Wie ich wurde, was ich bin

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  • Anna Nyma

    #16
    AW: Wie ich wurde, was ich bin

    Ich denke, daß Du da wohl so etwas wie einer "optischen Täuschung" erlegen bist, Miriam. Das was Du meinst sitzt definitiv nicht [FONT=Arial Black]im[/FONT] Computer, sondern davor oder dahinter.

    Dein eigener Geist flüstert Dir ein, was Du hineintippen sollst, und mittels Deines Computers kannst Du nachher in die Herzen der Menschen schauen, die sich über diesen Weg erreichen lassen. Das heißt, soweit diese selber auch erreicht werden wollen.

    Die Scheibe ist nur aus Glas - einmal spiegelt sie und sobald DU die Brennweite veränderst, gibt sie Dir den Blick frei auf alle die, die nur scheinbar 'da drinnen' sitzen, in Wirklichkeit aber viel weiter weg, und über diesen Weg nachher direkt mit Dir verbunden sind, mit Deinem Herzen.

    Da muß man dann für sich selber lediglich noch den richtigen 'Film' draus zu machen verstehen ...

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    • waldkind
      Forum-Teilnehmer
      • 06.10.2008
      • 2366

      #17
      AW: Wie ich wurde, was ich bin

      Guten Morgen Anna,
      da sage ich jetzt lieber mal gar nichts dazu von wegen Drehbücher, Filme, Manuskripte. Ich bin Waldarbeiter. Da verstehe ich eine ganze Menge von Wichteln, Flammengeister, Nymphen etc.

      Wer nun definiv einer optischen Täuschung unterliegt sei einmal dahin gestellt. Menschen sind eben anders. Ich bin ganz besonders anders und bin das auch noch gerne.
      Momentan sitze ich ohnehin in einem ganz anderen Film. Ich habe hier in diesem Forum ein Kapitel geschrieben und damit meinen Beitrag zur Entwicklung der Menschheit geleistet. Damit bin ich momentan völlig leidenschaftslos und möchte das auch vorerst bleiben.

      Ob es einen Feuergeist gibt in meinem Computer oder nicht hängt zumindest davon ab, welches Buch ich gerade schreibe.
      Ich muss heute eine große Erdhöhle buddeln für den Winter. Der kann bekanntlich mächtig kalt werden. Mit anderen Worten, ich bin erst mal weg. Waldkind.
      Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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      • Helga +, Ehrenmitglied
        Moderatorin
        • 10.02.2008
        • 1948

        #18
        AW: Wie ich wurde, was ich bin

        <<<ich habe hier in diesem Forum ein Kapitel geschrieben und damit meinen Beitrag zur Entwicklung der Menschheit geleistet.

        Entwicklung der Menschheit Naja Miriam, ist das nicht bißchen zu hoch gegriffen?
        Viele Grüße
        Helga

        "Zwei Dinge sind unendlich, die menschliche Dummheit und das Universum, beim Universum bin ich mir aber noch nicht sicher!" (Albert Einstein)

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        • Christkind
          Forum-Teilnehmer
          • 10.02.2008
          • 1568

          #19
          AW: Wie ich wurde, was ich bin

          Hallo Jürgen, du fragtest nach dem Namen des Schiffes, das euch am am
          31.1.45 nach Aalborg brachte.
          Niemand scheint es zu wissen.Ich bin am Überlegen, warum wohl die Schiffe so verschiedene Ziele hatten.
          Es gingen doch zur gleichen Zeit auch Schiffe nach Warnemünde oder Kiel.
          Hmm. Ich weiß es nicht.

          Nun will ich aber doch zum Ende meines Berichtes kommen.
          Ich muss gestehen, dass ich nie gedacht habe, dass ich einen Roman darüber schreiben könnte. Ich will mich aber kurz fassen.-
          Wir gewöhnten uns ein.
          Der Vater arbeitete als Maler, machte sich selbständig.
          Er starb aber schon 1947. Er wurde nur 47 Jahre alt.
          Wir wurden Halbwaisen.Meine Mutter wachte darüber, dass auch meine halbwüchsigen Brüder ordentliche Burschen wurden.Ihr erstes Ziel: alle lernen einen Beruf. So wurde einer Betonbauer, einer Werkzeugmacher, einer Maler.
          Meine ältere Schwester hatte in Oliva im Forstamt eine Lehre als Stenotopystin nicht beenden können.
          Mein ältester Bruder kam aus der russischen Gefangenschaft noch rechtzeitig zur Beerdigung meines Vaters.
          Er hatte schon in Danzig die Buchdruckerlehre beendet.
          Allmählich etablierte sich auch die neue Gesellschaftsordnung in der DDR.
          Mein Bruder mochte nicht in dem System bleiben. Er ging nach Westdeutschland. Von dort unterstützte er uns, indem er jeden Monat Kaffee schickte. Den verkaufte dann unsere Mutter und bekam 40 Mark pro Pfund.
          Als ich die Schulzeit beendete, hieß es" Was willst du werden?"
          Ich hatte doch immer nur Bücher vor der Nase.Haushalt interessierte mich nicht. Mama klagte:" Du kannst ja noch nicht mal abwaschen!" "Ach, Mama, bis dahin gibt es Maschinen." Mama glaubte es nicht.
          Meine Lehrerin meinte, ich solle Lehrerin werden.
          Na, da wurde ich dann Lehrerin.
          Mama gab andere gute Tipps:"Heirate mal nur keinen Schlosser. Dann musst du die dreckigen Anzüge waschen." Sie hatte wohl schlechte Erinnerungen an die Maleranzüge ihres Mannes.
          Ich vertraute auch hier auf die neue Zeit mit tüchtigen Helfern im Haushalt.
          Ja, Mama wusste auch noch nichts globaler Erderwärmung. Sie wusste nur, wenn keine Kohlen im Keller sind, kommt auch keine Wärme.Also täglicher Kampf ums Überleben, ob mit dem Einteilen der Lebensmittelmarken, mit der Sorge um Kleidung.Von der Caritas bekamen wir ab und zu Kleidung zugeteilt.
          Irgendwie ging nun auch die Grenze , die Deutschland teilte, mitten durch unsere Familie.
          Noch ein Bruder ging in den Westen.Und noch einer.
          Asl meine Ausbildung beendet war, war ich Unterstufenlehrerin. Kam in ein kleines Dorf an der Grenze.Nach kurzer Zeit wurde ich versetzt. Ich war katholisch, hatte Westverwandschaft, außerdem nicht in der Partei.Das war nicht statthaft.
          Allmählich wurde die Situation bedrückend. Hier sollte ich nun mein ganzes Leben zubringen? Immer nur unter den Zwängen eines Staates, der alles überwachte?
          Ich reiste aus. Nein, ich riss aus.
          Über Berlin,noch vor dem Mauerbau. Also 1960 im Oktober.
          Dieser eine Satz beinhaltet viel quälerische Gedanken, viel Unsicherheit, viel Ängste.
          Im Westen nun wieder ein neues Ankommen.
          Eingewöhnen. Zurechtfinden.
          Vor allem wollte ich wieder in meinem Beruf arbeiten.Dazu musste ich nochmal an die Päd. Hochschule in Braunschweig.
          Dies wäre nie möglich gewesen, wäre meine Mama nicht zu mir gekommen. Sie konnte als Rentnerin ausreisen aus der DDR.So konnte ich studieren, und mein Kind war in guten Händen.Nach 3 Semestern war es dann geschafft.
          Ich ging in den Schuldienst. 40 Jahre lang.
          Und was bin ich nun???
          Na,ein zufriedener Mensch inmitten eine großen Kinderschar.
          ______
          Christkind grüßt
          Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
          (M. Gandhi)

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          • Beate
            Administratorin
            • 11.02.2008
            • 4834

            #20
            AW: Wie ich wurde, was ich bin

            :heart:[FONT=Comic Sans MS] Danke, Christa, ganz lieben Dank! Beate[/FONT]
            ..wirklich? Taktgefühl ist nicht nur ein Begriff in der Musikwelt?

            Kommentar

            • waldkind
              Forum-Teilnehmer
              • 06.10.2008
              • 2366

              #21
              AW: Wie ich wurde, was ich bin

              "Ich muss gestehen, dass ich nie gedacht habe, dass ich einen Roman darüber schreiben könnte.", sagte Christkind.

              Hallo Christkind,
              vielleicht hast du tatsächlich Lust einen Roman zu schreiben. In diesem Stiel wie du schreibst würde ich ihn gerne lesen. Ein schöner Schreibstil ohne Wehklage und ohne Anklage, der die Dinge beschreibt wie sie waren. Ich denke, das ist es, was Menschen aus meiner Generation noch zum Thema brauchen können. LG wladkind.
              Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

              Kommentar

              • Christkind
                Forum-Teilnehmer
                • 10.02.2008
                • 1568

                #22
                AW: Wie ich wurde, was ich bin

                [FONT=Arial Black]Ich denke, das ist es, was Menschen aus meiner Generation noch zum Thema brauchen können[/FONT].

                Ach, liebes Waldkindchen,nette anerkennende Worte hört ja jeder gern, ich auch.
                Um ein Buch zu schreiben braucht man sicher viel Ausdauer.
                Die habe ich nicht.
                Wenn mir mal wieder was einfällt, dann kommt es auf Papier... Bildschirm...
                Ätherwellen...
                _____
                Grüße von Christkind
                Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                (M. Gandhi)

                Kommentar

                • Christkind
                  Forum-Teilnehmer
                  • 10.02.2008
                  • 1568

                  #23
                  Flucht in den Westen

                  Es gab spektakuläre Fluchten.
                  Durch Tunnel, über und durch das Wasser, mit dem Ballon, mit dem Flugzeug.
                  Die Menschen ließen sich viel einfallen, wenn sie dem Arbeiter- und Bauernstaat entfliehen wollten. Vor dem Mauerbau gab es noch zwei andere Wege, nämlich über Westberlin oder über die grüne Grenze. Den gingen manche öfter, wenn sie sich auskannten und wussten, wie man durch den Wald ungesehen an den Grenzposten vorbei kam. Oder sie nahmen einen Führer. Der brachte einzelne Personen über die Grenze. Manchmal auch ins Jenseits, wenn es sich ergab.
                  Die Mehrheit aber ging über Westberlin. Tagtäglich wurden es immer mehr. Manchmal Tausende. Es klang wie gelogen vom West-Fernsehen. Aber es war wahr.
                  Irgendwann also fanden auch mein Mann und ich, dass wir weggehen wollten.
                  Auswandern wollten wir, nach Kanada zu einem Bruder. Schritt für Schritt wurde nun geplant. Erstmal durfte es keiner wissen, denn die Folgen wären dramatisch geworden, das war uns klar. So gelang es uns, heimlich, still und leise unsere Vorbereitungen zu treffen.
                  In den Herbstferien im Jahr 1960 „verreisten“ wir mit dem Zug. Mit kleiner Tasche und Kinderwagen. Kindchen war 10 Monate alt.
                  Im Zug von Magdeburg nach Berlin saß eine junge Familie mit zwei Kindern. Auch Lehrer, die in den Ferien Verwandte besuchen wollten. Bisschen tauschten wir uns aus, aber je näher Berlin kam, desto stiller wurden wir. Auf dem Berliner Bahnhof kam die große Frage: Wird es gelingen, an den Posten ungehindert vorbeizukommen? Der Zug, der durch Westgebiet fuhr, musste bestiegen werden, denn wir hatten eine Fahrkarte für Prenzlau gekauft. Es warteten viele Menschen. Nur nicht auffallen, ganz harmlos wirken, ohne Angst zu zeigen. Als der Zug dann anrollte, war es schon geschafft, denn beim nächsten Halt waren wir in Westberlin. Jetzt schnell raus. Mit uns so viele Menschen ebenfalls. Nun gelangten wir irgendwie, ich weiß nicht mehr, wen wir fragten, ins Lager für DDR-Flüchtlinge. Nach der Registrierung bekamen wir ein Zimmer zugewiesen. Hier war schon eine Familie mit zwei Kindern drin. Auch Lehrer. Sie waren ganz aufgeregt, weil sie wussten, dass eine Schwester ebenfalls an dem Tag flüchten wollte. Endlich sahen sie diese durch den Hauptweg kommen. Und wie groß war unser Erstaunen, dass es die Familie aus dem Zug war. Jetzt ging alles nach Laufzettel. Hier eine Befragung, da eine Untersuchung, noch eine weitere Registrierung. Endlich hieß es: Fertigmachen zum Flug.
                  Anders wären wir ja nicht nach Westdeutschland gekommen.
                  Aus dem Flugzeug per Bus ins nächste Lager. In Uelzen. Lagerleben ist langweilig. Vor dem Lager standen Leute und fragten, ob man bei ihnen arbeiten wollte. Vielleicht wollten die uns verschleppen? Nein, man musste ja so aufpassen im Westen...
                  Dann wurde auch noch unser Kindchen krank. Und bei Fieber ging es gleich in Quarantäne. Eine Tante holte uns ab, und so konnten wir nach 14 Tagen raus aus dem Lager. Diese Tante half uns dann weiter. Anfang 1961 konnten wir eine Wohnung bekommen. Leer, aber immerhin eine eigene Wohnung.
                  Nun der Anfang im Goldenen Westen. Hilfe, wie stur waren die Leute!
                  Wir waren noch so richtig unbedarft und naiv. Wir mussten lernen, dass es keinen mehr gab, der uns sagte, was zu tun ist. Wir waren wieder etwas runtergerutscht von der sozialen Leiter.
                  Flüchtlinge aus der DDR.
                  Heimweh. Ja, simples Heimweh, und ich wäre fast wieder in die DDR zurückgegangen.
                  Meine Mutter bewahrte mich davor. Sie bekam 1964 innerhalb weniger Wochen die Ausreisegenehmigung aus der DDR. Nicht, weil Mielke Mitleid hatte, sondern weil dann wieder eine Rente im Arbeiter- und Bauernstaat gespart wurde.
                  Mein Heimweh war schlagartig weg. Da, wo die Mama ist, ist das Heim ohne Weh.
                  Noch etwas: Ich bekam einen Flüchtlingsausweis. Bei der Behörde arbeitete ein Mann, der fragte: „Sie sind aus Danzig? Man hört es. Ich bin auch aus Danzig.“ Ein Danziger und ich, das waren ja schon zwei Danziger in einer frenden Stadt! Ja, und heute habe ich seine gesammelten Zeitschriften von „Unser Danzig“ , weil mir die jemand geschenkt hat.
                  Die Familie aus dem Lager traf ich ebenfalls wieder. Auf einmal standen wir im gleichen Lehrerzimmer und sahen uns erstaunt an.
                  Spektakuläre Fluchten gab es. Aber meine war eine unter Hunderttausenden.
                  Diese Grenze zerschnitt unsere Familie. Als meine Mutter 1967 starb, durften meine beiden Geschwister aus der DDR nicht zur Beerdigung kommen.
                  Nun- alles Geschichte, aber nicht minder in schmerzhafter Erinnerung.
                  Ein Jahr später waren diese Wege versperrt durch die Mauer.______

                  Christkind
                  Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                  (M. Gandhi)

                  Kommentar

                  • Beate
                    Administratorin
                    • 11.02.2008
                    • 4834

                    #24
                    AW: Wie ich wurde, was ich bin

                    [FONT=Comic Sans MS]Danke, Christa, für deinen Bericht, danke, dass du uns so an deinem Leben teilhaben lässt...Du hast den Verlust des Zuhauses also gleich zweimal erlebt...und beschreibst alles ganz neutral...Heilt die Zeit die Wunden?[/FONT]
                    [FONT=Comic Sans MS]Liebe Grüße Beate[/FONT]
                    ..wirklich? Taktgefühl ist nicht nur ein Begriff in der Musikwelt?

                    Kommentar

                    • Christkind
                      Forum-Teilnehmer
                      • 10.02.2008
                      • 1568

                      #25
                      AW: Wie ich wurde, was ich bin

                      Ich habe immer Glück gehabt, Beate.Dafür bin ich dankbar.:surprised:
                      Was ich aufschreibe, ist ein Beispiel für viele zigtausende gleiche Lebensläufe.
                      So oder ähnlich ging es vielen Menschen.

                      Bedauert habe ich nur, dass wir hier steckengeblieben sind.
                      ________
                      Gruß von Christa
                      Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                      (M. Gandhi)

                      Kommentar

                      • Olaf Berg Nielsen
                        Forum-Teilnehmer
                        • 16.02.2011
                        • 36

                        #26
                        AW: Wie ich wurde, was ich bin

                        Hallo Jürgen,
                        du fragtest nach dem Namen des Schiffes, das euch am am 31.1.45 nach Aalborg brachte.

                        Das lautet alles nicht richtig. Zuerst am 04.02.1945 kam das Führerbefehl, dass Flüchtlinge und verwunndete Soldaten nach Dänemark gesendt werden sollen.
                        Das erste Schiff, "Vaterland" kam am 11.02.1945 nach Kopenhagener Freihafen mit 2.500-3.000 verwundete Soldaten. Am gleichen Tag kam "Cap Arcona" in Kopenhagen mit Flüchtlinge. In Februar und März war es meist "Cap Arcona" die die Flüchtlinge von Hela nach Kopenhagen überbrauchte. Von 11.02 bis 08.05. 1945 wurde über 350.000 Flüchtlinge und Soldaten mit 800 Schiffe nach Dänemark gebracht.

                        Die Flüchtlinge wurde zuerst in Kopenhagen auf Schulen, Hotels, Sportshallen etc einlogiert. Später wurden die in über 1000 verschiedene Lagern und Lokals in ganz Dänemark verteilt und in mehrere Plätze in Aalborg.

                        Ich war 7 Jahre alt und wohnte in Außenbezirke Kopenhagens. Ich kam ein Jahr später in die Schule, weil unsere Schule für Flüchtlinge gebraucht wurde. Die Flüchtlinge hat sich über das Essen beklagt, aber die haben jeden Tag was zu Essen bekommen, aber wir haben gehungert.

                        Wenn du von ein Bauer Rüben geklaut hast und Senge mit der Peitsche bekommen hast, kann ich dir Erzählen, dass es nicht nur für deutsche Kinder eine Strafe warst, wir haben es auch bekommen. Es war ein Bauerhof in unsere Nähe.

                        Mit freundlichen Grüße
                        Olaf

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                        • Uwe
                          Forum-Teilnehmer
                          • 10.08.2008
                          • 1960

                          #27
                          AW: Wie ich wurde, was ich bin

                          Hallo Olaf,

                          ich weiß von meiner Mutter, dass Ihr Schiff was direkt in Danzig los fuhr, eigentlich die Insel Rügen ansteuern sollte. Dieses war aber aufgrund der Kriegsentwicklung nicht mehr möglich und der Kurs wurde Richtung Dänemark geändert. Wann das genau war und mit welchem Schiff weiß ich leider nicht. Meiner Mutter wurde erzählt, dass vor dem auslaufen ihres Schiffes die Gustloff gerade versenkt wurde. Des Weiteren kam die Aufforderung Danzig zu verlassen, von meinem Großvater an meine Großmutter mit meiner Mutter und ihrem Bruder relativ schnell und unvorbereitet. Die kochende Milch stand gerade auf dem Herd, dann der Anruf "Ihr müsst SOFORT Danzig verlassen". Da meine Mutter erst 7 Jahre alt wa,r kann Sie sich nur an Dinge erinnern, die sich tief eingebrant haben in ihr Gedächtnis. Das sind die unbeschreiblichen Menschenmassen die in Richtung Hafen strömten, dass mein Onkel (11 Jahre alt) in diesem Gewühl verloren ging aber meine Oma ihn wiederfand und das die Mensche über Holzkörbe auf die Schiffe verladen worden sind. Jeder der dabei ins Wasser fiehl hatte eben Pech.

                          Habe aufgrund dieser Daten und des Frontverlaufes recherchiert und denke es muss Anfang Februar 1945 gewesen sein. Denn danach kann sich eigentlich die Familie nicht mehr am Zigankenberg (Schubert Weg) aufgehalten haben. Dort standen dann schon die ersten sowjetischen Truppen die südwestlich von Danzig an die Ostsee durchbrachen.

                          In Dänemark hat die Familie dann ca. 2,5 Jahre im Lager in Aalborg verbracht. Daran kann sich meine Mutter schon intensiver erinnern. Gehungert haben sie wohl nicht, die Flöhe konnten wohl aber täglich gezählt werden. Meine Oma hat Kleider für Däninen genäht und hatte dadurch wohl ein ausreichendes Einkommen. Die bewachenden Soldaten waren wohl sehr nett, insbesondere zu den Kindern. Von den dänischen Einwohner hörte sie oft den Spruch "tyske svin" (ich hoffe ich habe das richtig geschrieben?!). Insgesamt hat sie die Lagersitiuation aber nicht extrem negativ in Erinnerung. Ich denke in Deutschland wäre es Ihnen schlechter ergangen. Das kam dann ansatzweise durch die einheimische deutsche Bevölkerung im Weserbergland. Dort ging es ihnen die erste Zeit zumindestens nicht besser.

                          Weißt Du, welche Schiffe, wann Danzig direkt verlassen haben und evtl. erst Rügen als Ziel hatten?


                          Herzliche Grüße

                          Uwe
                          Geschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!

                          Suche Informationen zu den Familiennamen Block, Gehrt, Kirschke, Kirsch, Haak, Happke, Hoffmann, Makowski, Namowicz, Patzer, Rehberg, Tolk(e) und Vierling aus Danzig

                          Kommentar

                          • Poguttke
                            • 20.05.2008
                            • 523

                            #28
                            AW: Wie ich wurde, was ich bin

                            Mein Vater ist 1950 mit einem Lieferwagen voll Mehl nach West-Berlin getürmt im Auftrag des Mühlenbesitzers, meine Mutter mit mir über die "grüne Grenze", Quedlinburg war ja nicht weit von der Grenze entfernt, dann ging es durch die verschiedenen Besatzungszonen, den Ausweis aus der englischen Zone habe ich noch, ob mich das zum Engländer macht?

                            Kommentar

                            • Olaf Berg Nielsen
                              Forum-Teilnehmer
                              • 16.02.2011
                              • 36

                              #29
                              AW: Wie ich wurde, was ich bin

                              Hallo Uwe,
                              du schreibst dass deine Oma, Mutter und dein Onkel kurz nach die Gustloff gerade versenkt wurde (30/1)mit ein Schiff nach Dänemark kam.

                              Das erste Schiff, "Vaterland" kam am Sonntag 11.02.1945 nach Kopenhagener Freihafen mit 2.500-3.000 verwundete Soldaten, aber ich finde trotzdem, dass auch wenige Flüchtlinge mit war. Am gleichen Tag kam "Cap Arcona" in Kopenhagen mit Flüchtlinge. In Februar und März war es meist "Cap Arcona" die die Flüchtlinge von Hela nach Kopenhagen überbrauchte. Jedenfall waren die erste Flüchtlinge in Aalborg Mittwoch 14. Februar.

                              In welschen Lager ist schwerig ausfinden, es waren mehrere und Zuletz wohnte 30.000 deutsche Flüchtlinge in Aalborg.

                              Du beklagst dich über dass einige Dänen "Tyske svin" (Deutsche Schwein) zu deine Familie gesagt hast, aber weißt du wie die Deutschen in Aalborg sich genimmt hast? Es war gefährlicher in Aalborg zu leben als in Kopenhagen. Täglich wurde unschuldige Dänen ermordet, Ärtzte wurde als Clearingmord hingerichtet. Flüchtlinge hatten so lange die Besatzung war Geschäfte geplündert. Wollte der Einhaber ihn nicht was geben, hat die ein deutscher Offizier geholt und er hat mit Pistole im Hand verlangt, dass die das bekommen sollte. Selbst nach Kriegsende hat deutsche Soldaten Dänen getötet. In Silkeborg hat die Flüchtlinge 17. September (4 Monate nach Kriegsende) das Wachtmannschaft mit Waffen angegriffen. Deine Verwante waren part das nazistische System. Ich schreibe nicht dieses von Wut, sondern es ist eine Tatsache.

                              Lebt deine Mutter noch? Denn mit 7 Jahren müßen sie doch viel errinnern. Ich kann alles von diese Zeit errinnern. Ich war auch 7 Jahre.

                              Mit freundlichen Grüße
                              Olaf

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                              • Uwe
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                                • 10.08.2008
                                • 1960

                                #30
                                AW: Wie ich wurde, was ich bin

                                Hallo Olaf,

                                ich glaube es war die Cap Arcona, werde nachher mal meine Mutter fragen, damit wäre auch die Frage beantwortet, ob meine Mutter noch lebt. Aber die Cap Arcona müsste direkt aus Danzig und nicht aus Hela gekommen sein???

                                Nein Du hast mich falsch verstanden, habe mich nicht beklagt über die verbalen Beschimpfungen. Auch meine Mutter hat sich nie darüber beklagt, sollte nicht mehr als eine Situationsschilderung und auch eine Tatsache sein. Die Hintergründe warum dieses so war sind mir durchaus bewußt. Habe ja versucht deutlich zu machen, dass meine Mutter dort besser aufgehoben war als in Deutschland als Flüchtling.

                                An manche Dinge denke ich will sich meine Mutter auch nicht erinnern, weil die Erlebnisse während der Flucht so waren wie sie Millionen von Menschen erlebt haben.

                                Herzliche Grüße

                                Uwe
                                Geschichte kann man nicht ändern ... aber man kann aus ihr lernen!

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