1. Zusammenfassung
Die vorliegende Untersuchung verfolgt das Ziel, die bislang ungeklärte Herkunft der Familie Johann Knoll vor ihrer Auswanderung in das Russische Reich im Jahr 1766 zu klären.
Die Identität dieser Familie gilt heute aufgrund mehrerer voneinander unabhängiger Primärquellen als zweifelsfrei belegt. Die Übereinstimmung der originalen Kuhlberg-Liste Nr. 3685 mit dem Haushalt Nr. 65 der Revisionsliste der Kolonie Krasnyj Jar aus dem Jahr 1767 ist durch originale Archivquellen nachgewiesen und wurde unabhängig voneinander von Andreas Idt und Georg Rauschenbach bestätigt. Beide zählen zu den anerkannten Forschern der deutschen Kolonisten des Jahres 1766 und sind Mitautoren des Standardwerkes Deutsche Kolonisten im Jahr 1766 in Oranienbaum und in den Siedlungsorten – Die Kuhlberg-Listen.
Die originale Kuhlberg-Liste Nr. 3685 enthält den Vermerk, dass die Familie Johann Knoll »aus Danzig kam«. Bis heute bleibt jedoch ungeklärt, ob diese Angabe den tatsächlichen Herkunftsort der Familie bezeichnet oder lediglich ihren letzten Aufenthaltsort vor der Auswanderung in das Russische Reich.
Ziel der vorliegenden Untersuchung ist daher nicht mehr die Identifizierung der Familie, sondern ausschließlich die Klärung dieser noch offenen historischen Fragestellung durch die systematische Auswertung der erhaltenen Kirchenbücher sowie weiterer archivalischer Quellen aus Danzig.
2. Stand der bisherigen Forschung
Den Ausgangspunkt der Untersuchung bildet die originale Kuhlberg-Liste Nr. 3685, in der Johann Knoll als Familienoberhaupt der Fahrt Nr. 46 auf der Bark Fortitudo verzeichnet ist. Der Eintrag enthält den Herkunftsvermerk »aus Danzig«.
Die Familie erreichte das Russische Reich im Juli 1766 mit der Bark Fortitudo.
Bereits im folgenden Jahr erscheint dieselbe Familie als Haushalt Nr. 65 in der Revisionsliste der Kolonie Krasnyj Jar. Dort werden Johann Knoll (30 Jahre), seine Ehefrau Anna (25 Jahre), der Sohn Johann Heinrich (7 Jahre) sowie der Sohn David (6 Monate) genannt.
Die weitere Entwicklung der Familie lässt sich anhand der evangelisch-lutherischen Kirchenbücher von Reinwald sowie der Revisionsliste von 1798 kontinuierlich verfolgen. Diese Quellen dokumentieren die spätere Geschichte der Familie innerhalb der Wolgakolonien, enthalten jedoch keine unmittelbaren Hinweise auf ihre Herkunft vor der Auswanderung.
Im Jahr 2026 bestätigte Andreas Idt auf Grundlage der vorliegenden Primärquellen eindeutig die Identität der Familie. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass Kolonisten des Jahres 1766 nicht immer ihren eigentlichen Herkunftsort angaben, sondern teilweise auch den letzten Wohnort oder den Ort der Anwerbung. Aus diesem Grund empfahl er ausdrücklich die systematische Untersuchung der evangelisch-lutherischen Kirchenbücher von Danzig.
Unabhängig hiervon bestätigte Georg Rauschenbach, dass die Kuhlberg-Liste Nr. 3685 zweifelsfrei dem Haushalt Nr. 65 der Revisionsliste von Krasnyj Jar aus dem Jahr 1767 entspricht.
Damit kann die Identität der Familie Johann Knoll auf Grundlage der gegenwärtig bekannten Primärquellenals gesichert angesehen werden. Gegenstand der weiteren Untersuchung ist ausschließlich die Klärung ihrer Herkunft vor der Auswanderung in das Russische Reich im Jahr 1766.
3. Chronologische Übersicht der archivalischen und dokumentarischen Quellen
Die nachfolgende Übersicht umfasst ausschließlich diejenigen archivalischen Quellen und fachlichen Stellungnahmen, die unmittelbar zur Klärung der Herkunft der Familie Johann Knoll vor ihrer Auswanderung in das Russische Reich im Jahr 1766 beitragen. Spätere genealogische Nachweise werden lediglich insoweit berücksichtigt, als sie für die eindeutige Identifizierung der ersten Kolonistengeneration erforderlich sind.
1766 – Kuhlberg-Liste Nr. 3685
Die originale Kuhlberg-Liste Nr. 3685 verzeichnet Johann Knoll, seine Ehefrau Anna sowie den Sohn Johann als lutherische Kolonisten mit dem Herkunftsvermerk „aus Danzig“. Diese Quelle stellt den frühesten bislang bekannten dokumentarischen Nachweis der Familie unmittelbar vor ihrer Auswanderung in das Russische Reich dar.
19. Juli 1766 – Ankunft der Bark Fortitudo in Kronstadt
Die Bark Fortitudo erreichte am 19. Juli 1766 von Lübeck kommend den Hafen von Kronstadt. Diese Quelle dokumentiert die Ankunft der Familie im Russischen Reich und ordnet sie zeitlich eindeutig der Auswanderung des Jahres 1766 zu.
1767 – Revisionsliste der Kolonie Krasnyj Jar (Haushalt Nr. 65)
In der Revisionsliste der Kolonie Krasnyj Jar erscheint die Familie erstmals vollständig im Russischen Reich. Erfasst werden Johann Knoll, seine Ehefrau Anna sowie die Söhne Johann Heinrich und David. Diese Quelle bildet die dokumentarische Grundlage für die eindeutige Identifizierung der Familie.
1798 – Revisionsliste
Die Revisionsliste von 1798 vermerkt, dass Heinrich Knoll im Jahr 1788 nach Stahl am Karaman (Swonarew Kut) übergesiedelt ist. Dadurch wird die genealogische Kontinuität der bereits als Johann Heinrich Knoll identifizierten Person innerhalb der Wolgakolonien dokumentiert.
2026 – Fachliche Stellungnahme von Andreas Idt
Andreas Idt bestätigt die Identität der Familie anhand der vorhandenen Primärquellen und empfiehlt als nächsten Forschungsschritt eine systematische Untersuchung der evangelisch-lutherischen Kirchenbücher von Danzig.
2026 – Fachliche Stellungnahme von Georg Rauschenbach
Georg Rauschenbach bestätigt, dass die originale Kuhlberg-Liste Nr. 3685 und der Haushalt Nr. 65 der Revisionsliste von Krasnyj Jar zweifelsfrei dieselbe Familie betreffen.
2026 – Fachliche Stellungnahme von Prof. Dr. Igor Rudolfowitsch Pleve
Prof. Dr. Igor Rudolfowitsch Pleve bestätigt die Lesung des Familiennamens Knoll in der originalen Kuhlberg-Liste, erläutert die Aussagekraft dieser Quelle und weist darauf hin, dass der Herkunftsvermerk „aus Danzig“ nicht zwingend den tatsächlichen Herkunftsort der Familie bezeichnet, sondern auch den letzten Aufenthalts- oder Anwerbungsort vor der Auswanderung wiedergeben kann.
4. Fachliche Bewertung des gegenwärtigen Forschungsstandes
Die Identität der Familie Johann Knoll gilt auf Grundlage der vorhandenen Primärquellen als gesichert. Die Kuhlberg-Liste von 1766, die Revisionsliste von Krasnyj Jar aus dem Jahr 1767 sowie die nachfolgenden Revisions- und Kirchenbuchquellen ermöglichen eine durchgehende dokumentarische Identifizierung der Familie.
Die fachlichen Stellungnahmen von Andreas Idt, Georg Rauschenbach und Prof. Dr. Igor Rudolfowitsch Pleve bestätigen diese Identifizierung unabhängig voneinander.
Die drei fachlichen Stellungnahmen ergänzen einander und ergeben ein in sich widerspruchsfreies Gesamtbild.
• Georg Rauschenbach bestätigt die eindeutige Übereinstimmung der Familie in der Kuhlberg-Liste Nr. 3685 mit dem Haushalt Nr. 65 der Revisionsliste von Krasnyj Jar.
• Andreas Idt bestätigt dieselbe Identifizierung und empfiehlt als nächsten Forschungsschritt die systematische Untersuchung der evangelisch-lutherischen Kirchenbücher von Danzig, da der Herkunftsvermerk »aus Danzig« sowohl den tatsächlichen Herkunftsort als auch den letzten Aufenthaltsort vor der Auswanderung bezeichnen kann.
• Prof. Dr. Igor Rudolfowitsch Pleve bestätigt die korrekte Lesung des Familiennamens Knoll in der originalen Kuhlberg-Liste und weist darauf hin, dass Herkunftsangaben in den Auswanderungslisten des Jahres 1766 nicht zwingend den Geburts- oder Herkunftsort wiedergeben. Nach seiner fachlichen Einschätzung kommt daher neben Danzig auch eine Herkunft aus Ostpreußen in Betracht.
Aus der Gesamtheit der archivalischen Quellen und der unabhängigen fachlichen Bewertungen ergibt sich folgendes Ergebnis:
Die Identität der Familie Johann Knoll ist durch die vorliegenden Primärquellen dokumentarisch eindeutig nachgewiesen. Nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung kann diese Identifizierung als gesichert angesehen werden.
Nicht geklärt ist ausschließlich die Frage, ob Danzig der tatsächliche Herkunftsort der Familie oder lediglich ihr letzter Aufenthaltsort vor der Auswanderung in das Russische Reich im Jahr 1766 war.
Zur Beantwortung dieser Frage liegt gegenwärtig keine eindeutige Primärquelle vor. Die systematische Auswertung der evangelisch-lutherischen Kirchenbücher sowie weiterer archivalischer Quellen aus Danzig stellt daher den wissenschaftlich folgerichtigen nächsten Forschungsschritt dar.
5. Forschungsstrategie
Auf Grundlage der vorliegenden Primärquellen sowie der übereinstimmenden fachlichen Stellungnahmen ergibt sich eine klar strukturierte Forschungsstrategie zur weiteren Klärung der bislang ungeklärten Herkunft der Familie Johann Knoll vor ihrer Auswanderung in das Russische Reich im Jahr 1766.
Erste Forschungspriorität – Evangelisch-lutherische Kirchenbücher der Stadt Danzig (ca. 1755–1766)
Da sämtliche bisher bekannten Primärquellen den Herkunftsvermerk »aus Danzig« enthalten und mehrere Fachgutachten ausdrücklich eine Untersuchung der Danziger Kirchenbücher empfehlen, sollte sich die weitere Forschung zunächst auf die evangelisch-lutherischen Gemeinden der Stadt Danzig konzentrieren.
Vorrangig zu untersuchen sind die Kirchenbücher der folgenden Gemeinden:
• Marienkirche (St. Marien), Danzig
Ich wäre sehr dankbar, wenn jemand mit entsprechendem Zugang folgende Filme überprüfen könnte:
Trauungen Film 742742 DGS 8025187
Taufen Film 742741 DGS 8015326
• Johanniskirche
• Katharinenkirche
• Bartholomäuskirche
• Französisch-Reformierte Gemeinde
Innerhalb dieser Kirchenbücher sollten insbesondere folgende Personen und Ereignisse systematisch recherchiert werden.
Johann Knoll
• Trauung mit Anna (ca. 1755–1761)
• Wohnort
• Beruf
• mögliche Herkunftsangaben
• sämtliche weiteren Einträge zur Familie
Anna (Ehefrau des Johann Knoll)
• Trauung
• mögliche Sterbeeinträge
• sonstige Kirchbucheinträge vor der Auswanderung
Johann Heinrich Knoll
• Taufe (ca. April 1760 bis April 1761)
David Knoll
• Taufe (ca. Ende 1765 bis Mitte 1766)
Darüber hinaus sollten sämtliche Einträge zum Familiennamen Knoll einschließlich möglicher Schreibvarianten wie Knol, Knohl oder vergleichbarer historischer Schreibweisen innerhalb des Zeitraums von etwa 1755 bis 1766 vollständig ausgewertet werden.
Ebenso sollten sämtliche Einträge zu den Vornamen Johann Heinrich, Heinrich und David berücksichtigt werden, sofern sie zeitlich, örtlich und familiär mit der bekannten Familie Johann Knoll in Verbindung gebracht werden können, auch wenn der Familienname im jeweiligen Eintrag nicht ausdrücklich genannt wird.
Zweite Forschungspriorität – Weitere archivalische Quellen der Stadt Danzig
Sollte die Untersuchung der Kirchenbücher keinen eindeutigen Nachweis zur Herkunft der Familie ergeben, empfiehlt sich anschließend die systematische Auswertung weiterer archivalischer Quellen der Stadt Danzig.
Hierzu zählen insbesondere:
• Bürgerbücher
• Fremdenregister
• Einwohnerverzeichnisse
• Zunftunterlagen
• Hafenunterlagen
• Auswanderungsunterlagen
• sonstige städtische Verwaltungsakten aus der Mitte des 17. Jahrhunderts
Diese Quellen können zusätzliche Hinweise auf Aufenthalt, Beruf, Bürgerrecht oder Herkunft der Familie liefern und damit zur Klärung beitragen, ob Danzig der tatsächliche Herkunftsort oder lediglich der letzte Aufenthaltsort der Familie vor ihrer Auswanderung in das Russische Reich im Jahr 1766 war.
Forschungsziel
Das zentrale Ziel der weiteren Untersuchungen besteht darin, den historischen Aussagegehalt des Herkunftsvermerks »aus Danzig« eindeutig zu bestimmen.
Dabei soll geklärt werden,
• ob Danzig der tatsächliche Herkunftsort der Familie Johann Knoll war,
oder
• ob Danzig lediglich den letzten Aufenthalts- oder Anwerbungsort vor der Auswanderung bezeichnet.
Erst der Nachweis entsprechender Primärquellen aus Danzig wird eine abschließende historische Bewertung dieser bislang offenen Fragestellung ermöglichen.
Hinweis an Archive und Forscher
Der Verfasser würde sich über Hinweise auf weitere archivalische Quellen, bislang unbekannte Kirchenbucheinträge oder sonstige dokumentarische Nachweise zur Familie Johann Knoll im Raum Danzig vor 1766 sehr freuen.
Jeder sachlich begründete Hinweis kann dazu beitragen, die Herkunft der Familie Johann Knoll auf einer gesicherten archivalischen Grundlage endgültig zu klären.
6. Schlussbemerkung
Die vorliegende Untersuchung verfolgt ausschließlich das Ziel, die bislang ungeklärte Herkunft der Familie Johann Knoll vor ihrer Auswanderung in das Russische Reich im Jahr 1766 auf der Grundlage nachprüfbarer Primärquellen zu klären.
Die Identität der Familie konnte durch die Übereinstimmung der Kuhlberg-Liste Nr. 3685 mit dem Haushalt Nr. 65 der Revisionsliste der Kolonie Krasnyj Jar aus dem Jahr 1767 sowie durch die nachfolgenden Revisions- und Kirchenbuchquellen eindeutig nachgewiesen werden. Diese Identifizierung wurde darüber hinaus unabhängig voneinander durch Andreas Idt, Georg Rauschenbach und Prof. Dr. Igor Rudolfowitsch Pleve bestätigt.
Nach dem gegenwärtigen Forschungsstand besteht kein begründeter Zweifel an der Identität der Familie Johann Knoll.
Offen bleibt ausschließlich die historische Frage, ob der in der Kuhlberg-Liste überlieferte Herkunftsvermerk »aus Danzig« den tatsächlichen Herkunftsort der Familie bezeichnet oder lediglich ihren letzten Aufenthalts- beziehungsweise Anwerbungsort vor der Auswanderung in das Russische Reich.
Die systematische Auswertung der evangelisch-lutherischen Kirchenbücher sowie weiterer archivalischer Quellen der Stadt Danzig stellt daher den methodisch folgerichtigen nächsten Forschungsschritt dar.
Die vorliegende Dokumentation soll zugleich als Arbeitsgrundlage für Archive, genealogische Forschungsstellen und Historiker dienen und die weitere Erforschung der Herkunft der Familie Johann Knoll erleichtern.
7. Dokumentierte Anlagen
Die nachfolgend aufgeführten Unterlagen sind Bestandteil dieser Dokumentation. Sie dienen ausschließlich der Dokumentation, Nachvollziehbarkeit und wissenschaftlichen Überprüfbarkeit der vorstehenden Ausführungen.
Anlage A – Fachliche Stellungnahmen
Andreas Idt
• deutsches Original
Georg Rauschenbach
• deutsches Original
Prof. Dr. Igor Rudolfowitsch Pleve
• deutsche Übersetzung
Anlage B – Reproduktionen der wichtigsten Primärquellen
• originale Kuhlberg-Liste Nr. 3685
• Revisionsliste der Kolonie Krasnyj Jar (1767), Haushalt Nr. 65
Verfasser: Paul Kuhlmann
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