Narviklager / Typhus

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  • Rudolf
    Forum-Teilnehmer
    • 22.06.2008
    • 335

    #31
    AW: Narvik II

    Unter den über das Narvik-Lager durchgeschleusten Vertriebenen waren im Januar 1946 auch meine Mutter und ich
    -damals im Alter von 12 Jahren . Wir waren dort für etwa 4-5 Tage , in unbeheizten Baracken und ohne jede Verpflegung . In diesem Lager bin ich vor Hunger und Schwäche zum ersten und einzigen mal in meinem Leben umgefallen . Obwohl andere Vertriebene auch nur sehr wenig an mitgebrachter Nahrung hatten , haben sie mir aus Mitleid etwas gegeben . Danach erfolgte der Transport Richtung Westen in durch Kriegseinwirkung teilweise beschädigten Personenwagen ( teilweise fehlten die Fenster , es gab Beschädigungen durch Einschüsse an den Außenwänden ) . Der Transport - ebenfalls ohne jede Verpflegung für die Deutschen - erfolgte in diesen unbeheizten Waggons ungefähr 5 Tage lang mit vielen Halten , zumeist auf freier Strecke , bis Scheune bei Stettin . Erst ab hier erfolgte am anderen Morgen der Weitertransport in Güterwaggons ( begleitet von sowjetischen Soldaten ) , an dem ersten Halt kurz nach der jetzt neuen Grenze erhielten alle Transport-Insassen zum ersten mal Tee und Brot . Abends kam dieser Transport auf dem Güterbahnhof Berlin-Pankow an . Von dort ging es zur obligatorischen Entlausung und danach gab es eine Inspektion durch alliierte Militärpersonen . Diese waren - nach meiner Erinnerung - über den Zustand der Vertriebenen offensichtlich sehr betroffen , denn im Potsdamer Abkommen war ja festgelegt , daß die Ausweisung aller Deutschen in humaner Art und Weise erfolgen sollte .
    Ich kam nach dieser Inspektion für einige Wochen in ein Krankenhaus in Berlin , Christburger Straße , wie auch viele andere Kinder dieses Transportes . Dort war es nach all dem Erlebten für mich wie im Paradies : Wärme , Essen und ein weißes Bett . Übrigens hatte ich Glück : bei mir war der linke Knöchel kompliziert gebrochen , bei den anderen Kindern waren Gliedmaßen - Finger , Zehen und teilweise auch Ohren - erfroren und mußten amputiert werden .
    Später erfuhren wir , daß die Alliierten die polnischen Behörden nach diesen Transporten im sehr kalten Winter aufgefordert hatten , die Transporte vorübergehend einzustellen .
    Soviel zu meinen Erfahrungen in punkto Narvik-Lager .
    Beste Grüße an alle vom Heubuder Rudi

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    • Bartels
      Forum-Teilnehmer
      • 25.07.2012
      • 3448

      #32
      AW: Narvik II

      Hallo Heubuder Rudi

      herzlichen Dank für Deine Ausführungen

      Rudolf
      (mit Heubuder Vorfahren)
      Beste Grüsse
      Rudolf H. Böttcher

      Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
      Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
      Familie Zoll, Bohnsack;
      Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
      Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

      http://bartels-zoll.blogspot.de/2012/07/ahnentafeln-zoll.html

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      • Bartels
        Forum-Teilnehmer
        • 25.07.2012
        • 3448

        #33
        AW: Narvik II

        Einen schönen guten "Morgen",

        bei der Spurensuche nach der Krakauer Kämpe, fand ich zwischen Stogi (Heubude) und Krakau ein Kleingartengebiet mit Namen:

        ROD "Narwik" (Rodzinny ogród działkowy).

        Der Cursor liegt auf dem Gebiet, wenn ihr die Maus bewegt wird das ROD "Narwik" gelb angezeigt: wikimapia ROD "Narwik"
        Beste Grüsse
        Rudolf H. Böttcher

        Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
        Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
        Familie Zoll, Bohnsack;
        Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
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        • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
          Forum-Teilnehmer
          • 13.02.2008
          • 3493

          #34
          AW: Typhus

          Als in 1945, die Haelfte der Familie umgekommen war, nahm ich mein Schwesterchen, 10 Jahre alt zu mir in's Reservelazaret, wo ich im Kriegseinsatz war. Jenny bekam auch Typhus und um sie nicht zu verlieren, kratzte ich Holzkohle von den verbrannten Haeusern, stampfte es zu Pulver und irgendwie musste Jenny dieses zu sich nehmen. Es gab ja keine Medizin. Und langsam hoerte der Durchfall auf und Jenny konnte mit kraeftiger Pferdefleisch Suppe gefuettert werden. Sie war eine der wenigen, die den Typhus ueberstanden hatte. Sie hatte alle Haare verloren und war nur noch Haut und Knochen, aber sie lebte. Viele wurden in Massengraebern verscharrt oder in grossen Haufen verbrannt. Wie man all das ueberstanden hat ist mir heute noch immer unerklaerlich, aber wir hatten es geschafft und Jenny und ich sind gluecklich in unseren kleinen Familierkreisen here Down Under. Liebe Gruesse von der Feli

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          • waldkind
            Forum-Teilnehmer
            • 06.10.2008
            • 2366

            #35
            AW: Typhus

            Hallo Rudolf,
            und dann war der See weg? Und die Toten waren weg?
            Wenn man die Toten nicht wiederfindet, könnte man doch mutmaßen und dort eine Erinnerungstafel anbringen mit dem entsprechenden Verweis?

            Hallo Feli,
            dann hast du das gut gemacht mit der Holzkohle. Wir nehmen auch regelmäig Holzkohle zu uns wegen der Umweltschadstoffe. Das ist besser als Medizin. Das hat euch damals sicher sehr miteinander verbunden, oder?

            Ich hatte das schon vergessen, dass ich einmal einen Typhus-Thread geöffnet hatte. Wie wir doch geduldig, verzeihlich und einfühlsam miteinander umgingen, damals. Ich vermisse Erwin Völz sehr. wk.
            Fichten, Birken, Linden, Ellern sind die Bäume unserer Vorfahren. Auch Heide und Kiefer mögen die Landschaften geprägt haben.

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            • Bartels
              Forum-Teilnehmer
              • 25.07.2012
              • 3448

              #36
              AW: Typhus

              Hallo waldkind,

              leider kann ich nicht sagen, ob die Deponie (ehemaliger Sasper See) mit der von Erwin genannten Müllhalde übereinstimmt. - Falls die Halde jedoch näher am Narvik-Lager lag, auf der gleichen Seite vom Paul-Beneke-Weg, dann sind die Gräber wohl überbaut worden: Gewerbebauten, das neue EM-Stadion und zuletzt Amber-EXPO... - Eine oder ein paar Narwik-Baracken sind wohl erhalten geblieben.
              Beste Grüsse
              Rudolf H. Böttcher

              Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
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              • waldkind
                Forum-Teilnehmer
                • 06.10.2008
                • 2366

                #37
                AW: Typhus

                Hallo Rudolf,
                wenn es noch eine Narwik-Baracke gibt, dann ist das vermutlich der richtige Ort für eine Gedenktafel.
                Gute Grüße ......
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                • mottlau1
                  Forum-Teilnehmer
                  • 11.02.2008
                  • 1720

                  #38
                  AW: SS-Wachmannschaft im KZ Stutthof

                  Guten Abend Wolfgang,

                  die von Antonie Slotty gestellte Frage würde mich auch brennend interessieren!!! Kannst Du evtl. da was in Erfahrung für alle Interessierten bringen?
                  Seit ich in der Liste der Gefangenen von Schießstange meinen Großvater Otto Ernst Ewel, Kranführer, verheiratet, 59J alt fand, der nicht an Typhus gestorben ist sondern der Vermerk : Narwick-Lager steht bin ich ebenfalls interessiert.

                  Viele Grüße
                  Jutta
                  Es kann keiner gerecht sein, der nicht menschlich ist.
                  (Maurice Cove de Murville) Französischer Politiker

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                  • Bartels
                    Forum-Teilnehmer
                    • 25.07.2012
                    • 3448

                    #39
                    AW: SS-Wachmannschaft im KZ Stutthof

                    Hallo Jutta,

                    ich denke, dass die erste Quelle bei einer Gefangenenliste aus dem Lager Narwick / Narvik die Russen sein werden. - Falls diese Liste geführt wurde, müsste sie auch in russ. Archiven vorhanden sein. - Man kann hoffen, das in Zukunft noch weitere Quellen erschlossen werden, oder versuchen über Memorial anzufragen.
                    Beste Grüsse
                    Rudolf H. Böttcher

                    Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
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                    • ursula paradies
                      Forum-Teilnehmer
                      • 01.09.2012
                      • 121

                      #40
                      AW: SS-Wachmannschaft im KZ Stutthof

                      Guten Morgen Rudolf,
                      was ist mit dem Lager Narwick? Gehörte das mit zu Stutthof? Oder war es ein Lager für sich? Wo befand sich das? So ganz habe ich das nicht verstanden.
                      Gruß Ursula

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                      • Bartels
                        Forum-Teilnehmer
                        • 25.07.2012
                        • 3448

                        #41
                        AW: SS-Wachmannschaft im KZ Stutthof

                        Guten Abend Ursula,

                        das Narvik-Lager hatte mit Stutthof nichts zu tun. - KZ-Stutthof-Häftlinge, die auf den Werften Zwangsarbeit leisteten, wurden in anderen Lagern untergebracht / verborgen, die auch ausserhalb des damaligen Danziger Stadtgebiets lagen.

                        Lies doch zum Narvik / Narwick (pl.) -Lager meine & andere Beiträge ab #22.


                        Dank an Wolfgang für die vielen Verschiebungen in EIN EINZIGES THEMA.
                        Beste Grüsse
                        Rudolf H. Böttcher

                        Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
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                        • Bartels
                          Forum-Teilnehmer
                          • 25.07.2012
                          • 3448

                          #42
                          Narviklager / Typhus

                          Einen schönen guten Tag,

                          "Karin K" hat an anderer Stelle eine Liste gepostet, die auch die Toten der Narvik-Lager (pl. Narwik) betrifft.

                          Zeitraum: März 1945 - ca. 1950 (inkl. der "Repatriierung", vgl. Beiträge ab #22)

                          LINK der Liste: document-viewer studienstelle-ostdeutsche-genealogie/21
                          Beste Grüsse
                          Rudolf H. Böttcher

                          Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
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                          • Bartels
                            Forum-Teilnehmer
                            • 25.07.2012
                            • 3448

                            #43
                            AW: Narviklager / Typhus

                            Kleine Gedanken-Notiz:

                            Lager Narvik III war wohl am Troyl - später Laubenkolonie
                            Beste Grüsse
                            Rudolf H. Böttcher

                            Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
                            Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
                            Familie Zoll, Bohnsack;
                            Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
                            Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

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                            • Bartels
                              Forum-Teilnehmer
                              • 25.07.2012
                              • 3448

                              #44
                              AW: Narviklager / Typhus

                              G2 > 31

                              NB: Es gab auch ein Lager Tobruk

                              Rudolf H. Böttcher
                              Beste Grüsse
                              Rudolf H. Böttcher

                              Max Böttcher, Ing. bei Schichau (aus Beesenlaublingen & Mukrena);
                              Franz Bartels & Co., Danzig Breitgasse 64 (aus Wolgast);
                              Familie Zoll, Bohnsack;
                              Behrendt, Detlaff / Detloff, Katt, Lissau, Schönhoff & Wölke aus dem Werder.
                              Verwandt mit den Familien: Elsner, Adrian, Falk.

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                              • JegoschPiefke
                                Forum-Teilnehmer
                                • 19.05.2017
                                • 5

                                #45
                                AW: Typhus

                                Wir wohntwn im Posadowskiweg Nr. 55 und konnten von unserem Balkon aus in das Lager hineinsehen. Unsr Vater ist in diesem lager vor unseren Augen verhungert, weil uns Kinde,r die russischen Soldaten daran hinderten, ihm Essen zu bringen. Die Toten , ich schätze 50 und mehr am Tag, wurden zur Müllhalde gefahren. Dort stand zuletzt für eine kurze Zeit eine Flackbatterie. In die Gräben und Geschützstellungen hat man die Toten geschmissen.Waren sie alle tot? Die Müllhalde liegt zwischen Sasps und Neufagrwasser in einem Moorgebiet. Im Winter haben wir dort gespielt. Es ist richtig wie geschrieben ist, wo die Parkplätze für das neue Stadion und das Stadion ist. Das Narviklager lag dierekt am Strießbach. Ander Kreuzung Posadowskyweg-Bärenweg rechts ab, ging es über einen Bahnübergang, dann kam eine Gärtnerei und dahinter war das Narvikllager. rechts grüne Baracken, das ehemalige Lager für russische Zwangsarbeiter worin unser Vater verhungerte .

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