Wie ich wurde, was ich bin

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  • Christkind
    Forum-Teilnehmer
    • 10.02.2008
    • 1568

    #1

    Wie ich wurde, was ich bin

    Nach meinen Erinnerungen an die Rosengasse möchte ich noch etwas weiter berichten.Wir Danziger sind ja nicht einfach vom Erdboden verschwunden, sondern alle, die das Inferno überlebt haben,sind irgendwo angekommen.
    Angekommen

    Angekommen?
    Nach endlosen Tagen im offenen Viehwaggon. Wann der Tag war, dass wir uns am Bahnhof einfinden mussten, weiß ich nicht mehr. Irgendwo in eine Ecke gequetscht, zwischen Rucksäcken und Menschenhäuflein kauerten auch wir in diesem rollenden Verschlag. Unsere Eltern und wir fünf Kinder. Wenn der Zug hielt, dann wusste man nie wie lange. Manchmal stundenlang. Viele sprangen runter und versuchten, etwas Essbares zu finden. Einmal hielt der Zug kurz, eine Frau sprang ab, weil sie mal musste, der Zug fuhr an. Der Mann blieb im Zug. Er hat furchtbar geschrien , aber der Zug rollte weiter. Er rollte über die Oder. Langsam, stockend. Unter uns konnte man das Wasser sehen. Panik kam unter den Erwachsenen auf: Wir sollen hier versenkt werden, so wurde gebangt.

    Irgendwann war Berlin erreicht.
    Sammelstelle für die Vertriebenentransporte.
    Irgendwo gab es Suppe. Und oft kamen meine Geschwister mit der leeren Kanne – morgen wieder anstellen. Hunger, nichts als Hunger. Einmal brachte mein Vater ein Kastenweißbrot. Andächtig hat jeder eine Scheibe im Mund zergehen lassen.
    Ob es auch eine Statistik gibt, wie viele Menschen noch in diesem Lager verhungert sind?
    Mein Vater hatte nur noch einen Gedanken: Raus, egal wohin.
    So brachte uns der nächste Transport nach Magdeburg.
    Magdeburg- das ist die Börde. Da ist fruchtbares Land, da gibt es zu essen. So tröstete uns unser Vater.
    Ankunft wieder in einem nächsten Verteilungslager. Wolmirstedt Pferdefuhrwerke brachten ihre Menschenladungen in die Dörfer.
    Abends wurden wir im letzten Dorf abgeladen. Wo hin mit denen? fragte der Kutscher. Am besten gleich auf den Friedhof, war die vielleicht spaßig gemeinte Antwort des Begleiters.
    Ein Bördedorf.
    Ackerbauern. Höfe und Häuser hinter dicken Mauern. Wir wurden zugewiesen.
    Wir bekamen schnell mit, dass wir nicht erwünscht waren.
    Meine Mutter ermahnte uns, dass wir ja immer höflich grüßen, wenn wir über den großen Flur mit der schönen Holztreppe in unsere Dachkammern gingen. Ich war so bemüht, dass ich der alten Bäuerin immer wieder einen guten Tag wünschte, bis sie mir sagte:“Einmal am Tag, Kind, das reicht.“ Diese alte Dame war freundlich zu uns, ihr Mann hatte kein Herz. Er konnte ungerührt in der Stube am Tisch sitzen, ohne dass auch nur ein Stückchen für uns abfiel.
    In dieser Einquartierung verbrachten wir den Winter. Das Leben begann, sich in festen Bahnen zu bewegen .Die Straßen wurden vertraut. Inzwischen besuchte ich auch die 1.Klasse.
    Ich ging gern zur Schule. Lesen konnte ich schon in Danzig. Dort lernte ich nämlich ganz beiläufig, wenn mein Bruder mit der Mutter übte. Aber mit der Aufmerksamkeit haperte es sicher öfter, denn ich erinnere mich, dass ich oft vom Lehrer erschreckt wurde, wenn er mit dem Stock auf den Tisch haute, weil ich wieder mal geträumt hatte. Dann fuhr ich zusammen, und der Lehrer ermahnte mich, besser aufzupassen.
    Mit einer Begebenheit, die ich schon mal erwähnt hatte, will ich nun diesen Abschnitt beschließen.
    Es war im März 1946.
    Der Winter- ich brauche es nicht näher zu beschreiben- es war furchtbar kalt,
    wenige Sachen, die wir aus der Heimat mitgebracht haben; also Frieren angesagt.
    Natürlich waren wir trotzdem draußen. Spielen konnte man ja wunderbar auf einem
    Börde- Bauernhof. Und so waren wir bis zum Dunkelwerden draußen, am liebsten auf der Darre, da wurde Korn oder Leinen gelagert, glaube ich. Zwischen den Garben konnte man sich gut verstecken. Aber es zog. Und ich bekam eine Ohrenentzündung.
    Anfangs jammerte ich, mit Wärme war es nicht zu beheben. Schließlich wurde ich
    schon fast apathisch, und meine Mutter musste schnellstens ein Fuhrwerk
    besorgen, damit ich zu einem Arzt gebracht werden konnte. Mit dem Pferdewagen
    nach Magdeburg rein. Zu Dr. Harnisch am Hasselbachplatz.. Sofort ins Krankenhaus! Er selbst operierte mich. Fast wäre es zu spät gewesen. Nach sechs Wochen war ich wieder zu Hause, aber auf einem Ohr taub.
    Und noch eine Erinnerung daran: meine Mutter tauschte ein ganzes Brot gegen eine
    Puppe, um sie mir mitzubringen.
    Meine Gesellschaft dort waren nur Männer, denen ein Bein, ein Arm oder auch beide Gliedmaßen fehlten.
    Ja, so war es.

    _______
    Christa.
    Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
    (M. Gandhi)
  • wenzkauer
    Forum-Teilnehmer
    • 26.10.2008
    • 203

    #2
    AW: Wie ich wurde, was ich bin

    Hallo Christa,
    mich fesseln Deine Zeilen. Ich habe das nicht miterleben müssen. Wir Kinder wurden später oft in diese "Freßwirtschaften" mitgenommen, immer schön aufessen hieß es und manchmal war es nicht mal gut, aber Hauptsache viel.
    Ich weiß wo das herkam...
    Viele Grüße Michael

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    • grabschau, + 06.11.2012
      Forum-Teilnehmer
      • 10.02.2008
      • 496

      #3
      AW: Wie ich wurde, was ich bin

      wunderbar geschrieben von Dir Christkind, aber dennoch sehr traurig zu lesen !
      LG von Sigi / Paris

      Kommentar

      • Anna Nyma

        #4
        AW: Wie ich wurde, was ich bin

        Ja, traurig.

        Zu sagen, daß mir die Augen feuchtwerden wollen, wenn ich das lese, wäre nicht ganz richtig.

        Das Papier vor mir auf dem Tisch wird naß ...

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        • Christkind
          Forum-Teilnehmer
          • 10.02.2008
          • 1568

          #5
          AW: Wie ich wurde, was ich bin

          Das Papier vor mir auf dem Tisch wird naß

          Auweia, hoffentlich hat der PC nicht gelitten!
          Der kann Feuchtigkeit nicht so gut ab.Sagt mein Sohn.
          Also da hör ich drauf und weine niemals am PC.

          Michael, diese Zeiten haben uns alle geprägt. Verformt wohl auch.
          Aber vor allem nicht gebrochen.
          _____
          Gruß von Christa
          Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
          (M. Gandhi)

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          • waldkind
            Forum-Teilnehmer
            • 06.10.2008
            • 2366

            #6
            AW: Wie ich wurde, was ich bin

            Danke Christkind, sehr schön geschrieben.

            Kennt ihr das auch?

            Die Mutter sammelte jeden übrig gebliebenen Nagel, jede Schraube, jedes Mütterlein. Krumme Nägel wurden mit dem Hammer gerade geklopft.
            "Wer weiß, vielleicht brauchen wir ihn noch mal", hieß es dann. Bis heute habe ich mir das nicht abgewöhnt. Jedes Schräubchen, jedes Nägelein, und sei er noch so klein, wird liebevoll in eine dafür vorgesehene Schublade gelegt.

            Tantchen hatte die Angewohnheit bei jedem Einkauf Wolle aus dem Sonderangebot mit nach hause zu bringen und sie in einen großen (sehr großen) Schrank zu legen.
            "Wer weiß, wenn die Russen mal kommen, damit wir was zum Anziehen haben. Dann können wir uns was stricken." Wer sind die Russen, fragte ich mich schon seit meiner Kindheit, wenn man ihretwegen so viel Wolle braucht? Das Sammeln preiswerter Wolle habe ich mir inzwischen abgewöhnt.

            Das mit dem "Mach deinen Teller leer", nicht. Ich wende da einen Trick an. Ich mache den Teller erst gar nicht so voll. Dann klappt es mit dem Leermachen leichter.waldkindchen grüßt.
            Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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            • Belcanto
              Forum-Teilnehmer
              • 24.09.2008
              • 2508

              #7
              AW: Wie ich wurde, was ich bin

              Hallo Christa
              Da du ja schon in Danzig lesen konntest, gehe ich davon aus, dass du älter bis als ich und alles noch viel intensiver erlebst hast. Das hast es sehr schön geschrieben. Ich habe es in meinem Buch auch getan, weil ich mir, wie eine Therapie etwas von der Seele schreiben musste und unseren Müttern damit ein literarisches Denkmal setzen wollte.
              Diese Schicksale haben sich, in ähnlicherweise millionenfach so zugetragen und dennoch ist dein individuelles Schicksal und Erleben.
              Viele Grüße
              Belcanto

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              • Christkind
                Forum-Teilnehmer
                • 10.02.2008
                • 1568

                #8
                AW: an Belcanto und Waldkind

                Ich denke, dass keiner von uns um Mitleid heischt,nicht wahr?
                Nach einer PN war ich auch überrascht, dass Berichte aus eigenem Erleben intensiver aufgenommen werden als im Spielfilm dargestellte.
                Ja, Belcanto, unsere Mütter,sie waren unvorstellbar stark.
                Für ihre Kinder.

                Diesen Sammeltrieb habe ich auch,Waldkind.
                Sogar ein Stück Papier war doch mal wertvoll.
                Meine Schwester aber schmeißt alles weg.
                _____
                Christa grüßt
                Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                (M. Gandhi)

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                • waldkind
                  Forum-Teilnehmer
                  • 06.10.2008
                  • 2366

                  #9
                  AW: Wie ich wurde, was ich bin

                  Hihi Christkind,
                  was glaubst du wie wertvoll mir Papier ist? Kommt doch alles aus dem Wald. Blätter, Blätter, Blätter. Ich liebe Papier. Habe es den ganzen Tag um mich, kaufe es ein, wo immer ich es finde. Manche lieben das Bergsteigen. Ich auch, Blätterkraxeln in Papierbergen ist mein Hobby. Es gibt ja sooooo schöne verschiedene Papiere und Arten etwas aufzuschreiben und mitzuteilen. Unendlich vielseitig und nicht restlos ausschöpfbar. All die vielen schönen Buchstaben auf Blätter und Steine verteilt, super!!!!

                  Mamachen lehrte uns, dass Papier sehr wertvoll ist. Daher mussten wir eng schreiben, um Papier zu sparen. Ich ließ auf dem Rechenpapier also keine Zeile frei, wie es heute üblich ist, sondern schrieb jede Zeile voll. Dazu sagte die Lehrerin:

                  Wär oss dann he esu ärm, datte allet vull schribbe mööt. Zu Deutsch: Wer ist denn hier so arm, dass ihr alles voll schreiben müsst? Und sie forderte mich auf zukünftig eine Zeile frei zu lassen.

                  Wenn die Überlegung einer Mutter sein muss, kaufe ich ein Brot für meine Kinder oder ein Schulheft, wie würde eine Mutter da wohl entscheiden? Ja so arm waren wir wohl, Vertriebenenfamile. Und wie sehr voller Scham!!! Das wird man so einfach nicht los.waldkindchen grüßt.
                  Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

                  Kommentar

                  • Anna Nyma

                    #10
                    AW: Wie ich wurde, was ich bin

                    Zitat von Christkind
                    Auweia, hoffentlich hat der PC nicht gelitten
                    Sicher nicht so wie ich in dem Moment. Diese Geräte haben ja kein Herz - sie können aber beitragen, daß zwischen denen der Menschen eine Verbindung entsteht.

                    Ich habe das selber durchaus auch schon gelernt - als ich mal, den Mund voll Kaffee, den ich unvernünftigerweise zum Zwecke gelegentlich notwendiger Beruhigung nebenher zu mir nehme, an meinem Computer gesessen bin, und einer einen Witz schrieb, bei dem ich mich nicht mehr halten konnte und losprusten mußte ...

                    Aber zurück zur Ernsthaftigkeit dieses Themas:

                    Schlimmer wäre es doch, wenn einem sowas gar keine Emotionen macht, wie eben gerade der heutigen Jugend - und nicht nur den ganz Jungen -, die sich lieber an brutalen Gewaltspielen berauscht. Und dabei wäre gerade diese No-Future-Generation es, die sowas mal lesen sollten.

                    Es sind wenige, von denen, die noch in der Lage wären, es in geeigneter Form weiterzugeben, die jetzt schon einsehen können, daß in den paar Zeilen, die ein jeder beizutragen wüßte, irgendwo VIELLEICHT DOCH ein "Schaltwort" enthalten sein könnte, woraufhin die potentiellen Adressaten anfangen möchten, aufzuhorchen. Es hat auch noch nicht so unmäßig viele Wege der Kommunikation.

                    Im konkreten Fall ist das schon alles sehr weit weg. Der vergleichsweise zu den Zeiten des Kalten Krieges - auch wieder eines von höheren Instanzen "verordneten", wie ich meine, womit in voller Absicht die Herzen der Menschen kühlgehalten werden sollten, damit denen nicht etwa 'wehrkraftzersetzende' Emotionen einkämen - schon sehr beachtliche Platz, der solcherart Erinnerung und Rückbesinnung in den Medien inzwischen eingeräumt ist, wird leider umso mehr überwuchert von Schund und Plattheiten, weil damit nun mal mehr Geld zu machen ist.

                    Aber wo etwas nicht ausgesprochen oder aufgeschrieben wird, ist es noch viel unwahrscheinlicher, daß auch mal jemand, der oder die das alles scheinbar nicht tangiert, von sich aus drauf aufmerksam werden könnte.

                    Es gibt viel mehr Menschen als man annehmen möchte, die, wie Miriam das bspw. auch schon an anderer Stelle sehr anschaulich begründet hatte, sich in die Situation ihrer Eltern oder Großeltern hineinfühlen wollen. Also etwa: Was erlebte, mußte erfahren, empfand meine Mutter, als sie noch ein kleines Mädchen war, das sie möglicherweise so geprägt hat, daß sie sich nachher immer auf die oder die Weise verhielt ?

                    Oder: Gibt es möglichenfalls auch eine Sichtweise, verschieden von der, die meine Eltern oder Großeltern in ohnmächtiger Verbitterung in dieser Sache immer vertraten ?

                    Ich bin da nun sicherlich nicht irgendwie "besonders", wenn die Worte, die ich da lese, sich mir zu einem Film ergeben, der, wo ich an den Punkt gelange, das könnte ICH unter diesen Umständen genauso gedacht, gefühlt, gleichermaßen gelitten haben, mich dann halt derart beeindruckt, daß mir scheinbar unverhältnismäßig die Tränen kullern - aus Dankbarkeit, daß ich darin keine Rolle haben brauchte, genauso wie aus gefühltem unbändigem Zorn, daß Menschen anderen Menschen solches angetan haben, und viele bis heute daraus nichts haben lernen wollen, weshalb, wenn wir nicht achtgeben, schon wieder die Tendenz dahin gehen will, trotz allem.

                    Man KANN die Leute erreichen. Es kommt immer "nur" darauf an, die richtigen Worte zu finden.

                    Und Du hast es hiermit nun wieder mal bewiesen, Christa. Danke dafür.

                    Kommentar

                    • Christkind
                      Forum-Teilnehmer
                      • 10.02.2008
                      • 1568

                      #11
                      AW: Wie ich wurde, was ich bin

                      Man KANN die Leute erreichen. Es kommt immer "nur" darauf an, die richtigen Worte zu finden


                      Empfindlich sind wir geworden, Anna Nyma.
                      Bei Gefahr sofort die Krallen ausfahren.
                      Ist die vorüber,sind wir wieder lammfromm.
                      ______
                      Christa grüßt
                      Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                      (M. Gandhi)

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                      • Jürgen40
                        Forum-Teilnehmer
                        • 14.06.2009
                        • 8

                        #12
                        AW: Wie ich wurde, was ich bin

                        Hallo Christa,nachdem ich deinen Bericht gelesen habe,erinnerte ich mich an mein "Ankommen".Am 31.Januar 1945 wurden meine Mutter,meine Schwester und ich von Danzig aus mit einem Schiff nach Aalborg in Dänemark verbracht.Wir hatten alle 3 selbstgenähte Rucksäcke mit dem Nötigsten /ein paar Kleidungsstücke,Fotoalben,kleine Wegzehrung),mehr nicht.Familienweise wurden wir in einer großen Kiste,ca.3.5 x3.5m,an Bord gehievt.(Kann vielleicht jemand sagen,wie das Schiff hieß?)
                        In Aalborg kamen wir alle in ein Lager.In der ersten Zeit in einen großen Saal,wo auf Strohmatten gelagert wurde. Hier mußten wir Kinder uns immer anstellen,um täglich eine halbe Tasse Milch zu erhalten.Hunger hatten wir sowieso immer.Die Verpflegung war sehr abwechslungsreich.Ein Tag gab es Trockenkartoffeln,den nächsten Graupen(Kälberzähne).Ich bekomme heute noch ein schlechtes Gefühl,wenn jemand Graupensuppe sagt.Später bezogen wir auch Zimmer in den Baracken.
                        Irgendwann durften die Kinder auch das Lager verlassen und spielten in der näheren Umgebung,was nicht ohne Gefahren war.
                        Die Bauern in der Umgebung fuhren ihre Ernte ein und es kam vor,daß wir mal etwas Frisches essen wollten .Natürlich erwischte uns der Bauer mit der Mohrrübe und dann gab es Senge mit der Peitsche.
                        1946 wurde ich im Lager eingeschult.Mutter bastelte eine Schultüte und ich erinnere mich noch ganz genau,daß oben aus der Tüte Mohrrübengrün herausschaute.Leider gibt es da keine Bilder von.Bis Mitte 47 verblieben wir in Aalborg.Dann wurde unser Vater gefunden,der aus der Gefangenschaft zurück in Niedersachsen auf einem Bauernhof arbeitete.
                        Jetzt waren alle wieder zusammen und wir hatten nun 2 Zimmer.

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                        • waldkind
                          Forum-Teilnehmer
                          • 06.10.2008
                          • 2366

                          #13
                          AW: Wie ich wurde, was ich bin

                          Danke Jürgen,
                          für deine Erzählung. Ich habe sie gerne gelesen. :heart:lich waldkind.
                          Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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                          • Anna Nyma

                            #14
                            AW: Wie ich wurde, was ich bin

                            Mir schwant, Christa, daß ich - nach einigem Nachdenken sowie Überschlafen - jetzt schon ein wenig mehr verstehen könnte, was Du mir sagen wolltest. Ein ganz klein wenig mehr.

                            Der Reflex, den Du beschreibst, ist doch auch völlig verständlich und gar nicht schlimm - ... solange man diese eigene Verletzlichkeit nicht ÜBER die notwendige Aufgabe stellt, die nur mal NUR IHR erfüllen könnt, die Ihr all diese schrecklichen Dinge erfahren und erleiden mußtet: Es an die nachwachsenden Generationen weiterzugeben, so sehr dabei auch die erlittenen Verwundungen wieder bluten wollen.

                            Wer soll es denn sonst tun. Der Satz ist definitiv falsch: "Geteiltes Leid ist doppeltes Leid."

                            Historiker können es nur bewerten. Ohne die authentischen Berichte der Zeitzeugen würde ihnen oft wohl noch nicht einmal geglaubt.

                            Mein "Film" lebt von jeder einzelnen Sequenz und dringt damit umso tiefer ins Herz, wo sich am Ende ein rundes Bild ergeben wird; und daraus wiederum resultierend eine weisere Sicht auf alles, was dazu geführt hatte, aber noch viel mehr, was daraus zu lernen ist.

                            Heißt nicht, daß mir die diesbezogenen Schilderungen Anderer, die hier schon länger stehen, nun vielleicht entgangen wären oder etwa gar weniger gelten wollten. Doch bleibt es mein Ziel, möglichst viele Berichte zusammenzuführen, also unbedingt auch alles, was da jetzt noch "in Reserve gehalten" ist. Daher freue ich mich, daß Deine beeindruckenden Beschreibungen, Christa, also schon Wirkung zeigen, indem sie jetzt nun bspw. den Jürgen veranlaßt haben, auch seine Geschichte mitzuteilen.

                            Und vielleicht überzeugt das ja jetzt auch noch andere. Es müssen ja keine druckreifen Manuskripte sein. Jedem werden doch ein paar Sätze dazu schon immer auf der Zunge liegen, die er / sie bisher nur noch nirgends hat loswerden können, weil selbst in den eigenen Familien das Interesse daran heuer nur noch begrenzt scheint.

                            Kommentar

                            • waldkind
                              Forum-Teilnehmer
                              • 06.10.2008
                              • 2366

                              #15
                              Gerätemit Herz

                              "Diese Geräte haben ja kein Herz - sie können aber beitragen, daß zwischen denen der Menschen eine Verbindung entsteht." (Zitat von Anna)

                              Hallo Anna,
                              was hast denn du für einen PC? Meiner hat Herz, und was für eins. Bekommt täglich und stündlich Streicheleinheiten. Also Sachen gibt es: Geräte ohne Herz. Hast du noch nie einen Menschen mit seinem Auto oder Computer reden hören?
                              In meinem sitzt sogar ein kleiner Schelm drin, der hin und wieder Schabernak mit mir betreibt. I love it.

                              Da müsste in deinem eigentlich ein sehr geduldiger Feuerwichtel sitzen, wo du so viel schreibst und er in seiner Rolle gar nicht erkannt wird. Sachen gibt es. Die verstehe ich erst gar nicht. Ohne das Wissen um meinen Computergeist würde ich mich erst gar nicht hinsetzen zum Schreiben.

                              Naja jeder hat so seine Welt. greetings waldkind.
                              Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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