Geschichte des Danziger Jopenbieres

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  • love danzig
    Forum-Teilnehmer
    • 09.11.2015
    • 1494

    #31
    AW: Geschichte des Danziger Jopenbieres

    Hallo Ulrich,
    nach einen Gespräch mit einen Freund aus Danzig ,sagte mir sein Vater,er ist 86 Jahre, das viele Polen auch gerne in den Jahren 1930-1940. PERLA PILS getrunken haben. Ich kenne es nicht,aber es ist wohl eine alte polnische Brauerei.
    Herzliche Grüße Roman

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    • Ulrich 31
      Forum-Teilnehmer
      • 04.11.2011
      • 8562

      #32
      AW: Geschichte des Danziger Jopenbieres

      Liebe Feli,

      schau mal wegen Deiner brennenden Frage nach den Beiträgen #31 bis #36 im Forum-Thread "Danziger Bier" (> https://www.danzig.de/showthread.ph...light=Malzbier ). Hast Du mal die in #34 empfohlene Mischung probiert?
      Wenn ich demnächst wieder in Danzig sein werde, werde ich dort speziell nach einem Bier suchen, was Deinem geliebten dunklen Malzbier aus vergangener Danziger Zeit entspricht. Es wird wohl aber nicht das im "Browar PG4" angebotene 'IRISH RED ALE' sein (siehe hierzu entspr. #24 unten: > http://www.pg4.pl/en/ ).

      Herzliche Grüße
      Ulrich

      Kommentar

      • Ulrich 31
        Forum-Teilnehmer
        • 04.11.2011
        • 8562

        #33
        AW: Geschichte des Danziger Jopenbieres

        Liebe Feli,

        hier habe ich noch dieses australische Forum gefunden, in dem u.a. Tipps zum Erwerb von Malzbier gegeben werden: > http://www.australien-forum.de/index...n-in-Brisbane/ . Vielleicht wirst Du dort fündig.

        Das wünscht Dir herzlich
        Ulrich

        Kommentar

        • sarpei
          Forum-Teilnehmer
          • 17.12.2013
          • 6091

          #34
          AW: Geschichte des Danziger Jopenbieres

          Über das Danziger Jopenbier von Engelhardt Glimm (Heft 2 der Schriften der Naturforschenden Gesellschaft zu Danzig 1927) ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

          Die gesamte Schrift mit dem Untertitel ‚Mitteilungen aus dem Laboratorium für Nahrungsmittel-Chemie und landwirtschaftliche Gewerbe der Technischen Hochschule zu Danzig‘ kann im djvu-Datenformat herunter geladen werden unter:

          Pomeranian Digital Library provides cultural and scientific heritage of the region of Pomerania: old books, magazines, documents of social, educational materials, regional materials.


          Nachstehend - bis auf minimale Kürzungen - das Kapitel 1. Einleitung.

          Es gibt dann noch

          2. Herstellung des Jopenbieres
          3. Mikroorganismen des Jopenbieres
          4. Versuche zur Aufklärung der Jopengärung
          5. Verwendung des Jopenbieres
          6. Zusammenstellung

          Enthalten ist auch ein Literaturverzeichnis zu weitergehenden Studien. Ob mit den gemachten Angaben wirklich ein Jopenbier nachgebraut werden kann, weiß ich nicht zu sagen. Hier nun das Einleitungs-Kapitel (eine Google-Übersetzung der lateinischen Stellen hat mich nicht unbedingt klüger gemacht … .)

          1. Einleitung
          Seit Einführung der Hefereinzucht durch Hansen zu Beginn der 80ig-er Jahre des … [19.] Jahrhunderts ist man in den Brauereien bei Herstellung der gewöhnlichen Biersorten dazu übergegangen, die Gärungserreger aus Reinkulturen zu züchten und diese Reinhefe in den Betrieb einzuführen. Durch diese Methode ist man in den Stand gesetzt, eine reine Gärung und einen möglichst gleichmäßigen Geschmack des Bieres zu erzielen. Nur bei einzelnen Biersorten, die sich durch ihr spezifisches Aroma oder einen bestimmten Säuregehalt auszeichnen, ist man bei der alten Selbstgärung geblieben.

          Auch diese Biersorten sind dem Aussterben nahe. Europäische Typen dieser Art werden nur noch in Belgien - Lambik und Mars - hergestellt. In Deutschland wurde bis zum Weltkriege das Jopenbier erzeugt. Die belgischen Biere werden aus 15 -17%igen Würzen gewonnen und zeichnen sich durch einen starken Säuregehalt aus.

          Das Danziger Jopenbier wurde durch Vergärung einer hochkonzentrierten 45 - 55%igen Würze erhalten und zeigte hohen Extraktgehalt und einen an Portwein erinnernden Geschmack. Während man über die Gärung der anderen Biere ziemlich genau unterrichtet ist, ist die Gärung des Jopenbieres noch nicht aufgeklärt. Früher hielt man es nicht für möglich, daß die Hefe imstande ist, so hochprozentige Würze zu überwinden, da bei dieser Konzentration bereits Plasrnolyse eintritt. Erst Heyduck fand, daß die Hefe imstande ist, Zuckerlösungen bis zu 70% zu ergären. Über die Vergärung selbst liegen bis jetzt nur vereinzelte Angaben in der Literatur vor, die sich teilweise widersprechen. …

          Der Name Jopenbier rührt von dem eigenartigen Schöpftroge her, dessen sich die alten Jopenbrauer zum Übergießen des heißen Wassers über das Malz beim Brauen des Jopenbieres bedienten und welcher Schopen oder Schuffen genannt wurde. Die lateinische Bezeichnung für das Bier war bis zum 16. Jahrhundert Cerevisia navigalis (Schiffsbier). Im 16. Jahrhundert finden wir bei Heyl die Bezeichnung „Cerevisia Thoracina“. Mit dem Worte thorax bezeichnet man jede Art von Brustbekleidung also auch die Joppe. Durch den Sprachgebrauch ist im Laufe der Zeit aus dem Schopen- oder Schuffenbier der Name „Jopenbier“ entstanden.

          Die Geschichte des Jopenbieres reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1364 errichtete die reiche Zunft der Schopenbrauer in der 0berpfarr-Kirche zu St. Marien den Altar der 10.000 Märtyrer. Noch im 18. Jahrhundert las man dort auf einer Tafel: „Nach Gotes Geburt Tusend dry hundert Jor, in dem Vier und sechzigsten Jore, eyn Seelgerede gestiftet ist ein Altare mit 4 Kerzen das han gethan die Bruwer mit der Obersten Rote der Erbarn Stadt Dancyk Gote zu Love Marien syner liben Mutter, Sente Sigemund Sente Ewalt und den czeentusend Rittern, die des Seelge rees Hauptherren sind“.

          1395 erbittet sich der Rathmann Hermann von Halle als Oberbefehlshaber in Stockholm von Danzig her das Jopenbier, das in dem „martio gebrawen ist.“ Die reiche Zunft urnfaßte damals 56 Brauereien. Jedenfalls sind es größtenteils nur kleine Brauereien, die nicht viel mehr wie für den Hausbedarf brauten. Daneben müssen auch einige größere bestanden haben, denn schon zu jener Zeit blühte der Export ins Ausland, wie Löschin in seinen „Beiträgen zur Geschichte Danzigs und seiner Umgebungen“ mitteilt.

          Die nächsten Aufzeichnungen beziehen sich größtenteils auf die Bekömmlichkeit und den guten Geschmack des Bieres. Johannes Placotomus berichtet in seinem 1551 erschienenen Werk „De natura et viribus Cerevisarum et mulsarum“ über die verschiedenen Biere und rühmt in dem Abschnitt über die besonderen Biere das Danziger Bier als „Königin der Biere“. Beim Vergleich mit den preußischen Bieren sagt er folgendes: »Wenn auch Preußen viele Sorten der besten Biere besitzt, läßt doch das Danziger alles weit hinter sich und überragt jedes beliebige Bier Deutschlands an Gehalt. Nicht eines ist aufzufinden, welches diesem Namen gleichkommt. Es ist im Geschmack und Aussehen angenehm, vollmundig, nährt beträchtlich, erzeugt gutes Blut, bewirkt, wenn mäßig genossen, eine gute Gesichtsfarbe. Eine Unze ist wirksamer als ein volles feines Sechste! (Maß, das doppelte der Unze), irgend eines anderen aus Gerste hergestellten Bieres. Manche gebrauchen es an Stelle eines Linderungsmittels für den Magen und die meisten werden erfahren, daß ihnen geholfen wird, usw“. Weiter schreibt der Danziger Arzt Heyl 1558 in der Vorrede zu einem von ihm herausgegebenen Werke: „Claudii Galeni Pergamensis duo libri, unus de plenitudine, alter de curativa sanguinis rnissione ad custodiam sanitatis utilissime. Translati et scholiis quibusdam declarati per Christophorum Heyl Medicurn Dantiscanum“.

          „Siquidim primaria cerevisia (ut ea quadruplex simul hic coquitur) nusquam alibi vel sapidor vel qui plenius liberaliusque nutriat (non inveterata) in toto opinor orbe terrarum invenitur quaeque tam ubique celebretur, ea locis quibusdam (nam longissime avehitur) Prussiaca, quibusdarn Thoracina cerivisia nominatur …“.

          In seinen fünf Büchern, „von der Göttlichen und Edlen Gabe der Philosophischen hochthewren und wunderbaren Kunst Bier zu brawen“ rühmt Heinrich Knaust in einem besonderen Artikel über Danziger Bier in Preußen das Jopenbier wegen seines guten Geschmackes und seines hohen Nährwertes. Er bezeichnet es rnit dem Namen „Königin und Printzin unter allen Gerstenbieren“.

          In einer Papierhandschrift aus dem 17. Jahrhundert finden wir eine Aufzeichnung über die Brauart des Danziger Jopenbieres. Danach wird das Jopenbier aus 16 Säcken Malz hergestellt. Eine Angabe über die zum Brauen nötige Wassermenge findet sich in der Handschrift nicht. Es muß das beste Malz sowie der beste Hopfen dazu genommen werden. Man läßt es dann nicht gären, sondern es wird in Gefäße gestellt und sich selbst überlassen. Das Brauen findet im Herbst statt. Die Tonne wird für 10 Silbergroschen verkauft. Eine Accise an die Stadt wird nicht gezahlt.

          Wissenschaftliche Bearbeitung fand das Jopenbier erst im Laufe des 19. Jahrhunderts. Bail berichtet im Jahre 1857, daß das Jopenbier durch Selbstgärung entsteht und die Hefe aus Schimmelpilzen gezogen wird. I.indner isoliert dann aus dem Jopenbier zwei Hefen, die sich durch eigenartige Zellformen auszeichnen (Saccharomyces farinosus und Saccharomyces Bailii). Die erstere stellt eine Hauthefe dar, die letztere erzeugt, wenn auch nur im geringen Maße, Gärung. l.indner nimmt an, daß S. Bailii bei der Gärung des Jopenbieres die Hauptrolle spielt. In einer späteren Fußnote wird dies widerrufen. Gleichzeitig teilt er aber mit, daß er aus Jopenbier, das aus einer anderen Brauerei stammt, mehrere Hefen isoliert hat, die alle Maltose, Rohrzucker und auch Dextrose vergären. Die beiden obenangeführten Hefen konnte er nicht mehr isolieren.

          Später beschreibt Mumme die Darstellung sowie Eigenschaften und Verwendung des in einer von ihm geleiteten Brauerei hergestellten Jopenbieres. Eine Analyse ergab einen Alkoholgehalt von 3,52 % und eine Stammwürze von 49,94 %.

          Kommentar

          • Ulrich 31
            Forum-Teilnehmer
            • 04.11.2011
            • 8562

            #35
            AW: Geschichte des Danziger Jopenbieres

            Danke, lieber Peter,

            dass Du nach den ersten ablenkenden Antwort-Einschüben nach meinem Beitrag #24 zur Wiederbelebung des Danziger Jopenbieres mit Deinem Zitat aus der Abhandlung von Engelhardt Glimm (1927) wieder darauf zurückkommst, worum es hier geht.

            Ich nehme an, dass der Chef des "Browar PG4", Herr Johannes Herberg, auch die Abhandlung von Engelhardt Glimm kennt und bei seinem Vorhaben, ein "neues" Danziger Jopenbier nach altem Rezept zu brauen und im Herbst 2018 seinen Gästen anzubieten, ggf. mit berücksichtigt hat.

            Viele Grüße
            Ulrich

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            • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
              Forum-Teilnehmer
              • 13.02.2008
              • 3493

              #36
              AW: Geschichte des Danziger Jopenbieres

              Danke Ulrich fuer den Hinweis auf 31, werde mir mal den Apfelwein und das gewoehnliche Malzbier kaufen und dann versuchen nach meinem Geschmack eine Mischung herzustellen. Werde Euch dann mitteilen wie es schmeckt. Liebe Gruesse von der Feli

              Kommentar

              • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                Forum-Teilnehmer
                • 13.02.2008
                • 3493

                #37
                AW: Geschichte des Danziger Jopenbieres

                Pardon Ulrich es war 33.

                Kommentar

                • Peter von Groddeck
                  Forum-Teilnehmer
                  • 11.02.2008
                  • 1517

                  #38
                  AW: Geschichte des Danziger Jopenbieres

                  Liebe Feli,
                  hoffentlich bekommst Du keine Rüge von Ulrich wie in #29, da Du so wie Inselchen (#27) und ich (#28) vom Thema in#36 (Apfelwein und Malzbier) abgewichen bist.
                  Gruß Peter
                  Tue recht und scheue niemand.

                  Kommentar

                  • Ulrich 31
                    Forum-Teilnehmer
                    • 04.11.2011
                    • 8562

                    #39
                    AW: Geschichte des Danziger Jopenbieres

                    Hallo Peter von Groddeck (#38),

                    zu Inselchen und Dir: keine Rüge (#29), aber Enttäuschung.

                    Zu Feli: Sie ging in #30 auf meine Enttäuschung ein und schloss ihre Frage nach dem dunklen Malzbier an, die ich von früher kannte. Dazu habe ich ihr in #32 und #33 gerne geantwortet.

                    Gruß Ulrich

                    Kommentar

                    • Ulrich 31
                      Forum-Teilnehmer
                      • 04.11.2011
                      • 8562

                      #40
                      AW: Geschichte des Danziger Jopenbieres

                      Hallo, liebe Bierfreunde,

                      ich knüpfe hier an den in #24 mitgeteilten gdansk.pl-Bericht vom 24.01.2018 an, der heute, am 28.01., diese verlinkte Fortsetzung erhalten hat:

                      > http://www.gdansk.pl/wiadomosci/Jope...rodowe,a,99984 (polnisch),
                      > https://translate.google.com/transla...-text=&act=url (deutsch).

                      In diesem aktuellen Artikel (Titel in Google-Deutsch: "Jopejskie aus Toruń bereits in Danzig. 'Es ist ein nationales Gut'")
                      wird berichtet, dass schon heute "Jopenbier" erstmals im Pub Pułapka in der Häkergasse (Straganiarska) 2 (> https://www.tripadvisor.de/Restauran...rn_Poland.html ) verkauft wurde: 100 ml zu 42 PLN (!). Dieses "Jopenbier" der Olimp Brauerei in Thorn (Toruń) wurde in Bütow (Bytów) gebraut.
                      Der Andrang nach diesem neuen Bier, dessen Geschmack im betr. Artikel näher beschrieben wird, war groß. Groß werden sicher aber auch die rechtlichen Auseinandersetzungen sein, die schon in #24 angesprochen wurden und hier noch einmal erläutert werden. - Bitte entnehmt selbst die Einzelheiten dazu beiden gdansk.pl-Berichten.

                      Viele Grüße
                      Ulrich

                      Kommentar

                      • Ulrich 31
                        Forum-Teilnehmer
                        • 04.11.2011
                        • 8562

                        #41
                        AW: Geschichte des Danziger Jopenbieres

                        Nachtrag zu #40:

                        Grund für das heutige Datum zum Verkauf des neuen "Jopenbieres" war der Geburtstag von Johannes Hevelius am 28. Januar (hier seine Wikipedia-Seite: > https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Hevelius ).

                        Und so wurde der Geburtstag von Johannes Hevelius (polnisch Jan Heweliusz) heute in Danzig gefeiert:

                        > http://www.gdansk.pl/wiadomosci/Co-t...DJECIA,a,99985 (polnisch),
                        > https://translate.google.com/transla...-text=&act=url (deutsch).

                        Kommentar

                        • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                          Forum-Teilnehmer
                          • 13.02.2008
                          • 3493

                          #42
                          AW: Geschichte des Danziger Jopenbieres

                          Nach wem wurde das Jopenbier genannt ? Da gab es doch in Danzig eine Jopengasse, hat die etwas mit dem Bier zu tun ? Liebe Gruesse von Down Under, momentan Federer's Fan Club.

                          Kommentar

                          • sarpei
                            Forum-Teilnehmer
                            • 17.12.2013
                            • 6091

                            #43
                            AW: Geschichte des Danziger Jopenbieres

                            aus: 'Die Straßennamen Danzigs' von Walther Stephan (1911)

                            o Jopengasse (Rechtsstadt)

                            Bis in das 16. Jahrhundert wird die Gasse gewöhnlich mit zur Brotbänkengasse gerechnet, doch findet sich der Name Jopengasse vereinzelt bereits seit 1449.

                            Die (…..) Nummern 28 - 39 und 41 - 45 rechneten seit 1574 mit den anstoßenden Grundstücken der Brotbänkengasse zum Schnüffelmarkt.

                            Die ältere Ableitung des Namens Jopengasse von der Stadt Joppe, weil der Orden es angeblich liebte, die Umgegend von Kirchen nach biblischen Orten zu benennen, ist schon durch die Tatsache, dass der Straßenname überhaupt erst seit der Mitte des 15. Jahrhunderts in Gebrauch kommt, als unzutreffend erwiesen. Die Gasse gehört zu den Gewerksgassen und führt ihren Namen nach den in ihr wohnenden Jopen- oder Schopenbrauern, deren (…..) in Danzig hergestelltes Gebräu, ehedem Jopen- oder Schopenbier genannt, sich großer Beliebtheit erfreute und weithin als „Schiffsbier“ versandt wurde.

                            Die Bezeichnung des Gewerkes als Schopenbrauer, die auch an andern Orten vorkommt (z.B. in Hamburg für die selbständigen Brauerknechte), ist zweifellos in erster Linie von schope oder schuffe, einer großen hölzernen Schöpfkelle, mit der das heiße Wasser über das Malz gegossen wurde, hergeleitet. Bereits die älteste Willkür aus der Zeit von 1455 - 1466 bringt beide Ausdrücke in Beziehung zu einander in der Bestimmung: Bader unde baderknechte unde schuff’enbruwer sullen mit eymern und schuffen zum fuere louffen.

                            Mit diesem Wort schope = Schöpfkelle ist jedoch der Ausdruck jope, wie meist angenommen wird, durchaus nicht völlig gleichbedeutend. Dieser begegnet an keinem anderen Orte und wird auch in Danzig meines Wissens nur für das Bier und zur Bezeichnung des Gewerkes nicht aber auch als Name des Gerätes gebraucht. Wenn andererseits das Getränk neben Jopenbier auch Schopenbier genannt wird, so dürfte das durch eine zweite Bedeutung von schope, die in ihrer Grundbedeutung mit der vorhin erörterten nichts zu tun hat, seine Erklärung finden.

                            Im Allgemeinen wurden Getränke, oft genug in derb humoristischer Weise, nach ihrer Wirkung benannt. Die Jope war ein Doppelbier, das namentlich wegen seiner erwärmenden und schweißtreibenden Kraft geschätzt wurde. Nun ist das deutsche Jope ein seit dem 12. Jahrhundert aus den romanischen Sprachen eingedrungenes Lehnwort, es bezeichnet ein von Männern und Frauen getragenes, anliegendes Kleidungsstück. Den gleichen Sinn hat aber auch die von demselben, romanischen Stamm gebildete Nebenform Schôpe, Schoppe oder Schûbe (lt. Heyne, Körperpflege und Kleidung bei den Deutschen, S. 294). Die Gleichheit der Wirkung war die Veranlassung, das Bier in humoristischer Weise mit dem Namen des wärmenden Kleidungsstückes zu benennen. Dass diese Erklärung tatsächlich zutrifft, bezeugt der Humanist und Arzt Dr. Christophorus Heyl, der von 1547 - 1551 in Danzig lebte. In der Einleitung einer von ihm besorgten, lateinischen Übersetzung eines Galenschen Traktates rühmt er die Güte des Danziger Bieres und sagt: Ea (cerevisia) locis quibusdam, nam longissime avehitur, Prussiaca, quibusdam Thoracina cerevisia vocatur. Thorax ist hier in dem ganz allgemeinen Sinne von Brustbekleidung als Übersetzung des deutschen Jope gebraucht.

                            ln der Bezeichnung des Gewerkes als Schopenbrauer sind demnach hier in Danzig die beiden Stämme Schope = Schöpfgerät und Schope = Jope zusammengeflossen.


                            Viele Grüße

                            Peter

                            Kommentar

                            • Ulrich 31
                              Forum-Teilnehmer
                              • 04.11.2011
                              • 8562

                              #44
                              AW: Geschichte des Danziger Jopenbieres

                              Hallo zusammen!

                              Liebe Feli (#42),
                              Peter hat Dir und anderen in #43 dankenswerterweise sehr ausführlich und erschöpfend mittels Zitat aus dem Buch 'Die Straßennamen Danzigs' von 1911 erklärt, woher die Bezeichnung "Jopenbier" kommt. - Die Jopengasse wurde nach diesem dort früher gebrauten speziellen Bier benannt. Und nach 1945 erhielt diese Straße in historischer Anlehnung den polnischen Namen "Ulica Piwna" (zu Deutsch: "Bierstraße"). Siehe dazu auch: > http://www.danzig.at/index.php?id=50,272,0,0,1,0 .

                              Interessant ist bei dieser Gelegenheit ein erneuter Rückblick in den Forum-Thread "Danziger Bier", gestartet am 16.05.2011 (> https://www.danzig.de/showthread.ph...ight=Jopenbier ). Dort wird nämlich erwähnt, dass damals im Restaurant "Torschänke" in Travemünde ein Bier gebraut wurde, das dem Danziger Jopenbier ähnlich war: das "Seeschiffer Doppelbier". Und dazu zeigte Helga, die Themenstarterin, sogar ein Foto mit den entspr. Flaschen (#1). Näheres dazu berichtete dort Poguttke in #6. - Leider existiert nach aktuellen Webangaben die "Torschänke" in Travemünde nicht mehr. Dies sind überholte Webseiten, die bildliche und bewertende Auskunft zu dieser früheren Travemünder Institution geben: > https://www.tripadvisor.de/Restauran..._Holstein.html , > https://www.online-tischreservierung...+Gasthaus+1870 .

                              Viele Grüße
                              Ulrich

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                              • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                                Forum-Teilnehmer
                                • 13.02.2008
                                • 3493

                                #45
                                AW: Geschichte des Danziger Jopenbieres

                                Lieber Peter und Ulrich ! Wie immer, erleuchtet Ihr den Verstand von uns alten und jungen Danziger Kindern. Habe von Euch mehr ueber die Heimat gelernt als ich es tat, wie ich noch in ihr lebte. Liebe Gruesse von der Feli

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