruehmt, "Mensch aergere Dich nicht" und "Schwarzer Peter". Montags kam die Waschfrau. Die Sitte war dass die Bettwaesche am Abend vorher mit gruener Seife eingeweicht wurde. An diesem Tag gab es immer Wrucken oder Erbsen Eintopf, oefters mit den Schwarten und KNochen vom Sonntagsbraten lecker zubereitet. Familien hatten auch verschiedene Waschtage und Waschkueche und Trockenboden wurden mit allen geteilt.
Wenn Mutti oder Oma ein neues Brot anschnitten wurden drei Kreuze darueber gemacht bevor die Schnitten abgeschnitten wurden. Das habe ich auch nur in den Danziger Familien gesehen.
Die vielen Festtage hatten auch ihre beinahe ritualen Gebraeuche. Am Aller-Seelen Tag gingen wir immer zum Friedhof um auf dem Grab von Oma Lichtlein anzuzuenden, um uns leuchteten 100erte.
Am Nikolai Tag wurden den Kindern die Schuhe mit Suessigkeiten gefuellt und Adventskraenze mit ihren Kerzen leuchteten aus vielen Fenstern in der Niederstadt.
Der Heilige Abend wurde immer, nach alter Sitte gefeiert. Die Bescherung war um 6 Uhr und der grosse Tannenbaum leuchtete durch das ganze Wohnzimmer, welches wir nur betreten durften wenn das Gloeckchen laeutete. Wir Kinder mussten Gedichte aufsagen und Mutti spielte all die bakannten Weihnachtslieder. Wir sangen alle mit und nur wenn "Stille Nacht, Heilige Nacht"verklungen war gab es die Bescherung und die 'eingelegten Teller' mit Suessigkeiten
Nie werde ich die Brataepfel vergessen die in den Roehren der Kacheloefen pruzzelten. Bestimmt gab es diese auch in anderen kalten Gegenden aber die Sitten und Gebraueche in meiner Heimat sind mir tief in's Herz gewachsen.
Vor Ostern wurden fleissig Ostereier bemalt ich kann mich noch erinnern,als wir nicht die Farben bekamen, die Eier mit natuerlichen Mitteln zu faerben. Zum Beispiel Zwiebelschalen wurden um sie herumgegeben bevor sie gekocht wurden.
Im Sommer wurden alle Danziger Strandbesucher. Wir hatten regelmaessig aus Thorn, der Niederung und dem Werder Besucher. So ging es auch unseren Freunden. Ganze Gruppen machten sich auf zum Heubuder Strand und wie es so Sitte war hatten wir Burgen und allerhand Festungen um uns herum aufgebaut.
Und nun zum 'Danziger Tisch' Grabbi
Mein Danziger Tisch beherbergt Bilder und Andenken aus Danzig, sogar eine ungeoeffnete Flasche Danziger Goldwasser und eine Flasche voller Seesand aus Heubude. Ueber dem Tisch haengen Bilder und Teller an der Wand und ich habe sogar eine Danziger Flagge. Viele Dinge habe ich aus Luebeck und Hamburg und auch einige von Euch alten Danzigern aus den drei Foren.
Da siehst Du also Grabbi dass sogar am anderen Ende der Welt, Danziger Luft weht. Liebe Gruesse von der Feli
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