AW: Narvik II
Unter den über das Narvik-Lager durchgeschleusten Vertriebenen waren im Januar 1946 auch meine Mutter und ich
-damals im Alter von 12 Jahren . Wir waren dort für etwa 4-5 Tage , in unbeheizten Baracken und ohne jede Verpflegung . In diesem Lager bin ich vor Hunger und Schwäche zum ersten und einzigen mal in meinem Leben umgefallen . Obwohl andere Vertriebene auch nur sehr wenig an mitgebrachter Nahrung hatten , haben sie mir aus Mitleid etwas gegeben . Danach erfolgte der Transport Richtung Westen in durch Kriegseinwirkung teilweise beschädigten Personenwagen ( teilweise fehlten die Fenster , es gab Beschädigungen durch Einschüsse an den Außenwänden ) . Der Transport - ebenfalls ohne jede Verpflegung für die Deutschen - erfolgte in diesen unbeheizten Waggons ungefähr 5 Tage lang mit vielen Halten , zumeist auf freier Strecke , bis Scheune bei Stettin . Erst ab hier erfolgte am anderen Morgen der Weitertransport in Güterwaggons ( begleitet von sowjetischen Soldaten ) , an dem ersten Halt kurz nach der jetzt neuen Grenze erhielten alle Transport-Insassen zum ersten mal Tee und Brot . Abends kam dieser Transport auf dem Güterbahnhof Berlin-Pankow an . Von dort ging es zur obligatorischen Entlausung und danach gab es eine Inspektion durch alliierte Militärpersonen . Diese waren - nach meiner Erinnerung - über den Zustand der Vertriebenen offensichtlich sehr betroffen , denn im Potsdamer Abkommen war ja festgelegt , daß die Ausweisung aller Deutschen in humaner Art und Weise erfolgen sollte .
Ich kam nach dieser Inspektion für einige Wochen in ein Krankenhaus in Berlin , Christburger Straße , wie auch viele andere Kinder dieses Transportes . Dort war es nach all dem Erlebten für mich wie im Paradies : Wärme , Essen und ein weißes Bett . Übrigens hatte ich Glück : bei mir war der linke Knöchel kompliziert gebrochen , bei den anderen Kindern waren Gliedmaßen - Finger , Zehen und teilweise auch Ohren - erfroren und mußten amputiert werden .
Später erfuhren wir , daß die Alliierten die polnischen Behörden nach diesen Transporten im sehr kalten Winter aufgefordert hatten , die Transporte vorübergehend einzustellen .
Soviel zu meinen Erfahrungen in punkto Narvik-Lager .
Beste Grüße an alle vom Heubuder Rudi
Unter den über das Narvik-Lager durchgeschleusten Vertriebenen waren im Januar 1946 auch meine Mutter und ich
-damals im Alter von 12 Jahren . Wir waren dort für etwa 4-5 Tage , in unbeheizten Baracken und ohne jede Verpflegung . In diesem Lager bin ich vor Hunger und Schwäche zum ersten und einzigen mal in meinem Leben umgefallen . Obwohl andere Vertriebene auch nur sehr wenig an mitgebrachter Nahrung hatten , haben sie mir aus Mitleid etwas gegeben . Danach erfolgte der Transport Richtung Westen in durch Kriegseinwirkung teilweise beschädigten Personenwagen ( teilweise fehlten die Fenster , es gab Beschädigungen durch Einschüsse an den Außenwänden ) . Der Transport - ebenfalls ohne jede Verpflegung für die Deutschen - erfolgte in diesen unbeheizten Waggons ungefähr 5 Tage lang mit vielen Halten , zumeist auf freier Strecke , bis Scheune bei Stettin . Erst ab hier erfolgte am anderen Morgen der Weitertransport in Güterwaggons ( begleitet von sowjetischen Soldaten ) , an dem ersten Halt kurz nach der jetzt neuen Grenze erhielten alle Transport-Insassen zum ersten mal Tee und Brot . Abends kam dieser Transport auf dem Güterbahnhof Berlin-Pankow an . Von dort ging es zur obligatorischen Entlausung und danach gab es eine Inspektion durch alliierte Militärpersonen . Diese waren - nach meiner Erinnerung - über den Zustand der Vertriebenen offensichtlich sehr betroffen , denn im Potsdamer Abkommen war ja festgelegt , daß die Ausweisung aller Deutschen in humaner Art und Weise erfolgen sollte .
Ich kam nach dieser Inspektion für einige Wochen in ein Krankenhaus in Berlin , Christburger Straße , wie auch viele andere Kinder dieses Transportes . Dort war es nach all dem Erlebten für mich wie im Paradies : Wärme , Essen und ein weißes Bett . Übrigens hatte ich Glück : bei mir war der linke Knöchel kompliziert gebrochen , bei den anderen Kindern waren Gliedmaßen - Finger , Zehen und teilweise auch Ohren - erfroren und mußten amputiert werden .
Später erfuhren wir , daß die Alliierten die polnischen Behörden nach diesen Transporten im sehr kalten Winter aufgefordert hatten , die Transporte vorübergehend einzustellen .
Soviel zu meinen Erfahrungen in punkto Narvik-Lager .
Beste Grüße an alle vom Heubuder Rudi
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