Erfahrungsbericht stationärer Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

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  • mottlau1
    Forum-Teilnehmer
    • 11.02.2008
    • 1720

    #16
    AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

    Guten Morgen,

    der Hinweis zu der Lage von Krankenhäusern in Polen von Wolfgang ( Nr.3 ) ist sehr interessant. https://www.polen-pl.eu/im-krankenha...n-lagebericht/

    Ich selbst war wegen eines Hörsturzes den ich 2008 erlitt im Krankenhaus von Starogard-Gdansk. - In Begleitung einer Bekannten die sehr gut deutsch spricht wurde ich ins Krankenhaus gefahren (Rollstuhl). Man führte uns in ein Zimmer in dem ein Mann lag. Angeblich war dieser herzkrank. Geschlagene drei Stunden warteten wir auf den Arzt. Die Luft war zum Schneiden denn es breitete sich der intensive Alkoholgeruch im Zimmer mächtig aus!!!

    Endlich kam ich zum Arzt. Dieser verstand jedes Wort deutsch aber sprach mit mir nicht. Darum dolmetschte meine Bekannte zwischen uns. Die Aparaturen für die Untersuchung lagen verstaubt auf einem Tisch. Er machte mir klar daß ich unbedingt in sein Krankenhaus kommen muß. Meine Frage was denn mit mir gemacht würde beantwortete er: Sie werden Infusionen bekommen. Ich fragte wie lange dauert dies denn. Antwort: Drei Stunden. Da ich in der Nähe von nur 8km wohnte, bat ich ihn darum: Schicken sie mir eine Krankenschwester für diese Zeit dann bezahle ich alles privat. Nein das geht nicht war seine Antwort! Weiter fragte ich dies: Ich habe eine Auslandskrankenversicherung beim ADAC würden sie den Transport mit einem Auto nach Deutschland befürworten. Anwort: NEIN! Zu guter Letzt bakam ich ein Rezept für Tabletten u. verließ das Krankenhaus. - Eine Alternative blieb mir: Das Gesundheitszentrum in Pelplin wo ich dann zehn Tage lang hingefahren wurde um die Infursionen zu erhalten. Wegen des Gleichgewichtes konnte ich alleine nicht gehen. Nach drei Wochen war ich transportfähig und mein Mann fuhr mich heim. Erst nach sechs Monaten war ich in der Lage wieder allein gehen zu können.
    Ich kann nur jedem der Danzig besucht raten sich auf jeden Fall für diese Besuchszeit eine Auslandskrankenversicherung für alle Fälle abzuschließen. Aber auch dann ist man einem polnischen Arzt ausgeliefert.

    Das war meine Erfahrung die hoffentlich Anderen erspart bleibt.

    Jutta
    Es kann keiner gerecht sein, der nicht menschlich ist.
    (Maurice Cove de Murville) Französischer Politiker

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    • Mona1
      Forum-Teilnehmer
      • 21.07.2014
      • 59

      #17
      AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

      Oh liebe Jutta,
      wenn ich deine Zeilen lese, zieht es mir den Magen zusammen... Unglaublich, ein Nachbarland, nicht der Kongo oder sonstige Urwaldverhältnisse...
      Nicht nachzuvollziehen dass Menschen so unwürdig in Danziger Krankenhäusern behandelt werden ...
      Da werde ich gut überlegen, ob Danzig in diesem Jahr die richtige Reise für mich ist. Eine Auslandskrankenversicherung bringt ja unter Umständen überhaupt keine Hilfe... Traurig, traurig, traurig...

      Gruß Mona

      Kommentar

      • mottlau1
        Forum-Teilnehmer
        • 11.02.2008
        • 1720

        #18
        AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

        Liebe Mona,

        ich wollte mit meiner Erfahrung niemanden hier erschrecken. - Wollte nur aufzeigen was einen erwartet wenn man unverhofft ärztliche Hilfe in einem Krankenhaus erhofft.
        Eins habe ich, warum ich nicht in Starograd-Gd. ins Krankenhaus gehen wollte , leider vergessen zu schreiben. Bis ich zum HNO-Arzt gelangte wurde ich durch Gänge geschoben und konnte einen Blick in paar Krankenzimmer werfen. Das hat mich so abgeschreckt, daß für mich feststand, da gehe ich nicht rein!
        Ein großer Fehler meinerseits war dieser: Ich hätte zuerst den ADAC in München anrufen sollen und denen schildern müßen in welcher Lage ich mich befand, nämlich keinen Schritt alleine gehen zu können. Durch den Hörsturz war mein Gleichgewicht enorm gestört.
        Denke im Nachhinein, daß mir dann bestimmt Hilfe zuteil geworden wäre. - Eins war klar, der Arzt wollte mich mit aller Gewalt in sein Krankenhaus haben und darum hat er meine Frage mit nein beantwortet.

        Liebe Mona reise ruhig nach Danzig. Dir muß nichts derartiges wie mir passieren. Dennoch ist es auf jeden Fall gut wenn man durch eine Versicherung abgesichert ist.

        Alles Gute und schöne Grüße
        Jutta
        Es kann keiner gerecht sein, der nicht menschlich ist.
        (Maurice Cove de Murville) Französischer Politiker

        Kommentar

        • Ulrich 31
          Forum-Teilnehmer
          • 04.11.2011
          • 8556

          #19
          AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

          Hallo an alle, die hier aktiv oder inaktiv lesen!

          Mit seinem „Erfahrungsbericht“ in #1 hat nicht nur Wolfgang eine entrüstete Diskussion um die Situation in einer bestimmten Krankenhauseinrichtung im heutigen Danzig losgetreten (vgl. dazu #14), sondern Jutta hat mit ihrem „Nachhaken“ in #16 nun auch noch dazu beigetragen, dass Sybille (Mona1) wegen der von beiden Seiten geschilderten Umstände, die einem in Danzig/Polen im stationären Krankheitsfall widerfahren können, nunmehr ihre bisher in Danzig geplante Geburtstagfeier (vgl. #15) absagen will (vgl. #17). Jutta versucht zwar, Sybille von ihrem Reiserücktritt nach Danzig wieder abzubringen (vgl. #18), doch ich fürchte, dass Sybille bei ihrer Danzig-Absage bleibt.

          Diese Entwicklung finde ich fatal. Dadurch, dass Herbert Claaßen Anfang Juni auf jeden Fall Danzig besuchen wird (schönstes Geschenk zu seinem 90. Geburtstag), ich selbst sowieso wieder in der ersten Juniwoche in Danzig sein werde und ohne die in diesem Thread zu lesenden Erfahrungsberichte auch Sybille Anfang Juni in Danzig ihren Geburtstag feiern wollte, hätte schon diese günstige terminliche Übereinstimmung prima Gelegenheit zu einem Forum-Treffen mit Wolfgang in Danzig gegeben. Nun aber scheint Sybille nach dem hier Gelesenen leider andere Pläne zu haben, so dass sie und ihr Ehemann bei einem eventuellen Forum-Treffen in Danzig bedauerlicherweise fehlen würden.

          Da ich die letzten Reiseentscheidungen von Sybille nicht kenne (auch ich bitte sie hiermit herzlich, uns doch Gelegenheit zu geben, ihren Geburtstag mit ihr in Danzig zu feiern) und auch keinen Überblick habe, wer aus dem Forum evtl. außerdem am Juni-Treffen in Danzig teilnehmen könnte, möchte ich zunächst fragen, ob Ihr interessiert wäret, von mir einen Vorschlag zu einem solchen Treffen in Danzig zu erhalten. Ich wäre – bei Eurem Einverständnis – gerne bereit, die Organisation dafür (gerne mit zusätzlicher Hilfe) zu übernehmen.

          Auf Eure Antwort wartet gespannt mit freundlichen Grüßen
          Ulrich

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          • Inge-Gisela
            Forum-Teilnehmer
            • 09.11.2012
            • 1842

            #20
            AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

            Hallo Jutta,
            wie Du schon sagst, eigentlich sollte es für jeden, der ins Ausland reist, wichtig sein, eine Auslandskrankenversicherung zu haben. Egal, ob jung oder alt. Ich finde auch, dass man nun hier nicht zu sehr an das "was kann alles passieren" denkt. Wenn man nicht direkt was Akutes hat, sollte man schöne Pläne nicht aus zu viel Ängstlichkeit heraus absagen. Wenn man innerhalb von Deutschland reist, gerade in etwas kleinere Orte, ist z.B. erst mal keine direkte ärztliche Hilfe vorhanden. Keine Arztpraxis, direkt im Umkreis auch kein Krankenhaus, von einer Apotheke ganz zu schweigen. Also ohne Auto geht erst einmal gar nichts bzw. evtl. mit einem Taxi, was Krankentransporte ausführt, wenn eins auch verfügbar ist. Oder es geht uns so wie einmal in Hamburg, als vor Jahren wir unseren Onkel in ein Krankenhaus bringen wollten und es ihn erst einmal abgelehnt hatte, weil wir den Rettungswagen hätten beauftragen müssen. Was ist das für eine Art. Unser Onkel hatte uns bis dahin verschwiegen (wir sahen ihn ja auch nicht so oft), wie krank er war. Er war auch nie zum Arzt gegangen. Ich bin laut und energisch geworden und habe gesagt, dass er schwerstkrank sei, daraufhin war dann doch ein Zimmer frei.

            Also unliebsame Erfahrungen gibt es genügend auch in Deutschland, nur anderer Art. Ich hatte mal eine ambulante OP im Krankenhaus. Und wo hat man mich danach wegen der noch bestehenden Narkose untergebracht, auf dem Krankenhausflur. Man kann nie genau voraussehen, was passiert, egal wo man ist.

            Lieben Gruß

            Inge-Gisela

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            • Mona1
              Forum-Teilnehmer
              • 21.07.2014
              • 59

              #21
              AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

              Lieber Ulrich,
              bleib ganz entspannt zum Thema Krankenhaus, Danzig und eine erneute Reise dorthin. Bei uns sind die Würfel noch nicht gefallen, und es bedarf noch mehr gesundheitliche Stabilität bei mir, bis ich entscheiden kann, ob wir in der ersten Juniwoche in Danzig sein werden. Aber sollten wir reisen können, dann würden Helmut und ich natürlich zu einem Forum-Treffen in Danzig kommen :-) :-)
              Einen schönen Abend und liebe Grüße
              Sybille

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              • Wolfgang
                Forumbetreiber
                • 10.02.2008
                • 11623

                #22
                AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

                Schönen guten Abend,

                nach einem nun 2-wöchigen Marathon durch verschiedene Arztpraxen, Laboratorien und bei ambulanten Terminen in der Uni-Klinik wäre es nun fast soweit gewesen, dass ich einen zweiten Erfahrungsbericht über die Uni-Klinik schreiben kann. Heute Vormittag: Meine Frau brachte mich in die Notfallaufnahme wo ich sofort intensiv betreut, untersucht und behandelt wurde. Bis 17:00 Uhr stand noch nicht fest ob sie mich wieder laufen lassen, aber dann, nachdem die Ärzte sagten, in der Klinik würde ich auch nicht anders therapiert werden als zu Hause, entschieden wir uns, das bereits mitgebrachte Köfferchen nicht aus dem Auto zu holen sondern Richtung Heimat zu fahren.

                Es wäre schon interessant gewesen, einen weiteren Bericht (über eine andere Station bzw. Klinik) zu schreiben, aber zu Hause ist's einfach schöner...

                Auch wenn ich nicht scharf darauf bin: Die Gelegenheit, ein Kapitel 2 zu schreiben, wird sicherlich noch kommen.

                Schöne Grüße aus dem Werder
                Wolfgang
                Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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                • Herbert Claaßen
                  Forum-Teilnehmer
                  • 13.02.2008
                  • 1005

                  #23
                  AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

                  Hallo Wolfgang !
                  Dann wünsche ich Dir, dass Du langfristig keine Erfahrungen mehr in Krankenhäusern, Arztpraxen u.a. sammeln mußt und Du bald wieder zu 100 % der Alte bist.
                  Für unseren Aufenthalt in Danzig Ende Mai / Anfang Juni, es sind ja nur 3 volle Tage Aufenthalt, sammeln sich schon einige Termine an. Wir werden nicht alles schaffen, was wünschenswert wäre. Aber die Überlandtour Schiewenhorst/Werder soll es auf jeden Fall werden.Teile mir als PN doch bitte Deine Telefonnummer für eine vorherige Absprache mit.
                  Viele Grüße und weiterhin gute Besserung.
                  Herbert

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                  • Wolfgang
                    Forumbetreiber
                    • 10.02.2008
                    • 11623

                    #24
                    AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

                    Schönen guten Abend,
                    hallo Herbert,

                    vielen Dank für die Genesungswünsche! Bis Ende Mai sind es ja noch ein paar Monate und die Chancen stehen nicht schlecht, dass ich bis dahin tatsächlich wieder der "Alte" bin...

                    Was bis dahin neue Erfahrungen in Krankenhäusern oder Arztpraxen betrifft: Ich fürchte, die werde ich in der nächsten Zeit noch weiter reichlich sammeln dürfen. Seit heute bin ich wieder in der Uniklinik, gleiches alte Gebäude, andere Station, drei Stockwerke höher. Auch wenn das Eine oder Andere vielleicht ein bisschen besser sein mag, entsprechen die jetzigen Eindrücke im Großen und Ganzen exakt denen, die ich in meinem ersten Beitrag schilderte.

                    Schöne Grüße aus Danzig
                    Wolfgang
                    Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                    Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
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                    Kommentar

                    • Felicity, Ehrenmitglied +20.5.2024
                      Forum-Teilnehmer
                      • 13.02.2008
                      • 3493

                      #25
                      AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

                      Lieber Wolfgang ! Von der alten Omi, nun 90, kommt ein guter Rat . Mach das Beste aus einer wiederlichen Situation. Goenne Dir Ruhe, koerperlich und seelisch, schlaf so viel Du kannst. Und wenn Du Deinen P.C. bei Dir hast, bist Du ja auch in Deiner eigenen Welt. Gute Besserung und ganz liebe Gruesse von der Feli

                      Kommentar

                      • Christkind
                        Forum-Teilnehmer
                        • 10.02.2008
                        • 1568

                        #26
                        AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

                        Dann sei mal froh, dass du eine starke Frau an deiner Seite hast, die "vom Fach" ist. Ich wäre dort wohl rettungslos verloren. Für Ausländer bleibt im Krankheitsfall doch nur die sofortige Heimfahrt übrig.
                        Alles Gute, Wolfgang!
                        Christa
                        Auge um Auge- und die ganze Welt wird blind sein.
                        (M. Gandhi)

                        Kommentar

                        • Wolfgang
                          Forumbetreiber
                          • 10.02.2008
                          • 11623

                          #27
                          AW: Erfahrungsbericht stationäre Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

                          Guten Abend,

                          mag sein, dass ich Gevatter Tod von der Schippe gesprungen bin. Vorerst. Wir alle sind sterblich. Wir sind uns dessen nicht immer bewusst obwohl wir uns doch immer wieder von langjährigen und liebgewonnenen Forumteilnehmer/innen verabschieden mussten.

                          Es gibt Geräusche/Gerüche die Du Dein Leben lang nicht vergessen wirst. Du liegst in einem Fünf-Bett-Zimmer, Du weißt, Dein Nachbar liegt im Sterben. Gerade mal 48 Stunden zuvor wurde er als Notfall einquartiert, verkabelt, intubiert, kathedirisiert. Piep, piep, piep. Du weißt was das bedeutet. Notfall. Wie täglich. Es kann gut gehen. Oder auch nicht. Piep, piep, piep. Seine Frau ist bei der Einlieferung bei ihm. Besorgt. Aber nichts weiter. Eben eingeliefert. Wird schon werden. Kaum jemand ist sich dessen bewusst was schon werden kann, was schon werden wird. Piep. Piep. Piep. Seine Frau. Zwei Töchter. Spätestens wenn mitten im Krankenzimmer eine mobile Trennwand aufgebaut wird, weißt Du was die Stunde geschlagen hat. Sie waren da. Ich weiß nicht, ob sie wussten, was los war. Seine Frau weinte, sie gingen. Das schlimmste für mich war: Sie gingen ohne Abschied. Ohne Abschied, ohne Abschied... - wussten sie nichts? Bei Einlieferung war er ansprechbar, reagierte, konnte zwar wegen seiner Intubation nicht sprechen, aber Du hast gesehen, dass er ansprechbar war, reagierte. 48 Stunden später war er tot. Ich weiß nicht was war. Wahrscheinlich Multiorganversagen.

                          Das war als ich das letzte Mal in der Uniklinik lag. Davor, Anfang Januar, starben in der ersten Nacht in der ich in die kleine spezielle Station eingeliefert wurde, gleich drei Leute. Es erübrigt sich, darüber zu sprechen. Wenn Du dem Tod Tag für Tag, Nacht für Nacht begegnest. Wenn Du staunend, für Dich unbegreiflich siehst, welch reiche Ernte er einfährt. Du siehst Dich als staunender Zuschauer, nicht als Betroffener an dessen Tür er vielleicht klopft.

                          Der Kollege, der Mitkranke, der Sterbende, der in der Nacht vor meiner Entlassung starb: Er prägte Geräusche, Gerüche, die ich nie vergessen werde. Der Plastiksack, entfaltet im Zimmer, der Reißverschluss, rscht, rscht, die stundenlang im Zimmer stehenden Gerüche nach Entkabelung und Entkathedisierung, Du wirst es nie vergessen, es prägt, Du weißt, Du empfindest Sterblichkeit.

                          Vor ein paar Wochen wurde ich entlassen. Vorerst. Es geht mir besser. Vorerst. Die Chancen stehen gut. Vorerst?

                          Es wird noch ein Weilchen dauern bis ich wieder (vorerst?) halbwegs fit bin und mich im Forum wieder wie früher beteilige. Ich bitte auch darum, dass Ihr Euch in diesem Thema nicht groß kommentierend oder fragend oder anteilnehmend beteiligt. Nehmt es wie auch ich es nehme. Ich denke, es geht bergauf. Die letzten Monate haben mich geprägt wie nichts zuvor in meinem Leben. Es war, es ist und wird bleiben eine immer prägende Erfahrung.

                          Unabhängig von irgendwelchen zu beanstandenden Räumlichkeiten oder sonstigen Rahmenbedingungen: Die ärztliche und pflegerische Behandlung/Versorgung war während aller klinischer Aufenthalte absolut hervorragend. Sie unterscheidet sich zwar von der in Deutschland üblichen, aber ich habe gesehen, dass dies auch Vorteile haben mag.

                          Schöne Grüße aus dem Werder
                          Wolfgang
                          Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                          Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                          Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

                          Kommentar

                          • Wolfgang
                            Forumbetreiber
                            • 10.02.2008
                            • 11623

                            #28
                            AW: Erfahrungsbericht stationärer Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

                            Guten Abend,

                            es gibt Dinge über die man nicht sprechen will, Dinge über die man schweigen möchte, Dinge über die trotzdem informiert werden muss.

                            Wer die Notaufnahme in der Uni-Klinik Danzig überlebt hat und stationär aufgenommen wird, kann glücklich sein, denn dann hat er eine reelle Chancen zu überleben. Wer meine persönlich erlebten Eindrücke bereits als Horror empfand, wird kaum glauben, dass das noch steigerungsfähig ist.

                            Bisher schrieb ich nicht, weil ich in den letzten Wochen kaum Zeit dafür hatte, weil ich mich um andere Dinge kümmern musste, weil mich Sorgen auffraßen. Es handelt sich um meine Mutter, die momentan dort wieder liegt. Ob sie noch einmal nach Hause kommt?

                            Natürlich, 88 Jahre sind ein stolzes Alter. Es können Probleme auftreten, auch schwerwiegende. Wenn ärztliche Entscheidungen anfallen, wird man häufig erst hinterher wissen ob diese sinnvoll und erfolgreich waren.

                            In den vergangenen Wochen lebte ich im absoluten Ausnahmezustand. Meine Mutter, erst in der Klinik, dann zu Hause, dann wieder in der Klinik, die Zeit in der ich lernen musste, dass es selbst beim allerbesten Willen nicht möglich ist, eine zu 100% hilflose und pflegebedürftige Person vollkommen alleine (bzw. zusammen mit meiner Frau) zu betreuen, waren extrem schmerzhaft.

                            Wenn dies auch noch durch systembedingten Horror verstärkt wird, bist Du hilflos, absolut hilflos.

                            Nach meinen Erfahrungen kann ich nur sagen: Unabhängig davon wie alt und wie gesund bzw. krank Ihr seid, empfehle ich NIEMALS nach Polen zu reisen ohne zuvor eine Versicherung abgeschlossen zu haben, die Euch SOFORT -wenn noch irgendwie möglich- im Krankheitsfall nach Deutschland zurücktransportiert. Das Problem dabei ist nur, überhaupt noch einen Arzt zu finden, der einen Rücktransport befürwortet. Verlasst Euch NIE darauf, einen Arzt zu entdecken, der Eure EU-"Gesundheitskarte" akzeptiert. Es gibt ihn nicht. In all den Jahren in denen ich hier bin, habe ich keinen gefunden. Nur in den großen Krankenhäusern werden diese in der Regel akzeptiert - aber ob man die Notfallaufnahmen dort überlebt, hängt von gut Glück und Zufall ab.

                            Deswegen: Vor einer Polen-Reise unbedingt eine private Zusatzversicherung abschließen, im Krankheitsfall -vor allem wenn dieser ernsthaft ist- sofort einen PRIVAT behandelnden Arzt aufsuchen (die Hotels wissen welche) und dann, wenn es nicht gerade nur ein Schnupfen ist, sofort nach Deutschland transportieren lassen.

                            Schöne Grüße aus dem Werder
                            Wolfgang
                            Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                            Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                            Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

                            Kommentar

                            • Inge-Gisela
                              Forum-Teilnehmer
                              • 09.11.2012
                              • 1842

                              #29
                              AW: Erfahrungsbericht stationärer Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

                              Hallo Wolfgang,
                              es ist schon schlimm genug, einen geliebten Menschen leiden zu sehen. Aber wenn man dann auch noch mit von Dir geschilderten Problemen zu kämpfen hat, die man selbst nicht lösen kann und man von anderen abhängig ist, muss man wirklich viel Stärke in sich tragen, um nicht zu verzweifeln. Ich wünsche Dir und Deiner Frau in dieser Zeit viel Kraft.

                              Lieben Gruß

                              Inge-Gisela

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                              • Wolfgang
                                Forumbetreiber
                                • 10.02.2008
                                • 11623

                                #30
                                AW: Erfahrungsbericht stationärer Aufenhalt Uni-Klinikum Danzig

                                Danke, Inge-Gisela,

                                vorab ein kleines Beispiel für das was Realität ist, und zwar nicht nur in der Uni-Klinik: Nach festgestellter Lebensgefahr meiner Mutter, nach einem schweren Schlaganfall verbunden mit zuvor festgestellten unterirdischen Blutwerten hatten wir eine ärztliche Einweisung in die 35km enfernte Uni-Klinik Danzig da sie dort in fortlaufender Untersuchung und Behandlung war, und zwar hinsichtlich Herz, Blut und neurologischer Probleme. Da die Einweisung für sich alleine nicht für einen Krankentransport ausreicht, hatten wir auch eine ärztliche Verschreibung für den Transport nach Danzig. Diese wurde aber vollkommen ignoriert, von allen Seiten. Die alarmierte Notrufnummer sagte, sie könne nur ins wesentlich weiter entfernte Elbing oder nach Marienburg fahren. Andere Krankentransportunternehmen zeigten sich nicht interessiert. Nach ZWEI Stunden fanden wir dann nach intensiv-fiebrigen Internet-Recherchen die Firma "Nord Ambulanse", die hochprofessionell den Transport nach Danzig unternahm - natürlich gegen Bezahlung (wo sie dann unversorgt stundenlang in der Notaufnahme lag). Die deutsche Krankenkasse meiner Mutter, die KKH bei der sie versichert ist, verweigert eine Kostenübernahme da sie ja auch in Polen versichert sei und in diesem Falle seien nicht sie der Ansprechpartner sondern die polnische Krankenkasse.

                                Es ist wie in vielen vielen anderen Fällen: Laut Recht hast Du Ansprüche, aber Du hast in der Praxis absolut keine Möglichkeiten diese auch durchzusetzen. Mittlerweile könnte ich einen Roman darüber schreiben. Aber in Deutschland würde mir niemand glauben oder ich erhielte als Antwort "ja, ja, das gleiche kann Dir auch in Deutschland passieren". Quatsch, Unsinn, was hier ist, das ist tagtägliche Unmenschlichkeit, die unzählige Opfer fordert.

                                Wolfgang
                                Das ist die höchste aller Gaben: Geborgen sein und eine Heimat haben (Carl Lange)
                                Wolfgang Naujocks: Zertifizierter Führer und Volontär in der Gedenkstätte/Museum "Deutsches Konzentrationslager Stutthof" in Sztutowo
                                Certyfikowany przewodnik i wolontariusz po muzeum "Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady"

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