inzwischen habe ich diesen ganzen Thread durchgelesen und ergänze danach #32 wie folgt:
- In Deinem Beitrag #27 vom 08.06.2020 schreibst Du: "Leider finde ich sonst keine Bilder." Daraufhin versuchte ich, Dir mit #28 zu helfen. Deshalb verwundert mich Deine Antwort darauf in #30. Das wirst Du sicher verstehen.
- In #30 schreibst Du außerdem: "Ich hoffe das vielleicht Rafael diese Nachricht liest." Rafael, der in diesem Thread als in Langfuhr Wohnender sehr hilfreich mit eigenen aktuellen Fotos aus dem Eschenweg war, hat das Forum zuletzt vor gut 10 Jahren besucht. Deshalb solltest Du einen ungewissen Kontakt zu ihm über PN oder E-Mail versuchen.
Mein Opa hat im Eschenweg gewohnt.
Er war der Sohn des betriebl. Assistenten Ernst Emil Lietzau.
Seine Adresse war Eschenweg 9.
Ich habe das Einwohnerbuch von 1942 hier liegen.
Mein Opa hat sehr viel darin markiert (Menschen die er kannte / Freunde der Familie / Eltern von Schulkameraden / Ausbildungsstätten / Verwandte)
U.a. hat der im Register Eschenweg (Seite 101, Straßenregister) neben seiner eigenen Wohnadresse der Kindheit folgende Menschen markiert:
Einen Slobboda, Fritz (ObWachtmeister AD, sowie seine Tante Bialke, Marta Ww.)
Wenn, diese interessanten Informationen, mein Eltern und mein Bruder noch lesen könnten, würden sich sich gewiss erinnern. Ich war noch nicht ganz fünf als wir weg mussten.
Hallo Jonny
Ursprünglich waren wir am 30. Januar 1945 in Oxhöff am Pier und wollten mit der Gustloff aus Danzig raus. Als unsere Oma das Chaos im Hafen und die vielen verängstigten Flüchtlinge und das herrenlose Vieh sah, sagte sie zu meiner Mutter." lass uns umkehren Lene, ich habe ein ungutes Gefühl. Wir gingen zurück auch deswegen, weil Mutter die schwanger war von uns getrennt worden wäre und auf ein Sanitätsschiff sollte. Wir gingen zurück. Mutter wolle das Kind in Danzig zur Welt bringen. Das die Bolschewisten, die laut Propaganda niemals Danziger Boden betreten würden, hielt sie nicht davon ab, etwa ab Anfang April unsere Wohnung zu beschlagnahmen. Es gab für uns keine Hebamme mehr, keine ärztliche Unterstützung und ähnliches. Da Kind sollte etwa Mitte Juli zur Welt kommen. Trotzdem wurde meine hochschwangere Mutter mehrfach vergewaltigt, mit Wodka übergossen und angezündet. Ich kürze es ab. Das Kind kam meines Wissens am 17.7.45 zur Welt lebte aber nur kurz. Er, es war ein Junge liegt im Pappkarton hinter dem Haus. Man gewährte uns noch 14 Schonfrist. Dann duften wir mit Handgepäck, es muss Anfang August gewesen sein Danzig Richtung Westen verlassen. Viele Grüße lieber Jonny
Es war noch viel Schlimmer. Mein Bruder wurde, weil man ihn für ein Mädchen hielt, niedergeschlagen. Man wollte ihn vergewaltigen. Er hat seit dieser kaum noch gesprochen. Weil es für uns traumatisierte Kinder nach dem Krieg keine Hilfe gab, habe ich versucht, meine Traumata, in meinem Buch zwischen Danzig und Niederelbe zu verarbeiten. Ein schönes Wochenende.
Wenn ich mir überlege, das mit den Kinder am Strand, also als ich das las, da wurde mir übel.
Habe selber gerade zwei Kinder (2 und 4) und alleine die Vorstellung...
Ich habe mich oft gefragt wie meine Urgroßltern es geschafft haben aus Danzig zu entkommen,
vor allem aber wie ich mir die Vertreibung vorstellen musste.
Habe viel mit meinem Opa gesprochen, ich war zwischen 12-20. Aber auf so manchen Frage wusste er keine Antwort,
oder wollte sie mir nicht geben.
Mit der Vertreibung der alt eingesessenen hat man, wenn gleich ich das irgendwie verstehen kann aus Sicht der poln. Bevölkerung, Unrecht mit Unrecht vergolten.
Ich hoffe, dass sich ein Krieg innerhalb Europas niemals wieder ereignet!
So viele aus meiner Familie weg und es grenz an ein Wunder,
dass mein Opa das irgendwie überlebt hat...
Ich habe beim ersten Besuch in Brösen, mir vom freundlichen Pfarrer die Sterbebücher zeigen lassen. Es war bis Ende 1944 alles preußischgenau eingetragen. Mit wunderbarer klarer Schrift. Dann aber ab Februar 1945 -bis etwa Mai 1945, waren seitenweise nur noch namenlose Kinderleichen eingetragen. Die tot an den Strand gespült wurden, an den wir als Kinder einst spielten. Für Sie gab es keine Trauer, sie wurden anonym beerdigt. Ich hätte auch dabei sein können. Das lässt einen niemals los. Man kann nur beten.
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