Täterkinder

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  • MeinEichwalde
    Forum-Teilnehmer
    • 06.10.2008
    • 545

    #16
    AW: Täterkinder

    LIeber Wolfgang,
    ich wollte Euch noch anworten: Du fragtes warum ich mich mit der Fam.geschichte anfing auseinanderzusetzen. Die DDR war nicht mehr da. Ich war in Kreisen unterwegs die links waren, dich wollte einfach Argumente haben um mich zur Wehr setzen zu können, um überhaupt eine GEgenanwort zu haben wenn Antifaschisten mich ignorierten.Mittlerweile seit ein paar Jahren erst denke ich dass diese Leute Fanatiker sind, mir denen man nicht diskutieren sollte. Das hatte ich aber MItte der neunziger Jahre als ich Ende 30 war und Mutter von zwei männlichen Teenagern noch nicht gelernt. Ich dachte man muss mit allen Menschen diskutieren und argumente haben. Auch dacht e ich dass in Polen diskutiert wird und ich wollte mich wappnen. Auch seelisch. Nazis un dAntifaschisten sind aber wie ich heute denke Menschen, die man in Ruhe lassen sollte, aber nich tmit Ihnen reden, den Sie sind Menschen, die mich nie in ihre Kreise lassen würden und nur mit ihresgleichen zusammen leben und kämpfen. Zu meiner Mutter habe ich keinen Zugang. über die Jahre. Gottseidank habe ich aber das Glück Kinder geboren zu haben, so dass ich mich wenigstens in diesem Punkt nicht habe einschüchtern lassen.
    Zu Ulrich: Ich vermute dass die FAmilienforschung über 1000 Jahre gerade dazu dient die Eltern nicht erforschen zu müssen.
    Zu Stutthof. Prominente Täter mit Todesstrafe geben manchen Nachkommen meinem Eindruck nach das GEfühl wichtig zu sein, oder da doch nie mithalten zu können in der Prominenz ( wenn auch die Prominenz verbrecherisch ist)
    Zu Karin. Das REcht auf Schweigen , ganz richtig finde ich, auch Täter haben definitiv das Recht zu schweigen. Und das dauernde nachbohrgebot finde ich mittlerweile blöd. Allerdings. gute Therapeuten sind gold wert, ich hatte nur unfähige leider.
    LG Eure Delia

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    • Birke Rühle
      Forum-Teilnehmer
      • 07.09.2013
      • 48

      #17
      AW: Täterkinder

      Lieber Wolfgang,
      liebe Kriegskinder und
      Kriegsenkel im Forum,

      ja, warum?
      Warum beschäftigen wir uns mit unseren Familienangehörigen, die geblieben sind?
      die Täter, Aktive oder Mitläufer oder Opfer und Passive in der Nazizeit waren?
      Warum?
      Ich für mich kann klar antworten:
      1. Im Alter wird die Vergengenheit immer deutlicher und damit die Frage, ob meine Erinnerungen der Wahrheit entsprechen. Deshalb meine langjährige Forschung und das unbefriedigende Ergebnis: vieles blieb offen.
      2. Wir Kriegskinder (ich bin Jg. 36) sind zumeist mit unseren Fragen alleingelassen worden. Einmütiges Schweigen umgab mich vor und nach 45, auch, weil sie sich ungerecht behandelt fühlten in der Nachkriegszeit, weil sie gedemütigt und besiegt waren. Das gilt für alle aktiven Frontsoldaten in meiner engsten Familie. Sieben junge Männer kamen nicht zurück, ich will sie betrauern auf dem Soldatenfriedhof in Roskoschka, wo die Reste von mehr als 60.000 deutschen und auf einem eigenen Friedhof auch russische Stalingradopfer liegen. Dorthin fliege ich am 15. Mai.
      3.Verschwiegene Vergangenheit wirkt weiter. So habe ich es immer gespürt, inzwischen ist es erforscht: Bode, Kriegskinder brechen ihr Schweigen, diess. Kriegsenkel. http://www.forumkriegsenkel.de. Es gibt inzwischen eine seriöse Erinnerungsforschung. Sie fließt ein in die neuesten Geschichtsdarstellungen, auch des i. Weltkrieges
      3. Ja, ich fühle mich mitschuldig, obwohl ich beim Kriegende gerade 8 Jahre. Und ich will alles dafür tun, dass kein Krieg nirgendwo wieder entsteht. Darum habe ich auch jetzt viel Angst, bei den flotten Sprüchen und Drohgebärden im Zusammenhang mit der Krim. Ich bin aktives Glied der Friedensbewegung
      4. Mehr Wissen bedeutet mehr Verstehen. Darum forschen, schreiben, erzählen, damit es die Kriegsenkel einfacher haben und zur Ruhe kommen können. Erzählen alleine ist zu wenig.
      Inzwischen erforsche ich die Lebensgeschichte und die Erziehung meiner Großmutter und meiner Mutter. Beide durchaus im Kontext der Zeit, aber so haben wir unserer Kinder hoffentlich nicht mehr erzogen.
      Auch dies hing mit dernationalen "Verzückung", Gewaltverherrlichung und Opferbereitschaft gerade der bürgerlichen Mittelschicht im Kaiserreich, im I. und im II. Wk zusammen.
      Dazu würde ich gerne Eure Meinung lesen.
      Birke Rühle
      Meine Familie , Eltern und Großeltern waren begeisterte Kaisertreue, DeutschNationale und Nazis in Danzig von 1906 - 1935 und wieder von 1939-45.

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      • Birke Rühle
        Forum-Teilnehmer
        • 07.09.2013
        • 48

        #18
        AW: Täterkinder

        Liebe Melani,
        liebe Kriegskinder, Täter oder Opfer und ihre Familiengeschichte,

        ja, Du hast recht: Wenn Du ehrlich und unverblümt schreibst, dann kannst Du schlimmer Verwürfe direkt oder indirekt anderer Familienangehöriger bekommen.
        Deshalb mein Rat:
        einmal alles mit Namen, Daten und Fakten genau, vielleicht auch als Abmerkungen
        und in einer zweiten Fassung diese Dinge weglassen oder nur noch Abkürzungen. Auch Familienbilder sind gefährlich. Habe ich am eigenen Leibe erfahren.
        Dritte Möglichekeit: ein historischer Roman, Dichtung und Wahrheit.
        Aber das hilft uns nicht bei der Vergangenheitsbewältigung.
        Viele von uns leiden unter einer posttraumatischen Störung
        Birke Rühle

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        • Ulrich 31
          Forum-Teilnehmer
          • 04.11.2011
          • 8561

          #19
          AW: Täterkinder

          Liebe Birke,

          Du legst in Deinem Beitrag #17 offen, dass Du Jahrgang 1936 bist und bei Kriegsende gerade 8 Jahre alt warst. Trotzdem teilst Du mit, dass Du Dich "mitschuldig" fühlst. Das irritiert mich. Und deshalb wäre ich Dir für eine Antwort dankbar, die diese Mitteilung erklärt.

          Viele Grüße
          Ulrich

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          • JuHo54
            Forum-Teilnehmer
            • 11.12.2008
            • 2377

            #20
            AW: Täterkinder

            Hallo Ulrich,
            Birke schreibt doch , sie sei mit ihren Fragen allein gelassen worden. Ich finde das ist Erklärung genug für Schuldgefühle, die aus dem Schweigen resultieren, so sehe ich das wenigstens und bin entsprechend auf der Suche, warum mein Opa 1942 sterben musste, hatte er Schuldgefühle als hoher Beamter oder...oder...???
            Liebe Grüße
            Jutta
            Jeder Tag ist ein kleines Leben für sich.

            Artur Schopenhauer* 1788 Danzig

            Kommentar

            • Ulrich 31
              Forum-Teilnehmer
              • 04.11.2011
              • 8561

              #21
              AW: Täterkinder

              Hallo Jutta,

              das ist keine Erklärung für mich. Mit seinen Fragen allein gelassen worden zu sein, macht doch nicht mitschuldig. -
              Das ist jedenfalls meine Sicht dieser Schuldgefühle.

              Beste Ostergrüße
              Ulrich

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              • Christkind
                Forum-Teilnehmer
                • 10.02.2008
                • 1568

                #22
                AW: Täterkinder

                Ehrlich gesagt komme ich mit der Definition "Täterkinder" nicht ganz klar.

                Ich soll mich schuldig fühlen, wenn mein Vorfahr ein Mörder war? Soll mein Leben, für das ich nocht einmal etwas kann, damit belasten, dass in meiner Familie Verbrecher waren? ?? Nein. Schuldgefühle könnte ich mir nur vorstellen, wenn mein Kind ein Mörder wäre. Wenn es in einer Terrorgruppe Unheil über die Menschen brächte.Wenn es Nazi-Parolen brüllen würde. Dann war ich kein Vorbild für mein Kind.Schuld haben als Tätereltern- ja, aber nicht als Täterkinder.
                Freundliche Grüße, Christa
                Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                (M. Gandhi)

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                • ursula paradies
                  Forum-Teilnehmer
                  • 01.09.2012
                  • 121

                  #23
                  AW: Täterkinder

                  Hallo liebe Jutta, lieber Ulrich,
                  unter dem Bergiff ---- Schuldig --- kann man vieles verstehen. Es gibt auch ein Schamgefühl. Auch bin ich mit meinen Fragen alleine gelassen worden. Die Erwachsenen lügen nicht und tun auch nichts böses. Zuhause wurde alles schön geredet. Wie, und von wem, man dann die Wahrheit erfährt, spielt eine große Rolle. Auch Scheidungkinder fühlen sich schuldig. Später im Alter sagt man sich, es war nicht meine Entscheigung und zu der Zeit habe ich auch nicht gelebt.
                  Schöne Ostern allen Gruß Ursula

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                  • Bartels
                    Forum-Teilnehmer
                    • 25.07.2012
                    • 3448

                    #24
                    AW: Täterkinder

                    Hallo,

                    hier noch die Biografie der Tochter eines "Mördervater"s (so der deutsche Filmtitel):

                    wikipedia Monika Hertwig

                    Laut dem Buch "Schindlers Liste" schoss er zum Zeitvertreib mit dem Jagdgewehr auf KZ-Häftlinge.
                    Beste Grüsse
                    Rudolf H. Böttcher

                    Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
                    Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
                    Familie Zoll, Bohnsack;
                    Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
                    Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

                    http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

                    Kommentar

                    • Dietrich
                      Forum-Teilnehmer
                      • 11.02.2008
                      • 106

                      #25
                      AW: Täterkinder

                      Hallo,

                      hier wurde der Umgang einer Familie mit ihrem "Mördervater" in Form einer Dokumentation von Malte Ludin verfilmt - "2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß" >> http://www.2oder3dinge.de/ Eine typisch deutsche Geschichte. Prädikat: besonders wertvoll (FBW - Gutachten)

                      Beste Grüße

                      Dietrich

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                      • Bartels
                        Forum-Teilnehmer
                        • 25.07.2012
                        • 3448

                        #26
                        AW: Täterkinder

                        Danke Dietrich,

                        Wikipedia: Malte Ludin Der zweite Satz verlinkt zum Vater, dieser wurde als verurteilter Kriegsverbrecher hingerichtet.
                        Beste Grüsse
                        Rudolf H. Böttcher

                        Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
                        Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
                        Familie Zoll, Bohnsack;
                        Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
                        Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

                        http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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                        • Martschinke
                          Forum-Teilnehmer
                          • 07.03.2008
                          • 404

                          #27
                          AW: Täterkinder

                          Es gibt viele Gründe, die zum Verbrechen führen.
                          Soll ein Soldat ein Mörder sein, nein, wenn der Mensch gezwungen wird
                          für sein Vaterland zu kämpfen.
                          Die Obrigkeiten geben die Befehle, aber sie selbst in ihren weißen Westen
                          sagen: Nichtschuldig. Beispiel Nürnberg.
                          Der Täter ist immer der Auszuführende und wenn er nicht folgt, wird er selbst ermordet,
                          das war immer schon so. Ich sehe noch keinen Silbertreifen am Horizont, dass
                          es weltweit einmal aufhört. Schließlich ist der Andere immer der Schuldige.
                          Der Sieger hat immer Recht, und ist der Richter des Verlierers.
                          Wenn es in Versailles unparteiische Richter gegeben hätte, wäre der zweite Weltkrieg
                          vermieden werden können. Wer verurteilt die Richter?

                          Herrliche Zeiten, hochwürdiger Adel !

                          Martschinke

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                          • Malani
                            Forum-Teilnehmer
                            • 27.06.2010
                            • 45

                            #28
                            AW: Täterkinder

                            Vor nun fast 4 Jahren wurde das Thema Täterkinder eröffnet und ich weiß nicht, ob es noch aktuell ist für einige hier. Ich möchte an dieser Stelle Birke Rühle vor allem danken, die mir persönlichen einen wichtigen Anstoß gegeben hatte. Mittlerweile habe ich die Geschichte meiner Familie als Buch veröffentlicht und die ganzen Namen einfach ausgetauscht - statt Pauls heißen meine Protagonisten Pawel (ja, ein polnischer Name, ich weiß und ich habe ihn auch ganz bewusst gewählt). Es ist kein Roman, sondern eine Erzählung - natürlich alles fiktiv, zumindest habe ich mir Mühe gegeben. Und ich muss sagen - es tat gut, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, das unbewusste Erbe auf diese Weise zu benennen, ohne anzuklagen. Alles aussprechen zu dürfen und sich auch ein eigenes Bild machen zu dürfen. Bis jetzt gehe ich mit dem Buch nicht groß an die Öffentlichkeit, aber wenn es soweit ist, dann werde ich auch nicht die Reaktionen meiner Familie scheuen. Dieses Thema "Täternachkommen" ist so unsagbar wichtig, weil es die Nachkommen krank machen kann, richtig seelisch krank, ohne dass man weiß, was mit einem wirklich los ist. Kranke Verhaltensweisen werden von einer Generation in die nächste weitergegeben, oder Redewendungen die klar aus der NS-Zeit stammen. Vielleicht ist das Thema auch nicht mehr interessant, aber ich gehöre zu der "jüngeren Generation", die sich damit noch auseinandersetzen musste, um dieses Trauma zu verarbeiten.
                            Viele Grüße aus dem Schwarzwald, Petra
                            Ich bin dabei, das Trauma meiner Familie aufzulösen

                            Kommentar

                            • Antennenschreck
                              Forum-Teilnehmer
                              • 05.09.2011
                              • 1833

                              #29
                              AW: Täterkinder

                              Hallo,

                              es ist zumindest beachtenswert, dass du dich mit deiner Vergangenheit so sehr auseinander setzt. Wenn das alle strafmündigen Menschen in der Welt tun würden, dann hätten wir wohl keine Kriege mehr. Also viel Erfolg auf diesem Weg wünsche ich dir allemal.

                              LG Arndt
                              Das gute alte Recht ist immer ungesetzt und ungeschrieben!!

                              Kommentar

                              • waldling +6.8.2023
                                Forum-Teilnehmer
                                • 04.09.2011
                                • 2320

                                #30
                                AW: Täterkinder

                                Hallo Petra,

                                ich kann mich den Worten von Arndt anschließen. Darüber hinaus möchte ich mich für deinen Beitrag bedanken, selten trauen sich Menschen, dieses Thema offen anzusprechen.

                                Herzliche Grüße
                                Uwe

                                Kommentar

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