Einwohnerzahlen in Danzig

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  • Wolfgang
    Forumbetreiber
    • 10.02.2008
    • 11623

    #16
    Zitat von J.Langfuhr
    Für mich ist die ethnische Durchmischung Danzigs eindeutig einschlie0lich aller Abgrenzungsmechanismen, um die Überlegenheit der Deutschen zu zementieren.
    Pardon, aber selbst nach mehrfachem Lesen habe ich diese Aussage nicht verstanden...

    Das Thema ist sehr komplex. Führt eine generelle Aussage über die Gesamtgeschichte Danzigs hinweg ohne die zeitnahen Einflüsse der Religionen und politischen Machtkonstellationen innerhalb Danzigs zu berücksichtigen nicht fast automatisch zu unscharfen, teils auf fehlerhafte Schlussfolgerungen?

    Wenn wir darüber sprechen, müssen wir auch über die Zeit sprechen in der diese "Abgrenzungsmechanismen" stattgefunden haben. Denn abgegrenzt, ausgegrenzt wurde auf vielen Seiten...

    Aber vielleicht habe ich ja die einleitende Aussage wirklich falsch verstanden...
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
    Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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    • Marc Malbork
      Forum-Teilnehmer
      • 23.02.2008
      • 1050

      #17
      Zitat von wenzkauer
      .... Einer Überlieferung nach, kommen meine "echten Danziger" ansich aus Wejherowo. Das erklärt schon einiges...
      Nun, das erklärt eigentlich alles. Habe die Zahlen kurz nochmal nachgeguckt. Vereinfacht gesagt: Danzig war zu 95 % deutsch, nur die Umgebung der westlich angrenzenden Landkreise von Putzig bis Dirschau war jeweils bereits nach der Volkszählung 1910 überwiegend polnisch.

      Wobei ich weiß, dass die Wiedergabe dieser Daten einschließlich der Tatsache, dass Danzig überwiegend evangelisch war, wohl sinnlos ist. Seit der Blechtrommel wissen wir, dass Danzig, ausgenommen die Nazis, polnisch-katholisch-kassubisch-deutsch, also quasi Multikulti war und aus jedem Filmtrailer über die Stadt lernen wir, dass Danzig schon immer eine internationale Stadt war, Polen, Flamen, Holländer, Russen, Schweden, vielleicht auch ein paar Deutsche. Die Holländer besiedelten übrigens allein eine holländische Landschaft in der Nähe von Danzig und nannten sich Mennoniten.

      Ich habe jetzt natürlich übertrieben, aber das heutige Bild Danzigs bei uns, soweit es das überhaupt noch gibt, scheint mir damit eine amüsante Bestätigung des Satzes der Gräfin Dönhoff, wonach nicht die Fakten wesentlich sind, sondern die Vorstellungen, die wir uns von den Fakten machen wollen. Amüsant deshalb, weil dieses Multikultibild des alten Danzigs zwar im Wesentlichen falsch (siehe den Beitrag von Wolfgang oben), aber immerhin außerordentlich entspannungsfördernd ist. Bevor man sich ansonsten wieder über den urslawisch-polnischen oder urgermanisch-deutschen Charakter der Stadt streitet - lassen wir es besser dabei, dass hier selbst die Steine international reden. Was wenigstens architekturhistorisch ja unzweifelhaft richtig ist.

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      • Christkind
        Forum-Teilnehmer
        • 10.02.2008
        • 1568

        #18
        Zitat von Rüdiger
        Nun, das erklärt eigentlich alles.

        Bevor man sich ansonsten wieder über den urslawisch-polnischen oder urgermanisch-deutschen Charakter der Stadt streitet - lassen wir es besser dabei, dass hier selbst die Steine international reden. Was wenigstens architekturhistorisch ja unzweifelhaft richtig ist.
        Vielleicht auch nicht ganz unwesentlich:
        Amtssprache in allen Ämtern und Behörden (außer in kirchlichen)
        von... bis Mai 1945 : Deutsch.
        Nicht international.
        _______
        Christa
        Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
        (M. Gandhi)

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        • wenzkauer
          Forum-Teilnehmer
          • 26.10.2008
          • 203

          #19
          Danke Rüdiger,

          nun bin ich einen guten Schritt weiter und kann einiges neu bewerten.

          Gruß Michael

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          • elfirohde
            Forum-Teilnehmer
            • 10.02.2008
            • 63

            #20
            Einwohnerzahlen in Danzig

            [quote=wenzkauer;20356]Hallo Wolfgang,

            danke für Deine Ausführungen. Einer Überlieferung nach, kommen meine "echten Danziger" ansich aus Wejherowo. Das erklärt schon einiges...
            Trotzdem beschäftigten mich diese 3,3% noch eine Weile.

            Hallo Michael,
            Meine Vorfahren lebten auch in der Kaschubei, in Luzino, Kartuzy und Wejherowo. Mein Vater ist in Wejherowo geboren, studierte in Danzig und war bis 1939 Angestellter bei der polnischen Eisenbahn. Er war ein überzeugter Pole, seine Freizeit verbrachte er in polnischen Vereinen. Die meisten seiner/unserer Freunde wohnten auf dem Polenhof in Langfuhr. Mein Bruder und ich besuchten den polnischen Kindergarten und ich schaffte es noch zwei Jahre vor 1939 die polnische Schule zu besuchen. Unsere Sprache war polnisch und deutsch. Bei Kriegsanfang wurden mein Vater, alle seine Kollegen und Freunde verhaftet. Gleichzeitig wurden wir auch aus unserer Wohnung und Langfuhr gejagt. Um eine sehr lange Geschichte kurz zu machen, bekam mein Vater 1942 das Angebot – sich der deutschen Wehrmacht anzuschließen und eingedeutscht zu werden. Er nahm natürlich dieses „Angebot“ an und so wurden wir in die Volksgruppe III auf Widerruf eingegliedert. Doch eine eigene Wohnung zu mieten war uns trotzdem nicht erlaubt. Ich durfte kein Mitglied in der Hitlerjugend sein und nach der Volkschule nur eine von der Partei bestimmte Schule besuchen. Trotz unserer Eindeutschung schikanierte man uns Danziger Polen durch den ganzen Krieg.
            Liebe Grüsse nach Hörby aus Skurup
            //Elfi

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            • wenzkauer
              Forum-Teilnehmer
              • 26.10.2008
              • 203

              #21
              Hallo Elfi,

              danke für deine Antwort. Da schreibst Du mir über diese kurze Distanz, dabei könnten wir uns fast winken. Ich bin aber auch ein " Kaschub " und habe Dich -trotz Versprechungen- nicht nochmal besucht. Dabei hat mir das so gut gefallen mit Dir, Kaffee und Lübecker Marzipan.
              Ich melde mich.....versprochen!!!

              Liebe Grüße Michael

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