Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute

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  • Jürgen_W
    Forum-Teilnehmer
    • 18.06.2016
    • 326

    #1

    Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute

    Liebe Forenmitglieder,

    etwas das es hier sicher irgendwo in einigen Forenbeiträgen gibt, aber mir persönlich zu wenig ins Licht gerückt wird, wäre ein eigener Themenschwerpunkt über das Zusammenleben zwischen Polen und Deutschen heute und damals (vor 1945).

    Es gibt und gab natürlich Unterschiede, aber leider sind aus meiner Sicht, vielleicht altersbedingt, die Beiträge entweder (meist) aus deutscher Sicht und nur ganz wenige aus polnischer Sicht.

    Danzig war eine polnisch/deutsche Stadt mit gemeinsamer Bevölkerung. Damals mehr deutsch, heute umgekehrt.
    Egal wie …

    Unsere Familiengeschichte war mütterlicherseits deutsch und polnisch geprägt. Die Großeltern waren aus deutsche aus Danzig, meine Frau ist aus Polen, somit unsere halbe Familie.

    Unserer Großvater hat in einer deutsch/polnischen Elektrofirma in Danzig gearbeitet und zb. in den 30er Jahren den Seesteg in Zopot elektrifiziert, Beleuchtung etc.
    Sein Kollege war Pole und lebte mit seiner Familie und meinem Großvater im gleichen Wohnhaus in Oliva.
    Beide Familien erlebten Ende März 45 das sehr traurige und gleiche Schicksal, ohne Unterschied.
    Die einrückenden Soldaten aus dem Osten machten bei ihrem Vorgehen keinen Unterschied.

    Wir in unseren Familie machen auch heute keinen Unterschied zwischen Deutschen und Polen, bzw. umgekehrt.

    Ausser unserem Forenbetreiber Wolfgang sind mir hier im Forum kaum deusch-polnische Familien mit Beiträgen bekannt.

    Warum ??? Ich versuche vieles zu verstehen, aber es fällt mir schwer. Für mich gibt es ausser der Sprache keine Unterschiede zwischen Deutschen und Polen im Zusammenleben.

    OK, es gibt wie überall Unterschiede zb. zwischen Bayern / Schlesiern, Pommern / Niedersachsen usw.

    Aber es wäre schön, wenn das Forum noch mehr über unser jetziges Zusammenleben berichten könnte.

    Wir würden uns sehr freuen, wenn unsere Wünsche einmal wahr werden könnten.

    Grüsse
    Jürgen und Familie
    Mit Google Street View spazierengehen und Danzig entdecken - im Forum unter Danzig mit Vororten Film und TV Tips
  • Wolfgang
    Forumbetreiber
    • 10.02.2008
    • 11623

    #2
    AW: Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute

    Schönen guten Morgen,
    hallo Jürgen,

    über das Thema "Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute" umfassend schreiben zu wollen, vor allem auch hier im Forum, ist schwierig, vielleicht sogar gar nicht möglich.

    Bei mir war das schon sehr früh eine Frage die ich auch noch mit meinen Eltern besprach. Mein Vater (*1926) sagte, in der Schule hätten sie auch polnische Kinder gehabt die deutsch sprachen, aber das waren ganz normale Schulkameradschaften. Meine Mutter (*1929) sagte, sie hätte keine Polen näher gekannt.

    Die im Freistaatgebiet lebenden Polen -zu ihnen gehörten auch die meisten Kaschuben- lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Einerseits die etwa 3-4% Polen mit Danziger Staatsbürgerschaft (sie lebten bei Gründung des Freistaates bereits in diesem Gebiet und optierten für die Danziger Staatsbürgerschaft) und dann eine zahlenmäßig schwankende Gruppe polnischer Staatsbürger (5-7%), die sich aufgrund des Versailler Vertrages uneingeschränkt im Freistaat aufhalten durften. Ergänzend zum Versailler Vertrag gab es das "Pariser Abkommen" mit sehr fortschrittlichen Regelungen (wie sie erst wieder innerhalb der Europäischen Union geschaffen wurden), nach denen ALLEN polnischen Bürgern, also nicht nur Jenen mit der Danziger Staatsbügerschaft, weitgehend die gleichen Rechte eingeräumt wurden wie den Danzigern. Das waren u.a. freies Aufenthalts- und Niederlassungsrecht, uneingeschränkte wirtschaftliche Tätigkeit und Unternehmensgründungen, freie Berufsausübung, uneingeschränkter Kauf von Grund- und Wohneigentum. Der einzige wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden polnischen Gruppen war, dass die Einen an Wahlen teilnehmen konnten und die Anderen nicht. Aber das ist heute auch in der EU der Fall.

    Bereits 1930 schickte Hitler seinen Gesandten, den späteren Gauleiter Albert Forster nach Danzig der dort die NSDAP auf Vordermann bringen sollte. Dieser schaffte das innerhalb kurzer Zeit und mit Erstarken der NSDAP ging eine antipolnische und antijüdische Politik einher. Der Nationalsozialismus war eine populistische Strömung die einfache Lösungen für schwierige Probleme versprach, Feindbilder schuf und mit dem Finger auf polnische und jüdische Mitbürger wies und sie mittels massiver Propaganda zu den Hauptschuldigen an allen Problemen machte.

    Das Alles hatte dann natürlich auch Konsequenzen für das Zusammenleben zwischen Polen und Danzigern. Das Verhältnis verschlechterte sich zusehends, polnische und jüdische Mitbürger wurden immer stärker drangsaliert und diskriminiert. Die polnischen Generalkommissare, die Völkerbundkommissare und auch der Völkerbund selber, konnten nur wenig dagegen tun.

    Mit Ausbruch des Krieges hatten die Polen mit Danziger Staatsbürgerschaft und/oder deutschstämmigen Danziger Ehegatten noch die besten Chancen, weitgehend unbehelligt zu bleiben. Polnische Staatsbürger, vor allen Dingen wenn sie in polnischen Staatsbetrieben arbeiteten oder in polnischen Vereinen/Organisationen tätig waren oder sich in irgendeiner Form polnisch-patriotisch oder antideutsch gezeigt hatten, wurden fast ausnahmslos verhaftet, in Konzentrationslager gesteckt, ermordet, ins Generalgouvernement deportiert, vereinzelt aber auch wieder "frei gelassen" und unter permante Kontrolle der Ortspolizeibehörden und Gestapo gestellt.

    Es gibt zahlreiche Biografien und Erzählungen von Polen und Danzigern über die Zeit vor, während und nach des Krieges. Sie unterscheiden sich meist in einem wesentliche Punkt: Polen berichten aus der Opferperspektive und ihrem täglichen Leben und Umgang mit den deutschen Danzigern ab ca. 1930, Danziger blicken auf das eigene Schicksal und schreiben kaum etwas über ihre polnischen Mitbürger.

    Ich besitze etliche Bücher deutscher und polnischer Autoren; ich muss mal sehen, dass ich eine kleine Liste der aus meiner Sicht interessantesten Werke zusammenstelle.

    Trotzdem bereits jetzt folgende Empfehlungen, die leider nur noch antiquarisch erhältlich sind:

    - Brunon Zwarra: Die Danziger
    - Dieter Schenk: Wie ich Hitler Beine machte
    - Sigmund Warminski: Danzig - Heimatland

    Vielleicht können auch noch einige andere Forumteilnehmer Bücher empfehlen, die das Verhältnis zwischen Polen und Deutschen aufzeigen.

    Schöne Grüße aus dem Werder
    Wolfgang
    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
    Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

    Kommentar

    • Belcanto
      Forum-Teilnehmer
      • 24.09.2008
      • 2507

      #3
      AW: Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute

      Das finde ich auch, denn es geht um die persönlichen, individuellen Empfindungen, die niemand außer man selbst aussprechen kann. Deshalb sind solche Betrachtungen subjektiv und nicht allgemein gültig.

      Kommentar

      • Jürgen_W
        Forum-Teilnehmer
        • 18.06.2016
        • 326

        #4
        AW: Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute

        Hallo Wolfgang,
        Du schreibst:
        über das Thema "Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute" umfassend schreiben zu wollen, vor allem auch hier im Forum, ist schwierig, vielleicht sogar gar nicht möglich.
        —————
        Umfassend muss das Thema gar nicht behandelt werden. Ich weiß natürlich das viele Ältere die den Krieg noch erlebt haben, das Thema ungerne ansprechen, geschweige den darüber schreiben möchten.

        Aber es gibt doch mittlerweile neue Generationen, die hier leider nirgends Beiträge schreiben oder eine Diskussion anregen … jedenfalls fallen sie nicht durch aktuelle Themen auf.

        Ok, das Forum nennt sich forum.danzig.de … also denkt man sich automatisch „naja dann werden sich darin nur Deutsche austauschen“ und zwangsläufig denkt man an die Zeit des zweiten Weltkrieges.

        Allerdings gibt es in Polen auch noch andere Foren, die mittlerweile den Weg gehen, über Historie, Kunstgeschichte, Musik, Treffen, usw. die junge Generation mit einzubinden.
        Es ist aber auch dort immer noch mühselig, ausserhalb von Facebook, TikTok usw. Forenmitglieder für Themen zu begeistern.
        Das gleiche Schicksal teilen mittlerweile auch viele Vereine, zumindest bei uns in DE.
        Angelvereine, Modellflugvereine, Wandervereine, Musikvereine usw. Wir alle haben mit Mitgliederschwund zu kämpfen und fragen uns, wann müssen wir unseren Verein auflösen?

        Leider rückt bei vielen Vereinen der Zeitpunkt näher, und dann denkt man an all die Arbeit die man als aktives Mitglied hineingesteckt hat.

        Wir haben noch etwa 10 Jahre, dann ist aus meiner Sicht dieser Punkt erreicht.
        Zumindest wenn es traditionelle oder historische Themen betrifft.
        Auch wenn es schwierig ist, etwas an dieser allgemeinen Situation zu ändern, aber ich würde es an Eurer bzw. unserer Stelle versuchen … zumindest Ideen dazu zu sammeln.

        Wie wäre es mit anderen Foren (auch polnischen Foren) Kontakt aufzunehmen, bzw. uns bei denen vorzustellen.
        Zumal es noch etliche andere Städte mit deutscher Geschichte gibt, man denke nur mal an Posen oder Breslau.

        An der Sprache wird es nicht mehr liegen, Übersetzungen im Internet sind sowas von einfach geworden !!!

        NEVER GIVE UP !!!

        Grüsse
        Jürgen DE/PL
        Mit Google Street View spazierengehen und Danzig entdecken - im Forum unter Danzig mit Vororten Film und TV Tips

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        • MeinEichwalde
          Forum-Teilnehmer
          • 06.10.2008
          • 545

          #5
          AW: Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute

          Lieber Jürgen und Familie, und alle anderen.

          Was Du vorschlägt schlage ich gerne auch vor. Es gibt sehr aktuelle facebookseiten des stadtsmuseums Malbork, Neuteich PL auch noch. Des tiegenhöfer werdermuseums, ( das heisst dann [h=2][FONT=inherit][FONT=inherit][FONT=inherit]Żuławski Park Historyczny. Dort sind alle geschichtlich interessierten drin und zwar in rauhen Mengen. Die übersetzung ist definitiv kein Problem. Ich bin die einzige deutsche Person, die dort postet. ) Man könnte dort um besser erkenntlich zu sein, kurz schreiben, dass man vom Danzig Forum kommt. Ich fände es super. Neulich war ja die grosse Sache, die Neuerscheinung von Sylwia Kubik, die genau das Thema hatte Zusammenleben von Polen und Deutschen, genau hier. Leider hatte ich auf meine Beiträge null Reaktionen und kam mir sehr alleine vor. OK, danke noch mal für die strategischen Ideen von Dir, Jürgen. Wolfgang könnte wenn er wollte sich auch in facebook beteiligen. " Nur Mut" scheint mir für alle der passenden Zuruf ..[/FONT][/FONT][/FONT][/h]Mit schönen Grüßen
          Delia

          Kommentar

          • Wolfgang
            Forumbetreiber
            • 10.02.2008
            • 11623

            #6
            AW: Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute

            Schönen guten Abend,

            wer sich wirklich informieren möchte über das Zusammenleben von Deutschen und Polen kann dies hier im Forum nur sehr bedingt tun. Über Erlebnisse im alten Danzig ist in den vergangenen Jahren schon häufig geschrieben worden. Wobei dann aber kaum über das deutsch-polnische Zusammenleben geschrieben wurde.

            Die deutsch-polnische Geschichte von gestern und heute ist so vielschichtig, dass eine oberflächliche Diskussion der Beziehungen zwischen Deutschen und Polen -mehr wird es hier kaum geben können- keinen tieferen Erkenntnisgewinn bringt. Es gibt jedoch zahlreiche Publikationen wie z.B. Bücher, Magazine und Newsletter, auch hochaktuelle, teils sogar online, die sich laufend intensiv mit diesem Thema befassen. Wenn gewünscht, kann ich auch darüber eine Aufstellung erstellen.

            Wir haben hier mehrere Forummitglieder in deutsch-polnischen Ehen. Einige leben in Deutschland, einige in Polen. In der Regel befasst man sich dann auch mit dem Land aus dem der Partner bzw. die Partnerin kommt. Man bringt Verständnis füreinander auf, lernt die Geschichte des Landes des Partners, wird sensibler für Empfindlichkeiten. Aber soll das hier unbedingt diskutiert werden? Ich befasse mich seit einigen Jahren mit der Geschichte Polens, bin Führer in einer Gedenkstätte/Museum, arbeite in Workshops mit deutschen Schulklassen und sehe wie wichtig es ist, nicht nur oberflächlich zu wissen.

            Ich komme mit vielen Polen in Kontakt und stelle immer wieder fest, dass auch viele von ihnen eine ähnliche Vertreibungsgeschichte haben wie Deutsche. So z.B. auch meine Frau, deren mütterliche Seite aus Teilen der Ukraine stammt die vor dem Krieg zu Polen gehörten. Je tiefer das Wissen übereinander, desto eher wird Empathie für das Schicksal des Anderen empfunden, desto besser versteht man sich.

            In Facebook bin ich nur noch sehr selten. Ich weiß nicht ob es nur mir so geht, aber ich werde dort mit Werbung und unerwünschten Beiträgen so vollkommen zugemüllt, dass ich absolut keine Lust mehr habe, dort noch etwas groß zu schreiben. Ich weiß, dass es recht interessante Facebook-Foren über unsere Region gibt, aber selbst wenn dort etwas geschrieben wird, ist es in der Regel verlorene Liebesmüh. Heute geschrieben, morgen verschwunden und damit vergessen. Ist also verschwendete Zeit die ich lieber anders verbringe.

            Schöne Grüße aus dem Werder
            Wolfgang
            Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
            Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
            Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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            • MeinEichwalde
              Forum-Teilnehmer
              • 06.10.2008
              • 545

              #7
              AW: Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute

              Lieber Wolfgang

              facebook ist super, und man kann auch suchstichworte bei Club nowodworski eingeben. Auch bei Neuteich PL, und dem Stadtmuseum von Malbork. Facebook müllt nicht zu, sondern es wird viel besprochen. Wenn Deine Frau auch aus Wolhynien durch ihre Grossmutter stammt, so geht es ihr wie vielen. Aber es gibt auch sehr viele Polen, die hier schon wohnten ( im Korridor) . diese Stories kann sich jeder von Oma und Opa erzählen lassen. Jedes der vielen Regionalmuseen der Danziger Region hat eine Facebookseite. Auch Du hast ja eine, wenn ich mich nicht irre. Wenn im Danzig-Forum hier nicht über die Polen von 1938 und ihre Nachkommen erzählt wird, dann wäre es doch wirklich schön, mal die facebookseiten dazu zu durchforsten und dort selbst Fragen zu stellen. Es ist das komplette polnische Modethema gerade hinsichtlich 1945 und den Neuankömmlingen aus Ostpolen,. Jeder hier diskutiert darüber. Warum sollte man sich nicht beteiligen. Zeitzeugen waren unsere Eltern und Grosseltern allemal und wir wissen sehr viel über sie aus GEsprächen. Das Format Dialoggruppe wie ich es kenne war zwar ein geschützter Raum, aber viele wollen sehr gerne jetzt, dass Informationen auch geteilt werden nach aussen. Ich nahm 1997 an den ONebyOne in Berlin Veranstaltungen teil. Es war berührend. Und auch Margot Friedländer kam aus dieser Szene der Zeitzeugen.
              mit schönen Grüßen aus Berlin
              Delia

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              • Peter von Groddeck
                Forum-Teilnehmer
                • 11.02.2008
                • 1517

                #8
                AW: Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute

                Hallo,
                Bücher zu diesem Thema, die ich gelesen habe:
                1. Carl Burckhardt (hoher Kommissar des Völkerbundes in Danzig): Meine Danziger Mission. Er beschreibt seine Beobachtungen der Spannungen in Danzig.
                2. Joachim Scholz: Vonn Danzig nach Danzig. Danziger Geschichte 1933-1945
                3. Frank Fischer: Danzig, die gebrochene Stadt. Danziger Geschichte 997 - 2005
                Gruß Peter
                Tue recht und scheue niemand.

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                • MeinEichwalde
                  Forum-Teilnehmer
                  • 06.10.2008
                  • 545

                  #9
                  AW: Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute

                  Lieber Peter, was stand drin ? in den Büchern. Renate Gleisner rezensiert das letzte Buch so "[FONT=&quot]Es ist für mich die erste vollständige Darsstellung der Geschichte der Stadt Danzig. Es ist verständlich geschrieben und stellt die Zusmmenhänge mit den umliegenden Staaten dar.[/FONT]
                  [FONT=&quot]Ich empfehle es allen Danzigern, soweit sie noch leben, ihren Kindern und Enkelkindern, aber auch denjenigen, die sich für die Gechichte des ehemals deutschen Ostens interessieren. Danzig war eine deutschsprachige Stadt mit deutschen Traditionen und ganz wenigen polnischen Einwohnern. Deutsch war Umgangs- und Amtssprache." Leopold wie folgt "[/FONT][FONT=&quot]Ich bin in Danzig geboren. Frank Fischer schreibt wie ein Deutschland Hasser. Eine Schande!" mangafa schreibt 2013 "[/FONT]Ein Geschichtsbuch, so atemlos geschrieben, dass man Mühe hat, es aus der Hand zu legen! Hat sicher mit dem Thema zu tun, aber auch mit dem fundierten Wissen des Autors und mit seiner flüssigen Sprache. Beim Lesen hatte ich permanent einen alten Stadtplan zur Hand - und eine Karte des Umlands, ist empfehlenswert.

                  Das zweite Buch ist ein Autor, der hier im Forum vorgestellt wurde. Bund der Danziger Autor.
                  Carl Burckardt, ganz super, ist er ins polnische übersetzt, das könnte man mal herausbekommen.

                  Mein Gedanke zu den polnischen Ehefrauen ist, dass ich mich zurückhalte.Wieviele deutsche gibt es in der REgion Pomorze, die dort leben. Wenn es sehr wenige sind erübrigt sich die ganzen Frage nämlich: Zusammenleben Polen und Deutsche - heute.. Das würde ich ja für ein ausgesprochen bedauerliche Sache halten.
                  Hier in Berlin leben ausgesprochene Massen von Polen harmonisch mit mir zusammen. Sie wohnen hier.
                  sonnige Grüße
                  Delia

                  Kommentar

                  • Jürgen_W
                    Forum-Teilnehmer
                    • 18.06.2016
                    • 326

                    #10
                    AW: Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute

                    Hallo Delia,
                    Du schreibst: Hier in Berlin leben ausgesprochene Massen von Polen harmonisch mit mir zusammen. Sie wohnen hier.
                    ———-
                    Genau das meinte ich… wohnen die Polen in Gruppen und Wohnvierteln quasi neben den Deutschen nebeneinander her, oder in gemeinsamen Familien miteinander?
                    Haben sich nun Deutsche und Polen miteinander vermischt?
                    Ich kenne das nur so, das Polen in Deutschland in Gruppen in besonderen Wohngebieten sich „sammeln“, es dort polnische Geschäfte gibt usw.
                    Aber im Prinzip bleiben sie meist in ihren Gruppen unter sich und treffen sich auch meist untereinander. Das meinte ich nicht mit dem Begriff „Zusammenleben“.
                    Grüsse
                    Jürgen
                    Mit Google Street View spazierengehen und Danzig entdecken - im Forum unter Danzig mit Vororten Film und TV Tips

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                    • MeinEichwalde
                      Forum-Teilnehmer
                      • 06.10.2008
                      • 545

                      #11
                      AW: Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute

                      Irrtum, lieber Jürgen,
                      in Berlin leben Polen komplett integriert und verteilt. Weil sie zum Beispiel Ärzte sind, die in einer kompletten Normalität mit der kollegenschaft interagieren , auch privat. Der polnische Mensch lebt auch komplett überall. Ist vor allen Dingen nicht zu erkennen, weil der perfekt deutsch spricht. Ich allerdings, wenn ich mal jemanden in der U Bahn anspreche. bemerke den Mini Akzent und frage immer. Serbisch ist so ähnlich. Aber der Akzent ist bei den meisten fast nicht zu hören Sie kaufen auch nicht in polnischen Läden sondern in allen Geschäften, weil es gar keine polnischen Läden gibt. Bis auf im Tempelhof Center einen Laden. Der aber sehr schlecht besucht ist. DAs einzige ist, dass sie polnische Verwandte in Polen haben. Sie haben studiert oder arbeiten auf dem Bau. Besonders Ärzte und Pflegekräfte nach meiner Meinung sind hier unterwegs. In grossen Mengen wie gesagt. Du müsstest eigentlich viele Menschen kennen, die in Deutschland sind. Sie berichten sicherlich nie von Heimweh, denn Polen fühlen sich unendlich wohl hier. Kirche allerdings wird in der Garnisonkirche am Südstern besucht . Da gibt es auch einen polnischen Buchladen. Um des noch mal auf den Punkt zu bringen Der Braindrain der Ärzte aus Polen war dramatisch.
                      Was haben denn andere hier für Eindrücke aus ihrer Nachbarschaft ?
                      Liebe Grüsse Delia

                      Kommentar

                      • Jürgen_W
                        Forum-Teilnehmer
                        • 18.06.2016
                        • 326

                        #12
                        AW: Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute

                        Mmmhh…ich kenne natürlich einige aus Polen…leider werden es weniger, weil jemandem als Hausmeister, Elektriker, Bauarbeiter etc. die Rente hier zum Leben und Wohnen zu gering wird und viele nach ihrem Berufsleben ihr Rentendasein in Polen vebringen möchten. Naja, Ärzte sind natürlich etwas anderes. Je besser die Bildung desto eher bleiben sie hier.
                        jürgen

                        - - - Aktualisiert - - -

                        Die junge Generation kennt kaum noch Ländergrenzen und lebt und arbeitet dort wo es gute Jobs gibt und es sich gut leben lässt…
                        Mit Google Street View spazierengehen und Danzig entdecken - im Forum unter Danzig mit Vororten Film und TV Tips

                        Kommentar

                        • MeinEichwalde
                          Forum-Teilnehmer
                          • 06.10.2008
                          • 545

                          #13
                          AW: Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute

                          Vielleicht ist es auch so, dass ich es deshalb so geniesse Polen hier in Berlin zu bemerken, weil meine Mutter das Zusammenleben mit den Polen beschrieb.Auf dem Lande. Ich fragte in meiner unrealisitschen Art: Ob sie denn auch die GEbäude für die Saisonarbeiter gehabt hätten, weil sie ja doch erzählt hatte, dass der "Unternehmer" mit den polnischen Saisonarbeitern aus dem Korridor ankam jedes Jahr. Meine Mutter musste in der Hamburger Verwandtschaft selber darauf achten nicht als leichtlebige Polin abgestempelt zu werden. Viele Hamburger warfen Polen und Deutsche aus dem Osten durcheinander als dem Kultivierten fremd. Das empfand ich als Kind sehr stark. Meine Mutter antwortete mir im Beisein der Nachbarin in unserem Reihenhausgarten. Die haben wir niht Polenbude genannt, sondern Polacksbude. Sie hasste Polen lange sehr. Und dann kam eine Pflegerin ins Haus, und die kochte besser als sie. Das war auf die Dauer nichts. Das Verhältnis war gespalten. Aber man hatte auch feste Arbeiterfamilien mit polnischen Namen...[FONT=Times]Unsere Leute holten noch zuletzt alles, was von Betten und Decken da war und stoppten es in den großen Planwagen, wo die Frauen saßen. Der Landauer war an den ersten Gummiwagen angebunden. Den fuhr Schröter mit seinem Gespann. Friedel ging zu Fuß. Eva und ich saßen auf dem Kutscherbock vom Landauer, ganz stolz, hocherhobenen Kopfes, sind wir vom Hof gefahren. Und die Ukrainer standen am Stall, die schwarze Anna heulte, so was von Falschheit! Sie warteten doch nur darauf, ins Haus zu stürzen und alles an sich zu reißen. Hinter dem Garten überkam mich dann plötzlich doch der Schmerz, es quoll hoch und floß über,[/FONT][FONT=Times][/FONT][FONT=Times] aber ich biß die Zähne zusammen und hatte es schnell überwunden. Wir fuhren dann Schritt für Schritt den schweren Weg und mußten so viel halten, weil der Treck so lang war. Hinter uns kam Wenzel mit dem 2. Gummiwagen, Wladek K, Schilling[/FONT][FONT=Times][/FONT][FONT=Times] und Alfikowski mit je einem Kastenwagen. Mit uns fuhren Fotta[/FONT][FONT=Times][/FONT][FONT=Times], Hedwig Dreschler[/FONT][FONT=Times][/FONT][FONT=Times], Lene und Sofie Katulski[/FONT][FONT=Times][/FONT][FONT=Times]. Franz Krajewski und der lange Stach[/FONT][FONT=Times][/FONT][FONT=Times], Christel Wigandt[/FONT][FONT=Times][/FONT][FONT=Times] kam mit einem Soldaten an, als wir hinter der Kate waren. Sie kam natürlich auch mit. Ebenso Frl Wenzel[/FONT][FONT=Times][/FONT][FONT=Times] mit Töchterchen Margot. Am Alfikowski Wagen war der geschlossene Milchwagen angehängt, dort stand der eiserne Ofen drin, [/FONT][FONT=Times]S.11[/FONT][FONT=Times]den mußte Frl. Jantzen bedienen und Frau Elender[/FONT][FONT=Times][/FONT][FONT=Times] mit ihren beiden Jüngsten kam noch hinein. Erna Stanke[/FONT][FONT=Times][/FONT][FONT=Times] war auch mit Die haben sich aber im Heu mit dem Soldaten verkrochen, die erste Nacht. Neuteich war ziemlich aus gestorben, als wir durchzogen ( das schon häufig zitierte lange Tagebuch meiner Oma)
                          viele grüße Delia[/FONT]

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                          • Jürgen_W
                            Forum-Teilnehmer
                            • 18.06.2016
                            • 326

                            #14
                            AW: Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute

                            OK…ich habe das Thema zugegebenermaßen angestoßen.
                            Mit dem Hintergrund zu erfahren, ob es heutzutage immer noch diese traurige und schlimme Kriegszeit in den Köpfen der jetzigen Bevölkerung gibt?
                            Bzw. ob unser Europäisches Zusammenleben immer noch so stark durch diese Zeit beeinflusst ist?
                            In Holland und Frankreich ist es in den jetzigen Generationen fast kein Thema mehr.
                            Was natürlich nicht heissen soll, das die Geschichte in Vergessenheit geraten sollte.
                            Im Alltag habe ich schon mit einigen Nationen zusammengearbeitet. Da gab es kaum Unterschiede…ok…Techniker oder IT-Freaks ticken etwas anders… 8-)
                            Mit Google Street View spazierengehen und Danzig entdecken - im Forum unter Danzig mit Vororten Film und TV Tips

                            Kommentar

                            • Wolfgang
                              Forumbetreiber
                              • 10.02.2008
                              • 11623

                              #15
                              AW: Zusammenleben Polen und Deutsche damals und heute

                              Schönen guten Morgen,

                              lesen übereinander verschafft einige Erkenntnisse, miteinander sprechen gibt sehr viel tiefere Einblicke.

                              Ich bin stv. Vorsitzender der Polnisch-Deutschen Gesellschaft in Danzig, es ist die älteste und vielleicht auch renommierteste dieser Gesellschaften in Polen. In Deutschland gibt es als Pendant dazu die Deutsch-Polnischen Gesellschaften. In diesen Gesellschaften in denen sich Deutsche und Polen begegnen, wo man miteinander spricht, wo man einander zuhört, wo man sich kennenlernt, erhält man tiefe Einsichten in das Zusammenleben der Zivilgesellschaften. Das größte Hemmnis in meinen Augen, ist das Nichtwissen übereinander und das Nichtwissen oder Mangelwissen der Geschichte des jeweils Anderen.

                              In der Gedenkstätte Stutthof arbeite ich in Führungen und Workshops mit deutschen Schulklassen, und obwohl die Schüler häufig recht gut informiert sind, gibt es dort oft noch große Wissenslücken über Polen. Und wenn man mehr übereinander weiß, kommt man sich immer sehr viel näher.

                              Was deutsch-polnische Ehen anbetrifft: Auch dort ist es so: Wenn man sich versteht, liebevoll miteinander umgeht, ist es nicht anders als in rein deutschen oder rein polnischen Ehen.

                              Schöne Grüße aus dem Werder
                              Wolfgang
                              Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                              Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                              Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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